Leistungsbeschreibung für den Auftrag:
„Erstellung einer Potenzialanalyse und Konzeptstudie
zur Etablierung von Carbon Capture and Utilization
(CCU) im Saarland“
Auftraggeber dieses Auftrages ist:
Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz (MUKMAV)
Koordination des Vergabeverfahrens und Projektkoordination: MUKMAV, Referat C/5
1. Hintergrund und Einordnung
Am 01. Juli 2025 wurde das erste Klimaschutzkonzept des Saarlandes (KSK) durch die Landesregierung beschlossen. Neben den Aufgaben als Koordinierungsstelle nach § 8 des Saarländischen Klimaschutzgesetzes (SKSG) ist Referat C/5 auch für die Umsetzung konkreter Maßnahmen aus Steckbriefen des KSK zuständig.
In Steckbrief A-2 „CO -Abscheidung aus Anlagen der Abfallbehandlung (MVA und EVS- 2 Biomassezentrum)“ wird die konkrete Umsetzung eines Carbon Capture an Use (CCU)- Demonstrationsprojektes im Bereich der Abfallverbrennung beschrieben.
Neben den technischen und ökonomischen Fragestellungen bei der Abscheidung und Gewinnung des CO vor Ort, die NICHT Gegenstand dieses Vergabeverfahrens sind, stellt sich 2 – gleichberechtigt daneben stehend - die Frage nach möglichen Verwertungspfaden für das gewonnene CO bzw. den gewonnenen Kohlenstoff. Sinnvolle Verwertungspfade könnten ein 2 wesentliches Element für den möglichen Aufbau einer künftigen Kohlenstoffwirtschaft in der Region sein.
Die Vergabe dieses Auftrages dient daher der Untersuchung potenzieller CO - Nutzungspfade 2 im Saarland und der Region und der Betrachtung der Chancen und Herausforderungen, die mit deren Entwicklung verbunden sind.
2. Ziele und Erwartungen an den Auftrag
Gegenstand des Auftrags ist die wissenschaftlich-analytische und ökonomische Untersuchung der Potenziale für die Abscheidung, den Transport und die stoffliche Nutzung von Kohlenstoffdioxid (CCU) im Saarland sowie der grenzüberschreitenden Großregion. Ziel ist es, der Landesregierung fundierte Entscheidungsgrundlagen zu konkreten CO₂- Nutzungspfade und strategische Handlungsempfehlungen an die Hand zu geben, um schwer vermeidbare Industrieemissionen effektiv zu mindern und in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu überführen.
Die inhaltliche Arbeit teilt sich dabei in drei Kapitel, die im Folgenden grob beschrieben werden, die detaillierte Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte findet sich im beigefügten Leistungsverzeichnis:
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Kapitel I: Bestandsaufnahme, Marktanalyse und technische Grundlagen • Regulatorischer Rahmen: Analyse der aktuellen und absehbaren EU- und Bundesgesetzgebung (z. B. EU-Emissionshandel, Carbon Management Strategie, nationale Gesetzgebung). • Regionale Aktivitäten & Benchmarking: Untersuchung der CCU/CCS-Strategien der angrenzenden Bundesländer sowie der Nachbarstaaten Frankreich, Luxemburg und Belgien zur Identifikation von Synergien. • Emittenten-Analyse (Saarland): Erfassung der Branchen und konkreten Unternehmensstandorte im Saarland mit unvermeidbaren Restemissionen sowie Prüfung der Machbarkeit gängiger Carbon-Capture-Verfahren für diese Unternehmen. • Senken- und Abnehmer-Analyse: Identifikation potenzieller Abnehmer für CO₂ bzw. dessen Folgeprodukte (Edukte). Fokus intensiv im Radius bis 150 km um das Saarland; sekundär im Radius 150–250 km. Hierbei sind gezielt auch Abnehmer für die biologische Verwertung (z. B. Agrarsektor, Biotech- und Chemieindustrie) zu betrachten. • Technologie- und Anbieter-Screening: Analyse des Entwicklungsstands (TRL-Level) von Abscheide- und Umwandlungsprozessen (inkl. biologischer Synthesewege). Benennung konkreter industrieller Anbieter und Technologiepartner. • Einbettung in den regulatorischen Rahmen: Bewertung der als technisch realisierbar identifizierten Einsatzmöglichkeiten bei Emittenten und Abnehmer vor dem Hintergrund des regulatorischen Rahmens, inklusive einer Pro-Contra-Bewertung. • Infrastruktur & Transport: IST-Analyse vorhandener und geplanter Transportoptionen (Pipeline, Schiene, Straße, Binnenschiff) inklusive einer Pro- Contra-Bewertung. • Wirtschaftliche Basisdaten: Ermittlung von Preisspannen für die Gestehungs-, Umwandlungs- und Transportkosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Kapitel II: Technische Machbarkeit, Nutzungspfade und Szenarienentwicklung • Gekoppelte Machbarkeitsprüfung: Zusammenführung der identifizierten Emittenten (Quellen), Abnehmer (Senken), Transportoptionen und Abscheidetechnologien zu einem technisch plausiblen Gesamtsystem. • Ableitung von Nutzungspfaden: Definition der 5 erfolgversprechendsten CO₂- Nutzungspfade für die Region. Mindestens einer dieser Pfade muss die biologische Kohlenstoffverwertung mit abbilden. Dabei konkrete Betrachtung der Anbindungsmöglichkeiten von bis zu vier der identifizierten Quellen und bis zu vier der identifizierten Abnehmer. • Szenarienanalyse (Zeithorizonte 2027, 2031, 2035): Ökonomische Bewertung der Nutzungspfade unter drei regulatorischen Zukunftsszenarien: o Szenario I: Abschwächung der Klimaschutzvorgaben / Infragestellung des Net-Zero-Ziels 2045. o Szenario II: Status quo (gleichbleibende Rahmenbedingungen ohne Verschärfung). o Szenario III: Verschärfung der regulatorischen Vermeidungsvorgaben.
Kapitel III: Strategische Handlungsempfehlungen und Maßnahmenkatalog • Ebene Bund / EU: Formulierung von konkreten Vorschlägen zur Anpassung gesetzlicher Rahmenbedingungen, um die Wirtschaftlichkeit bisher unrentabler (aber klimaerforderlicher) Nutzungspfade zu verbessern. • Ebene Saarland: Erarbeitung von 5 bis 10 konkreten Handlungsempfehlungen für die Landespolitik, um die Realisierungschancen der definierten Nutzungspfade zu maximieren. • Auswirkungsanalyse: Darstellung, wie sich die vorgeschlagenen Maßnahmen auf die unter Kapitel II entwickelten Szenarien auswirken würden.
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Organisatorisch werden die inhaltlichen Arbeiten durch einen Stakeholder-Prozess, Work- shops und die Projektkoordination begleitet:
Terminart Anzahl / Turnus Inhalt / Zweck (jeweils inkl. Vor- und Nachbereitung)
Jour-Fixe Mind. 14-tägig Laufende Abstimmung zwischen Auftragnehmer (AN) (digital) und Auftraggeber (AG)
Workshop-Phase Bis zu drei halbtä- z.B. 1x Auftakt, 1x Vertiefung Emittenten, 1x Vertiefung zu Kapitel I gige Termine Abnehmerstruktur
Workshop-Phase Bis zu vier halbtä- z.B. 1x Auftakt, 1x Nutzungspfade, 1x Szenarien, 1x fi- zu Kapitel II gige Termine nale Ergebnisdiskussion
Ergebnisvorstel- Ein halbtägiger Präsentation und Diskussion der finalen Studienergeb- lung Termin nisse mit der Hausleitung des MUKMAV.
Berichterstattung und Dokumentationspflichten Die Ergebnisse sind in folgenden Teilschritten in deutscher Sprache zu dokumentieren:
- Zwischenbericht I (zu Kapitel I): Max. 30 Seiten. Dokumentation der Bestandsauf- nahme, Marktanalyse und Bewertung der Ausgangssituation für CCU im industriellen Maßstab.
- Zwischenbericht II (zu Kapitel II): Max. 30 Seiten. Darstellung der 3–5 Nutzungs- pfade sowie der ökonomischen Bewertung der drei Szenarien (2027/2031/2035).
- Abschlussdokumentation: Max. 80 Seiten. Zusammenführung der Zwischenbe- richte, ergänzt um die regulatorischen und landesspezifischen Maßnahmenvor- schläge (Kapitel III). Der Bericht muss vollständig barrierefrei gestaltet sein.
- Executive Summary: Max. 2 Seiten. Prägnante Zusammenfassung der Kernbotschaf- ten und Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger.
Reisekosten und Abrechnungseinheiten • Die Abrechnung der Leistungen erfolgt nach den Meilensteinen der Leistungsphasen bzw. Berichte.
Für die Präsenztermine im Saarland (insgesamt bis zu 8 Vor-Ort-Termine resultierend aus den Workshop-Phasen sowie der Vorstellung vor der Hausleitung) ist eine separate Reise- kostenpauschale pro Termin auszuweisen. Die Kalkulation der Reisekostenpauschale hat sich an den für Dienstreisen geltenden Grundsätzen und Erstattungssätzen des Saarländi- schen Reisekostengesetzes (SRKG) sowie den hierzu erlassenen Verwaltungsvorschriften in der jeweils geltenden Fassung zu orientieren.
3. Bearbeitungszeitplan und Arbeitsergebnisse
Die Gesamtbearbeitungszeit ist auf den Zeitraum 26.10.2026 bis 30.04.2027 ausgelegt.
Für das MUKMAV ist die Fertigstellung von Kapitel I bis spätestens 04.12.2026 und Kapitel II bis spätesten 01.03.2027 essenziell.
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Der AN ist im Rahmen der Auftragsbearbeitung verpflichtet, bei eventuellen Unklarheiten über Auftragsinhalt und Vorgehensweise unverzüglich Rücksprache mit Referat C/5, MUKMAV zu halten und das weitere Vorgehen mit ihm abzustimmen.
4. Honorarauszahlung
Die Vergütung erfolgt nach Vorlage sowie Abnahme der Zwischenberichte anhand der tatsächlich erbrachten Leistungen gemäß dem Leistungsverzeichnis nach Vorlage einer prüfbaren Endrechnung. Die Mehrwertsteuer wird zusammen mit der fälligen Rate ausbezahlt. Die erste Rechnung ist zum 08.12.2026 an den AG (§ 1 Absatz 5 des Vertrags) zu übermitteln
5. Projektablaufplan
Mit Angebotsabgabe ist durch den Bieter ein Projektablaufplan mit Meilensteinen einzureichen, der die Elemente der Leistungsbeschreibung sowie des Leistungsverzeichnisses enthält und die terminlichen Vorgaben einhält. Der Bieter ist aufgefordert dabei deutlich zu machen, wie er – auf Basis der vorhandenen Expertise und Erfahrung sowie in Verbindung mit der Verfügbarkeit des eingesetzten Personals – die erforderlichen Leistungsbestandteile sinnvoll miteinander in einen zeitlichen Zusammenhang bringt.
6. Kontakt für Rückfragen
Dr. Martin Wörner Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz Referat C/5, Koordinierungsstelle für Klimaschutz, Klimaanpassung und Elektromobilität Tel.: 0681/501-4734 m.woerner@umwelt.saarland.de
Weitere Verweise zu Anlage 1
a) Leistungsverzeichnis (Excel-Tabelle): verbindliche Eintragungen der Tagessätze, Zeitbedarf und Reisekosten
b) Klimaschutzkonzept des Saarlandes: https://www.saarland.de/SharedDocs/Downloads/DE/mukmav/klima/dl_ksk_final.pdf ?__blob=publicationFile&v=2
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