[Seite 1]
Leistungsbeschreibung Seite 1 von 13
Leistungsbeschreibung
Vergabe: Messkampagne zur Prüfung der Eignung des Satellitenfunks für eine TK-Mindestversorgung
Geschäftszeichen: Z25-3-2026-0012
[Seite 2]
Leistungsbeschreibung Seite 2 von 13
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ........................................................................................................................................................................................4
1 Hintergrund ................................................................................................................................................................................4
2 Ableitung von Erkenntnissen und kritische Würdigung - Gutachten 2023 ..............................................5
3 Untersuchungsauftrag ..........................................................................................................................................................6
3.1 Zielsetzung..........................................................................................................................................................................6
3.2 Forschungsfrage ..............................................................................................................................................................6
4 Untersuchungsdesign ............................................................................................................................................................6
4.1 Grundstruktur der Untersuchung ..........................................................................................................................6
4.2 Zeitliche Struktur ............................................................................................................................................................7
4.3 Szenario-Design – kontrollierte Variation von Einflussfaktoren ..........................................................7
4.3.1 Basisszenario .............................................................................................................................................................7
4.3.2 Dichteszenario .........................................................................................................................................................7
5 Messaufbau und Systemarchitektur ..............................................................................................................................7
5.1 Standardisierte Messstation .......................................................................................................................................7
5.2 Netzwerktopologie .........................................................................................................................................................8
5.2.1 Netzwerktopologie Beispiel Starlink ............................................................................................................8
5.2.2 Netzwerktopologie eventuell weiterer Marktteilnehmer .................................................................8
5.3 Anforderungen an den Messrechner ....................................................................................................................8
5.4 Messmethodik ..................................................................................................................................................................8
6 Untersuchung von Einflussfaktoren .............................................................................................................................9
6.1 Tarife ......................................................................................................................................................................................9
6.2 Nutzerdichte ......................................................................................................................................................................9
6.3 Witterung ............................................................................................................................................................................9
7 Datenstrukturen und Datensatzdefinitionen ...........................................................................................................9
7.1 Hauptdatensatz ................................................................................................................................................................9
8 Statistisches Prüfdesign ..................................................................................................................................................... 10
8.1 Perzentilbasierte Bewertung .................................................................................................................................. 10
8.2 Multivariate Analyse .................................................................................................................................................. 11
8.3 Zeitreihenanalyse ......................................................................................................................................................... 11
8.3.1 Trendanalyse.......................................................................................................................................................... 11
8.3.2 Autokorrelation .................................................................................................................................................... 11
8.3.3 Peak-Erkennung .................................................................................................................................................. 11
8.4 Bewertungskriterien ................................................................................................................................................... 11
[Seite 3]
Leistungsbeschreibung Seite 3 von 13
9 Optionale Leistung: Zusätzliche Arbeiten im Hinblick auf zwischenzeitlich veränderte Rahmenbedingungen ............................................................................................................................................................. 12
10 Prozeduraler Ablauf .......................................................................................................................................................... 12
11 Formale Anforderungen ................................................................................................................................................. 13
12 Inhaltliche Meilensteine ................................................................................................................................................. 13
13 Zeitliche Meilensteine ...................................................................................................................................................... 13
[Seite 4]
Leistungsbeschreibung Seite 4 von 13
Einleitung
Gemäß § 156 ff. Telekommunikationsgesetz (TKG) haben Endnutzerinnen und Endnutzer einen Anspruch auf eine Mindestversorgung mit Telekommunikationsdiensten an ihrem Wohn- und Geschäftsort. Sie dient der sozialen und wirtschaftlichen Teilhabe. Die Mindestversorgung umfasst einen Sprachkommunikationsdienst, einen Internetzugangsdienst sowie den hierfür notwendigen Anschluss an ein öffentliches Telekommunikationsnetz. Bei privater Nutzung ist die Mindestversorgung zu einem erschwinglichen Preis anzubieten.
Die Anforderungen an den Sprachkommunikations- und Internetzugangsdienst sind in der Verordnung über die Mindestanforderungen für das Recht auf Versorgung mit Telekommunikationsdiensten (TK-Mindestversorgungsverordnung – TKMV) festgelegt. Danach ist für den Download mindestens 15,0 Megabit pro Sekunde, für den Upload mindestens 5,0 Megabit pro Sekunde und eine maximale Verzögerung (Latenz) von 150 Millisekunden zu gewährleisten. Da die Werte für den Sprachkommunikationsdienst mit 64 Kbit/s unterhalb der Werte der TKMV für einen Internetzugangsdienst liegen, gilt der Dienst als impliziert.
Vor dem Hintergrund, dass das TKG technologieneutral ausgestaltet ist, kann die Mindestversorgung sowohl leitungsgebunden als auch über Mobilfunk oder Satellitenfunk erbracht werden.
Bei der Sicherstellung der Mindestversorgung mit Telekommunikationsdiensten spielt der Satellitenfunk in speziellen Versorgungssituationen, beispielsweise besonderen Einzellagen, bei nichterweiterbaren Kupfernetzen, bei unzureichenden Mobilfunkempfang aber auch als Übergangslösung bei Neubaugebieten eine wichtige Rolle.
Derzeit ist Starlink Internet Services Ltd. (Starlink) das einzige auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt tätige Unternehmen, welches erdnahe Satelliten nutzt und im Rahmen der Endkundenversorgung die Vorgaben der TKMV hinsichtlich der Latenz erfüllen kann. In naher Zukunft plant auch Amazon Leo auf dem Endkundenmarkt mit ähnlicher Versorgungstechnologie einzusteigen.
1 Hintergrund
Aktuell ist davon auszugehen, dass mit Ausnahme von zwei Regionen1 auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland eine Mindestversorgung über Satellitenfunk verfügbar sein sollte.
Allerdings mehren sich die Indizien, dass die Mindestversorgung nicht stets und regelmäßig in jedem Fall gewährleistet werden kann:
Zum einen erhielt die Bundesnetzagentur Rückmeldungen von Nutzenden, dass die Uploadrate mehrfach unterschritten werde. Zum anderen deuten die Ergebnisse einer behördeneigenen Messkampagne darauf hin, dass die Dichte der in der Nähe befindlichen Satellitenfunk-Antennen einen limitierenden Einfluss auf den Upload innerhalb des Satellitennetzes haben könnte.
1 Starlink Verfügbarkeitskarte
[Seite 5]
Leistungsbeschreibung Seite 5 von 13
Die Studie zur „Leistungsfähigkeit des Satellitennetzwerks Starlink – Status 2025“2 der TH Mittelhessen kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Kapazitäten des Satellitenfunknetzes im Vergleich zu 2021 zwar enorm erweitert haben, mit einer weltweiten Gesamtkapazität von rund 377 Tbit/s3 könnten aber lediglich 200.000 Kunden in Deutschland mit 100 Mbit/s versorgt werden. Erst im Endausbau, d.h. unter Annahme von 42.000 Satelliten, besteht das Potenzial, 13 Mio. Endkunden mit einer Downstream-Datenrate von 100 Mbit/s zu versorgen.
Gemäß dem Tätigkeitsbericht der Bundesnetzagentur betrug die Anzahl der aktiven Breitbandanschlüsse über Satellit Mitte 2025 bereits 122.000.4 Über den stationären Internetzugang für Privat- und Geschäftskunden hinaus wird der Satellitenfunk nomadisch von Reisenden, für den Empfang auf Schiffen, Flugzeugen und Zügen sowie im Zusammenhang strategischer Partnerschaften wie Direct-to-Cell-Anwendungen genutzt.
Fraglich ist, ob das Satellitenfunknetz eine Mindestversorgung gewährleisten kann oder ob mit steigender Nutzerzahl Kapazitätsengpässe entstehen.
2 Ableitung von Erkenntnissen und kritische Würdigung - Gutachten 2023
Die Bundesnetzagentur hat im Jahr 2023 ein Gutachten zum Thema „Überprüfung der Eignung verschiedener Technologien zur Erbringung der Grundversorgung“ bei den Unternehmen WIK- Consult GmbH und zafaco GmbH in Auftrag gegeben, welches Anfang 2024 abgeschlossen wurde. Das Gutachten behandelt unter anderem die Frage, ob Low-Earth-Orbit (LEO)-Satelliten, wie sie von Starlink genutzt werden, die Anforderungen der Grundversorgung der bis zum 30.12.2024 geltenden Fassung der TKMV erfüllen können. Zum damaligen Zeitpunkt lagen die Mindestanforderungen im Download bei 10 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), im Upload bei 1,7 Mbit/s und die Latenzanforderung bei maximal 150 Millisekunden (ms).
Die Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass LEO-basierte Satellitenkonstellationen für die Grundversorgung (RaVT) „prinzipiell einsetzbar sind, sofern die Konfiguration der Konstellation eine vollständige und kontinuierliche Ausleuchtung des Gebiets der Bundesrepublik gewährleistet“ 5. Der Gutachter stellte jedoch auch fest, dass es zu Schwankungen der Leistungsfähigkeit bis hin zu kurzzeitigen Dienstunterbrechungen kommen kann. Hier wurde bereits prognostiziert, dass mit steigenden Nutzerzahlen schlechtere Leistungsmerkmale zu erwarten sind.
Das vor drei Jahren erstellte Gutachten ist eine Momentaufnahme des damaligen Satellitenfunkmarktes. Aufgrund der dynamischen Entwicklung in diesem Sektor ergeben sich neue Fragestellungen.
2 https://brekoverband.de/wp-content/uploads/2025/09/Status-Starlink-final.pdf 3 Laut der Studie handelt es sich um Marketingangaben von Starlink. Die tatsächlich bereitgestellte Gesamtkapazität dürfte deutlich niedriger sein. 4 Tätigkeitsbericht Bundesnetzagentur 2024/2025, S. 63 5 Siehe Gutachten „Überprüfung der Eignung verschiedener Technologien zur Erbringung der Grundversorgung“, WIK-Consult GmbH und zafaco GmbH, 2024, abrufbar unter: Gutachten Eignung Übertragungstechnologien, Seite 72.
[Seite 6]
Leistungsbeschreibung Seite 6 von 13
3 Untersuchungsauftrag
3.1 Zielsetzung Grundsätzlich wird innerhalb der Amtsermittlung für jeden gemeldeten Standort vor einer Unterversorgungsfeststellung individuell geprüft, mit welcher Technologie eine Mindestversorgung erbracht werden kann.
Bereits mit der Versorgungsrecherche werden den Anfragenden buchbare Versorgungsoptionen mitgeteilt. Eine satellitengestützte Versorgung ist hierbei fast immer verfügbar. Vermehrt werden allerdings Versorgungsbegehren für Neubaugebiete oder größere Bauvorhaben von Gemeindevertretern oder Bauherren an die Bundesnetzagentur herangetragen, bei denen eine leitungsgebundene Versorgung nicht möglich und die Mobilfunkversorgung zugleich unbefriedigend ist. Eine erhöhte Nutzerdichte in einer bestimmten Ausleuchtungszone stellt den Satellitenfunk möglicherweise vor Herausforderungen.
Ziel des Gutachtens soll es daher sein, anhand einer Vielzahl an Messungen mittels eines standardisierten Messkonzeptes eine Bewertung zu ermöglichen, ob Satellitenfunk generell geeignet ist, eine Mindestversorgung gemäß TKMV in der Bundesrepublik Deutschland flächendeckend sicherzustellen. Der Fokus liegt hier auf der Nutzerdichte. Ferner sollen Erkenntnisse über die Stärke des Einflusses von limitierenden Faktoren (beispielsweise Wetter oder Tarife) gewonnen werden.
3.2 Forschungsfrage Werden die gesetzlichen Anforderungen zur Mindestversorgung mit Telekommunikations-diensten mittels Satellitenfunk durch die aktuell am Markt tätigen Unternehmen unter Berücksichtigung ausgewählter Einflussfaktoren in der Bundesrepublik flächendeckend eingehalten?
Zur Beantwortung sollen insbesondere folgende Hypothesen geprüft werden:
• ob die Downloadrate im Beobachtungszeitraum regelmäßig mindestens 15 Mbit pro Sekunde beträgt, • ob die Uploadrate im Beobachtungszeitraum regelmäßig mindestens 5 Mbit pro Sekunde beträgt und • ob die Latenz regelmäßig den Schwellwert von 150 Millisekunden unterschreitet.
Die Prüfung erfolgt mittels standardisierten Messkonzept (siehe Kapitel 4 und 5).
4 Untersuchungsdesign
4.1 Grundstruktur der Untersuchung Die Untersuchung soll an mindestens zwei, geografisch verteilten Standorten durchgeführt werden und über einen längeren Zeitraum dauern. Es ist mindestens ein Standort in einem Gebiet mit hoher Bevölkerungsdichte sowie mindestens ein weiterer Standort in einem Gebiet mit niedriger Bevölkerungsdichte vorzusehen.
Ziel ist die systematische und vergleichbare Erfassung der Leistungsfähigkeit eines satellitenfunkgestützten Internetzugangsdienstes unter praxisnahen Einsatzbedingungen. Diese
[Seite 7]
Leistungsbeschreibung Seite 7 von 13
ergeben sich insbesondere aus der Variation zentraler Einflussfaktoren gemäß Kapitel 6. Die Studie soll folgende Eigenschaften aufweisen:
• kontinuierliche Messung über definierte Zeiträume • Erhebung an mindestens zwei Standorten • standardisierte Messmethodik • kontrollierte Variation von Einflussfaktoren
4.2 Zeitliche Struktur Die Messkampagne soll an 14 Tagen innerhalb von 30 Kalendertagen erfolgen, wobei zwei Wochenenden enthalten sein sollten. Innerhalb der benannten Zeit soll ein durchgehender Betrieb über 24 Stunden pro Tag sichergestellt werden.
Die Messungen sollen in folgenden Intervallen erfolgen:
• aktive Durchsatzmessungen (Download/Upload) mindestens im Minutenintervall • Latenzmessungen mindestens im Minutenintervall • Verfügbarkeitsmessungen kontinuierlich im Intervall von maximal 5 Sekunden
4.3 Szenario-Design – kontrollierte Variation von Einflussfaktoren
4.3.1 Basisszenario Messung ohne zusätzliche Last, Einzelverbindung, Referenzzustand.
4.3.2 Dichteszenario Zur Untersuchung von Kapazitätseffekten und potenziellen Leistungseinbußen bei steigender Netzlast sollen Szenarien mit 10 gleichzeitig aktiven Terminals innerhalb desselben lokalen Versorgungsbereichs betrachtet werden. Ziel ist es, die Auswirkungen konkurrierender Nutzung auf die Leistungsfähigkeit systematisch zu analysieren.
Die Terminals sind dabei so zu betreiben, dass eine gleichzeitige und vergleichbare Nutzung sichergestellt ist. Die konkrete räumliche Anordnung sowie die Abgrenzung des lokalen Versorgungsbereichs sind durch die gutachterliche Stelle festzulegen und zu dokumentieren. Hierbei ist der vom Anbieter angegebene Mindestabstand zum nächsten Terminal (Mitte Halterung 0,9 m) zu beachten.
5 Messaufbau und Systemarchitektur
5.1 Standardisierte Messstation Jede Messstation muss identisch aufgebaut sein und folgende Komponenten enthalten:
• Hardware gemäß dem aktuellen Stand der Technik • Router oder Gateway • dedizierter Messrechner • kabelgebundene Ethernet-Verbindung
[Seite 8]
Leistungsbeschreibung Seite 8 von 13
5.2 Netzwerktopologie
5.2.1 Netzwerktopologie Beispiel Starlink Starlink-Terminal → Router → Messrechner
Das Starlink-Terminal (Dish) ist das Endgerät, das die Satellitenverbindung zu Starlink aufnimmt. Es empfängt und sendet die Daten über das Satellitennetzwerk, das mit dem Starlink-System verbunden ist. Das Terminal ist über das mitgelieferte Starlinkkabel (15m) direkt mit dem Router verbunden, um die Internetverbindung bereitzustellen.
Der Router stellt die Verbindung zwischen dem Starlink-Terminal und dem Messrechner her. Er leitet die Datenverkehrsströme weiter und sorgt für die notwendige Netzwerkverteilung. Der Router soll im Bridge-Modus betrieben werden, was bedeutet, dass der Router keine NAT (Network Address Translation) und keine Firewallfunktionen übernimmt. Durch diese Konfiguration wird die Netzwerkinfrastruktur so transparent wie möglich für die Messungen.
Der Messrechner ist das zentrale Gerät, das für die Durchführung der Messungen verantwortlich ist. Er ist über eine kabelgebundene Ethernet-Verbindung mit dem Router verbunden. Auf diesem Rechner wird automatisierte Messsoftware installiert, die kontinuierlich Leistungsdaten wie Downloadrate, Uploadrate und Latenz etc. aufzeichnet. Die Messdaten werden lokal auf dem Rechner gespeichert und regelmäßig an eine zentrale Datenspeicherung übermittelt. Diese zentrale Speicherung ermöglicht eine kontinuierliche und umfassende Analyse der Netzwerkinfrastruktur, sodass alle Messwerte in einem zentralen System erfasst und zur späteren Auswertung bereitgestellt werden können.
5.2.2 Netzwerktopologie eventuell weiterer Marktteilnehmer Spezifikationen bislang nicht bekannt
5.3 Anforderungen an den Messrechner Der Messrechner soll folgende Anforderungen erfüllen:
• feste Zeitsynchronisation über NTP (maximale Zeitdifferenz unter 1 Sekunde je System) • dedizierte Netzwerkschnittstelle • automatisierte Messsoftware • Paketgröße
5.4 Messmethodik Die Zielsysteme der Messungen sollen in leistungsfähigen Rechenzentren betrieben werden und über eine hinreichende Anbindung verfügen, sodass die Messergebnisse nicht durch Kapazitätsengpässe auf Serverseite beeinflusst werden. Die konkrete Auswahl der Zielsysteme soll durch die gutachterliche Stelle erfolgen und ist zu dokumentieren.
Bei der Auswahl der Zielsysteme sind zudem netztechnische Rahmenbedingungen, insbesondere Routing und Peering, zu berücksichtigen. Unterschiede in Peering-Strukturen oder Übergabepunkten zwischen Netzen können die Messergebnisse beeinflussen. Es ist daher sicherzustellen, dass die gewählten Zielsysteme geeignet sind, sowohl direkte als auch indirekte Netzpfade abzubilden, um mögliche Effekte aus Peering-Konstellationen sichtbar zu machen.
[Seite 9]
Leistungsbeschreibung Seite 9 von 13
Zur Sicherstellung der Vergleichbarkeit der Messungen sind grundlegende Parameter der Datenübertragung festzulegen. Hierzu zählen insbesondere die verwendete Paketgrößen sowie die Anzahl paralleler Datenströme. Die Parametrisierung soll so gewählt werden, dass sowohl typische Anwendungsszenarien als auch technisch relevante Grenzbereiche abgebildet werden.
Darüber hinaus ist sicherzustellen, dass die eingesetzten Messverfahren keine künstlichen Limitierungen enthalten und die maximal verfügbare Netzleistung erfassen können. Die vollständige Parametrisierung der Messungen ist transparent zu dokumentieren.
6 Untersuchung von Einflussfaktoren
Die Untersuchung soll systematisch den Einfluss zentraler technischer und nutzungsbedingter Faktoren auf die Leistungsfähigkeit der satellitengestützten Internetverbindung analysieren.
6.1 Tarife Zur Untersuchung möglicher Priorisierungseffekte im Netz sollen unterschiedliche Tarife berücksichtigt werden. Hierbei sollen der „RESIDENTIAL Max“ und der „PRIVATHAUSHALT-100 Mbit/s“ (bzw. „RESIDENTIAL 100 Mbps“) einbezogen werden.
Der jeweils genutzte Tarif soll im Hauptdatensatz über die Variable „plan“ erfasst werden. Dies ermöglicht die Analyse, ob und in welchem Umfang tarifabhängige Unterschiede in den gemessenen Leistungsparametern auftreten.
6.2 Nutzerdichte Die Nutzerdichte soll als Maß für die Netzbelastung im lokalen Umfeld des Messstandorts betrachtet werden. Hierzu sollen Szenarien mit unterschiedlicher Anzahl gleichzeitig aktiver Starlink-Terminals innerhalb eines definierten räumlichen Bereichs simuliert werden. Die Nutzerdichte soll im Hauptdatensatz über die Variable „dishes_density“ abgebildet werden. Diese beschreibt die Anzahl aktiver Terminals pro definierte Fläche und ermöglicht die Untersuchung von Kapazitätseffekten sowie potenziellen Leistungseinbrüchen bei steigender Auslastung.
6.3 Witterung Witterungsbedingungen stellen insbesondere bei satellitengestützten Kommunikationssystemen einen relevanten Einflussfaktor dar. Daher sollen Wetterdaten kontinuierlich erfasst und mit den Messdaten verknüpft werden. Die Witterungsbedingungen sollen im Hauptdatensatz über die Variable „weather_conditions“ dokumentiert werden.
7 Datenstrukturen und Datensatzdefinitionen
Für die nachgelagerte Analyse, Bewertung und Vergleichbarkeit der Messergebnisse ist eine klar definierte und konsistente Datenstruktur erforderlich. Es werden zwei zentrale Datensätze unterschieden. Beide Datensätze werden als Rohdaten übergeben, um eine flexible und unabhängige Weiterverarbeitung sowie eigene Analysen zu ermöglichen.
7.1 Hauptdatensatz
| Spalte | Datentyp | Beschreibung |
|---|---|---|
| timestamp | Datetime | Zeitstempel der Messung |
[Seite 10]
Leistungsbeschreibung Seite 10 von 13
| location_id | String | eindeutige Kennung des Messstandorts |
|---|---|---|
| latitude_wgs84 | Float | geographische Breite im Koordinatensystem WGS84 (EPSG:4326) |
| longitude_wgs84 | Float | Geographische Länge im Koordinatensystem WGS84 (EPSG:4326) |
| region_type (ggf. optional) | String | Typ der Region (z. B. ländlich, urban, suburban, topografisch schwierig) |
| scenario | String | das durchgeführte Szenario (z. B. Basis, Dichte) |
| download_mbps | Float | gemessene Downloadrate in Megabit pro Sekunde |
| upload_mbps | Float | gemessene Uploadrate in Megabit pro Sekunde |
| latency_ms | Float | Einweg-Latenz in Millisekunden |
| packet_loss | Float | Anteil der verlorenen Pakete während der Messung (Prozent) |
| target | String | Zielsystem oder Server, zu dem die Verbindung aufgebaut wurde |
| plan | String | der verwendete Tarif (PH100, PHMAX) |
| dishes_density | Integer | Anzahl der Dishes |
| weather_conditions | String | Witterungsbedingungen während der Messung (z. B. sonnig, bewölkt, regnerisch) |
Tabelle 1:geplante Struktur des Hauptdatensatzes
8 Statistisches Prüfdesign
Das nachfolgend dargestellte statistische Prüfdesign beschreibt methodische Ansätze zur Auswertung der im Rahmen der Messkampagne erhobenen Daten. Die aufgeführten Verfahren sind dabei ausdrücklich als Vorschläge zu verstehen und stellen ein Mindestniveau für die analytische Tiefe und methodische Qualität der Untersuchung dar. Die konkrete Auswahl, Ausgestaltung und Parametrisierung der eingesetzten Verfahren obliegt der gutachterlichen Stelle. Dabei ist sicherzustellen, dass die gewählten Methoden dem Stand der Wissenschaft entsprechen und die spezifischen Eigenschaften der erhobenen Daten angemessen berücksichtigen. Erweiterungen über die genannten Ansätze hinaus sind ausdrücklich möglich und im Sinne einer fundierten Analyse erwünscht.
8.1 Perzentilbasierte Bewertung Zur Bewertung der im Rahmen der Messkampagne erhobenen Leistungsparameter soll ein perzentilbasierter Ansatz verwendet werden, der es ermöglicht, die Leistungsfähigkeit des untersuchten Systems nicht ausschließlich anhand von Mittelwerten zu beurteilen, sondern die Verteilung der Messwerte differenziert zu berücksichtigen. Auf diese Weise können sowohl typische Leistungszustände als auch Randbereiche der Verteilung in die Analyse einbezogen werden.
Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung sollen hierzu geeignete Perzentilkennwerte für die zentralen Leistungsparameter, insbesondere Downloadrate, Uploadrate und Latenz bestimmt werden. Die konkrete Auswahl der heranzuziehenden Perzentile sowie deren methodische Einordnung sollen jedoch nicht im Vorfeld festgelegt werden, sondern im Zuge der technischen Auswertung auf Basis der erhobenen Messdaten eruiert werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die gewählten Kennwerte die tatsächlichen Verteilungsstrukturen der Messdaten adäquat abbilden und eine sachgerechte Bewertung der Leistungsfähigkeit ermöglichen.
[Seite 11]
Leistungsbeschreibung Seite 11 von 13
8.2 Multivariate Analyse Zur quantitativen Bewertung der Einflussfaktoren auf die Leistungsfähigkeit der satellitengestützten Internetverbindung soll eine multivariate Regressionsanalyse durchgeführt werden. Die Analyse soll insbesondere klären, in welchem Umfang Faktoren wie beispielsweise Tarif, Nutzerdichte und Witterung die gemessenen Größen Downloadrate, Uploadrate und Latenz beeinflussen.
Für die Analyse soll ein passendes Modell erstellt werden. Modellgüte und Validierung soll festgehalten und das Ergebnis sicherstellen, dass nicht nur deskriptiv gearbeitet wird, sondern auch kausale Zusammenhänge identifiziert werden.
8.3 Zeitreihenanalyse Zur weitergehenden Auswertung der im Rahmen der Messkampagne erhobenen Daten soll eine Zeitreihenanalyse durchgeführt werden. Ziel ist es zeitliche Muster, wiederkehrende Effekte sowie kurzfristige Schwankungen in den Leistungsparametern systematisch zu identifizieren und zu bewerten. Die Analyse soll sich auf die zentralen Downloadrate, Uploadate und Latenz beziehen. Die Ergebnisse der Zeitreihenanalyse sind im Kontext der übrigen Auswertungen zu interpretieren und in die Gesamtbewertung der Leistungsfähigkeit einzubeziehen.
8.3.1 Trendanalyse Im Rahmen der Trendanalyse soll untersucht werden, ob sich über den Messzeitraum hinweg systematische Veränderungen in den Leistungsparametern erkennen lassen. Die konkrete Auswahl der Verfahren zur Trendbestimmung, etwa durch Glättungsverfahren, Regressionsansätzen oder andere geeignete Methoden, soll durch die gutachterliche Stelle erfolgen. Dabei ist sicherzustellen, dass die gewählten Methoden die Charakteristika der vorliegenden Zeitreihen angemessen berücksichtigen.
8.3.2 Autokorrelation Zur Analyse zeitlicher Abhängigkeiten soll die Autokorrelation der Messwerte untersucht werden. Ziel ist es festzustellen, in welchem Maße Messwerte durch vorhergehende Zustände beeinflusst werden und ob sich wiederkehrende Muster oder periodische Effekte erkennen lassen. Die Auswahl geeigneter Verfahren zur Bestimmung der Autokorrelation soll durch die gutachterliche Stelle erfolgen. Die Ergebnisse sind dahingehend zu interpretieren, ob strukturelle Abhängigkeiten innerhalb der Zeitreihen vorliegen, die für die Bewertung der Versorgung relevant sind.
8.3.3 Peak-Erkennung Zur Identifikation von kurzfristigen Extremwerten soll eine Analyse von Spitzenwerten (Peaks) durchgeführt werden. Ziel ist es, außergewöhnliche Ereignisse wie starke Einbrüche der Datenrate oder signifikante Anstiege der Latenz systematisch zu erfassen und zu bewerten. Die konkrete Definition von Peaks sowie die Auswahl geeigneter Erkennungsverfahren sollen durch die Studienersteller festgelegt werden. Dabei ist sicherzustellen, dass sowohl negative als auch positive Ausreißer berücksichtigt werden. Eine nachvollziehbare Abgrenzung zwischen normalen Schwankungen und außergewöhnlichen Ereignissen muss erfolgen.
8.4 Bewertungskriterien Zur Einordnung der Messergebnisse werden im Anschluss geeignete Bewertungskriterien definiert.
[Seite 12]
Leistungsbeschreibung Seite 12 von 13
Ziel ist es, der BNetzA eine nachvollziehbare Aussage darüber zu ermöglichen, ob und unter welchen Bedingungen die Anforderungen der Mindestversorgung erfüllt werden.
9 Optionale Leistung: Zusätzliche Arbeiten im Hinblick auf zwischenzeitlich
veränderte Rahmenbedingungen
Die Anforderungen an diese Studie richten sich nach den aktuell gegebenen Bedingungen. Dazu zählt insbesondere, dass der Anbieter Starlink aktuell als einziges Unternehmen die Anforderungen der TKMV innerhalb seines Services für die Versorgung mit Telekommunikationsdiensten über Satellitenfunk erfüllt.
Nicht unwahrscheinlich ist der zukünftige Eintritt weiterer Anbieter in diesen Markt.
Infolgedessen sind durch die gutachterliche Stelle zusätzlich zu den definierten Leistungen 15 Personentage anzubieten, die im Bedarfsfall abgerufen werden und nach Aufwand abzurechnen sind (s. Leistungsverzeichnis, Nr. 2).
10 Prozeduraler Ablauf
Zu Beginn ist ein Auftakttermin angesetzt. In diesem wird die Testphase, die Auswertephase und die Finalisierungsphase geplant und terminiert.
Für die Planungsphase ist ein Zeitraum von 30 Tagen vorgesehen.
Für die Testphase ist ein Zeitraum von 30 Tagen vorgesehen.
Für die Auswertephase ist ein Zeitraum von 30 Tagen vorgesehen.
Für die Zusammenstellung der Ergebnisse (Finalisierung) ist ein Zeitraum von 30 Tagen vorgesehen.
So ergibt sich eine Gesamt-Bearbeitungszeit von 120 Tagen.
Während dieser Bearbeitungszeit sind einmal wöchentlich telefonische Abstimmungen zwischen der Bundesnetzagentur und der gutachterlichen Stelle durchzuführen, um den Sachstand zu dokumentieren, Fragen zu klären und die nächsten Schritte zu avisieren.
Nach Beendigung der Planungsphase, der Testphase und der Auswertephase ist jeweils eine Zwischenpräsentation vorgesehen. In diesen soll über den aktuellen Stand der Arbeiten informiert und die Zwischenergebnisse vorgestellt werden. Im Vorfeld übermittelt die gutachterliche Stelle der Bundesnetzagentur die Präsentation zur Vorbereitung des Termins.
Abstimmungsergebnisse sind bei der weiteren Bearbeitung des Gutachtens durch die gutachterliche Stelle angemessen zu berücksichtigen.
Am Ende der Gesamt-Bearbeitungszeit ist eine Abschlusspräsentation zur Vorstellung des finalen Gutachtens vorgesehen.
Alle Präsentationen sowie ggf. weitere Arbeitstreffen werden vollumfänglich im Online-Format durchgeführt. Im Budget sind daher – mit Ausnahme der erforderlichen Messungen vor Ort – keine weiteren Reise- oder Übernachtungskosten zu kalkulieren.
[Seite 13]
Leistungsbeschreibung Seite 13 von 13
11 Formale Anforderungen
Die zu liefernden Dokumente (vgl. auch 12. inhaltliche Meilensteine) haben folgende Kriterien zu erfüllen.
• thematisch umfassende bearbeitet • nachvollziehbar aufbereitet • Abstimmungsergebnisse berücksichtigt • nach wissenschaftlichen Maßstäben erstellt • valide Datenbasis, keine Simulation • in deutscher Sprache verständlich verfasst (Ausnahme: Fachvokabular) • veröffentlichungsfähig vorgelegt6
Alle Dokumente sind jeweils als Office- und PDF-Dokumente zu übermitteln. Die Projektsprache ist Deutsch.
12 Inhaltliche Meilensteine
Das Vorstehende zusammenfassend sind folgende Dokumente in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur zu übergeben.
• Planungsunterlagen (Zeitplan, Messkampagne, Auswertung) • zwei Zwischenpräsentationen • finales Gutachten im Umfang von mindestens 30 Seiten (Richtwert ca. 2.500 Zeichen pro Seite)
13 Zeitliche Meilensteine
Folgende Zeitpunkte gelten als verbindlich, solange nichts Anderslautendes schriftlich zwischen der Bundesnetzagentur und der gutachterlichen Stelle vereinbart wird.
• Auftakttermin: unmittelbar nach Auftragserteilung • Zwischenpräsentation Planungsunterlagen: 30 Tage nach Auftragserteilung • Zwischenpräsentation Testergebnisse: 60 Tage nach Auftragserteilung • Zwischenpräsentation 1. Entwurf des Gutachtens: 90 Tage nach Auftragserteilung • Abschlusspräsentation mit finalem Gutachten: 120 Tage nach Auftragserteilung
6 Die Veröffentlichungsfähigkeit orientiert sich an der Umsetzung (verlinkte und geschützte PDF-Datei). Aufbereitung (optisch ansprechend und einheitlich etc.) und Schwärzungserfordernis (in Absprache mit der Bundesnetzagentur sind ggf. Fassungen ohne Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse zu erstellen.)