[Seite 1]
68 Stoffdatenblätter
Anhang 6 Asbest
Stoffdatenblätter [Quellen u.a.: GESTIS-Stoffdatenbank der gewerblichen Berufsgenossenschaften (BIA) und Römpp Chemie Lexikon (Thieme-Verlag)]
- Allgemeines Vorbemerkungen Die folgenden Datenblätter geben Informationen Asbest ist eine Sammelbezeichnung für eine zu einzelnen Stoffen, die im Zusammenhang Gruppe anorganischer, natürlich vorkommender, mit Gebäuderückbauten besonders relevant kristalliner Silikate, die in Form von Fasern bzw. erscheinen. Im Rahmen der vorliegenden Faserbündeln auftreten. Asbest ist u.a. unbrenn- Arbeitshilfe können nur die wichtigsten bar, hitzebeständig, beständig gegen Fäulnis und Aspekte bezüglich der allgemeinen Stoffeigen- Korrosion, zugfest und wärmeisolierend. Die ein- schaften, der Stoffidentifikation, der Toxizität zelnen Asbestarten sind unterschiedlich bestän- sowie zur Verwendung im Baubereich und zur dig gegen Säuren und Laugen (z. B. Chrysotil ist Entsorgung betrachtet werden. Darüber hin- unbeständig gegen starke Säuren). ausgehende Detailinformationen finden sich in Die Beständigkeit der Fasern gegen Umwelt- der Fachliteratur. einflüsse ist jedoch auch mit der Grund für die krebserzeugende Wirkung von Asbest. Die Hinsichtlich einzelner Stoffdaten (z. B. Wasser- Fasern können bei mechanischer Beanspruchung löslichkeit) existieren häufig voneinander in immer dünnere Fasern aufspleißen. Die größte abweichende Angaben. Gefährdung besteht beim Einatmen asbesthalti- ger Stäube (Inhalation). Dabei sind vor allem die Die nachfolgenden Daten zur Stoffidenti- Fasern mit einem Durchmesser kleiner 3 µm und fikation und zur Toxikologie sind im einer Länge größer 5 µm (Verhältnis Länge zu Wesentlichen der GESTIS-Stoffdatenbank Durchmesser größer 3) besonders kritisch, da sie der gewerblichen Berufsgenossenschaften sehr tief in die Lunge eindringen können. (BIA) bzw.dem Römpp Chemie-Lexikon (Georg Thieme-Verlag 1996,ISBN 2. Daten zur Stoffidentifikation 3131078308) entnommen. Stoffbezeichnung:Asbest, Asbestfaserstäube CAS-Nummer:1332-21-4 INDEX-Nummer: 650-013-00-6 Stoffgruppenschlüssel: 122200 Natrium und seine Verbindungen 123200 Magnesium und seine Verbindungen 126510 Asbest
Verschiedene Asbestarten: Weißasbest:Chrysotil (Serpentinasbeste) Blauasbest:Krokydolith (Alkalihaltige Amphibolasbeste) Braunasbeste:Amosit, Aktinolith, Tremolit, Anthophyllit (Alkalifreie oder alkaliarme Amphibolasbeste)
Stoffbeschreibung: Aggregatzustand:fest unter Normbedingungen (1013 mbar/20ºC) Farbe:weiß, grau, grün, braun
weitere Eigenschaften: nicht brennbar, hitzebeständig, wärmeisolierend wasserunlöslich Dichte: 2,4 - 7,5 g/cm3 Schmelztemperatur 1100 - 1550°C
- Gefährdungseinstufung und Toxizität Einstufung gemäß ChemG: T (Giftig) GefStoffV: Hinweise auf die besonderen Gefahren (R-Sätze): R 45 Kann Krebs erzeugen R 48/23 Auch giftig: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Einatmen
Kontrollierter Rückbau / BayLfU 2003
[Seite 2]
Stoffdatenblätter 69
| Einsatzbereiche Brandschutz Wärmeisolation Elektroinstallation Dichtungen Bautechnische Chemische Produkte Produkte (Asbestzement) | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Brandschutz | Wärmeisolation | Elektroinstallation | Dichtungen | Bautechnische Produkte (Asbestzement) | Chemische Produkte | |
| neppurgtkudorP | • Brandschutzplatten und -matten • Spritzmassen, Isolierputze • Plastische Massen, Anstriche, Kitte und Spachtelmassen, Brandschutzmörtel • Pappen, Schnüre/ Vliese, anorg. Schaumstoffe, Brandschutzkissen • Textilien – Löschdecken – Vorhänge | • Platten und Matten • Anorg. Spritzmassen • Formteile und Formmassen • Materialien zur Verfüllung von Fugen und Hohlräumen • Textile Erzeugnisse | • Drähte und Kabel • Isolierstoffe • Formmassen • Kabel • Duroplastische Formmassen | • Statisch – Flachdichtung • Dynamisch – Packung • Heißgasdichtung • Kompensatoren | • Ebene Platten • Wellplatten • Rohre für Tiefbau – Druckrohre – Kanalrohre • Rohre für Haus und Grundstück – Abgas – Lüftung | • Anstrichstoffe und Spachtelmassen • Klebstoffe, Dich- tungsmassen, Kitte • Sonderprodukte mit Bitumen- oder Teer-Matrix • Formmassen mit Kunstharz-Matrix • Formmassen mit Kunststoff-Matrix |
Sicherheitsratschläge (S-Sätze): Kanzerogenität:Eine kanzerogene Wirkung beim Einzatzbereiche und S 53 Exposition vermeiden - Menschen wurde nachgewiesen. Produktgruppen für vor Gebrauch besondere Die Beziehung zwischen beruflicher Asbestexpo- Asbest Anweisungen einholen sition und erhöhtem Lungenkrebsrisiko ist gesi- Druckrohre: S 45 Bei Unfall oder Unwohlsein sofort chert. Außer Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) Herstellungsverbot 1994, Arzt hinzuziehen und bösartigem Tumor des Brust- und Bauchfells Verwendungsverbot 1995 (Mesotheliom) kann auch der Kehlkopfkrebs Arbeitsplatzkennzeichnung nach BGV A 8: (Larynxkarzinom) mit einer asbestbedingten Verbotszeichen: Exposition in Beziehung gebracht werden. P01 Rauchen verboten P06 Zutritt für Unbefugte verboten Einsatz im Baubereich P19 Essen und Trinken verboten Bei der Verarbeitung von Asbest zu Bauprodukten wird unterschieden in: Warnzeichen: W03 Warnung vor giftigen Stoffen fest gebundene Asbestprodukte: Asbestanteil ≤15 Gew.-% und Raumgewicht in Luftgrenzwerte am Arbeitsplatz (TRGS 900): der Regel über 1500 kg/m3, aber stets deutlich Die bisherigen Regelungen der TRGS 900 für über 1000 kg/m3 Asbest wurden aufgehoben. Begründung und schwach gebundene Asbestprodukte: Erläuterung s. TRGS 901 Nr.: 1 Asbestanteil ≥60 Gew.-% und Raumgewicht in der Regel unter 1000 kg/m3 Akute Toxizität: Definitionsgemäß ("eindeutig krebserzeugender Besondere Gefährdung geht dabei von schwach Arbeitsstoff") ist bereits nach einer akuten gebundenem Asbest aus. Exposition das Lungenkrebsrisiko erhöht. Von In der Tabelle sind die Einsatzbereicheund akuten Belastungssituationen ist heute wohl Asbest-Produktgruppen zusammenfassend kaum noch auszugehen, da die Gefährdung dargestellt. durch Asbest allgemein bekannt ist. 4. Entsorgung Chronische Toxizität: Die Entsorgung von asbesthaltigen Baustoffen Die Inhalation und kumulative Einlagerung von ist gemäß der Chemikalien-Verbotsverordnung Asbestfeinstaub in die Lungen kann zum Umbau z.B. Unter-Tage möglich. Seit kurzem existiert der normalen Lungengewebsstruktur führen auch ein Verfahren, bei dem der Asbestzement in (Lungenfibrose, Asbestose). Bis zum Ausbruch einer Tunnelofenanlage zerstört wird. Der asbest- der Krankheit können 25 Jahre und mehr verge- freie Zement wird in der Betonindustrie verwer- hen. Immunologische Veränderungen können tet. Bei der Ablagerung von asbesthaltigen ggf. erst ca. 15 Jahre nach Beginn der Abfällen ist das LAGA-Merkblatt 23 (Entsorgung Asbestexposition auftreten. asbesthaltiger Abfälle) zu beachten. Den gewerb- lichen Ausbau und die Entsorgung des Materials Mutagenität,Kanzerogenität : müssen qualifizierte Firmen durchführen, die Mutagenität:In mikrobiologischen Untersuchungen über die notwendigen Fachkundenachweise und Tierexperimenten wurden positive Ergebnis- (TRGS 519) verfügen. 7 se gefunden. Auch Untersuchungen am Men- schen weisen auf eine mutagene Wirkung hin.
Kontrollierter Rückbau / BayLfU 2003
[Seite 3]
70 Stoffdatenblätter
Benzo(a)pyren
(PAK) [Quellen u.a.: GESTIS-Stoffdatenbank der gewerblichen Berufsgenossenschaften (BIA) und Römpp Chemie Lexikon (Thieme-Verlag)]
- Allgemeines 2. Daten zur Stoffidentifikation Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe Stoffbezeichnung: (PAK) sind aus mehreren „kondensierten” Benzo(a)pyren, Benzpyren (3,4) Benzolringen aufgebaute Verbindungen. Als CAS-Nummer:50-32-8 Leitkomponente für die Bewertung von PAK- Index-Nummer:601-032-00-3 Belastungen wird häufig Benzo[a]pyren (BaP) Stoffgruppenschlüssel: herangezogen. BaP besteht aus 5 Benzolringen 140320 Kohlenwasserstoffe, aromatisch, C -H und ist kanzerogen. polycyclisch 20 12
PAK sind in Teer- und in geringeren Mengen in Stoffbeschreibung: allgemeine Strukturformel Erdölprodukten enthalten. Durch Emissionen von Molekulargewicht:252,30 g/mol Benzo(a)pyren Kfz-Verkehr und industrielle Prozesse sind PAK Aggregatzustand:fest (1013 mbar/20°C) heute weltweit verbreitet, Schwerpunkte bilden Aussehen:Plättchen, Nadeln, gelblich städtische Ballungsräume. In Umweltproben werden im Allgemeinen 16 Substanzen (gemäß weitere Eigenschaften: EPA = US-Environmental Protection Agency) Löslich in aromatischen Lösemitteln, bestimmt. wenig löslich in Alkoholen. Von dem Stoff gehen akute oder chronische Von technischer Bedeutung ist u.a. der Gesundheitsgefahren aus. Steinkohleteer, der bei der Verkokung, Der Stoff ist umweltgefährlich. Schwelung und Druckvergasung der Steinkohle anfällt. Die zähflüssige Masse, der „Rohteer”, ist Schmelzpunkt:179°C ein kompliziertes Substanzgemisch aus einem Siedepunkt:310 - 312°C (13 mbar) unverdampfbaren Anteil, dem Pech, und einem Dichte:1,282 - 1,351 g/cm3 verdampfbaren Anteil. Dieser verdampfbare Anteil wird, destillativ in verschiedene Fraktionen 3. Gefährdungseinstufung und Toxizität getrennt, „Teeröle” genannt. Steinkohleteeröle Einstufung gemäß ChemG: die unter dem Sammelbegriff Carbolineum T (Giftig) bekannt sind, wurden als stark riechende, teerig- N (Umweltgefährlich) ölige Imprägnieröle zum Holzschutz gegen Insekten und Pilzbefall eingesetzt. BaP ist im GefStoffV: Carbolineum in Gewichtsanteilen von ca. 2% Hinweise auf die besonderen Gefahren (R-Sätze): enthalten. R 45 Kann Krebs erzeugen R 46 Kann vererbbare Schäden verursachen Nach Bränden können unter Umständen hohe R 60 Kann die Fortpflanzungsfähigkeit beein- PAK-Konzentrationen entstehen. trächtigen R 61 Kann das Kind im Mutterleib schädigen R 50/53 Sehr giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben Sicherheitsratschläge (S-Sätze): S 53 Exposition vermeiden - vor Gebrauch besondere Anweisungen einholen S 45 Bei Unfall oder Unwohlsein sofort Arzt hinzuziehen (wenn möglich, dieses Etikett vorzeigen) S 60 Dieses Produkt und sein Behälter sind als gefährlicher Abfall zu entsorgen S 61 Freisetzung in die Umwelt vermeiden. Besondere Anweisungen einholen / Sicherheitsdatenblatt zu Rate ziehen
Kontrollierter Rückbau / BayLfU 2003
[Seite 4]
Stoffdatenblätter 71
Wassergefährdung: 4. Einsatz im Baubereich WGK 3 – stark wassergefährdend In folgenden Baubereichen wurden häufig PAK- haltige Stoffe eingesetzt: Luftgrenzwerte am Arbeitsplatz (TRGS 900): • teer- und pechhaltige Klebstoffe unter 0,005 mg/m3Geltungsbereich: Holzparkett und Hirnholzböden Strangpechherstellung und -verladung („Stöckelpflaster“), Ofenbereich von Kokereien • Asphalt-Fußbodenbeläge (Gussasphalt und 0,002 mg/m3Geltungsbereich: Asphalt-Fußbodenplatten), übrige Verfahren • bituminierte Dichtungs- und Dachbahnen, • „Teerkork” (teerverklebte Korkgranulat-Platten Einstufung der krebserzeugenden,erbgutver- und Rohrschalen), ändernden und fortpflanzungsgefährdenden • Bautenschutz: Bitumenlösungen, Stoffe (TRGS 905): Bitumenvergussmassen, Bitumenemulsionen, K2 - Krebserzeugend EG-Kategorie 2: • Steinkohlenteeröle als Holzschutzmittel und Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen • Schwarzdecken und Fugenvergussmittel angesehen werden sollten. (Betonplatten, Kopfsteinpflaster).
Akute Toxizität : 5. Entsorgung Die zu beobachtende Reizwirkung von Stäuben Mit PAK-haltigen Mitteln behandelte Holzbaustoffe basiert offensichtlich auf einer schwachen Hautre- weisen in der Regel einen hohen Heizwert auf, aktion, die in einem Kanzerogenitätstest an der so dass sie einer thermischen Verwertung zuge- Maus nachgewiesen wurde. führt werden können. Hoch belastete Hölzer sind jedoch nur in den dafür genehmigten Chronische Toxizität: Anlagen verwertbar. Beim Menschen wird die niedrigste toxische Dosis bei inhalativer Aufnahme von BaP mit 70 Verunreinigte mineralische Bausubstanz ist je ng/m3angegeben. In Tierversuchen wurde eine nach Höhe der Belastung gemäß den in erhebliche Tumorbildungsrate nachgewiesen. Anhang 7 aufgeführten Richtwerten zu entsor- gen. Reproduktionstoxizität,Mutagenität, Kanzerogenität: Reproduktionstoxizität:Es wird ein Risiko repro- duktionstoxischer Wirkung (Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit oder/und Fruchtschädi- gend) vermutet. BaP zeigte in Tierexperimenten und an Organkulturen eine ausgeprägte und differenzierte Reproduktionstoxizität. Hohe Dosen (40 mg/kg KG) bewirkten bei Mäusen eine fast vollständige Sterilität der nachfolgenden Generation.
Mutagenität:Es bestehen hinreichende Anhalts- punkte zu der Annahme, dass die Exposition eines Menschen gegenüber dem Stoff zu vererb- baren Schäden führen kann. BaP erwies sich in einer sehr großen Anzahl unterschiedlichster Tests als mutagen wirksam.
Kanzerogenität:Der Stoff ist als kanzerogen für den Menschen anzusehen.
7
Kontrollierter Rückbau / BayLfU 2003
[Seite 5]
Stoffdatenblätter 73
Biologische
Gefährdungen
Insbesondere im Zusammenhang mit extre- Stark mit Taubenkot verunreinigte Gebäudeteile men Verunreinigungen durch Taubenkotsind sollten daher vor dem eigentlichen Rückbau verschiedene Erreger und Parasiten zu nen- durch eine Fachfirma gereinigt werden. nen, die eine Gesundheitsgefährdung für die in diesen Bereichen arbeitenden Personen • Schimmel: darstellen können. Insbesondere im Zuge einer Gebäudeunter- suchung zur Sanierung ist auf möglichen • Salmonellen: Schimmelbefall von Gebäudeteilen zu achten. In der Regel ein sehr taubenspezifischer, für In Gebäuden, die über den Untergrund oder den Menschen kaum infektiöser aber in über defekte Dach- oder Fensterflächen hohen Prozentsätzen im Kot nachweisbarer Feuchtigkeit aufnehmen, bilden sich innerhalb Erreger. kurzer Zeit dünne Schimmelbeläge, sogenannte • Campylobacter-Bakterien: „Schimmelrasen“ an Wänden, Decken oder auf Das Krankheitsbild ähnelt dem einer Holz-Bauteilen. Die Schimmelpilze nutzen Holz, Salmonelleninfektion. Eine Infektionsgefahr Holzbestandteile in Tapeten oder organische ist gegeben, wenn Nahrungsmittel mit Inhaltsstoffe in Farben und Lacken als Taubenkot in Kontakt kommen. Nährstoffe. Als deutliches Anzeichen des Befalls • Chlamydien-Stämme: tritt ein muffiger Geruch auf, es lösen sich Diese Keime können durch Einatmen grippe- Tapeten vom Untergrund und es bröckelt Putz und typhusähnliche Symptome mit starker ab. Das Einatmen der Schimmelpilzsporen ist für Lungenentzündung auslösen eine gesunde Person normalerweise nicht (Papageienkrankheit). gefährlich. Bei immungeschwächten Personen • Kryptokokken: können die Sporen allerdings Allergien oder Der im Taubenkot nachgewiesene Pilz kann sogar Infektionskrankheiten (Mykosen) auslösen. durch Einatmen eine Lungen- und Gehirn- Darüber hinaus bilden manche Schimmelpilze hautentzündung verursachen. toxische Stoffe, sog. Mykotoxine, sowie • Taubenzecke: MVOCs (microbially produced volantile organic Sie lebt in Rissen und Spalten des Holz- und compounds), die zu Haut- und Schleimhautrei- Mauerwerks und kann in einer Art zungen führen. Bei Arbeiten in stark befallenen Hungerstarre lange Zeiträume schlechter Gebäuden sind deshalb Schutzmaßnahmen Lebensbedingungen überdauern. Menschen angezeigt (Einweg-Schutzanzug, Staub- werden nur befallen, wenn keine Tauben als Filtermaske, Handschuhe). natürliche Wirte mehr vorhanden sind. Die Übertragung von Krankheiten ist nicht sicher nachgewiesen.
7
Kontrollierter Rückbau / BayLfU 2003
[Seite 6]
78 Stoffdatenblätter
Künstliche Mineralfasern (KMF)
[Quellen u.a.: GESTIS-Stoffdatenbank der gewerblichen Berufsgenossenschaften (BIA) und Römpp Chemie Lexikon (Thieme-Verlag)]
-
Allgemeines 2. Daten zur Stoffidentifikation KMF ist eine Sammelbezeichnung für aus mine- Stoffbezeichnung:Künstliche Mineralfasern ralischen Rohstoffen (Silikatschmelzen) herge- Stoffgruppenschlüssel: stellte glasig amorphe Filamente unterschiedli- 999990 Sonstige Stoffe oder Stoffgemische cher Länge und Durchmesser. Die KMF besitzen ähnlich wie Asbest sehr günstige Eigenschaften Stoffbeschreibung: hinsichtlich der thermischen bzw. biologischen Aggregatzustand:fest (1013 mbar/20°C) Stabilität und der Unbrennbarkeit. Darüber hin- Aussehen:farblos (als Dämmmatte u.a. gelb oder aus zeichnen sie sich durch sehr gute Wärme- grau) und Schalldämmeigenschaften aus. weitere Eigenschaften:Nicht brennbare Fasern. Mineralwollen werden während der Produktion gute thermische Dämmeigenschaften bis zu 10% mit Bindemitteln (Kunstharze) und sog. Schmälzmitteln (Öle) versehen. Sie gewähr- 3. Gefährdungseinstufung leisten eine dauerhafte Wasserabweisung, bin- Luftgrenzwerte am Arbeitsplatz (TRGS 900): den die Fasern besser in den Mattenverband ein Geltungsbereich:Faserstäube, anorganische, und sorgen für eine bessere Griffigkeit. krebserzeugend Kategorie 1, 2 und 3 (außer Asbest) Vorteilhaft aus gesundheitlicher Sicht gegenüber • Hochtemperatur-Glasfasern: 500.000 F/m3 den Asbestfasern ist, dass bei den KMF keine • Bestimmte Bereiche des Umgangs mit Längsspaltung der Fasern auftritt. Es können Keramikfasern, Spezialglasfasern, polykristallinen aber auch bei den KMF erhebliche Anteile lun- keramischen Fasern (stationäre Altanlagen für gengängiger Fasern im Ø-Bereich < 1 mm vor- Keramik- und Spezialglasfasern; Verwendung von handen sein. Erkenntnisse über kanzerogene Keramikfasern und polykristallinen keramischen Wirkungen liegen im Wesentlichen aus Tier- und Fasern bei: Endbearbeitung, Einbau/Zustellung, Zellversuchen vor. Relevant für eine kanzeroge- Zusammenbau, Mischen/Formen; Tätigkeit ne Wirkung sind –wie beim Asbest- Fasern mit Verpacken bei der Herstellung von Keramikfasern ≤3 mm Durchmesser und Längen von ≥5 mm. und polykristallinen keramischen Fasern). Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand kann zeitbefristet bis 31.12.2002 500.000 F/m3 eine krebserzeugende Wirkung beim Menschen • im übrigen 250.000 F/m3 weder verneint noch belegt werden.
-
Einsatz im Baubereich Bei der Materialverarbeitung lösen sich Fasern KMF wurden und werden in allen Bereichen ein- ab, die akut zu Irritationen von Haut, Augen und gesetzt, wo wärmedämmende, brandschützende Schleimhäuten oder auch zu allergischen und/oder schallisolierende Eigenschaften Reaktionen (Bindemittel!) führen können. Dies gewünscht sind. ist insbesondere bei KMF der älteren Generation Sie werden auch im Wandbereich (Produktion vor 1995) zu beobachten. (Trockenwände) oder im Deckenbereich (abgehängte Decken) eingesetzt.
-
Entsorgung Aufgrund des geringen Heizwerts scheidet die thermische Verwertung von KMF aus. Andere Verwertungsverfahren (nach dem Mahlen Verwertung als Zuschlagsstoff in der Zement- herstellung) sind derzeit noch in der Entwicklung. Die Beseitigung des Materials erfolgt wegen der Gehalte an Kohlenwasserstoffen auf einer Deponie der Klasse I und II (bisher „Hausmüll- deponie“).
Kontrollierter Rückbau / BayLfU 2003
[Seite 7]
Stoffdatenblätter 79
Mineralölkohlenwasserstoffe
[Quellen u.a.: GESTIS-Stoffdatenbank der gewerblichen Berufsgenossenschaften (BIA) und Römpp Chemie Lexikon (Thieme-Verlag)]
- Allgemeines Akute Toxizität: Kohlenwasserstoffe sind wesentlicher Bestand- Unter normalen Arbeitsbedingungen wurden am teil des Erdöls und werden durch Raffination als Menschen keine gesundheitlichen schadstoffbe- Fraktionen unterschiedlicher Siedebereiche dar- dingten Veränderungen festgestellt. Versuche an aus isoliert. Die einzelnen Fraktionen sind als Ratten mit höheren Expositionskonzentrationen Benzine, Kerosine, Dieselöle, Heizöle, Schmier- haben jedoch steile Dosis-Wirkungskurven insbe- öle, Paraffine und Ceresin im Handel. sondere hinsichtlich einer lungenschädigenden Wirkung ergeben. Es handelt sich dabei je nach Siedebereich des Produktes um Mischungen von unverzweigten, Chronische Toxizität: verzweigten und cyclischen Alkanen, wobei die Häufiger und langzeitiger Hautkontakt kann, Kettenlänge bzw. die C-Atom-Anzahl von den besonders bei empfindlichen Personen, Benzinen über die Dieselöle hin zu den Reizungen und Entzündungen hervorrufen, Paraffinen zunimmt. Neben gesättigten Kohlen- wobei diese Wirkung hauptsächlich den wasserstoffen (Alkanen) enthalten die handelsüb- Additiven und Verunreinigungen zugeschrieben lichen Produkte im Allgemeinen in geringerem wird. Umfang auch ungesättigte und aromatische Kohlenwasserstoffen. In Benzinen und Kerosinen Mutagenität,Kanzerogenität: steigt der Aromatengehalt (Benzol, Toluol, Xylole Es sind keine ausreichenden Angaben verfügbar. und Alkylaromaten) auf bis zu 40%.
- Einsatz im Baubereich Im reinen Zustand sind Kohlenwasserstoffe farb- Im Baubereich gibt es zahlreiche Baustoffe, die los. Sie sind mit Wasser nicht mischbar, jedoch in von Natur aus hohe Gehalte an Mineralölkohlen- geringem Umfang darin löslich. Ihre Dichte liegt wasserstoffen aufweisen (Bitumenprodukte deutlich unter der des Wassers. Die flüssigen etc.). Eine Bestimmung der MKW-Gehalte dieser Kohlenwasserstoffe sind brennbar oder sogar erdölstämmigen Produkte ist daher nicht sinn- leicht entzündlich. voll. Zur Unterscheidung, ob es sich um teerhalti- ge oder bituminöse Baustoffe handelt bzw. im Im Boden besitzen Kohlenwasserstoffe eine Hinblick auf die Entsorgung des Materials ist nicht unerhebliche Mobilität. Aufgrund ihrer phy- vielmehr der PAK-Gehalt ausschlaggebend. sikalischen Eigenschaften können Kohlenwasser- stoffe zwar nicht zur Grundwassersohle absin- Im Gegensatz dazu sind bei nutzungsbedingten ken, durch ihre – wenn auch geringe - Löslichkeit Verunreinigungen der Bausubstanz, z. B. eine öl- das Grundwasser jedoch erheblich verunreinigen. verschmierte Bodenplatte im Bereich eines ehe- maligen Maschinenstandorts, die MKW-Gehalte
- Daten zur Stoffidentifikation der Bodenplatte für die Beurteilung notwendig. Stoffbezeichnung:Mineralöle Stoffgruppenschlüssel: 5. Entsorgung 140000 Kohlenwasserstoffe Erdölstämmige Produkte weisen in der Regel einen hohen Heizwert auf, so dass sie einer ther-
- Gefährdungseinstufung und Toxizität mischen Verwertung zugeführt werden können Kennzeichnung: (z. B. bituminöse Dachbahnen). Mineralöl ist eine Gruppenbezeichnung verschie- denster Destillationsprodukte, für die keine ein- Verunreinigte mineralische Bausubstanz ist heitliche Gefahrenkennzeichnung angegeben je nach Höhe der Belastung gemäß den in werden kann. Anhang 7 aufgeführten Richtwerten zu Wassergefährdung: entsorgen. Stoff-Nr.: 441, WGK 3 - stark wassergefährdend Mineralöl- Halbfertigprodukte, flüssige, als krebserzeugend (R45) gekennzeichnet
Stoff-Nr.: 442, WGK 2 - wassergefährdend Mineralöl- Halbfertigprodukte, flüssige, > 5 % Aromaten, nicht als krebserzeugend (R45) gekennzeichnet
Stoff-Nr.: 771 WGK 1 - schwach wassergefährdend Mineralöl- 7 Halbfertigprodukte, flüssige, < 5 % Aromaten, nicht als krebserzeugend (R45) gekennzeichnet
Kontrollierter Rückbau / BayLfU 2003
[Seite 8]
82 Stoffdatenblätter
Polychlorierte Biphenyle (PCB)
[Quellen u.a.: GESTIS-Stoffdatenbank der gewerblichen Berufsgenossenschaften (BIA) und Römpp Chemie Lexikon (Thieme-Verlag)]
- Allgemeines 2. Daten zur Stoffidentifikation PCB sind rein synthetische Produkte und zählen Stoffbezeichnung:PCB, polychlorierte Biphenyle zur Gruppe der chlorierten aromatischen Kohlen- (mehr als 2 Chloratome) wasserstoffe. Bei der Chlorierung werden an CAS-Nummer:1336-36-3 den zwei miteinander verbundenen Benzolringen Andere Bezeichnungen:z. B. Chlophen, des Biphenyls bis zu 10 Chloratome angelagert. Arochlor (USA, GB), Fenclor (I), Pyralene (F) n + n > 2 Der Chlorgehalt kann von 18% bis 75% reichen. 1 2 Entsprechend entstehen dünn- bis dickflüssige Stoffbeschreibung: Öle oder Wachse. Aggregatzustand:flüssig bis fest allgemeine Aussehen: farblos Strukturformel PCB Insgesamt sind 209 PCB-Einzelverbindungen Geruch:nahezu geruchlos möglich, die man als PCB- Kongenere bezeich- Dichte:1,2 - 1,6 g/cm3 net. Bei den industriell genutzten PCB handelt es sich um sogenannte „technische Gemische”, weitere Eigenschaften: die aus unterschiedlich chlorierten Biphenylen nicht brennbar zusammengesetzt sind. Bei der Bestimmung Wasserlöslichkeit sehr gering (0,04 - 0,4 mg/l von PCB-Gehalten beschränkt man sich i.d.R. bei 20°C) auf die sechs sogenannten Leit-Kongenere nach gute Löslichkeit in org. Lösemitteln Ballschmiter (PCB-Nr. 28, 52, 101, 138, 153, wenig flüchtig 180). Der Rückschluss auf den Gesamtgehalt an Schmelztemperatur 340 - 375°C PCB in der Probe erfolgt durch Multiplikation mit dem Faktor 5.
Kontrollierter Rückbau / BayLfU 2003
[Seite 9]
Stoffdatenblätter 83
- Gefährdungseinstufung 4. Einsatz im Baubereich Einstufung gemäß ChemG: Die häufigsten Einsatzbereiche von PCB im Xn (Gesundheitsschädlich) Bauwesen waren: N (Umweltgefährlich) • dauerelastische Fugenmassen (Thiokol- Massen), GefStoffV: • Lacke und Farben (Flammschutz-Zusatz) unter Hinweise auf die besonderen Gefahren anderem auf „Wilhelmi“- Deckenplatten, (R-Sätze): • Verguss- und Spachtelmassen, Kitte und R 33 Gefahr kumulativer Wirkungen Klebstoffe, R 50/53 Sehr giftig für Wasserorganismen, • Kabelummantelungen, kann in Gewässern längerfristig • Kühl- und Isolierflüssigkeiten von schädliche Wirkungen haben Kondensatoren und Transformatoren sowie Sicherheitsratschläge (S-Sätze): • Hydrauliköle, Schalöle. S (2) Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen (wenn für die allgemeine 5. Entsorgung Öffentlichkeit bestimmt) Wie aus den Tabellen in Anhang 7 zu entnehmen S 35 Abfälle und Behälter müssen in gesi- ist, sind die Richtwerte für die Verwertung von cherter Weise beseitigt werden PCB-haltigen Bauabfällen auf einem sehr niedri- S 60 Dieses Produkt und sein Behälter sind gen Niveau festgelegt. Dementsprechend rei- als gefährlicher Abfall zu entsorgen chen beispielweise geringe Mengen an nicht S 61 Freisetzung in die Umwelt vermeiden. sorgfältig aussortierten Fugenmassen um große Besondere Anweisungen einholen / Mengen an mineralischen Restmassen zu konta- Sicherheitsdatenblatt zu Rate ziehen minieren und für eine Verwertung unbrauchbar zu machen. Wassergefährdung: WGK 3 - stark wassergefährdend Werden die Prüfwerte für die Verwertung über- schritten, ist das Material zu beseitigen. Für die Luftgrenzwerte am Arbeitsplatz (TRGS 900): Entsorgung PCB-haltiger Abfälle sind die 1,1 mg/m3(0,1 ml/m3) bei 42% Chlor Bestimmungen der PCB-AbfallV zu beachten. 0,7 mg/m3(0,05 ml/m3) bei 54% Chlor
Einstufung der krebserzeugenden,erbgutver- ändernden und fortpflanzungsgefährdenden Stoffe (TRGS 905): K3- Krebserzeugend EG-Kategorie 3: Stoffe, die wegen möglicher krebserzeugender Wirkung beim Menschen Anlass zur Besorgnis geben Re2- Fruchtschädigend EG-Kategorie 2 : Stoffe, die als fruchtschädigend (entwicklungs- schädigend) für den Menschen angesehen werden sollten Rf2- Beeinträchtigung der Fortpflanzungs- fähigkeit EG-Kategorie 2 : Stoffe, die als beeinträchtigend für die Fortpflan- zungsfähigkeit (Fruchtbarkeit) des Menschen angesehen werden sollten Hinweis - hautresorptiv
Verbrennungsprodukte: Bei der thermischen Zersetzung entstehen bei Temperaturen über 300ºC bis etwa 800 ºC giftige Pyrolyseprodukte wie Tetrachlordibenzodioxin (TCDD) und andere chlorierte Dibenzodioxine und -furane
7
Kontrollierter Rückbau / BayLfU 2003