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Anlage 9_Kampfmittelvorerkundung.pdf

Straßen-, Wasserleitungs- und Kanalbau in der Speyerer Straße

Extrahierter Dokumenttext · Stand: 06.10.2026, 06:05 (Europe/Berlin)

Herkunft: vergabe.vmstart.de

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K

AMPFMITTELVORERKUNDUNG

Wattenheim am 17.12.1944 (Flugnummer: 34-3171, #5192, Ausgangsmaßstab ca. 1 : 18.000)

„WATTENHEIM, SPEYERER STRAßE“

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A

USWERTUNGSPROTOKOLL

Kampfmittelrisikoprüfung durch kombinierte Luftbild- und Aktenauswertung

Stufe 1: Historische Recherche und Auswertung

Auftraggeber: Verbandsgemeinde Werke Leiningerland Projekt: Wattenheim, Speyerer Straße Datum des Auftrages: 13.07.2023 Abgabedatum: 19.10.2023

  1. Gutachter: Patrik Braunshausen, M. Sc.
  2. Gutachter: Dominic Hausmann, B. Sc. Historische Recherche: Laureen Tronico, M. Sc. Unser Zeichen: 230712406

Dieses Gutachten bleibt unbeschadet des Nutzungsrechtes des Auftraggebers geistiges Eigentum der LUFTBILDDATENBANK DR. CARLS GMBH. Die projektbezogene Weitergabe darf ausschließlich als Gesamtwerk in unveränderter Form erfolgen. Eine Veröffentlichung (z.B. online) bedarf der Rücksprache mit der LUFTBILDDATENBANK DR. CARLS GMBH.

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Inhaltsverzeichnis

  1. ZUSAMMENFASSUNG ................................................................................................ 3

  2. AUFGABENSTELLUNG ................................................................................................ 3

  3. AUSWERTUNGSGRUNDLAGEN ..................................................................................... 4

3.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen ...................................................... 4

3.2 Luftaufnahmen ............................................................................................ 4

3.3 Bewertung der Auswertungsgrundlagen .......................................................... 5

  1. ERGEBNISSE DER AUSWERTUNG ................................................................................... 5

4.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen ...................................................... 5

4.2 Luftaufnahmen ............................................................................................ 6

  1. FAZIT ................................................................................................................... 7

  2. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS .......................................................................... 8

6.1 Quellen ..................................................................................................... 8

6.2 Literatur...................................................................................................... 8

6.3 Internetdokumente ....................................................................................... 8

ANHANG I: DOKUMENTIERTE LUFTANGRIFFE IN DER REGION WATTENHEIM ...................................... 9

ANHANG II: METHODIK DER KAMPFMITTELVORERKUNDUNG ....................................................... 10

Ziel der Kampfmittelvorerkundung ......................................................................... 10

Ursachen der potentiellen Kampfmittelbelastung ...................................................... 10

Arbeitsgrundlagen und deren Beschaffung .............................................................. 10

Vorgehensweise ................................................................................................... 11

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  1. ZUSAMMENFASSUNG

Das vorliegende Gutachten zum Projektgebiet „Wattenheim, Speyerer Straße“ wurde im Rahmen der historischen Kampfmittelvorerkundung erstellt. Es liefert Erkenntnisse über eine mögliche Belastung mit Kampfmitteln. Die Auswertung stützt sich auf 22 Luftaufnahmen vom 23.04.1944 bis 27.08.1945 sowie schriftliche Quellen und führt zu folgendem Ergebnis:

Im Projektgebiet „Wattenheim, Speyerer Straße“ konnte keine potentielle Kampfmittelbelastung ermittelt werden.

Gemäß Baufachlicher Richtlinien Kampfmittelräumung besteht kein weiterer Handlungsbedarf (KATEGORIE 1).1

  1. AUFGABENSTELLUNG

Gegenstand der Luftbild- und Aktenauswertung ist ein etwa 600 m langer Abschnitt der Speyerer Straße und des Hirtenweges in der Ortsgemeinde Wattenheim im rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim (vgl. Abb. 1).

Abb. 1: Lage des Projektgebietes (hellblau markiert) mit hinterlegtem aktuellem Luftbild (©Google LLC).

Zur Prüfung der potentiellen Kampfmittelbelastung werden Unterlagen zum Zweiten Weltkrieg systematisch auf folgende Verursachungsszenarien untersucht: Luftangriffe, Bodenkämpfe, Munitionsvernichtung, militärischer Regelbetrieb, Munitionsproduktion und -lagerung.2 Dazu zählen

1 BMI & BMVG 2018, BFR KMR, S. 46, Web [1]. 2 BMI & BMVG 2018, BFR KMR, S. 151-182, Web [1].

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unter anderem Blindgängerverdachtspunkte, Bombentrichter, bombardierte Flächen, Gebäude- schäden, Spuren von Bodenkämpfen, militärisch genutzte Areale oder potentielle Entsorgungs- bereiche.

  1. AUSWERTUNGSGRUNDLAGEN

3.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen

Für die Ermittlung historischer Daten der für die Kampfmittelvorerkundung wesentlichen Kriegsereignisse greift die Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH auf umfangreiche Bestände an Text- und Bilddokumenten verschiedener nationaler und internationaler Archive sowie eine eigene, ständig aktualisierte Bibliothek mit über 1.400 Titeln zurück. Neben der Auswertung einschlägiger Literatur ermöglicht eine interne datenbanktechnische Aufarbeitung von Archivalien einen umfassenden und schnellen Zugriff auf aussagekräftige Quellen; sie dient als Ausgangspunkt für weitere Nachforschungen in Internetdokumenten, Fachdatenbanken, Katalogen, Archiven und Sammlungen. Zur weiteren Erfassung kampfmittelrelevanter Informationen werden historische Vereine, lokale Experten und eventuelle Zeitzeugen kontaktiert.

Die Bestände folgender Archive werden für das vorliegende Gutachten „Wattenheim, Speyerer Straße“ als ausschlaggebend erachtet und herangezogen (vgl. Kap. 4.1):

• U.S. National Archives and Records Administration (NARA, College Park MD, US- amerikanisches Nationalarchiv) • U.S. Air Force Historical Research Agency (AFHRA, Maxwell AL, Archiv der US- amerikanischen Luftstreitkräfte) • The National Archives (TNA, Kew, britisches Nationalarchiv) • Ike Skelton Combined Arms Research Library (CARL, Fort Leavenworth KS, Bibliothek der US-amerikanischen Streitkräfte) • Bundesarchiv der BRD (BArch)

3.2 Luftaufnahmen

Die Recherche der historischen Bildflüge erfolgte in den britischen Archivbeständen des Joint Air Reconnaissance Intelligence Centre (JARIC) und der Allied Central Interpretation Unit (ACIU), der amerikanischen NARA, dem deutschen Bundesarchiv (BArch), der kanadischen National Air Photo Library Ottawa (NAPL), den niederländischen Luftbildsammlungen Kadaster und Wageningen sowie dem firmeneigenen Bestand der Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH (LBDB).

Für das Projekt „Wattenheim, Speyerer Straße“ wurden die in Tabelle 1 aufgelisteten Luftbildserien ausgewertet. Die Aufnahmen liegen als digitale Scans in einer Auflösung von 1.200 dpi vor, um alle Bilddetails erfassen zu können.3 Die Bildpaare können zu stereoskopischen Auswertungszwecken verwendet werden:

3 BMI & BMVG 2018, BFR KMR, S. 200, Web [1].

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Tab. 1: Liste der verwendeten Luftbilder

Maßstab
Lfd. Nr.Flug-Nr.FlugdatumBild-Nr.MengeBildpaare
[ca. 1 : X]
17-BB-13823.04.194458.0001036-103721
27-164929.05.194459.0008128-812921
334-317117.12.194418.0005192-519321
47-375502.01.194555.0008034-803521
57-393415.02.19458.0004040-404232
631-447518.03.194510.0002084-208521
9.5004028-402921
734-358819.03.19459.5004046-404721
19.00050141-
834-361321.03.194514.0004119-412021
9422-BS-4207-2127.08.194540.00031-3221
Summe:2211

3.3 Bewertung der Auswertungsgrundlagen

Für die Region Wattenheim stehen Akten aus der AFHRA und der NARA zur Verfügung.

Es liegen neun Luftbildserien ab April 1944 vor, der Großteil aus 1945 und im Detailmaßstab. Die Situation nach der Einnahme wird ab dem 21.03.1945 durch zwei Befliegungen dokumentiert, darunter ein Detailbildflug.

Diese Grundlagen liefern detaillierte Informationen zum Luft- und Bodenkrieg in der Gegend, somit kann eine belastbare Risikobewertung erfolgen.

  1. ERGEBNISSE DER AUSWERTUNG

4.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen

Die Analyse der Unterlagen führte zu dem Ergebnis, dass die Region im Zweiten Weltkrieg gegen Kriegsende insgesamt fünfmal von taktischen4 alliierten Luftangriffen betroffen war. Diese wurden zwischen Februar und April 1945 von der First Tactical und der Ninth Air Force der United States Army Air Forces durchgeführt. Ziele der Angriffe waren Bahn- und Industrieanlagen (mind. 1,5 km südöstlich) sowie Fahrzeuge und Geschützstellungen in der Region. Dabei kamen Spreng- und Brandbomben sowie Bordwaffen5 zum Einsatz.6 Es liegen keine Hinweise vor, dass das Projektgebiet von Bombenabwürfen betroffen war (vgl. auch Kap. 4.2). Eine Angriffsliste zur Region kann ANHANG I entnommen werden.

Hettenleidelheim (1 km nördlich) und Carlsberg (1,5 km südwestlich) wurden am 20.03.1945 von aus Westen vorrückenden Truppen der 94th Infantry Division der United States Army ohne dokumentierte Kampfhandlungen eingenommen.7 Für das zwischen diesen beiden Ortschaften

4 Luftangriffe taktischer Einheiten wurden in einem Radius von 2 km um das Projektgebiet recherchiert. 5 Da das bei den Bordwaffenattacken eingesetzte US-Flugzeugmuster P-47 nicht mit Bordkanonen für Explosivge- schosse ausgerüstet war (GUNSTON 1989 S. 254f.), ist aus dem Beschuss keine Gefährdung abzuleiten. 6 Quellenangaben vgl. Angriffsliste in ANHANG I. 7 94TH INF. DIV.: AAR, 17.03.1945, NARA [1]; 94TH INF. DIV.: G-3 PER. REP. NO. 120, 20.03.1945, NARA [2].

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gelegene Wattenheim wird dasselbe Einnahmedatum angenommen. Hinweise auf Bodenkämpfe liegen dort ebenfalls nicht vor (vgl. Kap. 4.2).

4.2 Luftaufnahmen

Die Lage des Projektgebietes (vgl. Abb. 1-2, hellblaue Markierung) wurde näherungsweise auf die historischen Luftbilder übertragen und mit einem Sicherheitspuffer von 50 m versehen (vgl. Abb. 2, dunkelblaue Markierung).

Abb. 2: Das Projektgebiet (hellblau markiert) mit dem um 50 m gepufferten Auswertungsgebiet (dunkelblau) am 15.02.1945 (Flug-Nr. 7-3934, #4041, Ausgangsmaßstab ca. 1 : 8.000).

Aus der visuellen Interpretation der in Tabelle 1 aufgeführten Luftaufnahmen lassen sich folgende Aussagen ableiten:

  1. Die Straßen sowie der Großteil der Bebauung existierten bereits zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, die umliegenden Freiflächen wurden landwirtschaftlich genutzt. Zwischenzeitlich hat man die Straßen ausgebaut, teilweise Baulücken geschlossen und die bestehende Bausubstanz zum Teil um- bzw. ausgebaut (vgl. Abb. 1-2).

  2. Die Bodensicht ist auf den Landwirtschaftsflächen uneingeschränkt, die Bebauung führt zu Beeinträchtigungen (vgl. Abb. 2). Aufgrund der unterschiedlichen Aufnahmezeitpunkte der Luftbildserien (vgl. Tab. 1) können durch Schattenfall bedingte mögliche Erkenntnislücken minimiert werden.

  3. Den ausgewerteten Luftbildserien sind keine Hinweise auf eine Belastung des Projektgebietes durch Kampfmittel zu entnehmen.

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  1. FAZIT

Für das Projektgebiet „Wattenheim, Speyerer Straße“ konnte nach Auswertung der vorliegenden Luftbildserien und Unterlagen keine potentielle Kampfmittelbelastung ermittelt werden.

Gemäß Baufachlicher Richtlinien Kampfmittelräumung besteht kein weiterer Handlungsbedarf (KATEGORIE 1).8

(P. Braunshausen) (D. Hausmann) (L. Tronico) M. Sc. B. Sc. M. Sc.

  1. Gutachter 2. Gutachter Historische Recherche

8 BMI & BMVG 2018, BFR KMR, S. 46, Web [1].

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  1. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

6.1 Quellen

Air Force Historical Research Agency (AFHRA), Maxwell Air Force Base, AL

[1] XIX TACTICAL AIR COMMAND: Opsum No 182 Part III 1100 to 1600 9 February 1945, 09.02.1945. AFHRA Roll B5954, Frame 354.

[2] 27TH FIGHTER GROUP: Oprep A. No. 4 for 24 hours ending 2100 hours 25 February 1945, 26.02.1945. AFHRA Roll A6354, Frame nicht identifizierbar.

[3] XIX TACTICAL AIR COMMAND: Morning Summary Sunrise 17 March to Sunrise 18 March 1945, 17.03.1945. AFHRA Roll B5928, Frame 1802.

[4] XIX TACTICAL AIR COMMAND: Opsum No. 219, Part III, 1100 hours to 1600 hours, 18 March 1945, 18.03.1945. AFHRA Roll B5957, Frame 1639.

[5] XIX TACTICAL AIR COMMAND: Morning Summary sunrise 26 April to sunrise 27 April 1945, 26.04.1945. AFHRA Roll B5933, Frame 888.

National Archives Records Administration (NARA), College Park MD

[1] 94TH INFANTRY DIVISION: After Action Report, March 1945. NARA RG 407 Entry 427 Box 11345.

[2] 94TH INFANTRY DIVISION: G-3 Periodic Report, March 1945. NARA RG 407 Entry 427 Box 11373.

6.2 Literatur

GUNSTON, B. (Hrsg., 1989): Jane's Fighting Aircraft of World War II. – New York.

6.3 Internetdokumente

[1] BUNDESMINISTERIUM DES INNERN, FÜR BAU UND HEIMAT [BMI] & BUNDESMINISTERIUM DER VERTEIDIGUNG [BMVG] (Hrsg., 2018): Baufachliche Richtlinien Kampfmittelräumung (BFR KMR) – Arbeitshilfen zur Erkundung, Planung und Räumung von Kampfmitteln auf Liegenschaften des Bundes. – Berlin & Bonn. Online abrufbar unter: https://www.bfr- kmr.de/, [Letzter Zugriff: 16.10.2023].

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ANHANG I: DOKUMENTIERTE LUFTANGRIFFE IN DER REGION WATTENHEIM

Anmerkungen:

Da keine Hinweise auf Bombenabwürfe im Projektgebiet vorliegen, stellt die Liste lediglich eine vereinfachte Fassung der Angriffe dar. Informationen zur Beladung und Bezünderung sowie eine nähere Beschreibung der Angriffe werden hier nicht aufgeführt.

Abkürzungen:

Einheiten

1st TACAFFirst Tactical Air Force (provisional) der United States Army Air Forces USAAF
US 9 AFNinth Air Force der United States Army Air Forces USAAF
XII TACXII Tactical Air Command der 1st TACAF
XIX TACXIX Tactical Air Command der US 9 AF

Flugzeuge

P-47 Jagdbomber P-47 Thunderbolt, Bordwaffenmunition nicht explosiv

Anzahl/
Lfd.Typ der
DatumEinheitBewaffnungZielBemerkungQuelle
Nr.Flug-
zeuge
10 9.02.1945US 9 AF, XIX TAC12 P-47BrandbombenUmgebung Altleiningen, Fabrikge- bäudeBombardierung auf Fabrikgebäude bei der Koordinate wM2401.AFHRA [1]
22 5.02.19451st TACAF, XII TAC4 P-47SprengbombenEistalbahn zw. Ramsen und Stein- born, Eisenbahn- waggonsAbwurf eines Teils der Gesamtbe- ladung auf Eisenbahnwaggons bei der Koordinate wM2104.AFHRA [2]
31 7.03.1945US 9 AF, XIX TAC8 P-47BordwaffenHettenleidel- heim, FahrzeugeBordwaffenbeschuss auf Fahrzeuge bei der Koordinate wM2404.AFHRA [3]
41 8.03.1945US 9 AF, XIX TAC8 P-47BordwaffenHettenleidel- heim, Fahrzeuge Wattenheim, FahrzeugeBordwaffenbeschuss auf Fahrzeuge bei den Koordinaten wM2404 und wM2202.AFHRA [4]
52 6.04.1945US 9 AF, XIX TAC15 P-47BordwaffenZw. Carls- berg und Wattenheim, Geschütz- stellungenBordwaffenbeschuss auf eine Loko- motive und Geschützstellungen bei der Koordinate wM2101.AFHRA [5]

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ANHANG II: METHODIK DER KAMPFMITTELVORERKUNDUNG

Ziel der Kampfmittelvorerkundung

Die vorliegende Kampfmittelvorerkundung hat die Erfassung und Lokalisierung von dokumentierten Kriegsschäden und Belastungen des Untergrundes infolge von Kriegsereignissen des Zweiten Weltkriegs zum Ziel.

Ursachen der potentiellen Kampfmittelbelastung

Die Ursachen für mögliche Belastungen des Untergrundes mit Kampfmitteln lassen sich in erster Linie auf Angriffe der alliierten strategischen und taktischen Bomberverbände zurückführen. Aufgrund des hohen Gefahrenpotentials, das auch heute noch besonders von Sprengbombenblindgängern ausgeht, ist in den von diesem Bombentyp betroffenen Bereichen von einem hohen potentiellen Kampfmittelrisiko auszugehen. Im Gegensatz dazu ist die Gefährdung, die durch Blindgänger von Brandbomben verursacht wird, als wesentlich geringer einzuschätzen.

Aus der Fachliteratur geht hervor, dass ca. 10-15 % aller im Zweiten Weltkrieg abgeworfenen Sprengbomben nicht zur Detonation gelangten. In einem nachweislich bombardierten Gebiet muss deshalb immer mit Blindgängern gerechnet werden, auch wenn sie luftsichtig nicht (mehr) zu erkennen sind. Die bei der Luftbildauswertung ermittelten Sprengbombeneinwirkungen (Blindgänger- verdachtspunkte, Bombentrichter, zerstörte Bausubstanz, bombardierte Flächen) werden in der Regel um 50 m gepuffert, um eine erhöhte Sicherheit der Befunde gewähren zu können. In dieser Kampfmittelverdachtsfläche Bombardierung muss mit Blindgängern gerechnet werden, die in das Erdreich eingedrungen sein können. Der Puffer kann in begründeten Fällen, z.B. aufgrund einer großen Streuung der Bombardierung, erweitert werden. Bei Brandbomben, insbesondere in dichtbesiedelten Gebieten, ist zu berücksichtigen, dass diese auflösungsbedingt oder infolge eingeschränkter Bodensicht anhand der Luftbilder nicht immer nachgewiesen werden können.

Neben den Auswirkungen der Luftangriffe müssen im Rahmen einer räumlich differenzierten Beurteilung der möglichen Kampfmittelbelastung auch kampfmittelrelevante Flächennutzungen berücksichtigt werden. Dabei handelt es sich insbesondere um Teilflächen, auf denen mit Munition bzw. konventionellen Sprengstoffen jedweder Art umgegangen wurde oder umgegangen worden sein könnte. Aus diesem Grund werden bei der Erfassung der potentiellen Kampfmittelbelastung auch militärisch genutzte Areale (Flakstellungen, Kasernen, Übungsgelände, etc.) und potentielle Entsorgungsbereiche (z.B. Hohlformen, geschobene Flächen, Bombentrichter) sowie Bodenkämpfe berücksichtigt. Generell ist zu berücksichtigen, dass Brücken im Vorfeld der Einnahme häufig zur Sprengung vorbereitet und an den Widerlagern Sprengmittel angebracht, jedoch nicht gezündet wurden. Bei gesprengten Brücken besteht die Möglichkeit, auf versprengte und nicht detonierte Explosivstoffe zu stoßen.

Arbeitsgrundlagen und deren Beschaffung

Luftbilder

Für die multitemporale Luftbildauswertung werden, soweit verfügbar, mehrere Luftbildserien aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges als hochaufgelöste Scans (1.200 dpi) beschafft.

Dem Erwerb der Luftbilder geht eine EDV-gestützte Luftbildrecherche voraus. Die zugrunde liegenden Daten stammen aus dem Bestand der nationalen und internationalen Luftbildarchive

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(englische Archive JARIC, ACIU, MAPRW, amerikanisches Archiv NARA, Archiv Kanada, Archiv Holland, Bundesarchiv Koblenz und firmeneigener Bestand der Luftbilddatenbank).

Auf Basis der Recherche wird eine Bildauswahl getroffen, die eine möglichst gute zeitliche Abdeckung (multitemporal) des gesamten Kriegszeitraums gewährleisten soll. Hierdurch können Schäden an Gebäuden sowie Veränderungen der Bodenoberfläche dokumentiert werden, welche einen Hinweis auf Bombardierungen liefern. Bombardierungsschäden wurden nach einem Luftangriff teilweise sehr rasch behoben. Je länger die Zeitspanne zwischen einem Angriff und verfügbaren Luftaufnahmen ist, umso schwieriger sind Bombardierungsschäden nachzuweisen. In manchen Fällen wurden Schäden annähernd spurenlos beseitigt. Neben einer möglichst zeitlich differenzierten Abdeckung wird die Beschaffung von Bildflügen kurz nach dokumentierten Bombardierungen angestrebt. Erkenntnislücken können aus nicht verfügbaren Luftbildserien bzw. nicht beflogenen Zeiträumen resultieren. Um die letzten Kriegseinwirkungen durch Bodenkämpfe innerhalb eines Untersuchungsgebietes erfassen und den Endbombardierungszustand feststellen zu können, werden – soweit verfügbar – frühestmögliche Bildflüge aus der Nachkriegszeit beschafft.

Quellen und Literatur

Zusätzlich zur Luftbildauswertung wird eine gezielte Recherche und Auswertung von historischen Quellen/Archivalien, der firmeneigenen Bibliothek sowie eine Webrecherche zu den Luft- und Bodenkriegsereignissen in der Region durchgeführt. Zusätzlich wird der telefonische Kontakt mit der Gemeinde, Archiven und Zeitzeugen gesucht.

Die historischen Akten des US-Nationalarchives (NARA), des britischen Nationalarchives (TNA), der Air Force Historical Research Agency (AFHRA) und dem Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation (CAMO) geben Informationen zu im Zweiten Weltkrieg durchgeführten Aufklärungsflügen sowie zu strategischen und taktischen Luftangriffen bzw. Bodenkriegsereignissen wieder. Die Resultate werden durch Auswertung entsprechender deutscher Unterlagen aus dem Bundesarchiv (BArch) und weiteren Archiven auf Landes- und Kommunalebene ergänzt. Zum Teil wurden die Akteneinträge verortet und können über ein geographisches Informationssystem abgefragt werden. In Kombination mit den ermittelten Luftbildbefunden entsteht so ein schlüssiges Gesamtbild der Kriegsgeschehnisse im Bereich des Untersuchungsareals.

Vorgehensweise

Die visuelle Interpretation der Kriegsluftbilder erfolgt unter Verwendung verschiedener geographischer Informationssysteme (Abk. GIS). Mit Hilfe von Bildpaaren kann eine stereoskopische Auswertung durchgeführt werden, wodurch Bildfehler aufgedeckt und Bombardierungsschäden infolge des räumlichen Eindrucks gut identifiziert werden können. Im Vorfeld wird eine digitale Aufbereitung der Luftbilder mittels Adobe Photoshop durchgeführt.

Im Fokus der Luftbildauswertung stehen neben Blindgängerverdachtspunkten unter anderem Bombentrichter, beschädigte Gebäude, Flakstellungen, Flächen mit Hinweisen auf Artilleriebeschuss und Laufgräben. Das hierbei abgeleitete Schadenspotential soll Hinweise auf räumliche Schwerpunkte möglicher Belastungen mit Kampfmitteln geben. In manchen Fällen können bzgl. der potentiellen Kampfmittelbelastung lediglich Verdachtsflächen festgehalten werden. Anschließend werden die Befunde der Luftbildauswertung mit Hilfe des GIS digital in die Kartengrundlage übertragen.

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Die Ergebnisse der Luftbildauswertung werden mit den Ergebnissen der Akten- und Literaturaus- wertung abgeglichen. Daraus erfolgt eine Bewertung der potentiellen Kampfmittelbelastung für das Projektgebiet sowie eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen.

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