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Schule am Dösner Weg - Auszüge pädagogisches Schulkonzept
1.2 Pädagogische und didaktische Grundsätze
Verknüpfung von Zielen und Lern-kultur Ein zentraler Grundsatz der Gemeinschaftsschule ist: Das Kind steht im Mittelpunkt. Dies stellt die Verbindungsstelle zwischen den Bildungs- und Entwicklungszielen und pädagogischen Grundsätzen und Lernkultur dar. Um die Bildungs- und Entwicklungsziele zu erreichen, baut die Gemeinschafts-schule auf vier wesentlichen Grundsätzen auf:
Individualisierung Gemeinschaft Gesundheit Erfolg
Zusammen sind sie die pädagogische Basis der Gemeinschaftsschule, aus denen sich weitere wesentliche pädagogische, didaktische und schulorganisatorische Aspekte ableiten. Im Folgenden werden die einzelnen Grundsätze näher beschrieben. Es wird jeweils definiert, wie die Grundsätze und Begriffe im Rahmen des Konzepts verwendet werden und ggf. die spezielle theoretische Perspektive dahinter erläutert.
1.2.3 Gesundheit
Sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrerinnen und Lehrer sowie weiteres pädagogisches und nicht-pädagogisches Personal brauchen einen Lebens-, Lern- und Arbeitsort, an dem sie sich sicher, aufgehoben und gesund fühlen. Das Thema Gesundheit spielt für Lehr-Lern-Prozesse eine grundlegende Rolle und ist in den letzten Jahren immer stärker auf die öffentliche und schulpolitische Agenda gerückt. Auch die Kultusministerkonferenz (KMK) hat die Relevanz von Gesundheitsförderung hervorgehoben.
Dabei ist das Verhältnis in Bezug auf die Wirkungen wechselseitig: Gesunde Kinder und Jugendliche können erfolgreicher lernen und gut ausgebildete Kinder leben häufiger gesünder – und das ein Leben lang. Kurz: Gute Bildung fördert Gesundheit und Gesundheit fördert gute Bildung.
Die Förderung von Gesundheit in der Schule ist somit auch eine Frage der Chancengerechtigkeit, denn der Erwerb von Grundkompetenzen beeinflusst das Gesundheitsverhalten bis ins Erwachsenenalter, und damit die Lebensqualität und -dauer. Zudem hängt das gesundheitsbewusste Verhalten der Kinder und Jugendlichen auch mit ihrer sozialen Herkunft zusammen. So sind beispielsweise Kinder aus ärmeren Familien „häufiger übergewichtig, leiden öfter unter psychosomatischen Beschwerden und tragen ein leicht erhöhtes Risiko, Opfer von Mobbing zu werden.“
Da Gesundheit eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiches Lernen und Lehren darstellt, folgt die Schule am Dösner Weg einem ganzheitlichen Ansatz. Das heißt: Es werden nicht nur einige Maßnahmen, die auf individuelles gesundheitsförderliches Verhalten gerichtet sind, verankert, sondern die Schule und der Schullalltag selbst werden so organisiert, dass gesundheitsförderliches Verhalten für alle bestmöglich umsetzbar ist. Dahinter steht ein Gesundheitsverständnis, dass verschiedene Kategorien des Wohlbefindens berücksichtigt (physisch, psychisch und sozial) und das Gesundheit als einen Zustand des Gleichgewichts von Risiko- und Schutzfaktoren begreift.
Die persönliche Entfaltung und Herstellung des Gleichgewichts ist hierbei beeinflusst von den sozialen Bedingungen (Gesundheitsverhältnisse). Das Ziel der Gemeinschaftsschule ist es, die Bedingungen so zu gestalten, dass die Menschen, die in der Schule lernen und arbeiten,
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ihr persönliches Gleichgewicht herstellen und halten können. Um die Gesundheit für die Kinder und Jugendlichen ebenso wie für die Erwachsenen in der Gemeinschaftsschule zu gewährleisten, muss das Thema aus den beiden Perspektiven betrachtet werden, die auch die KMK in ihren Handlungsempfehlungen beschreibt: die Verhaltens- und Verhältnisorientie- rung.
- Verhaltensorientierung
Zum einen sollen in der Schule Wissen, Kompetenzen und Werte vermittelt werden, um die Kinder und Jugendlichen in ihrer persönlichen Gesundheitsbildung zu fördern. Dies zielt auf gesundheitsbewusstes Verhalten und findet sich in verschiedenen Fächern und Projekten wieder. Zudem ist schon die erfolgreiche Erlangung von Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Verstehen eine Voraussetzung für die Entwicklung von Gesundheitskompetenz. Aktuelle Studien ergänzen dies um die Dimension der Digitalität. So bildet z.B. die Fähigkeit zur Bewertung von Informationen aus dem Internet und deren kritischen Einordnung eine weitere Voraussetzung für gesundheitsbewusstes Verhalten.
- Verhältnisorientierung Die zweite Perspektive bezieht sich auf das soziale Umfeld bzw. die Lebenswelt. In der Literatur zu Prävention wird dies mit dem Begriff Verhältnisprävention beschrieben. Das ist insofern wichtig, als von einem gesundheitsfördernden Umfeld alle profitieren, während mit präventiven Maßnahmen, die auf Verhaltensänderung zielen, nur der Teil der Zielgruppe erreicht wird, der offen dafür ist und über die teils notwendigen Ressourcen verfügt. Zudem sind nicht alle Maßnahmen, die auf individuelles Verhalten zielen, erfolgreich. So haben Wirksamkeitsstudien gezeigt, dass sich Programme der Suchtprävention am effektivsten erwiesen, wenn sie auf die Stärkung von Lebenskompetenzen gerichtet waren.
Lebenskompetenzen sind z.B. Kommunikations- und Problemlösefähigkeiten und bauen auf die Stärkung von Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeitserfahrung u.Ä. Diese überschneiden sich mit dem Bildungs- und Entwicklungsziel der sozialen Kompetenzen und sind daher in mehreren Hinsichten hoch relevant. Da sich diese Kompetenzen nicht entkoppelt vom Schulalltag, z.B. in gesonderten Kursen, erwerben lassen, sondern gerade auch situativ angewandt werden müssen, bedarf es eines pädagogischen und schulorganisatorischen Konzepts, dass dieses ermöglicht, indem es genau diesen nicht planbaren Situationen Zeit einräumt. Gerade Konflikte treten i.d.R. spontan und unvorhergesehen auf und Pädagoginnen und Pädagogen müssen die Zeit und den Freiraum bekommen, diese mit den Kindern und Jugendlichen konstruktiv bearbeiten zu können.
Aus diesem Verständnis heraus bildet die Schule den Möglichkeitsraum, in dem die Kinder und Jugendlichen lernen, ihr persönliches Gleichgewicht immer wieder aktiv herzustellen und zu erhalten. Das heißt aber zugleich, dass die sozialen Bedingungen – z.B. der Schulalltag – dies auch erschweren können. Letztlich gibt die Schule den strukturellen Rahmen vor, der es leichter oder schwerer macht, ermöglicht oder verhindert, überhaupt im Gleichgewicht zu sein. Anders gesagt: Wenn Gesundheit das Ergebnis einer gelungenen Bewältigung von Anforderungen ist, dann müssen die Anforderungen auch zu bewältigen sein. Das gilt sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für das Personal. Ziel ist es, die Gemeinschaftsschule von Anfang an so zu konzipieren und organisieren, dass sie ein Gleichgewicht ermöglicht und begünstigt. Daher ist es wesentlich, Risikofaktoren, wie z.B. Überforderung von Schülerinnen und Schülern ebenso wie von Lehrerinnen und Lehrern und damit die Gefahr eines Burnouts, zu minimieren und Schutzfaktoren zu fördern.
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Gesundheit von Schülerinnen und Schülern Zur Beschreibung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen werden verschiedene Indikatoren herangezogen. Um das körperliche Wohlbefinden zu messen, dienen Übergewicht und Adipositas, Essstörungen, körperliche Aktivität, Suchtverhalten, Zahngesundheit u. A. als Messgrößen.
Die auf Verhalten gerichteten Präventionsmaßnahmen zielen entsprechend auf eine gesündere Ernährung, mehr Bewegung, regelmäßige Zahnpflege und Suchtprävention. Diese haben sich, wie oben erwähnt, jedoch nur bedingt als wirksam erwiesen. Das liegt daran, dass viele der Faktoren nicht monokausal sind, sondern mit anderen Risikofaktoren zusammenhängen. So führt z.B. eine hohe psychische Belastungswahrnehmung zu mehr gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen wie Rauchen oder Alkoholkonsum und bei der Entstehung von Essstörungen spielen psychische und soziale Faktoren eine mindestens ebenso große Rolle wie körperliche.
In den letzten Jahren wurde daher auch der sozialen und psychischen Dimension von Gesundheit der Schülerinnen und Schüler stärker Aufmerksamkeit geschenkt, zuletzt noch einmal befördert durch die Lock-Downs während der Corona-Pandemie. Daher wird im Konzept der Gemeinschaftsschule allen Dimensionen von Gesundheit sowie deren Verknüpfung ein hoher Stellenwert eingeräumt. Neben Maßnahmen für ein gesundheitsförderliches Verhalten ist daher eine Schul-organisation und Schulatmosphäre notwendig, die insgesamt gesundheitsfördernd ist.
Als entscheidende Faktoren zur Stärkung der psychischen Gesundheit werden in der wissenschaftlichen Literatur das Klassenklima, eine hohe Unterrichtsqualität und ein „gut ausbalancierter, nicht über-fordernder Unterricht“ genannt. Dies steht in unmittelbarer Verbindung mit den beiden ersten hier beschriebenen Grundsätzen: dem individualisierten und gemeinschaftlichem Lernen, die zum Ziel haben, eine Über- oder Unterforderung der Schülerinnen und Schüler zu vermeiden und ein gutes Schul- und Lerngruppenklima herzustellen.
Insgesamt spiegelt sich der Anspruch an eine gesundheitsförderliche Schulkultur in verschiedenen Aspekten der Schulorganisation und des pädagogisch-didaktischen Gesamtkonzepts wider. So ist beispielsweise der Schultag rhythmisiert, d. h. es wechseln sich Phasen der Konzentration mit Entspannungsphasen ab; der Schulbeginn für ältere Schülerinnen und Schüler ist etwas später, sodass dieser dem Schlafrhythmus von Jugendlichen besser entgegenkommt; es gibt für alle Kinder und Jugendlichen eine mindestens 60-minütige Mittagspause u. Ä.. Durch Strukturierung und Aufbau des Schulalltags in Phasen gilt es Orientierung und Halt zu geben. Eine Gruppenführung mit Struktur und Transparenz, verbindlichen Gruppenregeln und stabilen Beziehungen unterstützt Schülerinnen und Schüler dabei, sich zu orientieren und auf das Lernen zu fokussieren.
Ein wichtiges Ziel ist die Entwicklung eines positiven Selbstkonzepts, ein Punkt, der sich insbesondere im Zusammenhang mit Prävention von Lern- und Verhaltensproblemen sowie für die gelingende Inklusion als entscheidend zeigt. Verankert werden zudem Elemente wie regelmäßige Lernentwicklungsgespräche, in denen Wertschätzung, konstruktives Feedback, eine positive Fehlerkultur u.Ä. feste Bestandteile sind. Gerade das Lernen im eigenen Tempo verknüpft mit den entsprechend individuell absolvierten Leistungsnachweisen und neuen Formaten der Leistungsnachweise reduziert den Druck auf die Schülerinnen und Schüler. Leistungsermittlung und -bewertung dienen nicht zur Disziplinierung, Selektion oder nur zum sozialen Vergleich, sondern als Hilfsmittel zum Sicherstellen, dass Lernziele erreicht wurden oder zum frühzeitigen Erkennen von Lernproblemen mit anschließender gezielter Unterstützung. Generell liegt der Fokus darauf, was ein Kind erlernt und erreicht hat und es zu bestärken. In Bezug auf Leistungsnachweise wird dies sprachlich zum Ausdruck gebracht, indem sie als „Gelingensnachweise“ bezeichnet werden.
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Für eine positive Schulatmosphäre werden zudem gemeinschaftsfördernde Elemente wie kooperatives Lernen, feste Rituale wie ein gemeinsamer Wochenabschluss, Teambuilding- Aktivitäten usw. etabliert. Daneben bietet das Schulgebäude innen wie außen flexibel nutzbare Sportflächen, sodass Bewegung leicht in den Schulalltag integriert werden kann. …
Lehrplan/Bildungsstandard Klassenstufe 8
Ab Klassenstufe 8 wählen die Schülerinnen und Schüler im gymnasialen Anforderungsniveau, die keine 3. Fremdsprache belegen, ein Profil. Der Schule werden die nachfolgend beschriebenen Profile zur Etablierung und Weiterentwicklung vorgeschlagen. Es steht der ihr jedoch frei, im Verlauf ihrer weiteren konzeptionellen Entwicklung andere Profile zu etablieren. Bei der Entwicklung der Profile sind sowohl die Bildungs- und Entwicklungsziele als auch die pädagogischen Grundsätze der Schule leitend. Die zentralen Themen Individualität und Gemeinschaft, Gesundheit und Erfolg finden sich in Inhalten und Ausgestaltung der Profile wieder. Die Fächer des Profils werden im Werkstatt- oder Projektformat realisiert. Mindestens ein Profilangebot wird in Kombination mit dem Fach WTH entwickelt, um Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, praktische Inhalte wie Nähen und Kochen in der Gemeinschaft mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zu erlernen und zu praktizieren, unabhängig vom gewählten Anforderungsniveau.
Ziel des Profilunterrichts ist neben dem Erwerb von Fachwissen die Entwicklung von Kompetenzen in den Bereichen Präsentation von Fachwissen, Herstellen von Zusammenhängen und Verbindung einzelner Fächer sowie Reflexion des eigenen Verhaltens in Bezug auf die Inhalte des jeweiligen Profils.
Mentale und körperliche Gesundheit Abschnitt 1.2.3 dieses Konzeptes führt aus, welchen hohen Stellenwert das Thema Gesundheit für die Schule am Dösner Weg hat. Dieser wird auch durch das Angebot eines Profils aus dem Themenfeld Gesundheit unterstrichen. Im Profilunterricht erwerben die Schülerinnen und Schüler beispielsweise Wissen zu Sport und Bewegung und gesunder Lebensweise (Bewegung im Alltag, Zusammenhang zwischen Ernährung und Sport, Ess- und Suchtverhalten). Ebenso werden Themenfelder wie Stress-bewältigung und Resilienz bearbeitet.
Gut haushalten Für die Schule am Dösner Weg ist ein hoher Lebensweltbezug des Unterrichts wichtig. Dies spiegelt sich in den gewählten Lernformaten, insbesondere im Format „Projekt“. Auch der Profilunterricht soll diesen Lebensweltbezug deutlich machen. Im Profil „Gut haushalten“ erlernen die Schülerinnen und Schüler den Umgang mit ihren eigenen finanziellen Ressourcen mit Blick auf Lebenshaltungskosten. Ziel ist eine Budgetplanung einzuüben, verschiedene Ausgaben für die Lebenshaltung kennen zu lernen und Wege zu erarbeiten, wie auch mit einem kleinen Budget so gewirtschaftet werden kann, dass beispielsweise eine gesunde Ernährung, die Mitgliedschaft im Sportverein oder die Finanzierung eines Smartphones oder Streaming-Abonnements realisierbar sind.
Nachhaltig und gut gekleidet Die Stadt Leipzig hat sich zum Ziel gesetzt, eine „Zero Waste City“ zu werden. Abfall soll so weit wie möglich reduziert werden, auch an den Leipziger Schulen. Das Profilangebot zielt darauf, das Thema „Zero Waste“ im Kontext mit Kleidung zu erarbeiten. Behandelt werden hier Aspekte der Textilherstellung und des Wirtschaftskreislaufs, zur Herstellung benötigte Ressourcen. Fast Fashion und nachhaltige Kleidung werden gegeneinander abgewogen. Damit kann für die Schülerinnen und Schüler ein hoher Alltagsbezug hergestellt werden.
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Nachhaltige Ernährung: Anbauen, Ernten, Kochen und Genießen Nachhaltigkeit spielt auch in Bezug auf Essen und Ernährung eine große Rolle. Im Profil wird der Nahrungsmittelkreislauf vom Anbau/Herstellung bis zur Verarbeitung von Lebensmitteln ins Zentrum gestellt. Thematisiert werden konventionelle und biologische Ansätze vom Anbau bis zur Verarbeitung, Vor- und Nachteile der Methoden und ökologischer Fußabdruck gegenübergestellt. Sofern es sich jahreszeitlich passend realisieren lässt, werden entweder im eigenen Schulgarten oder in Kooperation mit dem Schulbiologiezentrum der Stadt Leipzig einige Obst- und Gemüsesorten angebaut, geerntet und verarbeitet. Auch hier wird der Aspekt des „Zero Waste“ mit aufgegriffen und bewusst auf eine vollständige Verarbeitung von Lebensmitteln abgezielt.
Alle Profile werden so entwickelt, dass sie Lernbereiche aus verschiedenen Fächern verbinden.