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Wege zu einer
barrierefreien
Öffentlichkeitsarbeit
Handreichung für
die Stadtverwaltung
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Inhalt
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reldnihcS © Vorwort 3
Einführung
– Barrierefreie Teilhabe 4
– Sprachliche Kommunikation 5
Rezeption von Text- und Bildinformationen
– blinde und sehbehinderte Menschen 6
– kognitiv beeinträchtige Menschen 7
– gehörlose und schwerhörige Menschen 8 / 9
Barrierefreie Textproduktion
– Grundlage: DIN 1450 10
– Schrifteinsatz 11
– Struktur und Formatierung 12
– Tipps für die Umsetzung 13
Barrierefreie Medienproduktion
– Grundlage: BITV NRW 14
– Text-, Video- und Grafikqualität 14
– Dokumentenqualität (PDF) 15
– Videoproduktionen, PowerPoint 16
– Tipps für die Umsetzung 16 / 17
Barrierefreie Veranstaltungsplanung
– Veranstaltungshinweise 18
– Veranstaltungskommunikation 18
– Veranstaltungstypen 19
– Service 19
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Vorwort
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, 3
das Behindertengleichstellungsgesetz des Der gesetzliche Auftrag sowie Diskussions- Landes Nordrhein-Westfalen (BGG NRW) ergebnisse aus dem Beirat für Menschen fordert, dass alle Menschen gleichermaßen mit Behinderungen bilden die Basis für die an allen Lebensbereichen teilhaben können. in dieser Broschüre dargestellten Handlung- Dazu zählt der Gesetzgeber auch, dass Sys- sempfehlungen für die Öffentlichkeitsarbeit teme der Informationsverarbeitung, akus- der Landeshauptstadt Düsseldorf. Die Hand- tische und visuelle Informationsquellen lungsempfehlungen konzentrieren sich auf sowie Kommunikationseinrichtungen auch eine optimierte Zugänglichkeit gedruckter von Menschen mit Behinderungen genutzt und elektronischer Medien der Stadtverwal- werden können. Dabei sind die verschiede- tung für ein breites Publikum, sowie auf eine nen Behinderungsformen zu berücksichti- entsprechende Durchführung von Veranstal- gen: Blinde und sehbehinderte Menschen, tungen. schwerhörige und gehörlose Menschen, Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Dem Motto „Design für alle“ folgend, geht mobilitätsbehinderte Menschen haben sehr diese Handreichung davon aus, dass Maß- unterschiedliche Anforderungen an barriere- nahmen, die für Menschen mit Behinde- freie Medien. rungen zwingend erforderlich sind, auch für alle anderen Menschen als nützlich und Der Begriff „Barrierefreiheit“ basiert auf Be- bequem wahrgenommen werden. Letztlich stimmungen des BGG NRW. Während im ist es Ziel der Öffentlichkeitsarbeit, so viele Bereich Bauen, Verkehr sowie bei der Ge- Bürgerinnen und Bürger wie möglich zu er- staltung von Internetauftritten die Barriere- reichen. freiheit relativ klar definiert ist, gibt es für Printproduktion und Medienarbeit keine klaren gesetzlichen Regelungen. Allerdings erhält die DIN 1450 Regelungen für die Ver- wendung und Lesbarkeit von Schriften.
Es ist das Anliegen der Landeshauptstadt Düsseldorf, kommunikative Barrieren aus- zuräumen. Zugang und Nutzung von städti- schen Medien müssen für Menschen mit Behinderung in der allgemein üblichen Wei- se, ohne besondere Erschwernis und grund- sätzlich ohne fremde Hilfe möglich sein.
Grundlagen
• Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) NRW • Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) • »Barrierefrei – und jeder weiß, wo es lang geht« Broschüre von PRO RETINA Deutschland e.V. • »Richtlinien zur Gestaltung von Medien der Landeshaupt- stadt Düsseldorf« Broschüre des Amtes für Kommunikation
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Einführung – Barrierefreie Teilhabe
4 Warum sollten Informationen so aufbereitet sein,
dass alle Menschen sie erfassen können?
Weil es einfach fair ist elementare Voraussetzung zur Informations- Klar lesbare, bequem und uneingeschränkt gewinnung. erfassbare Informationen helfen allen, an der Gesellschaft teilzuhaben, Entscheidun- Weil es nicht komplizierter ist gen zu treffen und ein unabhängiges Leben und nicht zwingend mehr kostet zu führen. Dies gilt besonders für sehbehin- Informationen auf allgemein nutzungs- derte und blinde Menschen, aber zum Bei- freundliche Art zugänglich zu machen, ist spiel auch für alle anderen, die Texte schnell nicht zwangsläufig kostspielig oder beson- unter ungünstigen Rahmenbedingungen ders kompliziert. Es bedarf in vielen Fällen erfassen müssen. nur mehr Bewusstsein und Recherche- aufwand in der Arbeitsvorbereitung sowie Weil die Gleichstellung von Menschen eines integrierten Denkens im gesamten mit Behinderung ein Grundrecht ist Herstellungsprozess. Das Grundgesetz bestimmt in Artikel 3, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Weil die Attraktivität unserer Stadt Dort heißt es auch: „Niemand darf wegen behinderte Menschen miteinschließt seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Das Veranstaltungsangebot Düsseldorfs wird Behindertengleichstellungsgesetze und die für alle Einwohnerinnen und Einwohner, dazugehörigen Verordnungen führen im aber auch für eine Vielzahl an auswärtigen Einzelnen aus, was das bedeutet. Auf inter- Gästen in vielerlei Form medial präsentiert. nationaler Ebene formuliert die UN die Insbesondere für Menschen mit Behinde- Rechte von Menschen mit Behinderung, rung ist eine barrierefreie Teilnahme an Ver- um ihnen die gleichberechtigte Teilhabe am anstaltungen an bestimmte Voraussetzun- gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. gen geknüpft. Dies gilt ganz besonders auch für die begleitende Kommunikation vor und Weil es den gesellschaftlichen während größerer Open-Air-Veranstaltungen Entwicklungen entspricht im öffentlichen Raum. Da die Menschen dank des medizinischen Fortschritts und verbesserter Lebensbedin- Die Stadt Düsseldorf hat sich – zusammen gungen länger leben und mit zunehmen- mit der Düsseldorf Marketing & Tourismus dem Alter die Seh- und Hörkraft abnimmt, GmbH (DMT) – zur Aufgabe gesetzt, Ver- ist von einer wachsenden Zahl von Bürgerin- antwortliche von Veranstaltungen im Stadt- nen und Bürgern auszugehen, die Seh- und gebiet auf die besonderen Belange von Höreinschränkungen bis hin zur Sehbehin- Menschen mit Behinderungen hinzuweisen. derung oder Altersblindheit beziehungswei- Über die infrastrukturelle Organisation im se Hörbehinderung oder Taubheit haben Vorfeld bis zur begleitenden Kommunikation werden. Eine diesem Umstand nachkom- (Werbung, PR) soll für diese Zielgruppe eine mende Informationsdarstellung mag für die bestmögliche barrierefreie Teilnahme erwirkt einen Service für die Leserinnen und Leser werden. beziehungsweise Hörerinnen und Hörer (beispielsweise bei Filmen und Videos) sein, für die anderen ist es altersbedingt eine
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Einführung – Sprachliche Kommunikation
Der Schlüssel zum Verständnis – 5
Sprachliche Kommunikation auf Augenhöhe
Die Kommunikation der Stadtverwaltung zeigt Sprache sind ein zusätzliches Angebot für eine große Bandbreite. Einige Beispiele: die genannte Zielgruppe (siehe auch Seite 7).
Verständliche Sprache Piktogramme Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einen besonderen Sprachcode stellen Pik- Stadtverwaltung gelten die Vorgaben aus togramme dar. In der Praxis unterlaufen der Allgemeinen Geschäftsanweisung (AGA). allerdings viele Piktogramme durch eine Sie sagt dazu: „Schriftliche Darstellungen mangelhafte Gestaltungsqualität ihren sollen so kurz wie möglich, aber dennoch eigentlichen Verwendungszweck – nämlich sachgerecht und erschöpfend sein. Sie sind bildhaftes und damit schnelleres Erfassen in verständlicher und gegebenenfalls adres- von Informationen zu ermöglichen. sa tenorientierter Sprache abzufassen.“ Auch in der gültigen Barrierefreie Informa- Bei der Verwendung von Piktogrammen in tionstechnik-Verordnung Nordrhein-West- Drucksachen oder in Form von Beschilde- falen (kurz: BITV NRW) heißt es: „Die Infor- rung hinsichtlich barrierefreier Angebote ist mationen (und die Bedienung der Benutzer- zu achten … schnittstelle) müssen verständlich sein. Texte • auf eine ausreichende Größe, sind lesbar und verständlich zu gestalten.“ • auf einen deutlichen Hell-Dunkel-Kontrast bei den Bildanteilen und Gebärdensprache • auf leichte, intuitive Decodierung Untereinander verständigen sich Gehörlose (kein Rätselraten). in der Regel in der Deutschen Gebärdens- • Für blinde und sehbehinderte Menschen prache (DGS). Sie ist eine anerkannte voll- müssen Piktogramme erklärt werden! wertige und dynamische Sprache, die alle Eigenschaften der Lautsprache besitzt. Sie hat eine eigene Grammatik, die erheblich von der der deutschen Lautsprache abweicht –
Wichtige Piktogramme
bei einem ähnlich großen Wortschatz. Die Bedeutung vieler Wörter ist in beiden Spra- die Hilfe für Menschen mit Behinderungen anzeigen chen unterschiedlich. Die DGS hat keine eigenständige Schriftsprache. Die Gebärden Kennzeichnung behindertengerechter Angebote. lassen sich nur über den Umweg der Laut- Wichtig: Nicht ausschließlich bezogen auf mobilitäts- sprache schriftlich übersetzen (siehe dazu eingeschränkte Menschen in Rollstühlen. auch Seiten 8 und 9). Hinweis für Schwerhörige, dass eine Induktive Hör- Leichte Sprache anlage zur Verfügung steht, die genutzt werden kann. An Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geistiger Behinderung, aber auch Menschen Auszeichnung von Publikationstexten deren Herkunftssprache nicht Deutsch ist in Leichter Sprache. (sowie auch an gehörlose Menschen) richtet sich die Leichte Sprache. Texte in Leichter Übersetzung von Informationen in Deutsche Gebärdensprache (DGS).
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Rezeption von Text- und Bildinformationen
6 Wie erfassen blinde und sehbehinderte Menschen
Text- und Bildinformationen?
Druckerzeugnisse können nie für alle Formen Elektronische Dokumente der Sehbehinderung geeignet sein. Dennoch Auf elektronischem Wege erhaltene Doku- sollten sie so gestaltet werden, dass seh- mente können von Blinden und Sehbehin- behinderte Menschen diese ohne größere derten – wenn sie unter dem Aspekt der Schwierigkeiten mit ihren Hilfsmitteln nut- Barrierefreiheit erstellt wurden – gelesen zen können. werden.
Gleiches gilt auch für die Programmiererung Zur Darstellung können zum Einsatz kom- von Internetseiten. Sie muss so erfolgen, men: dass die Seiten von blinden und sehbehin- • die internen Bedienhilfen des Betriebs- derten Menschen mit ihren Hilfssystemen systems und Internetbrowsers. Dabei ist vollumfänglich gelesen werden können. für die Informationsbeschaffung für Viele Allerdings kann für eine Informationsbe- der Anzeigemodus »Nur Text« hilfreich. schaffung nicht überall und jederzeit von • eine Schriftvergrößerungssoftware, die der Verfügbarkeit eines stationären Internet- wie beim Lesegerät Text vergrößert dar- zugangs und neuester Software ausgegan- stellt, gen werden. • ein Screenreader, also eine synthetische Vorlese-Stimme, die neben dem eigent- Gedruckte Dokumente lichen Text die hinterlegten Parameter Ein spezielles Lesegerät vergrößert mit spe- (zum Beispiel Überschriften, Bildbeschrei- zieller Optik eine gedruckte Vorlage (Flyer, bungen) erkennt und deutet, Buch- oder Broschürenseite) um ein Viel- • eine Braillezeile anstelle der visuellen faches und zeigt die Texte auf einem Mo- Darstellung am Bildschirm. Sie ermög- nitor zum Ablesen an. Unterwegs nutzen licht die Brailleschrift mit der Hand zu stark Sehbehinderte mobile Hilfsmittel zur ertasten. Ver größerung, wie Taschenlupen oder Mono- kulare, wobei letztere eher für Schriften in größerer Entfernung gedacht sind.
Für einen Leseerfolg sind die Schriftgröße, Monokular Kontraste sowie gute Lichtverhältnisse zwin- gend erforderlich. Es ist nachvollziehbar, dass eine derartige Aufnahme von Texten sehr zeitaufwändig ist, da der Text bei stär keren Vergrößerungen Wort für Wort – manchmal buchstabenweise – erfasst werden muss.
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Rezeption von Text- und Bildinformationen
Wie erfassen Menschen mit Lernschwierigkeiten oder 7
geistiger Behinderung Text- und Bildinformationen?
Für Menschen mit Lernschwierigkeiten • Verwendung von Bindestrichen bei zu- sind Veröffentlichungen und Schriftwechsel sammengesetzte Wörtern (= Binde-Strich) sprachlich so zu formulieren, dass ihnen • Vermeidung abstrakter und bildhafter möglich ist, den Inhalt zu verstehen. Für die- Sprache (beispielsweise Metaphern), se Zielgruppe eröffnen Texte in Leichter oder • zusätzliche Verwendung von Bildern Einfacher Sprache einen besseren Zugang und Symbolen (ähnlich Clip-Arts), zu Informationen und damit Teilhabe am • eine übersichtliche Textgestaltung gesellschaftlichen Leben. Einfache Sprache Leichte Sprache Näher an der Standardsprache liegt die Ein- Texte in Leichter Sprache sollten dann vor- fache Sprache. Leichte Sprache und Einfache gehalten werden, wenn die Veröffentlichung Sprache sind aber nicht das Gleiche. Ziel- sich gezielt an diese Gruppe wendet, sowie gruppe der Einfachen Sprache sind insbe- für wichtige, allgemeine Informationen auf sondere Menschen, deren Erstsprache nicht breiten Kanälen. Leichte Sprache unter- Deutsch ist. scheidet sich deutlich von der Alltagsspra- che, sie ist aber keine „Kindersprache“. Leichte Sprache zeichnet sich aus durch … • kurze Sätze mit möglichst nur einer Aussage • Verwendung eines größeren Schriftgrads • Vermeidung von Passiv, Konjunktiv und Genitiv • Vermeidung von Fremdwörtern und Fachwörtern,
Lesegerät Textzeilenübertragung in Braille
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Hinweis
Die inhaltliche Aufbereitung von Texten in Leichter Sprache übernehmen spezialisierte Dienstleisterbüros. Sie haben den bearbeiteten Texten eine zusätzliche Information hinzuzufügen, wer die Übersetzung vorgenommen und wer sie überprüft hat. Nähere Informationen – auch zu Übersetzungsbüros finden sich unter www.leichtesprache.org.
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Rezeption von Text- und Bildinformationen
8 Wie kommunizieren gehörlose und schwerhörige Menschen?
Als gehörlos werden Menschen bezeichnet, Rezeption und Verständnis von Texten die hörbehindert sind und vorwiegend in Da Gehörlose vor dem Spracherwerb er- Gebärdensprache kommunizieren. Wegen taubt sind, fehlt ihnen die Möglichkeit, über der Hörbehinderung können sie nur bedingt den natürlichen Weg des Hörens die Spra- auf natürlichem Wege sprechen lernen. che zu erlernen. Daher bleibt die Sprache für die Gehörlosen fremd. Sie ist für sie Grade von Hörverlust wie eine Fremdsprache, die nur schwer zu Bei der Hörschädigung wird nach dem Grad „übersetzen“ ist. Wenn ein Gehörloser folg- des Hörverlustes unterschieden, dabei unter- lich ein Schriftstück liest, sieht er eine mehr scheidet man zwischen Taubheit (völliger oder weniger große Anzahl an Wörtern, für Hörverlust), hochgradiger Schwerhörigkeit die es in der Gebärdensprache keine Ent- (Resthörvermögen), mittelgradiger Schwer- sprechung gibt. Diese Wörter kann er nicht hörigkeit (Sprachaufnahme noch möglich, in seine Gebärdensprache „übersetzen“. aber trotz Hörgerät eingeschränkt) und leichtgradiger Schwerhörigkeit (Hörvermö- Menschen, die im Laufe ihres Lebens gehör- gen für das Sprachverständnis noch aus- los geworden sind, sogenannte Spätertaub- reichend). te, beherrschen meist nicht die Gebärden- sprache. Sie sind aber in der Lage, Texte zu Die Interessenverbände gehörloser und lesen, da sie als Kinder hörend waren und schwerhöriger Menschen schätzen, dass die deutsche Sprache lesen und schreiben 0,1 Prozent der Bevölkerung (etwa 80.000 können. Für sie wird oft bei Veranstaltungen Menschen) in Deutschland gehörlos und zusätzlich zu Gebärdensprachdolmetsche- etwa 16 Millionen Menschen schwerhö- rinnen oder -dolmetscher eine Überset- rig sind. Etwa 15 Prozent der Gehörlosen zung durch Schriftdolmetscherinnen oder haben ihre Gehörlosigkeit ererbt. In den -dolmetscher angeboten, das heißt sie be- meisten Fällen besteht eine Gehörlosigkeit kommen den gesprochenen Text simultan von Geburt an. als Schreibtext angeboten.
Gebärdensprachdolmetscherin zur Ratssitzung und Einblendung im Internet-Livestream
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Rezeption von Text- und Bildinformationen
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Viele Gehörlose haben auch Probleme, Texte Gebärdensprachvideos zu schreiben, weil sie die Wörter und deren Das beste Mittel zur Informationsweitergabe Bedeutung nicht genau kennen. Das Text- an Gehörlose ist die Deutsche Gebärdens- verständnis Gehörloser lässt sich durch prache (DGS). Um internet- beziehunsgs- einfache, leicht verständliche Texte erleich- weise online-basierte Informationen für Ge- tern, die jedoch die Gebärdensprache nicht hörlose verständlich zu machen, sollten auf ersetzen können. bestimmten Webseiten Gebärdensprach- videos bereitgestellt werden. Diese Videos Technische Hilfsmittel werden von darauf spezialisierten Produk- Schwerhörige Menschen nutzen Hörgeräte, tionsunternehmen realisiert. die akustische Signale verstärken. In öffent- lichen Gebäuden und bei Veranstaltungen Kommunikation mit Gehörlosen wird der Ton auf elektromagnetischem Weg Hörende sollten Gehörlose beim Sprechen mit sogenannten induktiven Höranlagen an ansehen, langsam und deutlich, aber nicht die Hörgeräte übertragen. Derartige Anlagen laut sprechen. Kurze, klare Sätze sowie eine sind beispielsweise im Plenarsaal und den deutliche Mimik und Gestik sind ebenfalls Sitzungssälen des Rathauses eingebaut, es wichtig. Aus Sicht der Gehörlosengemein- gibt sie aber auch als mobile Geräte. schaft wird Gehörlosigkeit nicht über feh- lendes Hörvermögen definiert, sondern Darüber hinaus gibt es weitere Kommunika- sprachlich und kulturell. Gehörlose sind tionshilfsmittel für Fernsehen, Telefon, Tür- Hörbehinderte, die vorzugsweise in Gebär- klingel usw. Unzureichendes Hörvermögen densprache kommunizieren und sich der wird durch optische oder Vibrationssignale Gebärdensprachgemeinschaft und ihrer ergänzt beziehungsweise ersetzt (Zwei- reichen Kultur zugehörig fühlen. Sinne-Prinzip).
Städtische Qualifizierungsmaßnahme
Hinweisschild auf eine induktive Höranlage Im Rahmen städtischer Qualifizierungsmaßnahmen werden – insbesondere für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kunden-/ Bürgerkontakt – Einführungskurse in die Deutsche Gebärden- sprache (DGS) angeboten.
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Barrierefreie Textarbeit – Grundlage
10 DIN 1450: 2013-04 »Schriften – Leserlichkeit«
Grundlage für barrierefreie Texte
Bei der Gestaltung von schriftlichen Informa - sie erleichtern auch den Lesekomfort für tionen spielt natürlich der Zweck, für welche alle anderen Nutzerinnen und Nutzer der Zielgruppe die Informationen bestimmt sind Öffentlichkeitsarbeit. und in welchen Situationen sie aufgenom- men werden sollen oder müssen, eine we- Für unterschiedliche Textarten wie Lese- sentliche Rolle. Jede schriftliche Information text (Haupttext), Konsultationstext („Klein- sollte dabei jedoch Minimalanforderungen gedrucktes“), Schautext (Plakate) und erfüllen, um allgemein zugänglich zu sein. Signalisationstext (Schilder) legt die DIN Diese Minimalanforderungen werden in der 1450 gesonderte Parameter beispielsweise DIN 1450 festgelegt. für Schriftgröße und Schriftweite, Strichstär- ke, Betrachtungsabstand und Kontrast fest. Schrift Die DIN 1450: 2013-04 – Schriften, Leser- Im Weiteren geht es um den für die Öffent- lichkeit – bezieht sich nicht ausschließlich lichkeitsarbeit wichtigen Lesetext, also den auf sehbehinderte Menschen, sondern auch Haupttext, der die Informationen beinhaltet. auf diejenigen, die eine Sehhilfe (Brille oder Dabei befasst sich die DIN mit der Leser- Kontaktlinsen) tragen. Es geht aber auch lichkeit der Schrift, ergänzend dazu geht es um Menschen, die situativ in ihrer Sehfähig- auch um die Lesbarkeit, also die Verständ- keit eingeschränkt sind (Lichtbedingungen, lichkeit des Textes. Stress, schnelles Lesen usw.).
Die aktuelle DIN 1450 ist für die Öffentlich- keitsarbeit der Stadtverwaltung die Grund- lage. Sie stellt die Mindestanforderungen an die Leserlichkeit der Schriften dar. Darüber hinausgehende Schriftgrößen sind für besondere Zielgruppen wie ältere und sehbehinderte Menschen empfehlenswert;
Definitionen
Leserlichkeit ist ein Maß für die Lesegeschwindigkeit. Ein gut leser- licher Text lässt sich schneller lesen als einer mit geringer Leserlich- keit. Faktoren hierfür sind Schriftart und -größe, Zeilenabstand, Zeilenlänge und Ausrichtung, aber auch Farbe und Untergrund.
Lesbarkeit ist eines von mehreren Kriterien für die Verständlich- keit von Texten. Sie beruht auf der sprachlichen Gestaltung wie Wort- und Satzkomplexität und dem zur Verfügung stehenden Wort- schatz. Lesbarkeit wird häufig mit Verständlichkeit gleichgesetzt.
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Barrierefreie Textarbeit – Schrifteinsatz
Schrifteinsatz im Rahmen des 11
Corporate-Designs der Landeshauptstadt Düsseldorf
Für die Gestaltung von Druckerzeugnissen Schriftgröße für Korrespondenz (Word) im Corporate Design (CD) der Stadt liefert Bei städtischer Korrespondenz (Internes die Broschüre »Richtlinien zur Gestaltung Schreiben, Kopfbogen) ist in den Word-Vor- von Medien der Landeshauptstadt Düssel- lagen – sogenannte „Makros“ – als Standard dorf« umfangreiche Vorgaben. die Schrift Arial in 10,5 Punkt voreingestellt. Es wird empfohlen, diese Größe per Hand Schriftauswahl bis auf 12 Punkt zu erhöhen. Das CD sieht – als sogenannte Hausschrif- ten – die Verwendung der beiden Schrift- Schriftgröße für Bescheide, Formulare familien Minion und News Gothic MT vor. Das Behindertengleichstellungsgesetz NRW Beide Schriften zeigen klare und unver- schreibt vor, dass die Träger öffentlicher Be- wechselbare Schriftbilder. Dies war bereits lange (hier: die Kommune) bei der Gestal- Leitgedanke bei der Entwicklung des CD und tung von schriftlichen Bescheiden, Allgemein- führte zur Auswahl dieser beiden Schriften. verfügungen, öffentlich-rechtlichen Verträgen, Der bewusste Einsatz beider Schriftfamilien Vordrucken und amtlichen Informationen eröffnet den Nutzerinnen und Nutzern aus- die besonderen Belange betroffener Men- reichend Möglichkeiten für eine abwechs- schen mit Behinderung zu berücksichtigen lungsreiche Textgestaltung. Voraussetzung haben. ist die Befolgung nachfolgender Mindest- standards in der Wahl der Schriftgröße und Die städtischen Richtlinien für die Formular- der Formatierung. gestaltung sehen die ausschließ liche Ver- wendung der serifenlosen Haus schrift News Eine grundsätzliche Verwendung beider Gothic MT vor. Für die Be schreibung der Schriftarten ist allerdings nicht zwingend. Eintragefelder bei Formularen sollte als Schriftgröße mindestens 9 Punkt gewählt Schriftgröße für Lesetext werden. Gemäß der Berechnungsgrundlagen im Rahmen der DIN 1450 ergibt sich für Lese- texte bei der Schrift Minion eine Mindest- größe von 9 Punkt für Lesetexte und bei den Schriften News Gothic MT (und alternativ Arial) eine rechnerische Größe von 8 Punkt.
Empfehlung des Behindertenbeirates
Diese Größen (bezogen auf einen Visus Der Beirat für Menschen mit Behinderung (mit Untergremium von 0,7 = 70 % Sehkraft) sind demnach für »Runder Tisch Kommunikation«) sowie die Behindertenkoordi- viele Sehbehinderte viel zu klein und auch nation empfehlen darüber hinausgehend, auf Serifenschriften für Normalsehende wenig komfortabel. vollständig zu verzichten. Stattdessen sollten serifenlose Schrif- Es wird daher empfohlen, die Größen für ten, wie News Gothic MT oder Arial verwendet werden. beide Schriften um zwei Punkt anzuheben. Bei Broschüren, Flyern, Merkblättern und Korrespondenz wird Das bedeutet also 11 Punkt für Minion und als einheitliche Mindestgröße für serifenlose Schriften 12 Punkt 10 Punkt für News Gothic MT und Arial. und in Formularen als Mindestgröße 10 Punkt empfohlen.
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Barrierefreie Textarbeit – Struktur und Formatierung
12 Struktur und Formatierung im Rahmen des
Corporate Designs der Landeshauptstadt Düsseldorf
Typografie und Layout bezeichnet die Art getrennt werden. Silbentrennung sollte sehr und Weise, wie Text- und Bildmaterial in sparsam und sehenden Auges, das heißt Druckwerken aber auch zum Teil in elektro- kontrolliert, eingesetzt werden. nischen Medien zur geleiteten Informations- aufnahme komponiert werden. Dazu ge- Zeilenabstand hören Schriftwahl, Bildpositionierung und Der Zeilenabstand sollte 120 Prozent der der bewusste Einsatz von Linien, Farbflächen gewählten Schriftgröße bezeihungsweise oder auch das Belassen von Weißraum. als Angabe »1,2-zeilig« aufweisen. Dieser Eine große Bedeutung in der Typografie hat Wert ist in Office-Programmen (Word) und die Schriftauszeichnung – auch Formatie- in gängigen DTP-Programmen als Standard- rung genannt. Mit ihr werden Zeilenbreite größe meist voreingestellt. Abweichungen in und -abstand sowie Schrift größe bestimmt. beide Richtungen (zu großer, wie zu kleiner Eine struktu rierte Formatierung ist un- Zeilenabstand) stellen folglich eine Beein- verzichtbar für barrierefreie Textarbeit. trächtigung der Leserlichkeit dar und sind nicht zu empfehlen. Textaufbau und Struktur Deutlich erkennbare Überschriften, Zwischen- Auszeichnungen überschriften, Aufzählungen und Querver- Kursivschriften und Unterstreichungen soll - weise strukturieren den Text. Generell ist ten möglichst vermieden werden – sie er- dabei alles hilfreich, was der schnellen und schweren den Lesefluss. Das Gleiche gilt für unkomplizierten Erfassung des Textinhaltes Großbuchstaben. Auch diese sollten nur als und dem leichten Suchen nach bestimmten Hervorhebung verwendet werden und nicht Informationen dient. Für ermüdungsfreies für längere Textabschnitte, da sonst die Lesen ist eine Zeilenlänge von maximal Leserlichkeit stark beeinträchtigt wird. 60 Zeichen sinnvoll. Bilder, Grafiken, Farbfonds Text ist grundsätzlich als linksbündiger Grundsätzlich zu vermeiden sind einem Text Flattersatz zu setzen. Blocksatz zeigt in der unterlegte Grafiken, Bilder und Flächen mit Textsoftware entweder keine oder (automa- Farbverlauf. Sie verschlechtern die Leserlich- tisiert vorgenommen) viele und mitunter un- keit enorm. Als Hintergrund zu empfehlen schöne Silbentrennungen. In Folge zeigt sich sind lediglich einfarbige Farbflächen mit meist ein unruhiges und „löchriges“ Schrift- deutlichem Kontrast zum Lesetext. bild, was Sehbehinderten die Texterfassung und Lesbarkeit er schwert. Auch aus diesem Tabellen pragmatischen Grund sieht das städtische Bei der Verwendung von Tabellen müssen Corporate Design keinen Blocksatz vor. die Spalten durch deutlich erkennbare Linien klar abgetrennt sein. Tabellen sollte mit Silbentrennung einer Linienstärke von mindestens 1 Punkt Bei der Erstellung von Texten ist auf eine aufgebaut sein. Ansonsten sind sie sehr Sinn wahrende Trennung zu achten. Das schwer erkennbar und werden von elektro- heißt, es sollte möglichst nur verbundene nischen Hilfsmitteln (Vorlesegeräte) nicht Wörter und nicht innerhalb von Wörtern klar erfasst.
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Barrierefreie Textarbeit – Tipps für die Umsetzung
13
Textkontrast, Textfarbe Tipps für die Umsetzung Entscheidend für die Leserlichkeit eines Tex- Strukturieren Sie – bezogen auf das Ausgabemedium – tes ist einerseits die Hintergrundhelligkeit die textlichen Inhalte unter Berücksichtigung einer Mindest- des Trägermaterials (Reflexionsstärke) an- schriftgröße und einheitlicher Stilvorlagen. dererseits der Kontrast zwischen Textfarbe • Wählen Sie – bezogen auf den Umfang – eine geeignete und Hintergrundfarbe. Schwarzer Schrift Formatgröße. auf weißem Hintergrund bietet den besten • Berücksichtigen Sie für jedes Projekt (Print, Internet, Multi- Kontrast und darum die beste Leserlichkeit. media) die notwendigen beziehungsweise geforderten Bei hellem Text auf dunklem Hintergrund Auflagen für eine barrierefreie Realisation (negative oder inverse Darstellung) sollen • Machen Sie als Test eine Schwarz/weiß-Kopie oder einen zur besseren Leserlichkeit die Schriftgröße Schwarz/weiß-Ausdruck der gestalteten Farbseite für eine um zehn Prozent und die Schriftzeichen- abstände um zwei Prozent erhöht werden. einfache Kontrast-Sichtprüfung. • Informieren Sie beauftragte Text- und Grafik-Dienstleisterin- Bei der Verwendung von farbiger Schrift auf nen und -Dienstleister über Auflagen zur Barrierefreiheit farbigen Flächen ist neben einem ausrei- • Die Wahrnehmung von Schrift wird auch beeinflusst durch chenden Hell-Dunkel-Kontrast zu beachten, die Materialeigenschaften des Druckträgers. Wählen Sie als dass manche Farbkombinationen wegen Druckträger kein Hochglanzpapier oder folierten Karton. verschiedener Farbsehschwächen (zum Bei- Beide sind aufgrund von Lichtreflexionen wenig geeignet. spiel Rot-Grün-Schwäche) ungeeignet sind. • Kalkulieren Sie Zeit und Kosten ein für eine parallel zum Wichtige Information dürfen nicht alleine Druck notwendige barrierefreie PDF-Aufbereitung der Print- durch farbige Kennzeichnung übermittelt publikation fürs Internet (siehe hierzu auch Seite 15) werden.
Buchstaben- und Zahlenvergleich
News Gothic MT – 18 Punkt
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZÄÖÜ
abcdefghijklmnopqrstuvwxyzßäöü 1234567890
Minion – 20 Punkt
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZÄÖÜ
abcdefghijklmnopqrstuvwxyzßäöü 1234567890
Arial – 18 Punkt
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZÄÖÜ
abcdefghijklmnopqrstuvwxyzßäöü 1234567890
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Barrierefreie Medienarbeit – Grundlage, Text-, Video- und Grafikqualität
14 BITV NRW: Grundlage für die Inhalte der
städtischen Internetseiten unter www.duesseldorf.de
Das Internet bietet besonders blinden und Textqualität gehörlosen Menschen vielfältige und neue Inhaltsstruktur und Textaufbau sind bereits Möglichkeiten – je nach Stärke ihrer indivi- in der Manuskriptform barrierefrei zu ent- duellen Beeinträchtigung –, an Informatio- wickeln. Fachämter und städtische Einrich- nen zu gelangen und damit am gesellschaft- tungen, Museen und Institute sind verpflich- lichen Leben teilzunehmen. tet, darauf zu achten, dass für eine Online- Verwendung eigene wie auch zugelieferte Die Landeshauptstadt Düsseldorf folgt Texte allgemeinverständlich formuliert sind. bei der Erstellung ihrer Internetangebo- Für begleitend einzusetzende Fotos und te den gesetzlichen Anforderungen der Grafiken sind sinnvolle Alternativtexte vor- Verordnung zur Schaffung barrierefreier zuhalten. Informationstechnik nach dem Behinderten- gleichstellungsgesetz NRW und der Bar- Videoqualität rierefreie Informationstechnik-Verordnung Größere Bandbreiten des Internets ermög- Nordrhein-Westfalen vom 24. Juni 2004 – lichen zunehmend den Einsatz von Video- kurz: BITV NRW. Clips. Bei der Implementierung von Be- wegtbild verfolgt die Stadt das Zwei-Sinne- Der erfolgte Relaunch des städtischen Prinzip: Langfristig eingestellte Videos Inter netpräsenz (Juni 2016) richtet sich werden zusätzlich mit Untertiteln versehen; nach den Bestimmungen der BITV 2.0 kurzfristig umgesetzte Videos erhalten eine des Bundes. schriftliche Wiedergabe des gesprochenen Textes.
Grafikqualität Sofern Video- oder Webseitenprojekte von externen Dienstleisterinnen und Dienst- leistern erstellt werden, ist hinsichtlich der textlichen Inhalte auf eine bestmögliche Kontrastwirkung zu achten.
Hinweis
Die Internetpräsenz der Landeshauptstadt wird vom Amt für Kommunikation inhaltlich verant- wortet, das die zentralen Seiten redaktionell be- treut. Die fachliche Verantwortung für die Inhalte liegt bei den jeweiligen Fachbereichen.
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Barrierefreie Medienarbeit – Dokumentenqualität
Bedingungen für PDF-Dokumente, elektronische Formulare 15
und Protokolle für eine Online-Verwendung
Alle Fachämter sind gehalten, auf die Bar- Grundsätzlich ist als Dateiformat bei Formu- rierefreiheit ihrer Publikationen zu achten. laren HTML der Vorzug vor PDF zu geben. Dies gilt auch über die gedruckte Form Im Zweifelsfall wenden Sie sich an das Amt hinaus. Daher ist bei der Konzeption von 16 (Stadtdruckerei und Mediendesign). Printmedien die spätere Verfügbarkeit einer barrierefreien PDF-Version zur Veröffentli- Protokolle chung im Internet zeitlich und finanziell Insbesondere bei stadtinternen Dokumen- zu berücksichtigen. Für die Realisation ist ten zur Gremienarbeit (Protokolle, Nieder- ein dafür kompetenter Dienstleister, wie schriften) ist eine barrierefreie Zugänglich- zum Beispiel Amt 16 (Stadtdruckerei und keit oberstes Gebot. Mediendesign), zu beauftragen. Bereits bei der Erstellung ist zu beachten, Flyer, Broschüren dass der Ausgangstext – üblicherweise ein Besondere Anforderungen im Rahmen Word-Dokument – den Anforderungen an der Aufbereitung von Drucksachen für ein Barrierefreiheit entspricht. Dies bezieht sich barrierefreies PDF stellt der Umgang mit im Wesentlichen auf… Bildern, Illustrationen und Grafiken, wie bei- • einen gebräuchlichen Satzspiegel, spielsweise Tabellen und Diagrammen, dar. • fest definierte Stilvorgaben zur Format ie- Diese sind mit erläuternden, aussagekräfti- rung von Überschriften, Zwischenüber- gen (!) Alternativtexten zu versehen, damit schriften, Fließtext, Fußnoten usw., blinde und stark sehbehinderte Menschen • die Verwendung von Seitenzahlen und mit ihren Vorlesegeräten (Screenreader) • sofern verwendet: beschreibende Alterna- deren Inhalte erfassen können. Schmuck- tivtexte für Bilder, Grafiken und Tabellen. bilder und -grafiken müssen nicht zwingend beschrieben werden, wenn ihre Darstellung keinen expliziten Mehrwert für das inhalt- liche Verständnis bietet.
Elektronische Formulare Formulare, die in Internetseiten eingebun- den, beziehungsweise zum Download ange- boten werden, haben ebenso den Anforde-
Barrierefreie PDF-Dokumente
rungen der Barrierefreiheit gemäß BITV zu entsprechen. Darüber hinaus sind auch die Ein PDF-Dokument ist dann barrierefrei, wenn es auf Grundlage genannten Anforderungen an Kontraste und seiner Verschlagwortung (Tag-Struktur) direkt zugänglich ist und Schriftgrößen zu beachten, vor allem wenn alle Anforderungen und Bedingungen der BITV 2.0 erfüllt. Diese die Formulare ausgedruckt und handschrift- Bedingungen sind einzuhalten. lich ausgefüllt werden sollen. Bei der Beauf- Hinweis: Die Überprüfung der Barrierefreiheit mit automatisierten tragung ist darauf gezielt hinzuweisen. Verfahren (z.B. über Adobe Acrobat) garantiert nicht die Barriere- freiheit des geprüften Dokuments, sondern weist lediglich auf be- sonders auffällige Fehler hin, die eine Barrierefreiheit ausschließen. Siehe zur Technischen Barrierefreieheit auch Seite 17.
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Barrierefreie Medienarbeit – Videoproduktionen und Präsentationen
16 Videoproduktionen und Präsentationen
für ein breites Publikum planen und realisieren
Voraussetzung für eine größtmögliche bar- Zumindest sollte die Möglichkeit gegeben rierefreie Realisation von Videoproduktio- werden, diese bei Bedarf hinzuschalten zu nen und Präsentationen mit audio-visuellen können. Eine entsprechende Kosten- und In halten ist eine entsprechend frühzeitige Zeitplanung ist daher zu berücksichtigen. Planung und Kalkulation für den gesamten technischen Produktionsablauf. Viele Gehörlose haben erhebliche Schwierig- keiten, sich in der Schriftsprache zu ver- Maßgeblich ist dabei das Zwei-Sinne-Prinzip ständigen. Sie kommunizieren in Deutscher zu berücksichtigen: Das bedeutet, Audio- Gebärdensprache (DGS). Aus diesem Grund und Video-Medien müssen auch in Textform sieht der Bundesgesetzgeber bereits vor, für Menschen mit Hörbehinderung zugäng- dass Internetauftritte seiner Behörden Erklär - lich gemacht werden. videos in Gebärdensprache erhalten. Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat die Ab- Videoproduktionen sicht, diesem Beispiel bestmöglich zu folgen. Anspruchsvolle audio-visuelle Produktionen werden mit professionellem Equipment er- Präsentationen stellt und digital ver- oder bearbeitet. Die In- Präsentation (zum Beispiel mit PowerPoint) halte können durch Nachbearbeitung auch stellen ein Standardmedium zur Informa- blinden und/oder gehörlosen Menschen zu- tionsdarstellung für ein großes Publikum gänglich gemacht werden. dar. Für die Aufbereitung der Informatio- nen – insbesondere unter Einbettung von Städtisch initiierte und langfristig angelegte Multimedia-Elementen – gilt auch hier das Video-Projekte sollten mit Untertiteln ver- Zwei-Sinne-Prinzip: Menschen mit Seh- sehen werden, um auch Gehörlosen einen behinderung müssen dem Vortrag folgen Informationszugang zu ermöglichen. können, auch wenn sie die Folien nicht erkennen können.
Dabei ist zu beachten, dass nicht nur der projizierte Vortrag selber, sondern auch die begleitende Foliendatei barrierefrei
Tipps für Videoproduktionen
gestal tet sein muss, um sie gegebenenfalls • Kalkulieren Sie die Kosten für eine barrierefreie Post-Produk- später auch ins Internet zu stellen oder per tion zur Einhaltung des Zwei-Sinne-Prinzips mit ein. Mail-Anhang versenden zu können – ins- • Videos sollten sich einer einfachen, leicht verständlichen Spra- besondere wenn der Empfängerkreis seh- che bedienen. Wenn möglich, sollen sie in Gebärdensprache behinderte Menschen umfasst. gedolmetscht werden oder Untertitel erhalten. • Sorgen Sie bei der Untertitelfarbe (meist Gelb) für ausreichen- den Hell-Dunkel-Kontrast durch eine gegebenenfalls zusätz- lich unterlegte Schattierung des Textes. Es gilt: größtmöglicher Kontrast erhöht die Leserlichkeit. • Vermeiden Sie in der Filmgrafik (Titel, Abspann, „Bauchbinde“) zu viele Farben.
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Barrierefreie Medienarbeit – Tipps für die Umsetzung
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Technische Barrierefreiheit Mit Microsoft Office 2010 ist auch für Power Point (sowie für Word und Excel) eine inte- grierte Barrierefreiheitsprüfung verfügbar, mit der Sie Ihre Präsentation auf Probleme prüfen können, die Personen mit Behinde- rungen den Umgang damit erschweren könnten. Sie erreichen die Funktion über den Pfad Datei > auf Probleme überprüfen
Barrierefreiheit überprüfen. Die Funktion ist aber nicht im Kompatibilitätsmodus ver- fügbar.
Aber auch hier gilt, wie bei Adobe-Produk- ten, dass automatische Verfahren nur for- male, technische Fehler anzeigen können, aber nicht die vollständige Barrierefreiheit sicherstellen, hierzu bedarf es stets einer manuellen Überprüfung. Trotzdem ist das Verfahren eine gute Vorbereitung.
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Tipps für Präsentationen
• Erklären Sie im Vortrag stets, was auf den Folien an Bild- elementen zu sehen ist. • Sorgen Sie für eine gute Abdunkelung des Raumes und verwenden Sie lichtstarke Beamer und Projektoren. • Vermeiden Sie zu viele Farben, Schriften und Schriftgrößen. Es gilt: größtmöglicher Kontrast erhöht die Leserlichkeit. • Vermeiden Sie Animations- und Seitenwechsel-Effekte • Verwenden Sie eine Mindestschriftgröße von 14 Punkt. • Überladen Sie Ihre Folie nicht – weniger ist oft mehr. Zu viel Fließtext-Information kann nicht aufgenommen werden. • Eine Präsentation ist nicht die projizierte Textform des gehaltenen Vortrags.
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Barrierefreie Veranstaltungen – Veranstaltungshinweise, Veranstaltungskommunikation
18 Öffentliche Veranstaltungen
für ein breites Publikum planen und realisieren
Barrierefreiheit nach Paragraf 4 des Behin- • Zugänglichkeit der Veranstaltung (Boden- dertengleichstellungsgesetzes NRW be- beschaffenheit, Stufen, Rampe, Aufzug) schreibt die Auffindbarkeit, Zugänglichkeit • Anzahl und Lage der Behindertentoiletten und Nutzbarkeit der gestalteten Lebens- • Angebote für mobilitätseingeschränkte bereiche für alle Menschen. Zugang und Menschen (spezielle Bereiche für Roll - Nutzung müssen danach für Menschen stuhlfahrerinnen und -fahrer in Bühnen- mit Behinderung in der allgemein üblichen nähe) Weise, ohne besondere Erschwernis und • Angebote für hörbehinderte Menschen grundsätzlich ohne fremde Hilfe möglich (Audioguide mit Induktionsschleife, in- sein. Hierbei ist die Nutzung persönlicher duktive Höranlage, Führungen mit induk- Hilfsmittel zulässig. tiver Höranlage, schriftliche informatio- nen, Gebärdensprachdolmetschung) Mögliche Veranstaltungsbesucherinnen • Angebote für gehörlose Menschen (Ge- und -besucher, besonders wenn sie von bärdensprachdolmetschung, Videos mit außerhalb gezielt nach Düsseldorf anreisen, Untertitelung, schriftliche Informationen) wollen wissen, was sie vor Ort erwartet. Dies • Angebote für sehbehinderte und blinde gilt umso mehr für Menschen mit Behinde- Menschen (Audioguide, spezielle Führun- rung, die Informationen benötigen ob und gen, zum Beispiel Tastführungen, taktile wie die Veranstaltung für sie erreichbar und Informationen an Sitzmöbeln und Expo- wie das Programmangebot speziell für sie naten sowie taktile Leitsysteme zur Orien- nutzbar ist. tierung im Raum, Brailleschrift) • Angebote für Menschen mit Lernschwie- Eine Veranstaltung ist nur dann barrierefrei, rigkeiten (Informationen und Führungen wenn sie für alle Menschen erreichbar, zu - in Leichter Sprache) gänglich und nutzbar ist. Je nach Veran- staltungstyp bedarf es zusätzlicher Vorkeh- Veranstaltungskommunikation rungen. Sofern diese Vorkehrungen nicht Bei der Gestaltung des Informationsmaterials getroffen sind, kann die Veranstaltung nicht und der Öffentlichkeitsarbeit über ent spre- als barrierefrei bezeichnet werden. chende Medienkanäle ist selbstverständlich darauf zu achten, dass Drucksachen und In- Veranstaltungshinweise ternet-basierte Angebote auch für Menschen Organisatorinnen und Organsiatoren sind mit Behinderung barrierefrei nutzbar sind. gehalten, an gegeigneter Stelle und in pro- bater Form im Rahmen der Veranstaltungs- Das bedeutet in der Umsetzung… kommunikation für Menschen mit Behin- • möglichst serifenlose, gut lesbare Schriften derung grundlegende Hinweise zu geben. in Mindestgröße (siehe Seiten 8 bis 11) Dazu zählen … • guter Hell-Dunkel-Kontrast • Erreichbarkeit (Behindertenparkplätze, • gut verständliche Formulierung barrierefreie ÖPNV-Anbindung, Länge der • barrierefrei gestaltete Internetangebote Wegstrecke vom Parkplatz beziehungs- sowie barrierefreie PDF-Dokumente, wie weise von der Haltestelle bis zur Veranstal- beispielsweise Programmflyer usw. tung, angebotene Shuttle-Dienste) (siehe Seite 13)
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Barrierefreie Veranstaltungen – Veranstaltungstypen, Service
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Veranstaltungsplanung Merkposten bei Ausstellungen… Bei allen Veranstaltungen muss für Menschen • Gut sichtbare Höhe der gezeigten Expo- mit Behinderungen besondere Sorgfalt auf- nate für Rollstuhlfahrerinnen und Roll- gebracht werden, um ihnen eine gleich- stuhlfahrer (mittlere Höhe, rund 1,30 berechtigte Teilhabe zu ermöglichen. Dazu Meter) zählen insbesondere Großveranstaltungen • Gute Helligkeit im Ausstellungsbereich (draußen) und Ausstellungen (drinnen). für eine ausreichende Ausleuchtung der Exponate und der sie begleitenden Infor- Merkposten bei Großveranstaltungen… mationen • Rollstuhlgerechte, das heißt unterfahr- • Raumwahl unter Berücksichtigung best- bare Tisch-/Thekenhöhen möglicher Akustik (kein Hall!) • ausreichend Sitzgelegenheiten für geh- • Blendfreies Glas für Vitrinen behinderte Menschen, Ruhezonen • ausreichend Sitzgelegenheiten für geh- • ausreichend Platz und Bewegungsflächen behinderte Menschen, Ruhezonen in den Durchgängen und zwischen den Ständen Die unter Veranstaltungshinweise gegebe- • Strohhalme beim Getränkeverkauf nen Empfehlungen gelten analog auch bei • Nutzbarkeit und ausreichende Stabilität Ausstellungen und umgekehrt. von Geschirr und Besteck Zusätzlicher Service Für kleinere städtische Veranstaltungen kann eine mobile induktive Höranlage (FM-Anlage) mit zehn Empfängern bei der Behindertenkoordination, Willi-Becker-Allee 8, Telefon 89-25858, ausgeliehen werden.
Kontaktmöglichkeit benennen!
Wichtig ist es, in den Veranstaltungsinformationen darauf hin- zuweisen, wie Menschen mit Behinderungen an ihr teilnehmen können. Dies kann über entsprechende Piktogramme (siehe Seite 5) kommuniziert werden. Zusätzlich ist eine Info-Rufnum- mer und eine E-Mail-Adresse wertvoll, wobei sicherzustellen ist, dass unter ihr auch während (!) der Veranstaltung qualitative Auskünfte rund um die Barrierefreiheit erteilt werden können. otohpkcotsi ©
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Herausgegeben von der Landeshauptstadt Düsseldorf Der Oberbürgermeister Amt für Kommunikation in Zusammenarbeit mit der Behindertenkoordination im Amt für Soziale Sicherung und Integration
Verantwortlich Kerstin Jäckel-Engstfeld
Redaktion Wilfried Müller, Michael Bergmann
Gestaltung Robert Steinchen
www.duesseldorf.de II/17