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Grobkonzept Ausstellung / BIZ Sophienhöhe
Erstellt von:
BOK + Gärtner GmbH Szenografie und Kommunikationsdesign Scheibenstraße 121 48153 Münster
Das Rheinische Revier insgesamt steht in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vor der großen Herausforderung des Strukturwandels infolge der für 2030 geplanten Beendigung des Braunkohleabbaus. Dieser Transformationsprozess wird in seiner zeitlichen und räumlichen Dimension beispiellos sein und zu einem erheblichen Umbau der Region führen. Der alte Braunkohletagebau wird zu einem neuen Ort des Lebens, Wohnens, Arbeitens, Erholens und des Seins. Die Ausstellung im Besucher- und Informationszentrums (BIZ) auf der Sophienhöhe erzählt diese Geschichte des Tagebau Hambach, als Langzeitprozess und vom Aufschluss bis zur neuen Landschaftsnutzung. Das Leitmotiv „Mensch und Natur: Wandel sichtbar machen“ dient als kuratorisches Grundgerüst des Ausstellungs-Grobkonzepts. Ziel ist das Sichtbarmachen von Zeit, dem Lesen von Spuren sowie das Begreifen von Maßstäben – von der Rohstoffgewinnung hin zur Landschaftsentwicklung.
Das Rheinische Braunkohlerevier wird dabei als Modellregion für Energieversorgung und Ressourcensicherheit dargestellt. In diesem Zusammenhang wird der Aspekt „Rekultivierung als Prinzip“ in der Ausstellungskonzeption vermittelt. Rekultivierung wird dabei nicht nur als technische oder landschaftsplanerische Folge des Bergbaus verstanden, sondern als übergeordnetes Prinzip des Umgangs mit Landschaft im Wandel (im Sinne eines prozesshaften Verständnis von Landschaftsentwicklung, das Eingriffe, Übergänge und neue Nutzungen zusammendenkt). Das Besucherinformationszentrum (BIZ) Sophienhöhe ist dabei nicht nur als klassischer Informationsort gedacht, sondern zugleich als außerschulischer Lern- und Erlebnisort, als Ausgangspunkt für die Erkundung des Außenraums und als Ort der Reflexion über Rekultivierung, Landschaftsgestaltung und zukünftige Entwicklungsperspektiven.
Dabei werden die naturwissenschaftliche Themen (Kohleverstromung, Ökologie, Geologie) mit politischen, soziologischen bzw. geschichtlichen Fragestellungen verbunden. Im Zentrum steht aber die Metamorphose der Landschaft – von der Nutzung als Tagebau über die Rekultivierung bis hin zur heutigen Biodiversität und Nutzung für Erholung, Gewerbe und für die Energieerzeugung. Dabei werden multimediale und interaktive Mittel genutzt, um Besucher:innen unterschiedliche Blickwinkel auf die Landschaft und die umliegenden Bereiche zu ermöglichen, aber auch die politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Begleiterscheinungen zu verstehen. Die Ausstellung erzählt diese Geschichte in drei Zeitstufen (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, ergänzt um Prolog und Epilog), quer dazu gibt es drei übergreifende Vermittlungsziele: Die Geschichte und Energiegewinnung, Prozesse, Methoden und Stadien der Rekultivierung sowie Zukunfts-Chancen und -Potentiale in verschiedenen Dimensionen. Dabei werden Inhalte im Innenraum auf Vermittlungsangebote im Außenraum bezogen. Alle Ausstellungsinhalte werden in Passung an die Zielgruppen didaktisch aufbereitet. Die Zielgruppe ist relativ breit gefächert: Erwartet werden Familien, Wanderer bzw. Spaziergänger oder Natur- und Strukturwandelinteressierte unterschiedlichen Alters, aber auch Schulklassen, die das BIZ als Außerschulischen Lernort nutzen.
Das integrierte Ausstellungsgrobkonzept umfasst die Definition der räumlichen Rahmenparameter, die Vertiefung der Inhalte und Exponate, die Festlegung geeigneter Vermittlungsformate, ein Konzept zur Besucher:innenführung im Innen- und Außenbereich sowie ein didaktisches Konzept für die Nutzung als außerschulischer Lernort. Ergänzt wird dies durch szenografische, grafische und mediale Bausteine, die die Grundlage für eine spätere vertiefte Entwurfs- und Ausführungsplanung bilden.
Die inhaltliche und räumliche Struktur der Ausstellung folgt einer klaren Dramaturgie: Der Landschaftswandel wird als zusammenhängende Erzählung vermittelt: von der Einführung in den Ort und seine Bedeutung über historische und aktuelle Entwicklungen bis hin zu zukünftigen Perspektiven. Die Besucher:innenführung ist so angelegt, dass eine verständliche Orientierung innerhalb der Ausstellung möglich ist und zugleich die Verbindung zwischen Innenraum und Landschaftsraum betont wird. Das BIZ endet nicht an der Gebäudeschwelle, sondern verweist bewusst auf die reale Umgebung der Sophienhöhe als erweiterten Erfahrungsraum.
Ein wesentlicher Bestandteil des Grobkonzepts ist die szenografische und gestalterische Ausarbeitung der Inhalte. Dies beinhaltet Visualisierungen zu den Haupträumen und wesentlichen Gestaltungselementen, um die Ausstellung nicht nur inhaltlich, sondern auch atmosphärisch und räumlich erfahrbar zu machen. Außerdem enthält das Konzept Hierarchiestrukturen für Text und Bild, einer definierten Haltung im Umgang mit visuellen und textlichen Inhalten sowie grundlegenden Gestaltungsrichtlinien zu Typografie und Farbklima. Zusammen mit einem Möbel-, Licht- und Medienkonzept entsteht so eine belastbare konzeptionelle Grundlage für die Entwurfs- und Ausführungsphase.
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Besonderes Gewicht kommt dem Ansatz der barrierearmen Ausstellung zu. Für die weitere Planung bedeutet dies, dass Inhalte, Zugänge, Orientierung, Medieneinsatz und räumliche Gestaltung so auszuarbeiten sind, dass möglichst viele Menschen die Ausstellung selbstständig und mit möglichst geringen Hürden nutzen können. Die barrierearme Ausrichtung ist damit kein nachgelagerter Zusatz, sondern ein integraler Bestandteil des Grobkonzepts und der weiteren Ausarbeitung.
Darüber hinaus benennt das Konzept wichtige Schnittstellen zu angrenzenden Fachplanungen. Dies betrifft insbesondere die Abstimmung mit der Landschaftsplanung bei den vorgeschlagenen Außenraumstationen, die thematisch an die Ausstellung anknüpfen und im weiteren Planungsverlauf konkretisiert werden müssen. Diese Stationen sind zunächst als konzeptionelle Vorschläge zu verstehen und in der nächsten Planungsphase mit den Landschaftsplaner:innen vertieft abzustimmen. Damit wird der hohe Stellenwert der Verzahnung von Ausstellung, Gebäude und Freiraum unterstrichen. Gleiches gilt sinngemäß für die Schnittstellen zur Hochbauplanung, da Besucher:innenführung, Einbauten, Medien, Licht, Barrierearmut und räumliche Inszenierung nur in enger Abstimmung mit den baulichen Rahmenbedingungen erfolgreich umgesetzt werden können.
Empfehlungen für die weitere Planung
• Komplexe Inhalte anschaulich und verständlich vermitteln: Themen wie Rekultivierung, Landschaftsentwicklung, Biodiversität, Klimawandel und Zukunftsperspektiven sollten durch eine Kombination aus Grafiken, Exponaten, Texten und interaktiven Medien vermittelt werden, um Fachinhalte niedrigschwellig zugänglich zu machen. • Innen- und Außenraum als zusammenhängendes Besuchserlebnis planen: Die Besucher:innenführung sollte weiterhin so ausgerichtet werden, dass die Ausstellung im Gebäude und die Erkundung des Außenraums inhaltlich und räumlich aufeinander bezogen sind. Das unterstützt die Rolle des BIZ als Ausgangspunkt zur Erschließung der Sophienhöhe. • Didaktische Nutzung als außerschulischer Lernort weiter ausarbeiten: Die Rolle des BIZ als außerschulischer Lernort sollte in der weiteren Planung geschärft und mit geeigneten Vermittlungsformaten, interaktiven Elementen und zielgruppengerechten Angeboten untersetzt werden. • Klare und reduzierte Informationshierarchie umsetzen: Ausstellungstexte sollten kurz, klar strukturiert und hierarchisch aufgebaut sein, damit unterschiedliche Zielgruppen – auch mit variierenden Aufmerksamkeitsspannen – schnell Zugang zu den Inhalten finden. Empfohlen wird eine eindeutige Staffelung in Überschrift, Kernaussage und Vertiefung. • Barrierearme Ausstellung frühzeitig mitdenken: Barrierearmut sollte als integraler Bestandteil der weiteren Planung behandelt werden und nicht erst in späteren Ausarbeitungsphasen ergänzt werden. Dies betrifft insbesondere Zugänglichkeit, Lesbarkeit, Orientierung und die Nutzbarkeit von Medien- und Interaktionselementen. • Gut lesbare Textgestaltung sicherstellen: Für die Ausstellung sollen gut lesbare, serifenlose Schriften mit klar unterscheidbaren Zeichenformen verwendet werden; Versalien sind nur sparsam einzusetzen. Schriftgröße und Anbringungshöhe der Texte sind so zu wählen, dass sie im Sitzen und Stehen gut lesbar sind. Geneigte Pultflächen können die Lesbarkeit zusätzlich verbessern. • Hohe Kontraste und visuelle Eindeutigkeit beachten: Zwischen Schrift und Hintergrund sind hohe Kontraste sicherzustellen. Farbkombinationen sollten auch für Menschen mit Farbsehschwächen eindeutig unterscheidbar sein. • Textebenen konsequent nach Funktion differenzieren: Die Ausstellung sollte mit einer klaren Textsystematik arbeiten: Einleitungstexte zur Orientierung, Bereichstexte zur inhaltlichen Einführung und Objekttexte zur vertiefenden, narrativen Vermittlung an Exponaten und digitalen Stationen. Ergänzend sind Vertiefungstexte, Hands-on-Texte und Quellenangaben sinnvoll, um unterschiedliche Informationsbedarfe und Nutzungsweisen abzudecken. • Schnittstellen zur Landschaftsplanung konkret abstimmen: Die vorgeschlagenen Außenraumstationen sollten in der nächsten Planungsphase gemeinsam mit der Landschaftsplanung überprüft, konkretisiert und in ihrer Lage, Funktion und Umsetzbarkeit abgestimmt werden.< • Schnittstellen zur Hochbauplanung früh koordinieren: Anforderungen aus Ausstellungsgestaltung, Möblierung, Medientechnik, Lichtplanung, Wegeführung und Barrierearmut sollten frühzeitig mit der Hochbauplanung abgestimmt werden, damit räumliche und technische Voraussetzungen von Beginn an berücksichtigt werden können.