[Seite 1]
Verbandskläranlage Hof
Erneuerung der Verdichter
Funktionsbeschreibung
| Dokument | Angabe | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| Projekt | Verbandskläranlage Hof, Erneuerung der Verdichter | ||||
| Dokumentenstatus | Ausschreibungsunterlagen, im Zuge der Werk- und Montageplanung fortzuschreiben | ||||
| Version | 1.0 | ||||
| Stand | Oktober 2026 |
[Seite 2]
Inhaltsverzeichnis
1 Zweck, Geltungsbereich und Grundlagen ............................. 4
2 Anlagenaufbau ......................................................................... 5
3 Antriebe und Messstellen ....................................................... 6
3.1 Antriebe ..................................................................................................... 6
3.2 Messstellen ............................................................................................... 7
4 Parametrierung und Festlegung in der Werk- und
Montageplanung ...................................................................... 8
5 Regelungskonzept Druckbelüftung ....................................... 9
5.1 Druckregelung .......................................................................................... 9
5.2 Feste Drucksollwertvorgabe .................................................................... 9
5.3 Gleitdruckregelung ................................................................................... 9
5.4 Luftmengensollwert und Stellgrößenverteilung .................................... 9
6 Betriebsweise und Verdichterfolge ...................................... 11
6.1 Betriebsarten je Verdichter .................................................................... 11
6.2 Normalbetrieb ......................................................................................... 11
6.3 Folgeauswahl und Redundanz .............................................................. 12
6.4 Betrieb ohne Luftanforderung ............................................................... 12
7 Start-, Stopp- und Störabläufe .............................................. 13
7.1 Startfreigaben ......................................................................................... 13
7.2 Geordneter Start ..................................................................................... 13
7.3 Geordneter Stopp ................................................................................... 13
7.4 Kommunikations- und Messwertausfall ............................................... 14
Seite 2 von 18
[Seite 3]
8 Luftverteilung und Schnittstelle Biologie ............................ 15
9 Ansaug- und Abluftsystem ................................................... 16
9.1 Ansaugluft ............................................................................................... 16
9.2 Abwärmeabführung ................................................................................ 16
10 Sicherheits- und Überwachungsfunktionen ........................ 17
10.1 Not-Aus .................................................................................................... 17
10.2 Maschinen-Stopp und interne Schutzfunktionen ................................ 17
10.3 Elektrische Überwachung ...................................................................... 17
10.4 Wiederanlauf nach Spannungsausfall .................................................. 17
11 PLS, Kommunikation und Dokumentation .......................... 18
11.1 Mindestumfang Visualisierung .............................................................. 18
11.2 Dokumentation ........................................................................................ 18
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Übersicht der vorgesehenen Verdichteraggregate und Leistungsbereiche ...... 5
Tabelle 2: Übersicht der Antriebe und ihrer Funktionen .................................................... 6
Tabelle 3: Übersicht der Messgrößen und ihrer funktionalen Verwendung ....................... 7
Tabelle 4: Betriebsarten der Verdichter und zugehörige Funktionen ............................... 11
Tabelle 5: Systemreaktionen bei Kommunikations- und Messwertausfällen ................... 14
Seite 3 von 18
[Seite 4]
1 Zweck, Geltungsbereich und Grundlagen
Die vorliegende Funktionsbeschreibung definiert die funktionalen Mindestanforderungen an
die Erneuerung der Verdichteranlage der Verbandskläranlage Hof. Sie beschreibt die
geforderte Gesamtfunktion der Lufterzeugung einschließlich der Verdichteraggregate, deren
Ansaug-, Druck- und Abluftperipherie sowie der erforderlichen Schnittstellen zur
Energieversorgung, Automatisierung, bestehenden Luftdosierung und zum
Prozessleitsystem. Der Auftragnehmer hat die zur vollständigen und bestimmungsgemäßen
Funktion erforderlichen Detailfestlegungen im Zuge der Werk- und Montageplanung
beziehungsweise E-MSR-Detailplanung auszuarbeiten, mit dem Auftraggeber abzustimmen,
umzusetzen und zu dokumentieren. Änderungen der beschriebenen Funktion bedürfen der
schriftlichen Zustimmung des Auftraggebers.
Die neuen Verdichter fördern ölfreie Prozessluft in die mittig an die Belebungsanlage
angebundene Luftsammelleitung. Von dort erfolgt die Verteilung über die bestehenden
Leitungsstränge in Richtung der Kaskaden 1 bis 6. Die herstellerinterne Maschinenregelung
bleibt Bestandteil der Verdichteraggregate, während die übergeordnete Automatisierung die
Anforderung, Freigabe, Folgeführung, Druckregelung, Störumschaltung sowie die Bedien-,
Diagnose- und Archivierungsfunktionen übernimmt. Herstellerseitige Schutz- und
Überwachungsfunktionen sind uneingeschränkt wirksam und dürfen durch die übergeordnete
Steuerung nicht umgangen werden.
Ziel der Anlage ist die sichere und kontinuierliche Sauerstoffversorgung der biologischen
Reinigungsstufe über den gesamten Lastbereich. Hierzu sind die Verdichter bedarfsgerecht
und energieeffizient zu betreiben, wobei die Kombination der einzelnen Aggregate sowie die
Druckregelung einen stabilen Betrieb ohne unzulässige Druckstöße, Pumpzustände oder
häufige Schaltvorgänge sicherstellen müssen. Bei Störungen ist eine automatische
Umschaltung auf verfügbare Aggregate vorzusehen. Sämtliche Betriebs-, Diagnose-,
Alarmierungs- und Nachweisfunktionen sind über das Prozessleitsystem bereitzustellen.
Seite 4 von 18
[Seite 5]
2 Anlagenaufbau
Vorgesehen sind drei neue, drehzahlgeregelte Turboverdichter, ein Grundlastverdichter und
zwei baugleiche Hauptlastverdichter. Die Automatisierungs- und NSHV-Struktur ist für einen
späteren zweiten Grundlastverdichter vorzurüsten. Die Verdichter saugen über den
gemeinsamen Ansaugkanal an und fördern über jeweils eigene Druckleitungen DN 350 mit
Rückschlagklappe, Schalldämpfer, Kompensator und motorischer Absperrklappe in die
gemeinsame Prozessluftsammelleitung.
Tabelle 1: Übersicht der vorgesehenen Verdichteraggregate und Leistungsbereiche
| Aggregat | Funktion | Regelbereich gemäß LV | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Grundlastverdichter GLV 1 | Schwach- und Grundlast | ca. 2.900 bis 7.300 Nm³/h | ||||||
| Hauptlastverdichter HLV 1 | Regel- und Spitzenlast | ca. 6.000 bis 12.500 Nm³/h | ||||||
| Hauptlastverdichter HLV 2 | Regel-/Spitzenlast und Redundanz | ca. 6.000 bis 12.500 Nm³/h | ||||||
| Grundlastverdichter GLV 2 | spätere Ausbauoption | elektrisch und automationstechnisch vorzuhalten |
Die Auslegungsdruckdifferenz beträgt 655 mbar. Der ausgeschriebene zulässige
Arbeitsbereich liegt bei 610 bis 680 mbar einschließlich der druckseitigen Einbauten. Die
endgültigen dauerhaften Kennfeldgrenzen, Mindestvolumenströme, Start-/Stoppbedingungen
und temperaturabhängigen Leistungsbegrenzungen ergeben sich aus den freigegebenen
Herstellerunterlagen. Die Aggregate müssen für mindestens zehn Starts je Stunde
beziehungsweise die strengere Herstellergrenze geeignet sein.
Seite 5 von 18
[Seite 6]
3 Antriebe und Messstellen
3.1 Antriebe
Tabelle 2: Übersicht der Antriebe und ihrer Funktionen
| Lfd. Nr. | Bezeichnung | Funktion | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Grundlastverdichter GLV 1 | drehzahl-/volumenstromgeregelte Lufterzeugung | ||||||
| 2 | Hauptlastverdichter HLV 1 | drehzahl-/volumenstromgeregelte Lufterzeugung | ||||||
| 3 | Hauptlastverdichter HLV 2 | drehzahl-/volumenstromgeregelte Lufterzeugung | ||||||
| 4 | Grundlastverdichter GLV 2, Option | Vorhaltung für spätere Erweiterung | ||||||
| 5 - 7 | Absperrklappen Verdichter- abgänge DN 350 | Freigabe und Trennung der Aggregate | ||||||
| 8 - 9 | Absperrklappen Sammelleitung DN 600/DN 800 | Betriebliche Trennung der Luftverteilung | ||||||
| 10 ff. | Abluftklappen je Verdichter/ Sammelkanal | Abführung der Verdichterabwärme entsprechend dem ausgeschriebenen Abluftkonzept |
Die endgültigen Anlagenkennzeichnungen (AKZ), Datenpunkte sowie Mess- und
Antriebsstellen sind im Zuge der Werk- und Montageplanung beziehungsweise E-MSR-
Detailplanung festzulegen, mit dem Auftraggeber abzustimmen und in einer Mess-, Antriebs-
und Datenpunktliste zu dokumentieren. Alle Antriebe sind im Prozessleitsystem mindestens
mit Betriebszustand, Orts-/Fernstatus, Störung sowie den für die jeweilige Funktion
erforderlichen Rückmeldungen darzustellen.
Seite 6 von 18
[Seite 7]
3.2 Messstellen
Tabelle 3: Übersicht der Messgrößen und ihrer funktionalen Verwendung
| Messgröße | Verwendung | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| Temperatur Verdichtereintritt | Betriebswert, Diagnose und Überwachung gemäß Herstellersteuerung | ||||
| Temperatur Verdichteraustritt | Betriebswert, Diagnose und Überwachung gemäß Herstellersteuerung | ||||
| Umgebungsdruck | Bezugs- und Korrekturwert der Verdichtersteuerung | ||||
| Druck Verdichtereintritt | Betriebswert und Diagnose gemäß Herstellersteuerung | ||||
| Druck Verdichteraustritt/Druckanstieg | Betriebswert, Druckregelung und Diagnose | ||||
| Volumenstrom/Massenstrom | übergeordnete Luftmengenregelung und Verdichterfolge | ||||
| Drehzahl und Motorstrom | Betriebsanzeige und Diagnose | ||||
| elektrische Leistungsaufnahme | Energieauswertung und Betriebsüber- wachung | ||||
| Betriebsstunden | Folgeführung, Betriebsdokumentation und Wartung | ||||
| Temperaturen des Frequenzumrichters | Betriebsanzeige und Diagnose | ||||
| Betriebs-, Warn- und Störmeldungen | PLS-Anzeige, Alarmierung und Dokumentation | ||||
| Erforderliche Bestandswerte der Luftverteilung | Eingangsgrößen der Gleitdruckregelung; endgültige Auswahl im Pflichtenheft |
Seite 7 von 18
[Seite 8]
4 Parametrierung und Festlegung in der Werk- und
Montageplanung
Verbindliche Kurzzeichen, Einstellbereiche und Vorbelegungen sind in den vorliegenden
Ausschreibungsunterlagen nicht abschließend festgelegt. Der Auftragnehmer hat die für den
sicheren Betrieb erforderlichen Sollwerte, Grenzwerte, Rampen und Zeitglieder im Zuge der
Werk- und Montageplanung auf Grundlage des angebotenen Verdichterfabrikats zu
erarbeiten, mit dem Auftraggeber abzustimmen und in einer Parameterliste zu
dokumentieren. Hierzu zählen insbesondere der Sammeldrucksollwert, die Grenzen der
Gleitdruckregelung, Zu- und Abschaltbedingungen, Mindestlauf- und Mindeststillstandszeiten
sowie Überwachungszeiten. Nicht abgestimmte Kennzeichnungen oder Parameterwerte
dürfen nicht aus anderen Projekten übernommen werden.
Seite 8 von 18
[Seite 9]
5 Regelungskonzept Druckbelüftung
5.1 Druckregelung
Die Verdichterregelung ist entsprechend den Ausschreibungsunterlagen mit einer
übergeordneten Druck- und Luftmengenregelung auszuführen. Für Inbetriebnahme, Prüfung
und Ersatzbetrieb ist eine feste Drucksollwertvorgabe vorzusehen. Der Normalbetrieb erfolgt
über die ausgeschriebene Gleitdruckregelung. Die konkrete Sollwertbildung, Umschaltlogik
und Parametrierung sind im Zuge der Werk- und Montageplanung festzulegen.
5.2 Feste Drucksollwertvorgabe
Bei fester Drucksollwertvorgabe wird der Sammeldruck auf einen im PLS einstellbaren Wert
geregelt. Die zulässigen Grenzen ergeben sich aus den ausgeschriebenen Druckbereichen,
den Herstellerdaten der Verdichter und den zulässigen Betriebsbedingungen des Luftnetzes.
5.3 Gleitdruckregelung
Die Gleitdruckregelung hat den Sammeldruck bedarfsgerecht innerhalb des zulässigen
Druckbereichs vorzugeben. Dabei sind die vorhandene Luftverteilung, die tatsächlich
belüfteten Kaskaden und die beiden Leitungsrichtungen vom mittigen Einspeisepunkt zu
berücksichtigen: K3-K2-K1 sowie K4-K5-K6. Nicht aktiv betriebene beziehungsweise
gesperrte Kaskaden dürfen die Drucksollwertbildung nicht beeinflussen. Die detaillierte
Bildung des gleitenden Drucksollwertes einschließlich Freigaben, Auswahl der verwendeten
Bestandswerte, Begrenzungen und Ersatzwertverhalten ist im Zuge der Werk- und
Montageplanung mit dem Betreiber festzulegen.
Für die Gleitdruckregelung dürfen ausschließlich gültige und freigegebene Bestandswerte
verwendet werden. Das Verhalten bei fehlenden oder gestörten Eingangswerten ist in der
Werk- und Montageplanung festzulegen. Drucksollwertänderungen sind so auszuführen,
dass unzulässige Drucksprünge vermieden werden.
5.4 Luftmengensollwert und Stellgrößenverteilung
Die übergeordnete Regelung übernimmt die Luftanforderung aus der vorhandenen
Anlagenautomatisierung und verteilt die erforderliche Leistung auf die verfügbaren
Verdichter. Nicht aktiv betriebene beziehungsweise gesperrte Kaskaden sind bei der Bildung
der Luftanforderung nicht zu berücksichtigen. Die konkrete Schnittstelle, die verwendete
Sollwertgröße und die Aufteilung auf die einzelnen Aggregate sind mit dem angebotenen
Verdichterfabrikat in der Werk- und Montageplanung festzulegen.
Seite 9 von 18
[Seite 10]
Die Stellgrößenverteilung muss die vom Hersteller freigegebenen Arbeitsbereiche einhalten.
Die Zu- und Abschaltung der Verdichter ist so auszuführen, dass der erforderliche Luftbedarf
gedeckt und unnötiges Takten vermieden wird. Die endgültige Schaltfolge, Übergabepunkte
und Zeitglieder sind anhand der Herstellerkennfelder in der Werk- und Montageplanung
festzulegen.
Seite 10 von 18
[Seite 11]
6 Betriebsweise und Verdichterfolge
Jeder Verdichter ist entsprechend dem Maschinen-LV mit einem Vor-Ort-/Fern-Schalter
direkt am Aggregat auszustatten. Die örtliche Bedienung hat Vorrang vor Fernbefehlen; der
gewählte Bedienort ist an das PLS zu melden.
6.1 Betriebsarten je Verdichter
Tabelle 4: Betriebsarten der Verdichter und zugehörige Funktionen
| Betriebsart | Funktion | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| aus/gesperrt | kein Start; Verdichter von Folgeführung ausgeschlossen | ||||
| vor Ort | Bedienung am Aggregat innerhalb der Herstellerfreigaben; Vorrang vor Fern | ||||
| Fern-Hand | Start/Stopp und Sollwert durch berechtigte PLS-Bedienung | ||||
| Fern-Automatik | Anforderung, Folgeführung und Sollwertvorgabe durch übergeordnete SPS | ||||
| Wartung | automatische Anforderung gesperrt; Status und Schutzfunktionen bleiben aktiv |
Die nachfolgend beschriebenen Betriebsarten und Bedienprioritäten sind entsprechend den
vorhandenen Hofer PLS-Standards, den Funktionen des angebotenen Verdichterfabrikats
und dem abgestimmten Pflichtenheft umzusetzen. Abweichende Herstellerbezeichnungen
sind zulässig, sofern die beschriebene Funktion vollständig erfüllt wird.
6.2 Normalbetrieb
Bei Luftanforderung wird zunächst der Grundlastverdichter angefordert. Nach bestätigter
Startfreigabe öffnet dessen druckseitige Absperrklappe, die Abluftführung nimmt die
erforderliche Stellung ein und der Verdichter startet auf seinem zulässigen Mindest-
beziehungsweise Übernahmewert. Anschließend übernimmt die übergeordnete Regelung.
Übersteigt der Bedarf die wirtschaftlich beziehungsweise technisch verfügbare Leistung des
Grundlastverdichters, wird lastneutral auf einen Hauptlastverdichter übergeben oder dieser
zugeschaltet. Bei weiter steigendem Bedarf werden Grundlast- und Hauptlastverdichter
beziehungsweise beide Hauptlastverdichter kombiniert. Bei Spitzenlast können alle drei
Verdichter betrieben werden. Die Rückschaltung erfolgt in umgekehrter Reihenfolge und nur,
wenn die verbleibenden Aggregate Bedarf und Regelreserve sicher übernehmen können.
Seite 11 von 18
[Seite 12]
6.3 Folgeauswahl und Redundanz
HLV 1 und HLV 2 werden nach Verfügbarkeit, Betriebsstunden, Startzahl und Wirkungsgrad
gleichberechtigt geführt. Der Verdichter mit geringerer gewichteter Laufzeit erhält
grundsätzlich Vorrang. Ein Folgewechsel wird nur bei einer ohnehin erforderlichen
Schalthandlung durchgeführt. Gestörte, lokal betriebene oder gesperrte Aggregate werden
automatisch aus der Folge entfernt.
Fällt ein laufender Verdichter aus, wird dessen Sollwert sofort aus der Verteilung entfernt.
Die verbleibenden Verdichter übernehmen die Last mit begrenzter Störrampe; soweit
erforderlich, wird der nächste verfügbare Verdichter gestartet. Kann der Sollwert nicht
erreicht werden, ist „Luftleistung eingeschränkt“ zu alarmieren.
6.4 Betrieb ohne Luftanforderung
Liegt aus keiner Kaskade eine gültige Luftanforderung vor und ist kein Mindestluftbetrieb
vorgegeben, werden die Verdichter nach Ablauf einer einstellbaren Nachlaufzeit geordnet
abgefahren. Die Druckabsperrklappen schließen erst nach sicherem Stillstand und
Druckabbau. Ein Mindestluftbetrieb für Becken, Belüfter oder Messsysteme ist als
übergeordnete Anforderung zu berücksichtigen.
Seite 12 von 18
[Seite 13]
7 Start-, Stopp- und Störabläufe
7.1 Startfreigaben
-
Fern-Automatik beziehungsweise zulässige Fern-Hand-Betriebsart angewählt
-
Verdichtersteuerung, Frequenzumrichter und Hilfsaggregate betriebsbereit
-
Kein Not-Aus, keine verriegelnde Störung und Leistungsschalter betriebsbereit
-
Feldbuskommunikation verfügbar; diskrete Start-/Stopp- und Sammelstörschnittstelle
funktionsfähig
-
Mindeststillstandszeit und Startzahlbegrenzung eingehalten
-
Druckseitige Absperrklappe in Freigabestellung; Luftweg zur Sammelleitung offen
-
Ansaugweg und Abluftweg freigegeben; keine kritische Hallen- oder Aggregattemperatur
-
Sammeldruck und Sollwert innerhalb der zulässigen Grenzen
7.2 Geordneter Start
Die SPS wählt das Aggregat, prüft sämtliche Freigaben, öffnet erforderliche Klappen und gibt
anschließend Start frei. Nach Rückmeldung „läuft“ und „Sollwert bereit“ wird der Sollwert
zunächst auf den Mindestwert gesetzt und anschließend mit einstellbarer Rampe
übernommen. Wird innerhalb der Überwachungszeit keine Laufmeldung erreicht, ist der Start
abzubrechen, das Aggregat zu sperren und das nächste verfügbare Aggregat anzufordern.
7.3 Geordneter Stopp
Vor dem Stopp wird die Last auf die verbleibenden Verdichter übertragen. Der
abzuwählende Verdichter fährt auf Mindestleistung, erhält Stopp und führt den
herstellerseitigen Nachlauf aus. Erst nach bestätigtem Stillstand darf die zugehörige
Druckabsperrklappe schließen. Abluftfunktionen laufen nach Herstelleranforderung
beziehungsweise Zeitglied nach.
Seite 13 von 18
[Seite 14]
7.4 Kommunikations- und Messwertausfall
Tabelle 5: Systemreaktionen bei Kommunikations- und Messwertausfällen
| Ausfall | Reaktion | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| Kommunikationsverbindung zum Verdichter | Störung melden; für den betroffenen Verdichter einen sicheren, mit dem Hersteller abgestimmten Zustand herstellen. | ||||
| regelungsrelevante Mess- oder Sollwerte | Störung melden; abgestimmtes Ersatzbetriebs- beziehungsweise Störfallkonzept anwenden. | ||||
| Klappen- oder Antriebsrückmeldung | Start- und Betriebsfreigaben entsprechend dem abgestimmten Verriegelungskonzept behandeln. | ||||
| allgemeine Anforderung | Unzulässige Betriebszustände und unkontrollierte Wiederanläufe sind auszuschließen. Die Detailreaktionen sind im Pflichtenheft festzulegen. |
Seite 14 von 18
[Seite 15]
8 Luftverteilung und Schnittstelle Biologie
Die Luftverteilung auf die sechs Kaskaden bleibt funktional von der Lufterzeugung getrennt.
Die Verteilung erfolgt im ausgeschriebenen Ist-Zustand über die vorhandenen
Blendenregulierschieber und die vorhandene Bestandsregelung. Die neue
Verdichtersteuerung übernimmt ausschließlich die für die Lufterzeugung erforderlichen
Anforderungen und Rückmeldungen aus der Bestandsautomation.
Die beidseitige Leitungsführung vom mittigen Einspeisepunkt und die unterschiedlichen
Betriebszustände der Kaskaden sind bei der Gleitdruckregelung zu berücksichtigen. Nicht
aktiv betriebene beziehungsweise gesperrte Kaskaden sind aus der Drucksollwertbildung
auszuschließen. Die vorhandene Luftverteilung und biologische Bestandsregelung werden
durch diesen Auftrag nicht verfahrenstechnisch verändert.
Seite 15 von 18
[Seite 16]
9 Ansaug- und Abluftsystem
9.1 Ansaugluft
Die Verdichter saugen aus dem gemeinsamen Ansaugkanal an. Filter, Schalldämpfer und
Kanal müssen für den Summenvolumenstrom und die Herstellergrenzen ausgelegt sein. Die
Filterüberwachung ist nur bei relevantem Luftdurchsatz zu aktivieren. Überschreitung der
Wartungsgrenze erzeugt einen Hinweis, Überschreitung der Alarmgrenze eine Warnung.
Kritische Ansaugbedingungen führen nach Herstelleranforderung zur Leistungsbegrenzung
oder Startsperre.
9.2 Abwärmeabführung
Die Verdichterabwärme wird entsprechend dem ausgeschriebenen Abluftkonzept über
verdichterbezogene Abluftanschlüsse und motorische Klappen abgeführt. Für die
Hauptlastverdichter sind Abluftanschlüsse DN 250, für den Grundlastverdichter DN 200
vorgesehen; die Zusammenführung erfolgt in den gemeinsamen Abluftkanal.
Rückströmungen zwischen den Zweigen sind durch Rückschlagklappen zu verhindern.
Vor Verdichterstart muss der erforderliche Abluftweg freigegeben sein. Bei hoher Hallen-
oder Aggregattemperatur ist die Abluft vollständig nach außen zu führen. Fehlende
Klappenstellung oder unzureichende Wärmeabfuhr führt zunächst zur Warnung und
Leistungsbegrenzung, bei Erreichen der Hersteller-Abschaltgrenze zum geordneten
beziehungsweise unmittelbaren Stopp des betroffenen Verdichters.
Seite 16 von 18
[Seite 17]
10 Sicherheits- und Überwachungsfunktionen
10.1 Not-Aus
Jeder Verdichter erhält einen zugeordneten Not-Aus-Schlagtaster. Die Betätigung schaltet
über das sicherheitsgerichtete Schaltgerät den zugehörigen Leistungsschalter in der NSHV
unverzüglich ab. Die Funktion ist unabhängig von SPS und Feldbus. Rückstellung und
Quittierung dürfen keinen automatischen Wiederanlauf auslösen.
10.2 Maschinen-Stopp und interne Schutzfunktionen
Der herstellerseitige Maschinen-Stopp wirkt ausschließlich auf das zugehörige Aggregat und
wird an das PLS gemeldet. Die herstellerinternen Schutz- und Überwachungsfunktionen sind
vollständig wirksam zu halten und die wesentlichen Betriebs-, Warn- und Störmeldungen an
die übergeordnete Steuerung zu übertragen.
10.3 Elektrische Überwachung
Die in den Ausschreibungsunterlagen vorgesehenen Zustände und Messwerte der
elektrischen Einspeisung sind an die SPS beziehungsweise das PLS zu übertragen. Umfang
und Datenpunkte ergeben sich aus dem E-MSR-LV und der im Zuge der Werk- und
Montageplanung abgestimmten Datenpunktliste.
10.4 Wiederanlauf nach Spannungsausfall
Ein unkontrollierter Wiederanlauf ist unzulässig. Nach Spannungswiederkehr werden
Automatisierung, Kommunikation, Sicherheitskreis und Verdichtersteuerungen auf
Betriebsbereitschaft geprüft. Anschließend startet die Folgeführung zeitlich gestaffelt und nur
entsprechend dem aktuellen Luftbedarf.
Seite 17 von 18
[Seite 18]
11 PLS, Kommunikation und Dokumentation
Die Verdichter werden über Profinet an die neue Automatisierungsstation angebunden;
vorhandene Profibusteilnehmer sind entsprechend dem Automatisierungskonfigurator
einzubinden. Start, Stopp und Sammelstörung sind zusätzlich hart verdrahtet vorzusehen.
Für die Kommunikation ist gemäß E-MSR-LV je Verdichter ein Datenumfang von 48 Byte
Eingangsdaten und 40 Byte Ausgangsdaten vorgesehen. Die konkrete Belegung des
herstellerspezifischen Datenmodells ist vor Programmierung mit Auftraggeber,
Verdichterlieferant und E-MSR-Auftragnehmer abzustimmen.
11.1 Mindestumfang Visualisierung
- Übersichtsbild Lufterzeugung mit Verdichtern, Sammelleitung, Armaturen und
Hauptmesswerten
- Detailbedienung je Verdichter mit Betriebsart, Freigaben, Verriegelungen, Soll-/Istwerten
und Klartextdiagnose
-
Folge- und Verfügbarkeitsmatrix einschließlich Vorhaltung GLV 2
-
Regelbild Gesamtluftmenge, Sammeldruck und Gleitdruckregelung
-
Abluft- und Temperaturübersicht
-
Trends für Luftmenge, Druck, Leistung, Drehzahl, Temperaturen, Stellgrade,
prozessrelevante Bestandswerte
- Archivierung von Starts, Laufzeiten, Energie, Warnungen, Störungen und
Abschaltursachen
11.2 Dokumentation
Der Auftragnehmer übergibt eine fortgeschriebene Funktionsbeschreibung, Pflichtenheft,
R&I, Mess-/Antriebs- und Datenpunktlisten, Busbelegung, Kennfelder, Parameterliste,
Softwaredokumentation einschließlich Quellprogrammen, Prüfprotokolle sowie Bedienungs-
und Wartungsunterlagen. Die Revisionsunterlagen müssen die tatsächlich eingestellten
Grenzwerte und Zeitglieder enthalten.
Seite 18 von 18