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Freianlagenplanung für die klimagerechte Sanierung und Weiterentwicklung des Mittelparks

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Landeshauptstadt Dresden

Umweltamt

Richtlinie Dresden baut grün

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Inhalt

Beschluss des Oberbürgermeisters 3

Vorwort 4

Maßnahme Dachbegrünung 6

Maßnahme Fassadenbegrünung 10

Maßnahme Freiflächengestaltung 13

Literaturverzeichnis 16

Impressum 16

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LANDESHAUPTSTADT DRESDEN

INTERNER BESCHLUSS

aus der

Dienstberatung des Oberbürgermeisters (DB OB/200/2019)

Sitzung am: 10.12.2019

Beschluss zu: V3196/19

Gegenstand:

Berücksichtigung des Klimawandels bei der Planung und Umsetzung kommunaler Hochbaumaß nahmen und Freiflächengestaltung

Interner Beschluss:

Der Oberbürgermeister legt fest:

  1. Bei allen kommunalen Hochbauvorhaben - Neubau, Umbau und Erweiterung-sind Maßnahmen zur Begrünung auf und am Gebäude sowie auf den Freiflächen unter Be rücksichtigung einer naturnahen Regenwasserbewirtschaftung zur Verbesserung der Hitzeresilienz und des Umgangs mit Starkregen nach Maßgaben der „Richtlinie Dresden baut grün"( Anlage 1) vorzusehen.
  2. Für die städtischen Eigenbetriebe und Beteiligungsgesellschaften ist Innerhalb von zwei Jahren eine Bestandsaufnahme zu bereits bestehenden Gebäudebegrünungen sowie der vorgesehenen zukünftigen Maßnahmen durchzuführen. In Abhängigkeit von den Ergeb nissen ist eine Anwendung von Beschlusspunkt 1 auch für die städtischen Eigenbetriebe und Beteiligungsgesellschaften vorzusehen.
  3. Die unter Punkt 1) umzusetzenden Maßnahmen sind hinsichtlich der Investitions- und Unterhaltungskosten bei der Projektbearbeitung im Rahmen des zur Verfügung stehen den Budgets von Anfang an einzuplanen und bis zum Ende der Evaluationsphase auszu

weisen. 4) Dem Oberbürgermeister ist im Turnus von zwei Jahren über die erfolgte Umsetzung zu

berichten.

Dresden, 1 7. DEZ. 2019

Ibert Oberbürgermeister

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Vorwort

Der Klimawandel stellt Deutschland heute schon vor große Verdunstungskühle, Kaltluftproduktion) reduziert oder Herausforderungen. Steigende Temperaturen, Hitze, Tro- nicht in gleichem Maße entwickelt. In Folge steigt die Hitze- ckenheit und veränderte Niederschlagsmuster sind seit Jah- belastung in der Stadt und die Lebensqualität sinkt. ren zu beobachten. Besonders Städte sind aufgrund der ho- Neben den Herausforderungen des Klimawandels und des hen Bevölkerungsdichte und Konzentration von Gütern und Städtewachstums verstärkt der anhaltende demografische Infrastruktur vulnerabel (verletzlich) gegenüber den Auswir- Wandel die Problematik. Zum einen steigt der Bevölke- kungen des Klimawandels (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- rungsanteil älterer Bürgerinnen und Bürger stetig – vom und Raumforschung, 2018). Nach aktuellen globalen bzw. Jahr 2000 bis 2017 nahm der Anteil der über 64-Jährigen regionalen Klimamodellierungen setzt sich der Trend stei- um 8,3 Prozent zu. Zum anderen zählt Dresden seit mehre- gender Temperaturen mit länger anhaltenden und häufiger ren Jahren zu den geburtenreichsten Städten Deutschlands, auftretenden Trocken- und Hitzeperioden sowie der Inten- so dass auch der Anteil kleiner Kinder kontinuierlich ge- sivierung von Starkregenereignissen weiter fort. Infolge wachsen ist – der Anteil der Null- bis Fünf-Jährigen stieg dessen wird sich der urbane Wärmeinseleffekt verstärken. von 2000 bis 2017 um 2,1 Prozent (Auskunft Kommunale Die daraus resultierenden gesundheitlichen Belastungen Statistikstelle der Landeshauptstadt Dresden, 2018). Beide und Risiken für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, die Bevölkerungsgruppen gelten als besonders empfindlich ge- öffentliche Infrastruktur sowie die Natur und Umwelt wer- genüber Hitzebelastung. den insbesondere in dichter besiedelten Städten und Regio- nen zu spüren sein (Deutscher Städtetag, März 2019). Dies Die Wohn- und Lebensqualität soll langfristig in Dresden ge- erfordert verstärkte Bemühungen des Klimaschutzes, aber sichert werden. Dafür bedarf es einer vorausschauenden vor allem auch eine integrierte Klimawandelvorsorge. So Stadtentwicklung, bei der zukünftige Klimabedingungen Be- müssen bei der Entwicklung von Innenstädten und Quartie- rücksichtigung finden. Das strategische Leitbild des Land- ren Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel umge- schaftsplanes der Landeshauptstadt Dresden, „Die kom- setzt werden, die der Aufenthaltsqualität, des Hitze- und pakte Stadt im ökologischen Netz“, bildet hierfür eine we- Gesundheitsschutzes, des Arbeitsschutzes sowie der Vor- sentliche Grundlage der Klimaanpassung in der Stadt. So sorge vor Überflutungen und Sturzfluten dienen, um das Le- müssen einerseits wichtige Klimafunktionsräume, wie Kalt- ben in der Stadt auch zukünftig attraktiv und lebenswert zu luftabfluss- und Frischluftbahnen, gesichert werden. Ande- halten. Für die Region Dresden im ohnehin schon thermisch rerseits muss die gewünschte Innenverdichtung maßvoll begünstigten Elbtal ist nach den regionalen Klimamodellie- und in klimaangepasster Weise erfolgen, um Quartiere ro- rungen des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und bust (resilient) gegenüber den negativen Auswirkungen des Geologie mit einem Temperaturanstieg von zwei bis drei Klimawandels zu machen. Der Freiflächen- und Gebäudege- Grad bis zum Jahr 2100 zu rechnen (Landesamt für Umwelt, staltung kommt dabei eine hohe Bedeutung zu, da sie di- Landwirtschaft und Geologie, 2015). Die Hochwasserereig- rekt vor Ort ihre Wirkung entfalten. Eine Schlüsselrolle nisse 2002 und 2013 sowie die Hitze-Trocken-Sommer 2003 spielt eine naturnahe wasserspeichernde und verduns- und 2018 zählen zu den Extremereignissen der jüngsten tungsdominierte Gestaltung der Stadtstrukturen. „Weltweit Vergangenheit. Zukünftig können solche Extreme zur Nor- gibt es vermehrt Ansätze einer sogenannten Schwamm- malität werden. stadt, die einen nachhaltigen Umgang mit Niederschlags- wasser in der Stadt aufzeigen. So kann vermehrt Wasser in Neben den klimatischen Veränderungen führt die zuneh- der Fläche zurückgehalten werden, um es etwa für die mende städtische Verdichtung zu einer Intensivierung und Grünflächenbewirtschaftung zu nutzen. Eine erhöhte Ver- Ausbreitung des urbanen Wärmeinseleffektes. Die Stadt dunstung trägt dabei nachhaltig zu einer Verbesserung des Dresden zählt zu den Wachstumsregionen in Deutschland. Mikroklimas bei“ (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Die steigenden Bevölkerungszahlen fordern eine Entwick- Raumforschung, 2018). lung der baulichen Infrastruktur im Wohn- und Gewerbebe- reich sowie in allen Versorgungsstrukturen. Die kontinuier- Bei natürlichen Böden bleibt die Verdunstung nach einem lich zunehmende Bodenversiegelung, einhergehend mit ei- Regenereignis entsprechend des Wasserspeichervermögens ner Zunahme an wärmespeichernder Masse, bedeutet ei- über einen längeren Zeitraum erhalten (Kuttler, 2011). Ein nen voranschreitenden Eingriff in den natürlichen Wasser- Großteil der Sonnenenergie wird für die Verdunstung und und Strahlungshaushalt. Gleichzeitig werden klimaökolo- Transpiration benötigt und steht somit nicht für die gisch ausgleichend wirkende Grün- und Freiflächen (Regen- Erwärmung des Untergrundes zur Verfügung. Folglich wasserversickerung und -speicherung, Schattenspende, heizen sich natürliche Böden tagsüber langsamer auf. In der

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Abbildung 1 - Schematische Dar- stellung des Was- serkreislaufs über natürlichem und versiegelten Bo- den, Umweltamt Landeshauptstadt Dresden.

Nacht kühlen sie aufgrund geringerer Wärmespeicher- Erhalt der Verdunstungsleistung von Böden und Vegetation, kapazitäten rascher ab. Im Vergleich zu naturnahen Flächen überwärmte urbane Bereiche abzukühlen und Hitzeext- in der freien Landschaft sind in verdichteten Siedlungsge- reme abzumildern (Bundesisntitut für Bau-, Stadt- und bieten viele Flächen versiegelt, wodurch der natürliche Raumforschung, 2015). Es handelt sich um Maßnahmen, die Wasserkreislauf gestört ist. Die versiegelte Stadtoberfläche aufgrund der Vielzahl positiver ökologischer Synergieef- bewirkt in Verbindung mit der Kanalisation ein rasches fekte bevorzugt umzusetzen sind und einen ganzheitlichen Abführen des anfallenden Niederschlagswassers. Der Beitrag zu Umwelt- und Naturschutz aufweisen. Es werden Feuchtegrad des Bodens in der Tiefe sinkt, die Grundwas- Eckdaten und Hinweise angegeben, die bei der Umsetzung serneubildung ist stark eingeschränkt und die Verdunstung einzuhalten sind, um eine effektive Wirkung der Maßnah- an der Oberfläche ist erheblich reduziert. Der Verdun- men erzielen zu können. stungsprozess bleibt auf die Zeit unmittelbar nach den Zur erfolgreichen Umsetzung der Maßnahmen müssen be- Niederschlägen beschränkt. Der Wassermangel über versie- reits bei der Planung eines Bauvorhabens Voraussetzungen geltem Gebiet ist Hauptursache für den hohen Temperatur- geschaffen werden, wie bspw. die Anordnung des Gebäu- überschuss in einer Stadt, da keine Wärme über den Ver- des unter Freihaltung von Abstandsflächen – insbesondere dunstungsvorgang abgeführt werden kann (Malberg, 1997). auch zum Straßenraum – für die Pflanzung großkroniger Der rasche Oberflächenabfluss bei Starkregenereignissen Bäume oder zur Pflanzung einer Fassadenbegrünung, die kann zu lokalen Überschwemmungen oder auch zu Integration eines naturnahen Regenwassermanagements Sturzfluten führen. Außerdem besteht im kanalisierten für die Fläche sowie die Berücksichtigung von Zugänglich- Stadtgebiet die Gefahr der Überlastung des Abwasser- keiten für spätere Pflegearbeiten. Die möglichen Mehrkos- kanalsystems. ten für Investition und Pflege sind bei einem Bauvorhaben Die Richtlinie zielt darauf ab, den natürlichen Wasserkreis- einzuplanen. Sie können sich rechnen z. B. durch Einspa- lauf auf einer Fläche auch bei Bebauung möglichst wenig zu rung der Niederschlagswassergebühr, längere Lebensdauer verändern und das Niederschlagswasser vor Ort zu halten. eines begrünten Daches, insbesondere aber aufgrund der Beginnend mit Maßnahmen am Gebäude, wo bspw. durch vielfältigen ökologischen Wirkungen, die so wichtig sind für die Dachflächengestaltung mittels Begrünung ein hohes Po- einen zukunftsfähigen Stadtraum. Die Umsetzung der Richt- tential für den Regenwasserrückhalt gegeben ist, bis hin zur linie Dresden baut grün gilt für das gesamte Stadtgebiet, Freiflächengestaltung, wo Begrünungsmaßnahmen sowie insbesondere aber für die Sanierungszone des Fachleitbilds bspw. die Materialwahl selbiges bewirken kann. Aufgrund Stadtklima- Planungshinweiskarte (stadtplan.dresden.de). der hohen ökologischen aber auch sozialen Wohlfahrtswir- Weitere Maßnahmen zum Hitzeschutz, wie Anpassung der kung kommt dem Erhalt und der Neupflanzung großkroni- Lüftungstechnik oder Gebäudeorientierung, werden hier ger Bäume eine besondere Bedeutung zu. Der Erhalt bzw. nicht behandelt. Dies betrifft ebenfalls Maßnahmen gegen das Neupflanzen von Bäumen sollte immer prioritär umge- das Einwirken von Starkregen, Sturm oder Hagel über bspw. setzt werden. Bemessung der Regenrinnen, Rückstausicherungen. Hier Durch Umsetzung der in der Richtlinie benannten Maßnah- wird auf die Maßnahmenblätter 1.5.1 a-d des Integrierten men kann die Gefahr urbaner Überflutungen durch Starkre- Regionalen Klimaanpassungsprogramms (IRKAP) genereignisse gemindert werden. Außerdem ermöglicht der (REGKLAM-Konsortium, 2013) verwiesen.

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Maßnahme Dachbegrünung

Die aktuelle Bauweise von Gebäuden erfolgt vielfach in Flachdachbauweise. Flachdächer sind in hohem Maße der Witterung ausgesetzt. UV-Strahlung, hohe Temperatur- schwankungen oder Hagel können die Dachhaut schnell al- tern lassen oder beschädigen. Die Wärmespeicherung der Dächer begünstigt die Ausprägung stabiler Hitzeinseln und schränkt die Nachtauskühlung ein. Abbildung 3 zeigt die bis zu 40 Kelvin höheren Oberflächentemperaturen eines kon- ventionellen Daches gegenüber einem begrünten Dach (Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, 2017). Entsprechend stärker erwärmt sich die über dem Abbildung 2 – Dachgarten, Optigrün international AG Dach befindliche Luftschicht. Die Abbildung 3 zeigt auch, dass die Oberflächentemperaturen der begrünten Dä- serrückhalt ganzjährig eine Rolle spielt. Darüber hinaus bie- cher stark variieren kann in Abhängigkeit des Bewuch- tet eine Dachbegrünung das ganze Jahr über Fläche für ses und des Bedeckungsgrads. Flora und Fauna, was im städtischen Raum von großer Be- Die Begrünung eines Daches bietet ein großes Potential zur deutung ist. Durch Veränderungen des Wärmedurchgangs Klimaanpassung. Hervorzuheben ist die Möglichkeit eines und CO2 -Bindung des Grüns kann ein begrüntes Dach zum hohen bis sehr hohen Rückhalts des Niederschlagswassers. Klimaschutz beitragen. Die Bindung von Staub und Luft- Bei entsprechendem Aufbau kann der Abfluss um bis zu 99 schadstoffen wirkt sich positiv auf die Luftqualität aus. Dar- Prozent reduziert werden (Appl & Mann, 2012). Das Wasser über hinaus können Dachflächen nutzbar gemacht werden wird verzögert abgegeben und entlastet damit bei Belas- und werten das visuelle Stadtbild auf. Begrünte Dächer kön- tungsspitzen Oberflächengewässer und Kanalnetze. Das Re- nen die Wohn- und Lebensqualität deutlich erhöhen. Dem genwasser steht der Begrünung länger zur Verfügung. So ist Eigentümer kann die Dachbegrünung Vorteile durch Materi- eine stabilere Pflanzung möglich, die weniger Ausfälle zeigt. alschutz, Einsparungen bei den Niederschlagswassergebüh- Der Verdunstungsprozess bleibt auch während trockener ren sowie den Energiekosten und einer Wertsteigerung der Witterungsabschnitte erhalten, was sich aufgrund der ent- Immobilie bieten. stehenden Verdunstungskühle positiv auf das Mikroklima Die Vorteile einer Dachbegrünung sind in Anlehnung an den auswirkt. Hamburger Leitfaden zur Planung von Dachbegrünung Die mikroklimatischen Effekte sind vor allem während der (Freie und Hansestadt Hamburg) in Tabelle 1 zusammenge- Sommermonate von Bedeutung, während der Regenwas- tragen.

Abbildung 3 - Gemessene Oberflächentemperaturen an unterschiedlich gestalteten Dachflächen (Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, 2017).

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Mögliche Leistungsfaktoren der Umfeldverbesserung durch Dachbegrünung

Wasserrückhaltekapazität bis zu 99 Prozent in Abhängigkeit des Gründachaufbaus; Minde- Regenwasserrückhalt rung von Abflussspitzen, Entlastung des Abwasserkanalnetzes (Appl & Mann, 2012), (Kolb, 1987) (Liesecke, 1988), (Mann & Klinger, 2015).

Reduzierung der Ausdehnung von Hitzeinseln über Kühlleistung durch Verdunstung und Mikroklima Evapotranspiration (Harlaß, 2008), (Pfoser, Jenner, Henrich, & Heusinger, 2013).

Verknüpfung des städtischen Nahrungs- und Lebensraumangebotes für Tiere bzw. Bereit- Biotopverbund stellung eines Ersatzhabitats.

Je nach Abwechslungsreichtum der Bepflanzung, Größe und Lage der Dachfläche ist eine Artenvielfalt hohe Artenvielfalt möglich (Köhler & Ksiazek, 2014).

Sauerstoffproduktion, Staubbindung, Verstoffwechslung von Luftschadstoffen (Gorbache- Luftqualität vskaya, 2013).

Verbesserung des Wohn-/Aufenthaltsumfeldes durch die positive psychologische Wirkung Aufenthaltsqualität von Grün bei Einsehbarkeit oder Nutzbarkeit des Gründaches (Ulrich, Quan, Zimring, Jo- seph, & Choudhary, 2004).

Je nach Bepflanzungsform hohe visuelle Aufwertung des Gebäudes; Erlebbarkeit der Jah- Gestaltungsvielfalt reszeiten; raumbildende Möglichkeiten.

Mögliche Leistungsfaktoren der Gebäudeoptimierung durch Dachbegrünung

Schutz der Dachabdichtung vor Umwelteinflüssen wie UV-Strahlung, Hagel, Temperaturext- Materialschutz remen; Verlängerung der Materiallebensdauer um 10-20 Jahre (Hämmerle, 2002).

Dämmende Wirkung bzw. Verringerung des Wärmedurchgangs ins Gebäude durch Grün- dach. Bei Kombination von Gründach mit Photovoltaik-Anlagen: Leistungssteigerung der Klimaschutz PV-Module durch geringeres Aufheizen der Module aufgrund der kühleren Temperaturen auf einem Gründach (Scharf, Pitha, & Trimmel, 2012), (Senatsverwaltung für Stadtentwick- lung, 2010), (Köhler & Malorny, 2009).

Lärmminderung in der nahen Umgebung durch veränderte Schallreflexion, -absorption und Lärm -diffusion in Abhängigkeit des Begrünungsaufbaus, der Schichtenhöhe, der Substrat- feuchte, der Dachneigung und Lage (Lagström, 2004), (Connelly & Hodgson, 2008).

Bei entsprechender Gestaltung zusätzliche Aufenthaltsfläche für private, gemeinschaftliche Flächennutzung oder öffentliche Nutzung.

Erhöhte Umgebungsqualität und Zugewinn an mietaktiver Fläche z. B. bei Nutzung als Auf- Wertsteigerung enthaltsfläche/Dachgarten; Alleinstellungsmerkmal, Aufwertung der Immobilie, Fernwir- kung.

Tabelle 1 – Leistungsfaktoren der Dachbegrünung

Kosten für eine Dachbegrünung (Investition und Unterhal- tung) können zumindest teilweise kompensiert werden Aufgrund der Vielzahl positiver Synergieeffekte ist Dachbe- durch z. B.: grünung eine Maßnahme, die unabhängig vom Klimawan-  Verringerung der Kosten beim Bau von Versickerungs- del ökonomisch, ökologisch und sozial sinnvoll ist. Auch un- flächen, teuren Rückhalteanlagen oder großen Rohr- ter veränderten Rahmenbedingungen wird Dachbegrünung querschnitten für die Regenentwässerung. keine negativen Auswirkungen haben.  Reduzierung der Niederschlagswassergebühr um 50 bis 100 Prozent (Landeshauptstadt Dresden, 2012).  Anrechnung der Dachbegrünung bei der Eingriffs-Aus- gleichsbilanzierung (Landeshauptstadt Dresden, 2018) und im Baugenehmigungsverfahren bei aus Platzmangel nicht pflanzbaren (Gehölz-)Ersatzpflanzungen.  Darüber hinaus zählen die vielfältigen Leistungsfaktoren einer Dachbegrünung (vgl. Tab. 1).

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Grundsätze und Anforderungen an Dachbegrünung

 Dächer von Hochbauten - auch von Parkhäusern - sind  Die Qualitätskriterien der FLL-Dachbegrünungsrichtli- grundsätzlich zu begrünen (siehe Hinweise). nie (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung  Die Dachbegrünung ist mit einem mindestens 12 cm Landschaftsbau e.V. (FLL), 2018) sowie der Flachdach- richtlinie (DIN 18531) sind bei der Realisierung der dicken durchwurzelbaren Substrataufbau flächende- Dachbegrünung einzuhalten. ckend (mit Ausnahme technischer Dachaufbauten, wie z. B. Lüftungsaufbauten, Lichtkuppeln) auszuführen. Es Hinweise: ist ein Abflussbeiwert <0,4 zu erzielen (entspricht einer Substratschichtdicke > 10 - 15 cm). Geringere Substrat-  Denkmalschutzrechtliche, architektonische oder städ- tebauliche Belange sind zu berücksichtigen. Sollte eine schichtdicken sind möglich, wenn ein Abflussbeiwert Dachbegrünung aus diesen Gründen nicht möglich <0,4 eingehalten wird. Die Verwendung von Retenti- sein, ist dies darzulegen. onsboxen oder Speichermatten wird empfohlen.  Die Begrünung ist dauerhaft zu erhalten und fachge-  Die Niederschlagsabwassergebühr reduziert sich bei einer begrünten Dachfläche um 50 Prozent. Die Ge- recht zu pflegen. bühr entfällt, wenn kein Niederschlagswasser vom  Bei Sanierung von Hochbauten ist die Möglichkeit der Grundstück eingeleitet werden muss (Landeshaupt- Begrünung zu prüfen. stadt Dresden, 2012). Das Gründach kann hierbei maß-  Dachflächen nicht überbauter Tiefgaragen sind mit geblich unterstützen. Ausnahme notwendiger technischer Einrichtungen und  Eine Erhöhung der Aufbaudicke begünstigt eine stabi- Aufbauten (z. B. Lüftungsschächte) vollständig mit ei- lere Pflanzung. Dadurch entsteht schneller eine de- nem mindestens 60 cm dicken durchwurzelbaren Sub- ckende Begrünung und der Pflegeaufwand kann sich strataufbau zu begrünen. Bei Baumpflanzungen auf verringern, da mit weniger Pflanzausfällen zu rechnen Tiefgaragen muss die Schichtdicke des durchwurzelba- ist. ren Substrataufbaus mindestens 1,50 m betragen, so dass ein 12 m³ große Pflanzgrube ausgebildet werden  Die Ausführung der Dachbegrünung muss durch eine kann. Die Begrünung ist dauerhaft zu erhalten und zertifizierte Fachfirma erfolgen. fachgerecht zu pflegen.  Die zukünftige Pflegefirma sollte bei Abnahme der  Die Nutzung der Dachfläche zur Gewinnung von Son- Dachbegrünung nach Fertigstellungspflege mit vor Ort nenenergie ist zusätzlich zur Dachbegrünung möglich sein. Dies ermöglicht die Übermittlung von Spezifika und stellt keinen Hinderungsgrund dar. Die Kombina- des jeweiligen Daches. tion von aufgeständerten Photovoltaik-Anlagen mit ei-  Um nichtbegrünte Dächer/Dachteile dennoch vor ho- ner flächigen Begrünung ist nach Möglichkeit umzuset- hen Temperaturen zu schützen, sollten möglichst helle zen. Dachziegel bzw. helle Dachfarben verwendet werden  Eine Möglichkeit zur Bewässerung der Dachbegrünung aufgrund des höheren Reflexionsgrades (Thüringer ist vorzusehen (je nach Witterungsbedingungen wich- Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, 2017). tig währned Anwuchsphase sowie während langer Tro- Weiterführende Informationen: ckenperiode).

  • Infoblatt „Informationen zur Begrünung von Dächern“  Bei der Planung ist die Zugänglichkeit sowie Anbrin- der Landeshauptstadt Dresden gung entsprechender Sicherheitsvorkehrungen (Ab- sturzsicherung) sowie Abseilvorrichtung für Geräte - DIN 18531-1, Abdichtung von Dächern sowie von Bal- und Materialien für eine fachgerechte Pflege zu be- konen, Loggien und Laubengängen - Teil 1: Nicht ge- rücksichtigen. nutzte und genutzte Dächer - Anforderungen, Pla- nungs- und Ausführungsgrundsätze, 2017  Die Pflanzauswahl ist in Abstimmung mit einer Fach- firma entsprechend des Standortes auszuwählen. - Dachbegrünung - Leitfaden zur Planung, Freie und Hierzu zählen witterungsbedingte Faktoren (bspw. Hansestadt Hamburg, Behörde für Umwelt und Ener- Niederschlagsmenge, Hauptwindrichtung) sowie bau- gie (BUE), www.hamburg.de/gruendach werkspezifische Faktoren (bspw. Exposition und Nei- - Konzepte der Regenwasserbewirtschaftung, Leitfaden gung der Dachfläche, Besonnungsverhältnisse, Abluf- für Planung, Bau, Betrieb und Wartung - Gebäudebe- temissionen). Eine Biodiversitätssteigerung durch Ein- grünung, Gebäudekühlung, Senatsverwaltung für beziehung von Futterpflanzen für Insekten und Vögel, Stadtentwicklung, Berlin (2010) Einbringen von Totholz, Subsstratanhügelungen u. ä. sollte angestrebt werden.  Bei der Planung sind die zu erwartenden Folgekosten (Pflege) zu ermitteln.

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Abbildung 5 – Dachgarten, Optigrün International AG

Abbildung 4 - Oberflächentemperaturen an einem Schulstandort (Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klima- schutz, 2017)

Abbildung 5 – Parkpalais Striesen, Begrünung einer Tief- Abbildung 6 – Dachbegrünung Schloss Wackerbarth, Zinco garage, Foto: Landschaftsarchitekten Blaurock

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Maßnahme Fassadenbegrünung

Fassadenbegrünung bezeichnet den planmäßigen und kon- trollierten Bewuchs geeigneter oder speziell vorbereiteter (z. B. durch Installation von Kletterhilfen) Gebäudeflächen mit Pflanzen. Fassadenbegrünungen können maßgeblich das Arbeits- und Wohnumfeld verbessern und ästhetisch, gestalterisch das Stadtbild aufwerten. Vor allem in dicht be- bauten Quartieren bietet die Begrünung von Fassaden auch auf engem Raum die Möglichkeit Grün für die Bewohnerin- nen und Bewohner bereitzustellen. Über die Verdunstungs- leistung wirkt Fassadenbegrünung im Nahbereich des Ge- bäudes positiv auf das Mikroklima. Gebäude werden durch die Verschattung des Grüns vor großen Temperaturschwan- kungen, UV-Strahlung, Hagel, aber auch Verschmutzungen durch bspw. Graffiti geschützt. Das Blattwerk verändert und mindert die Schallreflexion, Staub und Stickoxide könne ge- bunden werden. Eine begrünte Fassade bietet darüber hin- aus Lebensraum für Kleintiere und Vögel. Fassadenbegrü- nung wirkt raumbildend und verleiht dem Gebäude ein (in heutigen Zeiten immer stärker gefragtes) positives Image für eine nachhaltige, ökologische Bauweise. Je nach Pflan- zenwahl entfaltet Fassadenbegrünung das ganze Jahr über seine Wirkung. In Tabelle 2 sind die möglichen Umfeldver- besserungen aufgeführt. Abbildung 8 - Begrünte Fassade in Freiburg-Vauban, BuGG Bundesverband GebäudeGrün e. V. Unter Voraussetzung der korrekten Bauausführung einer Fassadenbegrünung sind Bedenken zu Bau- oder Nässe- schäden unbegründet.

Abbildung 9 - Fassadenbegrünung mit Rankhilfen, Wohn- gebiet Hans-Oster-Straße, Fotos: Umweltamt.

Abbildung 7 – Stadthaus „M1“ Freiburg in Fassadenbegrü- Abbildung 10 - Wandgebundene Fassadenbegrünung, Bild- nung für eine nachhaltige Bauweise, Stadt und Raum 6 / quelle: Optigrün. 2014, S. 354.

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Mögliche Leistungsfaktoren der Umfeldverbesserung bei Fassadenbegrünung

Begrünte Fassaden heizen sich durch Verschattung deutlich weniger auf, wodurch sie die Umgebungsluft weniger stark erwärmen. Fassadengrün sorgt über den Verdunstungspro- Mikroklima zess für Kühle und höhere Luftfeuchte im Nahbereich (z. B. Pfoser, 2016; Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, 2010).

Erweiterung der Lebensräume bzw. Ersatzhabitat für Pflanzen und Tiere, insbesondere In- Arten-/Biotope sekten und Vögel (z. B. Köhler, 2008).

Verbesserung der Luftqualität durch Sauerstoffproduktion, Staubbindung (Staub und Fein- Luftqualität stäube verklumpen auf den Blättern zu nicht-lungengängigen Partikeln) und Verstoffwechs- lung von Luftschadstoffen (z. B. Bartfelder & Köhler, 1987; Schröder, 2009).

Aufenthaltsqualität Verbesserung des Wohn-/Aufenthaltsumfelds.

Je nach Bepflanzungsform kann eine hohe visuelle Aufwertung des Gebäudes erfolgen. Er- Gestaltungsvielfalt lebbarkeit der Jahreszeiten, raumbildende Möglichkeiten.

Minderung der Schallreflexion abhängig von Frequenz, Begrünungsaufbau und Belaubungs- Lärm zustand sowie Minderung der Lautstärke durch Schallabsorption und Schalldiffusion (z. B. Pfoser, 2016; Köhler, 2008; Wong, 2010).

Regenwasserrückhalt Lokaler Regenwasserrückhalt; Stärkung des Wasserkreislaufs.

Mögliche Leistungsfaktoren der Gebäudeoptimierung bei Fassadenbegrünung

Schutz der Fassade gegen Schadstoffe, Verschmutzung (z. B. Graffiti) und vor Umweltein- Materialschutz flüssen, wie UV-Strahlung, Hagel, thermischen Schwankungen.

Aufgrund Dämmwirkung durch zusätzliches Luftpolster und mögliche Reduktion des Wär- Klimaschutz medurchgangs bis zu 20 % verringerter Energiebedarf bei vorhandener Gebäudeklimatisie- rung (z. B. Bartfelder & Köhler, 1987; Scharf, et al., 2012).

Erhöhte Umgebungsqualität, Alleinstellungsmerkmal, Aufwertung der Immobilie, Fernwir- Wertsteigerung kung.

Tabelle 2 – Leistungsfaktoren der Fassadenbegrünung

Kosten für Fassadenbegrünung (Investition und Unterhal- tung) können zumindest teilweise kompensiert werden durch z. B.:

 Anrechnung der Fassadenbegrünung bei der Eingriffs- Ausgleichsbilanzierung (Landeshauptstadt Dresden, 2018) (Landeshauptstadt Dresden, 2018) und im Bau- genehmigungsverfahren bei nicht pflanzbaren (Ge- hölz-)Ersatzpflanzungen.  Darüber hinaus zählen die vielfältigen Leistungsfakto- ren einer Fassadenbegrünung (vgl. Tab. 2).

Aufgrund der Vielzahl positiver Synergieeffekte ist die Be- grünung von Fassaden eine Maßnahme, die unabhängig vom Klimawandel ökonomisch, ökologisch und sozial sinn- voll ist. Auch unter veränderten Rahmenbedingungen wird Fassadenbegrünung keine negativen Auswirkungen haben. Abbildung 11 - Arbeitsgericht Dresden, Foto: Umweltamt.

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Grundsätze und Anforderungen an die Fassadenbegrünung

 Fassaden sollten begrünt werden, insbesondere dann,  Bei Planung und Bau sind die Vorgaben und Hinweise wenn sie nicht durch Großgrün verschattet werden, der FLL Fassadenbegrünungsrichtlinie zu berücksichti- nach Süd- und Westen ausgerichtet sind oder/und es gen (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung sich um fensterlose Flächen >10 m² handelt. Landschaftsbau e.V. (FLL), 2018).  Fassadenbegrünung sollte bevorzugt an stark frequen- Hinweise: tierten Plätzen vorgesehen werden, insbesondere an Fassaden, die zu Straßen oder staubaufwirbelnden  Denkmalschutzrechtliche, architektonische oder städ- tebauliche Belange sind zu berücksichtigen. Sollte eine Plätzen, wie z. B. Schulhöfen, gerichtet sind. Fassadenbegrünung aus diesen Gründen nicht möglich  Zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität sollten Fas- sein, ist dies darzulegen. saden im unteren Geschossbereich bis in ca. 4 Meter Höhe begrünt werden. Dies stellt einen Kompromiss  Nicht-begrünte Fassadenbereiche sollten als Wärme- zwischen vereinfachter Pflege (kein Hubsteiger not- dämmverbundsystem mit einem hellen Anstrich (Hell- wendig) und hoher Wirkung für die Aufenthaltsqualität bezugswert >20 bzw. mit einem TSR-Wert >25) gestal- im Freien dar. tet werden, um die Wärmespeicherung und die nächt- liche Wärmeabgabe zu vermeiden.  Je nach Standort, Kostenaufwendung und Gestaltungs- wunsch ist zwischen bodengebundener Fassadenbe-  Fenster sollten über Außenliegende Verschattungsein- grünung mit/ohne Rankhilfe oder einer wandgebunde- richtungen verfügen. nen Begrünung zu wählen.  Baumpflanzungen sollten unter Berücksichtigung der  Die Pflanzauswahl richtet nach den Standortbedingun- Belichtungsverhältnisse zur Verschattung der Fassaden gen und Beschaffenheit der zu begrünenden Fläche genutzt werden. (Himmelsrichtung, Lichtverhältnisse, Höhe) und den

Weiterführende Informationen:

gestalterischen Zielen. Sie muss in Abstimmung mit ei- ner Fachfirma erfolgen.

  • Informationen zum Begrünen von Fassaden, Landes-  Für bodengebundene Begrünung ist eine Fläche von hauptstadt Dresden (2014). mind. 1 m² als offene Pflanzscheibe pro Pflanze auszu-
  • Gutachten Fassadenbegrünung - Gutachten über quar- führen und vor Verdichtung durch Überfahren zu tiersorientierte Unterstützungsansätze von Fassaden- schützen. Der durchwurzelbare Raum ist mit mindes- begrünungen für das Ministerium für Klimaschutz, Um- tens 2 m³ und einer Mindesttiefe von 0,50 m anzule- welt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz gen. (MKUNLV) NRW, Fachbereich Architektur, TU Darm-  Schutzmaßnahmen vor Beschädigung durch Passan- stadt (2016). ten/Verkehrsteilnehmer oder auch Streusalzeintrag
  • Konzepte der Regenwasserbewirtschaftung, Leitfaden bei Pflanzungen im Gehwegbereich sind entspre- für Planung, Bau, Betrieb und Wartung - Gebäudebe- chende zu treffen. grünung, Gebäudekühlung, Senatsverwaltung für  In der Anwuchsphase ist auf ausreichend Bewässerung Stadtentwicklung, Berlin (2010). zu achten. Bei dauerhaft nötiger Bewässerung sollte Regenwasser aus bspw. einer Zisterne genutzt werden.  Die Zugänglichkeit der begrünten Fassade für Pflege- maßnahmen muss auf dem Grundstück gewährleistet sein. Pflege- und Wartungsarbeiten (z. B. der Bewässe- rungseinrichtung) müssen in den notwendigen Zeitab- ständen erfolgen.  Die zur Begrünung vorgesehenen Fassaden müssen bautechnisch einwandfrei sein. Zur Vermeidung von Schäden muss das Anbringen von Kletterhilfen/Rank- gerüsten bei Dämmmaßnahmen eingeplant werden.  Im Rahmen der Regenwasserbewirtschaftung des Ge- bäudes bzw. des Grundstücks sollte darauf geachtet werden, das anfallende Niederschlagswasser u. a. zur Bewässerung der Fassadenbegrünung zu verwenden.  Bei der Planung sind die zu erwartenden Folgekosten (Pflege) zu ermitteln.

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Maßnahme Freiflächengestaltung

Die Gestaltung von Freiflächen beeinflusst maßgeblich den Insbesondere kommt der Rückhaltung und Speicherung des Wasser- und Strahlungshaushalt und kann damit die Gefahr Niederschlagswassers in Hinblick auf häufiger auftretende vor lokalen Überschwemmungen bei Starkregenereignissen Trockenperioden eine hohe Bedeutung zu. minimieren und der urbanen Überwärmung entgegenwir- Das auf eine Fläche treffende Regenwasser sollte dieser Flä- ken. Ziel der Freiflächengestaltung sollte es daher sein, ei- che bzw. dem Boden und der darauf befindlichen Vegeta- nen möglichst naturnahen Wasserkreislauf herzustellen. tion zu Gute kommen. Durch entsprechende Speicherein- Dies bedeutet, anfallendes Niederschlagswasser weitge- richtungen (z. B. Zisternen) kann der Vegetation auch über hend auf der Fläche zurück zu halten, vor Ort zu versickern längere niederschlagsfreie Perioden Wasser zugeführt wer- und zu speichern. So bieten unversiegelte Flächen u. a. den und somit der Verdunstungsprozess aufrecht erhalten schadensarme Überflutungs- und Rückhalteflächen. Indem bleiben. Während die Leistung der Verdunstungskühle ins- Wasser der Vegetation wieder zugänglich gemacht wird o- besondere in den Sommermonaten zum Tragen kommt, ist der an der Oberfläche verbleibt, kann über den Verduns- der Regenwasserrückhalt ganzjährig von Bedeutung. Die tungsprozess in hohem Maße Wärmeenergie verbraucht Funktionen als Aufenthaltsfläche sowie als Fläche für Flora und die umgebende Luft abgekühlt werden. Dies wirkt sich und Fauna ist ebenfalls ganzjährig von Bedeutung. positiv auf das Mikroklima aus, mildert Temperaturextreme und wirkt sich somit auf die Aufenthaltsqualität aus.

Abbildung 12 - Grundschule Kaitzbach nach Entsiegelungsprogra mm, Foto: Umweltamt.

Abbildung 13 - 16. Grundschule Dresden vor Entsiegelungsmaßnahme 2002 (links) und nach Entsiegelungsprogramm 2004 (rechts), Foto: Umweltamt.

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Mögliche Leistungsfaktoren der Umfeldverbesserung bei Freiflächengestaltung mit hohem Grünanteil

Stärkung des natürlichen Wasserkreislaufs, Schutz vor Überflutung, Schutz vor Überlastungen Regenwasserrück- des Kanalnetzes in Abhängigkeit des Wasserspeichervermögens. Auffüllung der Bodenwasser- halt vorräte und Grundwasserneubildung über Versickerung.

Begrünte Flächen heizen sich aufgrund ihrer Stoffeigenschaften weniger auf. Verdunstungs- kühle senkt die Umgebungstemperatur. Je nach Größe der begrünten Fläche hohe Fernwirkung. Mikroklima Ausbildung kleinräumiger Turbulenzen aufgrund Temperaturunterschiede zwischen begrünten und versiegelten Flächen.

Arten/Biotope Erweiterung der Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Verbesserte Vitalität der Grünflächen.

Verbesserung des Wohn-/Aufenthaltsqualität. Bei Nutzung von Wasser als Gestaltungselement Aufenthaltsqualität - bspw. Springbrunnen oder Kaskaden - oder idealerweise durch unmittelbare Nutzbarmachung zum Baden, Planschen oder Wasserspritzen enorme Steigerung der Aufenthaltsqualität.

Hohe visuelle Aufwertung der Fläche; Erlebbarkeit der Jahreszeiten; raumbildende Möglichkei- Gestaltungsvielfalt ten.

Luftqualität Verbesserung der Luftqualität durch Sauerstoffproduktion, Staubbindung (Staub und Fein- stäube verklumpen auf den Blättern zu nicht-lungengängigen Partikeln) und Verstoffwechslung von Luftschadstoffen.

Lärm Lärmminderung durch Schallabsorption und Schalldiffusion in Abhängigkeit der Begrünungs- dichte.

Mögliche Leistungsfaktoren der Freiflächenoptimierung

Material- und Kos- Im Regelfall kostengünstigerer Materialaufbau als Schwarz- und Betondecken, kein Erdaushub tenersparnis etc.

Wertsteigerung Erhöhte Umgebungsqualität und Attraktivitätssteigerung des Grundstücks; Alleinstellungsmerk- mal, Fernwirkung. Tabelle 3 – Leistungsfaktoren Freiflächengestaltung Tabelle 3 – Leistungsfaktoren der Freiflächengestaltung

Kosteneinsparungen ergeben sich bei der Freiflächenge- staltung unter Einbeziehung einer dezentralen Regenwas- serversickerung durch eine erhebliche Verringerung der Niederschlagswassergebühren (Landeshauptstadt Dresden, 2012) sowie bei der Ermittlung der Eingriffs-Ausgleichs-Bi- lanzierung (Landeshauptstadt Dresden, 2018).

Aufgrund der Vielzahl positiver Synergieeffekte ist die Frei- flächengestaltung mit einer naturnahen Regenwasserbe- wirtschaftung unabhängig vom Klimawandel eine ökono- misch, ökologisch und sozial sinnvolle Maßnahme. Auch un- ter veränderten Rahmenbedingungen wird eine solche Frei- flächengestaltung keine negativen Auswirkungen haben.

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Grundsätze und Anforderungen an die Freiflächengestaltung

 Die Freiflächengestaltung hat grundsätzlich dem An-  Verschmutztes Regenwasser ist nach den Regeln der spruch zu folgen, eine naturnahe Regenwasserbewirt- Technik zu reinigen, wobei natürliche (z. B. Oberbo- schaftung auf der Fläche herzustellen mit dem Fokus denpassade) und künstliche Filteranlagen eingesetzt auf Rückhaltung, Versickerung und Wiedernutzbarma- werden können. chung des Niederschlagswassers vor Ort. Die Art der  Bevorzugt sollten groß- und breitkronige Bäume ge- Nutzung der Fläche ist zu berücksichtigen sowie mögli- pflanzt werden, um das Verschattungs-und Verduns- che Verschmutzungen des Regenwassers. tungspotenzial auszunutzen.  Bäume verbessern durch Sauerstoffproduktion, CO 2

 Die Gebäudeplanung soll insbesondere entlang des Bindung, Staubfilterung, Schattenspende, Transpirati- Straßenraumes so erfolgen, dass Platz für Straßen- onsleistung nachhaltig das Stadtklima. Bei der Freiflä- baumpflanzung mit großkronigen Bäumen beziehungs- chengestaltung ist es daher oberstes Ziel, Baumstand- weise die Bildung einer grünen Raumkante möglich orte zu sichern und Neupflanzungen großkroniger wird. Bäume auf einem Grundstück in vollen Umfang auszu- nutzen.  Verwendung heller Farbbeimischungen für zu asphal- tierende Flächen unter Berücksichtigung von Blendef-  Zum Erhalt der Biodiversität im Stadtraum, der tempe- fekten. raturregulierenden Funktion sowie aufgrund der viel- fältigen ökologischen Eigenschaften von Vegetation sind naturnahe Lösungen durch Bepflanzung der Flä- Weiterführende Informationen: chen (Erhalt und Neupflanzung) technischen Lösungen vorzuziehen. - Mit Regenwasser wirtschaften, Landeshauptstadt Dresden (2004) Zur Umsetzung der o. g. Anforderung sollten bspw. fol- gende Maßnahmen ergriffen werden: - Starkregeneinflüsse auf die bauliche Infrastruktur, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung  Flächen sind nach Möglichkeit zu entsiegeln. Die Neu- (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumord- versiegelung ist auf ein Minimum zu beschränken. nung (BBR) (Hrsg.), Bonn (2018), ISBN 978-3-87994-  Plätze, Weg- und Stellplatzflächen, Zufahrten mit versi- 219-0 ckerungsfähigen Materialien befestigen.

  • Konzepte der Regenwasserbewirtschaftung, Leitfaden  Regenwasserrückhalteanlagen wie bspw. Mulden, für Planung, Bau, Betrieb und Wartung - Gebäudebe- Mulden-Rigolen-Systeme, Zisternen u. ä. in die Flä- grünung, Gebäudekühlung, Senatsverwaltung für chengestaltung integrieren. Stadtentwicklung, Berlin (2010)

 Regenwasser nutzbar machen, insbesondere zur Be- - Bewässerungsrichtlinie in Vegetationsflächen. Richtli- wässerung von Fassaden-, Dachbegrünung oder Vege- nie für die Planung, Installation und Instandhaltung tation auf den Freiflächen. von Bewässerungsanlagen in Vegetationsflächen, FLL, (2015)  Nutzung von Wasser als Gestaltungselement, z. B. durch Anlage von Brunnen, Teichen, Wasserläufen,

  • Bildungsraum Garten - Naturnahe Außenräume in Kin- dertageseinrichtungen und Kindertagespflege, Sächsi- Wasserspielplätze oder Uferzugängen an Bächen, die sches Staatsministerium für Kultus (Hrsg.), Dresden zum Verweilen und/oder Planschen einladen. (2018), ISBN 978-3-00-060676-2

Hinweise:

 Die Ausgestaltung der Freiflächen ist der überwiegen- den Nutzergruppe anzupassen:

 Freiflächen im Bereich von Alten-/Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern verlangen z. B. einen erhöhten Bedarf verschatteter Sitzbereiche.

 Freiflächen, die überwiegend von Kindern genutzt wer- den, sollten ausreichend große verschattete Spiel- und Sitzbereiche, Pausenhöfe aufweisen z. B. durch groß- kronige Bäume, begrünte Pergola, Installationen zur temporären Anbringung von Sonnensegeln. Auch Was- ser sollte als Spielelement integriert werden.

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