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6 DENKMALBEWERTUNG
Die als Sachgesamtheit mit der Denkmalnummer 09305645 geführte Anlage stellt ein Kulturdenkmal von außergewöhnlicher Dichte und Bedeutung dar.227 Sie ist gemäß § 2 Sächsisches Denkmalschutzgesetz (SächsDSchG) sowohl aus geschichtlichen, bau-, gartenkünstlerischen als auch medizingeschichtlichen Gründen als schützenswert eingestuft. Das Kulturdenkmal ist als Gartendenkmal ausgewiesen und umfasst eine Vielzahl bedeutender Einzeldenkmale, mit denen es eine untrennbare, erhaltenswerte Einheit bildet. Der hohe Wert des Freiraums begründet sich insbesondere in der Tatsache, dass das zentrale Parterre nie großflächig überbaut wurde und daher ein außergewöhnlich alter Gehölzbestand vorhanden ist. Dieser trägt wesentlich zur historischen Authentizität und zur gestalterischen Kontinuität der Anlage bei. Die Anlage weist mehrere sich überlagernde Zeitschichten auf, von denen die barocke Prägung dominiert. Es ergibt sich die denkmalrelevante Gesamtheit aus dem Zusammenspiel aller erhaltenen Schichten, Strukturen und Gestaltungen. Selbst rudimentäre Reste und Spuren dieser zeitlichen Ebenen sind – entsprechend § 2 Abs. 1 SächsDSchG – als schützenswert einzustufen, da sie zur Gesamtbedeutung des Ortes beitragen.
Die Ursprünge der Anlage gehen auf den Brühlschen228 Garten zurück, der in seiner Entstehungszeit zu den bedeutendsten und prächtigsten Barockanlagen Dresdens zählte. In ihrer ursprünglichen Form diente sie der repräsentativen Selbstdarstellung des Grafen Brühl und war Schauplatz hochrangiger Besuche, etwa durch Napoleon Bonaparte oder Fürst Metternich. Die medizin- und stadtgeschichtliche Bedeutung spiegelt sich ebenso in der späteren Nutzung als Stadtkrankenhaus wider, das ab 1845 als eines der modernsten seiner Zeit galt und durch zahlreiche medizinische Neuerungen geprägt war. Die Gartenanlage diente dabei nicht nur repräsentativen Zwecken, sondern erfüllt seither zugleich wichtige Funktionen, als Ort für Ruhe und Erholung. Die künstlerische Bedeutung der Anlage resultiert vorrangig aus dem skulpturalen Schmuck229 der Brühlschen- und Marcolinizeit230 sowie aus der Verbindung mit namhaften historischen Persönlichkeiten wie Richard Wagner, der hier Teile seiner Oper Lohengrin verfasste. Die axiale Grundstruktur des sächsischen Barock ist bis heute weitgehend erhalten. Die enge räumliche Verknüpfung zwischen dem ehemaligen Palais (Haus A) und dem Gartenraum besteht bis heute (vgl. Abb. 4, S. 15).
227 Auszug aus Denkmalliste, vgl. S. 457. 228 Weitere Informationen zu BRÜHL, vgl. S. 458. 229 Weitere Informationen zu Merkmalen des sächsischen Skulpturenschmucks des Barock und Rokoko, vgl. S. 468. 230 Weitere Informationen zu MARCOLINI, vgl. S. 459.
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Auch aus städtebaulicher Sicht kommt der Anlage eine hohe Relevanz zu. Der ursprüngliche Grundstückszuschnitt aus der Marcolinizeit ist bis heute nachvollziehbar erhalten und folgt dem orthogonalen Grundraster der Friedrichstädter Stadtplanung (vgl. Abb. 3, S. 13). In ihrer Funktion als größte Grünanlage der Friedrichstadt besitzt sie ein besonderes Gewicht im städtischen Gefüge. Der Ehrenhof bildet eine stadtbildprägende Gebäudefront mit hohem Wiedererkennungswert. Als öffentlicher Aufenthalts- und Erholungsort genießt der Park bis heute eine rege Nutzung und ist im städtischen Kontext in dieser Form als großflächiger, gut erhaltener Krankenhausgarten nahezu einzigartig. Die wissenschaftliche Bedeutung des Objekts erstreckt sich insbesondere auf dendrologische Aspekte, wie die Vielfalt an Gehölzarten, das Vorhandensein besonderer Wuchsformen sowie das teils sehr hohe Alter einzelner Bäume. In ihrer Gesamtheit stellt die Anlage ein bedeutendes Zeugnis für die städtebauliche Entwicklung Dresdens dar. Als grüne und kulturelle Mitte des Stadtteils Dresden Friedrichstadt mit unmittelbarer Nähe zur Altstadt, besitzt sie ein herausragendes öffentliches Interesse und ist daher in ihrem Bestand unbedingt zu bewahren.
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7 LEITBILD
Gartendenkmalpflegerisches Ziel ist die Sicherung, der Erhalt und die Pflege des Gartendenkmals in seiner überkommenen Gesamtheit.
Das Bearbeitungsgebiet durchlief seit dem 18. Jahrhundert mehrere größere Gestaltungsphasen.231 Die als prägendste, bedeutungsvollste und immer noch klar ablesbare Phase war jene zu Zeiten Brühls232 im Barock in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Diese Zeitphase ist durch nachweislich umgesetzte Entwurfspläne sehr gut dokumentiert. Alle darauf folgenden Umgestaltungen im Bearbeitungsgebiet griffen diese barocken Grundformen auf und kombinierten sie mit den Gestaltungen des jeweiligen Zeitgeschmacks. Diese zählen aus gartendenkmalpflegerischer Sicht zur erhaltenswerten Denkmalsubstanz.
Dazu gehören insbesondere:
• Rechtwinkliges Grundraster und in Teilen diagonale Verläufe der Wege sowie geometrischen Grundformen, wie Kreis und Ellipse
• Räumliche Kohärenz der durch Alleen/Baumreihen abgetrennten Teilräume mit durchgehenden Wegeverläufen (vgl. Abb. 4, S. 15)
• Eine dominante Mittelachse je Parterrefläche als Spiegelachse
• Gegenständige Lindenalleen seitlich des Mittelparterres und am südlichen Querweg, insbesondere deren Altgehölze
• Enge Verzahnung von Architektur und Gartengestaltung
• Inszenierte Raumabfolge mit differenzierten Raumwirkungen durch im Norden architekturbetonte Bereiche mit viel Naturstein und sich nach Süden hin in Höhe und Dichtheit steigernden Gehölzvolumen
• Weitgehend symmetrische Gehölzpflanzungen als Solitäre oder Gruppen in den Parterreflächen, insbesondere Altgehölze sowie deren denkmalgerechter Nachpflanzungen
• Kontraste aus weiten, ebenen Rasen-/Wiesenflächen von langer Bodenkontinuität und großen Gehölzvolumen
• Wasseranlagen aus Sandstein mit bewegtem Wasser und bildkünstlerischen Gestaltungen
231 Übersicht der GESTALTUNGSPHASEN, vgl. S. 9. 232 Weitere Informationen zu BRÜHL, vgl. S. 458.
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• Mit Sichtachsen inszenierte Kunstausstattung in symmetrischer Aufstellung
Dieser Tradition folgend liegt die Prämisse auf der Herausarbeitung der barocken Grundstruktur, indem diese erhalten, gestärkt und teilweise wiederhergestellt wird. Aufgrund veränderter Raumkanten durch hinzugefügte Baukörper ist die Parkgestaltung an die aktuellen Raumdimensionen anzupassen. Von weiteren Einbauten, welche die Denkmalsubstanz nachhaltig beeinträchtigen oder zerstören, ist abzusehen.
Gestaltungen aus den Zeitphasen nach dem Barock/Rokoko sind ebenso erhaltenswert, sofern sie einen hohen gestalterischen Anspruch vertreten, die barocke Grundstruktur nicht beeinträchtigen und nach barocker Manier inszeniert sind. Das betrifft insbesondere:
• die großformatigen Natursteinplatten südlich der Wasserbecken (vgl. Abb. 84, S. 231)
• die Schmuckausstattung wie die Bronzeskulptur „Sich Kämmende“ von Wilhelm Landgraf233 (vgl. Abb. 61, S. 219)
• die vier Inselgehölze aus Phase 3 bzw. 4 in den halbrunden Wasserbecken, welche mit ihren Sonderstandorten Unikate darstellen und eng mit der Krankenhausgeschichte in Beziehung stehen, vgl. S. 247
• die Verlängerung der westlichen Lindenallee als Neuinterpretation der ehemals weiter westlich verlaufenden Allee, um die verbliebene Verbindung getrennter Gartenräume zu stärken (vgl. Verluste des Gartendenkmals in Plan 3.2 sowie Abb. 23, S. 183)
• die neobarocke Freiflächengestaltung des Innenhofs (vgl. Abb. 54, S. 215)
233 Weitere Informationen zu LANDGRAF, vgl. S. 462.
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Zum im BA aus denkmalpflegerischer Sicht nicht erhaltenswerten Bestand zählen:
• der asymmetrische Abschluss des Mittelparterres nördlich von Haus N (vgl. Abb. 25, S. 185)
• Ausstattungselemente aus Beton (u. a. Waschbetonmülleimer, Betonsockelbänke, Leuchten L3, Betonplattenbeläge, Waschbetonkübel, Betonborde, Betonschachtdeckel)
Die Entwicklungsziele verfolgen eine behutsame, denkmalgerechte Weiterentwicklung des Krankenhausparks. Aus denkmalpflegerischer Sicht ist es wesentlich, eine gestalterische Kohärenz aller Parkbereiche herzustellen. Ziel ist es, die historischen Bezüge innerhalb des weitläufigen Geländes lesbar zu machen und räumliche Trennungen, die in späteren Nutzungsphasen – beispielsweise durch eine hohe Schnitthecke (vgl. Luftbild 8, S. 415) westlich des Rosengartens im Jahr 1938 – eingeführt wurden, nicht erneut zu etablieren. Vielmehr soll die gemeinsame Geschichte der Anlage durch eine gestalterische Einheitlichkeit unterstrichen werden, insbesondere in Bezug auf Ausstattungselemente, Material- aber auch Pflanzenwahl.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der denkmalgerechten Ergänzung verlorengegangener Gehölzbestände. Dabei werden historische Standorte und Arten berücksichtigt und die heutigen teilweise veränderten Standort- bedingungen mit bedacht.
Für eine zukunftsfähige Vegetation sind Maßnahmen notwendig, die u. a. den veränderten Anforderungen durch lange Trockenperioden, extreme Hitze und Starkregenereignisse gerecht werden. Entsprechend hohe Bedeutung kommt einer standortgerechten Artwahl-, Pflanzweise und Pflege zu. Im Kapitel 9, vgl. S. 133ff, sind entsprechend auch Maßnahmenvorschläge für ein verbessertes Regenwassermanagement aufgeführt. Letzteres dient nicht nur dem Erhalt des Pflanzenbestandes, sondern auch dem Schutz der historischen Anlage vor erosiven Wetterfolgen und verringert das Absinken des Grundwasserspiegels.
Darüber hinaus verfolgt das Leitbild das Ziel, nachträglich eingefügte bauliche Elemente – etwa Stellflächen oder technische Infrastrukturen – welche ohne Rücksicht auf denkmalpflegerische Belange realisiert wurden, langfristig auf ein notwendiges Mindestmaß zu reduzieren oder vollständig zu entfernen.
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Weitere zentrale Entwicklungsziele umfassen die denkmalgerechte Gestaltung der Gebäudevorplätze unter Betonung der historischen Symmetrieachsen sowie der Verbesserung der Vitalität der Bestandsgehölze. Maßnahmen zur Optimierung von Wurzelraum, Wasserverfügbarkeit und Bodenqualität sollen die langfristige Erhaltung wertvoller Altbäume ermöglichen.
Ein Weiteres Entwicklungsziel besteht darin, noch möglicherweise deponierte Kunstausstattung ausfindig zu machen und nach Möglichkeit am Originalstandort wieder zu integrieren.
Zusätzlich sollen Maßnahmen zur Vermittlung der historischen und gartenkulturellen Bedeutung des Parks die Wahrnehmung und das öffentliche Bewusstsein stärken und das bereits vorhandene Engagement fördern. Durch gezielte Informationsangebote soll der Park nicht nur als Ort der Erholung, sondern auch als bedeutsames kulturelles Erbe im städtischen Kontext erlebbar gemacht werden.
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