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Freianlagenplanung für die klimagerechte Sanierung und Weiterentwicklung des Mittelparks

Extrahierter Dokumenttext · Stand: 06.10.2026, 13:38 (Europe/Berlin)

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DENKMALPFLEGERISCHE ZIELPLANUNG - SKDF MITTELPARK

4 HISTORISCHE ENTWICKLUNG

Im Folgenden wird die chronologische Entwicklung des Bearbeitungsgebiets geschildert. Die Entwicklung wird in sechs Zeitphasen untergliedert, die sich u. a. durch die jeweiligen Besitzerwechsel ergeben:

• Kurfürstliches Vorwerk vor 1670

• Feudales Palais zwischen 1670 und 1735 (Phase 0)

• Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773 (Phase 1 in Anlagengenetischer Karte)

• Der Marcolini-Garten von 1774 bis 1845 (Phase 2 in Anlagengenetischer Karte)

• Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945 (Phase 3 in Anlagengenetischer Karte)

• Krankenhausfreiraum zwischen 1946-2025 (Phase 4 in Anlagengenetischer Karte)

In der folgenden Beschreibung der Entwicklungsgeschichte sind die beschriebenen Elemente mit Unterstreichungen wie folgt konnotiert:

• Realisierung belegt, jedoch nicht mehr erhalten

• noch erhalten

• teilweise noch erhalten

• (TEILWEISE) WIEDER HERGESTELLT

4.1 Kurfürstliches Vorwerk vor 1670

Das einst landwirtschaftlich geprägte Gebiet der heutigen Friedrichstadt im Westen der Dresdner Altstadt wurde ursprünglich kleinteilig von Bauern bewirtschaftet. Als Kurfürst August5 (1526-1586) im Jahr 1569 eine Musterwirtschaft mit Vorwerk, Feldern und Wiesen auf 14 Äckern6Land errichtete, entschädigte er zuvor die ansässigen Bauern des Dorfes Ostra.7Diese wurden nach Zschertnitz bzw. Ostra-Gasse umgesiedelt.8

Das „Churfürstliche Vorwerk [...] ist vom Churfürste August, zum Vergnügen seiner Dänischen Gemahlin Anna, die sich so gern mit der Landwirtschaft unterhielt, angelegt worden.“9, „[...] es wurde hauptsächlich als kurfürstliches Küchengut

5 Weitere Informationen zu KURFÜRST AUGUST von Sachsen vgl. S. 459. 6 14 Acker betragen umgerechnet knapp 8 ha (Alte Maßeinheiten: www.daniel-stieger.ch/masseinheiten.htm, Abruf: 1.11.2024). 7 POHLE 1985, S. 1. 8 KUNZE, P. 1999, S. 7. 9 DASSDORF 1782, S. 113.

4 Historische Entwicklung 9 4.1 Kurfürstliches Vorwerk vor 1670

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benutzt, hatte einen besonders großen Viehbestand, auch wird ein Fasanenhaus, ein Hirschgarten, eine Maulbeerplantage neben den ausgedehnten Feldern, Wiesen und Gartenanlagen erwähnt.“10

4.2 Feudales Palais zwischen 1670 und 1735

Unter Kurfürsten Johann Georg II (1613-1680) kam es nach den Planungen des sog. Patents von 1670 zur Neugestaltung der Friedrichstadt (vgl. Karte 1, S. 425).Im Zuge dessen wurden preisgünstige Parzellen ausgewiesen, um die Ansiedlung von Handwerkern und Dienstleuten zu fördern. Allerdings kauften vorrangig vermögende Bürger und Adlige die Grundstücke.Sie legten Obstgärten an und bauten hölzerne Sommerhäuser und Lauben.Zusätzlich zu diesen Privatbauten entstanden 1692 die kurfürstliche Salpeterhütte, 1696 ein Geflügelhof (Menagerie) und ein Hirschgarten, 1718 die Wachsbleiche und 1721 der katholische Friedhof.11

Auch auf dem Gelände des heutigen Friedrichstädter Krankenhauses befanden sich zu dieser Zeit schmale Parzellen, auf denen häufige Besitzerwechsel zu verzeichnen waren.

Einer dieser Besitzer war Herzog von Weißenfels (L. D. n. b.), welcher später auch angrenzende Grundstücke aufkaufte.12 Darauf legte er verschiedene Gebäude, Lustgärten mit Statuen, Küchengärten und Obstplantagen an.13Im Jahr 1691 verkaufte Weißenfels einen Großteil der Grundstücke an den Kammer- und Bergrat Schönberg (L. D. n. b.). Er verpachtete sie an Frau von Neitschütz, welche den sog. „Schönbergschen Garten“ weiter gestaltete. Reichsgraf Ernst Christoph von Manteuffel (1676-1749) kaufte 1717 ein zusammengelegtes Grundstück an der Ostraer Gasse, heute Friedrichstraße (von drei Besitzern), welches einen Teil des heutigen Krankenhausgeländes betraf.14 Das Nachbargrundstück kaufte seine Gemahlin samt Malz- und Braurecht. Darauf ließ sie ein repräsentatives Wohnhaus mit großem und besonders reich ausgestattetem Lustgarten errichten:

„Er war mit den schönsten Anlagen, Gewächs- und Lusthäusern ausgestattet, war wohl gepflegt, vorn und hinten mit einer Mauer von Grundstücken umschlossen, mit vier eichernen Thoren und mit grün-weisser Oelfarbe angestrichenen Stacketen, an der Seite mit gewöhnlicher Vermachung, verwahrt.“15

10 FIEDLER 1899, S. 31. 11 BECHTER 2007, S. 1. 12 Kunze, P. 1999, S. 7. 13 KNÖFEL 1999, S. 11. 14 HStA DD: 10036 Finanzarchiv, Loc. 37283, Rep. XXII Dresden, Nur. 100, Acta, Die Erkauffung des Gräffl. Manteuffelischen Hauses am Churfl. Stalle, nebst dem Garten zu Ostra betr. Ao. 1725.fol. 15. 15 FIEDLER 1899, S. 37.

10 4 Historische Entwicklung 4.2 Feudales Palais zwischen 1670 und 1735

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Im Jahr 1725 kaufte August der Starke (1670-1733) das Brauhaus sowie den Lustgarten.16Das im ein Jahr zuvor angelegte Inventarium zählt folgendes auf: ein Treibhaus, einen Küchengarten mit Franz-bäumen17 und Lustgarten mit 30 pyramidenförmigen Taxusschnittbäumen, Baumschulen, zwei Teiche, Fontänen, Orangerien, Eisgruben, Marmorbassins und zahlreiche Statuen. In der Orangerie zählte man über 100 Bäume und im Garten befand sich eine lange Allee von Quittenbäumen. Außerdem gab es viele Pfirsich- und Aprikosenbäume sowie „beste Arten fremder Weinstöcke“. Im Hof stand eine Herkulesstatue aus Stein.18 Das 250 Meter breite und 170 Meter tiefe Grundstück war von einer 2,3 m hohen Sandsteinmauer umgeben.19

Kurz nach dem Kauf teilte August der Starke das Grundstück, um einen Bereich zu veräußern, das Brauhausgrundstück behielt er jedoch. Von Letzterem versprach er sich hohe Gewinne. Das Gartengrundstück schenkte er Herzog Friedrich Ludwig zu Württemberg (1690-1734) bzw. dessen Gemahlin Ursula Katharina Lubomirska (Fürstin von Teschen, 1680-1743), einer Mätresse August des Starken und Mutter einer seiner Söhne. Am Standort des heutigen Mittelbaus von Haus A ließ sie 1727 ein Sommerpalais errichten (vgl. Karte 2, S. 425).20 Es war ein für die damalige Zeit sehr sehr modernes „maison de plaisance“.21 Dafür beauftragte sie den Architekten Johann Christoph Naumann22 (1664-1742). Von diesem Bau sind bis heute die achteckige Erdgeschosshalle und der Festsaal erhalten. Bereits auf diese Zeit geht der grundlegende Aufbau des Hauptzugangs zurück, weil dieser von Naumann als „cour d’honneur“ - als Ehrenhof - angelegt wurde.23 Seinen Entwürfen zu Folge wurde der Ehrenhof an den nicht durch Gebäude begrenzten Seiten von einem Gitter eingehegt. Das Palais wies im Vergleich zu heute gering vorspringende Seitenrisalite zur Hof- und Gartenseite auf, war jedoch mit einem konvexen Mittelrisalit bereits deutlich zur Gartenseite hin orientiert.

Auch die bis heute raumgliedernden Lindenalleen ließ sie in dem sich südlich anschließenden, großzügigen Barockgarten anpflanzen.24 Nachweisbar sind laut Karte von 1729 die westliche Allee, welche bis zum heutigen Gebäudeflügel Haus A-West heranführte sowie die südliche Querreihe aus Linden, welche in Teilen 16 KUNZE, P. 1999, S. 7. 17 Franz-Bäume sind zwergwüchsige Obstbäume. 18 FIEDLER 1899, S. 37. 19 HStA DD: 10036 Finanzarchiv, Loc. 37283, Rep. XXII Dresden, Nur. 100, Acta, Die Erkauffung des Gräffl. Manteuffelischen Hauses am Churfl. Stalle, nebst dem Garten zu Ostra betr. Ao. 1725, fol. 9-13 sowie 43-46. 20 BECHTER 2007, S. 3. 21 Französisch für Lustschloss/Lusthaus welches dem Vergnügen zumeist fürstlicher Bauherren diente 22 Weitere Informationen zu NAUMANN vgl. S. 460. 23 Der im französischen Schlossbau der Renaissance entwickelte Empfangshof ist ein typisches Element symmetrisch angelegter Barockanlagen und wird von drei Seiten durch Gebäude umschlossen. Die vierte Seite wird häufig von einem Gitter oder einer Mauer begrenzt, in deren Mitte sich die Zufahrt befindet. Übergeordnetes Vorbild ist für diese Bauweise das Schloss Versailles. 24 KNÖFEL 1999, S. 12.

4 Historische Entwicklung 11 4.2 Feudales Palais zwischen 1670 und 1735

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noch nördlich des Rosengartens erhalten geblieben ist (vgl. Überlagerung der Karte von 1729). In der Überlagerung lässt sich ebenso ablesen, dass die nördliche Grenze des Mittelparterres (Übergang Asphalt zu Pflasterfläche) auf den Zustand von um 1729 zurückgeht. Der durch den Abstand von Palais zu Parterre entstandene ruhige Vorplatz unterstrich die Wirkung der Architektur.

August der Starke veranlasste eine Regularität für die wachsende Friedrichstädter Vorstadt. Ingenieur-Hauptmann Christian Friedrich Erndl erstellte daraufhin einen Bebauungsplan mit einem gleichmäßigen Straßenraster, welches bis heute ablesbar ist.25 An diesem Raster richtete sich auch die Mittelachse des Gartens und Palais aus. Die noch heute weitgehend erhaltene Mittelachse führte um 1728 südlich der verlängerten Seminarstraße, im Vergleich zum nördlichen Abschnitt, knapp drei Mal so breit weiter.

Fast zeitgleich mit dem Bau des Palais fand im Jahr 1728 die Grundsteinlegung für die westlich vom Palais gelegene barocke Mattheuskirche mit dazugehörigem Friedhof statt.26 Auf der selben Straßenflucht waren entlang der heutigen Friedrichstraße östlich und westlich des Ehrenhofs je ein Nebengebäude angeordnet. Die Gebäude schlossen jedoch noch nicht die gesamte Straßenflucht, wie es heute durch den später erbauten Orangeriebau der Fall ist. Vielmehr übernahm um 1729 eine Baumreihe diese Funktion einer durchgehenden Raumkante.

Was zeugt bis heute von dieser Zeitschicht 1670 bis 1735?

• Teile von Haus A mit Ehrenhof

• Mittelachse des Mittelparks

• Westliche Raumkante durch Lindenallee

• Querweg nördlich des Rosengartens mit Lindenreihe

• Gebäudeflucht entlang der Friedrichstraße

• Straßenraster der Friedrichstadt

25 BECHTER 2007, S. 1. 26 https://web.archive.org/web/20220526213446/http://www.dresdner-stadtteile.de/Zentrum/Friedrichstadt/Strassen_ Friedrichstadt/Friedrichstrasse/Matthauskirche/matthauskirche.html, , ABRUF 1.03.2025.

12 4 Historische Entwicklung 4.2 Feudales Palais zwischen 1670 und 1735

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4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

Das in Besitz von August dem Starken verbliebene Brauhausgrundstück wurde nach dessen Tod von seinem Sohn an Graf Heinrich von Brühl27 (1700–1763) veräußert. Bis ins Jahr 1880 befand sich auf dem Grundstück ein gut besuchtes Restaurant.28 Brühl erwarb darüber hinaus auch das Gartengrundstück, das ursprünglich von Fürstin Lubomirska gestaltet worden war. Nach dem Tod ihres Ehemanns im Jahr 1734 ging das Areal in Brühls Besitz über.29 Er vereinte die beiden angrenzenden Grundstücke und ließ sie zu einem repräsentativen Sommersitz ausbauen (vgl. Karte 3, S. 427).

Die baulichen Maßnahmen, die Brühl ab den 1730er Jahren in Angriff nahm, waren ebenso umfangreich wie kostspielig: Insgesamt investierte er etwa 100.000 Taler30 in die Umgestaltung des Areals.31 Die Arbeiten erfolgten unter Leitung seines Hausarchitekten Johann Christoph Knöffel32 (1686–1752) im Stil des Rokoko, mit dem Ziel, Architektur und Garten in ein enges gestalterisches Verhältnis zu setzen. Die bestehende Bausubstanz, insbesondere das von Johann Christoph Naumann (1664–1742) entworfene Palais aus dem Jahr 1728, wurde nicht abgerissen, sondern um zwei Hofflügel erweitert. Zudem entstanden unter Knöffels Leitung zwei bis heute erhaltene Seitengebäude, eine Orangerie, ein Wintergarten mit einem Porzellanbassin sowie ein Gewächshaus.

Abb. 3: Grundstückserweiterungen in den Jahren 1742 und 1743 durch Brühl

Verfasser LA, September 2025 auf Grundlage von Abb. 9 Diplomarbeit Knöfel, 1999.

27 Weitere Informationen zu BRÜHL vgl. S. 458. 28 KUNZE, P. 1999, S. 8. 29 FISCHER 1984, S. 11. 30 1 Taler entspricht ca. 65 €. Umgerechnet investierte Brühl ca. 6,5 Mio. €. (Umrechner historischer Münzen: https://de.ucoin.net/coin/saxony-1-thaler-1830/?cid=90538, Abruf 1.11.2024) 31 KNÖFEL, 1999, S. 12. 32 Weitere Informationen zu KNÖFFEL vgl. S. 460.

4 Historische Entwicklung 13 4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

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Im Jahr 1742 erwarb Brühl zusätzliche südlich angrenzende Flächen, 1743 folgten westlich gelegene Flurstücke. Damit erreichte das Grundstück seine endgültige Ausdehnung, vgl. Abb. 3. Diese Erweiterungen stellten Knöffel vor die gestalterische Herausforderung, die sichtbaren Grundstücksgrenzen der ehemals eigenständigen Parzellen gestalterisch zu überblenden. In einem zeitgenössischen Bericht heißt es hierzu:

„Die Abschließung des Hauptparterres entsprang der Forderung, von den ursprünglich auf zwei Seiten unmittelbar anschließenden Grundstücksgrenzen nichts spüren zu lassen. Da bei der Erweiterung die einmal geschaffenen Anlagen natürlich nicht wieder zerstört werden sollten, ergab sich eine gewisse Selbstständigkeit der einzelnen Teile, die aber durch zahlreiche Querverbindungen geschickt miteinander verknüpft wurden.“33 So entstand eine übergeordnete gartenkünstlerische Gesamtanlage mit klarer geometrischer Struktur und symmetrisch gegliederten Gartenräumen. Zentrales Element war die bis heute in großen Teilen erhaltene Hauptachse, die sich vom Palais – einem prächtigen Lusthaus im Sinne einer „maison de plaisance“ – bis zum monumentalen Neptunbrunnen34 erstreckte (heute durch Haus N unterbrochen).35 Letzterer wurde aus Sandstein gefertigt, misst etwa 40 Meter in der Breite und markierte damals wie heute den gestalterischen und topografischen Höhepunkt im Süden der Anlage.

Die ursprüngliche Gestaltung der Gartenanlage erfolgte nach Plänen Knöffels, die bauliche Ausführung übernahm vermutlich der Baumeister Zacharias Longuelune.36 Typisch für die Gartenkunst des Rokoko war die Vielfalt an Gartenerlebnissen, die durch eine abwechslungsreiche Abfolge von Räumen, Sichtachsen und Überraschungsmomenten erzielt wurde, vgl. Abb. 4. So existierten insgesamt drei nahezu ebenbürtige Parterres, wobei das mittlere durch die starke Geste des Neptunbrunnens hervorgehoben wurde. Eine zweite (das Bearbeitsungsgebiet betreffende) bedeutende Sichtachse verlief parallel zur Hauptachse im Osten des Gartens: Sie begann an der Orangerie und endete an einem Kegelspiel, bei dem vermutlich eine Statue als „Point de vue“37 fungierte und in ein Boskett38 integriert war (vgl. Karte 3, S. 427).

Die Anlage war zudem durchzogen von einer Vielzahl architektonischer und gartenkünstlerischer Elemente, darunter Pavillons, ein Theater, Lustplätze, Brunnen, Fontänen, Kaskaden, Spielanlagen, ein Irrgarten und eine Vielzahl von

33 HENTSCHEL, VERFASSER 1973, S. 105. 34 Barockbrunnen von Lorenzo Mattielli nach Entwürfen von Zacharias Longuelune von 1746. (FISCHER 1884, S. 12.) 35 BECHTER 2007, S. 32F. 36 KNÖEL1999, S. 15. 37 Definiton Point de vue: frz. „Blickpunkt“, markanter Blickpunkt in einer Haupt- oder Nebenachse des Gartens. 38 Definition Boskett: „Lustwäldchen“ aus einer Gruppe Büsche und/oder Bäume.

14 4 Historische Entwicklung 4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

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Treillagen39. Diese reiche Ausstattung ist heute jedoch nur noch in Teilen überliefert.

Abb. 4: Barockgeprägte Raumabfolge des Gesamtensembles

Verfasser LA, September 2025 auf Plangrundlage STA DD: Ratsarchiv b XII 123, S. 33, o. J., um 1840.

Obwohl ab 1754 erste Pläne für einen vollständigen Neubau des Palais entstanden – unter anderem nach Entwürfen des Architekten Giovanni Niccolò Servandoni, die sich stark an dem französischen Schloss Vaux-le-Vicomte orientierten – wurde diese Planung nicht mehr realisiert. Die Entwürfe zeigten ein stark bewegtes Grundrisskonzept und reflektierten die Idee eines klassischen Lustschlosses („maison de plaisance“) des französischen Barock. Bereits 1754 galt das bestehende Palais als veraltet, doch es blieb beim Ausbau der bestehenden Anlage.40

Die Innenräume des Palais waren äußerst prachtvoll ausgestattet, was dem Repräsentationsanspruch Brühls ebenso entsprach wie der Anlage des Gartens, der in zeitgenössischen Quellen als die größte und kostbarste Gartenanlage Sachsens seiner Zeit beschrieben wurde.41

39 Bewachsene Gitterkonstruktion, wie z. B. bei Laubengängen. 40 BECHTER 2007, S. 32F. 41 FISCHER 1884, S. 10-12.

4 Historische Entwicklung 15 4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

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Der Ehrenhof („cour d'honneur“), der repräsentative Auftakt und Hauptzugang zum Palais, befand sich an der ehemaligen Brückenstraße, heutige Friedrichstraße. Dieser wurde durch einen zurückgesetzten Mittelbau sowie die Seitenflügel des Palais (heute Haus A) gebildet. Geplant war im Jahr 1745, dass der Innenhof über drei Eingänge zugänglich sein sollte, zusätzlich zu einem Eingang an den Seitenflügeln. Es ist jedoch nicht dokumentiert, ob diese Eingänge tatsächlich entsprechend der ursprünglichen Planung ausgeführt wurden (vgl. Abb. 189, S. 269). Der Ehrenhof war spätestens ab etwa 1740 durch eine übermannshohe Mauer nach Norden hin abgeschlossen (vgl. Karte 3, S. 427). Diese Mauer war mit zwei hohen Torpfleilern versehen, auf denen "lebhaft bewegte Trophäen, Helme, Panzer und allerlei Kriegsgerät"42 standen, die vermutlich auf Gottfried Knöffler zurückgehen (vgl. Abb. 190, S. 271).Der Hauptzugang zum Palais befand sich auf der Mittelachse des Ehrenhofs, wobei der Brunnen kein Bestandteil des ursprünglichen Entwurfs war. Der sich dort heute befindliche Delphinbrunnen, dessen erhaltenes Sandsteinrelief möglicherweise auf Johann Gottfried Knöffler zurückgeht, ist eines der wenigen Zeugnisse aus der Brühlschen Zeit. Der Brunnen zeigt zwei Kinder mit einem wasserspeienden Delphin – eines kniend mit erhobenem Arm, das andere schlafend angelehnt.43

Mittig im Palais befindet sich bis heute ein oktogonaler Gartensaal, ein lichtdurchfluteter Raum, der sich zur Gartenseite öffnet und damit eine enge Beziehung zwischen Garten und Architektur herstellt (vgl. Abb. 189, S. 269).44 Zusätzlich gab es zwei Nebeneingänge an der Nordfassade des Palais (vgl. Abb. 188, S. 269).

Ab dem Jahr 1754 sind rechteckig gestaltete Vorplätze beidseits des Palais nachweisbar, die möglicherweise als Spielplätze gedacht waren, ähnlich dem Garten des Palais Moszinska in Dresden. Es könnte sich dabei um Flächen gehandelt haben, die mit Schaukeln ausgestattet waren, um den Nutzern eine Möglichkeit zur Erholung und Unterhaltung zu bieten.45

Die erwähnte Mittelachse des Mittelparterres vom Palais bis zum Neptunbrunnen bildet bis heute eine der zentralen Achsen des Gartens und war in einer Abfolge von zwei etwa gleichgroßen Bereichen mit unterschiedlicher Raumwirkung un- terteilt. Deren Gestaltung griff typische Elemente der barocken Gartengestal- tung auf, wie dem Vorrang der Natur vor der Kunst, deutlich erkennbar etwa in den begrünten Pavillons. Als prägendes Stilmittel wurde des Weiteren eine Drei-

42 GURLITT 1903, S. 575 F. 43 GURLITT 1903, S. 578. 44 Der Festsaal des Palais (heute Mittelbau Haus A) ist der einzige bis heute erhaltene Barocksaal Dresdens aus der Brühlschen Zeit. 45 BECHTER 1007, S. 17

16 4 Historische Entwicklung 4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

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fach-Abstufung von Licht und Schatten genutzt. Im nördlichen Bereich, dem Wasserparterre, erlaubte eine tendenziell niedrige Gartengestaltung viel Lichtein- fall u. a. um das Palais in seiner Wirkung zu betonen. Im Übergangsbereich bo- ten zahlreiche Laubengänge Halbschatten und die Boskettzone mit Hochwald im südlichen Abschnitt sorgte für kühlenden Schatten. Diese Form der Lichtregulie- rung unterstrich die szenische Gestaltungsabfolge, welche typisch für barocke Parkanlagen ist.

Ein weiteres gestalterisches Ziel war, den Garten größer erscheinen zu lassen, als er in Wirklichkeit war. Dies wurde durch Boskettzonen und Hecken erreicht, wel- che die Sicht unterbrachen und so größere Dimensionen vermuten ließen. Auch die Proportionslehre wurde angewendet: Das Parterre wurde um ein Drittel bzw. bis teilweise um die Hälfte länger als breit angelegt, was u. a. die Zierbeete lang- gestreckter und damit angenehmer für das Auge erscheinen ließ. Die Zonierung des Gartens folgte einer klaren Hierarchie: Die prächtigsten Beete befanden sich in unmittelbarer Nähe zum Palais und luden mit ihrer flachen Parterre-Zone eher zum Promenieren ein. Es schlossen sich halb-schattige Bereiche an, welche zum intimen Verweilen einluden und Räume mit z. B. Sitznischen für private Ge- spräche boten. Das durch den monumentalen Neptunbrunnen gebildete südli- che Ende der Mittelachse erinnert an den ersten Musterplan aus „La Théorie et la Pratique du Jardinage“ von Antoine Joseph Dezallier d'Argenville von 1709. Ebenso zitiert die Anordnung der Hochwaldzone im Süden mit diagonalen Ach- sen diesen Musterplan (vgl. Karte 3, S. 427). Die Begrenzung des Parterres erfolg- te durch Lindenalleen, die das Parterre symmetrisch im Osten und Westen flan- kierten.

Die Hauptachse wurde von vier größeren Wegen gekreuzt, welche an den Bos- kettdurchbrüchen mit beidseitigem Skulpturenschmuck akzentuiert wurden. Diese Querwege und die umgebenden Boskettflächen schufen sowohl visuelle als auch funktionale Verbindungen innerhalb des Gartens. Sie waren auffallend breit angelegt und erstreckten sich über die gesamte Breitenausdehnung des Gartens. Jene Querverbindung in Verlängerung der heutigen Seminarstraße war besonders breit ausgeführt.

Die Rasenparterre waren in schwungvollen Formen angelegt, die großzügig und edel wirkten. Die Unterteilung innerhalb dieser Parterres erfolgte durch niedrige Hecken in Volutenform als Doppelkontur, die häufig als Buchsschnitthecken („haies de buis“) ausgeführt waren. Das Parterre war als "Parterre à l'Anglaise"46

46 Weitere Informationen zu Parterregestaltungsformen vgl. S. 464.

4 Historische Entwicklung 17 4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

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gestaltet, um die gewünschte repräsentative Gesamtwirkung zu erzeugen (vgl. Karte 4, S. 427).

Ein auffälliges Element der Gestaltung ab 1746 war die Verlagerung der Spielbe- reiche in den zentralen Bereich des Gartens, ähnlich wie in Pillnitz. Spiel- und Schießeinrichtungen wurden nicht mehr in die Randbereiche des Gartens ver- legt, wie etwa in Nymphenburg, sondern in den Hauptbereich integriert (vgl. Karte 4, S. 427). Der Park diente damit vorrangig dem Ziel der Unterhaltung, dem Spiel und Spaß, was im Sächsischen Rokoko nicht selten u. a. für Veranstaltun- gen wie das Nachtschießen genutzt wurde. Bei der Gestaltung der Spielberei- che wurde nicht an Symbolik gespart. So wurden u. a. ikonografische und geo- metrische Formen auf den Schießscheiben abgebildet, um Elemente wie den Tierkreis, die Tugenden und Emblemata darzustellen. Eingebettet war der Schießstand in ein Wasserparterre („miroirs d’eau“), welches das Element Wasser als Sinnbild des Lebens aufgriff. Um 1746 war es von Nadelgehölzen umgeben, worin zahlreiche eckige Sitznischen eingelassen waren. An den Ecken des Par- terres befanden sich halbrunde Sitznischen. Die Wasserbecken wurden weniger als Spiegel für die Palaisfassade, sondern mit ihren zahlreichen Fontänen viel- mehr zur Reflexion des Lichtes und Erhellung des Parterres genutzt.

Krubsacius beschreibt in seinem Artikel „Wasserstück“ den Grundaufbau derartiger Anlagen:

„[…] aus lauter kleinen eingefaßten und wohl geschweiften in einander geschlungenen, und mit Rasen, Buchsbaum und ausgestreutem Sande verzierten Bächelchen und Springwassern besteht, die man als Luststücke in die großen Freyplätze“ [legt].47 Diese Gestaltungselemente verdeutlichten die hohe Bedeutung der Wasserspie- le in der Gartenkunst des Barock, wofür keine Kosten und Mühen gescheut wur- den. Die Wasserversorgung des Gartens wurde mit technischen Raffinessen über ein 1746 errichtetes Wasserhaus in Löbtau sichergestellt, welches die technische Grundlage für den Betrieb der zahlreichen Wasseranlagen bildete.48 Die größe- ren Kompartimente des Mittelparterres wurden durch zwei Bassins, jedes mit ei- nem Springstrahl, geziert. Entlang der Mittelachse verliefen schmale Wasserbe- cken, die mit jeweils einer Reihe aus 12 kleineren Fontänen geschmückt waren. Diese Wasserbecken wurden ähnlich denen im Barockgarten Großsedlitz (Sach- sen) angelegt. Im Bereich der Laubengänge und Cabinette befanden sich de- korative Elemente wie Fresco-Malereien von Torelli und Palco und Skulpturen in den Heckenwänden, die typisch für die barocke Gartenkunst waren. Die He-

47 KRUBSACIUS 1760, SP. 1641. 48 HSTA DD: 10026 GEHEIMES KABINETT, LOC. 1402, BRIEF NR. 46, 17.07.1748.

18 4 Historische Entwicklung 4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

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cken, meist aus Buchen (Fagus sylvatica), bildeten nicht nur eine grüne Kulisse und Hintergrund für die Kunstausstattung, sondern auch eine visuelle Abgren- zung, die den Garten noch geheimnisvoller und größer erscheinen ließen. Die Beurteilung des Gartens aus der Sicht eines Besuchers wird durch die Worte ei- nes Zeitzeugens eindrucksvoll untermauert:

„Bei dem Austritt aus dem Palais in den Garten, ist ein sehr großes, mit Statuen und Arkaden von schönen Hecken umgebenes Parterre, von welchem nach allen Sei- ten schattenreiche Alleen von Linden öffnen. Überall findet das Auge eine ange- nehme Mannigfaltigkeit.“49 Die heutige Prunkvase (vgl. S. 91), die sich nördlich des Rondells befindet, war ur- sprünglich in einer Nische einer Heckenwand, die das Parterre umschloss, ge- plant. In der Heckenwand waren zudem Sitzbänke aus Stein ohne Rückenlehne aufgestellt, die 1754 in Heckennischen platziert wurden (vgl. Abb. 227, S. 307).50 Im Süden des nördlichen Parterreabschnitts fanden sich die erwähnten begrün- ten Pavillons, die jeweils von zwei Statuen flankiert wurden und zum dichter be- grünten Boskett im Süden überleiteten.51 Im südlichen Bereich führten zwei Wege parallel zur Mittelachse zu einem ovalen und einem rechteckigen Parterre, die durch diagonale Wege ergänzt wurden (vgl. Abb. 228, S. 307).

Bereits um 1740 war die Orangerie im Osten der Gartenanlage kartographisch erfasst und nahm eine entscheidende Bedeutung für die Gestaltung des südlichen Areals ein (vgl. Karte 3, S. 427).52 Sie bildete zusammen mit dem unmittelbar südlich vorgelagerten Orangerieparterre ein repräsentatives Ensemble, das sich deutlich an französischen Vorbildern, insbesondere dem „Parterre du Midi“ des Schlosses von Versailles um 1690, orientierte.

Das Parterre war durch symmetrisch angelegte Rasenspiegel mit Wasserbecken gegliedert. Die Rasenkompartimente wirkten dabei als beruhigendes Gestaltungselement im Kontrast zur Vielzahl exotischer Kübelpflanzen. Diese waren U-förmig in vier Reihen aufgestellt – in Anlehnung an die versaillessche Vorlage –, wobei zwischen den einzelnen Pflanzen ausreichend Abstand eingehalten wurde, um gegenseitige Verschattung zu vermeiden. Insgesamt wurden etwa 230 Kübel gezählt. Die Kübel selbst waren blau-weiß gestrichen, was ihre dekorative Wirkung zusätzlich unterstrich.53 Ein Inventareintrag aus dem Jahr 1773 belegt eindrucksvoll den Umfang der Sammlung exotischer Pflanzen: Es wurden unter anderem 26 bittere Orangen, 12 Pomeranzen, drei Pflanzen der Sorte „Orange folie crusiatis“ sowie eine „Orange Türkine“ genannt. Insgesamt

49 DASSDORF 1782, S. 698 F. 50 HSTA DD: 10026 GEHEIMES KABINETT, LOC. 14, 02/04,JULIUND AUGUST 1754. 51 HStA: 10047 Amt Dresden Nr. 1773. 52 Auf einer Schrägbildaufnahme von 1852 ist die Orangerie nicht erfasst Abb. 186, S. 267 53 HSTA DD: 10026 GEHEIMES KABINETT, LEC. 1402/11, FOL. 65, NOVEMBER 1756.

4 Historische Entwicklung 19 4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

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verzeichnete das Inventar 42 Orangenbäume in unterschiedlich großen Pflanzgefäßen.54

Ein gestuftes Bodenniveau, bei dem das zentrale Parterre um etwa drei Stufen abgesenkt war, verlieh der Anlage eine besondere Raumwirkung. Die innere Reihe der Kübelpflanzen war vermutlich durch eine niedrige Stützmauer erhöht, um die exotischen Pflanzen in Szene zu setzen. Die Struktur des Parterres folgte dem typischen Kompositionsprinzip André Le Nôtres und bestand aus sechs klar gegliederten Kompartimenten mit einer betont breiten Mittelachse. In den beiden mittleren, größeren Kompartimenten befand sich jeweils ein ovales Wasserbecken mit zentraler Fontäne. Diese Wasserelemente dienten nicht nur der optischen Aufwertung, sondern vermutlich auch der praktischen Versorgung der Kübelpflanzen mit Feuchtigkeit.

Am südlichen Ende der Hauptachse schloss sich ein sogenannter „Point de vue“ an, bei dem es sich mutmaßlich um eine Skulptur oder Statue handelte, die den Blickfang der Hauptsichtachse im Orangerieparterre bildete. Östlich des „Point de vues“ befand sich ein Kegelspiel.55

Der seitliche Abschluss des Areals wurde durch Baumstreifen als Boskett gebildet, die das Ensemble rahmten. In der Mitte dieses südlichen Bosketts befand sich ein großes quadratisches Wasserbecken mit zentraler Fontäne, das die Hauptachse durchbrach. Umgeben war das Wasserbecken von einer Baumreihe – möglicherweise ebenfalls in Kübeln –, wodurch die streng axiale Wirkung verstärkt wurde. Das Boskett war außerdem von vier Pavillons umgeben, die um 1754 errichtet wurden. Diese waren mit einem grünem Ölfirnis gestrichen.56

Zwischen den Pavillons befanden sich Sitznischen mit Bänken sowie vier Querwege, die das Boskett zusätzlich erschlossen. Die Gestaltung lässt erkennen, dass das Orangerieparterre vorrangig repräsentativen Zwecken diente. Es gibt Hinweise darauf, dass die Orangerie zumindest temporär als Festsaal genutzt wurde.57

Besondere Bedeutung kam den Skulpturen zu, die auf der Südseite des Parterres platziert waren. Hier standen vier Kollossalfiguren – Venus, Adonis, Meleager und Atalanta – auf Sockeln mit rückseitigen Hecken.58 Diese Hecken erfüllten nicht nur eine gestalterische, sondern auch eine funktionale Aufgabe: Die Skulpturen waren rückseitig weniger aufwendig gearbeitet, da sie von den Hecken visuell

54 HStA: 10047 Amt Dresden Nr. 1773. 55 DRESDNER ANZEIGER AUSGABE 196, 1926, S. 5. 56 HSTA DD: 10026 GEHEIMES KABINETT, LOC. 14, 02/04, 04.03.1754. 57 HSTA DD: 10026 GEHEIMES KABINETT, LOC. 14, 02/04, 04.03.1754. 58 FIEDLER 1899, S. 46.

20 4 Historische Entwicklung 4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

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abgeschlossen wurden. Heute befinden sich diese Skulpturen im Großen Garten in Dresden.59

Mit einem großen Einweihungsfest im Jahr 1746 rückte der Brühlsche Garten weiter ins Zentrum der höfischen Kultur und Gesellschaft.60 Des Weiteren übernahm Brühl viele Empfänge des Hofs, hochrangiger Besucher und ausländischer Staatsgäste, weil der sächsische Kurfürst Friedrich August II61 derartigen Lustbarkeiten wenig abgewann.62 Folgende Beschreibung veranschaulicht den ursprünglich streng französisch-barocken Gestaltungsansatz mit Heckenarchitektur, Wasserspielen, Staffagebauten und plastischem Schmuck.

„Man erblickt gleich aus dem Hauptsaale des Hauses, wenn man über das Parterre, welches eine Allee umschließt, hinaussiehet, die sehr große und prächtige Kaskade [Neptunbrunnen]. Ohne Zweifel ist die in Deutschland eine der schönsten, von dem berühmten Martielli in ansehnlicher Größe, und im vortrefflichen Stile genauen. […] Die übrigen Theile vom Garten waren ehedem in französischem Geschmack angeleget, und bestunden aus bedeckten Gängen, schattigen hohen Buchenhecken, und vielen schönen Pavillons von Nagelwerk, mit einer Menge großer Springbrunnen, kleiner Wasserstrahlen, und schönen Lindenstücken. Desgleichen war das Parterre angenehm, mit einem Einschluß von Portiken umgeben; zu geschweige der schön gemalten Prospekte, Statüen und Vasen.“63 Doch auch nach der vermeintlichen Fertigstellung des Lustgartens folgten zahlreiche Umgestaltungen.64

Die umfangreichen Entwürfe von Friedrich August Krubsacius65 (1718-1789), dem Nachfolger Knöffels, wurden jedoch nur teilweise umgesetzt, weil sich Brühl aufgrund des Siebenjährigen Kriegs (1756-1763) in Polen befand.66Dieser Krieg brachte eine Vernachlässigung und Beschädigung der Anlage mit sich, u. a. weil Bleirohre der vielen Wasseranlagen zum Gießen von Munition verwendet wurden.67

Ab 1756 war das Brühlsche Anwesen der „preußischen Einquartierung“ unterstellt, was ebenfalls zu einer Unterbrechung der Arbeiten am Palais und der Gartenanlage führte.68 Erst nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges begannen umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten, die unter der Leitung von

59 DRESDNER ANZEIGER AUSGABE 196, 1926, S. 5. 60 KNÖEL1999, S. 13. 61 Weitere Informationen zu FRIEDRICH AUGUST II vgl. S. 461. 62 BECHTER 2007, S. 4. 63 HASCHE 1781, S. 589. 64 FISCHER 1884, S. 12. 65 Weitere Informationen zu KRUBSACIUS vgl. S. 461. 66 KNÖFEL 1999, S. 17. 67 FIEDLER 1899, S. 44. 68 HSTA DD: 10026 GEHEIMES KABINETT, LEC. 1402/07, NOVEMBER 1756.

4 Historische Entwicklung 21 4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

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Krubsacius durchgeführt wurden. Dazu zählten insbesondere Reparaturen an den Pavillons im Hauptparterre.69 Die letzte größere Nutzung des Gartens unter Brühl fand 1763 statt, als er zum Anlass des Polnischen Weißen Adler-Schießens erneut als repräsentative Kulisse diente.70

Nach Brühls Tod im Jahr 1763 entstanden langwierige juristische Auseinandersetzungen über die Besitzverhältnisse der Gartenanlage, die bis 1772 anhielten. Entgegen der allgemeinen Erwartungen wurde jedoch im Jahr 1766 kein Prozess gegen Brühl eingeleitet, da sämtliche Ausgaben des Grafen mit Aufträgen und Unterschriften des Königs belegt werden konnten. Brühl hatte erhebliche Schenkungen von Friedrich August erhalten und war durch den König dazu ermutigt worden, das sächsische Königshaus mit seinen Besitzungen zu repräsentieren. Daher hob Prinz Xaver im Jahr 1768 die geplante Beschlagnahme von Brühls Besitzungen auf und übergab diese an dessen Erben.71 Demnach verblieb der Brühlsche Garten weiterhin in Familienbesitz, begann jedoch zunehmend zu verfallen.72 Bis zum Jahr 1774 waren nur sporadische Reparaturen vorgenommen worden, insbesondere am Lattenwerk und den Alleewegen, die mit Kies ausgebessert wurden.73 Zusätzlich setzte der Winter 1772 den Gewächsen erheblich zu. „Der größte Teil der Orangerie und viele exotische Ziersträucher und Gewächse waren außerdem durch einen starken Frost im Winter des Jahres 1772 fast vollständig vernichtet.“74 Das betraf u. a. die zahlreichen Buchenhecke, welche jedoch durch den späteren Besitzer Marcolini wiederhergestellt wurden.75

Parallel dazu wurden die wertvollen Kunstwerke der Anlage, darunter italienische Statuen und Vasen, aus dem Brühlschen Garten entfernt. Viele dieser Objekte fanden ihren Weg in andere Parkanlagen der Region, darunter die Bürgerwiese, der Albertplatz, der Große Garten und der Schlossgarten Pillnitz, oder gelangten in Privatbesitz.

Was zeugt bis heute von dieser Zeitschicht 1736 bis 1773 (Phase 1)?

• Nördliche Begrenzung des Parks durch geschlossene Architekturfassade

• Barockes Grundraster mit Alleen: westliche Allee dreireihig mit überwiegend jüngeren Bäumen, teilweise Altgehölzen; östliche Allee einreihig

• Neptunbrunnen

• Reliefplatte am Delphinbrunnen (vermutlich aus ehem. Orangerie) 69 HSTA DRESDEN: 10047 AMT DRESDEN, NR. 3389, FOL. 18, 6.08.1763. 70 BECHTER 2007, S. 36. 71 BECHTER 2007, S. 36. 72 FISCHER 1884, S. 12. 73 BECHTER 2007, S. 38. 74 FIEDLER 1899, S. 46. 75 DASSSORF 1782, S. 698.

22 4 Historische Entwicklung 4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

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• Hauptachse vom Palais zum Neptunbrunnen (abgesehen von Unterbre- chung durch Haus N)

• Torpfosten von Knöffler vor dem Ehrenhof mit Trophäenschmuck

• Gebäude der ehemaligen Orangerie

• Prunkvase (Kopie) auf der Mittelachse (Original in Eingangshalle Haus A-Mit- te)

• Möglicher Weise Winzerbrunnen (vermutlich von Knöffel, Belege existieren bis- her jedoch nicht)

4 Historische Entwicklung 23 4.3 Der Brühlsche Rokokogarten von 1736 bis 1773

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4.4 Der Marcolini-Garten von 1774 bis 1845

Im Jahr 1774 wurde das Palais des Grafen Heinrich von Brühl an den Oberkammersekretär Johann David Müller verkauft. Zwei Jahre später erwarb dieser auch den Gartenanteil. 1780 gelangte das Anwesen schließlich in den Besitz von Graf Camillo Marcolini76 (1739–1814), Direktor der Meißner Porzellanmanufaktur und enger Vertrauter von König Friedrich August III.77 Marcolini nutzte das Grundstück ab 1778 als Sommerresidenz und ließ Garten in seiner ursprünglichen Ausdehnung wiederherstellen.

Der Garten gelangte zu seiner zweiten Blüte und war Ort zahlreicher Feste und kultureller Veranstaltungen.78Auf einem Plan von um 1800-1815 sind die von Brühl angelegten Grundstrukturen noch ablesbar (vgl. Karte 7, S. 431). Marcolini ergänzte wertvolle Gehölze und gestaltete „Quartiere mit schönen Strauchwerk und fremden Holz-Gattungen“.79 Er versuchte so die einstige Strahlkraft des Gartens wiederherzustellen, was jedoch nur in Teilen gelang: „Was nach dem Kriege Marcolini am Friedrichstädter Palais und seinen Nebengebäuden ändern ließ, war mehr oder weniger Notbehelf ohne schöpferische Idee. Welch anderes Bild bietet dagegen die frühere Zeit des Gartens.“80

Um 1780/90 wurde der Garten unter Marcolinis teilweise in einen klassizistischen Landschaftsgarten umgewandelt. Die bis dahin dominierenden barocken Formen wurden zugunsten einer landschaftlichen Gestaltung nach englischem Vorbild aufgegeben. Charakteristische Elemente dieser Umgestaltung waren geschwungene Wegeführungen, malerisch gruppierte Gehölze sowie kleinere architektonische Staffagen, darunter Pavillons, Brunnen und Skulpturen. Erste landschaftliche Eingriffe zeigen sich insbesondere im Nordosten des Gartengrundstücks, wo geschwungene Wege die strenge Symmetrie der Rokoko- und Barockgestaltung aufbrachen (vgl. Karte 7, S. 431).81

Die von Brühl übernommene, klar gegliederte Raumfolge innerhalb des Gartens hatte weiterhin Bestand: Vom Ehrenhof ausgehend folgte südlich das Palais, daran anschließend ein symmetrisches Parterre mit Mittelachse bis zum Neptunbrunnen. Östlich schloss sich das Orangerieparterre an. Allerdings floss am Neptunbrunnen bereits ab 1817 kein Wasser mehr und er verfiel in der Folgezeit zusehends.82 Das Orangerieparterre verlor um 1800 sein großflächiges

76 Weitere Informationen zu MARCOLINI vgl. S. 459. 77 Weitere Informationen zu FRIEDRICH AUGUST III vgl. S. 459. ; BECHTER 2007, S. 40F 78 FIEDLER 1899, S. 49. 79 DASSDORF 1782, S. 699. 80 HENTSCHEL, VERFASSER 1973, S. 1245. 81 FIEDLER 1913, S. 49. 82 KNÖFEL 1999, S. 36.

24 4 Historische Entwicklung 4.4 Der Marcolini-Garten von 1774 bis 1845

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Wasserbecken, während die vier flankierenden Pavillonbauten vermutlich noch erhalten waren (vgl. Karte 7, S. 431).

Karte 1: Als Intendant der königlichen Kunstsammlungen integrierte Marcolini gezielt hochwertige künstlerische Elemente in die Gartengestaltung. Antikisierende Skulpturen wurden aufgestellt, unter anderem Werke von Wiskottschill und anderen zeitgenössischen Künstlern. Die Skulpturenausstattung umfasste Figuren wie Themistokles, Tomyris, Mucius Scävola, Talestris und Alkibiades.83 Weitere nachgewiesene Kunstobjekte – darunter Omphale und Hercules von Lorenzo Mattielli – wurden später in andere Gärten versetzt, so z. B. in den Heilpflanzengarten des Hygienemuseums. Die Figurengruppen Merkur und Minerva sowie Mars und Venus wurden im 21. Jahrhundert in den Blüherpark überführt.84 Hochwertige Wegematerialien, wie die großformatigen Sandsteinplatten auf der Mittelachse, lassen sich ab 1836 nachweisen (vgl. Abb. 230, S. 309). Diese waren auf dem mittleren von drei parallelen Wegen verlegt, welche durch Rasenstreifen voneinander getrennt waren. Eine Karte von um 1830-1835 lässt vermuten, dass derartige Wegebefestigungen auf mehreren Hauptwegen bestanden (Mittelachse des Mittelparterres, Querachse nördlich des heutigen Rosengartens, u-förmig um den südlichen Teil von Haus A und östlich des Orangerieparterres (vgl. Karte 11, S. 435)). Karte 2: Parallel zu den Umgestaltungen in der Gartenanlage fanden tiefgreifende bauliche Veränderungen am Palais und seinen Nebengebäuden statt. Entwürfe von Johann Daniel Schade85 und Johann Gottfried Kuntsch86 dienten als Grundlage für eine Vereinheitlichung der Straßenfront an der Friedrichstraße im klassizistischen Stil.87 Das Hauptgebäude wurde mit den Seitenflügeln verbunden, was dem Gesamtensemble eine klarere architektonische Fassung verlieh. Die Aufwertung der Friedrichstadt als vornehmes Wohnviertel am westlichen Rand Dresdens wurde so maßgeblich gefördert. Während der Befreiungskriege (1813–1815) erlitt das Anwesen erneut erhebliche Schäden. Nach der Kapitulation Sachsens floh Marcolini 1813 nach Prag, wo er ein Jahr später verstarb.88 In dieser Phase wurde das Palais von französischen Truppen unter Napoleon als Hauptquartier genutzt, wodurch es eine bedeutende Rolle in den kriegerischen Ereignissen der Zeit einnahm.89

Nach Marcolinis Tod ging das Anwesen in den Besitz von Graf Peter Paul Marcolini (1785–1863) über. Die nachfolgenden Jahre waren von zunehmendem Verfall geprägt. Zwei Stadtpläne von 1827 (vgl. Karte 9, S. 433) und 1832 (vgl. Karte 10, S. 433) dokumentieren den Zustand des Gartens vor dem weiteren Verkauf. 1835 erwarb der Dresdner Stadtrat Werner das Anwesen für 32.000 Taler. Er verkaufte das Inventar für ein Vielfaches des Kaufpreises und

83 DRESDNER ANZEIGER AUSGABE 196, 1926, S. 5. 84 Weitere Informationen zum Skulpturenpr0ogramm unter Marcolini vgl. S. 467.; BECHTER 2007, S. 23. 85 Weitere Informationen zu Johann Daniel SCHADE vgl. S. 461. 86 Weitere Informationen zu Johann Gottfried Kuntsch vgl. S. 461. 87 FISCHER 1884, S. 12. 88 FISCHER 1884, S. 12. 89 WEITERFÜHRENDE INFORMATIONENIN: KUNZE, E. 1999.

4 Historische Entwicklung 25 4.4 Der Marcolini-Garten von 1774 bis 1845

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veräußerte Teile des Gartengrundstücks an die Stadt Dresden, die dort 1840 eine städtische Bezirksschule errichtete.90

In der Zeit zwischen 1835 und 1845 wurde das Palais zwischenzeitlich zu Wohnzwecken umgebaut, auch in der Orangerie entstanden Wohnungen. Die gärtnerische Nutzung wandelte sich deutlich: Obst- und Gemüseanbau gewannen an Bedeutung, die repräsentative Funktion des Gartens trat zunehmend in den Hintergrund. 1843 wurden weitere bauliche Änderungen vorgenommen, darunter ein kleiner Turm auf dem Dach des Palais sowie ein Wandelgang an der Hofseite und den Seitenflügeln. Auch der Haupteingang erhielt eine Überdachung. Im Jahr 1843 wurde ein Teil des Gartens im Südosten, inklusive einiger Gebäude (heutiger Standort von Haus P), an den Kunstgärtner Schwarz verkauft. Dieser veräußerte das Grundstück 1865 an das Königreich Sachsen, das dort die Königliche Frauenklinik errichtete. Den verbliebenen Teil des Palais-Grundstücks verkaufte Werner 1845 für 68.000 Taler an die Stadt Dresden. Zu diesem Zeitpunkt war die Friedrichstadt noch peripher gelegen, jedoch bereits von dichter werdender Bebauung geprägt. Das Palais- Grundstück stellte in diesem Umfeld eine verbliebene Freifläche dar und wurde zunehmend als potenzieller Standort für ein neues städtisches Krankenhaus interessant.91

Im Ehrenhof wurde an der Hauptfassade das Wappen von Camillo Graf Marcolini und seiner Ehefrau Maria Anna, geborene Gräfin O’Kelly, eingelassen.92 Einen markanten Auftakt zum Hofraum bildeten zwei männliche Hermenfiguren vor den bis heute erhaltenen, monumentalen Torpfeilern mit Darstellungen von Kriegsgeräten. Die sandsteinernen Hermen stammen von Thaddäus Ignaz Wiskotschill und bestehen aus einer Kombination aus halb faunistischem Wesen mit chinesischer Mimik. In erhobenen Armen trugen sie je eine Vase auf ihrem Kopf, die allegorisch auf Marcolinis enge Verbindung zur Meißner Porzellanmanufaktur verweisen. Die Vasen wurden um die Jahrhundertwende durch elektrische Leuchten93 ersetzt und standen bis in die 1930er Jahre am Ehrenhof (vgl. Abb. 209, S. 287).94

Seitlich des Ehrenhofs befinden sich bis heute vier Löwenskulpturen aus Sandstein von etwa 70cm Höhe, die von Johann Baptista Dorsch95 und dessen Schüler Anton Demmler gefertigt wurden. Je ein Löwe ruht mit seiner Vordertatze auf einem Sandsteinpoller. Diese Poller sind Teil einer Reihe von Prellsteinen, die

90 DRESDNER STADTANZEIGER, 19.05.1878. 91 KUNZE P. 1996, S. 25. 92 GURLITT 1903, S. 575. 93 Die These der elektischen Leuchten konnte mit vorliegender Quellenlage nicht verifiziert werden. 94 GURLITT 1903, S. 576. 95 Weitere Informationen zu DORSCH, vgl. S. 461.

26 4 Historische Entwicklung 4.4 Der Marcolini-Garten von 1774 bis 1845

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DENKMALPFLEGERISCHE ZIELPLANUNG - SKDF MITTELPARK

durch Metallketten verbunden sind. Die Kettenbarriere setzt sich entlang der Fassade fort und betont die leicht aus der Straßenflucht hervorspringende Fassade von Haus A (vgl. Abb. 201, S. 281).

Die kolorierte Federzeichnung von 1774 (vgl. Abb. 191, S. 271) bietet ein detailreiches Bild des Ehrenhofs und seiner tatsächlich ausgeführten Fassung. Die Nordfassade des Palais zeigt ein langgestrecktes Fenster mit seitlichen Pilastern. Der glockenförmige Abschluss der Kapellenlaterne sowie das Mansarddach unterstreichen die architektonische Gliederung. Das mittlere, zweiflügelige Hoftor weist einen konkav geschwungenen oberen Abschluss auf, was der Mittelachse zusätzliche Betonung verleiht. Die angrenzende Mauer besaß zwei zusätzliche Seitentüren. Das Palais war zu jener Zeit ein zweigeschossiger Bau mit ausgebautem Dachgeschoss. Die später erfolgte Aufstockung ist den ebenfalls den Architekten Johann Daniel Schade und Johann Gottfried Kuntzsch zuzuschreiben. Der Innenhof erschien in dieser Phase noch großzügiger als heute, weil die später hinzugefügten Flurräume zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestanden (vgl. Abb. 189, S. 269 und Abb. 192, S. 273). Vegetation ist auf der Darstellung von 1774 nicht vorhanden, was auf eine weitgehend befestigte und funktional genutzte Hofsituation schließen lässt. Die bis mindestens 1782 bestehenden rundkronigen Laubbäume, welche südlich der heutigen Friedrichstraße als Reihe aufgestellt waren, wurden vermutlich im Zuge der erwähnten Umbaumaßnahmen entfernt (vgl. Abb. 184, S. 265). Zudem lassen sich großformatige Steinplatten im Bereich der Gehwege erkennen, was Rückschlüsse auf die damalige Wegebefestigung erlaubt (vgl. Abb. 230, S. 309).

Die sich heute an der Südfassade der Bibliothek (Haus A-West) befindlichen weiblichen Hermen (Kopien, Verbleib der Originale bisher ungeklärt) waren zu Zeiten Marcolinis vermutlich an der Straßenfront aufgestellt (an den heute noch bestehenden Torpfosten standen männliche Hermen mit Vasen).96 Zwischenzeitlich von fassadenbegleitenden Baumreihen geprägt (vgl. Karte 9, S. 433), wurden die seitlichen Höfe um 1830-1835 mit runden Rasenflächen versehen, in deren Zentrum sich Strauchpflanzungen befanden. Herantreten konnte man an die zentralen Sträucher über kreuzartig angelegte Wege innerhalb des Rasenrondells (vgl. Karte 11, S. 435).

Die grundlegende Struktur des Mittelparterres blieb zu Marcolinis Zeit hinweg erhalten, jedoch kam es zu einer schrittweisen Vereinfachung der Anlage. Einzelne Kompartimente wurden reduziert oder umgestaltet. Insbesondere die früher vorhandenen Wasserbecken und Spielanlagen wurden im Zuge späterer

96 GURLITT 1903, S. 577.

4 Historische Entwicklung 27 4.4 Der Marcolini-Garten von 1774 bis 1845

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Eingriffe entfernt. Stattdessen wurden zwei halbrunde Wasserbecken südlich der Fassade des Palais gebaut, welche zwischen 1779 und 1815 entstanden (vgl. Karte 7, S. 431). Die Becken existierten vermutlich bis um 1890 ohne die ihnen später hinzugefügten Bauminseln. Ein Teil der ursprünglichen Brühlschen Ausstattung im Mittelparterre, darunter mehrere Statuen, wurde aus dem Garten des Grafen von Brühl übernommen. Skulpturaler Schmuck flankierte u. a. den Weg zwischen Palais und den zwei halbrunden Wasserbecken (vgl. Karte 11, S. 435). Diese Figuren befinden sich heute jedoch nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort. Auch weitere Ausstattungselemente, wie Plastiken und Sitzbänke, wurden im Zuge späterer Umgestaltungen – insbesondere unter der Leitung des Stadtrats Werner – entfernt. Die Karte 11, S. 435, weist kein einziges Sitzmöbel mehr im Mittelparterre aus.

Anstelle der zuvor das Parterre strukturierenden Blumenrabatte entlang der Mittelachse traten, spätestens ab 1812, Baumreihen, vermutlich bestehend aus Fieder- oder Quittenbäumen, welche die zentrale Sichtachse rahmten und zugleich den Charakter des Gartens veränderten (vgl. Karte 8, S. 431).

Die östliche und westliche Allee seitlich des Mittelparterres bildeten spätestens ab um 1790 beidseitig raumbegrenzende Dominanten (vgl. Karte 6, S. 429). Spä- testens zwischen 1800-1815 waren diese jeweils 4-reihig ausgebildet und über- nahmen eine starke räumliche Führung (vgl. Karte 7, S. 431). Das historische Kar- tenmaterial lässt des Weiteren darauf schließen, dass es eine Höhenstaffelung unter den Alleereihen gab. Die äußeren Reihen scheinen höher als die parterre- zugewandten Reihen gewesen zu sein (vgl. Karte 11, S. 435). Bemerkenswert ist, dass die Hauptwege jeweils zwischen der äußersten (4. Reihe) und der 3. Reihe verliefen. Schmalere Parallelwege befanden sich jeweils zwischen der 1. und 2. Baumreihe (vgl. Karte 9, S. 433). Die vierreihigen Alleen endeten auf Höhe des südlichen Querweges (heute nördlich des Rosengartens) und wurden entspre- chend nicht nach Süden weitergeführt.

Zwischen den nördlichen Flächen des Mittel- und Orangerieparterre bestand zu Marcolinis Zeiten keine durchgehende Wegeverbindung, wie diese zur Brühl- schen Zeit existierte (vgl. Karte 3, S. 427 und Karte 7, S. 431). Lediglich weiter süd- lich durchzogen zwei Querwege die gesamte Grundstücksfläche. Es lässt sich daraus schlussfolgern, dass die Parterreflächen jeweils als weitgehend eigen- ständige Gartenräume angesehen wurden.

Karte 1: Das Orangerieparterre blieb auch zu Marcolinis Zeiten von einer markanten Mittelachse geprägt. Im Zentrum stand die Figur des Herkules.97 Weiterhin lässt sich eine

97 KOCH 1909, S. 203F.

28 4 Historische Entwicklung 4.4 Der Marcolini-Garten von 1774 bis 1845

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Zweiteilung des Orangerieparterres erkennen: Im zu Repräsentationszwecken dienen- den Nordteil dominierte eine lichtdurchlässige Gestaltung, während im Süden ein dich- ter bepflanzter Bereich mit Pavillonbauten zum Verweilen einlud (vgl. ab Karte 7, S. 431 bis Karte 15, S. 439). Diese Zweiteilung blieb auch bei späteren Umgestaltungen erhal- ten und über eine Mittelachse standen die zwei Bereiche beständig in Verbindung. Spätestens ab 1781 wurde die Orangerie auch als Festsaal und nicht nur für die Unter- bringung von wärmebedürftigen Pflanzen genutzt.98 Die Bewässerung der zahlreichen Gewächse erfolgte über Brunnen und Wasserleitungen, wie sie auf einer Karte von 1812 vermerkt sind (vgl. Karte 8, S. 431). Um komfortablen Wohnraum zu schaffen, wurde um 1830 u. a. die Orangerie mit zusätzlichen Stockwerken aufgestockt und zu einem massiven Gebäude umge- baut. Nach dem Umbau lebten im Park Persönlichkeiten wie der Bildhauer Prof. Hähnel, Major von der Planitz sowie Sir Henry Porter, ein reicher Engländer, der große Gartenfeste und Illuminationen veranstaltete.99 Angepasst an die Wohn- nutzung in der ehemaligen Orangerie wurde der nördliche Teil des Parterres um 1830 zu einem Wohngarten umgestaltet. Diese Nutzung bestand bis 1854. Die barocke Grundstruktur des Parks wurde dabei weitgehend beibehalten, wäh- rend landschaftlichen Elemente eingebunden wurden. Die Achsensymmetrie wurde weitgehend aufrechterhalten; jedoch nutzte man eine weichere Formen- sprache, in dem Pflanzflächen abgerundete und geschwungene Ränder erhiel- ten (vgl. Karte 11, S. 435). In diese Umgestaltungsphase fällt auch die Aufstellung des Winzerbrunnens, welcher unmittelbar vor den südlichen Haupteingang der ehemaligen Orangerie platziert wurde und bis heute von dieser Zeitschicht zeugt.100 Östlich des Winzerbrunnens befand sich unweit der Orangeriefassade ein zusätzlicher Brunnen. Die Anordnung der Orangeriegewächse erfolgte wei- terhin im Raster und wurde durch halbrunde Sitznischen ergänzt, welche mit Sträuchern abgepflanzt waren. Im südlichen Teil des Parks wurde eine ursprüng- lich geplante Fasanerie nicht gebaut. Vielmehr wurde der Gartenraum durch Sitzgelegenheiten zwischen Nadelgehölzen, umgeben von einem Boskett aus Laubbäumen, geprägt. Im Kontrast zum nördlichen Teil überwog im südlichen Teil eine geradlinige Formensprache, welche lediglich nach Osten hin durch ver- mutlich dem Zeitvertreib dienende Gestaltungen aufgebrochen wurde (vgl. Kar- te 7, S. 431). Am Übergang der beiden Teilbereiche befand sich ab um 1830 ein ovales Bassin (vgl. Karte 11, S. 435).

Insgesamt stellte sich das Orangerieparterre in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun- derts als vielfältiger gestaltet dar, wohingegen das Mittelparterre durch eine sehr

98 HASCHE 1781, S 590. 99 KNÖFEL 1999, S. 21. 100 Eine Beschriftungstafel am Brunnen weist ihm Wiskottschill als Bildhauer zu. Laut Aussage von Frau Hunger schätzen Kunsthistoriker den Brunnen aber als älter ein, sodass er möglicher Weise von Knöfel aus der Brühlschen Zeit stammt und unter Marcolini an den heutigen Ort gesetzt wurde. (Hunger, 10.07.2025)

4 Historische Entwicklung 29 4.4 Der Marcolini-Garten von 1774 bis 1845

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DENKMALPFLEGERISCHE ZIELPLANUNG - SKDF MITTELPARK

klare, geradlinige und großzügige Raumaufteilung bestach. Südlich schloss sich an das Mittelparterre eine weitgehend aus dem Barock übernommene Gestal- tung mit Bosketts und zwei dreistrahligen Wegesystemen (Patte d´oie)101 an, wel- che auf ein ovales und rechteckiges Parterre zuliefen. Von Sitzbänken umgrenzt wurde der Blick des Betrachters auf die Skulpturen im Zentrum der großflächigen Rasenparterres gelenkt (vgl. Karte 11, S. 435). Bis vermutlich 1815 markierten gro- ße Skulpturen den Übergang vom nördlichen zum südlichen Parterre (vgl. Karte 7, S. 431), welche im Zuge der Umgestaltungen um 1830 wegfielen. Ob es sich um die heute noch mittig im Mittelparterre stehenden Skulpturen Themistokles und Tomyris handelte, ist nicht bekannt (vgl. S. 128).102

Die Grünfläche westlich des heutigen Rosengartens wurde im Norden von einer Baumreihe (zeitweise Allee (vgl. Karte 7, S. 431)) begrenzt und war in ihrem Zentrum ohne bzw. mit niedrigen Gehölzen ausgestattet. Bis ins Jahr 1827 wurde ein diagonaler Weg mit einem kleinen Rundplatz samt Skulpturenschmuck im Südwesten der Fläche fortgeführt (vgl. Karte 9, S. 433).

Die heutige Hauptzufahrt war im 19 Jahrhundert von Anbauflächen geprägt und mit einem Pferdestall und einem Brunnen funktionaler gestaltet als die restlichen Gartenbereiche (vgl. Karte 11, S. 435). Die ehemals barocke Gestaltung von um 1740 ging verloren und wurde unter Marcolini nicht mehr aufgegriffen.

Was zeugt bis heute von dieser Zeitschicht 1774 bis 1845 (Phase 2)?

• zwei Wasserbecken (ohne Inseln) inklusive der Maskensteine (zwischen 1779 und 1815)

• Tomyris und Themistokles (ursprünglich an anderem Standort) von Wiskotschill (vgl. S. 463)

• Großformatige Sandsteinplatten auf Mittelachse

• Durchgehende Fassade an der Friedrichstraße

• Vier Löwenplastiken mit Pollern und Eisenkette

• Hermen von Wiskotschill

• Grenze mit Mauer des gesamten Krankenhausgrundstücks (vgl. Abb. 3, S. 13)

• Korridor im Ehrenhof

• Delphinbrunnen im Ehrenhof

• Standort des Winzerbrunnens

(ob der Brunnen selbst älter ist, ließ die Quellenlage bisher offen)

101 „Patte d´oie“ ist frz. für „Gänsefuß“ und beschreibt einen strahlenförmigen Wegeverlauf, wie er sehr typisch für barocke Anlagen ist. 102 DRESDNER ANZEIGER AUSGABE 196, 1926, S. 5.

30 4 Historische Entwicklung 4.4 Der Marcolini-Garten von 1774 bis 1845

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4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

Eine Zeichnung von 1852 (vgl. Abb. 186, S. 267) verdeutlicht aus der Vogelperspektive die städtebauliche Situation der Friedrichstadt. Mit der Dresdner Altstadt stand die Friedrichstadt durch zwei Brücken über die Weißeritz in Verbindung. Westlich der Weißeritz lässt sich deutlich das bis heute erhaltene Straßenraster mit Blockrandbebauung erkennen. Aus der Gebäudeflucht der heutigen Friedrichstraße hebt sich das heutige Gebäude A mit einem Vorsprung heraus und wurde durch eine Reihe schlankkroniger Gehölze (möglicherweise Pappeln (Poppulus)) zusätzlich betont.

Mit dem Ausbau der Eisenbahnstrecke in der Dresdner Friedrichstadt setzte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein erheblicher Bevölkerungszuwachs ein. Die Friedrichstadt entwickelte sich zunehmend zu einem Industrie- und Arbeiterviertel. In diesem Kontext erwarb die Stadt Dresden im Jahr 1845 das Grundstück samt Palais und richtete darin ein Stadtkrankenhaus ein. Im Zuge dessen wurde der Park umgestaltet (vgl. Abb. 186, S. 267). Der Garten wurde funktional neu gegliedert: Das zentral gelegene Mittelparterre mit flankierenden Alleen diente fortan als Krankenhausgarten, während angrenzende Flächen als Pachtland oder für andere städtische Nutzungen reserviert wurden.103

Der Krankenhausgarten wurde in einen westlich gelegenen Männergarten (Mittelparterre bis zur östlichen Lindenallee) und einen östlichen Frauengarten (Flächen inklusive der östlichen Lindenallee und südlich der ehemaligen Orangerie) unterteilt. Bis 1849 wurde der Orangeriebau noch zu Wohnzwecken genutzt, bis er schließlich auch mit Patientenzimmern ausgebaut wurde.104 Im Jahr 1849 fand die Eröffnung des Stadtkrankenhaus statt. Spätestens ab 1851 wurde der Gartenbereich durch sogenannte „Abtheilungsvermachungen“ weiter untergliedert. Diese bestanden aus Staketenzäunen oder dichten Hecken, welche die Nutzungsbereiche (insbesondere den Frauen- und Männergarten) voneinander trennten. Wie zeitgenössische Berichte belegen, wurde der Garten jedoch nicht nur als Erholungsfläche für rekonvaleszente Patienten genutzt, sondern auch von den Angestellten des Krankenhauses. Im südlichen Bereich: „in der schönen Lindenlaube aus Marcolinischer Zeit versammelte der hochgeehrte Chef und Oberarzt an schönen Sommerabenden oftmals seine Assistenten und befreundeten Kollegen.“105 Eine Hausordnung von 1852 regelte die Nutzung des Gartens und der Nebengebäude. Demnach diente der Krankenhausgarten auch als

103 BECHTER 1999, S. 84. 104 In der umgebauten Orangerie wohnt unter anderem von 1847 bis 1849 der Komponist Richard Wagner, der dort Teile seiner romantischen Oper Lohengrin schrieb. Bis heute weist eine Kupfertafel an der ehemaligen Orangerie auf seinen Aufenthalt hin. 105 FIEDLER 1913, S. 71. Eine genaue Verortung der benannten Lindenlaube ließ die Quellenlage nicht zu.

4 Historische Entwicklung 31 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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Trockenplatz. Zusätzlich befanden sich im Garten ein Eishaus, ein Brunnen sowie eine Steinkohlengrube.106

Angesichts wiederkehrender Epidemien, wie Cholera und Blattern wurde in den 1850er Jahren westlich des Bearbeitungsgebiets ein Isolierhaus errichtet. 1866 folgten zwei hölzerne Luftbuden (eine im Mittelparterre südlich des westlichen Wasserbeckens und eine im ehemaligen Orangerieparterre mit Nutzung von Mai bis Oktober) zur Behandlung von Atemwegserkrankungen. Trotz dieser Baumaßnahmen blieb der Garten gestalterisch weitgehend unbeachtet: In einem Schreiben aus dem Jahr 1869 beklagte der Chefarzt Dr. Fiedler gegenüber dem Stadtrat den schlechten Zustand des Gartens. Nur der nördliche Bereich konnte notdürftig instand gehalten werden, während die rückwärtigen und seitlichen Gartenpartien nahezu vollständig verwahrlosten.107

Ab 1870 kam es infolge des steigenden Platzbedarfs des Krankenhauses zu massiven baulichen Eingriffen in die Gartenstruktur. Um mit den rasch wandelnden Bedürfnissen schritthalten zu können entwickelte Theodor Friedrich einen Generalbebauungsplan, welcher im Bearbeitungsgebiet weitgehend Umsetzung fand (vgl. Karte 17, S. 441 und Karte 18, S. 441). Aus Zeitzeugenberichten lässt sich herauslesen, dass der mittlerweile städtische Krankenhauspark stark vernachlässigt wurde:

„Was den Garten, welcher die Zierde unseres Hospitales ist, anlangt, so befindet sich dieser in einem, man kann wohl sagen, desolaten Zustande. Die eben erwähnte Summe reicht kaum hin um den vorderen Teil desselben im Stande zu halten, für den hinteren und für die beiden seitlichen Partien kann so gut wie gar nichts geschehen.“108 Historische Akten verdeutlichen außerdem immer wieder die finanziell schwierige Lage, weshalb man sich bei der Wiederherstellung des Gartens auf das „unumgänglich Nothwendige“ beschränken musste.109 Im Zuge von Umgestaltungen des Mittelparks nach 1870 wurden die Skulpturen Tomyris und Themistokles an ihren heutigen Standort versetzt, in weite Sichtbeziehungen eingebunden (vgl. Abb. 187, S. 267) und in ein deutlich geschwungeneres Wegenetz aus Elb– und Strehlener Kies eingebettet.110 Der von Theodor Friedrich ausgeführte Entwurf griff im Mittelparterre die Mittelachse und die breite südliche Querverbindung zum heutigen Rosengarten auf. Beibehalten wurden außerdem die westliche und östliche Lindenallee und die zwei halbrunden Wasserbecken. Die durchgängige Mittelachse ließ Theodor Friedrich von

106 REGULATIVFÜRDAS STADTKRANKENHAUS 1852, S. 10 FF, IN KNÖFEL 1999, S. 25. 107 Drucksammlung Krankenhäuser 1875, StA, Kapsel A 85. Schreiben von Dr. Fiedler an den Stadtrat, 1869. 108 Drucksammlung Krankenhäuser 1875, StA, Kapsel A 85. 109 STA DD: AKTE 2.1.2, SIG. B, NR. 343, 1887, S. 1. 110 KNÖFEL 1999, S. 24 , 45.

32 4 Historische Entwicklung 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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mehreren Querverbindungswegen kreuzen. Der nördlichste Querweg verband zwei südlich der Wasserbecken gelegene halbrunde Pflanzflächen. Der nördliche Teil der Mittelachse bestand aus drei parallelen Wegen (Zitat der barocken Wegestruktur (vgl. Abb. 230, S. 309)), welche an ein zentrales Rondell anschlossen. Auf diesen Wegen gelangte man zu je einer runden Platzaufweitung mit den noch heute dort befindlichen Skulpturen.111 Flankiert wurde dieses Rondell von geschwungenen Wegeverläufen, welche sich axsialsymmetrisch auf die Mittelachse bezogen und lediglich aufgrund einer Luftbude im Nordwesten keine vollständige Symmetrie ergaben (etwa um 1912 fiel der westliche geschwungene Weg gänzlich weg). Ausführung und Entwurf unterscheiden sich beim zweiten Querweg voneinander: Zu Gunsten einer direkten Wegeverbindung zwischen dem westlichen und dem Orangerieparterre wich man mit einem diagonal verlaufenden Querweg von der Symmetriestrenge ab. Dennoch ist erkennbar, dass der Grundgedanke Theodor Friedrichs weitgehend umgesetzt wurde und die ehemals starke Geste einer großzügigen Freifläche zwischen imposanten Alleebaumvolumen mit zahlreichen geschwungenen Wegen aufgebrochen wurde, ohne sich gänzlich von der Symmetrie loszusagen. Jenes Aufgreifen und Integrieren der ehemals barocken Gestaltung spiegelt sich auch am Gehölzbestand um 1900 wieder. Der Entwurfsplan von 1869 zeigt eine dezent aufgelockerte Anordnung von Sträuchern, welche insbesondere in den Wegezwickeln und zur Betonung des skulpturalen Schmucks platziert wurden (vgl. Karte 17, S. 441). Als Kontrast zu den Laubbaumalleen pflanzte man bevorzugt Nadelgehölze in die Parterrefläche, präsentierte Gehölzraritäten und griff den formalen Charakter und damit die dem Ort innewohnende geschichtliche Tiefe u. a. mit vermutlich zu Kegeln geschnittenen Eiben auf (vgl. Abb. 246, S. 323). Zu den besonders stark inszenierten Raritäten gehörten vier von einem zufriedenen Patienten geschenkte Echte Sumpfzypressen (Taxodium distichum var distichum), welche um 1890 auf je eine Insel in die Wasserbecken gepflanzt wurden. Vermutlich sah man dort für die Vernässung liebenden Gehölze einen idealen Standort, beachtete jedoch nicht den enormen Wuchsvortrieb von Sumpfzypressen112, welcher die zierlichen mit Naturstein gesetzten Inseln bald zu klein werden ließ (vgl. Abb. 190, S. 313).113 Die Folge war ein Verlust der bisher niedrigen Gestaltung südlich des Palais, welcher bis heute mit eingeschränkten Sichtbeziehungen zwischen Palais und dem Park einhergeht. Nicht zuletzt brachte der zunehmende Wurzeldruck immer wieder auftretende

111 Die Skulpturen standen mit ihrem Postament größtenteils ohne Unterpflanzung direkt in der Wassergebundenen Wegedecke. Zeitweise ist eine Unterpflanzung zu vermutenvgl. Abb. 243, S. 319 und Abb. 189, S. 313. 112 Weitere Informationen zur Echten Sumpfzypresse vgl. S. 470. 113 STA DD: AKTE 106, SIG. 2.3.24.

4 Historische Entwicklung 33 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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Dichtheitsprobleme und entsprechend hohen Wasserverlust an den Wasserbecken mit sich.

Ebenfalls am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Bepflanzung entlang der Mittelachse abgewandelt. An die Stelle von partiell mit Sträuchern abgepflanzten Rasenflächen trat eine Allee aus kleinen Fliederbäumen (Syringa) mit halbrund geschnittenen Kronen.114 Im Sommerhalbjahr spannten sich bogenförmige Girlanden aus Weinranken entlang dieser zwei Fliederreihen (vgl. Abb. 234, S. 317). Diese einprägsame Gestaltung zog sich bis in die Mitte des Parterres, wo heutzutage das Wechselflorbeet endet.

Nach dem Tod des langjährigen Oberarztes Walther im Jahr 1871 wurde zunächst eine Marmorbüste, später eine Bronzebüste zu seinem Gedenken aufgestellt, sehr wahrscheinlich am Standort der heutigen Punkvase (vgl. S. 91 und Abb. 243), welche dort bis mindestens 1938 stand und dann umplatziert wurde (vgl. Abb. 274, S. 343).115 Der Standort bildete den Scheitelpunkt für einen groß angelegten Weg in Halbkreisform, welcher an den Seiten des Parterres zum südlichen Querweg anschloss.

Deutliche Veränderungen initiierte Theodor Friedrich südlich des Mittelparterres: Zwischen 1872 und 1878 wurden mit dem Bau von Haus N und sechs angegliederten Pavillonbauten tiefgreifende Veränderungen vorgenommen, welche die barocke Grundstruktur des Gartens stark beeinträchtigten, indem die Mittelachse zum Neptunbrunnen unterbrochen wurde (vgl. Karte 17, S. 441). Vermutlich wurde der nördliche Übergang von Haus N zum Mittelparterre nicht unmittelbar mitgestaltet und verwilderte entsprechend:

„Der bisher von den Kranken der Irrenabteilung benutzte zwischen den 6 Einzelhäuser und dem neuen Haus gelegene Garten ist vollständig verwildert und bedarf, um ihn seiner ursprünglichen Bestimmung zurückzugeben und für die in den Einzelhäusern untergebrachten Kranken verwenden zu können, eine vollständige Erneuerung der Wege, Rasenplätze, Blumen und Strauchwerk.“116 Auf einem Situationsplan von 1899 ist zu erkennen, dass dieser Parkabschnitt einen leicht asymmetrischen Abschluss fand (vgl. Karte 18, S. 441). Es lässt sich daraus schlussfolgern, dass die Gartengestaltung eine untergeordnete Rolle spielte und die Erschließung der Gebäude Vorrang hatte. Dennoch wertschätzte man die historischen Achsen, indem sich hinzukommende Bauwerke an ihnen orientierten und diese aufgriffen (bspw. Haus R).

114 Es handelte sich um eine Allee aus 22 Fliederbäumchen in gegenständiger Aufstellung mit einem Pflanzabstand von ca. 6,70 m i innerhalb der Reihen. 115 Eine Postkarte belegt die Aufstellung des Walther-Denkmals im Mittelpark (vgl. Abb. 192, S. 315). Sehr wahrscheinlich war die Büste am Standort der heutigen Prunkvase aufgestellt. Der Verbleib des Walter-Denkmals ist ungeklärt, ebenso wie die Dauer der Aufstellung. 116 STA SIG. B, AKTE 2.1.2, SIG. B, NR. 343, 09.12.1889, S. 7.

34 4 Historische Entwicklung 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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Eine deutlich stärkere Abkehr von der barocken Symmetrietreue wurde in den restlichen Parkbereichen umgesetzt, indem organische, landschaftliche Formen deutlich überwogen. Durch die asymmetrische Wegeführung war es nun möglich den Garten flexibler an hinzukommende Gebäude anzupassen. Theodor Friedrich griff die Querverbindungswege des Mittelparterres auf und leitete im landschaftlichen Stil von Lenné-Meyer zu symmetrisch angelegten Gebäudevorplätzen über. So wurde u. a. der Hauteingang der ehemaligen Orangerie mit einem halbkreisförmigen Weg angebunden. Die ehemalige Mittelachse des Orangerieparterres wich einer organisch geformten Freifläche mit Gehölzgruppierungen. Beibehalten wurde der Winzerbrunnen unmittelbar vor dem Haupteingang. Auf einer Freifläche östlich des Winzerbrunnens stand eine hölzerne Luftbude für den Frauengarten. Südlich des Brunnens befand sich eine kleine Staffage. Eine Postkarte von 1904 lässt ein Ruineninszenierung mit Säulen vermuten, auf welche ein Laubbaum gepflanzt wurde (vgl. Abb. 5, S. 35). Ein Luftbilder von 1945 zeigen in diesem Bereich einen an den Querweg angebundenen Eingang in einen Hügel und dem sich bis heute darauf befindlichen Götterbaum (Ailanthus altissima). Im Zweiten Weltkrieg war jener der Eingang der Zugang zu einem Bunker, welcher während der Sanierung des Orangerieparterres verfüllt wurde.117

Abb. 5: 1904, Bestandsplan des Abb. 6: 1945, 16. Februar, Winzerbrunnen ehemaligen Orangerieparterres mit südlich davon gelegenem mit Winzerbrunnen und südlich Bunkereingang davon einer Staffage Ausschnitt aus einem Luftbild Ausschnitt aus einer Postkarte vgl. Luftbild 16, S. 389) (vgl. Abb. 187, S. 267)

Weiter südlich im ehemaligen Orangerieparterre zeigt der Situationsplan von 1899 einen Kegelschub, welcher als Alternative zu einem von der Belegschaft

117 HUNGER, 10.07.2025.

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gewünschten Tennisplatz gebaut wurde (vgl. Karte 18, S. 441 und Abb. 187, S. 267).118 Die einheitliche Formensprache eines Landschaftsgartens im gemischten Stil setzte sich auf dem Areal des heutigen Rosengartens fort. Die schwungvollen Wege führten zu zwei bereits 1866 gebauten Holzbaracken, welche bis 1936 Bestand hatten (vgl. Abb. 329, S. 391).

Südlich der heutigen Hauptzufahrt wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Wirtschaftsbereich mit Kesselhaus, Badehaus und Küchengebäude weiter ausgebaut und visuell durch Bauten vom Park angeschirmt. Die zunächst hölzernen Verbindungsgänge, die aus den ursprünglichen Abteilungen hervorgingen wurden später in Stein ausgeführt und unterstrichen die Funktionstrennung innerhalb des Grundstücks. Im Zuge des Baus eines großen Anatomiegebäudes (heute Haus U) im Jahr 1892 wurde der heutige Bereich der Hauptzufahrt ebenfalls mit einer landschaftlichen Formensprache überformt und wies großflächige Rasenflächen auf (vgl. Karte 18, S. 441).Fortwährend veränderten sich durch Zukäufe und Eingliederungen die Grundstücksgrenzen und jeweils angepasst an die neuen Situationen reagierte man mit der Freiflächengestaltung.

1888 wurde das Gelände der Städtischen Bezirksschule in das Krankenhausareal integriert, 1903 folgte die Eingliederung der ehemaligen Königlichen Frauenklinik (heutiges Haus P). In den 1890er Jahren kamen weitere funktionale Bauten hinzu: zwei Wellblechbaracken im südlichen Bereich des heutigen Rosengartens (1891) sowie das Haus M. Weil sich um die Jahrhundertwende ein deutlich zunehmender Bedarf an Klinikgebäuden und medizinischen Ausbildungsstätten abzeichnete, erarbeitete der Stadtbaudirektor Hans Erlwein 1912 ein umfangreiches Um- und Erweiterungsprojekt, welches aufgrund des ersten Weltkrieges jedoch nicht ausgeführt wurde. In den Folgejahren des Zweiten Weltkrieges geriet das Stadtkrankenhaus in erhebliche finanzielle Engpässe. Dennoch konnten Bauten wie die damals größte Hals-Nasen-Ohrenklinik Deutschlands (Haus R) realisiert werden. In die selbe Zeit fällt der Bau der ersten unterirdischen Verbindungsgänge, welche u. a. auch im südlichen Mittelparterre verliefen sowie das 1927 erbaute Haus S mit den Bestandsgebäuden verband. Um 1930 spitzte sich die finanzielle Notlage derart drastisch zu, dass nur mit größten Anstrengungen eine Schließung des Friedrichstädter Krankenhauses abgewandt werden konnte. Wenige Jahre später besserte sich die Finanzlage, sodass erstmals seit 1869 auch größere Parkabschnitte neu gedacht und umfangreich umgestaltet werden konnten. Das Betraf insbesondere den Rosengarten, den Ehrenhof, aber auch das Mittelparterre.

118 STA DD: AKTE 106, SIG. 2.3.24

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Die Funktion des Ehrenhofs als Hauptzugang wurde durchgehend beibehalten. Die oben erwähnte Baumreihe auf der Friedrichstraße existierte spätestens zum Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr (vgl. Abb. 194, S. 275). In Reaktion auf den steigenden Platzbedarf des Krankenhauses wurde das heutige Haus A zu einem dreigeschossigem Gebäude umgebaut und bekam einen u-förmigen Wandelgang, wodurch sich der Ehrenhof verkleinerte (vgl. Abb. 193, S. 273). Der Mittelbau erhielt einen eckigen Laternenabschluss und das mittlere Fenster der Straßenfront wurde zu Gunsten eines Vorbaus mit Kupferdach verkleinert. Darüber befand sich ein Wappenrelief, vermutlich aus der Zeit Marcolinis (vgl. Abb. 198, S. 279).

Das restliche Straßenbild der Friedrichstraße änderte sich kaum bis 1937 (vgl. Abb. 308, S. 373), auch wenn neue Technologien Einzug hielten, wie die Verlegung von vier Straßenbahngeleisen (spätestens 1899 (vgl. Abb. 194, S. 275)) auf der nun gepflasterten Friedrichstraße und die Aufstellung von Gaslaternen (vgl. Abb. 194, S. 275) auf der Nordseite der Friedrichstraße und später zusammen mit Hinweisschildern auch unweit der Sandsteinlöwen (vgl. Abb. 195, S. 275). Das grundlegende Erscheinungsbild inklusive der Pollerreihe mit Sandsteinlöwen blieb erhalten. Ergänzt war die Inszenierung des Haupteinangs mit Fahnenmasten (vgl. Abb. 202, S. 283 und Abb. 197, S. 277).119 Die noble Wirkung wurde durch großformatige Granitplatten ab spätestens 1911 auf beidseitig der Friedrichstraße verlaufenden Fußwegen unterstrichen (vgl. Abb. 197, S. 277).

Der Ehrenhof war bis 1937 als nicht einsehbarer Hof gestaltet, indem er mit einer übermannshohen Mauer zur Straße hin abgegrenzt war. Südlich der Mauer befand sich entlang ihrer vollen Breite ein schmaler Vorbau (gestützt auf zierliche gusseiserne Pfeiler), welcher als Pforte diente. Man gelangte demnach über eine abgewinkelte Wegeführung in den Hof (vgl. Abb. 211, S. 291). Für Fußgänger diente vorrangig die östliche kassettierte Tür, welche zusätzlich ein Vordach mit verzierten Wandhalterungen und einen Briefkasten bot.

Von zwei hohen Torpfeilern begrenzt befand sich mittig eine Kutschenzufahrt („F- bedeckte Unterfahrt für Equipagen“) mit verzierter zweiflügeliger Holztür, welche entsprechend größer als die zwei seitlichen Türen war (vgl. Abb. 195, S. 275). Hineingefahrene Kutschen konnten im vollständig gepflasterten Innenhof120 unter ein ziegelgedecktes Vordach fahren (vgl. Abb. 198, S. 279). Jenes Vordach an

119 Zusätzlich befanden sich schräg gestellte Fahnenmasten auf den straßenseitigen Balkonen (vgl. Abb. 196, S. 277). 120 Es handelte sich um Kleinsteinpflaster im Reihenverband, welches für den Wasserabfluss zum Zentrum des Innenhofes geneigt war (vgl. Abb. 202, S. 283). Die Traufplatten bestanden aus großformatigen, einreihigen Granitplatten. Diese waren durch durch Großpflaster vom Kleinpflaster abgetrennt (vgl. Abb. 211, S. 291). Des Weiteren gab es schlichte Metallgeländer an der Westfassade. (vgl. Abb. 206, S. 285).

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der östlichen Hofseite existierte bis mindestens 1918 und ist ab 1930 nicht mehr nachweisbar (vgl. Abb. 206, S. 285). Über zwei Treppenstufen gelangte man unter dem östlichen Vordach in den Korridor von Haus A (vgl. Abb. 200, S. 281). Ein weiterer Seiteneingang existierte auf der gegenüberliegenden Seite, dort jedoch ohne Vordach. Des Weiteren wurde der Innenhof für die Lagerung von Kohle genutzt.

Ein Grundriss des heutigen Gebäudes A von 1845 belegt, dass der Delphinbrunnen seinen Standort im Ehrenhof bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts fand. Er wurde vor den Vorbau auf der Mittelachse platziert. Offenbar existierte an der östlichen Fassadenseite ein weiterer Brunnen (vgl. Abb. 192, S. 273). Ursprünglich wurde die aus der Brühlschen Zeit stammende Reliefplatte (vermutlich aus der Orangerie)121 des Delphinbrunnens von einer Muschel bekrönt und von Voluten umspielt (bis 1937). Anfang des 20. Jahrhunderts war das Brunnenbecken über mehrere Jahre hinweg vegetabil ausgeschmückt, weil der Brunnen offenbar nicht mehr funktionstüchtig war. Abgesehen von der Reliefplatte wurde der gesamte Brunnen im Zuge der Umgestaltungen von 1937 vollständig neu gesetzt und war anschließend wieder funktionstüchtig (vgl. Abb. 204, S. 283). Anstelle des Muschelornaments erhielt er das Dresdner Stadtwappen oberhalb der deutlich älteren Reliefplatte (vgl. Abb. 219, S. 299).

Die heute wieder hergestellten halbrunden Treppenanlagen am nördlichen Abschluss des Wandelgangs („E-Corridor“) bestanden bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts und waren zwischenzeitlich zurückgebaut (vgl. Abb. 213, S. 293). In den 1920er Jahren zeichneten sich bereits Bauschäden mit bröckelndem Putz und Mauerrissen am Gebäude A ab. Risse in der Laterne des Mittelbaus veranlassten dazu diese mit Metallverstrebungen zu sichern (vgl. Abb. 202, S. 283). Nachdem in den 1930er Jahren wieder finanzielle Mittel zur Verfügung standen, wandelte sich das Erscheinungsbild des Ehrenhofs deutlich, auch wenn seine Funktion als Fußgängerhauptzugang weiterhin bestand hatte. Lediglich die Kutschenzufahrt wurde durch eine Automobilzufahrt im Westen des Grundstücks ersetzt.

1937 war der Mittelbau von Haus A bis zur Laterne hoch für eine Fassdensanierung eingerüstet. Im Ehrenhof selbst fanden Abbrucharbeiten vor allem an der straßenseitigen Mauer inklusive der Pförtnerbauten statt (vgl. Abb. 212, S. 291). Bestehen blieben lediglich zwei hohe Torpfosten mit dem

121 KNÖFEL 1999, S. ABB. 86.

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aufgesetzten figuralen Schmuck. Die ursprünglichen Hermen vor den Torpfeilern wurden entfernt. Vermutlich wurden diese zwei männlichen Hermen zusammen mit einer weiblichen Herme an der Nordfassade der ehemaligen Orangerie aufgestellt (vgl. Abb. 263, S. 335). Ursprünglich bestand die Nordfassade der ehemaligen Orangerie ohne skulpturalen Schmuck (vgl. Abb. 207, S. 287). Möglicher Weise um der Symmetrie Willen wurde eine vierte Herme ergänzt, welche ein deutlich abweichendes Erscheinungsbild mit stark reduzierter Dynamik aufweist und mutmaßlich erst um 1937 geschaffen wurde (vgl. Abb. 71, S. 223). Besagte vierte Skulptur ist nicht denkmalgeschützt. Auffällig sind jedoch die vermutlich ausgetauschten und veränderten Vasen auf den Köpfen der männlichen Hermen aus der Zeit Marcolinis (vgl. S. 334f).

Durch die Teilentnahme von Skulpturenschmuck ist insgesamt ein weniger ausgeschmücktes, aber dem Zeitgeschmack entsprechend aufgeräumtes und offeneres Erscheinungsbild entstand (vgl. Karte 21, S. 445), wie folgendes Zitat verdeutlicht:

„[Es] wurde [eine] umfassende Erneuerung der gesamten Straßenfronten des ehemaligen Marcolinischen Palais und deren anderen Gebäuden an der Friedrichstraße vorgenommen, […] die Kosten für diese Erneuerungsarbeiten betrugen 425.560 Reichsmark. Aus technischen und ästhetischen Gründen […] und um der Anstalt ein freieres Aussehen zu geben, wurde der Ehrenhof vor dem Palais in der Mittelachse der Gesamtanlage freigelegt.“122 Weil der Innenhof nun nicht mehr befahrbar sein musste, wurde der Hof im Zentrum entsiegelt und erhielt einen Rasenspiegel. Dieser wurde von historisierend und geschwungen gestalteten Sandsteineinfassungen im Stil des Neobarock eingefasst. In die vier Ecken des Rasenspiegels wurde je ein Heister eines Laubbaums gepflanzt (vgl. Abb. 213, S. 293). Vermutlich waren diese Gehölze jedoch für den schattigen Standort nicht geeignet (vgl. Abb. 214, S. 293), sodass sie bereits ein Jahr später durch vier geschnittene Buchsbaumhalbkugeln123 (Buxus) ersetzt wurden (vgl. Abb. 216, S. 295). Alle restlichen Flächen wurden mit Granitgroßplatten ausgestattet und das barocke Wappen an der Fassade durch einen Reichsadler mit Hakenkreuz und Eichenkranz ersetzt (vgl. Abb. 216, S. 295). Die zwei Seiteneingänge inklusive der zwei Stufen wurden beibehalten. Ausstattung wie Sitz- und Beleuchtungselemente oder Handläufe waren nicht vorhanden. Das deutlich politisch konnotierte Erscheinungsbild wurde u. a. zum 100-jährigen Jubiläum des Krankenhauses durch Fahnen und Girlanden ergänzt. Über dem Haupteingang (damals noch ohne die heutige Rampe) war nun die Inschrift „Gesundheit - Kraftquell des Lebens“ zu lesen und zeitweise befanden

122 KAISER 1946, S. 36. 123 Die Buchsbaumhalbkugeln wurden mit ca. 1 m Höhe und 1,5 m Durchmesser gepflanzt.

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sich in Kübeln aufgestellte Pflanzen neben dem Delphinbrunnen und vor den Torpfeilern . Ab 1949 ist eine zylinderförmige weiße Hängeleuchte im Vorbau nachweisbar und von dem Befahren der Fußgängerzone hielten weiße Poller ab (vgl. Abb. 217, S. 297).s

Im Mittelparterre wurde der Entwurf von Theodor Friedrich weitgehend bis nach dem ersten Weltkrieg beibehalten und nur partiell abgeändert. Erkennbar ist das weitgehende Festhalten an der axialen Symmetrie, was die Bedeutung der Mittelachse unterstreicht. Daran waren auch die Standorte von Großgehölzen orientiert, sodass davon auszugehen ist, dass die Buche (Fagus sylvatica) Nr. 341 ein östliches Pendant besaß (vgl. Abb. 187, S. 267).124 Im nördlichen Bereich bildeten die Sumpfzypressen in den Wasserbecken die einzige Ausnahme als Großgehölze. Das restliche Parterre war bis zum Werner-Denkmal mit tendenziell niedrig wachsenden Gehölzen aus vorrangig Koniferen bepflanzt. Der Formschnitt an den Eiben (Taxus) wie im Jahr 1913 (vgl. Abb. 246, S. 323) lässt sich nicht durchgängig belegen. Um 1900 waren die Eiben bereits ca. 8 m hoch und wuchsen ohne Formschnitt (vgl. Abb. 188, S. 321). Eine Fotografie von 1908 lässt wiederum einen Formschnitt vermuten (vgl. Abb. 192, S. 315). Der südlich des Werner-Denkmals befindliche Teil war fast ausschließlich mit Laubgehölzen bepflanzt (vgl. Abb. 308, S. 373).

Die mit Wandleuchten ausgestattete Südfassade des Palais wies bis ca. 1925 Fenster in den Bereichen der heutigen Türen auf (vgl. Abb. 190, S. 313) + (vgl. Abb. 191, S. 315). Demnach bestand die Südfassade des Mittelbaus ausschließlich aus Fenstern (vgl. Abb. 231, S. 311). Östlich wurde erst zwischen 1900 und 1925 ein Zugang über eine gepflasterte Rampe ohne Handlauf eingerichtet (vgl. Abb. 257, S. 331). In Abbildungen ab 1925 sind erstmals die drei Türen an der Südfassade des Mittelbaus von Haus A erkennbar, ähnlich wie sie heute noch existieren (vgl. Abb. 250, S. 325). Zum Mitteleingang führten zwei Stufen. Bis ca. 1925 bestanden die Fenster der ersten Etage, die bis dahin als Kapelle genutzt wurde, aus ornamentreichem Bleiglas (vgl. Abb. 255, S. 331) und wurden im Zuge von Sanierungsarbeiten durch einfachere Verglasung mit ovalen Fenstersprossen ersetzt, als der heutige Festsaal als Hörsaal umgebaut wurde.125 Diese Fenstersprossen wiederholten sich in den neu integrierten Türscheiben (vgl. Abb. 258, S. 333).126 Über den Fenstern war ein Wappen von Marcolini erhalten geblieben.

124 Auf Abbildungen um 1908 ist ein Pendant zur heute noch stehenden Buche nicht mehr erkennbar (vgl. Abb. 192, S. 315). 125 Der Hörsaal bestand sis 1983. (Hunger, 10.07.2025) 126 Auf Abb. 255, S. 331 ist für die Sanierung von Haus A-Ost bereits ein Gerüst erkennbar.

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Den zwei halbrunden Wasserbecken waren nördlich je zwei Pflanzstreifen mit Strauchrosen vorgelagert.127 Um 1916 fügte man zwischen diesen Pflanzstreifen je eine Konifere (ca. 6 m Höhe) hinzu (vgl. Abb. 251, S. 327). Ab 1925 wurden die Strauchrosen (Rosa) durch Rasenstreifen mit einer mittigen Pflanzung aus vermutlich Geranien (Geranium) ersetzt (vgl. Abb. 257, S. 331). Letztgenannte Abbildung zeigt an allen Rasenflächen eine gestochene Wegekante (kein Bord) sowie Wassergebundene Wegedecke128. Auch südlich der Wasserbecken waren noch keine Natursteinplatten verlegt, wie sie heute im Bestand vorliegen. Ein weiterer deutlicher Unterschied ist hinsichtlich der Saumbepflanzung festzustellen. Der heute weitgehend blickdichte Saum zwischen Parterre und Alleen bestand bis ca. 1930 noch nicht (vgl. Abb. 266, S. 337). Abbildungen die wenige Jahre später entstanden sein müssen, zeigen bereits einen sehr dichten Saumbewuchs u. a. mit vermutlich Goldregen (Laburnum) sowie deutlich erstarkte Eiben in hoch stehenden Wiesen (vgl. Abb. 265, S. 337).129

An die äußeren Rundungen der Wasserbecken schloss sich eine Rasenfläche an, auf welcher über viele Jahre hinweg eine Großblattstaude kultiviert wurde. Erst ab 1838 wurden die Großblattstauden vermutlich durch Zantedeschien (Zantedeschia) ersetzt. Im Wasserbecken selbst befanden sich Wasserpflanzen. Zeitweise handelte es sich um Seerosen, in Zeiten geringer Pflegeintensität wuchsen Schilf und Algen darin. Wie stark die Wasserfläche das Spiegelbild des Palais präsentieren konnte, zeigt Abb. 257, S. 331. Die um 1900 noch deutlich kleineren Inseln waren u. a. mit Farn, Schilf und Wasserlilien bewachsen (vgl. Abb. 234, S. 317). Am fast ebenerdigen Beckenrand130 ist auf Fotografien um 1908 noch ein vermutlich provisorisches Geländer von ca. 50 cm Höhe erkennbar (vgl. Abb. 191, S. 315). Ab 1916 ist ein Geländer auf abgerundeten Pfosten von ca. 25 cm Höhe nachweisbar, welches einen Holm aufwies (vgl. Abb. 249, S. 325). Die Inseln wurden nach 1930 deutlich vergrößert und erhielten einen massiven Betonring, vermutlich um Wasserverluste zu vermeiden. Allerdings wurde der Beton lediglich auf die vorhandenen Sandsteingrundplatten aufbetoniert, sodass der erhoffte Erfolg nur von geringer Dauer war.131

Mittig in jedem Wasserbecken war ein schmaler Springstrahl (ca. 1,5 m Höhe) mit Natursteinsetzung installiert, einerseits der Ästhetik wegen, anderseits zur Umwälzung des relativ flachen Wassers, welches bis über den Inselrand hoch

127 Beetmaße: Breite ca. 1,8 m, Länge 6-7 m; Strauchrosen Höhe ca. 1-1,5 m mit umlaufendem Rasen (vgl. Abb. 231, S. 311). 128 Die Abb. 245, S. 319 und Abb. 189, S. 313 legen nahe, dass es sich um eine beige-gelb gefärbte Wegedecke handelte. 129 Auch in den Abbildungen um 1930 sind keine Rasenborde erkennbar. 130 Im Bestand ist der nach oben aufgestockte Beckenrand ca. 20 cm über dem Wegeniveau, weil die Beckenrandprofilierung nachträglich mit einem betonierten Aufsatz versehen wurde. 131 GARTENMEISTER HENKER, IN SKDF, Bauarchiv, Ausführungsplanung Planungsbüro Dr. Rank, Dresden, 1992,

4 Historische Entwicklung 41 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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stand, sodass der Wurzelraum der Gehölze vernässt wurde (vgl. Abb. 257, S. 331). Die häufig dokumentierten Inselgehölze wiesen alle den arttypischen Wuchs von Echten Sumpfzypressen (Taxodium distichum) auf, waren 1908 ca. 11 m hoch und hatten einen Stammumfang von 20-30 cm (vgl. Abb. 190, S. 313).

Zwischen den Wasserbecken begann die Kleinbaumallee aus je Seite elf geschnittenen Fliederbäumchen (Syringa) von etwa 4 m Höhe (vgl. Abb. 234, S. 317), welche bei Ausfall offenbar nachgepflanzt wurden und daher unterschiedliche Alter aufwiesen. Die dazwischen gepflanzten Weinstöcke bestanden bis ca. 1925 (vgl. Abb. 252, S. 327) und wurden anschließend durch streifenförmige Wechselflorbeete ersetzt. Im Zuge dieser Umgestaltungen

fielen die äußeren der bisher drei parallel verlaufenden Mittelwege weg, ebenso wie der Verbindungsweg zwischen den Wasserbecken (vgl. Abb. 258, S. 333).

Südlich des westlichen Wasserbeckens stand bis 1937132 die hölzerne Luftbude des Männergartens133, welche nach Norden geöffnet und im Sommerhalbjahr mit Liegestühlen ausgestattet war. In geringer Anzahl waren an den Wegen weitere Sitzgelegenheiten mit Rückenlehne aufgestellt (vgl. Bank auf der linken Bildseite an einer Birke Abb. 192, S. 315 und Abb. 243, S. 319). In den Rundplätzen der Skulpturen waren halbrunde Sitzbänke ohne Lehne aufgestellt, um den Skulpturenschmuck aus der Nähe eingängig betrachten zu können. Auch entlang des südlichen Querwegs waren Bänke mit Ausrichtung nach Norden aufgestellt. In den historischen Abbildungen ist unweit davon eine Lithfaßsäule erkennbar. Zur weiteren Ausstattung von um 1911 gehörte ein kleines, hölzernes Vogelhäuschen auf der Wiesenfläche südlich des östlichen Wasserbeckens (vgl. Abb. 243, S. 319).

Die historischen Abbildungen belegen südlich des östlichen Wasserbeckens eine höherwüchsige Konifere, möglicher Weise eine Weymuths-Kiefer (Pinus strobus) am Standort des heutigen Abendländischen Lebensbaums Nr. 360 (Thuja occidentalis) (vgl. Abb. 252, S. 327). In Abbildungen um 1922 (vgl. Abb. 254, S. 329) waren die Gehölze so weit erstarkt, dass das Wasserbecken von Süden aus fast vollständig vegetabil abgeschirmt war. U. a. wurde die höherwüchsige Konifere spätestens um 1925 entfernt und unweit davon ein Rhododendron gepflanzt (vgl. Abb. 258, S. 333).

Die nach wie vor große Bedeutung des Neptunbrunnens lässt sich mit einer umfassenden Restaurierung des Brunnens in den Jahren 1874 bis 1875 belegen.

132 KNÖFEL 1999, S. 30. 133 Eingegrünt war die Luftbude u. a. mit Haselnussträuchern und einem leicht schräg stehendem, zweistämmigem Nadelgehölz (vgl. Abb. 245, S. 319).

42 4 Historische Entwicklung 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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Der Bildhauer Ernst Rietschel Heinze führte die Arbeiten aus. Im Zuge der Restaurierung wurde der Brunnen an das Dresdner Wassernetz angeschlossen, wodurch er seine Funktionstüchtigkeit bis zum Jahr 1945 wiedererlangte.134

Im Jahr 1937 investierte man in die Neugestaltung des Mittelparks und vereinfachte die Wegestruktur erheblich. Ausgeführt waren die Wege weiterhin als Wassergebundene Wegedecke, auf der nördlichen Mittelachse weiterhin kombiniert mit großformatigen Sandsteinplatten.135 Auch der nördliche Querweg wies noch nicht die heute liegenden Betonplatten auf (vgl. Abb. 267, S. 339). Lediglich an den Wasserbecken verwendete man großformatige Natursteinplatten (vgl. Abb. 277, S. 345). Die Mittelachse stellte weiterhin ein sehr prägendes gestalterisches Mittel dar und die säumenden Fliederbäumchen (Syringa) samt Wechselflorbeet wurden ebenfalls in die Neugestaltung aufgenommen (vgl. Abb. 268, S. 339).

Eine Fotografie von 1940 zeigt den Parkzustand wenige Jahre nach der Umgestaltung (vgl. Abb. 271, S. 341). Erkennbar sind Wegeborde, rechteckige Sitznischen mit Bänken aus trapezförmigen Betonsockeln mit Holzlattung und Rückenlehne. Des Weiteren sind erstmalig Leuchten auf der Mittelachse platziert worden. Seitlich der vorderen Sitznische sind Strauchrosen (Rosa) zu vermuten und im Hintergrund ist deutlich eine Birke (Betula) erkennbar. Hierbei handelt es sich um die Birke, welche ein Pendant zur Rosskastanie (Aesculus hippokastanum) Nr. 326 darstellte und heute nur noch ein Baumstumpf nördlich der Eibe (Taxus baccata) Nr. 365 ist. Im Hintergrund der Fotografie sind die Sumpfzypressen des östlichen Wasserbeckens erkennbar. Die östliche davon (heute ein Urweltmammutbaum) erscheint bereits deutlich höher. Die Abb. 257, S. 331 zeigt ebenfalls deutliche Wuchsunterschiede bei den zwei Inselgehölzen des östlichen Wasserbeckens. Dass es sich zu dieser Zeit bereits um zwei unterschiedliche Gehölze gehandelt haben könnte ist jedoch weitgehend ausgeschlossen, weil der Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) erst in den 1950er Jahren wiederentdeckt wurde (Gehölzgutachten vgl. S. 57 ).136 In die Phase der Umgestaltungen von 1937 fallen auch zahlreiche Strauchpflanzungen, wie sie u. a. südlich der Wasserbecken vorgenommen wurden(vgl. Abb. 277, S. 345). Der Standort der ehemaligen Luftbude wurde nach deren Abriss mit Rasen gestaltet.

134 RUDERT 1994, S. 128 FF. 135 Südlich der heutigen Prunkvase existierten vermutlich 1911 bereits keine Sandsteingroßplatten mehr oder haben dort noch nie existiert (vgl. Abb. 243, S. 319). 136 Ähnlich wachsende Gehölze mit winterlichem Nadelabwurf wie die Europäische Lärche (Larix dezidua) sind unwahrscheinlich, weil deren Äste schräg nach unten wachsen würden.

4 Historische Entwicklung 43 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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Die seitlichen Vorplätze von Haus A-Mitte waren durchgängig von einer zentralen Vegetationsfläche mit umlaufendem Weg geprägt (vgl. Abb. 187, S. 267). Die westliche runde Fläche war ab ca. 1910 mit einem Dutzend137 Blau- Fichten (Picea pungens) bepflanzt und stand in unmittelbarer Verbindung mit der westlichen Lindenallee, welche bis über den Querweg reichte.138 Unmittelbar an der Gebäudefassade befand sich Anfang des Jahrhunderts bis maximal 1925 ein größerer Laubbaum. Zur Einfahrt war diese Fläche durch einen langgestreckten Flachbau abgetrennt, wo sich heute eine Schnitthecke befindet (vgl. Abb. 249, S. 325). Der östlich gelegene Vorplatz verkleinerte sich aufgrund eines Anbaus an Haus A (ab spätestens 1903, vgl Abb. 189, S. 313). Demnach fiel die zentrale runde Vegetationsflächhe mit einem Brunnen kleiner aus und wies um 1900 keinen Baumbestand auf. Der umlaufende Weg war breitflächig angelegt und an seiner Abrundung im Südosten durch Linden und Bänke begrenzt.

Dieser Rundbogen schloss an die vierreihige Lindenallee an. Die östlichste Lindenreihe wurde im Zuge des Baus von Haus R im Jahr 1922 fast vollständig entfernt und ist auf letztgenannter Abbildung nur noch nördlich von Haus R vorhanden. Auch die sich anschließende Lindenreihe wurde durch den Bau erheblich beeinträchtigt. Die Abbildung zeigt noch zwei Altgehölze, südlich davon wurden Nachpflanzungen vorgenommen. Eine durchgehende Baumreihe wurde jedoch zu Gunsten einer breiten Anlieferfläche nicht mehr realisiert. Die Fläche zwischen der Reihe mit den Neupflanzungen von ca. 1922 wurde als Rasenfläche mit vereinzelten Sträuchern an der Fassade (vermutlich aufgrund von Pflegerückstand) gestaltet (vgl. Abb. 272, S. 341).

Die östliche Allee bildete die Abgrenzung zwischen dem Frauen- und Männergarten und war um 1900 mit zahlreichen nach Osten ausgerichteten weißen Sitzbänken ausgestattet. Zwischen den Baumreihen verliefen zwei Wege mit Wassergebundener Wegedecke, vermutlich ohne Bord. Von diesen Wegen ergaben sich zahlreiche Blickbeziehungen in das Mittelparterre, u. a. zu den Skulpturen. Der Blick führte durch die parterrezugewande Baumreihe hindurch, welche aus bereits stattlichen Linden (von schätzungsweise ca. 1830) bestand. In den beiden mittleren Alleereihen lässt eine Fotografie von um 1900 deutlich jüngere Bäume (von ca. 1870-1890) sowie vereinzelt frische Nachpflanzungen erkennen (vgl. Abb. 243, S. 319). Infolge der Umgestaltungen von 1937 wurde die parterrezugewande bereits massiv gestutzte Altbaumreihe mit Gehölzen unterpflanzt (vgl. Abb. 267, S. 339). Abb. 259, S. 333 lässt des Weiteren eine

137 Um 1910 wurden ca. 12 Stück Blau-Fichten gepflanzt, welche bis 1930 auf ca. 6 Stück reduziert wurden. 138 Um ca. 1930 endete die Allee bereits auf Höhe der Wasserbecken und Fotografien aus dieser Zeit belegen breits erhebliche Großastrückschnitte in den Baumkronen der Altgehölze (vgl. Abb. 266, S. 337)..

44 4 Historische Entwicklung 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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Schirmleuchte am nördlichen Ende dieser Bepflanzung vermuten. Auf der linken Bildseite ist ein Gebäude, möglicher Weise eine Baracke, erkennbar, dessen Baujahr und Funktion sich aus der Quellenlage bisher nicht erschließt.

Die Westliche Allee endete im Süden mit einem abgerundeten Abschluss und wies um 1900 ebenfalls noch alle 4 Reihen auf (vgl. Abb. 235, S. 317). Die Linden waren zu dieser Zeit schätzungsweise 50 Jahre alt und vereinzelt mit Jungbäumen versetzt. Am westlichen Rand des äußeren von zwei wassergebundenen Wegen befanden sich weiße Sitzbänke mit Blickrichtung zum Mittelpark. Von diesen Sitzplätzen ergaben sich zahlreiche Sichtbeziehungen in den Park mit seinem Skulpturenschmuck und zum Palais. Sehr nah an der westlichsten Reihe befand sich der langgestreckte Baukörper, welcher den Parkteil vom Wirtschaftsbereich trennte. Die parterrezugewande Baumreihe wies teils leicht nach innen versetzte Baumstandorte auf (vgl. Abb. 248, S. 323). Ab spätestens 1930 war der westliche Weg dieser Allee gepflastert (vgl. Abb. 266, S. 337).

Im Orangerieparterre war dem Haupteingang der ehemaligen Orangerie der Winzerbunnen139 vorgelagert und in eine symmetrische Gestaltung des Eingangsbereichs mit Vordach integriert. Des Weiteren befanden sich kleinere Bauwerke verteilt im Parterre, wie das Lufthaus der Frauen mit Öffnung nach Norden und begrünter Pergola (vgl. Abb. 308, S. 373) und zwei kleinere Bauwerke südlich und östlich des Winzerbrunnens. Im Gegensatz zu heute bestand im nördlichen Teil um 1900 kein durchgehender Querweg als Anbindung zum Mittelpark. Auch eine Allee scheint es nicht gegeben zu haben (vgl. Abb. 187, S. 267). Vielmehr verlief unmittelbar entlang der Fassade ein breiter wassergebundener Weg an dem eine Steinbank direkt an der Fassade zum Verweilen einlud (vgl. Abb. 314, S. 377). Zu einem Holztor im östlichen Teil der ehemaligen Orangerie führte wahrscheinlich ein gepflasterter Weg in Nord- Süd-Ausrichtung, flankiert von einer unregelmäßig gesetzten Lindenreihe (vgl. Abb. 310, S. 375).140

Der Beckenrand des Winzerbrunnens war um 1909 mit einem verzierten Metallgeländer versehen (vgl. Abb. 311, S. 375).141 Im Süden war der Brunnen von dichtem Laubbaumbestand mit Strauchunterpflanung gesäumt, wobei ein schräg stehendes Gehölz ein besonders malerisches Bild erzeugte. Der heute sehr mächtige Blauglockenbaum ist mit seinem Austrieb in letztgenannter Abbildung auch bereits zu erkennnen. Insgesamt war das Terrain um den

139 Auch Kellermeisterbrunnen genannt. 140 Möglicher Weise aus rötlichen Pflastersteinen. 141 Das Geländer hatte drei zierliche Knieleisten auf einem profiliertem Brunnenrand und geschwungene nach innen verlaufende Metallstützen.

4 Historische Entwicklung 45 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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Winzerbrunnen etwas niedriger, als es heute im Bestand vorliegt. Der Höhenunterschied zwischen Vorplatz und Gebäudeeingang wurde mit einer Rampe überbrückt, welche von breiten Randsteinen gefasst wurde. Beidseits des Haupteingangs lagen kleinere Rasenflächen mit zweireihig angeordneten Kleinsträuchern.

Westlich davon stand ein Laubbaum unweit der Fassade, vermutlich ein Spitzahron (Acer platanoides). Entlang des u-förmigen Weges befanden sich vermutlich bepflanzte Vasen, deren steinerne Unterbauten heute teilsweise noch vorhanden sind. Die Rasenfläche reichte bis direkt an den Winzerbrunnen heran und war noch nicht wie heute durch Betonplatten abgetrennt.

Im Jahr 1937 wurden entlang der gesamten südlichen Orangeriefassade gemauerte Liegeterrassen vorgebaut, um den Patienten der TBC-Anstalt das Genesen an der frischen Luft ermöglichen zu können.142 Diese Terrassen waren mit Sonnenschirmen (Wand- und Bodenverankerung) sowie mit Metallgeländern ausgestattet (ca. 1,2 m Höhe mit Stabfüllung). Unterbrochen war die Terrassierung lediglich am Haupteingang (vgl. Abb. 316, S. 379). Die Rasenspiegel mit vereinzelten Gehölzgruppierungen wurden weitgehend beibehalten (vgl. Abb. 320, S. 383). Ablesbar sind in den Fotografien von 1941 Strauchrosenpflanzungen auf der Südseite der Rasenfläche. In jener Zeit wurde das Metallgeländer des Winzerbrunnens abgebaut und die vorhandene Strauchpflanzung auch nördlich des Brunnens weitergeführt (vgl. Abb. 319, S. 383). Am umlaufenden Weg wurden zahlreiche Straucheibische (Hibiscus syracus) gepflanzt, welche bis 1999 Bestand hatten. 143

Im heutigen Rosengarten wurde 1937 die einst landschaftliche Gestaltung überformt, indem ein weitgehend symmetrischer u-förmiger Rosengarten angelegt wurde, an welchen sich westlich eine rechteckige Wegeführung anschloss (vgl. Karte 23, S. 447). Dafür wurden die zwei Wellblechbaracken (N und O) am Standort des heutigen Hauses H entfernt (vgl. Abb. 329, S. 391). Die entstandene Freifläche wurde mit Rosen und gemischten Rabattenbändern bepflanzt (vgl. Abb. 332, S. 393). Eingehegt wurde der Rosengarten von Buchenschnitthecken (vgl. Abb. 330, S. 391). Diese Hecken trennten auch die westliche rechteckige Freifläche vom Rosengarten ab. Die Fläche wies bereits 1938 die heute noch bestehenden Altbäume einer Stiel-Eiche Nr. 528 (Quercus robur) und Rosskastanie Nr. 529 (Aesculus hippocastanum) als Großgehölze auf (vgl. Abb. 332, S. 393). Die nördliche Flanke wurde durch eine Reihe aus Lindenbäumen gebildet und griff damit die historisch breit angelegte

142 KNÖFFEL 1999, S. 30. 143 KNÖFFEL 1999, S. 30.

46 4 Historische Entwicklung 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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Querverbindung zum Mittelparterre auf (vgl. Abb. 330, S. 391 und Abb. 333, S. 393). Innerhalb des Rosengartens wurde Wassergebundene Wegedecke eingebaut, welche mit Wegeborden eingefasst war.

Der Bereich nördlich von Haus N wies um 1900 eine Lithfaßsäule auf (vgl. Abb. 188, S. 321) und war von Freiflächen mit locker gruppierten Linden vor dem damals noch stehenden Barackenbauten (Haus B) geprägt (vgl. Abb. 334, S. 395). Die Wege waren überwiegend aus Wassergebundener Wegedecke mit Borden und entlang der Westallee vermutlich mit Pflaster ausgebildet. Bis heute ist ein Geländesprung im Bestand vorhanden, welcher sich auch auf einer Fotografie von 1914 abzeichnet (vgl. Abb. 338, S. 397). Zwischen Mittelpark und Haus N (noch ohne Vorbauten) sind Lindenaltgehölze von ca. 40-100 Jahren vorhanden gewesen. Der Übergang zum Parterre war vorrangig von Strauchpflanzungen geprägt. Das sich heute im Bestand befindliche Seifensteinpflaster war um 1914 vermutlich noch nicht verbaut.

Die Platzfläche südlich der heutigen Hauptzufahrt im Nordosten war um 1904 mit einer halbrunden Rasenfläche gestaltet, auf welcher ab spätestens 1899 eine Schmuckvase ohne jeglichen Gehölzbestand aufgestellt war. Lediglich unmittelbar an der Einfahrt (vgl. Abb. 187, S. 267) und nördlich der Treppe des Pathologiegebäudes befand sich je ein Laubbaum (vgl. Abb. 345, S. 403). Um 1900 waren des Weiteren keine weiteren Gehölze vorhanden. Aus dieser Zeit stammt jedoch der bis heute vorhandene skulpturale Schmuck aus Sandstein an einer in das Kellergeschoss führenden Rampe .

Die Hauptzufahrt hatte 1906 noch beidseits zwei Torpfosten mit einer deutlich schmaleren Einfahrt, als sie heute im Bestand existiert. Zwischen den Pfosten war ein zweiflügeliges Tor eingebaut und vor der Einfahrt befand sich eine Straßenleuchte.

Die gesamte Einfahrt wurde 1936 umgestaltet.144 Das Tor wurde durch ein geschwungenes Tor mit ovalen Öffnungen ersetzt und befand sich zwischen den Torpfosten einer nach innen schwingenden Sandsteinmauer (vgl. Abb. 349, S. 405).

144 EBD.

4 Historische Entwicklung 47 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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Was zeugt bis heute von dieser Zeitschicht 1845 bis 1945 (Phase 3)?

• Seitenwege, welche im Mittelparterre parallel zu Alleen verlaufen (später verbreitert und mit anderen Materialien ausgelegt)

• Ein Großteil der Krankenhausgebäude

• Taxusbestände im Mittelparterre von ca. 1870

• Standort der zwei Plastiken Tomyris und Themistokles (Skulpturen wurden unter Marcolini gefertigt)

• Inseln in Wasserbecken seit ca. 1890 + Beete an den Wasserbecken + drei Sumpfzypressen (Taxodien)

• Rundweg mit Sitzbereichen von 1938

• 1938 vermutlich Borde aus Buntsandstein

• Taxus westlich Haus R

• 1930er Gestaltung Liegeterrassen Orangerie

• Rosengarten von 1937

• Neobarocke Gestaltung des geöffneten Ehrenhofs von 1937

48 4 Historische Entwicklung 4.5 Krankenhausfreiraum zwischen 1845-1945

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4.6 Krankenhausfreiraum zwischen 1946-2025

Eine erhebliche Zäsur brachte der Zweite Weltkrieg und die Notzeit der Nachkriegszeit mit sich. Das Friedrichstädter Krankenhaus war von den Bombenangriffen im Jahr 1945 betroffen, weil nichtmillitärische Einrichtungen gezielt angegriffen wurden. Dennoch blieb es, im Vergleich zu anderen Krankenhauseinrichtungen Dresdens, weitestgehend von Zerstörung verschont.145 Mutmaßlich weil dicke Rauchschwaden eines in der Nähe brennenden Ölzuges die Sicht auf das Krankenhausgelände hemmten.146 Dennoch brannte Haus I vollständig aus, wie ein Luftbild von 1945 erkennen lässt (vgl. Luftbild 3, S. 411). Die gröbsten Schäden waren relativ zeitnah beseitigt, u. a. durch zahlreiche Arbeitseinsätze der Krankenhausbelegschaft selbst. Zu DDR- Zeiten wurden bereits vor 1956 Restaurierungsarbeiten im Marcolini-Palais (Haus A) durchgeführt.147 Weitere größere Investitionen wurden jedoch gedrosselt, weil die Stadt erwog, das Krankenhaus in ein Altenheim umzuwandeln. In den 1980er Jahren existierten aufgrund der maroden Bausubstanz sogar ernsthafte Pläne für einen Abriss der Friedrichstadt, welche außerhalb des Bearbeitungsgebietes teilweise bereits umgesetzt wurden.

Ab 1980 wurde der restaurierte barocke Festsaal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und dient seither als Saal u. a. für Konzerte und Vorträge. Im Jahr 1984 erstellte man schließlich eine Gartendenkmalpflegerische Zielstellung für die Gesamtanlage.148

Die Phase ab 1990 war von erheblichen Bautätigkeiten auf dem Krankenhausgelände geprägt. Es stand im Vordergrund, den Krankenhausbetrieb an die modernen Bedürfnisse anzupassen. Insbesondere Ausbauten für den motorisierten Verkehr sowie die Trennung von Straßenraum und Fußgängerbereich und großflächige Wirtschaftsbereiche überprägten weite Strecken. Der erhöhte Flächenbedarf und die vermehrte Versieglung wirkten sich zu Ungunsten des Gartendenkmals aus.

Im Jahr 2002 richtete das Weißeritzhochwasser erhebliche Schäden auch im Krankenhauspark an. Im Bearbeitungsgebiet stand das Wasser etwa kniehoch (vgl. Abb. 306, S. 371)149

145 Am 13. und 14. Februar 1945 wurden 40 der 53 Krankenanstalten aller Art in Dresden zerstört. Im Friedrichstädter Krankenhaus wurden das Beamtenwohnhaus, Haus J, Garagen und die Stadtionen 24 und 21 zerstört. Ausgebrannt sind Haus K und die Schlosserei. Haus S erlitt am Dachstuhl einen leichten Brandschaden. Haus P wurde verhältnismäßig geringfügig beschädigt (siehe unten). (KAISER 1949, S. 40.) 146 EBD. 147 GIMMLER 1956, S. 53. 148 FISCHER 1984. 149 SKDF BAUARCHIV ORDNER 16.

4 Historische Entwicklung 49 4.6 Krankenhausfreiraum zwischen 1946-2025

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Der Ehrenhof blieb von den Kriegszerstörungen des Zweiten Weltkrieges weitgehend unberührt, sodass die vier halbrunden Buchssträucher bis mindestens 1952 Bestand hatten (vgl. Luftbild 3, S. 411). Die Prägung der Nachkriegszeit durch die sowjetische Besatzungsmacht lässt sich u. a. an der kyrillischen Beschriftung des Stadtkrankenhauses ablesen (vgl. Abb. 219, S. 299 sowie Abb. 220, S. 299). Weitere kleinere Veränderungen lassen sich ab 1952 mit weißen Wandleuchten an den Seiteneingängen und Sitzgelegenheiten in der nördlichen Nische des Ehrenhofs belegen. Eine Fotografie von 1982 zeigt, dass die südlichen Buchsbaumhalbkugeln durch Rhododendren ersetzt wurden, wovon sich der westliche deutlich schlechter entwickelte, während die nördlichen Buchsbäume bis 1987 bereits aus ihrem halbrundkronigen Schnitt heraus und deutlich aufgewachsen waren. Im Zentrum der Rasenfläche stellte man eine rundliche Pflanzschale150 mit Wechselflor und nördlich davon einen provisorisch wirkenden Bau mit Wellblechdach auf, welcher bis mindestens 1987 dort existierte (vgl. Abb. 222, S. 301 und Luftbild 9, S. 417). Die Wandleuchten wurden unterdessen durch dunkel gefasste Modelle ersetzt.

Im Jahr 1999 kam es zu umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten. Im Zuge dessen wurden die Seiteneingänge wieder an ihren ursprünglichen Ort an die nördlichen Stirnseiten des Korridors versetzt, sodass aus den Fenstern Türen wurden. Zu diesen führen bis heute je drei Stufen mit Metallhandlauf. Die ehemaligen Seitentüren wurden zu Fenstern umgebaut und die zweistufigen Treppen wurden zurückgebaut. Der Hauptzugang erhielt eine behindertengerechte Rampe und zusätzlich zwei Treppenstufen. Südlich des restaurierten Delphinbrunnens befindet sich seitdem im Parterre ein Schachtbauwerk mit Beleuchtung (vgl. Karte 30, S. 453). Die bis heute vorhandenen historisierend gestalteten schwarzen Wandleuchten sind ab 2011 nachweisbar, ebenso wie eine Verglasung des bis dahin vermutlich offenen Vorbaus des Mitteleingangs (vgl. Abb. 225, S. 305).

Der Vorplatz westlich von Haus A wurde bis mindestens 1999 von den um 1910 gepflanzten großen Blau-Fichten geprägt. Diese wurden vor 1987 durch eine zentral stehende Japanische Blütenkirche ‘Kanzan’ (Prunus serrulata Kanzan) ergänzt und hatten um 1992 eine bereits eingeschränkte Vitalität. Ebenfalls 1992 wurde das Terrain um ca. 20 cm angehoben. Raumbegrenzend wirkte der bis mindestens 1997 bestehende Flachbau westlich des Vorplatzes (vgl. Luftbild 9, S. 417). Mit einem Staudenbeet auf der Südseite des Parterres und zwei restaurierten weiblichen Hermen an der Fassade von Haus A-West wurde 1999

150 Diese große runde Pflanzschale stand auf einem rechteckigem standfuß und war vermutlich aus Waschbeton gefertigt.

50 4 Historische Entwicklung 4.6 Krankenhausfreiraum zwischen 1946-2025

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der repräsentative Charakter des Vorplatzes gehoben. Westlich von Haus A- Mitte befand sich in den 1970-1990er Jahren ein Zeitungskiosk (vgl. Abb. 283, S. 349) sowie eine Telefonzelle (vgl. Luftbild 13, S. 421).151

Auch die Wasserbecken und der Mittelpark sind weitgehend unbeschadet durch die Kriegszerstörungen gekommen. Demnach war auch noch die Ausstattung, wie die besonders langgestreckten Sitzbänke südlich der Wasserbecken, erhalten geblieben.152 Die Inselgehölze wirken in den Nachkriegsjahren bis 1953 auf den Luftbildern noch gleich groß, was darauf schließen lässt, dass auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch alle vier Sumpfzypressen existierten (vgl. Luftbild 5, S. 413). Erst auf einem Luftbild von 1987 ist erkennbar, dass ein Artenwechsel bei dem östlichsten Gehölz stattgefunden haben muss. Deutlich erkennt man am Schattenwurf der vier Inselgehölze die Unterschiede in Größe und Habitus (der mindestens 10 Jahre alte Urweltmammutbaum hat eine deutlich spitzwinkligere Krone, vgl. Luftbild 9, S. 417). Demnach wurde der heute existierende Urweltmammutbaum zwischen 1953 und 1973 gepflanzt.153

Leichte Veränderung gab es aber u. a. am Springstrahl, welcher mit ca. 3 m Höhe nun doppelt so hoch war (vgl. Abb. 278, S. 345) und in den 1970er Jahren als schmale Trichterform mit ca. 1,5 m Durchmesser gestaltet wurde (vgl. Abb. 283, S. 349).154 Die desolate Beckendichtung war fortwährend problematisch, sodass ca. 1984 eine Tondichtung eingebracht wurde. So ließ sich der hohe Wasserverlust erfolgreich reduzieren. Der Erfolg hielt allerdings nur 5-6 Jahre an, bis die Tonschicht stark durchwurzelt war und Ende der 1980er Jahre abermals enorme Wasserverluste von pro Becken ca. 20 000 Litern pro Woche auftraten. Auch das fast jährliche Ausbessern von Fugen brachte keine nachhaltige Besserung, sodass 1990 massive Wurzelaustritte am unteren Rand der Inselringe zum Vorschein kamen. Daraufhin wurde im selben Jahr mit dem Einbringen einer Teichfolie reagiert. Der Abdichtungsprosess zog sich bis zum Juli 1991, sodass die Gehölze eine lange Trockenperiode erlitten und ein Wachstumsstock auftrat.155 Infolge wurden Bewässerungsringe auf den Bauminseln installiert.156

151 GARTENMEISTER HENKER, IN SKDF, Bauarchiv, Ausführungsplanung Planungsbüro Dr. Rank, Dresden, 1992 152 Bänke des selben Modells wurden 1938 im Innenhof von Haus P und im Rosengarten aufgestellt. Im Mittelparterre waren diese Bänke bis mindestens 1999 (vgl. Abb. 304, S. 369), mutmaßlich sogar bis.2002 aufgestellt (vgl. Abb. 306, S. 371). 153 Ein vergleichbar altes Exemplar eines Urweltmanmmutbaums befindet sich im Kammeyergarten in Pillnitz. Das Gehöz wurde 1959 von einem anderen Standort umgepflanzt und weist heute einen Brusthöhendurchmesser von 125 cm auf. Der Urweltmammutbaum Nr. 357 im östlichen Wasserbecken weist einen Brusthöhendurchmesser von 92 cm auf. 154 1952 war der Springstrahl zwischenzeitlich schätzungsweise 5 m hoch (vgl. Abb. 279, S. 347). 155 Die westlichste Sumpf-Zypresse wies bereits 1999 deutliche Vitalitätseinbußen auf(vgl. Abb. 304, S. 369). 156 GARTENMEISTER HENKER, IN SKDF, Bauarchiv, Ausführungsplanung Planungsbüro Dr. Rank, Dresden, 1992

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Im Jahr 1992 wurde eine umfassende Sanierung der mit Fischen157 besetzten Wasserbecken durchgeführt. Die Ausführungsplanung erfolgte durch das Planungsbüro Dr. Rank aus Dresden. Ziel war es, den Wasserstand auf die Oberkante des Inselrands oder um maximal 2 cm darüber anzuheben. Im Zuge dessen fand eine Baumbesichtigung der Inselgehölze durch den Gartenbauingenieur Rudolf Schröder statt. Dabei wurden die Gehölze als vital eingeschätzt. Es wurde prognostiziert, dass die Anhebung des Wasserstands Wurzelknie bei den Sumpfzypressen hervorrufen würde, was sich im Nachhinein bestätigt hat. Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen wurden Schürfen vorgenommen, um die Gründungstiefe der Becken zu bestimmen. Dabei wurde eine Tiefe von 1,35 m im östlichen Becken und 1,54 m im westlichen Becken festgestellt. Während der Arbeiten wurde der vorhandene Inselbewuchs aus Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris) entfernt. Zur Erhöhung der Sicherheit wurden auf dem Beckenrand zusätzliche Geländerpfosten installiert.158 Zudem wurde eine Umwälzpumpe eingebaut, um den Wasserstand höhenregulierbar zu machen und somit an den Wasserbedarf der Bäume anzupassen. Die Wasserfontänen von 3 m Höhe wurden so installiert, dass sie den Wurzelraum benetzen und das Mikroklima verbessern. Der Planung zufolge sollte das Wasser ganzjährig im Becken verbleiben.159 Weiterhin wurden Über- und Ablaufarmaturen integriert, wobei ein zusätzlicher Erdschieber als Wasserablauf installiert wurde. Dieser ermöglicht Reinigungsarbeiten ohne vollständiges Entleeren der Becken. Die zwei Wasserbecken sowie der Winzerbrunnen werden durch einen Tiefbrunnen östlich von Haus A-Mitte mit eingebautem Druckverstärker versorgt, was eine stabile Wasserversorgung sicherstellt.160 Der enorme Wurzeldruck der wachstumsstarken Gehölze war u. a. Ursache für die abermals auftretenden Probleme mit der Undichtheit der Wasserbecken. Weiterhin wurde teils erheblicher Wasserverluste festgestellt, was darauf schließen lässt, dass die Gehölze mutmaßlich an eine reichhaltige Wasserzufuhr gewöhnt sind. Im Jahr 2018 wurde abermals eine Folie in die Wasserbecken eingebracht.161 Ein aktuelles Gehölzgutachten von 2025 über die Inselgehölze prognostiziert den drei östlichen Gehölzen eine voraussichtliche Lebenserwartung von mehr als 50 Jahren. Die westliche Sumpfzypresse Nr. 319 hat voraussichtlich nur noch bis zu 10 Jahre Lebenserwartung.

157 Die Becken waren bis mindestens 1999 mit Goldfischen besetzt und wurden daher in Unterlagen teilweise als Fischteiche/-becken bezeichnet. 158 Das neue Beckengeländer wurde von der Schlosserei Ingenieur Peter Made gefertigt. 159 Die Sanierung und Modernisierung der Wasseranlagentechnik übernahm Ingenieur Eberhard Grundmann, wobei Systembaustoffe der Firma Schomburg verwendet wurden. 160 GARTENMEISTER HENKER, IN SKDF, Bauarchiv, Ausführungsplanung Planungsbüro Dr. Rank, Dresden, 1992, 161 SKDF GÄRTNERIN SCHMIDT, MÄRZ 2025.

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In der unmittelbaren Nachkriegszeit hat die Stadt Dresden auch das Mittelpar- terre zur gärtnerischen Nutzung freigegeben.162 Altgehölzstrukturen wurden da- durch aber mutmaßlich nicht in Mitleidenschaft gezogen. U. a. blieb auch die Fliederbaumallee erhalten (vgl. Luftbild 3, S. 411).163 Im Geschmack der Zeit wur- den spätestens 1952 jeweils an den Kreuzungen des Mittelwegs (östlich) halbrun- de Schirmleuchten aufgestellt (vgl. Abb. 280, S. 347). Es ist in der Abblidnung au- ßerdem zu erkennen, dass zwischenzeitlich die gepflasterte Rampe an der östlichen Fassadenfront wieder zu einem Fenster zurückgebaut wurde. Vier Jah- re später sind im Parterre bereits eichelförmige Schirmleuchten nachweisbar (vgl. Abb. 282, S. 349).

Fotografien belegen, dass das Palais 1978 auf der Südseite mutmaßlich für Sa- nierungsarbeiten eingerüstet war. Auf jenen Fotos ist auch die Aufstellung von DDR-typischen zylinderförmigen Schirmleuchten erkennbar, welche bis 1999 exis- tierten. Auf dem Standort der heutigen Prunkvase (Nachbildung eines stark ver- witterten Originals) war zu diesem Zeitpunkt bis 1999 lediglich vegetabiler Schmuck vorhanden (vgl. Abb. 286, S. 353 und Abb. 305, S. 369). Die Sichtbezie- hungen zum Skulpturenschmuck waren spätestens 2002 vollständig zugewach- sen und der Eibenbestand verdichtete sich weiter bis heute (vgl. Abb. 306, S. 371).

Die raumprägenden Alleen verloren in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich an ihrer Ästhetik. Im Luftbild von 1945 ist zu erkennen, dass die östliche Allee entlang des Rosengartens weiter nach Süden führte (vgl. Luftbild 3, S. 411), heute endet sie allerdings bereits am Querweg. Das Luftbild von 1953 zeigt die westliche Allee vierreihig und die östliche zweireihig (vgl. Luftbild 5, S. 413). Der Altbaumbestand der östlichen Allee nahm stetig weiter ab, sodass 1978 lediglich noch acht Altgehölze erhalten waren (vgl. Luftbild 8, S. 415). Die heutigen Parkplätze in der westlichen Allee waren bereits 1999 vorhanden (vgl. Abb. 304, S. 369).

Im Orangerieparterre sind im Jahr 1945 entstandenen Luftbild die in Nord-Süd- Ausrichtung verlaufende Alleereihen noch gut ablesbar (vgl. Luftbild 3, S. 411). Zwei Jahre später wurde in der ehemaligen Orangerie die erste Poliklinik Sachsens eingerichtet.164 Vermutlich wurde in dem Zusammenhang zu Anlieferzwecken die ehemals Wassergebundene Wegedecke am Haupteingang mit Flächenbeton ausgeführt (vgl. Abb. 326, S. 387).

162 SKDF Hunger, Mai 2025. (Wiedergegeben aus Erzählungen der Krankenschwester Inge Büttich.); Eine gärtnerische Nutzung und ihr Umfang konnnte auf Luftbildern oder Fotografien bisher nicht verifiziert werden. 163 Die Fliederbaumreihe ist ab 1961 nicht mehr nachweisbar (vgl. Luftbild 6, S. 413). 164 KNÖFEL 199, S. 42.

4 Historische Entwicklung 53 4.6 Krankenhausfreiraum zwischen 1946-2025

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Am Winzerbrunnen war ab 1958 das einst zierende Metallgeländer nicht mehr vorhanden (vgl. Abb. 324, S. 385). Eine Fotografie von 1990 zeigt bereits relativ alte Fliedergehölze unweit des Winzerbrunnens, die mutmaßlich aus der Nachkriegszeit stammen und den Haupteingang flankierten. Die Parkpflege stand in der DDR-Zeit offenbar weit zurück, sodass der Winzerbrunnen vor Wildwuchs kaum noch erkennbar war.165 Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen setzten erst nach der politischen Wende von 1990 ein. 1992 wurde das parterre saniert und zwei Jahre später der Winzerbrunnen restauriert und dessen Umfeld neu gestaltet. Gepflanzt wurden in dem Zuge u. a. die heute noch vorhandenen Fliederbäume. Die eckigen Pflanzgefäße, welche heute im regelmäßigen Abstand auf der Terrasse aufgestellt sind, stammen ebenfalls aus dieser Zeit.166

Der Rosengarten wurde seit 1938 deutlich von den ihn umgebenden Buchenschnitthecken geprägt. Diese existierten bis mindestens 1988 sehr wahrscheinlich vollständig, teilweise mit einer Höhe von ca. 3,5 m. Aufgrund reduzierten Pflegepersonals167, wuchsen diese Hecken zeitweise sehr ausladend. Laut einem Luftbild von 1978 war der Rosengarten bereits eingeebnet (vgl. Luftbild 8, S. 415). Das sollte in jenen ressourcenknappen Zeiten Pflegekosten einsparen.168

Zwischen 1975 und 1994 wurde westlich des Rosengartens eine Bronzeskulptur aufgestellt.169 Es handelte sich um die Figur „Sich Kämmende“ von Wilhelm Landgraf.170

Der ursprüngliche Rosengarten diente zwischenzeitlich bis 1999 als Hubschrauberlandeplatz und wies in den 1990er Jahren keinen floralen Schmuck auf. Er hatte seine leicht geschwungenen Wege im Osten eingebüßt und die ursprüngliche Verlängerung des westlichen fassadenbegleitenden Wegs von Haus P war nicht mehr als zu einem Trampelpfad (Anbindung Haus H) verkommen. Auch die langen Bankformate existierten in diesem Gartenraum noch an beiden Längsseiten. Mit dem Ausbau des Dachs von Haus H (gebaut 1995), wurde der Hubschrauberlandeplatz im Rosengarten überflüssig. Haus H erhielt einen Vorplatz aus Betonplatten und einer kleinen Vegetationsfläche an zwei Parkplatznischen. Die Vorplatzgestaltung stellte keinen Bezug zu den bisherigen Gartenstrukturen her, sodass sich der oben genannte Trampelpfad

165 HUNGER, 10.07.2025. 166 EBD. 167 Ab den 1970er Jahren waren nur noch zwei Gärtner für die Freiflächen des gesamten Krankenhauses zuständig. 168 KNÖFEL 1999, S. 31. 169 Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Aufstellung erst nach 1990 erfolgte, Sie existierte am heutigen Standort bereits vor 1999. 170 Weitere Informationen zu WILHELM LANDGRAF, vgl. S. 462.

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bildete. Die Südfassade von Haus H wurde durch einen Gehölzsaum von Bäumen mittleren bis höheren Alters flankiert (hauptsächlich Laubbäume).

1999 setzten die Wiederherstellungsarbeiten des Rosengartens ein, wofür die Bitumebeläge der ehemaligen Landeplatzumrandung entfernt wurden. Einbauten, wie der Kollektorgang und Lüftungsschächte wurden technisch modernisiert.171 Das historisch 1938 vorgegebene Thema eines Rosengartes wurde an die bestehenden Flächenabmaße angepasst und symmetrisch in die ursprünglich größere Fläche einbeschrieben. So wurde die Formensprache an den gestiegenen Platzbedarf, wie dem umlaufenden Fußweg (gebaut nach 1992), angepasst.172 Die Lösungsfindungen glückten nicht in allen Bereichen, weshalb der westliche Abschluss mit einem abknickenden Weg in der gestalterischen Qualität abfällt. Es wurde eine rot-braun gefärbte Deckschicht der Wassergebundenen Wegedecke eingebaut.

Die Parkfläche nördlich von Haus N verkleinerte sich spätestens um 1948 deutlich, weil das sich auf der Mittelachse befindliche Gebäude Haus N einen Vorbau bekam, um die im Krieg beschädigten Pavillonbauten zu ersetzen (vgl. Abb. 340, S. 399). Die davor liegenden Wiesenflächen gingen ohne Bord in Wassergebundene Wegedecke oder Pflasterwege über. In lockerer Verteilung befanden sich in diesem Bereich Lindengehölze unterschiedlichen, teilweise jedoch mit offensichtlich erheblichem Alter. Der heute stattliche Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) lässt sich erst ab 1987 nachweisen (vgl. Luftbild 9, S. 417). Auch nördlich des zwischen Parterre und Haus N verlaufenden Querweges wurde bereits vor 1982 die Grünfläche beschnitten, indem Parkplätze auch Flächen des Mittelparterres beanspruchten (vgl. Abb. 343, S. 401). Für Fußgängerwege wurden die Grünflächen nach 1991 weiter beschnitten (vgl. Abb. 295, S. 361).

Vor Haus U wurde vor 1992 eine Sandsteinbüste von Christian Georg Schmorl173 (1861–1932) aufgestellt. Zu jener Zeit flankierten bereits Kleinbäume die Rampe und eine ehemals an der Fassade stehende Linde war entfernt worden. Stattdessen befanden sich zwei Bäume auf dem Rasen östlich des Zuwegs zur Treppe von Haus U. Es handelte sich um einen Zweigriffeligen Weißdorn (Crataegus laevigata ‘Paulii’) unweit der Mauer und südlich davon um einen Eingriffeligen Weißdorn (Crataegus monogyna). Die Rampe zu Haus U war ebenso wie die gesamte Einfahrt gepflastert. PKWs welche durch die bereits 1992 mit Schranke, Geländer und Pförtnerhäuschen ausgestattete Einfahrt gefahren waren, fanden u. a. südlich von Haus A Parkplätze. Auf einer

171 Themenstadtplan Dresden: https://themenstadtplan.dresden.de/, Abruf: 19.03.2025. 172 SKDF BAUARCHIV, Ordner 16, Freiflächenplanung 19.05.1999. 173 Weitere Informationen zu Christian Georg Schmorl, vgl. S. 463.

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Fotografie von 2002, welche das Hochwasser zeigt, ist die heute unweit der Mauer stehende Ahornblättrige Platane Nr. 6 (Platanus x hispanica) noch relativ jung. Und eine bis mindestens 1999 bestehende alte Hänge-Birke (Betula pendula) direkt an dem Pförtnerhäuschen existierte nicht mehr (vgl. Karte 27, S. 451).

Was zeugt bis heute von dieser Zeitschicht 1946 bis 2025 (Phase 4)?

• Fußwege südlich und östlich des Mittelparterres sowie um den Rosengarten • Seiteneingänge des Ehrenhofs an der Stirnseite des Korridors, behindertengerechter Eingang und verglaster Vorbau • Urweltlmammutbaum auf der östlichsten Insel, gepflanzt zwischen 1953 und 1979 • Modernisierte Wasserbecken mit erneuerten Metallgeländern • im Rondell aufgestellte Prunkvase • Wechselflor entlang der Mittelachse • Bronzefigur „Kämmende“ • Wegeführung und Beete des Rosengartens • Haus H mit südlichem Vorplatz • Nördlicher Vorbau von Haus N • Sandsteinbüste von Christian Georg Schmorl

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