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KOMMUNALE
STARKREGENVORSORGE
IN NIEDERSACHSEN
Praxisleitfaden für Städte und Gemeinden
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KOMMUNALE
STARKREGENVORSORGE
IN NIEDERSACHSEN
Praxisleitfaden für Städte und Gemeinden
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IMPRESSUM
Herausgegeben von: Kommunale Umwelt-AktioN UAN e.V. Arnswaldtstraße 28 30159 Hannover
Erarbeitung: Im Rahmen des Pilotprojekts "Kommunale Starkregenvorsorge in Niedersachsen" der Kommunalen Umwelt-AktioN UAN e.V., Hannover Redaktion: Heitmar Benson, Kommunale Umwelt-AktioN UAN e.V., Hannover Dr. Heike Neukum, Kommunale Umwelt-AktioN UAN e.V., Hannover Unter Mitwirkung von: Dr. Katrin Flasche, Kommunale Umwelt-AktioN UAN e.V., Hannover Malin Delfs, Kommunale Umwelt-AktioN UAN e.V., Hannover Beatrice Kausch, Kommunale Umwelt-AktioN UAN e.V., Hannover Dr. Lothar Fuchs, itwh – Institut für technisch-wissenschaftliche Hydrologie GmbH, Hannover Annabelle Iwannek, itwh – Institut für technisch-wissenschaftliche Hydrologie GmbH, Hannover Prof. Dr. Holger Scheer, Emscher Wassertechnik GmbH, Essen Detlef Rieger, Emscher Wassertechnik GmbH, Essen Dr. Richard Rohlfing, PFI Planungsgesellschaft GmbH & Co. KG, Hannover Steffen Gerke, PFI Planungsgesellschaft GmbH & Co. KG, Hannover Jannik Henneberg, PFI Planungsgesellschaft GmbH & Co. KG, Hannover Lena Andritschke, Niedersächsischer Städte- und Gemeindebund NSGB, Hannover
Gestaltung: Dina Wolff, LA LOUP – MEDIENAGENTUR, www.laloup.de Druck: Gutenberg Beuys Feindruckerei GmbH, www.feindruckerei.de
Erstellt mit Fördermitteln von:
Mit Unterstützung von:
Flecken Steyerberg
Gedruckt auf 100% Recyclingpapier mit Farben auf Wasserbasis Nachdruck – auch auszugsweise – ist nur mit Zustimmung des Herausgebers unter Quellenangabe und Überlassung von Belegexemplaren gestattet.
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INHALT
ABKÜRZUNGEN 09
VORWORTE 10 1 EINLEITUNG 12 1.1 ZIEL DIESES LEITFADENS 12 1.2 DAS PILOTPROJEKT 13 1.3 HINTERGRUND 14
2 STARKREGEN IN NIEDERSACHSEN 15 2.1 WAS IST STARKREGEN? 15 2.2 GEFAHREN DURCH STARKREGEN 16 2.3 STARKREGENEREIGNISSE IN NIEDERSACHSEN: AKTUELL UND ZUKÜNFTIG ERWARTET 17 2.3.1 Ereignisse vergangener Jahre 17 2.3.2 Prognosen und zukünftiges Niederschlagsgeschehen 18 2.4 HINWEISKARTEN STARKREGENGEFAHREN IN NIEDERSACHSEN 19
3 KOMMUNALE GEMEINSCHAFTSAUFGABE STARKREGENVORSORGE 21 3.1 GRUNDLEGENDES 21 3.2 ABGRENZUNG ZU ANDEREN AUFGABENBEREICHEN 22 3.2.1 Abgrenzung zu den Aufgaben der Siedlungsentwässerung 22 3.2.2 Abgrenzung zu den Aufgaben der Hochwasservorsorge 23 3.3 STARKREGENRISIKOMANAGEMENT 24 3.3.1 Einführung eines Starkregenrisikomanagements 24 3.3.2 Aufgabenfelder 25 3.3.3 Beteiligte 26 3.4 METHODIK UND VORGEHENSWEISE 28
4 ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN 30 4.1 ZIEL DER GEFÄHRDUNGSANALYSE 30 4.2 METHODEN UND BENÖTIGTE DATEN 30 4.3 VEREINFACHTE GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG 31 4.3.1 Eingangsdaten 33 4.3.2 Durchführung 33 4.3.3 Grenzen der Einsetzbarkeit 34 4.4 TOPOGRAPHISCHE ANALYSE 34 4.4.1 Eingangsdaten 34 4.4.2 Durchführung 35 4.5 HYDRAULISCHE MODELLIERUNG (2D) 36 4.5.1 Eingangsdaten und Durchführung 36 4.5.2 Mindestanforderung 40 4.5.3 Gekoppelte Modellberechnung 40 4.6 ERSTELLUNG VON GEFAHRENKARTEN 41 4.7 DOKUMENTATION UND ÜBERGABE 44
5 BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS 46 5.1 ZIELE 46 5.2 BEWERTUNGSGRUNDLAGEN FÜR DAS SCHADENSPOTENZIAL 46
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INHALT
5.2.1 Bereiche mit Schutzbedürfnis und Kriterien 46 5.2.2 Schadenspotenzialklassen 48 5.2.3 Kritische Objekte 49 5.2.4 Sonderfall: Schäden durch Erosion und Gerölltransport 51 5.3 BEWERTUNGSMETHODIK 53 5.4 DREI METHODEN ZUR SCHADENSPOTENZIALBEWERTUNG 53 5.4.1 Flächenbezogene Bewertung des Schadenspotenzials 56 5.4.2 Detaillierte Bewertung des Schadenspotenzials 56 5.4.3 Objektspezifische Schadenspotenzialbewertung 57 5.5 DATENGRUNDLAGE 57 5.6 PLAUSIBILISIERUNG DER ERGEBNISSE UND DOKUMENTATION 58
6 RISIKOANALYSE 60 6.1 ZIELE 60 6.2 RISIKOBEGRIFF 60 6.3 BEWERTUNGSMETHODIK 61 6.3.1 Berücksichtigung der Exposition 61 6.3.2 Berücksichtigung von Überflutungsgefährdung und Schadenspotenzial 61 6.3.3 Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit des Niederschlagsszenarios 63 6.3.4 Exkurs: Berücksichtigung von sekundären Auswirkungen 63 6.4 DREI METHODEN ZUR RISIKOBEWERTUNG 63 6.4.1 Vereinfachte Risikoanalyse 65 6.4.2 Detaillierte Risikoanalyse 66 6.4.3 Objektspezifische Risikoanalyse 66 6.5 ERSTELLUNG VON RISIKOKARTEN 66 6.6 PLAUSIBILISIERUNG DER ERGEBNISSE 68 6.7 DOKUMENTATION UND VERÖFFENTLICHUNG 68
7 HANDLUNGSKONZEPT 70 7.1 ZIELE 70 7.2 ZU BETEILIGENDE AKTEURE 71 7.3 INHALT UND STRATEGIE 71 7.3.1 Clusterbildung 72 7.3.2 Steckbriefe 73 7.4 PRIORISIERUNG VON MASSNAHMEN 75 7.4.1 Wirksamkeit/Wirkungsradius 75 7.4.2 Dringlichkeit 75 7.4.3 Wirtschaftlichkeit 76 7.4.4 Umsetzbarkeit 76 7.4.5 Signifikanz 76 7.4.6 Prioritätskriterien 77 7.4.7 Kommunikation des Priorisierungskonzeptes 77 7.5 MASSNAHMEN ZUR STARKREGENVORSORGE 78 7.5.1 Vorgehen bei der Konzeption der Maßnahmen 78 7.5.2 Infrastrukturbezogene Maßnahmen 78 7.5.3 Gewässerbezogene Maßnahmen 78 7.5.4 Flächenbezogene Maßnahmen 79 7.5.5 Objektbezogene Maßnahmen 79
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INHALT
7.5.6 Informations- und verhaltensbezogene Maßnahmen 80 7.5.7 Kanalnetzbezogene Maßnahmen 80
8 RISIKOKOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT 81 8.1 GRUNDLEGENDES 81 8.2 ZIELE UND ZIELGRUPPEN 83 8.3 DARSTELLUNG AUSGEWÄHLTER THEMEN 86 8.3.1 Starkregenindex zur Kategorisierung von Regenereignissen 86 8.3.2 Karten 89 8.3.3 Erläuterungstexte zum Kartenverständnis 90 8.4 KOMMUNIKATIONSFORMATE 91
9 EMPFEHLUNGEN 92 10 SCHLUSSBEMERKUNG 93 LITERATUR 94 ABBILDUNGEN 98 TABELLEN 99 GLOSSAR 100 BILDQUELLEN 106 DIGITALE ANLAGEN 107
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ABKÜRZUNGEN
ABAG Allgemeine Bodenabtragsgleichung Abs. Absatz ALKIS Amtliches Liegenschaftskatasterinformationssystem ATKIS Amtliches Topographisch-Kartographisches Informationssystem BASt Bundesanstalt für Straßenwesen BauGB Baugesetzbuch BBK Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe BKG Bundesamt für Kartographie und Geodäsie BMI Bundesministerium des Innern und für Heimat B-Plan Bebauungsplan DB Deutsche Bahn DGM Digitales Geländemodell DIN Deutsches Institut für Normung e.V. DLM Digitales Landschaftsmodell DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. EG Europäische Gemeinschaft EN Europäische Norm F-Plan, FNP Flächennutzungsplan GIS Geoinformationssystem GLD Gewässerkundlicher Landesdienst HQ Hochwasserabfluss HWRM-RL Hochwasserrisikomanagementrichtlinie IVU Integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung KommAG Starkregen Kommunale Arbeitsgruppe Starkregen LAWA Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser LBEG Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie LGLN Landesamt für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg Nds. Niedersachsen NLStBV Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr NLWKN Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz NVermG Niedersächsisches Gesetz über das amtliche Vermessungswesen NWG Niedersächsisches Wassergesetz o.J. ohne Jahr SRI Starkregenindex UAN Kommunale Umwelt-AktioN UIG Umweltinformationsgesetz WHG Wasserhaushaltsgesetz WRRL Wasserrahmenrichtlinie
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 9
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VORWORT
Liebe Leserinnen und Leser,
als eine Folge des Klimawandels werden wir zukünftig häufiger mit Wetterextremen wie Hitzewellen, Hochwas- ser und auch Starkregen konfrontiert sein. Die katastrophalen Bilder aus dem Ahrtal haben uns gezeigt, dass unwetterartige Regengüsse überall im Land und damit auch abseits von größeren Flüssen zu dramatischen Überschwemmungen führen können. Gerade in den Sommermonaten verursacht Starkregen in Verbindung mit heftigen Gewittern oft große Schäden. Denn im Gegensatz zu Hochwasser an großen Flüssen ist der genaue Ort und Zeitpunkt kaum vorherzusagen und tritt für die Betroffenen häufig sehr überraschend auf. Dieser Leitfaden stellt für Kommunen und Planer ein einheitliches Verfahren zur Verfügung, um kommunale Starkregenvorsorgekonzepte zu erstellen. Mit Hilfe von Starkregengefahrenkarten können Kommunen gefähr- dete Bereiche identifizieren und daraus adäquate Maßnahmen ableiten, sowohl präventiv als auch im akuten Katastrophenfall, um mögliche Schäden zu verringern. Die vielfältigen Aufgaben der Starkregenvorsorge sind nur im Verbund mit allen Akteuren und Akteurinnen leist- bar. Der vorliegende Leitfaden liefert grundlegende Informationen sowie Anregungen und soll damit die Kom- munen in der gemeinsamen Verantwortung für den Schutz vor Starkregenereignissen unterstützen. Kommunen, die sich mit dem Thema befassen und sich auf den Leitfaden „Kommunale Starkregenvorsorge in Niedersachsen“ stützen, fördert das Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Städte, Gemeinden und Verbände erhalten vom Land einen Zuschuss der Kosten, die für kommunale Starkregengefahrenkarten mit nachfolgender Risikoanalyse und darauf aufbauendem Handlungskonzept entstehen. Erarbeitet wurde der Leitfaden als ein wesentlicher Baustein des Pilotprojektes „Kommunale Starkregenvor- sorge in Niedersachsen“ von der Kommunalen Umwelt-AktioN UAN. Dafür möchte ich dem Projektteam der UAN meinen ganz besonderen Dank aussprechen.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!
Christian Meyer Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz
10 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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VORWORT
Liebe Leserinnen und Leser des Leitfadens,
der Klimawandel ist neben dem Fachkräftemangel und der Migration das vermutlich brennendste Thema unse- rer Zeit. Nicht erst seit den schrecklichen Ereignissen im Ahrtal 2021 wissen wir, welche ungeheuerlichen Kräfte Wettereignisse mit sich bringen können. Umso wichtiger ist es, sich den Themen zu stellen und auch im Bereich der Klimafolgenanpassung die für seine Kommune und seinen Verantwortungsbereich richtigen Schlüsse da- raus zu ziehen. Daher ist in einem dreijährigen Projekt der Kommunalen Umwelt-AktioN UAN und den beiden Pilotkommunen Steyerberg und Bad Salzdetfurth als Ergebnis der nun vorliegende Leitfaden zur Kommuna- len Starkregenvorsorge entstanden, der die Erfahrungen und Ergebnisse dieses Projektes widerspiegelt und hilfreiche Vorgehensmodelle für diesen Bereich beschreibt. Kommunen haben mit Hilfe dieses Leitfadens die Möglichkeit, sich dem Thema Starkregen(-vorsorge) systematisch zu nähern und das Thema somit zu einem wichtigen Baustein der kommunalen Handlungsnotwendigkeiten machen zu können.
Mein besonderer Dank gilt neben dem Niedersächsischen Umweltministerium als Fördermittelgeber sowie den beteiligten Kommunen und Ingenieurbüros daher insbesondere dem Projektteam der UAN, welches mit diesem Leitfaden eine sehr gute Grundlage dafür geschaffen hat. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre und Anwendung dieses Leitfadens.
Ihr Marco Trips
Marco Trips Sprecher der Kommunalen Umwelt-AktioN UAN e.V. sowie Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 11
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EINLEITUNG
1 EINLEITUNG
Die kommunale Starkregenvorsorge ist vor dem Hin- orisiert werden. Die Inhalte des Handlungskonzeptes tergrund des Klimawandels ein Gebot der Stunde. werden unterschiedliche Akteure betreffen. Die Ein- Auf die zunehmende Gefährdung durch Starkregen- bindung lokaler Erfahrungs- und Wissensträger:innen ereignisse müssen sich alle einstellen: Städte und Ge- und die Sensibilisierung bzgl. möglicher Starkregen- meinden, Bürger:innen, Unternehmen, Grundeigentü- gefahren mittels einer guten und frühzeitigen Öffent- mer:innen und weitere Akteure. lichkeitsarbeit und Risikokommunikation mit allen „Es besteht überall in Deutschland ein Risiko, dass ex- Beteiligten erhöhen die Akzeptanz der erarbeiteten treme Starkniederschläge auftreten können. Statisti- Karten und Informationen und insbesondere die spä- sche Analysen lassen darauf schließen, dass mit dem tere Maßnahmenumsetzung. Anstieg der Lufttemperatur und einer erhöhten Auf- nahmekapazität von Wasserdampf in der Atmosphäre
1.1 ZIEL DIESES LEITFADENS
mit einer Häufung und Intensivierung von konvektiven Starkniederschlägen zu rechnen ist.“1 Ziel dieses Leitfadens ist die Unterstützung der re- Das Auftreten von Starkregenereignissen kann zwar gionalen und lokalen Akteure der niedersächsischen nicht verhindert, die daraus resultierenden Gefah- Städte und Gemeinden bei der Starkregenvorsorge. ren und Risiken aber verringert werden. Eine syste- Der Leitfaden enthält Hilfestellungen und Empfeh- matische Vorgehensweise zur Ermittlung der Gefähr- lungen zur Erarbeitung eines kommunalen Hand- dung und der mit Starkregenereignissen verbundenen lungskonzepts zur Starkregenvorsorge und ist als Risiken ist daher wichtig. Die dadurch gewonnenen Arbeitshilfe für kommunale Fachplaner:innen und Erkenntnisse dienen als Grundlage für effektive Vor- Entscheidungsträger:innen konzipiert. sorgemaßnahmen zur Schadensvermeidung bzw. Die Empfehlungen im vorliegenden Leitfaden basie- -minimierung. ren auf Erfahrungen aus dem Pilotprojekt „Kommu- Eine zentrale Rolle kommt dabei den Städten und nale Starkregenvorsorge in Niedersachsen“ sowie Gemeinden zu. Durch eine Gefährdungs- und Risiko- weiterer aktueller Informationen und Entwicklungen analyse und die Erstellung und Veröffentlichung von im Bereich Starkregen. Neben der Vermittlung von Starkregengefahrenkarten werden die Gefahrenbe- Grundlagen zum Thema Starkregen werden die ein- reiche für alle Betroffenen sichtbar. Dies ist die Grund- zelnen Schritte und Bausteine zur Erstellung eines voraussetzung, um überhaupt sinnvoll handeln zu Handlungskonzeptes – die Gefährdungsanalyse, die können. Schadenspotenzialbewertung, die Risikoanalyse, die In einem kommunalen Handlungskonzept können da- daraus abgeleiteten Maßnahmen zur Starkregenvor- rauf aufbauend geeignete Maßnahmen zur Starkre- sorge und die begleitende Risikokommunikation – genvorsorge systematisch zusammengestellt und pri- erläutert, verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt so-
12 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN xipTJ/ailotoF :elleuQ
1 Umweltbundesamt (2021) S. 30
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EINLEITUNG
wie praktische Hinweise zur Umsetzung gegeben. Praxiswissen für die Erarbeitung eines kommunalen Gleichzeitig soll der Leitfaden dazu beitragen, das Ri- Handlungskonzepts zur Starkregenvorsorge in einer sikobewusstsein für Starkregen insgesamt zu stärken kleinen sowie einer mittelgroßen niedersächsischen und die Notwendigkeit eines integrativen Vorgehens Kommune, die in zwei unterschiedlichen Naturräu- unter Einbeziehung aller Beteiligten zu verdeutlichen. men – dem Berg- und Hügelland und dem Tiefland – Dazu spannt der Leitfaden in Kapitel 2 den Bogen von liegen sollten. Die ausgewählten Pilotkommunen wa- der allgemeinen Definition und der Einordnung von ren die Stadt Bad Salzdetfurth im Innerstebergland Starkregenereignissen über vergangene und zukünftig im Landkreis Hildesheim mit ca. 13.000 Einwohner:in- zu erwartende Ereignisse bis hin zur konkreten Situa- nen und der Flecken Steyerberg im Norddeutschen tion in Niedersachsen und der niedersachsenweiten Tiefland im Landkreis Nienburg mit rd. 5.200 Einwoh- Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundesamtes ner:innen. für Kartographie und Geodäsie (BKG), die zur Jahres- mitte 2024 zur Verfügung stehen soll. Beide Kommunen durchliefen alle Schritte der kom- In Kapitel 3 werden die einzelnen Schritte der Starkre- munalen Starkregenvorsorge von der Ausschreibung genvorsorge bzw. des Starkregenrisikomanagements bis zur Übergabe des fertigen Handlungskonzeptes als kommunale Gemeinschaftsaufgabe erläutert. an die Kommunalpolitik, die über die Umsetzung des Die Beschreibung der Analyse der Starkregengefahr Konzepts und die Bereitstellung der notwendigen erfolgt in Kapitel 4. Daran schließen sich Ausführungen Finanzmittel für ihre Kommune entschied. zur Bewertung des Schadenspotenzials (Kapitel 5) und Eine Arbeitsgemeinschaft aus drei Ingenieurbüros zur Analyse des Überflutungsrisikos (Kapitel 6) an. Die – das itwh - Institut für technisch-wissenschaftliche Risikoanalyse bildet die Grundlage für die Entwicklung Hydrologie GmbH und die PFI Planungsgemeinschaft des Handlungskonzeptes (Kapitel 7). GmbH & Co.KG, beide aus Hannover, sowie die Emscher Die Bedeutung der Risikokommunikation und Mög- Wassertechnik GmbH aus Essen – wurde mit den Inge- lichkeiten der Öffentlichkeitsbeteiligung sind Gegen- nieursarbeiten und der Öffentlichkeitsarbeit beauf- stand des Kapitels 8, gefolgt von zusammenfassenden tragt. Empfehlungen und einer Schlussbemerkung in den Kapiteln 9 und 10. Insbesondere die Ansprache und die Einbindung der Bevölkerung und Öffentlichkeit in die Starkregenvor- Ergänzt wird der Leitfaden durch ein Literaturverzeich- sorge war ein großes Anliegen des Modellvorhabens. nis, ein Glossar und einen umfangreichen Anhang mit Die Öffentlichkeitsarbeit war zeit- und kostenintensiv, digitalen Anlagen. Als digitale Anlagen zum Leitfaden hat sich aber gelohnt. Auch auf kommunaler Ebene stehen u.a. eine Muster-Leistungsbeschreibung, die war es wichtig, ausreichend personelle Ressourcen alle Leistungen zur Erstellung eines Starkregenvor- für das Projekt zur Verfügung zu haben, um die Arbeit sorgekonzeptes beschreibt, ein Muster-Steckbrief für der Ingenieurbüros mit lokalem Fachwissen und Orts- die im Handlungskonzept identifizierten Maßnahmen, kenntnis zeitnah begleiten zu können. ein Symbolkatalog kritischer Objekte, detaillierte Be- schreibungen der vielfältigen Maßnahmen zur Stark- Im zweiten Baustein ging es darum, alle interessier- regenvorsorge sowie inhaltliche Vertiefungen zu ein- ten Kommunen in Niedersachsen bereits während des zelnen Kapiteln als frei verfügbare Download-Dateien Modellvorhabens an den Ergebnissen teilhaben zu las- zur Verfügung. Die digitalen Anlagen werden im Sinne sen. Zu diesem Zweck wurde im Jahr 2021 das Stark- von „living documents“ fortlaufend aktualisiert und regen-Netzwerk Niedersachsen gegründet. Seither fin- ergänzt. den 1 – 2 mal/Jahr Tagungen zur Information und zum fachlichen Austausch der Netzwerkteilnehmer:innen zur Starkregenvorsorge statt. Zwischen den Tagungen
1.2 DAS PILOTPROJEKT
gibt es alle drei Monate eine „digitale Regenpause“, in Vom 01.01.2020 – 31.03.2023 wurde das Pilotprojekt der in einem einstündigen Online-Meeting die Mög- „Kommunale Starkregenvorsorge in Niedersachsen“ lichkeit zum Austausch zwischen den kommunalen bei der Kommunalen Umwelt-AktioN UAN durchge- Teilnehmer:innen, den Ingenieurbüros und der UAN führt. Finanziert wurde das Projekt durch das Nieder- gegeben wird. sächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Kli- Über die E-Mail-Adresse starkregen@uan.de können maschutz sowie zwei Pilotkommunen. jederzeit Fragen zur Starkregenvorsorge an das Team Das Projekt bestand aus drei wesentlichen Baustei- der UAN gestellt werden. Mittlerweile hat das Netz- nen. Im ersten Baustein ging es um die Gewinnung von werk über 450 persönliche Mitglieder. Das Starkregen-
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 13
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EINLEITUNG
Netzwerk Niedersachsen wird in einem Folgeprojekt ge, welche Bausteine in welchem Umfang notwendig mit finanzieller Unterstützung des Niedersächsischen und angemessen sind. Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz bei Die Aufgabe der Starkregenvorsorge bindet nicht der UAN weitergeführt. unerhebliche finanzielle und personelle Ressourcen. Daher ist es sehr zu begrüßen, dass die Erstellung Sowohl die Erfahrungen und Erkenntnisse aus den von kommunalen Starkregenvorsorgekonzepten auf Projekten in den beiden Pilotkommunen als auch der Basis dieses Leitfadens durch das Land Niedersachsen Austausch im Starkregen-Netzwerk Niedersachsen finanziell gefördert werden soll. sind nun in den vorliegenden Leitfaden „Kommunale Die Gemeinden haben zusätzlich mit dem § 96a NWG Starkregenvorsorge in Niedersachsen“ eingeflossen. die Möglichkeit erhalten, die anfallenden Kosten op- Wir danken allen, die mit ihrem Wissen und ihren Er- tional auch über die Schmutzwassergebühr zu finan- fahrungen zu den Inhalten dieses Leitfadens beigetra- zieren. Dieser Weg ist derzeit allerdings noch „recht- gen haben. liches Neuland“. Ein weiterer Beitrag des Landes Niedersachsens zur Unterstützung der Kommunen auf dem Weg zur kom-
1.3 HINTERGRUND
munalen Starkregenvorsorge ist die Bereitstellung Klimaprognosen und Überflutungen durch Starkre- der landesweiten Hinweiskarte Starkregengefahren genereignisse in der jüngeren Vergangenheit zeigen im Jahr 2024 durch das BKG. die Dringlichkeit und Notwendigkeit einer kommuna- Der vorliegende Leitfaden beschreibt die Grundlagen len Starkregenvorsorge in Niedersachsen. für ein effizientes Starkregenrisikomanagement. Nicht In den letzten 10 Jahren ist der Wissensstand zu die- alle Aspekte der Starkregenvorsorge konnten im Mo- sem Themenfeld stetig gewachsen. Bereits 2013 ver- dellvorhaben und in diesem Leitfaden bereits umfas- öffentlichten die Deutsche Vereinigung für Wasserwirt- send behandelt werden. Dies betrifft insbesondere die schaft, Abwasser und Abfall (DWA) und der Bund der Aufgaben der Gefahrenabwehr sowie die Auswirkun- Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und gen eines „neuen“ Umgangs mit dem (Regen-)Wasser Kulturbau (BWK) das Themenheft „Starkregen und ur- auf die Kommunen oder auch eine mögliche integrale bane Sturzfluten – Praxisleitfaden zur Überflutungs- Betrachtung von Starkregen- und Hochwassergefah- vorsorge“. Die Bundesländer Baden-Württemberg und ren an bestimmten Gewässern. Nordrhein-Westfalen haben für ihre Kommunen Leit- Diese Themen werden daher in einem Nachfolgepro- fäden bzw. Handlungsempfehlungen zur Umsetzung jekt bearbeitet und im Starkregen-Netzwerk zur wei- eines kommunalen Starkregenvorsorgekonzepts her- teren inhaltlichen Vertiefung angeboten. ausgegeben (Baden-Württemberg: „Kommunales Jetzt gilt es, die Weichen für eine effiziente kommu- Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg“ nale Starkregenvorsorge zu stellen. Es ist wichtig, die (2016), Nordrhein-Westfalen: „Arbeitshilfe kommuna- zukünftigen Veränderungen durch den Klimawandel les Starkregenrisikomanagement“ (2018)). Wichtig im kommunalen Handeln zu berücksichtigen. Mit der ist ferner das bundesweit regelsetzende Merkblatt Erstellung eines kommunalen Handlungskonzeptes „DWA-M 119 Risikomanagement in der kommunalen zur Starkregenvorsorge wird hierfür eine gute Grund- Überflutungsvorsorge für Entwässerungssysteme bei lage geschaffen. Starkregen“ von 2016. Der vorliegende Leitfaden für Niedersachsen orien- tiert sich an diesen bereits veröffentlichten Hand- lungsempfehlungen, beschreibt aber darüber hinaus ein auf Niedersachsen zugeschnittenes Vorgehen in der Starkregenvorsorge. In Niedersachsen wurde ein eigener Weg verfolgt, um im Rahmen eines Pilotpro- jektes unter Berücksichtigung der naturräumlichen Gegebenheiten und der kommunalen Strukturen Er- kenntnisse und Empfehlungen für die Erstellung eines kommunalen Handlungskonzeptes zur Starkregenvor- sorge in Niedersachsen zu gewinnen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Heraus- forderungen dieser Aufgabe für kleine und mittlere Städte und Gemeinden gelegt, verbunden mit der Fra-
14 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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STARKREGEN IN NIEDERSACHSEN
2 S TARKREGEN IN NIEDERSACHSEN
2.1 WAS IST STARKREGEN? und ohne Berücksichtigung der auch in Deutschland vorhandenen regionalen Unterschiede in der Nieder- Starkregen ist ein Regenereignis, bei dem eine sehr schlagscharakteristik. hohe Menge Niederschlag innerhalb kurzer Zeit fällt. Eine allgemeingültige, weltweite Definition von Stark- Starkregenereignisse entstehen in der Regel durch regen ist schwierig, da sich deutliche Abhängigkeiten konvektive Bewölkung und sind oft auf relativ kleine von der charakteristischen Niederschlagsmenge der Gebiete beschränkt. Starkregenereignisse treten ty- jeweiligen Klimazone ergeben. So hat ein Starkregen- pischerweise als Sommergewitter sehr lokal auf und ereignis in den Tropen andere Niederschlagsmengen können in kurzer Zeit große Flächen überfluten. Stark- als in Europa. regenereignisse können aufgrund ihrer engen räum- Nicht jeder starke Regen ist ein Starkregen, der Sturz- lichen Begrenzung teilweise nicht von Messnetzen er- fluten oder Überflutungen in besiedelten Gebieten fasst werden, so dass Vorwarnungen nicht oder nur in auslösen kann. Niederschlagsereignisse, die länger einem sehr kurzen Zeitfenster möglich sind. Bei loka- als 12 Stunden andauern, werden als Dauerregen be- lem Starkregen ist es fast unmöglich, vorherzusagen, zeichnet. Sie können jedoch, wenn dabei große Re- an welchem Ort er fallen wird. genmengen fallen, vergleichbare Auswirkungen wie Starkregenereignisse haben und ebenfalls zu Über- Für Deutschland hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) flutungen führen. Wenn es um Starkregen geht, fallen für Starkregen folgende Schwellenwerte definiert²: oft Begriffe wie „Jahrhundertregen“ oder gar „Jahr- tausendregen“. Es ist jedoch schwierig, solche Be- • Markante Wetterwarnung: griffe einzuordnen – gerade dann, wenn ein solcher Regenmengen 15 bis 25 l/m² in 1 Stunde Jahrhundertregen gleich mehrfach in kurzer Zeit auf- oder 20 bis 35 l/m² in 6 Stunden tritt. Eine statistische Einordnung und Beschreibung • Unwetterwarnung: von Niederschlägen erfolgt in der Wasserwirtschaft Regenmengen > 25 bis 40 l/m² in 1 Stunde durch die Kenngrößen Niederschlagsdauer, Nieder- oder > 35 l/m² bis 60 l/m² in 6 Stunden schlagshöhe und Wiederkehrzeit. Damit sind Aussa- • Warnung vor extremem Unwetter: gen möglich wie z.B. „Ein Regen mit einer mittleren Regenmengen > 40 l/m² in 1 Stunde Wiederkehrzeit von 20 Jahren und einer Dauer von 60 oder > 60 l/m² in 6 Stunden Minuten hat eine Regenhöhe von 43 mm bzw. 43 l/m²“. Solche statistischen Aussagen sind immer ortsbezo- Diese Definition bezieht sich ausschließlich auf die gen. Die Charakterisierung von Niederschlägen durch gefallene Regenmenge in einem Zeitintervall ohne diese drei Kenngrößen ist für eine anschauliche und Berücksichtigung der statistischen Wiederkehrzeit verständliche Vermittlung an kommunale Entschei-
2 DWD Deutscher Wetterdienst DWD Wetter- und Klimalexikon: Starkregen
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 15 1202 ,NAU :elleuQ
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STARKREGEN IN NIEDERSACHSEN
dungsträger:innen oder Bürger:innen eher ungeeig- Bereichen mit hohem Versiegelungsgrad steigen die net. Daher wurde zur Vereinfachung der Einordnung Gefahren durch oberflächlich abfließendes Wasser. und Beschreibung von Regenereignissen ein dimen- Aber auch leichte Hangneigungen von wenigen Grad sionsloser Starkregenindex (SRI) eingeführt, welcher im Außenbereich begünstigen Oberflächenabfluss diese Kenngrößen vereint und welcher eine verständ- und eine mögliche innerörtliche Konzentration. lichere Einordnung und einfachere Vergleichbarkeit Sturzfluten können überall in Deutschland auftreten, von Starkregenereignissen ermöglicht (Abbildung 2.1). unabhängig von der Nähe eines Gewässers. Auch To- Die ansteigenden Indexwerte von 1 bis 12 zeigen je- desopfer sind nicht ausgeschlossen. Schäden durch weils die während einer bestimmten Niederschlags- Starkregen entstehen vor allem durch schnell an-
Abbildung 2.1: Starkregenindex in Anlehnung an Schmitt et al. (2016) (HAMBURG WASSER, 2022)
dauer gefallenen, immer größer werdenden Regen- schwellende kleine Bäche und Gräben, unkontrol- höhen an. Je höher der Indexwert, desto größer ist liert oberflächig abfließendes Wasser mit hohem folglich die Überflutungsgefahr infolge des Regener- Strömungsdruck, Überlastung der Kanalisation und eignisses. Rückstau. Dies führt oftmals zu Schäden an Gebäu- Der Index basiert auf einer örtlich differenzierten sta- den, der Infrastruktur und auf landwirtschaftlichen tistischen Analyse der Niederschlagshöhen und kann Flächen. Von Überflutungen können Verkehrsgefähr- damit für jeden Ortspunkt aufgestellt werden, sofern dungen ausgehen. Außerdem können unter der Was- die entsprechenden Regendaten vorliegen. Damit seroberfläche nicht erkennbare Gegenstände, Hin- ergeben sich je nach betrachtetem Ort lokal unter- dernisse und Öffnungen sein. Mit stärker steigenden schiedliche Werte. Weitere Details zum SRI sind in Ab- Wasserständen besteht die Gefahr des Eindringens schnitt 8.3.1 beschrieben. von Wasser in die Gebäude. Besondere Gefahr besteht bei der Überflutung von Kellern. Schon ab geringen Wasserständen wird das Öffnen von Türen erschwert.
2.2 GEFAHREN DURCH STARKREGEN
Bei Kontakt von stromführenden Installationen oder Die Auswirkungen von Starkregen sind abhängig von Geräten mit Wasser besteht die Gefahr eines Strom- der Art des Ereignisses, insbesondere auch von den na- schlages. turräumlichen und infrastrukturellen Gegebenheiten Nicht nur vom Wasserstand, sondern auch von der sowie den bodenkundlichen und meteorologischen Fließgeschwindigkeit geht eine Gefahr aus. Schon Verhältnissen und demzufolge sehr unter-schiedlich. bei niedrigen Wasserständen aber gleichzeitig hoher Bei Starkregenereignissen fallen meist in kurzer Zeit Fließgeschwindigkeit besteht erhöhte Sturzgefahr. sehr große Niederschlagsmengen, wodurch das Was- Weiterhin können Gegenstände und Materialien mit- ser nicht vom Untergrund aufgenommen oder über gerissen werden und zu Verletzungen führen. Über- das Entwässerungssystem abgeführt werden kann. Es flutete Bereiche sollten daher möglichst nicht betre- können sich plötzlich Sturzfluten mit hohen Fließge- ten werden. Durch die Strömung des Wassers auf der schwindigkeiten bilden und große Bereiche fluten (Ab- Oberfläche kann es außerdem zu Erosion kommen bildung 2.2). Gehen Starkregen über besiedelten Ge- und somit zum Abtransport von Schlamm, Geröll und bieten und deren Umland nieder, kommt es häufig zu Treibgut. Dies kann wiederum zum Verschluss/Ver- Überflutungen mit großen Schäden durch unkontrol- klausungen von Brücken, Durchlässen und Einläufen liert abfließendes Wasser. Insbesondere in städtischen führen und durch Rückstaueffekte die Gefahren durch
16 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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STARKREGEN IN NIEDERSACHSEN
Abbildung 2.2: Oberflächliche Überflutungen in einer Muldenlage und Gewitterwolken vor drohendem Regenereignis in Bad Salzdetfurth (Stadt Bad Salzdetfurth, 2021)
Starkregen verstärken. 2.3 STARKREGENEREIGNISSE IN
Die einhergehenden Gefahren und Risiken werden
NIEDERSACHSEN: AKTUELL UND
durch die veränderten Eigenschaften und Strukturen
ZUKÜNFTIG ERWARTET
heutiger Siedlungsbereiche und Einzugsgebiete ver- stärkt. So tragen u.a. ein hoher Versiegelungsgrad und eine dichte Bebauung, fehlende Retentionsflächen 2.3.1 EREIGNISSE VERGANGENER JAHRE und veränderte Nutzungen im Siedlungsraum (z.B. zu Wohnzwecken ausgebaute Kellergeschosse) dazu bei. Der Trend zeigt für Niedersachsen im Zeitraum von 1881 bis heute einen Zuwachs in der Jahresnieder- EXKURS: ABGRENZUNG STARKREGEN ZU schlagssumme von knapp 100 mm. Bezogen auf die HOCHWASSER Jahreszeiten tragen insbesondere der Winter und Im Gegensatz zu Starkregenereignissen entstehen der Herbst zu dieser Zunahme bei, im Einzelnen etwa Flusshochwasserlagen in der Regel durch lang andau- +52 mm im Winter, +28 mm im Herbst und +16 mm ernde, großflächige Niederschläge meist geringerer im Frühjahr. Der Sommer ist insgesamt die nasseste Intensität. Jahreszeit, die Niederschlagsmenge im Sommer hat Die hohen Abflussmengen können zur Erhöhung des aber seit 1881 nur um 2 mm zugenommen³. Tabelle Wasserstandes im Gewässer, zu einer hydraulischen 2.1 zeigt eine kleine Auswahl von Starkregenereignis- Überlastung und damit zu seitlichen Ausuferungen sen in Niedersachsen mit einem Starkregenindex > 6 des Flusses führen. Dementsprechend liegen die Ge- seit 2017. fahrenbereiche für Hochwasser entlang der Gewäs- ser, während Starkregengefahren prinzipiell überall auftreten können. Schäden bei Flusshochwasser ent- stehen u.a. durch große Wassertiefen und langanhal- tende Überflutungen. Insbesondere an großen Flüssen lassen sich mögliche Hochwassersituationen durch Überwachungssysteme gut vorhersagen, so dass oft genügend Zeit bleibt, um geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. An kleinen Gewässern ist eine trennscharfe Abgren- zung zwischen Hochwasser und Starkregen oft nicht möglich, da Überflutungen als Kombination von ober- flächig abfließendem Starkregen und ausuferndem Gewässer entstehen können.
3 DWD Deutscher Wetterdienst (2018), S.18
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 17
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STARKREGEN IN NIEDERSACHSEN
Tabelle 2.1: Auswahl seit 2017 aufgetretener Starkregenereignisse in Niedersachsen (Quelle: Katalog extremer Niederschlagsereignisse (CatRaRE) des Deutschen Wetterdienstes, *: Stadt Braunschweig)
| Zeitraum | Kommune (Landkreis) | Beschreibung des Ereignisses | SRI |
|---|---|---|---|
| Juni 2017 | Hannover | 65 mm Niederschlag in etwas mehr als 60 Minuten | 8 |
| Juni 2017 | Bad Salzdetfurth (LK Hildesheim) | 70 mm Niederschlag in 7 Stunden | 7 - 8 |
| Juni 2019 | Hatten (LK Oldenburg) | 46 mm Niederschlag in 60 Minuten | 7 |
| Juni 2021 | Rastede (LK Ammerland) | 63 mm Niederschlag in 45 Minuten | > 8 |
| August 2021 | Wunstorf (Region Hannover) | 83 mm Niederschlag in etwas mehr als 60 Minuten | > 8 |
| August 2022 | Bodenwerder (LK Holzminden) | 53 mm in 60 Minuten | 8 |
| Juni 2023 | Braunschweig* | über 80 mm in 60 Minuten | 10 |
Die in Deutschland seit 2001 aufgetretenen Stark- Temperatur und andere meteorologische Größen und Dauerregenereignisse sind in dem Dashboard (saisonale Mittelwerte, Extremwerte usw.) für die des Deutschen Wetterdienstes (DWD) „Kataloge der nächsten Jahrzehnte. Starkregenereignisse (CatRaRE)“ zusammengefasst⁴. Bei Wetter- und Klimamodellen wird zwischen glo- Weitere Informationen und interaktive Karten zu ver- balen und lokalen Modellen unterschieden. Globale gangenen Starkregenereignissen und zur aktuellen Klimamodelle decken den gesamten Globus ab und Niederschlagssituation sowie Hinweise für geeignete haben meist eine relativ grobe horizontale Auflösung Vorsorgemaßnahmen sind zukünftig über das Stark- (100 km oder größer). Zur Beschreibung regionaler regenportal der Bund-/Länder-Arbeitsgemeinschaft Ausprägungen des Wetters/Klimas werden Wetter-/ Wasser (LAWA) verfügbar, welches sich derzeit (Stand Klimamodelle mit deutlich höherer räumlicher Auflö- 04/2024) im Aufbau befindet⁵. sung (1 - 20 km) verwendet. Der DWD betreibt derzeit das globale Wettervorhersa- gemodell ICON mit einer relativ hohen horizontalen 2.3.2 PROGNOSEN UND ZUKÜNFTIGES Auflösung von 13 km. Die Modellgrößen wie beispiels- NIEDERSCHLAGSGESCHEHEN weise Luftdichte, Temperatur, Wind und Wasserdampf Bedingt durch den Klimawandel wird davon ausge- sind Mittelwerte über die Fläche. Viele lokale Details gangen, dass zukünftig mit einer Zunahme von Wetter- der Erdoberfläche, die das Wettergeschehen entschei- extremen zu rechnen ist⁶. Der Blick auf das zukünftige dend beeinflussen können, erfordern jedoch eine noch Niederschlagsgeschehen erfolgt mit Hilfe von Wetter- feinere Auflösung. Für die Vorhersage solcher lokalen oder Klimamodellen. Effekte werden hochauflösende Regionalmodelle be- Während Klimamodelle eher auf langfristige Prog- nötigt. Diese erfordern höhere Rechenleistungen und nosen und eine statistische Auswertung des Wetters werden daher nur für kurze Zeiträume und kleinere ausgelegt sind, bilden Wettermodelle kürzere Zeiträu- Gebiete eingesetzt. me ab. Wettermodelle sind auf die nächsten Tage ge- nau. Klimamodelle berechnen Werte für Niederschlag,
4 https://www.dwd.de/DE/leistungen/catrare/catrare.html 5 https://lawa-starkregenportal.okeanos.ai 6 DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (2022), S. 2
18 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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STARKREGEN IN NIEDERSACHSEN
Für Deutschland gibt es mehrere lokale Wettermodel- ab Mitte 2024 veröffentlicht. le. Das Modell ICON-D2 mit einer Maschenweite von Diese Karten stellen landesweit die Ergebnisse der hy- 2,08 km deckt ganz Deutschland und Teile der Nach- draulischen Simulation von definierten Starkregener- barländer ab. Es ermöglicht Vorhersagen im Kurzfrist- eignissen dar. Die Berechnung bietet einen Überblick bereich bis zu +48 Stunden. Mit dem „Seamless Integ- über die Gefahrenbereiche bei bestimmten Starkre- rated ForecastINg sYstem—SINFONY“ entwickelt der genereignissen auch für das Land Niedersachsen (wie DWD derzeit ein neues Vorhersagesystem, das eine bereits für NRW und sukzessive für weitere Bundes- lückenlose Vorhersage von Wetterereignissen mit länder) und kann als Basis für detailliertere Analysen Schadenspotenzial und deren Eintrittswahrschein- dienen. lichkeit für den Kürzestfristvorhersagebereich (0 bis Die Hinweiskarten Starkregengefahren des BKG sind 12 Stunden) ermöglichen wird. Die Entwicklung kon- jedoch kein Ersatz für zu erstellende kommunale zentriert sich zunächst auf die Verbesserung der Vor- Starkregengefahrenkarten. Sie können detaillierte, hersage von Gewittern und Starkniederschlägen.⁷ Um kleinräumige hydraulische Modellrechnungen nicht Veränderungen im Klima und damit auch im Nieder- ersetzen und sind auch nicht als Planungsgrundlage schlagsverhalten projizieren zu können, sind Vorher- für detaillierte Maßnahmen zu sehen. Vielmehr erhal- sagen für die das Klima beeinflussenden Faktoren, wie ten Kommunen und Bürger:innen damit einen Über- beispielsweise dem Ausstoß von Treibhausgasen, er- blick und Hinweise zu möglichen Gefahrenpunkten forderlich. Ausgehend von Abschätzungen zur weite- bei Starkregen. Die Hinweiskarten Starkregengefahren ren Bevölkerungsentwicklung, zur Industrialisierung dienen also eher als Grundlage und zur Sensibilisie- oder zur Entwicklung neuer Technologien als Rand- rung für Kommunen, um die Notwendigkeit zu erken- bedingungen, können verschiedene Szenarien entwi- nen, aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten ckelt und mit Klima- bzw. Wettermodellen untersucht und der Situation vor Ort detaillierte, lokale hydrauli- werden. sche Analysen erstellen zu lassen. Ebenso dienen sie Für die Jahresniederschlagssummen zeigen die Pro- als Orientierungshilfe für bestehenden Handlungs- jektionen für Niedersachsen insgesamt eine leichte bedarf. Bei der Erstellung von kommunalen Starkre- Zunahme. Auch die Häufigkeit von Starkregenereig- gengefahrenkarten können die Hinweiskarten bei der nissen nimmt in Niedersachsen seit 1951 leicht zu. Plausibilisierung von Modellierungen unterstützen. Generell nimmt die Niederschlagssumme im Winter Die Hinweiskarten zeigen u.a. jeweils die maximalen zu, im Sommer treten weniger, dafür aber extremere Wasserstände und Fließgeschwindigkeiten für zwei Niederschlagsereignisse auf. Für die Tage mit mehr verschiedene Niederschlagsszenarien unter folgen- als 10 mm Niederschlag ist eine Zunahme zu erwar- den Annahmen: ten.⁸ Während die Entwicklung der Starkniederschlä- • außergewöhnliches Ereignis: ge deutschlandweit regional unterschiedliche Trends Wiederkehrzeit 100-jährlich/SRI 7 aufweist⁹, deutet sich gleichzeitig an, dass häufiger • extremes Ereignis: 100 mm/h und intensiverer Starkregen fällt (>15 l/m² pro h oder
20 l/m² pro 6h).¹⁰ Darüber hinaus wird erwartet, dass • Ausnahme ist NRW: der Anteil der Starkniederschläge am Gesamtnieder- hier extremes Ereignis mit 90 mm/h schlag steigen wird.¹¹ • Euler-Verteilung Typ II für Dauerstufe 60 min (außer NRW mit Blockregen) • Nachlaufzeit 60 min
2.4 HINWEISKARTEN STARKREGEN-
GEFAHREN IN NIEDERSACHSEN Flusshochwasserereignisse im Sinne der EG-Hochwas- serrisikomanagementrichtlinie (EG-HWRM-RL) werden Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) nicht berücksichtigt. Dies hat zur Folge, dass in den arbeitet derzeit sukzessive an einer vergleichbaren Er- Hinweiskarten in denjenigen Gewässerabschnitten, fassung und Kartierung von Starkregengefahren, den die Risikogewässer sind, eine unendlich große Auf- Hinweiskarten Starkregengefahren, die als digitales nahme von Wassermassen („Modellauslass“) ange- Kartenwerk zur Verfügung gestellt werden sollen. Für nommen wird, und nur das Abflussgeschehen auf der Niedersachsen wird das Kartenwerk voraussichtlich Oberfläche abseits von (großen) Gewässern von den
7 https://www.dwd.de/DE/forschung/forschungsprogramme/sinfony_iafe/sinfony_node.html 8 DWD Deutscher Wetterdienst (2018), S. 21 9 Becker et al. (2016), S.2, S.4 10 Leistner et al. (2023), S. 18 11 Becker et al. (2016), S.5
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 19
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STARKREGEN IN NIEDERSACHSEN
Höhenlagen zur Vorflut betrachtet wird. tungsgefährdungen sind folglich neben den Hinweis- Das heißt, dass das Gewässer in der Berechnung dort karten Starkregengefahren auch die Hochwasserge- nicht durch ein einzelnes Starkregenereignis ausufern fahrenkarten (nach EG-HWRM-RL) zu beachten. kann.¹² Für eine Gesamteinschätzung der Überflu-
Tabelle 2.2: Informationen zur Hinweiskarte Starkregengefahren für Niedersachsen
| Hinweiskarte Starkregengefahren Niedersachsen: hydraulische Modellierung (2D) | |
|---|---|
| Eingangsdaten | ATKIS Daten, Landbedeckungsmodell (LBM), DGM1, Einzugsgebiete, KOSTRA Nieder- schlagsdaten, ATKIS Digitales Oberflächenmodell, Hausumringe, Gebäudemodell LoD2, ALKIS Daten, HWRM-Karten, Durchlässe (u.a. DB, BASt, NLStBV, Siele/Schöpfwerke). |
| Durchführung | Hydraulische Simulation der Abfluss- und Überflutungsvorgänge. Verfügbarkeit voraussichtlich ab Mitte 2024. |
| Getroffene Annahmen | Vorgesättigte Böden, Versickerung und Niederschlagsentwässerung vernachlässigt, es kommt der gesamte Niederschlag zum Abfluss. Oberflächenrauheit aus Literatur- und Erfahrungswerten. |
| Ergebnis | Karte, welche die Überflutungsausdehnung, Fließtiefe und Fließgeschwindigkeiten zeigt. |
| Vorteil | Möglichst einheitliche landesweite Erfassung und Kartierung der Abfluss- und Überflu- tungssituation bei definierten Starkregen, der lateralen Ausbreitung, der Fließtiefen und der Fließgeschwindigkeiten. Bundesländerübergreifende Vergleichbarkeit. |
| Grenzen / Schwächen | Einschränkungen durch getroffene Annahmen und fehlende Detailtiefe, vorwiegend au- tomatische Korrekturen zur Plausibilisierung der Fließwege, meist ohne Ortsbegehung (insbesondere an Gewässern 2./3. Ordnung keine Vermessungsdaten erfasst). Verkehrs- infrastruktur, entwässerungswirksame Objekte (Durchlässe, Pumpwerke, Abwasser- kanäle) werden nicht oder vereinfacht berücksichtigt. Vernachlässigt die unterirdische Entwässerung (oberflächliche Binnenentwässerung durch Schöpf-/Pumpwerke und Siele mit Ein- und Auslässen berücksichtigt). Die Versickerung wird vernachlässigt. Kleinräu- mige Effekte, die das DGM1 nicht darstellt und für die weitere Vermessungen notwendig wären, werden nicht erfasst, bzw. die aktuelle Situation vor Ort wird u.U. aufgrund bereits inzwischen veralteter DGM1 Daten nicht mehr korrekt dargestellt. |
| Bereitstellungs- kosten | Keine. Die Ergebnisse werden frei zugänglich als Webkarten und Download plus Erläu- terungsbericht zur Verfügung gestellt. |
| Bemerkungen | Derzeit landesweit vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BGK) in direkter Kooperation mit dem Niedersächsischen Umweltministerium erstellt und vom Nieder- sächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) fachtechnisch betreut. Zusätzlich sind auch die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft: Aus- schuss Hochwasserschutz und Hydrologie (LAWA-AH) und die Bundesanstalt für Gewäs- serkunde (BfG) eingebunden. Die Ergebnisse zeigen eine großräumige Überblickssimulation und sind als Hinweise und nicht als Planungsgrundlage zu verstehen. |
12 Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) (2021), S. 2
20 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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KOMMUNALE GEMEINSCHAFTSAUFGABE STARKREGENVORSORGE
3 KOMMUNALE GEMEINSCHAFTS-
AUFGABE STARKREGENVORSORGE
3.1 GRUNDLEGENDES schwellen und über die Ufer treten können. Infolge solcher Starkregenereignisse können sowohl auf pri- „Starkregenvorsorge ist eine kommunale Gemein- vaten als auch auf öffentlichen Flächen große Wasser- schaftsaufgabe.“ Diese Feststellung, dass zur Vermei- mengen auftreten, mit denen Flächeneigentümer:in- dung und Minderung von Schäden aus Starkregener- nen, Städte und Gemeinden umgehen müssen. Für eignissen viele verschiedene Akteure benötigt werden, sie stellen sich insbesondere die Fragen nach dem die in ihrem Verantwortungsbereich Vorsorge treffen Verbleib und der möglichst schadlosen Ableitung der müssen, ist mittlerweile ein weit verbreitetes Wissen. Wassermengen sowie dem Schutz vor zulaufendem Die Stadt bzw. Gemeinde ist dabei ein besonders wich- Wasser und vor Wassereintritt in Gebäude. Spätestens tiger Akteur; ihre Aufgabe bei der Starkregenvorsorge bei außergewöhnlichen oder extremen Starkregener- betrifft verschiedene Fachbereiche und kann als Quer- eignissen steht die Kommune zudem vor der Aufgabe schnittsaufgabe verstanden werden. der Gefahrenabwehr. So gilt: „Die Vermeidung oder Viele Städte und Gemeinden machen bei Starkregen- Verminderung von Schäden durch Starkregenereig- ereignissen die Erfahrung, dass das vorhandene örtli- nisse ist sowohl Aufgabe der Kommune als auch jedes che System aus Ableitung, Rückhaltung, Verdunstung Einzelnen“.13 und Versickerung, das entsprechend der allgemein Starkregenvorsorge funktioniert am besten, wenn sie anerkannten Regeln der Technik auf bestimmte Be- als kommunale Gemeinschaftsaufgabe verstanden messungsregen ausgelegt ist, für die Wassermassen wird. Durch aktives vorsorgendes Handeln der Stadt eines außergewöhnlichen oder extremen Regenereig- oder Gemeinde mit ihren unterschiedlichen Fachbe- nisses nicht ausreicht. Regenereignisse mit größeren reichen und zusammen mit weiteren Akteuren sowie Niederschlagsmengen als der Bemessungsregen kön- unter Beteiligung der Bürger:innen und der örtlichen nen die Kanalisation und Versickerungsanlagen über- Unternehmen kann ein gemeinsamer Wissensstand lasten und das Wasser kann - je nach örtlichen und na- aufgebaut und ein Handlungskonzept entwickelt wer- turräumlichen Gegebenheiten - häufig auch von den den. Akteursübergreifend können sich alle auf Starkre- Böden in Gärten, Parks, in der Landwirtschaft und in genereignisse vorbereiten, Vorsorge treffen und früh- der freien Landschaft nicht aufgenommen werden. zeitig geeignete Maßnahmen ergreifen. Die Rolle der Die Wassermengen fließen oberflächlich ab und sam- Städte und Gemeinden bei dieser kommunalen Ge- meln sich in tiefer gelegenen Gebieten oder fließen meinschaftsaufgabe wird im Folgenden beleuchtet. in großen Mengen in Gewässer, die dann schnell an-
13 LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (2016), S. 9
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 21 737224/yabaxiP :elleuQ
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KOMMUNALE GEMEINSCHAFTSAUFGABE STARKREGENVORSORGE
3.2 ABGRENZUNG ZU ANDEREN ereignisse auftreten, weitergehend zu betrachten und zu bewerten und dazu eine Gefährdungsanalyse
AUFGABENBEREICHEN
durchzuführen. Die Verantwortung für Maßnahmen Überflutungssituationen können aus unterschiedli- zur Einhaltung der Überstauhäufigkeit verbleibt beim chen Belastungsbereichen entstehen, nämlich durch Träger der Abwasserbeseitigung bzw. des Entwässe- Starkregenereignisse (urbane Sturzfluten), Überlas- rungsbetriebes; für Maßnahmen zur Vorsorge für Ereig- tung des Kanalnetzes oder Hochwasserereignisse an nisse jenseits der maßgeblichen Überstauhäufigkeiten Fließgewässern. Diese sind auch hinsichtlich der ge- greift „die gemeinsame kommunale Verantwortung“ setzlichen Vorgaben zu unterscheiden. Die kommu- sowie außerdem die Eigenvorsorge der Grundeigen- nale Starkregenvorsorge zeigt Überschneidungen zu tümer:innen. Spätestens bei außergewöhnlichen und den Aufgaben der Siedlungsentwässerung sowie zu extremen Niederschlagsereignissen mit Wiederkehr- den Aufgaben der Hochwasservorsorge. Zusammen- zeiten > 50 Jahren ist die Leistungsfähigkeit des Ent- fassend lassen sich nachfolgende grundlegende Aus- wässerungssystems ausgereizt. Die Wassermengen sagen treffen, wie sich die Aufgabenstellungen vonei- können nicht mehr vollständig in die Kanalisation ein- nander abgrenzen. Weitere vertiefende Information, treten und über diese abgeleitet werden, es kommt z.B. aufgrund welcher Regelungsgrundlagen die Auf- zu Oberflächenabflüssen und zu Austritten aus dem gabenwahrnehmung erfolgt, enthalten die digitalen Kanalsystem und technischen Anlagen. Der Gebiets- Anlagen. abfluss findet entsprechend in bedeutendem Umfang an der Oberfläche statt und der Kanalabfluss spielt häufig nur noch eine untergeordnete Rolle. Damit ver- 3.2.1 ABGRENZUNG ZU DEN AUFGABEN DER schieben sich die kommunalen Aufgaben vom Über- SIEDLUNGSENTWÄSSERUNG flutungsschutz zum kommunalen Starkregenrisiko- Unter dem Aspekt des Überflutungsschutzes ist es er- management (Abbildung 3.1). forderlich, bestehende Entwässerungssysteme auch für Niederschlagsereignisse, die seltener als die für den Überstaunachweis maßgeblichen Niederschlags-
Kommunale Gemeinschaftsaufgabe: Überflutungsschutz und Starkregenvorsorge
Starkregen-
-
-
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 index:
-
Wiederkehr- unter 1 Jahr 1 - 5 Jahre 10 - 30 Jahre 50 - 100 Jahre über 100 Jahre zeit: Ereignis: Regen Starkregen intensiver außergewöhnlicher extremer (Bemessungsregen) Starkregen Starkregen Starkregen (ggf. mit Ober- (i.d.R. mit Ober- (i.d.R. mit Oberflächen- flächenabfluss) flächenabfluss) abfluss)
Kommunaler Überflutungsschutz Gemeinschaftsaufgabe Starkregenvorsorge
angestrebtes Überstaufreiheit des Kanalnetzes Überflutungsschutz Vorsorge/Schadensbegrenzung... Ziel:
Schadens- Entwässerungssysteme inkl. Rückstausicherung in Gebäuden reduzierende Maßnahmen: Verkehrs- und Freiflächen (temporäre „Nutzung“)
Gezielter Objektschutz (öffentlich/privat)
Gefahren-/Katastrophenabwehr
Abbildung 3.1: Kommunaler Überflutungsschutz und Starkregenvorsorge als kommunale Gemeinschaftsaufgabe (UAN, 2024, verändert nach Arbeitshilfe kommunales Starkregenrisikomanagement NRW, 2018, auf Grundlage von LUBW, 2016, und DWA-M 119, 2016, sowie Schmitt et al., 2018)
22 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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KOMMUNALE GEMEINSCHAFTSAUFGABE STARKREGENVORSORGE
Grundsätzlich ist, basierend auf Abbildung 3.1, folgen- finition Hochwasser umfasst. Bestimmungen zum des festzuhalten: Hochwasserschutz finden sich in Abschnitt 6 des Was- Es ist nicht zielführend, zur Bewältigung des Starkre- serhaushaltsgesetzes (WHG), worin u.a. die Erstellung genrisikos ausschließlich auf den Ausbau von unter- von Hochwassergefahren- und -risikokarten geregelt irdischen Ableitungskapazitäten und zentralen Rück- wird. halteanlagen in Leistungsfähigkeit und Kapazität zu In den Hochwassergefahren- und -risikokarten des setzen. Dies ist technisch nicht für jede denkbare Nie- Landes werden die Ausuferungen bei Hochwasser von derschlagsmenge möglich und wirtschaftlich auch Risikogewässern, dies sind zumeist größere Fließge- im Sinne der DIN EN 752 nicht vertretbar. Vielmehr wässer, dargestellt. Zur Ermittlung des Risikos wird wird davon ausgegangen, dass die Ableitungs- und das von diesen Ausuferungen betroffene Gebiet be- Rückhaltekapazitäten im Kanalnetz entsprechend trachtet. Kleinere Gewässer bzw. Gewässer, für die den technischen Regeln bereits vorhanden sind oder in Niedersachsen kein signifikantes Hochwasserrisi- hergestellt werden. Deshalb kommt, in Ergänzung ko identifiziert werden konnte, werden für die Hoch- zur üblichen, auch dezentralen Regenwasserbewirt- wassergefahren- und -risikokarten des Landes nicht schaftung, der Nutzung der (temporären) Retentions- betrachtet. Daher werden Überflutungen, die durch möglichkeiten an der Oberfläche, z.B. auf Verkehrs- kleinräumige Starkregenereignisse von kurzer Dauer und Freiflächen, und der schadlosen Ableitung von ausgelöst werden, in den Karten nicht berücksichtigt. Niederschlagswasser über Notwasserwege sowie dem Dabei kann es dort ebenfalls zu oberflächig abfließen- gezielten Objektschutz durch baulich-konstruktive dem Wasser kommen oder kleine Oberflächengewäs- Maßnahmen für den Überflutungsschutz hohe Bedeu- ser sowie die Oberläufe von Flüssen können plötzlich tung zu. Mit zunehmenden Niederschlagsmengen ist anschwellen, aus ihrem Bett ausufern und schädliche für die Bewältigung außergewöhnlicher oder extremer Auswirkungen nach sich ziehen. Ereignisse auch die Gefahren- und Katastrophenab- Während in den Hochwassergefahrenkarten des Lan- wehr einzubeziehen. des die Überflutungsbereiche für Abflüsse definierter Jährlichkeiten abgebildet sind, zeigen die im Rahmen der kommunalen Starkregenvorsorge erstellten Stark- 3.2.2 ABGRENZUNG ZU DEN AUFGABEN DER regengefahrenkarten die Ergebnisse simulierter Nie- HOCHWASSERVORSORGE derschlagsszenarien (siehe Abbildung 3.2). Überschwemmungen durch lokale Starkregenereig- nisse werden grundsätzlich ‒ mit Ausnahme der Über- schwemmungen aus Abwasseranlagen ‒ von der De-
Starkregengefahrenkarten
Betrachtung von Niederschlagsszenarien
Betrachtung von Abflüssen definierter Jährlichkeiten
Hochwassergefahrenkarten
Abbildung 3.2: Abgrenzung der Starkregengefahrenkarten zu Hochwassergefahrenkarten (verändert nach LUBW, 2016)
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 23
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KOMMUNALE GEMEINSCHAFTSAUFGABE STARKREGENVORSORGE
Weder das WHG noch das Niedersächsische Wasser- Die LAWA formuliert die Ziele des Starkregenrisiko- gesetz (NWG) enthalten bislang Bestimmungen zur Er- managements in Anlehnung an die Vorgaben der EG- stellung von Starkregengefahren- oder -risikokarten. HWRM-RL für das Hochwasserrisikomanagement 14, wie folgt: „Verringerung des Risikos starkregen- und In den Starkregengefahrenkarten werden beide infol- sturzflutbedingter nachteiliger Folgen auf die mensch- ge von Starkregen auftretenden Formen der Überflu- liche Gesundheit, Gebäude und Infrastruktur, die Um- tung, also sowohl die oberflächlichen Fließwege und welt, das Kulturerbe und die wirtschaftlichen Tätig- Wasseransammlungen im Gelände als auch dadurch keiten“15. Die Ableitung geeigneter Maßnahmen zur bedingte Ausuferungen von Gewässern, dargestellt. Vorsorge erfolgt unter Einbeziehung von nicht-bauli- Es ist zu betonen, dass sich bei den Starkregengefah- chen Maßnahmen der Überflutungsvorsorge und/oder renkarten die Betrachtung von Jährlichkeiten auf die von Maßnahmen zur Verminderung der Überflutungs- Niederschlagsintensität und nicht wie bei Hochwas- wahrscheinlichkeit. sergefahrenkarten auf die Abflusssituation bezieht. Ähnlich wie beim Hochwasserrisikomanagement han- Hochwassergefahrenkarten werden in Niedersachsen delt es sich beim Starkregenrisikomanagement um federführend durch den NLWKN für bestimmte Ge- einen kontinuierlichen Prozess. Der Vorsorgeaspekt wässer erstellt, während Starkregengefahrenkarten mit den Informations-, Vermeidungs- und Schutzmaß- im Rahmen der kommunalen Starkregenvorsorge von nahmen wird in den Vordergrund gestellt. Die Aspekte den Städten und Gemeinden selbst erstellt werden der Regeneration und Überprüfung nach dem Ereig- können. nis werden ebenso mitbetrachtet und damit die not- Sowohl die Hochwasservorsorge als auch die Stark- wendige Rückkoppelung zu den Vorsorgemaßnahmen regenvorsorge umfassen Handlungsfelder, die sich eingeleitet (siehe Abbildung 3.3). Aufgrund der Plötz- teilweise gleichen oder überschneiden, teilweise kön- lichkeit von Starkregenereignissen ist darüber hinaus nen Maßnahmen aber auch im jeweils anderen Fall auch der Aspekt der Bewältigung im Ereignisfall von konträr wirken und sich nachteilig auswirken. Mögli- großer Bedeutung. Hier zeigt sich die Wirksamkeit der che Maßnahmen in der Starkregenvorsorge werden in im Vorfeld getroffenen Vorsorge- und Vorbereitungs- Kapitel 7 und der digitalen Anlage näher beschrieben. maßnahmen zur Minimierung der Überflutungsschä- den. 3.3 STARKREGENRISIKOMANAGEMENT Die Vielzahl der Handlungsfelder im Bereich der Stark- regenvorsorge wird in der folgenden Abbildung 3.3 sichtbar: 3.3.1 EINFÜHRUNG EINES STARKREGENRISIKO- MANAGEMENTS Ein Risikomanagement ist ähnlich wie beim Hoch- wasserschutz auch bei der Starkregenvorsorge wich- tig. Vor allem aufgrund der nachfolgend aufgeführten Punkte wird jeder Stadt und Gemeinde empfohlen, mit der Starkregenvorsorge zu beginnen:
• Prinzipiell können sich Starkregenereignisse in jeder Stadt oder Gemeinde ereignen. • Mit Starkregenereignissen sind Gefährdungen und Schadenspotenziale verbunden, die be- kannt sein und durch ein Risikomanagement minimiert werden sollten. • Ein hundertprozentiger Schutz vor den Folgen von Starkregenereignissen ist sowohl aus tech- nischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich, weshalb das Risikomanagement vielfältige, auch nicht-bauliche Maßnahmen um- fasst.
14 Art. 7 EG-HWRM-RL 15 LAWA (2018), S. 14
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KOMMUNALE GEMEINSCHAFTSAUFGABE STARKREGENVORSORGE
Ableitung und Speicherung auf Freiflächen und Straßen Rückhalt in wassersensitive Stadt- Siedlungsfläche und Bauleitplanung
Rückhalt in Optimierung von Gewässern Außengebieten und Gewässerunterhaltung
Gefährdungs-und Optimierung Kanalnetz- Risikoanalyse kapazitäten und Kanalbetrieb
Aufbereitung Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation STARKREGEN- Risikokommunikation RISIKOMANAGEMENT grundstücksbezogene Vorsorge inkl. Objektschutz Schadenbehebung Koordination und Anpassung von Verwaltungsabläufen
Aufräumarbeiten Alarm-und Einsatzplanung inkl. Frühwarnsysteme
STARKREGEN- Ziel: minimierte Überflutungsschäden EREIGNIS
Abbildung 3.3: Der Kreislauf des Starkregenrisikomanagements (Illgen, 2018)
3.3.2 AUFGABENFELDER 2. Eine weitere wichtige Aufgabe besteht darin, In- formationen über Überflutungsgefahren- und -ri- Den Städten und Gemeinden kommen im kommuna- siken bereitzustellen. Dies geschieht in der Regel len Starkregenrisikomanagement mehrere Aufgaben mit Hilfe von Starkregengefahren- und -risikokar- zu: ten. Die Rolle der Stadt oder Gemeinde ist hier die einer Informationsvermittlerin. Dadurch können
- Sie sind in ihrer Kommunikationskompetenz ge- die Akteure die Problematik verstehen, tätig wer- fordert: Sie haben die Führung sowohl in der In- den und Maßnahmen ergreifen. Darüber hinaus formation und Risikokommunikation als auch zu- kann die Bevölkerung erkennen, warum ein ab- sätzlich in der Vermittlung unter den Akteuren. soluter Schutz nicht möglich ist und warum alle Die Aussagen „Wir ziehen bei der Starkregenvor- Maßnahmen nur begrenzt wirksam sein können. sorge an einem Strang“ und „Gemeinsam errei- Gleichzeitig nehmen die Städte und Gemeinden chen wir eine Schadensminimierung“ sind Grund- die Informationsvorsorge als Teil der Aufgabe der lage, Motivation und Ziel zugleich und bestimmen Gefahrenabwehr wahr. die Richtung sowie die Art und Weise in der Kom- 3. Städte und Gemeinden haben im Rahmen des Ri- munikation. Diese Aufgabe der Kommunikation sikomanagements eine aktive Rolle: Sie werden und Vermittlung liegt in der Regel bei der Stadt in ihrem Verantwortungsbereich Vorsorge- und oder Gemeinde selbst. Mit der Wahrnehmung die- Schutzmaßnahmen umsetzen und sollten Stark- ser Rolle ermöglichen die Städte und Gemeinden, regenvorsorge bei Planungen und im Betrieb dass alle Akteure und die Bevölkerung für Gefah- immer mitdenken. Sie können ihre Aktivitäten ren sensibilisiert, zur Vorsorge in ihrem Bereich beispielgebend für andere lokale Akteure transpa- angeregt und zur Zusammenarbeit motiviert wer- rent machen und in der Öffentlichkeit darstellen. den.
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 25
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KOMMUNALE GEMEINSCHAFTSAUFGABE STARKREGENVORSORGE
- Eine Stadt oder Gemeinde ist auch selbst Eigen- 3.3.3 BETEILIGTE tümerin oder Nutzerin von Gebäuden und Grund- stücken. Hier muss sie wie andere Grund- und Ge- Die kommunale Starkregenvorsorge umfasst viele bäudeeigentümer:innen oder Arbeitgeber:innen Handlungsfelder, daher sind diverse Personen und In- die damit verbundenen Aufgaben wahrnehmen stitutionen zu beteiligen, sowohl innerhalb als auch und sollte bauliche, technische und/oder organi- außerhalb der kommunalen Verwaltung, um das Ziel satorische Vorsorge auch hinsichtlich Starkregen- der Schadensminimierung bei Überflutungen errei- ereignissen für die eigenen kommunalen Objekte chen zu können (siehe auch Abschnitt 8.2). und die eigenen Betriebsabläufe betreiben. Zur großen Gruppe von Personen, die innerhalb der
- Im Ereignisfall und zur rechtzeitigen Warnung ha- Verwaltung einbezogen werden müssen, gehören Mit- ben die Städte und Gemeinden weitere Aufgaben: arbeitende, die z.B. mit folgenden Aufgaben betraut Sie sind für die Gefahrenabwehr zuständig und sind: handeln sowohl präventiv als auch im Ereignisfall, • Stadtentwässerung bzw. Kanalnetzplanung, warnen die Bevölkerung, halten Kontakt zu den -bau und -betrieb Einsatzkräften und stehen auch im Katastrophen- • Abwasserbehandlung fall mit den notwendigen Akteuren in Verbindung und unterstützen diese. • Straßen- und Tiefbau
- Für die Aufarbeitung und spätere Bewertung • Klima- und Umweltschutz der Maßnahmen ist es erforderlich, das Ereignis • Gewässerunterhaltung und die getroffenen Maßnahmen zur Gefahren- • Flächen- und Bauleitplanung abwehr zu erfassen und zu dokumentieren sowie die Funktionserfüllung der von der Stadt oder Ge- • Grün- und Freiflächenplanung und -unterhal- meinde bereits im Vorfeld zur Vorsorge getroffe- tung nen Maßnahmen zu kontrollieren und zu doku- • Gebäudemanagement mentieren. • Bauhof
- Nach einem Ereignis sind Aufräumarbeiten und • Sicherheit und Gefahrenabwehr die Beseitigung von Abfällen, Geröll und Schlamm sowie gegebenenfalls die Beseitigung von Schä- • Archiv den oder die kurzfristige Unterstützung der vom • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Ereignis Betroffenen in Form von finanziellen Hil- fen oder der Bereitstellung von Wohnraum erfor- Die oben genannten Mitarbeitenden können Teilneh- derlich. mende einer „Kommunalen Arbeitsgruppe Starkre-
- Den Städten und Gemeinden kommt im Rahmen gen“ (kurz: KommAG Starkregen) der kommunalen der Daseinsvorsorge weiterhin eine (freiwillige) Verwaltung sein. Beratungsfunktion zu: Um ihre Bevölkerung oder Weitere relevante Akteure von außerhalb der Verwal- andere Akteure in ihrem Engagement zur Stark- tung sind wichtig und potenzielle Mitglieder bei der regenvorsorge zu unterstützen, sind Beratungen Bildung eines „Runden Tisches Starkregen“, in Be- hilfreich. Durch geeignete Eigenvorsorge können tracht kommen hierfür z.B. Personen- und Sachschäden vermieden oder • lokale Akteure aus der Gefahrenabwehr und deutlich verringert werden. Gerade in der Stark- dem Katastrophenschutz (Feuerwehren) regenvorsorge kommt der Eigenvorsorge, z.B. • Betreiber kritischer Infrastruktur durch Objektschutzmaßnahmen, eine große Be- deutung zu. • Straßenbaulastträger • Betreiber von Hochwasserschutzanlagen, Hoch- Die Übernahme dieser Handlungsfelder und Aufga- wasserschutz- und Deichverbände ben wird in der Regel den Städten und Gemeinden und • Betreiber von Anlagen an und in Gewässern nicht anderen Akteuren zuzuordnen sein. Eine konkre- • Gewässerunterhaltungspflichtige/Unterhal- te gesetzliche Kodifizierung der Aufgabe Starkregenri- tungsverbände sikomanagement liegt dafür allerdings bis dato nur in einzeln abgegrenzten Aufgabenbereichen über die je- • Naturschutzvereine weiligen Fachgesetze vor, beispielsweise innerhalb der • Industrie und Gewerbe insbesondere bzgl. was- Aufgaben der Daseinsvorsorge und Gefahrenabwehr, sergefährdender Stoffe, IVU-Anlagen weitere Vorgaben sind in den geltenden technischen • Land- und Forstwirtschaft Regeln enthalten. • Eigentümer:innen erosionsgefährdeter Flächen
26 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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KOMMUNALE GEMEINSCHAFTSAUFGABE STARKREGENVORSORGE
Darüber hinaus gibt es die Gruppe der potenziell Be- troffenen, die durch Starkregenereignisse Gefahren für Leben und Gesundheit ausgesetzt sind oder Schäden an Eigentum erleiden können und die diese Risiken durch eigene Vorsorge vermindern oder vermeiden können, z.B.
• Bevölkerung • Grund- und Gebäudeeigentümer:innen • Gewerbetreibende
Dieser Personenkreis ist im Rahmen der Öffentlich- keitsarbeit und Risikokommunikation mit einzubin- den. Alle genannten Akteure sind möglichst frühzeitig und zielgruppengerecht auf unterschiedliche Art und Wei- se anzusprechen und einzubeziehen, siehe Abschnitt 3.4 sowie Kapitel 8.
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 27
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KOMMUNALE GEMEINSCHAFTSAUFGABE STARKREGENVORSORGE
3.4 METHODIK UND VORGEHENSWEISE dargestellt. Den einzelnen Schritten (in hellblau) mit ihren kurz zusammengefassten Inhalten und Ergebnis- Bei der Aufstellung eines Starkregenvorsorgekonzep- sen sind Aktionen im fortlaufenden Band der Risiko- tes in einer Stadt oder Gemeinde geht es nicht nur um kommunikation und Einbeziehung der Öffentlichkeit den formalen Vorgang der Erstellung eines Konzeptes zugeordnet (rechter Teil des Flowcharts). zur Starkregenvorsorge, sondern auch um intensive Das Flowchart zum separaten Ausdrucken und die Be- Einbindung der Fachressorts innerhalb der Kommune schreibung der einzelnen Schritte sind zusätzlich der sowie der Bürger:innen und Grundeigentümer:innen digitalen Anlage zu entnehmen. und weiterer Akteure. Die Methodik und eine schritt- weise Vorgehensweise der kommunalen Starkregen- vorsorge sind im folgenden Flowchart (Abbildung 3.4)
STARKREGENVORSORGE DER KOMMUNE – SCHRITTE
| RISIKOKOMMUNIKATI DER ÖFFE | O N | N UND EINBEZIEHUNG TLICHKEIT |
|---|---|---|
| Kommunale Ressorts und weitere Akteure | Bürger:innen, Gewerbe, Grund- und Gebäudeeigen- tümer:innen |
ZIELFASSUNG STARKREGENVORSORGE • Verwaltungsinterne • Erste Information Stellen- und Finanzplanung, optional: Fördergelder beantragen oder Bekanntgabe an die Öffentlichkeit einwerben. Ergebnis: Beschluss der Kommune zur Aufstellung eines Starkregenvorsorgekonzepts
VORBEREITUNGEN • Einladung der kommu- Kommunale Arbeitsgruppe Starkregen bilden (Vorsitz z.B. bei Tiefbauamt/ nalen Arbeitsgruppe Stadtentwässerung). Einrichtung eines Runden Tisches mit örtlichen Ak- Starkregen an relevante teuren. Erstellen der Leistungsbeschreibung. Ausschreibung: Starkregen- örtliche Akteure zur Ein- vorsorgekonzept; optional: Aufbau Kanalnetzmodell. Ergebnis: Geklärte richtung eines gemeinsa- Zuständigkeiten, Vertrag mit Ingenieurbüro men Runden Tisches
DATENSAMMLUNG UND KOMMUNIKATIONSKONZEPT • Einbeziehung Runder • Erfassung des ortsspezi- Sammlung und Sichtung vorhandener Daten, Prüfung auf Vollständigkeit Tisch bei Datensammlung fischen Wissens, Aufruf zur und Aktualität. Auswahl von begleitenden Methoden zur Risikokommuni- und bei Kommunikations- Unterstützung bei Daten- kation und zur Einbeziehung der Öffentlichkeit. Auswahl und Entwicklung konzept sammlung der Inhalte. Ergebnis: Datenübergabe an Ingenieurbüro, Konzept zur Risikokommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
GEFÄHRDUNGSANALYSE • Meldungen von ortspe- • Meldungen von ortspe- Hydraulische Modellierung des Oberflächenabflusses optional gekoppelt zifischem Erfahrungs- zifischem Erfahrungs- mit Modellierung der Kanalisation. Ergebnis: Starkregengefahrenkarten wissen zu Überflutungs-/ wissen zu Überflutungs-/ für ausgewählte Regenszenarien Sturzflutereignissen zur Sturzflutereignissen zur Plausibilisierung Plausibilisierung
• Einbeziehung: Runder • Vorstellungstermine zur Tisch Beteiligung mit Ortsbe- • Vorstellungstermine zur gehung, Aufnehmen von Beteiligung, Aufnehmen Korrekturhinweisen und PLAUSIBILISIEREN UND BEKANNTMACHEN DER GEFAHRENKARTEN von Korrekturhinweisen ersten Maßnahmenideen Vorstellen der Karten zentral/bei Ortsbegehungen, Informations- und und ersten Maßnahmen- • Veröffentlichung und Hin- Kontaktangebot, Korrekturen. ideen weise zum Informations- Ergebnis: Veröffentlichung der Gefahrenkarten mit Begleittexten • Veröffentlichung und Hin- angebot der Behörden weise zum Informations- und erste Information zur angebot der Behörden Eigenvorsorge und erste Information zur Eigenvorsorge
28 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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KOMMUNALE GEMEINSCHAFTSAUFGABE STARKREGENVORSORGE
STARKREGENVORSORGE DER KOMMUNE – SCHRITTE (Fortsetzung)
| RISIKOKOMMUNIKATI DER ÖFFE | O N | N UND EINBEZIEHUNG TLICHKEIT |
|---|---|---|
| Kommunale Ressorts und weitere Akteure | Bürger:innen, Gewerbe, Grund- und Gebäudeeigen- tümer:innen |
BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS • Zuarbeit z.B. von Ermittlung des Schadenspotenzials, Bewertung der Auswirkungen von Planungsamt, Bauver- Überflutungen. Ergebnis: Zuordnung Schadenspotenzialklassen, waltung, Straßenbau, Benennung kritischer Objekte Wirtschaft/Gewerbe, Feuerwehr/ Katastrophenschutz
RISIKOANALYSE • Akteursworkshop: • Ergänzung der bisherigen Verknüpfung von Gefahrenkarten mit dem Schadenspotenzial, Runder Tisch und Informationen durch Abgleich mit Schadensmeldungen. Ergebnis: Risikokarte, weitere Akteure Risikoinformationen Risikoinformation für alle Zielgruppen
MAßNAHMENENTWICKLUNG • Einbeziehung Runder • Vorstellungstermine Maßnahmenoptionen mit Priorisierung unter verschiedenen Aspekten. Tisch bei Maßnahmen- zur Beteiligung Erstellung von Steckbriefen. Aufnehmen von Maßnahmenideen aus entwicklung • Ergänzung der bisherigen Beteiligung. Ergebnis: Handlungskonzept mit Maßnahmenoptionen • Vorstellungstermine zur Informationen durch Beteiligung Beratungsangebote
BESCHLUSS ZUM STARKREGENVORSORGEKONZEPT • Verwaltungsinterne • Information an Ziele: Starkregenvorsorge kontinuierlich durchführen, Maßnahmenumset- Bekanntgabe die Öffentlichkeit zung entsprechend Priorisierung und bei Gelegenheitsfenstern. Ergebnis: Beschluss zur Umsetzung des Konzeptes und Einplanung der Haus- haltsmittel für Starkregenvorsorge
MAßNAHMENUMSETZUNG • Einbeziehung • Einbeziehung Entsprechend Priorisierung und bei Gelegenheitsfenstern. Zuweisung der und Rückmeldungen und Rückmeldungen Aufgaben, Planung und Finanzierung. Unterstützung zur Eigenvorsorge. • Aufruf zur und Unterstüt- Ergebnis: Verringerung des Starkregenrisikos zung bei Eigenvorsorge
MAßNAHMENPRÜFUNG • Einbeziehung • Einbeziehung Kontrolle auf Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen, turnusgemäß und Rückmeldungen und Rückmeldungen sowie nach Bedarf. Ergebnis: Erforderlichenfalls Aktualisierung von Gefahren- und Risikoanalyse, Anpassung des Handlungskonzepts mit Maßnahmenoptionen
Abbildung 3.4: Flowchart zum Ablauf der Kommunalen Starkregenvorsorge (UAN, 2024)
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 29
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
4.1 ZIEL DER GEFÄHRDUNGSANALYSE DWA-M 119 gefordert, um eine weitergehende Be- trachtung des Systemverhaltens oberhalb der für Die Gefährdungsanalyse, also die Analyse der Über- den Überstaunachweis relevanten Wiederkehrzeiten flutungsgefahr durch Starkregenereignisse, bildet die durchzuführen¹⁶. Eine solche Gefährdungsanalyse Grundlage eines jeden Starkregenrisikomanagements. kann synergetisch auch für die Starkregenvorsorge Dabei werden Starkregengefahrenkarten erstellt, die eingesetzt werden. auf unterschiedlich starken Niederschlagsintensitäten Voraussichtlich ab Mitte 2024 wird es eine vom Bun- basieren und die gefährdeten Bereiche bei Starkre- desamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) landes- gen identifizieren. In die Berechnungen fließen unter weit erstellte Hinweiskarte Starkregengefahren für anderem die Informationen von digitalen Höhenmo- Niedersachsen geben, die die Ergebnisse hydrauli- dellen, der Flächennutzung und der Bodenbeschaf- scher Simulationen der Abfluss- und Überflutungsvor- fenheit ein. gänge für das Gebiet von Niedersachsen darstellt. Die Mit der Gefährdungsanalyse wird gezielt ermittelt, Hinweiskarten Starkregengefahren werden im Detail wo und in welchem Ausmaß Überflutungen bei ei- in Abschnitt 2.4 beschrieben. nem Starkregenereignis erwartet werden. Das Aus- maß wird durch die Komponenten Ausdehnung der
4.2 METHODEN UND BENÖTIGTE DATEN
Überflutung, Wassertiefe und Fließgeschwindigkeit bzw. Strömungsdruck ersichtlich. Die Ergebnisse der Generell können die durch Starkregen gefährdeten Gefährdungsanalyse können für eine gezielte Betrach- Bereiche mit unterschiedlichen Methoden analysiert tung des Überflutungsrisikos (siehe Kapitel 6) genutzt werden, die sich durch die benötigten Datengrundla- werden. Außerdem dienen diese zur Information und gen, die eingesetzte Software, den Bearbeitungsauf- zur Risikokommunikation mit der Verwaltung, Bür- wand und in der Genauigkeit und Aussagekraft der Er- ger:innen, Öffentlichkeit, Wirtschaft und Gewerbe. gebnisse unterscheiden (siehe Tabelle 4.1). In dem Arbeitsblatt DWA-A 118 „Bewertung der hy- Die Methodenauswahl richtet sich u. a. nach der Aus- draulischen Leistungsfähigkeit von Entwässerungs- gangssituation, der Datengrundlage und den vor- systemen“ wird für die Überprüfung der hydrauli- handenen Ressourcen sowie der Komplexität der schen Leistungsfähigkeit bestehender Systeme eine Randbedingungen und der konkreten Situation im Bewertung der Überflutungsrisiken mittels einer Ge- Untersuchungsgebiet. Auch die eigenen Vorstellun- fährdungsanalyse in Anlehnung an das Merkblatt gen der Kommune zur Zielerreichung der weitgehen-
16 Vgl. DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (2024), S. 30-31
30 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN tsneidhcaF/kcürbansO tdatS :elleuQ negerkrats/ed.kceurbansO ,netadoeG
4 ANALYSE DER GEFÄHRDUNG
DURCH STARKREGEN
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
den Vermeidung von Schäden durch Überflutungen, • hydraulische und hydrologische Bestandsinfor- können bei der Methodenwahl eine Rolle spielen. mationen (Einzugsgebietsdaten, Fließverhalten, Liegen in einer Stadt oder Gemeinde noch keine Erfah- Wasserspiegellagen, Überschwemmungsgebie- rungen mit Starkregenüberflutungen vor und fehlen te, Leistungsfähigkeiten, Bemessungsvorgaben entsprechende Anhaltspunkte für eine Gefahrenab- usw.) schätzung, kann beispielsweise zunächst eine topo- graphische Gefährdungsanalyse hilfreich sein, die als Kanalnetz: Schnell- oder Grobanalyse erste gebietsweite Gefähr- • aktuelle und ggf. historische Bestandsunterla- dungsinformationen liefert. Darauf aufbauend lassen gen des Kanalnetzes (inkl. Sonderbauwerken sich zur Konkretisierung der Gefährdung und Entwick- und Einlaufbauwerken von Außengebieten so- lung von Vorsorge- und Schutzmaßnahmen simulati- wie Regenrückhaltebecken) onsgestützte Methoden verwenden, welche verschie- • hydraulische und hydrologische Bestandsinfor- dene Niederschlagsszenarien abbilden können. Die mationen (Generalentwässerungsplan, Kanalda- verwendete Datengrundlage hat entscheidenden Ein- tenbank, Kanalnetzberechnungen usw.) fluss auf die Güte der Ergebnisse der Gefährdungsana- lyse. Folgende Daten können bei der Durchführung der Gefährdungsanalyse berücksichtigt werden: Überflutungsdokumentationen vergangener Ereignisse: Topographische Gegebenheiten: • Fotos/Videos • aktuelle topographische Karten mit Höhenlinien • Einsatzberichte von Feuerwehr, Kanalbetrieb • aktuelle Vermessungsdaten etc. • Digitales Geländemodell (mind. DGM1) • Schadensmeldungen von Grundstückseigentü- • historische topographische Karten mer:innen oder Versicherungen • ortsbezogene Erhebungen zu (wirtschaftlichen) Gebietscharakteristik: Schäden • aktuelle Liegenschaftskarten, z.B. Daten aus • Presseberichte ALKIS (Amtliches Liegenschaftskatasterinforma- • Niederschlagsaufzeichnungen (z.B. Bodenmes- tionssystem) sungen oder Radarmessungen) • Luftbilder • Niederschlagsgutachten • Flächennutzungs- und Bebauungspläne • Starkregenniederschlagsstatistiken (z.B. KOSTRA • sonstige Unterlagen zur Flächen- und Gebäude- DWD 2010R, ab 2023 KOSTRA-DWD-2020) nutzung Nachfolgend werden gängige Methoden und benötig- • weitere vorhandene Informationen zur realitäts- te Daten benannt und erläutert: nahen Beschreibung der Gebäudeformen, z.B. Daten aus LoD2, und weitere abflussbeeinflus- sende Elemente
4.3 VEREINFACHTE
• Bodenkarten und hydrogeologische Karten
GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG
• Hinweiskarten Starkregengefahren des BKG (vo- raussichtlich ab Mitte 2024 für Niedersachsen Die vereinfachte Gefährdungsabschätzung ermöglicht verfügbar, siehe Kapitel 2.4) eine erste Einschätzung der örtlichen Gefährdungs- situation bei Starkregen auf Basis der Geländestruk- Gewässer und Gräben: tur. Hierbei werden die verfügbaren Gebietsinforma- tionen zielgerichtet im Hinblick auf durch Starkregen • aktuelle und historische Bestandslagepläne von verursachte Überflutungen aufbereitet und in Kombi- Gewässern, Gräben und Verrohrungen (inkl. Re- nation mit Ortsbegehungen die hauptsächlichen Ge- chenanlagen und sonstigen Einbauten) fährdungsbereiche näherungsweise bestimmt. Häufig • Bestandsunterlagen von Rückhalteanlagen, Leit- wird sie im Nachgang zu einem Starkregen- oder Sturz- dämmen und mobilen Hochwasserschutzmaß- flutereignis durchgeführt. Ergebnis ist eine Planskizze nahmen mit Gefährdungsbereichen.
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 31
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
Tabelle 4.1: Übersicht ausgewählter Methoden zur Gefährdungsanalyse
| Topographische Gefährdungs- analyse | Hydraulische Modellierung (2D) | Gekoppelte Simulation: Kanalnetz- und hydraulische Modellierung (1D/2D) | |
|---|---|---|---|
| Ein- gangs- daten | Topographische Da- ten, Digitales Gelän- demodell (DGM1) | Digitales Geländemodell (DGM1), Bestandsdaten, Daten zur Gebietscharak- teristik, Daten tatsäch- licher Regenereignisse/ KOSTRA Niederschlags- daten | Kanalnetzmodell, Einzugsgebiets- daten, Digitales Geländemodell (DGM1), Bestandsdaten, Daten zur Gebietscharakteristik, Daten tatsäch- licher Regenereignisse/ KOSTRA Niederschlagsdaten |
| Durch- führung | Mit GIS durchgeführ- te, rein topographi- sche Analyse des Gebietes | Hydraulische Simulation der Abfluss- und Überflu- tungsvorgänge | Um die Wechselwirkungen zwischen Kanalnetz und Oberflächenmodell modelltechnisch vollständig abzubil- den, sollte eine bidirektionale Kopp- lung genutzt werden. Dabei wird so- wohl der Eintritt von Wasser von der Oberfläche in das Kanalnetz als auch der Austritt aus dem Kanalnetz auf die Oberfläche simuliert. |
| Ergebnis | Vereinfachte Gefah- renkarte. Fließwege und Geländesenken werden lokalisiert und visualisiert. Hy- drologische Teilein- zugsgebiete werden ermittelt. | Detaillierte Gefahrenkar- te. Überflutungsausdeh- nung, Wassertiefe, Fließ- geschwindigkeit | Detaillierte Gefahrenkarte. Überflu- tungsausdehnung an der Oberfläche, Aufnahme von Oberflächenwasser durch die Kanalisation, Wechselwir- kungen Oberfläche und Kanalnetz, Rückstaueffekte an Einlaufbauwer- ken verrohrter Gewässerabschnitte. |
| Vorteil | Geringer Aufwand, erfordert wenig Spe- zialwissen | Höhere Aussagekraft als topographische Analyse, realitätsnahes Bild der Abfluss- und Überflu- tungssituation, ereignis- bezogene Wassertiefen und Fließgeschwindig- keiten | Genauere Ergebnisse v.a. für inten- sive Regenereignisse (bis ca. Stark- regenindex SRI 5) möglich, da die Ab- flussvorgänge im Kanalnetz bei der Simulation mitbetrachtet werden. |
| Grenzen / Aufwand | Keine Aussage zu Wasserständen und Fließgeschwindig- keiten möglich. Setzt GIS-Kenntnisse vor- aus. Belastungsunab- hängige Methode, es werden keine Nieder- schlagsbelastungs- szenarien berück- sichtigt. | Einschränkungen durch getroffene Annahmen. Von erfahrenem Ingeni- eurbüro durchzuführen. Höherer Aufwand, erfor- dert Spezialwissen. | Von erfahrenem Ingenieurbüro durchzuführen. Höherer Aufwand, erfordert Spezialwissen. Vorausset- zung ist das Vorhandensein von digi- talen Kanalnetzdaten. Liegen keine aktuellen Kanalnetzdaten etc. vor, mit mehr Zeitaufwand und höheren Kosten verbunden. |
32 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
Tabelle 4.1: Übersicht ausgewählter Methoden zur Gefährdungsanalyse (Fortsetzung)
| Topographische Gefährdungs- analyse | Hydraulische Modellierung (2D) | Gekoppelte Simulation: Kanalnetz- und hydraulische Modellierung (1D/2D) | |
|---|---|---|---|
| Bemer- kungen | Ergebnis vermittelt einen Eindruck von den Gebietseigen- schaften und potenzi- ellen Gefahrenpunk- ten. Zum Einstieg in die Problematik und Erhalt eines Über- blicks, welche Gebie- te durch eine hydrau- lische Modellierung detaillierter abgebil- det werden sollen. | Unterschiedliche Nieder- schlagsszenarien lassen sich differenziert analy- sieren. Überprüfung des DGM nötig, um Durch- gängigkeit der Fließwege zu gewährleisten. Hän- dische Nachbearbeitung zur Verfeinerung des Mo- dells (z.B. Berücksichti- gung von Verrohrungen; ggf. Nachvermessungen der Gewässer und Fließ- wege, Korrektur von Bruchkanten). | Unterschiedliche Niederschlags- szenarien lassen sich differenziert analysieren. Überprüfung des DGM nötig, um Durchgängigkeit der Fließ- wege zu gewährleisten. Händische Nachbearbeitung zur Verfeinerung des Modells (z.B. Berücksichtigung von Verrohrungen, ggf. Nachvermes- sungen der Gewässer und Fließwe- ge oder im Kanalnetz, Korrektur von Bruchkanten). Vor allem bei intensi- veren Regenereignissen (kleiner SRI) kann eine gekoppelte Berechnung zu einer realistischeren Darstellung des Oberflächenabflusses, der Fließwege und Überflutungsbereiche führen, da Ein- und Auslaufmöglichkeiten zum /vom Kanalnetz berücksichtigt wer- den und im dort vorhandene Rück- haltepotentiale in die Berechnungen miteinfließen. |
Die vereinfachte Gefährdungsabschätzung kann als Kanalnetzes Hinweise auf primäre oberflächige Fließ- Voruntersuchung bzw. zur Schwerpunktbildung für wege. Falls rechnerische Überlastungsschwerpunkte weitergehende Untersuchungen dienen. Sie kann als vorliegen, können diese ein Indiz für eine potenzielle Vorbereitung auf erste Gespräche zwischen Kommune Gefährdung sein. Ebenfalls sollten Außengebietszu- und Fachbehörden, Ingenieurbüro oder als Einstieg flüsse in der Gefährdungsabschätzung berücksichtigt zur Kommunikation mit den Bürger:innen eingesetzt werden. werden. Außerdem kann sie auch zur Dokumentation eines Starkregenereignisses genutzt werden. 4.3.2 DURCHFÜHRUNG Die aus der Auswertung der vorliegenden Daten zu- 4.3.1 EINGANGSDATEN sammengetragenen potenziellen Gefährdungsberei- Die wichtigste Datengrundlage bilden Informationen che werden bei einer Ortsbegehung plausibilisiert. Die zur Topographie, in denen der Geländeverlauf sicht- Informationen zu vergangenen Starkregen- und Über- bar wird und somit mögliche Fließwege identifiziert flutungsereignissen werden ebenfalls ausgewertet und werden können. Ebenso wird die Lage von Bauwerken geben wichtige Hinweise zu besonders gefährdeten wie Gebäuden und der Verlauf von Bächen und Ent- Stellen im Untersuchungsgebiet. Anschließend werden wässerungsgräben sowie der Kanalisation betrachtet. alle relevanten Daten in einer ersten Planskizze mit Ge- Die Bauwerke gelten zum einen als Abflusshindernis- fährdungsbereichen dargestellt (Abbildung 4.1). In die- se und helfen dabei, mögliche Fließwege des Ober- ser sind mögliche Fließwege und überflutungsgefährde- flächenabflusses abzuschätzen, zum anderen gelten te Punkte ohne eine Einteilung in Gefährdungsklassen Gebäude auch als mögliche überflutungsgefährdete und ohne Bezug auf eine bestimmte Niederschlagsbe- Objekte. Da der Verlauf der Kanalisation oftmals ent- lastung eingezeichnet. Die Überflutungsgefahr kann sprechend der oberflächigen Gefällesituation angelegt nur qualitativ, aber nicht quantitativ angegeben wer- ist, liefert die Betrachtung von Bestandsplänen des den. Die vereinfachte Gefährdungsabschätzung kann
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 33
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
mit geringen Mitteln und in den meisten Fällen von der keiten, da keine Niederschlagsdaten berücksichtigt Kommune selbst durchgeführt werden. werden. Sie ist grundsätzlich mit methodenbedingten Ungenauigkeiten behaftet und liefert nur vereinfachte Ergebnisse und einen ersten Überblick über die poten- 4.3.3 GRENZEN DER EINSETZBARKEIT zielle Situation im Gebiet. Die topographische Analyse Durch die vereinfachte Gefährdungsabschätzung wer- kann als Vorstufe von hydraulischen Modellierungen den vor allem bereits bekannte und offensichtliche dienen, um einen Überblick über mögliche Gefährdun- Bereiche mit Überflutungsgefährdung, jedoch ohne gen zu erhalten und (Teileinzugs-)Gebiete abzugren- Bezug zur Niederschlagsbelastung festgestellt. Die zen. Mit der sukzessiv deutschlandweiten Veröffentli- Identifikation von weiteren gefährdeten Bereichen bei chung der Hinweiskarten Starkregengefahren des BKG einem zukünftigen Starkregen ist dagegen kaum mög- verliert diese Methode an Bedeutung. lich. Die Aussagekraft der Ergebnisse ist damit sehr eingeschränkt. Die vereinfachte Gefährdungsabschät- 4.4.1 EINGANGSDATEN zung bildet daher in der Starkregenvorsorge nur den Einstieg in die modellgestützte Gefährdungsanalyse. Die wichtigste Datengrundlage für die topographische Analyse bildet das Digitale Geländemodell (DGM). Die verwendeten Daten für das Digitale Geländemodell
4.4 TOPOGRAPHISCHE ANALYSE
sind Überfliegungsdaten. Das Digitale Geländemo- Die topographische Gefährdungsanalyse nutzt Digi- dell liegt in Niedersachsen in einem 1x1 m Raster flä- tale Geländemodelle (DGM), um mit entsprechenden chendeckend als DGM1 vor und kann über das Lan- GIS-Werkzeugen eine rein topographische Analyse des desamt für Geoinformation und Landesvermessung Betrachtungsgebiets durchzuführen. Mit Hilfe dieser Niedersachsen (LGLN) bezogen werden. Obwohl es Methode können potenzielle (Haupt-)Fließwege und in Niedersachsen zum 01.07.2021 eine Änderung der Geländesenken einfach lokalisiert und Einzugsgebiets- Kostenordnung des amtlichen Vermessungswesens grenzen visualisiert werden. Die Analyse liefert keine gab, blieben DGM1-Daten auch über den 01.07.2021 Wasserstände, Abflussmengen oder Fließgeschwindig- hinaus kostenpflichtig. 3D-Gebäudemodelle, digitale
0 37,575 150 225 300 Bad Salzdetfurth Groß Düngen Meter
±
90
100
110
110
1 2 120
130 140
| egende ! Überflutungsmeldungen Außengebietszufluss Hauptfließweg | |
|---|---|
| Institut für technisch- wissenschaftliche Hydrologie GmbH Engelbosteler Damm 22Tel.: 0511 / 97193-0 |
© OpenStre3e0t1M67 Haapnn o(vaernd) coFnaxt:r 0i5b11u / t9o71r9s3,-7 7CC-BY-SA
Abbildung 4.1: Planskizze mit Gefährdungsbereichen Stadt Bad Salzdetfurth, Ortsteil Groß Düngen
34 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
Orthofotos und das digitale Landschaftsmodell (Basis- de nicht berücksichtigt sind, wird der Höhenwert des DLM) werden als Open Geo Data kostenlos bereitge- Rasters im Bereich der Gebäudeflächen erhöht, damit stellt (Details siehe unten). Kommunale Körperschaf- diese als Fließhindernisse bei der Analyse der Fließwe- ten, Städte und Gemeinden, weitere Behörden und ge berücksichtigt werden. andere Stellen, die öffentliche Aufgaben wahrnehmen Des Weiteren sollte das DGM auf weitere abflussrele- (§ 5 Abs. 4 Satz 1 Halbsatz 2 NVermG) und die Daten für vante Strukturen überprüft und wenn nötig bearbeitet eigene nichtwirtschaftliche Zwecke nutzen, zahlen je- werden. Mögliche Korrekturmaßnahmen können z.B. doch stark reduzierte Gebühren für die Bereitstellung das Freischneiden von Unterführungen sowie das Ein- der DGM1-Daten. Das aus den DGM1-Daten erhaltene bauen fehlender Strukturen (z.B. Verwallungen, Rück- Raster sollte im Hinblick auf seine hydraulischen As- haltbauwerke, Deiche, Mauern, Gewässer) sein. pekte überprüft und angepasst werden. Hierzu wer- Auf dem modifizierten Raster wird dann mittels ent- den die Gebäudepolygone (aus ALKIS Daten, Open sprechender Software die topographische Analyse Geo Data, LGLN) benötigt, die als Abflusshindernisse durchgeführt, indem die Fließrichtungen für jede ein- modelliert werden. Zur Überprüfung der Höhendaten zelne Rasterzelle aufgezeigt werden. Jede Rasterzelle können digitale Orthofotos herangezogen werden. hat insgesamt acht Nachbarzellen (D8-Methode). Das Auf dieser Seite finden sich gebührenfreie Open Geo steilste Gefälle ergibt die resultierende Fließrichtung. Data, die durch das LGLN bereitgestellt werden: Die Rasterzellen, die keine tiefere Nachbarzelle haben, https://opengeodata.lgln.niedersachsen.de/ sind jeweils die Tiefpunkte einer Geländesenke. Aus den Ergebnissen der topographischen Analyse kön- nen folgende nützliche Informationen abgeleitet und 4.4.2 DURCHFÜHRUNG in einer vereinfachten Gefahrenkarte dargestellt wer- Die DGM1 Geländemodelle des LGLN müssen für die den (Abbildung 4.2): topographische Analyse zunächst in ein geeignetes • detaillierte Einzugsgebietsgrenzen Format überführt und anschließend zusammengefügt • Fließwege auf der Geländeoberfläche werden, sodass ein einzelnes Raster entsteht, das min- destens das gesamte betrachtete Einzugsgebiet über- • Lage und räumliche Ausdehnung deckt. Da in einem herkömmlichen DGM die Gebäu- von Geländesenken
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| ? ? ? ? ? ? RReeeessee ? ? WWeelllliiee ? ? ? ? ? ? Legende ? ? Hauptfließweg ? ? ? Geländesenken ? Gebäude ? DGM [mNN] Hoch : 42 ? Niedrig : 20 | |
|---|---|
| ? Legende ? Hauptfließweg Geländesenken Gebäude DGM [mNN] Hoch : 42 Niedrig : 20 |
Abbildung 4.2: Ausschnitt vereinfachte Gefahrenkarte: Ergebnis der topographischen Analyse im Flecken Steyerberg.
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 35
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
4.5 HYDRAULISCHE MODELLIERUNG (2D) dell (DGM), die Gebäudepolygone und Informationen zur Flächennutzung (z.B. aus ALKIS) sowie ausge- Mit Hilfe der hydraulischen Gefährdungsanalyse kön- wählte Regenszenarien. Starkregen ist ein räumlich nen Überflutungsausdehnungen mit Wasserständen begrenztes Phänomen von kurzem, aber intensivem und Fließgeschwindigkeiten auf der Oberfläche für Regen. Bei der Modellierung größerer Einzugsgebiete verschiedene konkrete Niederschlagsereignisse be- kann es daher zu einer tendenziellen Überschätzung rechnet werden (Abbildung 4.3). Die Kommune sollte der Überflutungsgrößen kommen. In diesem Zusam- sich vor der Durchführung der Analyse der Gefährdung menhang ist es außerdem entscheidend, ob sich das überlegen, ob sie vor allem die Gefahren von intensi- Modellgebiet im Ober-, Mittel- oder Unterlauf befindet, ven (SRI 3 bis 5) oder außergewöhnlichen Starkregen da die Auswirkungen auf das Fließgewässer in Abhän- (SRI 6 bis 7) abbilden oder sich vor allem auf Extremer- gigkeit von der Lage völlig unterschiedlich sind. Einige eignisse (ab SRI 8) vorbereiten möchte, die jedoch mit wenige Bundesländer haben vor diesem Hintergrund weitaus geringerer Wahrscheinlichkeit eintreten. Die die Modellgebietsgröße begrenzt. Es wird empfohlen, Analyse der Gefährdung durch Starkregen für Ereignis- dass bei der Modellierung größerer Einzugsgebiete bei se ab SRI 3 bis 5 (intensiver Starkregen) kann beispiels- Bedarf der Gewässerkundliche Landesdienst (GLD) weise durchgeführt werden, um Erkenntnisse über die wegen der festzulegenden Modellrandbedingungen gewöhnlich zuerst bei Überflutung betroffenen kriti- zu beteiligen ist. schen Stellen (z.B. in Tieflagen) oder die Hauptfließ- ANPASSUNG UND KORREKTUR wege und Zutrittswege von wild abfließendem Wasser DES DIGITALEN MODELLS aus dem Außengebiet zu gewinnen, um daraufhin dau- erhaft und regelmäßig notwendige Maßnahmen bei Das Digitale Geländemodell mit der Rasterweite 1 m Betrieb und Unterhaltung oder zur mobilen Vorsorge (DGM1) bildet eine gute Grundlage. Sofern das Gelän- oder dauerhaft notwendige (bauliche) Veränderungen demodell mittels Laserscanbefliegung erstellt wurde, zu initiieren sowie zu bestimmen, welche Flächen von ist eine Bearbeitung sowohl möglich als auch notwen- Überbauung freigehalten werden sollten. dig, z.B. aufgrund von Bäumen mit starker Belaubung Hydraulisch wirksame Bauwerke wie Brücken, Durch- oder Überdachungen. Anpassungen sind weiterhin lässe und ähnliche Strukturen sind möglichst hyd- aufgrund der Dynamik des Geländes, z.B. bei Bebau- raulisch sachgerecht darzustellen. Abhängig von der ungen oder bei sich verändernden naturnahen Gewäs- Situation im jeweiligen Untersuchungsgebiet kann sern erforderlich. Gegebenenfalls werden Nachver- überlegt werden, ob für kritische Bereiche z.B. das messungen erforderlich, deren Ergebnisse in das DGM mögliche Versagen von maßgeblichen Brückenbau- integriert werden. Falls weitere höher auflösende oder werken (Verklausung etc.) in weiteren Szenarien zu aktuellere Befliegungsdaten vorliegen, sollten diese untersuchen ist. Auch mögliche maßgebende Über- verwendet werden. strömungen von Brückenbauwerken oder sich bei- Das DGM muss für die Verwendung bei der Simulati- spielsweise auf Brückenbauwerken ergebende Fließ- on des Oberflächenabflusses auf seine hydraulischen pfade sind gegebenenfalls zu berücksichtigen. Wichtig Aspekte hin plausibilisiert und korrigiert werden. Die hierbei ist die Einschätzung der jeweiligen Vor-Ort Si- Gebäude sind als Abflusshindernisse im Geländemo- tuation und die Berücksichtigung der Bereiche, die dell zu berücksichtigen. Dazu werden die Polygone eine Modellanpassung oder gegebenenfalls die Be- der Gebäude benötigt. Weitere Bauwerke und Struk- rechnung weiterer Szenarien erfordern. D.h. für die turen, die das Abflussverhalten beeinflussen, müs- Modellerstellung bzw. die Anzahl der eventuell zu sen ergänzt werden, oder das DGM an diesen Stellen rechnenden Szenarien ist es empfehlenswert vorab entsprechend angepasst werden. Hierzu zählen z.B. abzuschätzen, inwieweit hydraulische Bauwerke im Durchlässe, Verdolungen, Unterführungen, Mauern, Modell integriert werden müssen, bzw. in welchen Fäl- abflussrelevante Bordsteine, Gräben, Dämme, Wälle len eine vereinfachte Betrachtung mit nicht gegebener und sonstige Abflusshindernisse. Eine weitere Option, Wirksamkeit dieser Bauwerke ausreichend ist. die Gebäude zu berücksichtigen, ist es, für sie nicht durchströmbare Lücken im Berechnungsgitter fest- zulegen. Wenn die Gebäudeflächen als Lücken im 2D- 4.5.1 EINGANGSDATEN UND DURCHFÜHRUNG Berechnungsgitter modelliert werden, ist darauf zu Für die hydraulische Modellierung des bei Starkregen achten, dass der Abfluss der Dachflächen trotzdem auftretenden Abflusses sind im verwendeten Modell zeitschritt- und volumentreu berücksichtigt wird. die Topographie und alle relevanten Strukturen so Darüber hinaus erfordern Brückenquerungen gege- abzubilden, dass eine möglichst wirklichkeitsgetreue benenfalls eine individuelle und ortsangepasste Er- Nachbildung entsteht. fassung z.B. als Durchlässe, da je nach Vor-Ort-Situ- Erforderliche Eingangsdaten für die hydraulische Mo- ation sowohl die Abflussverhältnisse unter, über und dellierung sind mindestens: ein Digitales Geländemo- auf ihnen berücksichtigt werden sollten. Es wird emp-
36 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
fohlen Brücken zu vermessen, die im Untersuchungs- auf Basis der verschiedenen gewählten Niederschlags- gebiet als kritische Objekte eingestuft wurden (z.B. szenarien an. nach Rücksprache mit dem Bauhof, auf Vorschlag ei- Berücksichtigung finden die Charakteristiken der Re- nes beteiligten Ingenieurbüros, etc.). Zusätzlich kön- gengebiete und insbesondere die verwendeten Nie- nen dann weitere Szenarienberechnungen erfolgen, derschlagsdaten. Die Niederschlagsbelastung erfolgt die die Auswirkungen einer Teil-/Vollverklausung und als gleichmäßige und direkte Beregnung des 2D-Mo- sich daraus beispielsweise geänderte Fließpfade er- dells. Ob neben weiteren Verlusten die Infiltration ge- mitteln können. Auch die Möglichkeit, dass sich auf sondert bei der Modellierung zu berücksichtigen ist, der Brückenfahrbahn selbst nennenswerte Fließwege ist abhängig von naturräumlichen Gegebenheiten zu ausbilden können und dass unter Brücken - modell- prüfen und dann gegebenenfalls, unter Berücksich- technisch bedingt - gegebenenfalls nicht erfasste ge- tigung der örtlichen Verhältnisse, sinnvoll durch das fährliche Wassertiefen vorhanden sein können, muss Ingenieurbüro abzuschätzen. berücksichtigt werden. Der effektive Niederschlagsanteil ergibt sich auf Grundlage des aufgebauten Flächenmodells. In den ERSTELLUNG DES 2D-BERECHNUNGSGITTERS Flächen dürfen keine Überlappungen oder Lücken vor- Auf Grundlage des DGM, der Gebäude und der Korrek- handen sein, da die Abflüsse sonst über- bzw. unterbe- turpolygone wird ein Berechnungsgitter als Modell- wertet werden. Dabei wird zwischen befestigten und grundlage erzeugt. Je nach verwendeter Software unbefestigten Flächen und den darüber definierten gibt es verschiedene Möglichkeiten des Aufbaus eines Abflussbildungsparametern im Untersuchungsgebiet zweidimensionalen Berechnungsgitters. Einige Mo- unterschieden. Informationen hierzu können den AL- delle verwenden ein regelmäßiges Raster als Gelän- KIS-Daten entnommen werden. Der ermittelte effek- deoberfläche, andere beschreiben die Geländeober- tive, also abflusswirksame Niederschlag wird dann fläche mittels unregelmäßiger Dreiecke bzw. Vierecke zeitschrittweise den Berechnungselementen des 2D- mit zusätzlich modellierten Bruchkanten zur Berück- Modells zugeführt. Je nach genutzter Software ist hier- sichtigung besonderer Geländestrukturen (z.B. linea- bei ein unterschiedliches Vorgehen möglich. rer Strukturen von Böschungen). Die Verwendung von Für die zu betrachteten Niederschlagsszenarien und Bruchkanten (durch Änderung der Gitterstrukturen Daten werden folgende Empfehlungen gegeben: an signifikanten Stellen) in unregelmäßigen Berech- • Verschiedene Starkregenszenarien sind zu be- nungsgittern ist anzuraten, um den natürlichen Gelän- trachten. deverlauf und die Geländestrukturen möglichst gut im • Die Modellregen sind ortsangepasst zu wählen. Modell nachzubilden, um die Abbildungsgenauigkeit entlang linearer Strukturen zu erhöhen und um fal- • Da die Einordnung der Jährlichkeiten, beson- sche Interpretationen zu vermeiden, insbesondere bei ders für die betroffenen Bürger:innen, schwierig geringer modelltechnischer Auflösung. Hierfür werden nachzuvollziehen ist, lassen sich die gewählten gegebenenfalls zusätzliche Vermessungsarbeiten er- Modellregen und die dazugehörigen Jährlich- forderlich. keiten über die Skala des Starkregenindex (SRI) „Unregelmäßige Gitterstrukturen haben den Vorteil, (siehe Abschnitt 8.3.1 und Abbildung 2.1) einfa- dass komplexe Geländeformen detailliert nachge- cher kommunizieren. bildet werden können, in eher flachen und weniger • Je nach Fragestellung kann sich die Modellie- relevanten Bereichen aber größerer Elementgrößen rung von intensiven Starkregenereignissen mit gewählt und dadurch Rechenkapazitäten optimal aus- Wiederkehrzeiten von 10 bis 30 Jahren (Stark- genutzt werden können“¹⁷. Je geringer der Abstand regenindex 3 bis 5) anbieten, wobei hier eine der einzelnen Gitterpunkte ist, desto detaillierter wird abgestimmte Berücksichtigung des Kanalnetzes die topographische Geländeoberfläche erfasst. Mit grundsätzlich sinnvoll wäre. einer höheren Anzahl an Berechnungsknoten erhöht • Weiterhin wird empfohlen, mindestens ein sich allerdings auch die Rechenzeit. außergewöhnliches und/oder extremes Starkre- EFFEKTIVER NIEDERSCHLAG, NIEDERSCHLAG- genereignis ab Wiederkehrzeiten von ≥ 100 Jah- ren ab einem SRI 7 zu wählen. ABFLUSS-MODELL UND SZENARIEN Der effektive, also abflusswirksame Niederschlag kann vorab über ein Niederschlag-Abfluss-Modell (N-A-Mo- dell) berechnet werden, teilweise sind die N-A-Modelle direkt in die Software integriert. Das N-A-Modell gibt die Bildung von Abflüssen im Untersuchungsgebiet
17 Ruiz Rodriguez und Guthörl (2021), S.9
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 37
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
• Es wird empfohlen, auf die standortbezogenen poliert (Tabelle 4.2). und aktuellen KOSTRA-Daten¹⁸ des Deutschen Die LUBW (2020)¹⁹ gibt zur Nutzung der Rauheitswerte Wetterdienstes und hier insbesondere den Euler u.a. weitere folgende Hinweise: II-Regen zurückzugreifen. Die derzeit aktuellen Die in der Tabelle angegebenen Differenzierungen und KOSTRA-DWD-2020-Daten enthalten die stand- Empfehlungen zu Rauheitswerten dienen als Orientie- ortbezogenen Starkniederschlagshöhen und rung zur Modellierung der Gefährdung durch Stark- -spenden nach den Vorgaben des Deutschen regen. Es ist wichtig, dass Straßen, Wege und Plät- Wetterdienstes. ze oder andere Nutzungen mit entsprechend glatter • Als Add-on können auch lokale und belastbare, Oberfläche ohne Vegetation, insbesondere bei ent- aufbereitete Niederschlagsdaten z.B. aus Radar- sprechendem Gefälle, gut abgebildet sind. Wenn es im Messungen und Auswertungen verwendet wer- konkreten Bearbeitungsfall sinnvoll erscheint, kann den, die jedoch zuvor geprüft werden sollten. von Empfehlungen für die Rauheitswerte auch abge- Radarbasierte Niederschlagsmessungen unter- wichen werden. liegen prinzipiell vielen Faktoren, die die Quali- Die getroffenen Annahmen und die jeweils angesetz- tät des Ergebnisses beeinflussen. Durch ständig ten Rauheitswerte pro Landnutzungsart sollten erläu- verbesserte Detektion und Korrektur der Störun- tert werden. Zusätzlich sollten die jeweils angesetz- gen und Abschätzung der Niederschlagsmengen ten Rauheitswerte pro Landnutzungsart tabellarisch wird die Qualität der Daten verbessert. aufgeführt werden. Wurde mit überflutungstiefenab- hängigen Rauheitswerten gerechnet, so sollten jeweils Die Wahl der Parameter und Berechnungsszenarien der minimale und der maximale Wert sowie die Grenz- der möglichen Auswirkungen lokaler Starkregener- werte des jeweils gültigen Tiefenbereichs aufgeführt eignisse sollte individuell und unter Berücksichtigung werden. Eine Karte mit der Darstellung der Flächen, der örtlichen Kenntnisse erfolgen. Veränderte Abfluss- entsprechend der gewählten Rauheit, beispielswei- bedingungen durch veränderte Landnutzungen sind se hinterlegt mit Orthofotos, macht die Auswahl der grundsätzlich zu berücksichtigen. verwendeten Rauheiten transparenter und nachvoll- ziehbarer. RAUHEITEN PLAUSIBILISIERUNG Ein weiterer wichtiger Parameter zur Darstellung des Abflussgeschehens auf der Geländeoberfläche ist die Da die Modellierung des Oberflächenabflusses ein Rauheit bzw. der zugeordnete Rauheitsbeiwert. Die komplexes Unterfangen ist, sollte ein iteratives Vor- unterschiedlichen Rauheiten der Geländeoberfläche gehen angestrebt werden. Hierzu werden Testrech- für die örtlichen Verhältnisse sollten im Modell ent- nungen durchgeführt und die Ergebnisse plausibili- sprechend den vorhandenen Oberflächenbeschaffen- siert. Die Plausibilisierung der Ergebnisse kann z.B. heiten und -nutzungen so gewählt werden, dass realis- anhand bisheriger Erfahrungen mit Starkregen, Luft- tische Überflutungstiefen und Fließgeschwindigkeiten bildern oder Ortsbegehungen erfolgen. Hierbei sind erzielt werden können. Zur Festlegung der Bereiche unter anderem folgende Punkte wichtig zu überprüfen mit unterschiedlichen Rauheiten kann die Flächen- bzw. werden folgende Hinweise gegeben: nutzung aus den ALKIS-Daten verwendet werden. Wei- • Erscheint das korrigierte Geländemodell terhin können Luftbilder eine gute Grundlage bilden. plausibel? • Sind wichtige abflussrelevante Strukturen Für die Ermittlung des Rauheitsbeiwertes wird in der (z.B. Dämme, Bachverrohrungen) berücksichtigt Regel der Ansatz nach Manning-Strickler verwendet. oder entsprechend bearbeitet worden? Die verwendete Software sollte es folglich ermögli- chen, wassertiefenabhängige Rauheitsbeiwerte so- • Ist das Gelände an bekannten Überflutungsbe- wohl im Bereich von unbefestigten Flächen als auch reichen plausibel abgebildet? im Siedlungsbereich zu wählen, da Rauheitswerte von der Überflutungstiefe abhängen und bei kleine- Relevante Strukturen an wichtigen Fließwegen oder ren Überflutungen rauer gewählt werden müssen. an (bekannten) Überflutungsschwerpunkten sollten Die wassertiefenabhängigen Rauheitsbeiwerte sind nach einem ersten Rechendurchlauf zwischen dem hierbei entsprechend der Empfehlung der LUBW beauftragten Ingenieurbüro und dem Runden Tisch (2020)19 zu wählen. Bei Wasserständen zwischen Starkregen bzw. der kommunalen Arbeitsgruppe 2 cm und 10 cm wird der Rauheitsbeiwert linear inter- Starkregen besprochen werden.
18 DWD Deutscher Wetterdienst (2023) 19 LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (2020) S. 19
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
• Sind Abflusshindernisse und das Gelände an Bei einer reinen hydraulischen Modellierung der Ober- Überflutungsschwerpunkten plausibel abgebil- fläche können vorhandene Speicherbecken im Kanal- det? netz nicht automatisch als potenzielle Speichervo- • Wurden alle relevanten Daten und Pläne über- lumen berücksichtigt werden. Hier ist bei Bedarf zu mittelt? Sind die Pläne aktuell? Wurden die klären, ob und wie diese berücksichtigt werden kön- Pläne vor Abgabe noch einmal auf Aktualität ge- nen. prüft? Es ist dringend anzuraten, die Gefahrenkarten im De- tail zu prüfen und die Ergebnisse intensiv in Augen- • Wurden alle relevanten, (noch) nicht in den Plä- schein zu nehmen. Sie sind die Grundlage für die nen verzeichneten Bauwerke dem Ingenieurbüro weiteren Schritte. Wird eine Detailprüfung erst durch- zur Verfügung gestellt? geführt, wenn es an die Maßnahmenplanungen und • Wurden auch in jüngster Zeit fertig gestellte Bau- örtlichen Handlungsoptionen geht, müssen gegebe- werke mit wasserwirtschaftlichem Belang oder nenfalls fehlende Daten ergänzt und nachmodelliert sich derzeit im Bau befindliche Bauwerke mit werden, womit zusätzliche Kosten und Zeitbedarf ver- wasserwirtschaftlichem Belang berücksichtigt? bunden sind. Zudem leidet die Akzeptanz des gesam- • Sind die vorhandenen Bauwerke/Maßnahmen ten Vorsorgekonzeptes, wenn in den Gefahrenkarten zum Hochwasserschutz im Modell berücksich- offensichtliche Unstimmigkeiten oder Abweichungen tigt? Durch sie können sich beispielsweise geän- von der Realität oder von den Erfahrungen der örtli- derte Fließwege ergeben. chen Akteure auftreten.
Tabelle 4.2: Abhängigkeit der Rauheitsbeiwerte von verschiedenen Landnutzungsarten
| Nutzungsart | Rauheit nach Gauckler-Manning-Strickler k [m1/3/s] St | |
|---|---|---|
| Dünnfilm bis 2 cm | ab 10 cm | |
| Ackerland | 8-12 | 15-30 |
| Ackerland, verschlämmt | 10-15 | 20-35 |
| Gartenland | 3-6 | 5-15 |
| Wald, Gehölz, Laub- und Nadelholz | 3-6 | 5-20 |
| Grünland | 5-10 | 20-35 |
| Rasen | 3-8 | 20-35 |
| Siedlungsfläche | 6-15 | 10-20 |
| Dachflächen* | 50-60 | |
| Fließgewässer, Stehendes Gewässer* | 15-35 | |
| Fließgewässer, verschlammt* | 25-50 | |
| Fließgewässer, stark bewachsen* | 5-20 | |
| Wildbach | 10-15 | |
| Gerinne, gemauert Beton | 50-80 | |
| Landwirtschaftlicher Weg (Kies, Schotter)* | 20-40 | |
| Straße, Weg (Asphalt)* | 40-60 | |
| Straße, Weg (gepflastert)* | 30-50 |
*Für diese Nutzungsarten sind keine Dünnfilmabflüsse anzusetzen
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 39
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
KOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG VON ORTS- • In erwartbaren Gefahrengebieten, die sich z.B. WISSEN gemäß der topographische Analyse oder aus den Hinweiskarten Starkregengefahren ergeben Während der Durchführung der Gefährdungsanalyse haben, sollte in den betroffenen Bereichen eine sollten das Vorgehen und die Fortschritte vom durch- höhere Auflösung, sofern Daten dafür vorliegen, führenden Ingenieurbüro kommuniziert werden und verwendet werden. ein Austausch mit der Kommune in der Arbeitsgruppe • Um kleinräumige, oft lineare Strukturen in Sied- Starkregenvorsorge und am Runden Tisch sowie mit lungsgebieten wie z.B. Gräben etc. in das Modell den Bürger:innen erfolgen. Bestehende Ortskenntnis- plausibel einzuarbeiten, sollte die Auflösung ei- se sollten genutzt werden. Hierbei können auch Insti- nes rasterbasierten Modells nicht größer als 1 m² tutionen des Katastrophenschutzes, der Gefahrenab- sein. In besonders fein strukturierten Bereichen wehr und Personen mit Orts- und Ereigniskenntnissen wird eine höhere Auflösung empfohlen, sofern wichtige Einschätzungen geben. Die Beteiligung der Daten dafür vorliegen. Bürger:innen kann die Qualität der Ergebnisse ver- • Unterschiedliche Rauheiten der Geländeober- bessern und zugleich die Kommunikation der Gefah- fläche werden entsprechend den vorhandenen ren durch Starkregen erleichtern. Dabei ist es wichtig, Oberflächenbeschaffenheiten und -nutzungen auf den Unterschied des betrachteten Starkregens zu abgebildet. Es werden wassertiefenabhängige Hochwasserereignissen oder zu sonstigen Überlastun- Rauheitswerte verwendet. gen der Entwässerungssysteme einzugehen. • Wenn das Ziel ist, Regenszenarien zu berechnen, bei denen die hydraulische Leistungsfähigkeit 4.5.2 MINDESTANFORDERUNG des Entwässerungssystems berücksichtigt wer- den soll, müssen das 1D-Kanalnetzmodell und Für die hydraulische Modellierung von Starkregen auf das 2D-Oberflächenabflussmodell bidirektional der Geländeoberfläche werden verschiedene Soft- gekoppelt sein (siehe Abschnitt 4.5.3). wareprodukte angeboten, die sich stetig weiterentwi- ckeln. An dieser Stelle werden zu den verschiedenen Softwareprodukten keine Empfehlungen gegeben. ANFORDERUNGEN AN DIE PLAUSIBILISIERUNG Vielmehr wird empfohlen, die aktuellen Entwicklun- UND EINBEZIEHUNG VON ORTSWISSEN gen zu verfolgen und gängige Softwareprodukte zu verwenden, die dem aktuellen Stand der Technik ent- Nach Bearbeitung des Geländemodells und nach der sprechen. Erstellung der Karten ist eine gemeinsame Betrach- tung mit Verantwortlichen aus der Verwaltung und Fachpersonal mit lokaler Erfahrung durchzuführen. ANFORDERUNGEN AN DIE EINGESETZTE SOFTWARE Mindestens eine Ortsbegehung mit lokalen Fachleu- ten und Bürger:innen, bei der die Ergebnisse und das • Die hydrodynamische Simulation der Abfluss- Modell mit der Wirklichkeit an neuralgischen Punkten vorgänge auf der Oberfläche muss das vollstän- verglichen werden, ist im Rahmen der Durchführung dige Gleichungssystem der zweidimensionalen der hydraulischen Gefährdungsanalyse angeraten. Flachwassergleichungen (2D-Modell) verwen- den. • Bei der Auswahl eines Berechnungsgitters, bzw. 4.5.3 GEKOPPELTE MODELLBERECHNUNG bei der Umwandlung des DGM ist zu prüfen, dass Das Oberflächenabflussmodell der hydraulischen Ge- die kleinräumigen Höhenverhältnisse nicht ver- fährdungsanalyse kann mit einem Kanalnetzmodell fälscht (zu stark vereinfacht) werden. So sind gekoppelt werden. Für eine gekoppelte Modellierung u.a. unregelmäßige Dreiecksgitter für die Be- werden aktuelle digitale Kanalnetzdaten benötigt. rechnung der Abflussvorgänge auf der Oberflä- Sind diese nicht vorhanden, müssen zur Erstellung che empfehlenswert. eines aktuellen Kanalnetzmodells zunächst erforder- • Die Auflösung sollte den topographischen Gege- liche Datengrundlagen (Kanalnetzdaten, Flächenda- benheiten im Gelände angepasst sein. In Außen- ten, Anschlussdaten Fläche – Kanal usw.) beschafft gebieten kann eine gröbere Auflösung gewählt und aufbereitet werden, um ein rechenfähiges Kanal- werden, da hier lediglich der Zufluss zu den netzmodell zu erhalten. Untersuchungsgebieten entscheidend ist und Bei einer bidirektionalen Koppelung erfolgt bei den ak- die Wasserstände meist nicht fein aufgelöst be- tuellen Modellen die Berechnung der Abflussbildung nötigt werden. in den Berechnungszellen des 2D-Oberflächenmodells
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
und der Abfluss gelangt über die Straßeneinläufe in 4.6 ERSTELLUNG VON das Kanalnetz. Lediglich die Dächer im Einzugsgebiet
GEFAHRENKARTEN
sind über die Fallrohre und Hausanschlussleitungen direkt an das Kanalnetz(-modell) angeschlossen. Starkregengefahrenkarten sind die Ergebnisse der Das Kanalnetz kann bei einem intensiven Starkregen zweidimensionalen hydraulischen Modellierung. Sie (SRI 3 bis 5) häufig noch einen nennenswerten Anteil sollen die aus den verschiedenen Starkregenszenarien des Gesamtabflusses aufnehmen, der bei einer rei- entstehenden flächigen Ausdehnungen und Tiefen der nen Oberflächenabflusssimulation nicht berücksich- Überflutungen sowie die tiefengemittelten Fließge- tigt werden kann. Die Kapazität der Einlaufbauwerke, schwindigkeiten und/oder Strömungsdrücke für jedes auch in Abhängigkeit der naturräumlichen Gegeben- gerechnete Szenario zeigen. Sie bilden mit der Analyse heiten und der Rohrleitungen ist entscheidend dafür, des Schadenspotenzials die Grundlage für die Analyse wie viel Wasser über das Kanalsystem abfließen kann. des Überflutungsrisikos. Darum kann ein gekoppeltes Kanalnetz- und Oberflä- chenmodell insbesondere bei der Simulation von Er- Je nach Größe des Untersuchungsgebietes bietet es eignissen mit intensivem Starkregen sinnvoll sein. Für sich an, zusätzlich zu Übersichtskarten für das ge- die Szenarien von außergewöhnlichen und extremen samte Gebiet weitere Detailkarten anzufertigen, in Starkregenereignissen sind die Abflussmengen in der denen jeweils ein bestimmter Ausschnitt dargestellt Regel so hoch, dass davon ausgegangen wird, dass die ist (Abbildung 4.3). So ist gewährleistet, dass im fertig- Kanalisation eine untergeordnete Rolle spielt. gestellten Kartensatz sowohl das Gesamtgeschehen Grundsätzlich liefert eine gekoppelte Simulation des als auch kleinräumige Ergebnisse gut sichtbar sind. Oberflächenmodells mit dem Kanalnetz genauere Er- Zur besseren Verortung des dargestellten Ausschnitts gebnisse und ist daher empfehlenswert. Sie sollte ins- kann in den Detailkarten eine kleine Übersichtskarte besondere bei den Szenarien, in denen die Leistungs- mit aufgeführt werden. Die Zusammenführung von fähigkeit des Kanalnetzes eine größere Rolle spielt, in möglicherweise bestehenden Fotodokumentationen Erwägung gezogen werden. Um die Wechselwirkun- abgelaufener Ereignisse mit den in den Karten dar- gen zwischen Kanalnetz und Oberflächenmodell mo- gestellten Überflutungspunkten ist hilfreich für die delltechnisch vollständig abzubilden, sollte eine bi- Überprüfung der Modellergebnisse und zur Risiko- direktionale Kopplung mit dynamischem Austausch kommunikation im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden. (Abbildung 4.4). Dadurch können folgende Prozesse modelliert wer- den: Es ist empfehlenswert, in den Starkregengefahren- karten neben den maximalen Wassertiefen der Über- • Ausbreitung von Überstauvolumen flutung und ihrer Ausdehnungen auch die maximalen an der Oberfläche Strömungsdrücke in kritischen Bereichen anzugeben. • Aufnahme von Oberflächenwasser Die Überflutungsschwerpunkte sollten deutlich er- durch die Kanalisation kennbar sein. Es empfiehlt sich darüber hinaus auch • Die Wechselwirkungen zwischen Oberfläche Fließvektoren, also Fließpfeile, welche die Strömungs- und Kanalnetz richtung des Wassers an der Oberfläche anzeigen, dar- • Rückstaueffekte an Einlaufbauwerken zustellen. Es ist zu beachten und zu kommunizieren, verrohrter Gewässerabschnitte oder dass in den Starkregengefahrenkarten unter Brücken an Kanalnetzauslässen - modelltechnisch bedingt - gegebenenfalls nicht er- fasste gefährliche Wassertiefen vorhanden sein kön- • Einfluss der Druckhöhe an der Oberfläche nen. Die maximalen Wassertiefen sind entscheidend auf den Kanalnetzabfluss für die möglichen Eintrittswege des Wassers in ein Ge- • Nutzung von Rückhaltevolumina innerhalb bäude. des Kanalnetzes und von über das Kanalnetz angeschlossenen Rückhaltebecken
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 41
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
7
A
A6
2
A
3
A
5
A
1
A
4 Gewässer A Gebäude
Überflutung (Wasserstand > 10 cm)
intensiver Starkregen (SRI 3)
intensiver Starkregen (SRI 5)
außergewöhnlicher Starkregen (SRI 7)
Abbildung 4.3: Ausschnitt aus der Gefahrenkarte für drei verschiedene Starkregenszenarien (SRI 3/5/7) für Stadt Bad Salzdetfurth, OT Hockeln. Die bezifferten roten Kreise verweisen auf Fotos vom Juni 2017, s. Abbildung 4.4
Abbildung 4.4: Fotodokumentation des Ereignisses Juni 2017 in Hockeln (Bild 4: Schäden nach Ereignis)
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
ist nicht gleichbedeutend mit „keine Gefährdung“. Starkregen kann grundsätzlich überall auftreten und Maximale Wassertiefe zu Schäden führen. Auch Flächen, die nicht farblich dargestellt sind, können unter Umständen überflutet << 5 5 c cmm t rtarnasnpsapraernetn dt adragregsetsetleltllt werden. Beispielsweise kann es durch das Digitale Ge- ländemodell zu Abweichungen von der Realität kom- 5 -5 1 –0 1c0m cm men. Kleine Strukturen wie Gartenmauern und Bord- 1100 - –3 03 0c mcm anlagen, die nicht alle erfasst werden können, können die Fließwege verändern. 3300 - –5 05 0c mcm Für die Gestaltung des Kartenhintergrunds bieten
5 500 c cmm sich unterschiedliche Möglichkeiten an, die mit der Kommune abgesprochen werden sollten. Sowohl Orthofotos als auch der Geländeverlauf oder eine Abbildung 4.5: Legende für die Darstellung der maximalen Wassertiefe Straßenkarte können bei der Orientierung und somit dem Ablesen der Karten hilfreich sein. Bei der Kar- tenerstellung muss auf eine klare Darstellung und Die maximale Wassertiefe sollte in mehrere Stufen un- intuitive Lesbarkeit geachtet werden. Der Schutz vor terteilt dargestellt werden. Es empfiehlt sich Wasser- urbanen Sturzfluten ist eine interdisziplinäre Gemein- tiefen kleiner 5 cm transparent darzustellen, um eine schaftsaufgabe für die gesamte Kommune. Die Infor- bessere Lesbarkeit der Karten zu gewährleisten. Sehr mations- und Planungskarten müssen auch für Mit- hohe Wassertiefen können gegebenenfalls als beson- arbeiter:innen fachfremder Ämter mit begrenztem dere Gefahrenbereiche hervorgehoben werden. Abbil- wasserwirtschaftlichem Hintergrundwissen sowie dung 4.5 zeigt einen Vorschlag für die Legende für die für Privatpersonen mit nur geringen Vorkenntnissen Darstellung der Wassertiefen. leicht verständlich sein und die Auswirkungen der un- tersuchten Starkregenereignisse deutlich darstellen. Konzentriert abfließendes Wasser kann bei Gefälle in Außengebieten und innerorts, z.B. auf Straßen, hohe Fließgeschwindigkeiten erreichen, hierbei nimmt die Wirkung der dynamischen Strömungskräfte auf Ge- Max. Strömungsdruck bäude, Objekte und auch auf Menschen mit steigen- (Gefahr für Fußgänger!) der Geschwindigkeit stark zu. Neben der Wassertiefe Produkt aus Fließgeschwindigkeit sollte daher auch die Gefährdung durch die Strömung und Wassertiefe des Oberflächenwassers in den Karten dargestellt wer- < 0,1 m2/s Nicht dargestellt den. Sie wird angegeben als Strömungsdruck, das Pro- 0,1 - 0,5 m2/s Sturzgefahr dukt aus Wassertiefe und Fließgeschwindigkeit. Der 0,5 - 2 m2/s Erhöhte Sturzgefahr Strömungsdruck sollte in unterschiedlichen Stufen, eingeteilt nach der Sturzgefahr für Fußgänger, darge- > 2 m2/s Starke Sturzgefahr stellt werden. Es ist darauf zu achten, dass sowohl die Richtung als Abbildung 4.6: Legende für die Darstellung auch die Stärke des Strömungsdrucks in den Karten des maximalen Strömungsdrucks ablesbar ist. Daher bietet sich die Darstellung vor al- lem in den Detailkarten an. Eine Darstellung in der Übersichtskarte ist in den meisten Fällen nicht zielfüh- Zur Beschreibung des dargestellten Ereignisses kann rend. Für die Darstellung des maximalen Strömungs- beispielsweise die Skala des SRI verwendet werden. drucks wird die Legende in Abbildung 4.6 empfohlen. In der Legende sollte auf eine klare, leicht verständ- Um die jeweilige Ausprägung der Überflutungen bei liche und übersichtliche Erklärung der dargestellten unterschiedlichen Ereignissen darzustellen, sollte in Karteninhalte geachtet werden. einem Übersichtsplan die zugehörige Überflutungs- ausdehnung dargestellt werden (siehe Abbildung 4.7 auf Seite 45). Die Überflutungsausdehnung markiert farblich alle Bereiche, in denen die maximale Wasser- tiefe größer ist als der gewählte unterste Wert für die Darstellung, in Abbildung 4.7 ist dieser beispielsweise 10 cm. Für die übrigen transparent dargestellten Flä- chen besteht eine geringe Überflutungsgefahr. Dies
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 43
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
Aufgrund des thematischen Zusammenhangs ist in der übergeben. Die erstellten Starkregengefahrenkarten Darstellung der Starkregengefahren- und Starkregen- lassen sich als GIS-Daten gut mit anderen themati- risikokarten auch die nachrichtliche Übernahme der schen Karten überlagern. Sie können aber auch in ei- vorhandenen Überschwemmungs- und Überflutungs- nem anderen Format (z.B. PDF) gezeigt oder auf Web- gebiete durch Flusshochwasser ratsam (z.B. vorläufig portalen/Geoportalen, die inzwischen einige Städte gesicherte und festgesetzte Überschwemmungsgebie- nutzen, veröffentlicht werden. Das erstellte Modell te, Ergebnisse aus der Umsetzung der EG-HWRM-RL)²⁰. sollte als Grundlage für spätere Berechnungen, z.B. Es ist empfehlenswert, die Umrisse der bestehenden bei der Evaluierung erfolgter Maßnahmen, Verwen- Überschwemmungsgebiete mit dem Projektgebiet zu dung finden. vergleichen, um feststellen zu können, ob sich Über- schneidungen mit hochwasserbedingten Überflutun- Es ist unerlässlich, die gewonnenen Erkenntnisse gen ergeben. und Inhalte der Starkregengefahrenkarten mit allen potenziellen Betroffenen und der Öffentlichkeit zu kommunizieren und diese zu erläutern. Oftmals sind
4.7 DOKUMENTATION UND ÜBERGABE
die Gefahren und damit auch die potenzielle Betrof- Die Durchführung der Gefährdungsanalyse sollte in fenheit nicht bekannt oder werden unterschätzt. einem Erläuterungsbericht dokumentiert werden, Daher sollten belastbare Gefahreninformationen für der sich an folgenden Kapitelüberschriften orientie- verschiedene Szenarien unverzüglich in der Öffentlich- ren kann: keit kommuniziert werden. Zur Darstellung der Karten und deren Veröffentlichung sind Texte zum Kartenver- • Einleitung und Gebietsbeschreibung ständnis und weitergehende Erläuterungen wichtig. • Datengrundlage • Gefährdungsanalyse
- eingesetzte Software
- Modellaufbau und ggf. bei gekoppelter Modellierung Kopplungsmethodik
- erforderliche Korrekturen des Gelände- modells und ggf. bei gekoppelter Modellie- rung des Kanalnetzmodells
- Erstellung des Berechnungsgitters
- Niederschlag-Abfluss-Modell
- Niederschlagsszenarien
- Rauheitsansatz
- Rechenläufe
- Ergebnisse und Ergebnisprüfung • Kartenerstellung • daraus abgeleitete erste Maßnahmen- und Handlungsoptionen
Hierbei sollte auch immer ein Überblick über den Datenbestand und eine nähere Beschreibung der verwendeten Daten gegeben werden. Eine textli- che Beschreibung und Erläuterung der Ergebnisse ermöglicht einen ersten Überblick in Ergänzung zum Kartenstudium und kann zugleich als Beschreibung der Ausgangslage für das weitere Vorgehen dienen. Die digitalen Modell- und Ergebnisdaten sind der Kom- mune bzw. dem Auftraggeber in einem entsprechen- den Format, idealerweise als GIS-Projekt, zur weiteren Verwendung übersichtlich und vollständig zu über- geben. Die Ergebnisse sind in Form von Karten (digi- tal und gedruckt, nach Wunsch) darzustellen und zu
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44 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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ANALYSE DER GEFÄHRDUNG DURCH STARKREGEN
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| Starkregengefahrenkarte für Stadt Bad Salzdetfurth ? Szenario: außergewöhnlicher Starkregen | ± | |||
|---|---|---|---|---|
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| Legende Gewässer Gebäude Max. Wassertiefe < 10 cm 10 - 30 cm 30 - 50 cm > 50 cm Max. Strömungsdruck (Gefahr für Fußgänge Produkt aus Fließgeschwindigkeit und Wassertiefe < 0,1 m²/s Nicht dargestellt ? 0,1 - 0,5 m²/sSturzgefahr ? 0,5 - 2 m²/s Erhöhte Sturzgefahr ? > 2 m²/s Starke Sturzgefahr | ||||
| SCC oNo u mEr cSe/uA: Eiritbs yuris, DDiSgi,t aUlGSDloAbe, ,U GSeGoSE,y Aee, rEoaGrRthIsDta, rI GGNe,o agnradp thh m n | ||||
| Mit finanzieller Unterstützung durch: | ||||
| Plan: EAH uuy lßd e rer a rT ugy lei p swc Iöh I,he Dn Glaice uhf e äer hr = rSd 6tua0 nr kg Mrsei a ngn uea tne ly n(sS, e Tta =rk 1re0g0e anindex 7) Stadt Bad Salzdetfurth - OT Hockeln | ||||
| Projekt: Anlage 3 "Kommunale Starkregenvorsorge in Niedersachsen" Plan-Nr. Plan 9 Blatt 1 K A o u m ftr m a u g n g a e l b e e U r: mwelt-AktioN UAN, Hannover Maßstab 1 D : a 1 t . u 50 m 0 gezeichnet 14.12.2021 bearbeitet 14.12.2021 geprüft 14.12.2021 Projekt-Nr. 11470 Bearbeitung: | nlage 3 | |||
| an-Nr. Plan 9 | ||||
| att 1 | ||||
| aßstab 1:1.500 | ||||
| Datum | ||||
| ezeichnet 14.12.2021 | ||||
| earbeitet 14.12.2021 | ||||
| eprüft 14.12.2021 |
0510203040Meter ??
Abbildung 4.7: Gefahrenkarte für Stadt Bad Salzdetfurth, OT Hockeln (Szenario: außergewöhnlicher Starkregen) auf Basis der hydraulischen Gefährdungsanalyse
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 45
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
5 BEWERTUNG DES
SCHADENSPOTENZIALS
5.1 ZIELE Eigentümer:innen und Betreiber:innen privater Objek- te zuzugehen und über Risiken im Starkregenfall und Die Bewertung des Schadenspotenzials für Flächen die Starkregenvorsorge aufzuklären oder Information und Objekte ist notwendig, um im nächsten Schritt zur Eigenvorsorge zu ermöglichen. eine umfassende Risikobewertung durchzuführen. Le- diglich bei der vereinfachten Risikoanalyse wird kei-
5.2 BEWERTUNGSGRUNDLAGEN
ne differenzierte Bewertung des Schadenspotenzials vorgenommen. Die Bewertung des Schadenspoten- FÜR DAS SCHADENSPOTENZIAL zials bezieht die Auswirkungen von Starkregenereig- nissen auf verschiedene Bereiche (u. a. Leib und Le- 5.2.1 BEREICHE MIT SCHUTZBEDÜRFNIS ben, Umwelt, Industrie) im Untersuchungsgebiet ein. UND KRITERIEN Das Ziel der Bewertung des Schadenspotenzials ist die Ermittlung, Verortung und Darstellung von Schutz- Starkregeninduzierte Auswirkungen können sich sehr bedürfnissen und die Zuordnung zu Schadenspoten- unterschiedlich darstellen. Mögliche Schadensbil- zialklassen. Es gibt drei Methoden unterschiedlichen der sind beispielsweise Wassereintritt in Gebäuden, Detaillierungsgrades, um das Schadenspotenzial zu wirtschaftliche Einbußen bei Industrie und Gewerbe, bewerten, die in Abschnitt 5.4 erläutert werden. Bewegungseinschränkungen durch abgeschnittene Wege, und es können gegebenenfalls sogar lebensbe- Die Bewertung des Schadenspotenzials ist eine Mo- drohliche Situationen entstehen. Das Schadenspoten- mentaufnahme und sollte in regelmäßigen Abständen zial einer Fläche oder eines Objektes wird von der Art überprüft werden, um mögliche Änderungen aufzu- der Nutzung maßgeblich bestimmt. nehmen. Diese können sich teilweise auch kurzfristig Die in Tabelle 5.1 aufgeführten Bereiche mit Schutz- ergeben, z.B. durch Umnutzung. bedürfnis sowie die möglichen nachteiligen, starkre- Die Ergebnisse der Bewertung des Schadenspotenzi- geninduzierten Auswirkungen durch Überflutung sind als und der darauf aufbauenden Risikoanalyse dienen bei der Bewertung einschließlich Klassifizierung des dazu, für die dargestellten Schutzbedürfnisse gezielt Schadenspotenzials von Flächen und Objekten im be- Maßnahmen und Strategien zur Starkregenvorsorge trachteten Gebiet zu berücksichtigen. Es handelt sich auf kommunaler Ebene zu entwickeln und diese zu um eine nicht abschließende Aufführung – bei Bedarf verorten. Außerdem ist der Kommune mit der Kenntnis können weitere Bereiche in die Bewertung einbezo- des Schadenspotenzials je nach Darstellungstiefe des gen werden. privaten Bereiches die Möglichkeit gegeben, auf die
46 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN nedahcsressaW/ppiK nebroT :elleuQ 3202.50.22 ,ettühneiramsgroeG ni suaHmenie na
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
Tabelle 5.1 Bereiche mit Schutzbedürfnis und mögliche nachteilige, starkregeninduzierte Auswirkungen durch Überflutung
| Bereich | Mögliche nachteilige, starkregeninduzierte Auswirkungen durch Überflutung (Beispiele) |
|---|---|
| Menschliche Gesundheit und Leben | Tod durch Ertrinken, Stromschlag, Sturz, Schlag, Kontakt zu gefährlichen Wasserinhaltsstoffen |
| Tiergesundheit und Tierleben | Tod durch Ertrinken, Stromschlag, Sturz, Kontakt zu gefährlichen Wasserinhaltsstoffen |
| Umwelt | Kontamination der aquatischen oder terrestrischen Umwelt, Erosion |
| Kulturgüter | Beschädigungen oder Zerstörung, Verlust |
| Infrastruktur (z. B. Verkehrsnetz, Ver- und Ent- sorgungseinrichtungen, Kommu- nikationsnetz) | Abtrennung oder Nutzungseinschränkungen von Versorgungs- und Kommunikationsnetzen sowie Verkehrs- und Rettungswegen, Ver- klausung oder Beschädigung von Bauwerken, Beschädigung oder Verlust von technischer und IT-Infrastruktur, Gewässereintiefung, Uferabbrüche, Verlegung, Beschädigung oder Zerstörung von Bau- werken und Anlagen in und an Gewässern |
| Wohnen (Private) Grundstücke, Gebäude, Inventar | Beschädigungen oder Zerstörung, Gefährdung der menschlichen Gesundheit |
| Öffentliche Einrichtungen/ kritische Objekte (z. B. Schulen, Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude) | Beschädigungen oder Zerstörung von Bauwerken oder Infrastruktur, Ausfall von Verwaltungsinfrastruktur |
| Land- und Forstwirtschaft | Erosion, Abschwemmung von Holz und Material, Verlust von Böden, Pflanzen, Vieh, Futter, Beschädigungen oder Zerstörung von Gebäu- den oder Maschinen |
| Industrie und Gewerbe | Beschädigungen oder Zerstörung von Gebäuden oder Maschinen, Verlust von Material oder Produkten, Ausfall der Produktion, Ausfall der technischen oder IT-Infrastruktur |
| Grünflächen und Parks | Beschädigungen oder Zerstörung |
Die folgenden Kriterien bestimmen das Ausmaß der Die Ermittlung des Schadenspotenzials wird im Hin- Auswirkungen auf die oben genannten Bereiche und blick auf die Kriterien Werte und Empfindlichkeit damit die Zuordnung der Flächen und Objekte zu den durchgeführt und ergibt zugleich die Höhe des Schutz- Schadenspotenzialklassen: bedürfnisses des betrachteten Gebietes (örtliche Ab- grenzung) gegenüber Überflutungsauswirkungen. Das • Werte (monetär und nicht-monetär) Kriterium Exposition wird im Regelfall bereits bei der • Empfindlichkeit (auf Auswirkungen von Analyse der Gefahr (Lage mit Überschneidung oder Überflutung durch Wasser sowie mitgeführte Angrenzung zu Überflutungsflächen: ja/nein) deutlich. Stoffe und Objekte bezogen) Eine zusätzliche Betrachtung der Höhenlage kann je- • Exposition (Kontakt zu Wasser/mitgeführten doch bei der Ermittlung des Schadenspotenzials erfol- Stoffen und Objekten, Dauer, ggf. Höhenlage) gen. Das Kriterium Exposition ist bei der nachfolgen- den Risikoanalyse eine unabdingbare Voraussetzung.
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 47
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
Manche Werte der in der Tabelle 5.1 aufgeführten un- igkeiten behaftet. Um trotzdem im Rahmen der kom- terschiedlichen Bereiche sind monetär darstellbar, munalen Starkregenvorsorge eine Einschätzung des viele jedoch sind zugleich oder ausschließlich nicht Schadenspotenzials zu ermöglichen, wird eine quali- monetärer Art. Dazu gehören Werte wie z.B. Leben und tative Bewertung und Zuordnung in Schadenspoten- Gesundheit, ideelle Werte von Kulturgütern, Unwie- zialklassen empfohlen, wie sie auch DWA-M 119 vor- derbringlichkeit oder Unersetzbarkeit bei Kulturgü- sieht. Die Klassifizierungseinteilung orientiert sich an tern oder Umweltgütern, Irreversibilität von Verände- der schon in der Überflutungsgefährdung genutzten rungen an der Umwelt und funktionale Zuverlässigkeit vierstufigen Einteilung von gering bis sehr hoch. der Verwaltung. Hier würde eine monetäre Bewertung Zur Einstufung nach Klassen wird von einem Mittel- das Schadenspotenzial nicht in seinem Umfang abbil- wert des Schadenspotenzials ausgegangen, in dem den können, weshalb auch nicht monetäre Werte bei Wissen, dass die tatsächliche Bandbreite je nach bauli- der Bewertung des Schadenspotenzials Berücksichti- cher Gestaltung, Ausführung und Ausstattung groß ist. gung finden müssen. Dieses kann nur bei objektspezifischer Untersuchung genauer ermittelt werden und ist nicht primär Gegen- stand im Rahmen der Erstellung eines Handlungskon- 5.2.2 SCHADENSPOTENZIALKLASSEN zeptes zur kommunalen Starkregenvorsorge. Die Klassifizierung des Schadenspotenzials erfolgt in Abwandlung zu DWA-M 119 und in Anlehnung an DWA- A 118 unter Einordnung der Auswirkungen auf die in Tabelle 5.1 genannten Bereiche (Flächen und Objekte) wie in Tabelle 5.2 beispielhaft dargestellt. Die Durchführung einer monetären Einschätzung ist schwierig und aufwändig oder mit großen Ungenau-
Tabelle 5.2 Bewertung in Schadenspotenzialklassen
| Schadens- potenzial- klasse | Schadens- potenzial | Gebietsklassifizierung: Auswirkungen auf Bereiche (Flächen und Objekte) |
|---|---|---|
| 1 | gering | Gebiete, in denen das Wasser überwiegend schadlos und ohne Nutzungs- einschränkungen auf der Oberfläche abfließen oder verbleiben kann z.B. Parks, Grünflächen, land- und forstwirtschaftliche Flächen |
| 2 | mäßig | Gebiete, in denen Überflutungen geringe bis mittlere Schäden oder Nut- zungseinschränkungen verursachen können und die Sicherheit und Ge- sundheit im Allgemeinen nicht gefährden z.B. Wohnbebauung, Einzelhandel, Kleingewerbe ohne zu Wohn- oder Gewer- bezwecken genutzte Untergeschosse |
| 3 | hoch | Gebiete, in denen Überflutungen lokal zu größeren Schäden oder Nut- zungseinschränkungen führen oder die Sicherheit und Gesundheit poten- ziell gefährden können, wobei Personenschäden möglich sind z.B. Wohnbebauung, Gewerbe mit zu Wohn- oder Gewerbezwecken genutz- ten Untergeschossen, Industrie, Schule, Hochschule, Verkehrswege und Flä- chen von besonderer Bedeutung, wenig frequentierte Unterführungen |
| 4 | sehr hoch | Gebiete, in denen Überflutungen zu weitreichenden größeren Schäden oder Nutzungseinschränkungen führen oder die Sicherheit und Gesund- heit akut gefährden können, wobei Personenschäden wahrscheinlich sind z.B. kritische Objekte und kritische Infrastruktur, verkehrstechnisch überge- ordnete Infrastrukturen, unterirdische Verkehrsanlagen, bedeutsame Kultur- güter (inkl. Bauwerke) |
48 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
5.2.3 KRITISCHE OBJEKTE tet werden. Ebenso müssen die Flächen und Objek- te bekannt sein, an und in denen im Überflutungsfall Ein sehr hohes oder sogar kritisches Schutzbedürf- besondere Gefahren für Personenschäden bestehen nis besteht für Personen, die nicht zur Eigenrettung können und die daher nicht oder nur unter beson- in der Lage sind und/oder keine ausreichende Anzahl deren Sicherungsmaßnahmen für Rettungskräfte zu von Helfenden in der Nähe haben könnten. Orte mit betreten sind. Deshalb sind beispielsweise Energie- entsprechendem Schutzbedürfnis sind zum einen Ob- versorgungseinrichtungen, Kläranlagen, militärische jekte, in denen die Menschen aufgrund von Krankheit Einrichtungen, Chemikalienlager und Tankstellen den oder ihres Alters wahrnehmungs- oder handlungsein- kritischen Objekten zuzuordnen und in der Schadens- geschränkt sind (z.B. Kindergärten, Krankenhäuser, potenzialbewertung gesondert zu markieren. Pflegeheime) oder in denen sonstige Bewegungs- oder Die Tabelle 5.3 stellt beispielhaft für Städte und Ge- Handlungseinschränkungen bestehen (z.B. Justizvoll- meinden im ländlichen Raum die kritischen Objek- zugsanstalten). Zum anderen treten in unterirdisch te und die potenzielle Schadensgrundlage bzw. den ausgeführten Objekten (z.B. Objekte mit Kellerge- Grund des Schutzbedürfnisses dar. Schadenspotenzial schoss sowie Unterführungen, Tiefgaragen oder Gleis- kann aufgrund verschiedener Aspekte vorliegen und zugänge) wegen der tiefen Lage im Überflutungsfall auch mehrfach begründet sein. Die Liste der kritischen größere Wassertiefen auf, und zwar ggf. in Verbindung Objekte eignet sich auch als Grundlage und Hilfestel- mit hohen Fließgeschwindigkeiten oder hohem Strö- lung zur Identifizierung von Schadenspotenzial. Für mungsdruck im zufließenden Wasser, die eine Selbst- die Liste wurden Symbole (siehe Abbildung in Tabelle rettung erschweren oder unmöglich machen, wodurch 5.3) entwickelt, die im Rahmen dieses Leitfadens zur das Schadenspotenzial für Menschen grundsätzlich freien Nutzung bereitgestellt werden und abgekop- als hoch bis sehr hoch einzustufen ist. pelt von großen GIS-Anbietern genutzt werden können Umweltaspekte, wie das Verhindern von Wasserver- (siehe digitale Anlagen). schmutzung, und versorgungstechnische Aspekte, wie Kritische Objekte sind mit einem hohen oder sehr ho- die Aufrechterhaltung der Stromversorgung im Kri- hen Schadenspotenzial zu bewerten. senfall, sollten im Handlungskonzept speziell betrach-
Tabelle 5.3 Gegenüberstellung von kritischem Objekt und dem Grund des Schutzbedürfnisses (Auswahl)
| Objekt | Grund des Schutzbedürfnisses | Symbol |
|---|---|---|
| Altenheim/ Behinderteneinrichtung/ Sozialstation | hilfsbedürftige Menschen | |
| Bahnhof | Menschenansammlung | |
| Chemikalienlager/ Abfallanlage | gefährliche/umweltgefährdende Stoffe | |
| Einkaufszentrum | Menschenansammlung | |
| Energieversorgung/Biogas | Versorgungsrelevanz | |
| Feuerwehr/Polizei | Krisenmanagement | |
| Gefährdete Verkehrsanlage/ notwendiger Rettungsweg | Unterführung/Erreichbarkeit/Krisenmanagement |
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 49
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
Tabelle 5.3 Gegenüberstellung von kritischem Objekt und dem Grund des Schutzbedürfnisses (Auswahl) (Fortsetzung)
| Objekt | Grund des Schutzbedürfnisses | Symbol |
|---|---|---|
| Gewerbe/Industrie | gefährliche/umweltgefährdende Stoffe | |
| Kindertagesstätte | hilfsbedürftige Menschen | |
| Kläranlage/Pumpwerk | gefährliche/umweltgefährdende Stoffe | |
| Krankenhaus | Krisenmanagement/hilfsbedürftige Menschen | |
| Labor/Forschungseinrichtung | gefährliche/umweltgefährdende Stoffe | |
| Museum/Historisches Objekt/Archiv | Kulturerbe | |
| Post | Menschenansammlung | |
| Schule/Jugendeinrichtung | hilfsbedürftige Menschen | |
| Tankstelle | gefährliche/umweltgefährdende Stoffe | |
| Tiefgarage | tiefliegende Ebenen | |
| Tierhaltung | Tierleben | |
| Trinkwasserversorgung | Versorgungsrelevanz | |
| Verwaltung | Krisenmanagement |
Die Liste möglicher kritischer Objekte lässt sich je nach Gewässerquerungen sowie andere sensible Anlagen, den in der Kommune vorliegenden Erfordernissen er- betrachtet und je nach örtlicher Einschätzung des weitern und ergänzen, z.B. auf Grundlage eines Lie- Schadenspotenzials berücksichtigt werden. Weitere genschaftskatasters. Wichtig ist, dass auch Objekte, Vorschläge, auch zur Kennzeichnung mit Symbolen, die in einem Liegenschaftskataster ggf. nicht zu fin- finden sich in der Literatur, beispielsweise bei DWA den sind, wie Unterführungen, Tunnel, Brücken oder (2013)21, bei LUBW (2016)22 oder LUBW (2020)23.
21 DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (2013), Tabelle 3, S. 20 22 LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (2016), S. 33 23 LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (2020), Anhang 1c, S. 35ff
50 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
5.2.4 SONDERFALL: SCHÄDEN DURCH EROSION UND GERÖLLTRANSPORT
Land- und forstwirtschaftliche Flächen werden zu- nächst unabhängig von Erosionsgefährdung pauschal der Schadenspotenzialklasse 1 zugeordnet. Ein Parameter für das Schadenspotenzial von diesen Flächen, welcher häufig unterschätzt wird, ist die Pro- blematik von Erosion und Gerölltransport. Oft verur- sachen Regenereignisse einen Bodenabtrag auf Feld-, Wald- und Wiesenflächen. Entscheidend für das Aus- maß der Erosion sind Regenintensität, Bodenbeschaf- fenheit, Bodennutzung, Hanglänge und die Hangnei- gung. Sekundäre Auswirkungen können ggf. im Verlauf der Fließwege und an Senken eintreten. Die Ergebnis- se der Modellierung sollten auf potenzielle Erosions- gefährdung und Gerölltransport hin betrachtet wer- den. In forstwirtschaftlichen Flächen besteht zudem ins- besondere bei Rückewegen mit Verlauf in Gefällerich- tung ein erhöhtes Risiko für Abschwemmen von Holz. Ein zusätzliches Risiko ist durch das „neue Waldster- ben“ zu verzeichnen, was bedeutet, dass infolge von Trockenheit oder Dürre und verstärkten Schädlingsbe- falls der Wald erheblich geschädigt wird. Auf den be- troffenen gestörten Flächen kann es verstärkt zur Bo- denerosion kommen und auch die wasserbezogenen Ökosystemleistungen des Waldes wie Wasserrückhalt, Dämpfung von Abflussspitzen, Infiltration etc. können vermindert oder verschlechtert sein.24 25 Auf solchen Flächen werden vermehrter Abfluss sowie eine gestei- gerte Bodenerosion zu erwarten sein.
Die Quantifizierung dieses Schadenspotenzials ist durch fehlende Bewertungskriterien und fehlende Daten (z.B. Bodenaufbau) erschwert und deshalb im Rahmen eines Starkregenvorsorgekonzeptes in der Regel nicht möglich. Die alleinige Betrachtung der To- pographie kann zu falscher Einschätzung führen. Daten zur potenziellen Erosionsgefährdung für Acker- flächen hat das LBEG ermittelt, siehe digitale Anlagen.
24 Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik (WBW) (2020), S. 45f 25 Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik (WBW) (2021), S. 43f
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 51
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
DURCH ÜBERFLUTUNG BEI STARKREGEN
1
Sind im untersuchten Gebiet Bereiche mit Schutzbedürfnis betroffen?
Menschliche Gesundheit Kulturgüter Umwelt Tierleben und Leben
Wohnen; Land-, Forst- Öffentliche (Private) wirtschaft, Infrastruktur Weitere Einrichtungen Grundstücke, Industrie, Gebäude Gewerbe
2 3 4
Sind negative Kriterien beachten Passende Methode
Auswirkungen möglich? wählen
Werte • Tod • Flächenbezogene Bewertung • Verletzung • Detaillierte Bewertung • Zerstörung Empfindlichkeit • Objektspezifische Bewertung • Beschädigung • Verlust (unterschiedliche Detailtiefe, Exposition • Ausfall Datengrundlage beachten)
5
Bewertung
OBJEKT FLÄCHE No No
Schadenspotenzialklasse 1/2/3/4 Schadenspotenzialklasse 1/2/3/4
6
Plausibilisierung der Ergebnisse und Dokumentation
Abbildung 5.1: Vorgehen zur Bewertung des Schadenspotenzials (UAN, 2024)
52 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
5.3 BEWERTUNGSMETHODIK üblicherweise erst auf Veranlassung und in Verantwor- tung der Eigentümer:innen. Das Vorgehen zur Bewertung des Schadenspotenzials Qualitative Methoden zur Einordnung des Schadens- eines Objektes oder einer Fläche wird in Abbildung potenzials/Schutzbedürfnisses können bei der Scha- 5.1 dargestellt. denspotenzialbewertung gleichermaßen in einer flä- Die Bewertung erfolgt flächendeckend für das Unter- chenbezogenen (einfachen) Bewertung als auch in suchungsgebiet. Eine Bewertung lediglich für über- einer detaillierten Bewertung oder bei der Analyse für flutungsgefährdete Gebiete ist ausreichend. Das Vor- ein einzelnes Objekt angewandt werden. Bei der Ana- handensein kritischer Objekte ist in die Bewertung lyse für ein einzelnes Objekt kann das Ziel auch eine einzubeziehen. quantitative/monetäre Bewertung sein. Die Qualität und flächenmäßige Aufschlüsselungstiefe Der Arbeitsaufwand zur Bestimmung von bautechni- einer Schadenspotenzialbewertung ist von der Ver- schen Ausführungen von Einzelobjekten übersteigt fügbarkeit und der Genauigkeit der Datengrundlage oftmals den Nutzen für die Schadenspotenzialbewer- abhängig. Pauschal werden alle Objekte und Flächen, tung. Fragliche Objekte sollen deshalb in die jeweils bei denen Personenschäden schon bei geringen Über- höhere Schadenspotenzialklasse eingestuft werden, flutungen möglich sind, mindestens in Schadenspo- um diese für die Maßnahmenbetrachtung auszuwei- tenzialklasse 3 eingeordnet (z.B. Gebäude mit Keller- sen. Im Rahmen der Maßnahmenbetrachtung erfolgt nutzung, siehe Tabelle 5.2). dann eine spezifische Untersuchung des Objektes, um Damit in der späteren Planung risikomindernde Maß- die effektivsten Maßnahmen zu wählen. nahmen zugeordnet werden können, sind Schadens- Die Einbeziehung weiterer Akteure ist auch im Rah- potenzialklassen objekt- oder flächenbezogen ein- men der Bewertung des Schadenspotenzials bzw. der zutragen. Könnten einem Objekt oder einer Fläche Risikoanalyse wichtig. Eigentümer:innen sollten an- mehrere unterschiedliche Schadenspotenzialklassen gesprochen und auf ihre Verantwortlichkeiten hinge- zugeordnet werden, sollte sich die Einordnung in eine wiesen werden. Die Einzelbetrachtung für Privatobjek- Schadenspotenzialklasse am Maximalwert orientie- te, vor allem Wohnhäuser, übersteigt im Allgemeinen ren. die kommunalen Zuständigkeiten und Möglichkeiten Die Kommune bzw. die KommAG Starkregen sollte im und obliegt grundsätzlich den Besitzer:innen/Eigentü- intensiven Dialog mit dem bearbeitenden Ingenieur- mer:innen²⁶. Auch die Betreiber:innen von Objekten, büro stehen, um die für die Kommune wichtigen Punk- welche z.B. im Zusammenhang mit dem Aufenthalt te vollständig und korrekt erfassen zu können. Gege- hilfebedürftiger Personen oder mit möglicher Umwelt- benenfalls sind Teilbereiche oder einzelne Objekte für gefährdung im Überflutungsfall stehen, sollten einge- eine detaillierte Bewertung vorzusehen. bunden werden, um Personenschäden oder kritischen Umweltschäden vorzubeugen. Einen Überblick über die verschiedenen Methoden
5.4 DREI METHODEN
zur Schadenspotenzialbewertung gibt die folgende
ZUR SCHADENSPOTENZIALBEWERTUNG Tabelle 5.4.
Die Schadenspotenzialbewertung kann in unter- schiedlicher Tiefe (Detaillierungsgrad) erfolgen. Die gewählte Methode der Schadenspotenzialbewertung ist abhängig von dem gewünschten Umfang, den Ge- fährdungen des definierten Untersuchungsgebietes sowie dem im definierten Untersuchungsgebiet er- warteten Schadenspotenzial und von der Datenver- fügbarkeit. Es wird zwischen flächenbezogener (einfacher) und detaillierter Schadenspotenzialbewertung unterschie- den, eine Kombination der einfachen und detaillier- ten Schadenspotenzialbewertung ist möglich und für verschiedene Ortsbereiche angepasst durchführbar. Außerdem gibt es die objektspezifische Schadenspo- tenzialbewertung, bei der für ein konkretes Objekt das Schadenspotenzial ermittelt wird, dieses geschieht
26 Vgl. § 5 Abs. 2 WHG
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 53
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
Tabelle 5.4: Übersicht Methoden zur Bewertung des Schadenspotenzials
| Flächenbezogene (einfache) Bewertung des Schadenspotenzials | Detaillierte Bewertung des Schadenspotenzials | Objektspezifische Schadenspotenzial- bewertung | |
|---|---|---|---|
| Detaillie- rungsgrad | Auswirkungen je nach Flächen- und Gebäude- nutzung | Auswirkungen je nach Flä- chen- und Gebäudenut- zung und weiterer spezifi- scher Gegebenheiten | Auswirkungen je nach Nutzung und weiterer ob- jektspezifischer Gegeben- heiten |
| Verfahren | Qualitative Einordnung in Stufen, Verortung kri- tischer Objekte (ggf. se- lektiv) | Qualitative Einordnung in Stufen, Verortung und Einordnung kritischer Objekte | I.d.R. Quantitative Ermitt- lung, ggf. mit Schadens- funktion |
| Nutzungs- zweck; Verantwort- lichkeit | Kommunale Schadens- potenzialbewertung im Überblick; Verantwortlichkeit i.d.R. bei Kommune | Schadenspotenzialbe- wertung bei detaillierter Betrachtung besonderer Teilgebiete oder Objekte einer Kommune; Verantwortlichkeit i.d.R. bei Kommune | Einzelbewertung nach objektbezogener Betrachtung; Verantwortlichkeit i.d.R. bei Eigentümer:in |
| Umfang/ definiertes Un- tersuchungs- gebiet | Gesamtgebiet von Ort/ Ortsteil: Siedlungs- und Gewerbe- gebiete, Außenflächen | Teilgebiet von Ort/Orts- teil/Straßenzug: Siedlungs- und Gewerbe- gebiete, kritische Objekte; besonders schadensträch- tige Teile des Untersu- chungsgebietes, mögliche Auswahlkriterien: • öffentliche Gebäude und Flächen sowie die für das Krisenmanage- ment wichtigen Objekte • Gebiete, wo Menschen- leben bedroht sein können und alle Orte, an denen sich mög- licherweise hilflose Personen aufhalten • Orte, an denen sich umweltgefährdende Stoffe, Kulturgüter oder andere empfindliche Sachwerte befinden • stark überflutungs- gefährdete Gebiete sowie Orte, die mit langen Einstauzeiten belastet werden | Einzelne Flächen und/ oder Gebäude: Bauwerk, Flurstück/ Grundstück; mit Hinblick auf die weitergehende objektspezifische Maß- nahmenplanung |
54 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
Tabelle 5.4: Übersicht Methoden zur Bewertung des Schadenspotenzials (Fortsetzung)
| Flächenbezogene (einfache) Bewertung des Schadenspotenzials | Detaillierte Bewertung des Schadenspotenzials | Objektspezifische Schadenspotenzial- bewertung | |
|---|---|---|---|
| Bewertung in Schadens- potenzial- klassen | Bewertung des Schadens- potenzials in 4 Klassen (1-gering/2-mäßig/ 3-hoch/4-sehr hoch) je nach Auswirkungen von Überflutungen auf Berei- che (Flächen und Objekte) | Bewertung des Schadens- potenzials in 4 Klassen (1-gering/2-mäßig/ 3-hoch /4-sehr hoch) je nach Auswirkungen von Überflutungen auf Berei- che (Flächen und Objekte) | Monetäre Bewertung oder qualitative Bewer- tung, z.B. in Schadens- potenzialklasse (von 4 Klassen) |
| Einbeziehung kritischer Objekte | Keine oder gemäß Liste, örtlich angepasst; nur Verortung | Gemäß Liste, örtlich an- gepasst, inkl. Betrachtung der Höhenlage, schadens- mindernde/verstärkende örtliche Randbedingun- gen | Je nach Objekt/Flurstück: Betrachtung der Höhen- lage, schadensmindern- de/verstärkende örtliche sowie objektbezogene Randbedingungen sowie bauliche Gestaltung und Ausführung |
| Einbeziehung Erosion und Gerölltrans- port | Vereinfachte Methode (Betrachtung der Hang- neigung u. Hanglänge/ Fließpfade) oder über vor- liegende Karten des LBEG | Über vorliegende Karten des LBEG, Anwendung der ABAG, Erfahrungen der Flächenbewirtschafter, bisherige Maßnahmen | Über vorliegende Karten des LBEG, Anwendung der ABAG, Erfahrungen der Flächenbewirtschafter, bisherige Maßnahmen |
| Benötigte Daten (Auswahl) | ATKIS, ALKIS etc.: Flächen/Baugebiete ge- mäß FNP und B-Plan, möglichst georeferenzierte Daten/Informationen zu: • Nutzungen ( Gebäude, Grundstücke) • Nutzungszweck von Freiflächen • Infrastrukturanlagen | ATKIS, ALKIS, Luftbilder, Vermessung, Ortsbege- hung etc.: tatsächliche Nutzung von Flächen, Baugebiete gemäß B-Plan; kritische Objekte, möglichst georeferenzierte Daten/Informationen zu: • Nutzungen ( Gebäude, Grundstücke) • Nutzungszweck von Freiflächen • Infrastrukturanlagen • Bauliche Gestaltung von Gebäuden, insbe- sondere Höhenlage/ Untergeschosse • Höhenlage und bau- liche Gestaltung von krit. Objekten und In- frastrukturanlagen • Höhenlage, Gefälle und Oberflächenbeschaffen- heit von Freiflächen | ATKIS, ALKIS, Luftbilder, Vermessung, Ortsbege- hung etc.: • Höhenlage und bauliche Ausführung einzelner Gebäude(teile) oder Objekte/Objektteile • Nutzung von tiefliegen- den/überflutungsgefähr- deten Gebäudeteilen • Höhenlage, Gefälle und Oberflächenbe- schaffenheit/Boden- bedeckung von Ver- kehrs- und Freiflächen • Auswirkungen vergan- gener Ereignisse auf das Objekt oder das Gebiet Begehung der Örtlich- keiten im Hinblick auf schadensmindernde oder -verstärkende örtliche Randbedingungen |
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 55
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
Tabelle 5.4: Übersicht Methoden zur Bewertung des Schadenspotenzials (Fortsetzung)
| Flächenbezogene (einfache) Bewertung des Schadenspotenzials | Detaillierte Bewertung des Schadenspotenzials | Objektspezifische Schadenspotenzial- bewertung | |
|---|---|---|---|
| Ergebnis/ Dokumenta- tion | Karte mit Flächen und Symbolen; ggf. ergänzt durch Steckbriefe (cluster- bezogen) | Karte mit Flächen und Symbolen; ggf. ergänzt durch Steckbriefe (ob- jekt-/clusterbezogen) | Objektbezogene Darstel- lung als Einzelblatt/Be- richt |
| Aufwand | Mäßig; Einstufung bei entspre- chender Datengrundlage weitgehend automatisiert möglich | Hoch; kleinräumige Betrach- tung, ggf. Ortsbegehung, ggf. zusätzliche Daten notwendig, z.B. aus Ver- messung | Sehr hoch; objektspezifische Einzel- betrachtung mit Ortsbe- gehung, ggf. zusätzliche Daten notwendig, z.B. aus Vermessung |
| Vorteile | • Weniger aufwändig • Gesamtbild für Betrach- tungsgebiet möglich • Bereiche mit größeren Handlungserforder- nissen erkennbar | • Ggf. geeignet für die Differenzierung und Priorisierung im Handlungskonzept • auch für Planungs-, Neu- bau- oder Sanierungs- gebiete anwendbar | • Objektspezifische Detailbetrachtung • monetäre Betrachtung möglich • ggf. geeignet für die Differenzierung und Konkretisierung im Handlungskonzept • ggf. geeignet zur Kon- kretisierung in der Gefahrenabwehr |
Die drei Methoden werden für unterschiedliche An- sonders schadensträchtige Teile des Untersuchungs- wendungsfälle empfohlen. gebietes in Betracht. Dies sind beispielsweise Gebiete, wo Menschenleben bedroht sein können, oder Orte, an denen sich möglicherweise hilflose Personen auf- 5.4.1 FLÄCHENBEZOGENE BEWERTUNG DES halten, oder öffentliche Gebäude und Flächen so- SCHADENSPOTENZIALS wie die für das Krisenmanagement wichtigen Objek- Die flächenbezogene Bewertung des Schadenspoten- te. Weitere Auswahlgründe sind beispielsweise stark zials wird auch als einfache Bewertung bezeichnet. überflutungsgefährdete Bereiche sowie Orte, die mit Diese wird grundsätzlich als Basis empfohlen, denn langen Wassereinstauzeiten belastet werden oder an sie ist in der Regel zur Bewertung des Schadenspo- denen sich umweltgefährdende Stoffe, Kulturgüter tenzials als Grundlage für die detaillierte Risikoana- oder andere empfindliche Sachwerte befinden. Auch lyse ausreichend. Sie gibt einen Überblick über das für die weitergehende Planung von Maßnahmen und kommunale Betrachtungsgebiet, das auswirkungs- für die Differenzierung und Priorisierung im Hand- orientiert in Schadenspotenzialklassen bewertet wird. lungskonzept ist eine detaillierte Bewertung des Scha- Außerdem können Objekte, die besondere Schutzbe- denspotenzials hilfreich. Inwieweit eine detaillierte dürftigkeit aufweisen, verortet werden. Bewertung für Wohngebiete und sonstige Siedlungs- gebiete von kommunaler Seite durchgeführt wird, sollte abhängig von den lokalen Gegebenheiten ent- 5.4.2 DETAILLIERTE BEWERTUNG DES SCHADENS- schieden werden. POTENZIALS Eine solche detaillierte Bewertung kann auch in einem Die detaillierte Bewertung des Schadenspotenzials zweiten Schritt auf Grundlage der Ergebnisse der flä- geht über die flächenbezogene (einfache) Bewertung chenhaften Risikoanalyse erfolgen. Sie kommt bei- hinaus und wird daher nur für besondere Teilgebiete spielsweise auch für Planungs-, Neubau oder Sanie- oder Objekte gewählt. Sie kommt vor allem für be- rungsgebiete infrage.
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
5.4.3 OBJEKTSPEZIFISCHE SCHADENSPOTENZIAL- Tabelle 5.5: Datengrundlagen der Schadenspotenzialanalyse BEWERTUNG (nicht erschöpfend)
Die objektspezifische Schadenspotenzialbewertung Informationsquellen bezieht sich auf einzelne Objekte (Flächen und/oder Gebäude), für die hinsichtlich der weitergehenden Pla- nung von Maßnahmen eine Analyse des Schadens- ATKIS, ALKIS, Topographische Karten potenzials erfolgt. In Anbetracht der Zuständigkeit für mögliche Maßnah- Flächennutzungspläne, Bebauungspläne; Regionalplanung menumsetzungen von kommunaler Seite ist anzura- ten, dass eine objektspezifische Schadenspotenzial- Landschaftspläne bewertung für öffentliche Gebäude und Flächen sowie für die für das Krisenmanagement wichtigen Objekte Infrastrukturdaten (z.B. Anlagen der kommunalen Versorger, Kranken- häuser, Feuerwehr, Sitz des Krisenstabs) durchgeführt Digitale Stadtgrundkarte (falls vorhanden) wird. Diese ist ggf. für die Differenzierung und Prio- risierung im Handlungskonzept oder für die weiter- Hochwasserrisikokarten gehende Planung von Maßnahmen erforderlich. Die Durchführung einer objektspezifischen Schadenspo- Hochwasserschutzkonzepte tenzialbewertung kann auch als Maßnahme für einzel- ne Objekte im Handlungskonzept aufgeführt werden. Luftbilder
5.5 DATENGRUNDLAGE Dokumentation vergangener Ereignisse und Presseberichte Die Klassifizierung kann mit minimalem Aufwand er- folgen, wenn flächendeckend eine Datengrundlage Einsatzberichte der Feuerwehr oder mit sehr hoher Informationsqualität insbesondere Gefahrenabwehrbehörden zur Nutzung von Flächen und Objekten zur Verfügung steht (z.B. ALKIS mit Nutzungsinformationen). Diese Ortsbegehung Einschätzung kann durch die Berücksichtigung von weiteren Parametern (z.B. Untergeschosse, Gewerbe Kommunikation mit Einwohner:innen und Grundeigentümer:innen mit Verwendung wassergefährdender Stoffe) erwei- tert werden27. Dieser erweiterte Datenumfang ist für 3D-Modelle von Gebäuden oder Gebieten eine detaillierte Bewertung des Schadenspotenzials (sofern vorhanden) oder für eine objektspezifische Schadenspotenzial- bewertung erforderlich. Es ist abzuwägen, ob sich der Monetäre Daten aus Hochwasserüberflutungen Aufwand zur Ermittlung weiterer Parameter durch die erreichbare zusätzliche Informationstiefe und die Re- levanz dieser Kenntnisse für die Schadenspotenzial- analyse rechtfertigen lässt. Grundlegende Daten sind neben den Liegenschafts- und Nutzungskarten aus ATKIS und ALKIS, Flächen- nutzungspläne, Landschaftspläne, Infrastrukturdaten und digitale Stadtgrundkarten (falls vorhanden). Sie geben einen Überblick über die Betrachtungsgebiete und können auf potenzielle Schadensfelder hinwei- sen. Künftig ist hier auch die Hinweiskarte Starkre- gengefahren für Niedersachsen einzubeziehen. Hoch- wasserrisikokarten können Hinweise zu Risiken in der Nähe zu Fließgewässern geben sowie auf mögliche Synergien oder Widersprüche bei Schutzmaßnahmen zur Verringerung des Schadenspotenzials hindeuten und sollten daher ebenfalls berücksichtigt werden.
27 DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (2016), S. 37
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
Weitere Daten lassen sich in feingliedriger Recherche bzw. ist noch eine detailliertere Bewertungsme- erfassen und sind je nach örtlichen Gegebenheiten thode notwendig und möglich? bereits für die flächenbezogene (einfache) Bewertung • Sind im untersuchten Gebiet Bereiche mit des Schadenspotenzials, insbesondere jedoch für eine Schutzbedürfnis betroffen, sind dort negative tiefergehende Betrachtung wie bei der detaillierten Auswirkungen möglich und sind die ermittelten Bewertung des Schadenspotenzials oder der objekt- Schadenspotenziale plausibel? spezifischen Schadenspotenzialbewertung notwen- • Sind die kritischen Objekte umfänglich unter- dig: sucht worden? • Angaben und Dokumentationen über das • Wurden Objekte ausgemacht, die zusätzlich zu Schadenspotenzial aufgrund spezifischer den in Abschnitt 5.2.3. genannten als kritische Nutzungsgegebenheiten Objekte eingestuft werden sollten und wurden • Angaben und Dokumentationen über sie untersucht? Konstruktion und Materialien eines Bauwerks • Wurde die Gefahr für Leib und Leben mit Scha- • Angaben und Dokumentationen über denspotenzialklasse 3 oder 4 bewertet? vergangene Starkregenereignisse und ihre • Wurden kritische Infrastrukturen und Versor- Auswirkungen, die ggf. auch zur Plausibilisierung gungsträger bewertet? der ermittelten Schadenspotenzialklassen • Wurden Auswirkungen von Überflutung für Ver- herangezogen werden können kehrsanlagen und notwendige Rettungswege bewertet? Um die Datenrecherche nicht ausufern zu lassen, • Wo sind Schäden infolge Feststoff- und Geröll- ist besonderes Augenmerk auf die Abfrage zu mög- transport (auch z.B. Verklausung oder Verstop- lichen kritischen Objekten und zu bisherigen Erfah- fungen von Durchlässen) zu erwarten? rungen mit Starkregen bei der Verwaltung und in Zu- sammenarbeit mit dem Runden Tisch zu legen. Neben der modelltechnischen Aufbereitung der Daten kann Um die wichtigsten Informationen der Schadenspoten- eine Begehung der Untersuchungsgebiete erforderlich zialbewertung mit Ortsbezug festzuhalten, empfiehlt sein. Die Methodik der Schadenspotenzialeinstufung sich eine Darstellung in Karten, siehe Abbildung 5.2. offenbart häufig große Ungenauigkeiten, z.B. durch Neben flurstück- oder gebäudebezogenen Einfärbun- uneindeutige oder veraltete Daten zur Gebäudenut- gen zum Schadenspotenzial, sind die kritischen Ob- zung oder fehlende Daten zu Gebäudeöffnungen. Da- jekte gesondert zu markieren und mittels Objektka- her ist zur Plausibilisierung und Aktualisierung der ge- talog von der Symbolik einheitlich in den Legenden troffenen Annahmen in der Regel eine ortsbezogene darzustellen. Überprüfung durchzuführen. Damit soll zugleich für Ergänzend können die Erkenntnisse in Steckbriefen die Ergebnisdarstellung eine Annäherung an die Ge- gesammelt dargestellt werden, je nach Umfang der nauigkeit der Gefährdungsanalyse erreicht werden. Da Betrachtung cluster- oder objektbezogen. Die Ergeb- die Schadenspotenzialanalyse gleichermaßen wie die nisse einer objektspezifischen Schadenspotenzialbe- Gefahrenanalyse als Grundlage für die Risikoanalyse wertung werden als Einzelblattdarstellung oder Be- dienen, ist eine vergleichbar hohe Genauigkeit beider richt vorgelegt. Dabei können die Ergebnisse ggf. mit Analysen anzustreben. unterschiedlichen Maßstäben oder auch lediglich in Eine tabellarische Übersicht der möglichen Informa- digitaler Form vorliegen. Sie dienen als internes Zwi- tionsquellen (nicht erschöpfend) ist in Tabelle 5.5 ge- schenergebnis und Arbeitsgrundlage für die anschlie- geben. ßende Risikoanalyse.
5.6 PLAUSIBILISIERUNG DER Die Veröffentlichung von Schadenspotenzialkar- ERGEBNISSE UND DOKUMENTATION ten und Ergebnissen der Bewertung des Schadens- potenzials ist aus datenschutzrechtlicher Sicht ab- Der nachfolgende nicht abschließende Fragenkatalog zuwägen, denn sie beinhalten sowohl öffentliche als soll als Hilfe dienen, die Vollständigkeit der Schadens- auch schutzbedürftige oder private Daten. Öffentli- bewertung zu überprüfen: che Gebäude, Einrichtungen und versorgungswichtige Netzbetreiber sollten kenntlich sein, gehören jedoch • Ist die Datengrundlage für das Untersuchungs- gegebenenfalls zur schutzbedürftigen kritischen Infra- gebiet aktuell und sind alle vorhandenen Bau- struktur. Demgegenüber müssen im Rahmen der Be- werke erfasst? wertung des Schadenspotenzials, damit dieses voll- • Ist die Datengrundlage passend für den Detaillie- ständig ist, auch private Gebäude und Grundstücke rungsgrad der gewählten Bewertungsmethode betrachtet werden, deren Nutzungs- und Betriebsda-
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BEWERTUNG DES SCHADENSPOTENZIALS
| Legende | ||
|---|---|---|
| Altenheim/Behinderteneinrichtung/ Gewerbe/Industrie/Entsorgung Sozialstation Bahnhof Kindertagesstätte Einkaufszentrum Schule/Jugendeinrichtung Feuerwehr/Polizei Tankstelle Schadenspotenzialklasse 1-gering 3-hoch 2-mäßig 4-sehr hoch Abbildung 5.2: Beispiel für eine einfache/flächenbezogene Bewertung des Schadenspotenzials mit Verortung kritischer Ob- jekte (flurstückbezogene Darstellung) |
ten jedoch geschützt werden müssen. Die Erstellung diese datenschutzrechtlich zu prüfen und ggf. anzu- solcher Karten ist für die Risikoanalyse unabdingbar. passen. Aus oben genannten Gründen wird empfohlen, dass die Schadenspotenzialkarten ausschließlich zum Zweck der Risikoanalyse und zur verwaltungsinter- nen Verwendung für zukünftige Planungen eingesetzt werden. Sollten Veröffentlichungen geplant sein, sind
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 59
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RISIKOANALYSE
6 RISIKOANALYSE
6.1 ZIELE 6.2 RISIKOBEGRIFF
Die kommunale Risikoanalyse verfolgt das Ziel, durch Unter dem Überflutungsrisiko wird die Kombination die kombinierte Betrachtung von Gefährdung und aus der Gefährdung und dem Schadenspotenzial ver- Schadenspotenzial Aussagen zum Ausmaß des Über- standen. Zur Ermittlung des Risikos sind drei Bearbei- flutungsrisikos zu treffen. Die Risikoanalyse zeigt den tungsschritte erforderlich29: bestehenden Handlungsbedarf auf und liefert die (1) Ermittlung der Gefährdung: Analyse der Gefah- Grundlage für die Entwicklung von Vorsorgemaßnah- ren durch Überflutung infolge Starkregen hin- men, indem risikoreiche Gebiete und Objekte identifi- sichtlich Ausbreitung und max. Wasserstand, ziert werden. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei Fließgeschwindigkeit, Strömungsdruck und un- auf kritischen Infrastrukturen und Objekten. ter Einbeziehung der Wahrscheinlichkeit, siehe Bei der Risikoanalyse wird grundsätzlich zwischen Kapitel 4 kommunalen und privaten Anwendungsbereichen unterschieden:28 (2) Bewertung des Schadenspotenzials: Bereiche mit Schutzbedürfnis hinsichtlich der drei Kriteri- • Kommunale Risikoanalyse für den Siedlungs- en Exposition, Empfindlichkeit, Werte (monetär bereich, mit Verantwortung der Kommune für und nicht-monetär) unter Einordnung der Aus- öffentliche Objekte, Flächen und Infrastruktur- wirkungen von Überflutung; Identifizierung von einrichtungen sowie im Hinblick auf die Gefah- kritischen Objekten, siehe Kapitel 5 renabwehr und Katastrophenvorsorge (3) Ermittlung und Bewertung des Überflutungsrisi- • Private Risikoanalyse aufgrund der Verantwor- kos: Überlagerung von Gefährdung und Scha- tung der privaten bzw. gewerblichen Eigentü- denspotenzial unter Beachtung der Exposition mer:innen oder Betreiber:innen für die eigenen Grundstücke und Objekte Die Ermittlung des Risikos wird in folgender Abbildung veranschaulicht: Die Ergebnisse in Form von Risikokarten ermöglichen es der Kommune, nicht nur sich selbst sowie Rettungs- und Einsatzkräfte auf Starkregenereignisse vorzu- bereiten, sondern auch die privaten Grundeigentü- mer:innen auf ihre Betroffenheit und Sorgfaltspflicht (§ 5 Abs. 2 WHG) hinzuweisen.
28 LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (2016), S. 30 29 Vgl. LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (2016), S. 30
60 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 181111742/ecnailla erutcip :elleuQ
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RISIKOANALYSE
Abbildung 6.1 Ermittlung des Risikos aus Gefährdung und Schadenspotenzial (UAN, 2024)
6.3 BEWERTUNGSMETHODIK 6.3.2 BERÜCKSICHTIGUNG VON ÜBERFLUTUNGS- GEFÄHRDUNG UND SCHADENSPOTENZIAL Die Einschätzung der Risiken für die menschliche Gesundheit, für die Umwelt, für das Kulturgut sowie Die Intensität der Überflutungsgefährdung zeigt sich für Objekte, Infrastruktureinrichtungen und andere insbesondere in der Ausprägung der Gefahren in Was- Sachgüter geschieht durch qualitative Bewertung bei- sertiefe, Fließgeschwindigkeit bzw. Strömungsdruck. spielsweise in vier Stufen mit „gering – mäßig – hoch Sie ist höher bei Ereignissen, die selten auftreten – sehr hoch“. Eine monetäre Einschätzung erfolgt im (geringe Wahrscheinlichkeit bzw. hoher SRI). Rahmen des Starkregenvorsorgekonzeptes üblicher- Zur Ermittlung der Überflutungsgefährdung aus den weise nicht. Ergebnissen der Gefährdungsanalyse kann wie folgt vorgegangen werden: Für die Einstufung der Überflutungsgefährdung soll- 6.3.1 BERÜCKSICHTIGUNG DER EXPOSITION te eine Klasseneinteilung nach Wassertiefen unter Das Kriterium Exposition, das zur Bewertung des Berücksichtigung des Strömungsdruckes erfolgen, Schadenspotenzials herangezogen wird, ist zugleich die sich an der für die Darstellung in den Starkregen- eine Grundvoraussetzung für das Risiko. Wenn ein Ob- gefahrenkarten gewählten Einteilung orientiert. Ein jekt oder eine Fläche nicht der Gefahr ausgesetzt ist, Beispiel für eine Kombinationsmatrix aus Wassertie- wird das Schadenspotenzial nicht zum Schaden und fe und Strömungsdruck zur Bewertung der Überflu- das Risiko ist null. Grundsätzlich gilt: Je größer die tungsgefährdung ist in Tabelle 6.1 dargestellt, wobei Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten bzw. der berücksichtigt wurde, dass ein Sturz durch hohen Strömungsdruck am betrachteten Objekt oder auf Strömungsdruck auch bei geringer Wassertiefe zum der betrachteten Fläche sind, desto höher ist auch Ertrinken führen kann. das Risiko.
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 61
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RISIKOANALYSE
Tabelle 6.1 Beispiel für eine Bewertung der Überflutungsgefährdung als Kombinationsmatrix aus Wassertiefe und Strömungsdruck
| Überflutungsgefährdung | Strömungsdruck | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| < 0,1 m²/s | 0,1 – 0,5 m²/s | 0,5 – 2 m²/s | > 2 m²/s | ||
| Wasser- tiefe | < 5 cm | wird nicht ermittelt | wird nicht ermittelt | wird nicht ermittelt | wird nicht ermittelt |
| 5 – 10 cm | gering | gering | mäßig | hoch | |
| 10 – 30 cm | mäßig | mäßig | hoch | sehr hoch | |
| 30 – 50 cm | mäßig | hoch | sehr hoch | sehr hoch | |
| > 50 cm | hoch | sehr hoch | sehr hoch | sehr hoch |
Die Einstufung des Schadenspotenzials erfolgt ent- terial können Risiken für Menschen und Objekte ver- sprechend der in Kapitel 5 vorgestellten Methodik. ursachen. Die Durchführung einer Risikoanalyse bezieht mit der vorangegangenen Gefährdungsanalyse und Scha- Das Risiko wird anschließend mit Hilfe einer Kombi- denspotenzialbewertung auch bestehende Schutz- nationsmatrix bestimmt, in der Überflutungsgefähr- maßnahmen mit ein. Erforderlichenfalls ist daher die dung und Schadenspotenzial kombiniert werden. Ein Zusammenarbeit mit den jeweiligen Eigentümer:in- Beispiel für eine solche qualitative Klassifizierung des nen und Betreiber:innen von Objekten zu suchen. Risikos gibt Tabelle 6.2. Ebenso werden folgende Aspekte bereits in den vor- Es ist zu beachten, dass auch bei einer automatisier- angegangenen Schritten berücksichtigt: Das Ausmaß ten Anwendung der Kombinationsmatrix die Ergebnis- der Auswirkungen und damit das Schadenspotenzial se geprüft werden müssen. Dabei sind auch mögliche kann sich je nach Dauer der Überflutung verändern, gravierende Auswirkungen bei geringen Wasserstän- der Kontakt mit verschmutztem Wasser kann zu Ge- den zu beachten, wie z.B. die Betroffenheit von strom- sundheits- und/oder Umweltschädigungen führen, führenden Objekten. Erosion und der Transport von Geröll und Bodenma-
Tabelle 6.2: Beispiel für die qualitative Verknüpfung von Überflutungsgefährdung und Schadenspotenzial zum Überflutungsrisiko in Anlehnung an DWA-M 119
| Risiko | Schadenspotenzial | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| gering | mäßig | hoch | sehr hoch | ||
| Überflu- tungsge- fährdung | gering | gering | mäßig | mäßig | hoch |
| mäßig | mäßig | mäßig | hoch | sehr hoch | |
| hoch | mäßig | hoch | sehr hoch | sehr hoch | |
| sehr hoch | hoch | sehr hoch | sehr hoch | sehr hoch |
62 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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RISIKOANALYSE
Die Risikoanalyse sollte in angemessenen Abständen für sensible Infrastrukturen im Rahmen einer überflu- unter Berücksichtigung von Änderungen der Gefähr- tungsangepassten Bauleitplanung gewonnen werden. dungssituation oder des Schadenspotenzials (z.B. Zusätzlich dient sie der Erarbeitung von Handlungsan- nach Umsetzung baulicher oder organisatorischer weisungen und Vorsorgemöglichkeiten für die Alarm- Maßnahmen) oder nach Ereignissen wiederholt bzw. und Einsatzplanung im Rettungswesen und kann für angepasst werden. die Informationsvorsorge und Warnung der Bevölke- rung herangezogen werden. 6.3.3 BERÜCKSICHTIGUNG DER Die kommunale Zielausrichtung der Risikoanalyse und die Vorgehensweise sollten mit dem ausführenden WAHRSCHEINLICHKEIT DES NIEDERSCHLAGS- Ingenieurbüro abgestimmt werden. SZENARIOS Eine Risikoanalyse sollte für intensive Starkregen (SRI 6.3.4 EXKURS: BERÜCKSICHTIGUNG VON 3 bis 5) und/oder außergewöhnliche (SRI 6/7) oder SEKUNDÄREN AUSWIRKUNGEN extreme Starkregen (ab SRI 8) durchgeführt werden. In enger Abstimmung mit der kommunalen Arbeits- Sekundäre Auswirkungen von Überflutungen sind Fol- gruppe Starkregen ist festzulegen, in welcher Form die gen, die nicht primär durch die Überflutung entstehen, Wahrscheinlichkeit der betrachteten Niederschlags- sondern sich erst im Zusammenwirken mit primären szenarien in die Bewertung einfließen soll. Ein Beispiel Auswirkungen, z. B. Verklausung von Brücken, Verle- dazu ist in DWA-M 119 gegeben, indem bei höheren gung von Durchlässen oder Zusammenbruch eines Wahrscheinlichkeiten eine andere Kombinationsma- Bauwerks, durch ein verändertes Abflussverhalten trix als Überlagerungsvorschrift von Überflutungsge- ergeben. Mit dieser veränderten Gefahrenlage muss fahr und Schadenspotenzial verwendet wird (DWA-M auch die Bewertung des Schadenspotenzials (verän- 119, Abb. 15). Als Folge davon steigt bei höheren Wahr- derte Exposition) angepasst werden. scheinlichkeiten bei gleicher Überflutungsgefahr und Die Betrachtung der sekundären Auswirkungen von gleichem Schadenspotenzial das Risiko. Überflutung im Rahmen der Risikoanalyse geht in Prinzipiell ergibt dieses Vorgehen somit für die be- der Regel über den Umfang des Starkregenvorsorge- trachteten Szenarien je eine Risikokarte. Sofern konzeptes hinaus. Das Erfordernis sollte in Abstim- eine zusammenfassende Darstellung des Risikos ge- mung mit dem Planungsbüro festgelegt werden und wünscht wird, ist zur Bewertung des Gesamtrisikos die sich auf wenige zusätzliche Szenarien beschränken. höchste Risikoklassifizierung maßgebend. Hier ist insbesondere von Interesse, ob bei einem sol- Eine bauliche Vorsorge für alle denkbaren Extremer- chen Szenario menschliches Leben oder Gesundheit eignisse ist weder wirtschaftlich noch technisch sinn- gefährdet sein können. Die Betrachtung kann mittels voll oder möglich. Die Kommune muss sich daher einer zusätzlichen Modellierung der Gefährdung durch überlegen, ob sie vor allem die Risiken von intensi- Starkregen mit dem zu betrachtenden Szenario (z.B. ven (SRI 3 bis 5) und außergewöhnlichen Starkregen einer Verklausung) erfolgen oder vereinfacht lediglich (SRI 6/7) minimieren oder sich auf Extremereignisse für die als kritisch eingeschätzten Punkte durch text- (ab SRI 8) vorbereiten möchte, die jedoch mit weitaus liche Skizzierung des Umfangs möglicher betroffener geringerer Wahrscheinlichkeit eintreten (siehe auch Gebiete durchgeführt werden. Abschnitt 7.4). Die Risikoanalyse für intensive Starkregen (SRI 3/4/5) 6.4 DREI METHODEN ZUR liefert Aussagen hinsichtlich der Risiken, die häufiger
RISIKOBEWERTUNG
bzw. zuerst auftreten, dazu zählen Erkenntnisse über die gewöhnlich zuerst bei Überflutung betroffenen kri- Die Risikoanalyse kann auf unterschiedliche Weise tischen Stellen. Zusammen mit der Gefährdungsana- erfolgen, die sich nach Detaillierungsgrad und Auf- lyse lassen sich hieraus Maßnahmen ableiten, die oft- wand sowie ihres Nutzungszwecks unterscheiden mals ohne größeren Aufwand zu realisieren sind und lassen und wesentlich von der gewählten Methode zügig eine Verbesserung der Überflutungssituation zur Bewertung des Schadenspotenzials abhängen. und somit eine Verminderung des Risikos bewirken. Die Methode muss für die Ausdehnung des Unter- Beispiele dafür sind z.B. Umleitung von Fließwegen, suchungsgebietes und der Überflutungsfläche an- Freihaltung von geplanten Bebauungsflächen, etc. gemessen gewählt werden. Einen Überblick gibt Die Risikoanalyse für außergewöhnliche (SRI 6/7) Tabelle 6.3. oder Extremereignisse (ab SRI 8) liefert Aussagen hin- sichtlich der Risiken, die seltener auftreten. Auch hier können zusammen mit der Gefährdungsanalyse Er- kenntnisse u. a. über Notwasserwege oder Evakuie- rungsrouten oder über die Freihaltung von Flächen
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 63
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RISIKOANALYSE
Tabelle 6.3 Methoden zur Risikoanalyse
| Vereinfachte Risikoanalyse | Detaillierte Risikoanalyse | Objektspezifische Risikoanalyse | |
|---|---|---|---|
| Grundlage Gefährdungs- analyse | Je nach Wassertiefe; zusätzlich oder alter- nativ ggf. nach Fließge- schwindigkeit oder Strö- mungsdruck | Wassertiefe und Strö- mungsdruck kombiniert ergeben Überflutungs- gefahr (Matrix) | Wassertiefe und Strö- mungsdruck kombiniert ergeben Überflutungsge- fahr (Matrix) |
| Grundlage Schadenspoten- zialbewertung | Nur Exposition (Objekte/ Flächen mit keinem oder geringem Abstand zur Wasserfläche) Für alle Objekte und Flä- chen zunächst keine wei- tere Differenzierung des Schadenspotenzials. Die- ses wird einheitlich als „mittel“ angenommen | Für alle Objekte und Flä- chen differenziert ermit- telt durch • Vereinfachte Scha- denspotenzialbe- wertung oder • Detaillierte Schadens- potenzialbewertung | Für ausgewählte Objekte und zugehörige Flächen differenziert ermittelt durch • Detaillierte Schadenspo- tenzialbewertung oder • Objektspezifische Schadenspoten- zialbewertung |
| Einbeziehung kritischer Objekte | Nicht zwingend, Veror- tung und Kennzeichnung möglich | Ja | Ja, sofern betrachtetes Objekt kritisches Objekt ist |
| Nachbearbeitung | Verifizierung durch Ortsbegehung sinnvoll. Nachträglich ggf. Ein- stufung des Schadenspo- tenzials für überflutungs- betroffene Objekte und Flächen notwendig | Nachträglich ggf. objekt- spezifische Risikoanalyse für einzelne Objekte | Nein |
| Aufwand | Gering bis mäßig (je nach erforderlicher Nachbearbeitung) | Mäßig bis hoch (abhängig von Methode zur Schadenspotenzial- bewertung) | Hoch bis sehr hoch (abhängig von Methode zur Schadenspotenzialbe- wertung) |
| Darstellung | Gefahrenkarte mit Wasserstand und Gebäudebetroffenheit | Gefahrenkarte mit Scha- denspotenzial oder Risi- ko von Flächen/ Objekten zuzüglich kritische Objekte | Objektbezogene Darstellung der Gefahr und des Risikos |
| Nutzungszweck | Als Ersteinschätzung (ggf. fehlerhaft wg. feh- lender Schadenspoten- zialermittlung); für wenig komplexe Sied- lungsgebiete als Basis für die Maßnahmenentwick- lung geeignet | Geeignete Grundlage für ein Handlungskonzept und zur Maßnahmenent- wicklung und Priorisie- rung von Maßnahmen | Geeignete Grundlage für ein Handlungskonzept und zur Entscheidung über Maßnahmen |
| Verantwortlichkeit | Kommune | Kommune | Betreiber:in/ Eigentümer:in |
64 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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RISIKOANALYSE
| Legende Wasserstand Starkregenszenario T = 50 a < 10 cm 10 –30 cm 30 –50 cm > 50 cm Betroffenheit Gebäude (Wasserstand nahe Außenkante) gering (< 10 cm) mäßig (10 –30 cm) hoch (30 -50 cm) sehr hoch (> 50 cm) | |
|---|---|
| Legende Wasserstand Starkregenszenario T = 50 a < 10 cm 10 –30 cm 30 –50 cm > 50 cm Betroffenheit Gebäude (Wasserstand nahe Außenkante) gering (< 10 cm) mäßig (10 –30 cm) hoch (30 -50 cm) sehr hoch (> 50 cm) |
Abbildung 6.2: Beispiel einer vereinfachten Risikokarte mit klassifizierter Kennzeichnung des Wasserstandes (T = 50 a) n und der Betroffenheit aufgrund der Nähe zum Wasserstand (Illgen 2015)
6.4.1 VEREINFACHTE RISIKOANALYSE des nicht differenziert abgeschätzten Schadenspoten- Bei der vereinfachten Risikoanalyse werden Gebäude zials deutliche Abweichungen zur realen Risikosituati- und Flächen nur aufgrund ihrer räumlichen Nähe zu on möglich sind. Unberücksichtigt bleibt die Tatsache, oder ihrer Lage in Wasserflächen unter Berücksich- dass auch geringe Wassermengen und Strömungsge- tigung der Wasserstände charakterisiert und bewer- schwindigkeiten je nach Empfindlichkeit eines Objek- tet. Mit zunehmender Wassertiefe steigt das Scha- tes oder einer Fläche große Schäden herbeiführen und denspotenzial. Auch der Strömungsdruck oder die dadurch ggf. mit einem hohen Risikopotenzial gekop- Fließgeschwindigkeit können in die Betrachtung mit- pelt sein können. Die Verortung von kritischen Objek- einbezogen werden. In diesem Fall wird das Schadens- ten sollte zusätzlich erfolgen. potenzial in Bezug auf die Kriterien Werte und Emp- Die Erstellung der vereinfachten Risikoanalyse ist da- findlichkeit nicht genauer betrachtet, sondern ohne her im Allgemeinen nur für die erste Einschätzung des Bewertung einheitlich als „mittel“ angenommen. Betrachtungsgebietes geeignet. Ohne Betrachtung der Diese Methode kann angewendet werden, wenn kei- Überflutungsauswirkungen und der kritischen Objekte ne ausreichende Datengrundlage vorhanden ist oder bietet die einfache Risikobewertung keine ausreichen- wenn aufgrund wenig komplexer örtlicher Strukturen de Grundlage für eine Maßnahmenentwicklung. Eine auf eine Bewertung des Schadenspotenzials wie in solche nachträgliche Betrachtung wird für alle über- Kapitel 5 beschrieben, verzichtet wird. Abbildung 6.2 flutungsbetroffenen Objekte und Flächen angeraten. zeigt eine Risikokarte, welche sich aus der Kombina- tion einer hydraulischen Modellierung zur Darstellung Unter Einbeziehung der Auswirkungen von Überflu- der Gefährdung und einer Analyse des Maximalwas- tung und der kritischen Objekte kann die einfache Ri- serstandes im Gebäudeumfeld ergibt. sikoanalyse auf den Ortskenntnissen basierend für Eine solche vereinfachte Risikoanalyse kann für einen wenig komplexe Siedlungsgebiete eine Basis für die ersten Überblick hilfreich sein. Jedoch besteht bei die- Maßnahmenentwicklung bieten. ser Risikobewertung die Problematik, dass aufgrund
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RISIKOANALYSE
6.4.2 DETAILLIERTE RISIKOANALYSE sowohl das Gesamtgeschehen als auch kleinräumige Ergebnisse gut sichtbar sind. Zur besseren Verortung Im Rahmen der Risikoanalyse sollte standardmäßig des dargestellten Ausschnitts kann in den Detailkarten eine detaillierte Risikoanalyse durchgeführt werden. eine kleine Übersichtskarte mit aufgeführt werden. Grundlage kann die flächenbezogene (einfache) oder Im Detail sollten auf der Risikokarte folgende Inhalte die detaillierte Schadenspotenzialbewertung sein. Die dargestellt sein: Erstellung der detaillierten Risikobewertung ist mit • farblich differenzierte Risikoklassen dargestell- GIS-Programmen möglich, wobei über eine Verschnei- ter Objekte und Flächen (Tabelle 6.2 und Abbil- dungsmatrix (siehe Tabelle 6.2) das resultierende Ri- dung 6.3) siko berechnet werden kann. In einer auf Grundlage • verortete kritische Objekte mit Symbolen aus einer detaillierten Risikoanalyse erstellten Starkre- dem Objektkatalog (z.B. Krankenhaus, Tiefga- gen-Risikokarte sind hier neben dem Wasserstand das rage, Bahnhof mit tiefliegendem Gleiszugang, klassifizierte Risikopotenzial und die ermittelten Risi- siehe Tabelle 5.3 und Symbolkatalog kritischer koobjekte/Flächen mit Symbolen in der Karte und mit Objekte in den digitalen Anlagen) Erläuterungen zur Art des Objektes/der Fläche in der Legende zu finden (vgl. Abbildung 6.4). • Überflutungsausdehnung mit maximalem Was- serstand eingeteilt in Klassen 6.4.3 OBJEKTSPEZIFISCHE RISIKOANALYSE • Strömungsdruck (oder Fließgeschwindigkeit) eingeteilt in Klassen Die zuvor beschriebene detaillierte Risikoanalyse • Gewässer ist von einer objektspezifischen Risikoanalyse abzu- • Überschwemmungsgebiete (nachrichtlich) grenzen. Dies bedeutet, dass das einzelne Objekt ei- ner ausführlichen Betrachtung der Gefährdung und • Angabe des gewählten Regenszenarios (bevor- des Schadenspotenzials unterzogen wird. Grundlage zugt als Angabe mit Starkregenindex oder zu- kann eine detaillierte Schadenspotenzialbewertung sätzlich als Einordnung nach Wiederkehrzeit) oder eine objektspezifische Schadenspotenzialbewer- • Kommune, Ortsteil, Verortung in einer Über- tung (siehe Abschnitt 5.4) sein. Die Ergebnisse einer sichtskarte objektspezifischen Risikoanalyse können für einzelne Objektteile oder zusammengefasst dargestellt wer- den. Ein ergänzender Bericht oder eine tabellarische Übersicht sollten Bestandteil einer objektspezifischen Risikoklasse 1 = Risiko gering Risikoanalyse sein. Die Erstellung einer objektspezi- fischen Risikoanalyse ist gegebenenfalls im Rahmen Risikoklasse 2 = Risiko mäßig des Handlungskonzeptes als Maßnahme aufzuneh- men. Sie liegt in der Regel in der Zuständigkeit des Ei- Risikoklasse 3 = Risiko hoch gentümers oder Betreibers des Objektes im Rahmen der Eigenvorsorge. Risikoklasse 4 = Risiko sehr hoch
6.5 ERSTELLUNG VON RISIKOKARTEN
Abbildung 6.3: Legende für die farbliche Darstellung der ver- Auf Risikokarten werden die ermittelten Risiken für schiedenen Risikoklassen Infrastruktur, kritische Objekte, Gebäude, Flächen und zusätzlich die Überflutungsausdehnung und die Was- sertiefe (für ein gewähltes Regenereignis) im Unter- Ein Beispiel für eine Risikokartendarstellung ist Abbil- suchungsgebiet dargestellt. Hierbei wird das Risiko dung 6.4, die die Risikokarte der Pilotkommune Stadt in mehrere Klassen eingeteilt und farblich differen- Bad Salzdetfurth für den Ortsteil Groß Düngen dar- ziert dargestellt (Abbildung 6.3). Da die Risikokarte die stellt. Sie wurde auf Basis einer einfachen flächenbe- objekt- oder gebietsspezifischen Risikobewertungen zogenen Schadenspotenzialbewertung mit einer an- zeigt, enthält sie auch die für das Schadenspotenzial schließenden detaillierten Risikoanalyse erstellt. wichtigen Objekte und Flächen (vgl. Abbildung 6.4).
Je nach Größe des Untersuchungsgebietes bietet es sich an, zusätzlich zu Übersichtskarten für das gesam- te Gebiet weitere Detailkarten anzufertigen, in denen jeweils ein bestimmter Ausschnitt dargestellt ist. So ist gewährleistet, dass im fertiggestellten Kartensatz
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RISIKOANALYSE
(z.B. vor vermeintlich schutzbietenden jedoch tieflie- Aufgrund des thematischen Zusammenhangs ist auch genden Räumen oder vor erosionsgefährdeten Berei- der Vergleich mit den ggf. für die Gewässer im Untersu- chen) aussprechen zu können. chungsgebiet vorhandenen Karten der Überschwem- Weitere allgemeine Details zur Kartenerstellung sind mungsgebiete sowie mit den Hochwassergefahren- in Abschnitt 4.6 „Erstellung von Gefahrenkarten“ er- und -risikokarten empfehlenswert. Hierbei können läutert und können, abgesehen von den spezifischen sowohl die gewässerbezogenen Auswirkungen vergli- thematischen Inhalten, auf die Erstellung der Risiko- chen als auch das Vorliegen von Synergien oder Ziel- karten übertragen werden. konflikten in der Hochwasser- und Starkregenvorsorge erkannt werden.
6.6 PLAUSIBILISIERUNG
6.7 DOKUMENTATION
DER ERGEBNISSE
UND VERÖFFENTLICHUNG
Die Ergebnisse der Risikoanalyse, dargestellt als Karte und/oder Bericht, bilden die Grundlage für die Maß- Durch die Risikoanalyse wird sichtbar, wo im Gemein- nahmenentwicklung und das Handlungskonzept. Die degebiet für die Kommune oder für private Verant- Ergebnisse sollten daher zu bearbeitungswichtigen wortliche Handlungsbedarf besteht, um die Gefähr- Punkten (z.B. Finalisierung des Schadenspotenzials) dung und/oder das Schadenspotenzial grundsätzlich sowie zum Abschluss der Risikoanalyse, bevor der zu vermindern und so das mit einem Starkregenereig- nächste Schritt erfolgt, seitens der Kommune gründ- nis einhergehende Risiko zu verringern. lich auf Vollständigkeit und Plausibilität überprüft Aufgrund der Komplexität des dargestellten Sachver- werden. halts und der Gefahr von Fehlinterpretationen, sind Die Kommune sollte sich anhand der Ergebnisse mit die Risikokarten zunächst nur an die Kommune adres- Sachverstand und im Abgleich mit der Realität fra- siert. Die Ergebnisse der Risikoanalyse sollte hierbei gen, ob die Erfassung vollständig und nachvollziehbar den örtlichen kommunalen Behörden sowie Rettungs- ist. Sehr wichtig ist die Kommunikation mit lokalen kräften zugänglich gemacht und erläutert werden, um Akteuren zur Verifizierung der planerisch festgestell- sie in die Aufgaben der Daseinsvorsorge sowie der Ge- ten Risikoobjekte und -gebiete. Zur Abstimmung mit fahrenabwehr zu integrieren. Die Ergebnisse können dem kommunalen Krisenmanagement und den zu- dann beispielsweise auch in Alarm- und Einsatzplänen ständigen Abteilungen der Verwaltung kann beispiels- für den Starkregenfall berücksichtigt werden. weise mit dem Runden Tisch ein Workshop durchge- Die Ergebnisse der Risikoanalyse oder Teile davon führt werden. Im Rahmen dieses Workshops können können darüber hinaus auch anderen Zielgruppen, z.B. zur Plausibilisierung der Ergebnisse u. a. folgende z.B. weiteren Gefahrenabwehrbehörden sowie ein- Fragen diskutiert werden: zelnen Bürger:innen zur Stärkung der Eigenvorsorge zugänglich gemacht werden. Hierzu sind in der Regel • Ermöglicht die Darstellung der Risikokarte eine zugleich erklärende Zusatzinformationen notwendig, schnelle Zuordnung der kritischen Objekte? um das Verständnis zu erleichtern und die Eigenvor- • Sind zusätzlich zur Kartendarstellung weite- sorge sowie das Ergreifen sinnvoller Maßnahmen zu re Übersichten und Listen erforderlich (z.B. für ermöglichen. Eine Veröffentlichung sollte daher vor- Objekte, die aus Datenschutz- oder sicherheits- zugsweise in Zusammenhang mit einem Beratungs- relevanten Gründen nicht dargestellt werden angebot erfolgen. können oder um eine bessere Nutzung bei der Es kann je nach Fragestellung auch hilfreich sein, aus Alarm- und Einsatzplanung zu erzielen)? den bestehenden Risikokarten in einem weiterem • Erhält die Kommune durch die Risikoanalyse die Schritt Risikokarten mit themenspezifischen Schwer- benötigten Kenntnisse für ihre Aufgaben der punkten zu erstellen. Diese thematische Einteilung Daseinsvorsorge und der Gefahrenabwehr? wird am besten im Zuge der weiteren Bearbeitung und während der Ausarbeitung eines Handlungskonzeptes • Wurden die Objekte, die im Besitz oder der Ver- vorgenommen. Wenn themenspezifische Risikokarten antwortung der Kommune stehen, betrachtet? vorliegen, die es ermöglichen, die Informationsdichte • Sind Kenntnisse über die Risikobewertung von der Risikokarten zielgruppengerecht zu filtern, können privaten Objekten für das kommunale Handeln die im Handlungskonzept verantwortlichen Akteure notwendig (z.B. hinsichtlich des Krisenmanage- mit gut aufbereiteten für sie relevanten Informationen ments oder möglicher Umweltschäden) und versorgt werden. wurden diese Objekte in der Risikoanalyse be- In der Risikoanalyse werden auch private und gewerb- trachtet? liche Objekte betrachtet und sind mit ihrem Risiko in
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RISIKOANALYSE
der Darstellung der Risikokarten enthalten und sicht- bar. Hierzu sollte bei der Risikokommunikation ver- deutlicht werden, dass diese Darstellung in der Regel nicht auf einer objektspezifischen Risikoanalyse be- ruht und sich daher für einzelne Objekte bei ausführ- licher Betrachtung des Gebäudes und Grundstückes und der baulichen Gestaltung eine andere Einschät- zung des Risikos ergeben kann. Ebenso wie für die Durchführung der Gefährdungsana- lyse ist es empfehlenswert, die Durchführung und die Ergebnisse der Risikoanalyse in einem Erläuterungs- bericht zu dokumentieren. Für weitere Details zur Do- kumentation und Veröffentlichung wird auf die Aus- führungen in Abschnitt 4.7 verwiesen.
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 69
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HANDLUNGSKONZEPT
7 HANDLUNGSKONZEPT
7.1 ZIELE Maßnahmen abzuleiten. Die Einbindung der Verwal- tung mit den unterschiedlichen Fachbereichen sowie Ziel des Handlungskonzeptes ist, geeignete Maßnah- weiterer ortskundiger Akteure auf breiter Basis ist da- men zur Überflutungsvorsorge und Schadensminimie- bei erfolgversprechend. rung aufzuzeigen. Darüber hinaus soll das Handlungs- Das Handlungskonzept zur Starkregenvorsorge sollte konzept das Bewusstsein für das Thema Starkregen ein dynamisches, lebendiges Dokument („living do- erhöhen und die Hemmschwelle zum sofortigen Han- cument“) sein, da auch die kommunale Starkregen- deln verringern. vorsorge ein kontinuierlicher Anpassungsprozess ist. In diesem Kapitel werden die grundsätzlichen Stra- Nach jedem neuen Starkregenereignis zeigt sich im tegien zum Vorgehen bei der Erstellung eines Hand- Idealfall die Wirksamkeit der bis dahin umgesetzten lungskonzeptes erläutert und verschiedene Optionen Projekte. Eine Überprüfung der Handlungen emp- für Vorsorge- bzw. Schutzmaßnahmen beschrieben. fiehlt sich als notwendiger Schritt, um Erfahrungen Das Handlungskonzept sollte auf den Grundlagen der und neu gewonnenes Wissen in das Handlungskon- Ergebnisse der Gefährdungs- und Risikoanalyse in- zept e infließen zu lassen und so eine permanente Ver- dividuell für die jeweilige Stadt/Gemeinde unter Be- besserung, Aktualisierung und Weiterführung zu errei- rücksichtigung der vorhandenen naturräumlichen chen (siehe auch Abbildung 3.4). und sonstigen Randbedingungen sowie der örtlichen Das Handlungskonzept Starkregenvorsorge sollte Verwaltungs- und Arbeitsstrukturen erstellt werden. außerdem ein politisch beschlossener Plan für Maß- Für jedes Risiko sollten Maßnahmenoptionen benannt nahmen mit kurz-, mittel- bis langfristiger Perspek- werden. Schäden, die nicht durch bauliche Maßnah- tive sein, welcher den Kommunen als Grundlage für men vermieden werden können, erfordern ande- konkrete Beschlussvorlagen für ihre Gremien z.B. für re Herangehensweisen, z.B. organisatorische Hand- den Rat oder den Umweltausschuss dient. In der Be- lungsoptionen wie Alarm- und Einsatzpläne. Das schlussvorlage können dann Haushaltsmittel für Maß- Handlungskonzept sollte zukunftsfähig sowie nach- nahmen der Starkregenvorsorge eingeplant und u. a. haltig gestaltet und insbesondere flexibel angelegt festgelegt werden, das Thema Starkregen dauerhaft werden. in Verwaltungsabläufen und bei Baumaßnahmen zu Mit einem erfolgreichen Handlungskonzept ist eine berücksichtigen (siehe auch Abschnitt 3.4, Abschnitt Stadt/Gemeinde in der Lage, Maßnahmen in der Pla- 8.2 und Abschnitt 8.3) und auch die Öffentlichkeit für nung und Umsetzung zu steuern und alle relevanten das Thema zu sensibilisieren. kommunalen Akteure sowie die Bevölkerung anzu- sprechen und zu vernetzen. Private und gewerbliche Akteure sollen – insbesondere durch Maßnahmen der Informationsvorsorge - in die Lage versetzt werden, ihr individuelles Risiko einzuschätzen und geeignete
70 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN uabetdätS TSUM :elleuQ
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HANDLUNGSKONZEPT
7.2 ZU BETEILIGENDE AKTEURE Die im Rahmen eines Handlungskonzepts als Samm- lung konkreter Lösungsansätze konzipierten Maßnah- Die Aufstellung des Handlungskonzeptes erfordert, men lassen sich angelehnt und ergänzt an das DWA- wie bei den zuvor vorgestellten Schritten, die Einbe- Merkblatt DWA-M 119 prinzipiell in die sechs folgenden ziehung des Wissens aller relevanten Akteure. Daher Maßnahmenkategorien gliedern: sollte die Erstellung des Handlungskonzeptes durch • infrastrukturbezogene Maßnahmen die kommunale Arbeitsgruppe Starkregen (KommAG • gewässerbezogene Maßnahmen Starkregen) aus der Kommunalverwaltung und den Runden Tisch Starkregen begleitet, diskutiert und auf- • flächenbezogene Maßnahmen grund der Ortskenntnisse angepasst werden. • objektbezogene Maßnahmen Die Art und der Umfang der Einbindung der zu beteili- • informations- und verhaltensbezogene genden Akteure hängt dabei von den naturräumlichen Maßnahmen Gegebenheiten und der Charakteristik der betrach- • kanalnetzbezogene Maßnahmen teten Kommune ab. Für einen erfolgreichen Abstim- mungsprozess können mehrere Vorstellungstermine mit verschiedenen Zielgruppen erforderlich werden. Die zu den Maßnahmenkategorien gehörenden Hand- So wird eine eher ländlich geprägte Kommune mit be- lungsfelder werden in Tabelle 7.1 und Abschnitt 7.5 wegter Topographie zur Regulierung der Außenzuflüs- erläutert sowie ausführlich in den digitalen Anlagen se und bei festgestellter Erosionsgefährdung engen beschrieben. Kombinierte Maßnahmenoptionen ent- Kontakt mit den Akteuren aus dem landwirtschaftli- falten in der Regel eine höhere Wirksamkeit. chen Bereich halten. Ein Ballungszentrum mit stark Die Maßnahmen sind auf Gemeinsamkeiten und Sy- versiegelten Innenstadtbereichen oder Gewerbege- nergieeffekte mit anderen Umweltschutzbelangen bieten erfordert eine Abstimmung insbesondere mit wie z.B. der Hochwasservorsorge oder der Klimaan- städtischen Betrieben oder flächenintensiven Groß- passung abzugleichen. Die Starkregenvorsorge erfor- unternehmen. dert oft viele kleinteilige, lokale Maßnahmen, die im Im Anschluss werden die Bürger:innen durch Öffent- Gegensatz zum klassischen Hochwasserschutz häufig lichkeitsveranstaltungen über die Maßnahmenplan- gewässerunabhängig sind. Diese können je nach ört- ungen informiert und eingebunden. Hier können sie licher Situation auch zur Minderung der Risiken durch ihre Erfahrungen und Ortskenntnisse in die Erarbei- Flusshochwasser beitragen. Stark versiegelte Flächen tung des Handlungskonzepts einbringen. können sowohl für starkregenbedingte Überflutun- gen als auch für die Hitzebildung nachteilig sein und Gegenmaßnahmen entsprechend synergetisch gestal-
7.3 INHALT UND STRATEGIE
tet werden. Bei der gemeinsamen Maßnahmenent- Ziel des Handlungskonzeptes ist die Minimierung von wicklung für die oben genannten Bereiche ist es al- Überflutungsrisiken in wirtschaftlich angemessener lerdings wichtig, mögliche Zielkonflikte zu erkennen, Art30 unter Berücksichtigung der Ansprüche diverser diese transparent zu kommunizieren und, wenn mög- Beteiligter mittels einer abgestimmten Strategie. Aus- lich, abzubauen. gehend vom Handlungsbedarf können Prioritäten ge- bildet und geeignete Vorsorgemaßnahmen entwickelt werden. Diese sind im Anschluss hinsichtlich ihrer Effizienz (das richtige Vorgehen) und Effektivität (die richtigen Maßnahmen) sowie der Umsetzungsfähig- keit zu prüfen und zu werten. Daraus ergeben sich ört- lich abgestimmte Handlungskonzepte mit verorteten Maßnahmen und Handlungsoptionen. Das Planungs- niveau entspricht dabei noch nicht der Umsetzungs- reife. Erst nach der verwaltungsinternen Willensbil- dung und der Sicherstellung der Finanzierung können konkrete Planungsschritte (bei baulichen Maßnah- men: im Sinne der HOAI) folgen. Die vorgeschlage- nen Maßnahmen können verschiedenen Kategorien, Fachbereichen und Verantwortlichkeiten zugeordnet werden.
30 Vgl. DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (2016), S. 46
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 71
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HANDLUNGSKONZEPT
Legende Maßnahmenkategorien (Auswahl) Kartensymbol für kritisches Objekt: Bsp. Kindertagesstätte Objektschutz (objektbezogen)
Landumnutzung (flächenbezogen) Zent_01 Bsp. für nummeriertes Cluster
Abbildung 7.1: Räumliche Differenzierung nach Clustern im Zentrum der Pilotkommune Steyerberg
7.3.1 CLUSTERBILDUNG Maßnahmen an verschiedenen Standorten umgesetzt werden. Darüber hinaus ist es möglich, entsprechende Die Gefährdungs- und Risikoanalyse basieren auf ge- Maßnahmen an vergleichbaren Standorten mit glei- wählten Starkregenszenarien. Die Ergebnisse der Ana- cher Gefährdungsursache zu identifizieren. Die ge- lysen zeigen Gefährdungen und Risiken in den Sied- meinsame Umsetzung von Schutzmaßnahmen mit lungsbereichen, die zum Teil bestimmten Ursachen hohem und dringlichem Handlungsbedarf zusammen zugeordnet werden können, z.B. Überflutung durch mit Vorhaben eines mittleren bzw. mittelfristigen Zeit- Fließgewässer oder von einem Hang breitflächig ab- horizontes kann darüber hinaus zu wirtschaftlichen fließendes Oberflächenwasser. Vorteilen führen. Es ist aufwändig und unwirtschaftlich, für eine Vielzahl Folgende Abbildung zeigt beispielhaft an einem Kar- von Objekten (z.B. einzelne Häuser/Grundstücke, …) tenausschnitt einige für die Pilotkommune Steyer- mit gleichen Gefährdungsursachen die Gefährdungen berg abgegrenzte und durchnummerierte Cluster mit jeweils einzeln zu beschreiben. Aus diesem Grund wird Beispielen für unterschiedliche Maßnahmenkatego- empfohlen, mit räumlichen Bereichen, sogenannten rien. Es hat sich bewährt, in der Kartendarstellung die Clustern, zu arbeiten, die mehrere Objekte oder Flä- Cluster entsprechend den wichtigsten Maßnahmenka- chen zusammenfassen und gegen benachbarte Objek- tegorien farblich zu kennzeichnen. Eine Reduzierung te oder Flächen abgrenzen (Abbildung 7.1). auf die relevanten Maßnahmenkategorien ist empfeh- Die Clusterbereiche können für dieses Vorgehen wie lenswert, da sie zur Übersichtlichkeit der Karte bei- folgt definiert werden: Hinreichend homogene Flä- trägt. che(n) gleicher Gefährdungsursache(n) und/oder ver- Für jedes Cluster sollte grundsätzlich ein Steckbrief, gleichbarer Art des möglichen Schadens. wie im nachfolgenden Abschnitt beschrieben, erstellt Innerhalb einer Clusterfläche können häufig gleiche werden.
72 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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HANDLUNGSKONZEPT
7.3.2 STECKBRIEFE Es wird empfohlen, auf Basis der Cluster für die be- sonders starkregengefährdeten Objekte und Gebiete mit einem hohen Risiko Steckbriefe zu erstellen. Die Steckbriefe enthalten eine Zusammenfassung der er- mittelten Gefahren, der maximalen Schadens- und der maximalen Risikoklasse für ein Cluster (oder auch Ein- zelobjekt) und die Beschreibung potenzieller Schutz- maßnahmen und Handlungsoptionen (siehe Abbil- dung 7.2). Die Steckbriefe sollten neben der betreffenden Ge- meinde oder Stadt und dem Ortsteil auch Angaben über den Standort enthalten. Die eindeutige Zuord- nung kann durch Kürzel für die Kommunen und Orts- teile und die Angabe der Koordinaten erfolgen, er- gänzt durch die Kennzeichnung der Lage in einem Übersichtsplan. Ein repräsentativer Ausschnitt aus der Risikokarte verweist auf die örtliche Gefahren- einschätzung und Risikoklassifizierung einschließlich Beschreibung (z.B. bergseitiger Zufluss zu tiefliegen- den Zufahrten/Türen/Fenstern bei einer Vielzahl von Gebäuden in Hanglage), Begründung und bildlicher Dokumentation. Die Gefährdung durch Überflutung sollte anhand des Kartenausschnitts erkennbar sein, wichtige Erkenntnisse werden ebenfalls zusammen- gefasst dargestellt, z.B. die maximale Schadenspoten- zialklasse. Der Steckbrief enthält daneben zusätzliche Informa- tionen insbesondere zu bekannten Flusshochwasser- risiken. Weiterhin können weitere Schutz- und Vor- ranggebiete z.B. Naturschutz, Trinkwassergewinnung sowie lokale Randbedingungen dargestellt werden. Darüber hinaus werden in den Steckbriefen Hand- lungserfordernisse und ggf. erste Maßnahmenop- tionen formuliert, priorisiert und Maßnahmenka- tegorien/Handlungsfeldern zugeordnet (orientiert an DWA-M 119). Eine kurze Beschreibung bildet die Grundlage der weiteren Maßnahmenplanung wie bei- spielsweise: „Handlungsfeld Objekt: Aufkantung der bergseitig liegenden Einfahrten“. Eine Mustervorlage des Steckbriefes ist in den digita- len Anlagen zum Leitfaden vorhanden.
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| (cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3) (cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3)(cid:3) | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Projekt kommunale Starkregenvorsorge in Niedersachsen Kommune Standort: -name mit Nr. | |||||||
| Kommune: | Standort: Kürzel Kommune_Ortsteil_StandortNr. Cluster: Positionsbezeichnung Art der Gefährdung auf der Clusterfläche | RW: nn°nn’nn.nn‘‘ HW: nn°nn’nn.nn‘‘ | |||||
| Objekte: Art der Objekte mit Risikoklassifizierung | |||||||
| Max. Schadenspotenzialkl.: Standort | Gefährdung: | Wassertiefe [m] | Max. Strömungsdruck [m2/s] | Max. Risikoklasse: Bei T = 30 a 1…4 | |||
| 1…4 | bei T = 100 a | 0,1 … > 0,5 | 0,1 … > 2,0 | ||||
| Beschreibung des Risikos: Art der Gefährdung und des Risikos an den Objekten | (Beispiel) | ||||||
| Liegen Standorte in HW-Risiko- gebieten? Ja/Nein | |||||||
| Planungsrechtliche Ausweisungen und vorherige Maßnahmen: (im Zuge der weiteren Planungen auszufüllen) | |||||||
| Beschreibung potentieller Schutzmaßnahmen | |||||||
| Handlungsfelder nach DWA-M 119: (Maßnahmen: infrastruktur-, gewässer-, flächen-, objekt-, verhaltens-, kanalnetzbezogen) | Beschreibung: | Planung/Umsetzung der Maßnahme (Jahr): (im Zuge der weiteren Planungen auszufüllen) | |||||
| 1. | frei | ||||||
| 2. | |||||||
| 3. | |||||||
| Priorisierung n. Reihenfolge |
Abbildung 7.2: Beispiel für einen Steckbrief zur Maßnahmenplanung, wie er im Pilotprojekt genutzt wurde
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HANDLUNGSKONZEPT
Die Bearbeitung der Steckbriefe sollte durch die Kom- nahmen mit etwas geringerem Nutzen bei gleichzeitig mune oder weitere Akteure fortgeführt und regelmä- geringem Aufwand, sollten entsprechend zeitnah um- ßig aktualisiert werden. Dafür muss eigens Platz für gesetzt werden. Aufstellungs- und Revisionsdaten sowie Unterzeich- Sofortmaßnahmen sollten insbesondere dort ergriffen nung vorgesehen werden. Dies dient der Dokumen- werden, wo Leib und Leben gefährdet sind. Maßnah- tation, kann im Prozess der Starkregenvorsorge ein men mit langen Planungs- und Umsetzungsphasen wichtiges Instrument sein und die Umsetzung unter- sollten frühzeitig angestoßen werden. stützen. Im Projektverlauf ändern sich wichtige Rand- bedingungen. Daher wird empfohlen, den Steckbrief 7.4.1 WIRKSAMKEIT/WIRKUNGSRADIUS entsprechend des Detaillierungsgrades der Planung anzupassen und den Umsetzungsstatus nebst zuneh- Alle Maßnahmen sollten zunächst einer Einordnung mender Konkretisierung im Projektverlauf zu vermer- hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bzw. ihres Wirkungsra- ken. dius unterzogen werden. Dabei soll zwischen Maßnahmen mit reinem Objekt- 7.4 PRIORISIERUNG VON bezug, lokal wirksamen Maßnahmen sowie großräu- MASSNAHMEN migen Maßnahmen, also regional und überregional bedeutsamen Vorhaben, unterschieden werden. Unter Die Steckbriefe enthalten Maßnahmen und Hand- Maßnahmen mit Objektbezug und lokaler Auswirkung lungsoptionen, die auf Basis der Gefährdungs- und sind Handlungsoptionen zu verstehen, die keinen gro- Risikoanalyse entwickelt wurden und das Starkregen- ßen Einfluss auf das generelle Fließgeschehen haben, risiko reduzieren sollen. jedoch einfach umgesetzt werden können. Großräu- Die KommAG Starkregen und betroffene Akteure soll- mige Maßnahmen können ggf. positiv im Sinne der ten zusammen die im Handlungskonzept erarbeiteten Nachhaltigkeit und der Solidarität zwischen den Be- potenziellen Schutzmaßnahmen priorisieren und in troffenen wirken und sind grundsätzlich zu bevorzu- einem Maßnahmenplan zur Überflutungsvorsorge zu- gen. Sie können jedoch auch mit negativen Auswirkun- sammenfassen. Vorhabensträger können somit früh- gen verbunden sein z.B. in Bezug auf Flächenbedarf, zeitig abwägen, in welcher Reihenfolge die Umsetzung Naturschutzaspekte oder Planungszeit. Aus Gründen erfolgen soll und entsprechende Mittel einplanen. der Dringlichkeit und Umsetzbarkeit sind Maßnahmen Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Möglichkei- mit kleinräumigem Wirkungsradius nicht zu vernach- ten der Priorisierung und eine große Auswahl an Kri- lässigen. terien, die dafür ausgewählt werden können. Es wird Bei dem Kriterium Wirksamkeit/Wirkungsradius von empfohlen, die Priorisierung auf Basis der Risikoana- Maßnahmen handelt es sich nicht um ein klassisches lyse und anhand der nachfolgend vorgestellten fünf Prioritätskriterium. Dieses Kriterium dient der gewich- Kriterien mittels qualitativer und objektiver Bewer- teten Bewertung der nachfolgenden Prioritätskrite- tung durch Fachleute vorzunehmen. rien. Im Ergebnis sollten alle Handlungsoptionen tabella- risch dargestellt, beschrieben und Maßnahmenkate- 7.4.2 DRINGLICHKEIT gorien zugewiesen werden. Daraus ergibt sich eine Handlungsabfolge, welche jedoch aufgrund der zu Grundsätzlich haben die Ergebnisse der Risikoanalyse beachtenden variablen Randbedingungen eine ge- Einfluss auf die Priorisierung. Dies betrifft insbesonde- wisse Flexibilität ermöglichen sollte. So kann die Be- re das Kriterium der Dringlichkeit. In der Regel führt arbeitung von Maßnahmen auch in Abhängigkeit von eine sehr hohe Risikoklassifizierung zu einem soforti- Gelegenheitsfenstern (z.B. Anlage/Neugestaltung von gen Handlungsbedarf. Grünflächen, Sanierung einer Straße, Neuplanung/ Das klassische Prioritätskriterium der Dringlichkeit Neuordnung der Kanalisation, Neubau von Regen- zeigt somit auf, zu welchem Zeitpunkt in die Maßnah- rückhaltebecken oder Erschließungsmaßnahmen) menplanung eingestiegen werden sollte. Dies ist z.B. oder durch Synergieeffekte mit anderen Bereichen er- sofort oder kurzfristig nötig in Bereichen mit hohem folgen. Daher wird eine regelmäßige Fortschreibung Risiko und daneben mit mindestens hoher Überflu- des Handlungskonzeptes und der Priorisierung emp- tungsgefährdung. Dadurch werden z.B. Krankenhäu- fohlen. ser, Pflegeeinrichtungen und Kindertagesstätten vor- Die Priorisierung dient zudem der Verbesserung der rangig betrachtet, aber auch ggf. kritische Objekte mit Vergleichbarkeit von Handlungsoptionen verschie- hohem Schadenspotenzial für die Umwelt. denster Charakteristik und Wirkungsweise. Maßnah- men, die mit geringem bis mittlerem Aufwand einen hohen Verbesserungseffekt erzielen, aber auch Maß-
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HANDLUNGSKONZEPT
Es wird wie folgt unterschieden: im Vordergrund. Weitere Aspekte der Umsetzbarkeit betreffen beispielsweise die Akzeptanz sowie mögli- • sofort che synergetische Aktivierungspotenziale bezüglich (z.B. Gefahr für Leib und Leben) der Gewässer- und Auenentwicklung, des klassischen • kurzfristig Hochwasserschutzes, des Naturschutzes, der Regio- (z.B. Gefährdung kritischer Infrastruktur zur Ge- nalentwicklung, der Bauleitplanung, der Land- und fahrenabwehr, Gefährdung sensibler Infrastruk- Forstwirtschaft, des Klimaschutzes und der Klimafol- tur, wichtiger Sozialeinrichtungen sowie von Kul- genanpassung, der Siedlungsentwässerung oder der turgütern und der Umwelt) Grünflächenplanung. Diese Aspekte finden sich in den • mittelfristig Prioritätskriterien der Umsetzbarkeit durch ihren Ein- (z.B. Gefährdung von Wohnhäusern sowie Ge- fluss auf die Dauer der Planungs- und Umsetzungs- werbe- und Industriebetrieben) prozesse wieder. Die Priorisierung kann qualitativ er- • langfristig folgen, wobei wie folgt unterschieden werden kann: (z.B. Gefährdung von Infrastrukturanlagen und wirtschaftlich genutzten Flächen) Gelegenheitsfenster – kurzfristig plan- und umsetzbar – mittelfristig plan- und umsetzbar – langfristig plan- und umsetzbar. 7.4.3 WIRTSCHAFTLICHKEIT Die klassische monetäre Wirtschaftlichkeit kann an- 7.4.5 SIGNIFIKANZ hand des Wirkungsgrades einer Maßnahme oder ei- nes Maßnahmenclusters abgeschätzt werden und ist Unter Berücksichtigung der „klassischen“ Prioritäts- ebenso ein wichtiges Prioritätskriterium. Die Abwä- kriterien würden Vorhaben und Projekte mit beson- gung der Wirtschaftlichkeit basiert auf dem Unter- deren innovativen Qualitätsmerkmalen ggf. nur eine schied zwischen dem Nutzen einer Maßnahme und geringe Priorität erlangen. Daher wird empfohlen, ein dem zu erbringenden Aufwand. Ist diese Differenz po- Kriterium zur Signifikanz einzuführen. Hierbei wird sitiv, ist die Wirtschaftlichkeit gegeben. eingeordnet, wie sehr eine Maßnahme zusätzliche Der Nutzen ergibt sich aus dem Potenzial einer Maß- herausragende Qualitäten auch für andere Problem- nahme, mögliche Schäden zu verhindern und das stellungen aufweist, was auch in die Bewertung der Starkregenrisiko zu reduzieren. Der Nutzen einer Maß- Maßnahmen zur Starkregenvorsorge als sogenannter nahme lässt sich nicht in jedem Fall monetär darstellen „Bonus“ einfließen sollte. (siehe Kapitel 5). Die Ergebnisse der Schadenspoten- Eine signifikante Maßnahme zeichnet sich z.B. da- zialbewertung sollten Berücksichtigung finden. In durch aus, dass sie neue Ideen beinhaltet, also ein ho- der Phase eines Starkregenvorsorgekonzeptes lässt hes Innovationspotenzial aufweist, die neuen Ideen sich der Aufwand durch mögliche Kosten in der Regel als Modell für weitere Risikobereiche dienen können nicht monetär abbilden. Zu berücksichtigen sind je- oder dass die Maßnahme eine Multiplikatorwirkung doch dennoch qualitative Abschätzungen der Inves- hat, wenn sie z.B. weitere Aspekte der Klimaanpas- titionskosten, der Personalaufwendungen und ins- sung über das steigende Starkregenrisiko hinaus un- besondere der Unterhaltungs- und Betriebskosten. terstützt. Daher wird eine Abwägung der Wirtschaftlichkeit an- Spontane Maßnahmen, welche mit hoher Dringlich- hand qualitativer Aspekte empfohlen. Es wird wie folgt keit und ohne Vorbereitung ad hoc umgesetzt werden unterschieden: können, weisen oft eine geringe Signifikanz auf.
sehr günstig – günstig – zufriedenstellend – ungünstig Die Einordnung kann qualitativ erfolgen, wobei die Unterscheidung wie folgt gemacht werden kann: Das konkretisierte Nutzen/Kosten-Verhältnis sollte im weiterführenden Planungsprozess ermittelt werden. • sehr hoch (z.B. hohes Innovationspotenzial) • hoch (z.B. Modellcharakter) • mittel (z.B. Multiplikatorwirkung) 7.4.4 UMSETZBARKEIT • gering (z.B. ad hoc-Maßnahme) Das klassische Kriterium Umsetzbarkeit bewertet die Art und Anzahl von möglichen Hemmnissen bei der Umsetzung der Maßnahmen und Handlungsoptionen. Dazu gehören Aspekte der Genehmigungsfähigkeit, der Finanzierung und Flächenverfügbarkeit. Auch hier steht die Nutzung von „Gelegenheitsfenstern“ stark
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HANDLUNGSKONZEPT
:
Abbildung 7.3: Prioritätskriterien (UAN, 2024)
7.4.6 PRIORITÄTSKRITERIEN Die Träger solcher Maßnahmen sollten daher früh- zeitig über die Ergebnisse der Risikoanalyse und des Abbildung 7.3 zeigt mögliche Prioritätskriterien ent- Handlungskonzeptes informiert und in die Priorisie- sprechend der obigen Ausführungen. Die grün umran- rung einbezogen werden. deten Kriterien können als zusätzliche Information bei Das Ergebnis einer solchen Priorisierung mit qualita- der Priorisierung herangezogen werden. tiver Einstufung ist in der Regel keine akribisch durch- nummerierte Liste von Maßnahmen, die zwangsläufig genau in der vorgegebenen Reihenfolge abzuarbeiten 7.4.7 KOMMUNIKATION DES PRIORISIERUNGS- ist. Die letztendliche Entscheidung über das Vorgehen KONZEPTES liegt in der Hand der Kommune. Die Erläuterung der Priorisierung ist wichtig für die kommunale Verwaltung, die Bürger:innen und wei- Ziel ist es, der Stadt oder Gemeinde sowohl Kriteri- tere relevante Akteure, um das Verständnis für die en als auch genügend Flexibilität und Spielraum zu Vorgehensweise und die Ergebnisse zu steigern. Die geben, damit sie je nach Betroffenheit der Ortsteile, Priorisierung wird im Verlauf der Zeit einem Wandel Synergien mit anderen Projekten, verfügbaren Haus- unterliegen: Die Priorität von Maßnahmen kann neu haltsmitteln, personellen Ressourcen usw. geeigne- bewertet werden oder es können neue zu priorisieren- te Maßnahmen zur Umsetzung auswählen und so die de Maßnahmen dazukommen. Starkregenvorsorge kontinuierlich verbessern kann. Besonders wichtig ist die Nutzung von Gelegenheits- fenstern. Sofern sich eine solche Möglichkeit bie- Durch den Fokus auf ein Portfolio der Prioritätskrite- tet und/oder Bürger:innen, Entwässerungsbetriebe, rien – Wirksamkeit, Dringlichkeit, Wirtschaftlichkeit, Straßenbaulastträger und kommunale Planungs- Umsetzbarkeit und Signifikanz – wird der Maßnah- ämter einen besonderen Bedarf für eine Maßnahme menplan zur Überflutungsvorsorge nachvollziehbar, erkennen, sollte die Priorisierung angepasst werden. zukunftsfähig und nachhaltig gestaltet. Bei diesem Bewertungsprozess ist es wichtig, die Ob- jektivität zu wahren, die Bewertung bzw. Priorisierung sollte möglichst neutral erfolgen. Bei der Priorisierung sollte außerdem deutlich wer- den, dass meistens nicht die Stadt/Gemeinde allein die Priorisierungskriterien bewerten kann, da für die Umsetzung von Maßnahmen Dritte zuständig sein können, z.B. wenn Verkehrsanlagen betroffen sind.
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7.5 MASSNAHMEN ZUR Freiflächen meist als eine infrastrukturbezogene Maß- nahme verstanden und ist daher im Folgenden auch
STARKREGENVORSORGE
dieser Kategorie zugeordnet, kann aber auch als ge- wässerbezogene Maßnahme (z.B. bei der Schaffung von Retentionsräumen) eingesetzt werden. Die Ver- 7.5.1 VORGEHEN BEI DER KONZEPTION DER besserung von Bauwerken in oder an einem Gewässer MASSNAHMEN (gewässerbezogene Maßnahme) kann auch als objekt- Im Handlungskonzept werden geeignete Maßnahmen bezogene Maßnahme gelten, wenn es sich dabei um zur Reduzierung oder Beseitigung der in der Risiko- ein entsprechendes Bauwerk mit Schadenspotenzial analyse identifizierten Risiken entwickelt. Im Folgen- handelt. den werden die Grundzüge der Vorgehensweise bei der Entwicklung der Maßnahmen erläutert. Für wei- In den folgenden Abschnitten werden die verschiede- tere Details zu den einzelnen Maßnahmen wird auf nen Maßnahmenkategorien mit ihren Handlungsfel- bereits vorhandene Veröffentlichungen in diesen Be- dern kurz angerissen, eine ausführliche Beschreibung reichen und die digitalen Anlagen verwiesen. Die Kon- der möglichen Maßnahmen erfolgt in den digitalen zeption der notwendigen Maßnahmen erfordert die Anlagen dieses Leitfadens. Berücksichtigung der verschiedenen Maßnahmenka- tegorien (siehe Tabelle 7.1) der kommunalen Über- 7.5.2 INFRASTRUKTURBEZOGENE MASSNAHMEN flutungsvorsorge und umfasst sowohl bauliche und technische als auch nichtbauliche und nichttechni- Die Instrumentarien der Bauleitplanung bieten viele sche Maßnahmen insbesondere zur Vorsorge vor, Be- Möglichkeiten zur Reduzierung von Starkregenrisiken. wältigung von und Regeneration nach Starkregener- Die Entwicklung von starkregenangepassten Raum- eignissen. Hierzu zählen: und Siedlungsstrukturen kann über Flächennutzungs- und Bebauungspläne reguliert werden. • angemessene Berücksichtigung der potenziel- Dies betrifft die Optimierung vorhandener Siedlungs- len Auswirkungen von Starkregenereignissen gebiete durch geeignete städtebauliche Maßnahmen, bei Planungsprozessen insbesondere in der z.B. Umnutzung zu multifunktionalen Retentions- Flächennutzungs- und verbindlichen Bauleitpla- räumen, aber auch insbesondere die Beachtung von nung sowie bei allen kommunalen Bauvorhaben Überflutungsrisiken bei der Neuplanung von Infra- • aktiver gestalterischer Umgang mit Nieder- strukturmaßnahmen. Durch geeignete Instrumenta- schlagswasser in den Siedlungsbereichen und rien, wie z.B. angepasste Wegegestaltung und die Si- dessen Verwendung in der Klimaanpassung cherung von Notwasserwegen, lassen sich weiterhin („wasserbewusste Stadt“) unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit vielfältige • Förderung der Umsetzung konkreter Vorsorge- Lösungen zur Reduzierung von Überflutungsrisiken und Schutzmaßnahmen umsetzen. Wichtige infrastrukturbezogene Maßnah- • Erhöhung des Risikobewusstseins durch ziel- men beinhalten beispielsweise: gruppengerechte Kommunikation • die Starkregenvorsorge in der Bauleitplanung • Verhaltens- und Bauvorsorge sowie Objekt- und der wassersensitiven Stadtplanung schutz für eigene Gebäude und Bauwerke als • die Optimierung vorhandener Siedlungsgebiete Aufgabe der Eigenvorsorge; finanzielle Risiko- durch städtebauliche Maßnahmen vorsorge • die Schaffung von multifunktionalen Freiflächen Mögliche Zielkonflikte zwischen Maßnahmen der und Retentionsräumen Starkregenrisikovorsorge und anderen kommunalen • die Schaffung von Notwasserwegen Themenfeldern (z.B. Straßenplanung, Regionalpla- nung, Entwässerung etc.) müssen dabei bereits mit 7.5.3 GEWÄSSERBEZOGENE MASSNAHMEN den Zielen einer möglichst einvernehmlichen Lösung und der Aktivierung von Synergieeffekten im Hand- Zu den gewässerbezogenen Maßnahmen der Über- lungskonzept adressiert und mit den jeweiligen Ak- flutungsvorsorge gehören möglichst gefährdungs- teuren gegeneinander abgewogen werden. So können mindernde Gewässergestaltungen und Unterhal- z.B. erhöhte Bordsteine das Abflussvermögen und Ein- tungsmaßnahmen wie beispielsweise: stauvolumen auf der Straße erhöhen, beeinträchtigen • Gewässerunterhaltung und Sicherung des Ab- aber gleichzeitig die Barrierefreiheit. flusses Bei der Zuordnung von Maßnahmen zu den einzel- • Schaffung von Retentionsräumen nen Kategorien kann es zu Überschneidungen kom- men. So wird z.B. die multifunktionale Nutzung von • Verbesserung von Bauwerkskonstruktionen
78 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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HANDLUNGSKONZEPT
Tabelle 7.1: Empfohlene Maßnahmenkategorien und Handlungsfelder zur Überflutungsvorsorge (angelehnt an DWA-M 119)
| Infrastrukturbezogene Maßnahmen | |||
|---|---|---|---|
| Wassersensitive Stadt- und Bauleitplanung | Angepasste Wegegestaltung und Entwässerung | Schaffung von Notwasserwegen | Multifunktionale Nutzung von Freiflächen |
| Gewässerbezogene Maßnahmen | |||
| Entschärfung von Abflusshindernissen | Schaffung von Retentionsräumen | Optimierung der Gewässer- unterhaltung | Verbesserung von Bauwerks- konstruktionen |
| Flächenbezogene Maßnahmen | |||
| Dezentrale Regenwasser- bewirtschaftung | Retentionsorientierte Land- und Forstwirtschaft | Abflussrückhaltung außer- und innerhalb der Bebauung | Freihaltung von Gefährdungs- bereichen |
| Objektbezogene Maßnahmen | |||
| Risikoangepasste Gebäudegestaltung | Technisch- konstruktiver Überflutungsschutz | Verbesserung der Abflussverhältnisse | Versicherungen |
| Informations- und verhaltensbezogene Maßnahmen | |||
| Öffentlichkeitsarbeit und Risikokommunikation | Anpassung und Optimierung von Verwaltungsabläufen | Alarm- und Einsatzpläne | Einrichtung von Frühwarnsystemen |
| Kanalnetzbezogene Maßnahmen | |||
| Umordnung der Ent- wässerungsanlagen | Ausbau und Optimie- rung der Entwässe- rungsanlagen | Abflussrückhaltung und Einleitmengen- begrenzung | Wartung und Betrieb der Entwässerungs- anlagen |
• Abflussrückhaltung außer- und innerhalb der 7.5.4 FLÄCHENBEZOGENE MASSNAHMEN Bebauung Flächenbezogene Maßnahmen dienen dem Was- • Freihaltung von Gefährdungsbereichen serrückhalt in der Fläche, möglichst am Ort der Ab- flussbildung. Dies betrifft sowohl den außerörtlichen 7.5.5 OBJEKTBEZOGENE MASSNAHMEN Bereich, z.B. auf land- und forstwirtschaftlich genutz- ten Flächen, als auch den innerörtlichen Bereich, Den Bürger:innen, Haus- und Grundeigentümer:innen z.B. durch dezentrale Regenwasserrückhaltung bzw. stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, um -nutzung. Weitere Möglichkeiten bestehen in der Ab- sich vor Starkregen und Wasserschäden zu schützen. kopplung von Einzugsgebieten durch Umgestaltung Objektschutzmaßnahmen liegen im Interesse und in der Entwässerungssysteme und in der gezielten Um- der Eigenverantwortung der Bürger:innen, Haus- und leitung von Abflüssen. Die flächenbezogenen Maßnah- Grundeigentümer:innen und Gewerbetreibenden. Sie men zur Reduzierung des Starkregenrisikos sind bei- entsprechen damit der Pflicht gemäß § 5 Abs. 2 WHG, spielsweise: wonach jede Person, die von Hochwasser betrof- fen sein kann (dazu gehört auch Überflutung infolge • dezentrale Regenwasserbewirtschaftung Starkregen, siehe Kapitel 3 und § 72 WHG), grundsätz- • retentionsorientierte Land- und Forstwirtschaft lich verpflichtet ist, Vorsorgemaßnahmen zu treffen,
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 79
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HANDLUNGSKONZEPT
die zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen los abführen zu können, da diese auf die Bewältigung und zur Schadensminderung geeignet sind. Objekt- bestimmter häufig auftretender Regenereignisse schutz ist als Vorsorgemaßnahme schnell realisierbar, („Bemessungsregen“) ausgelegt ist. Zu den kanalnetz- auch wenn andere Maßnahmen wirtschaftlich nicht bezogenen Maßnahmen gehören u.a.: verhältnismäßig oder in absehbarer Zeit nicht um- • Umordnung der Entwässerungsanlagen setzbar sind. Zu den objektbezogenen Maßnahmen • Ausbau und Optimierung der Entwässerungsan- gehören u.a.: lagen • Rückstausicherungen (grundsätzlicher Schutz • Abflussrückhaltung und Einleitmengenbegren- bei Kanalanschluss) zung • risikoangepasste Gebäudegestaltung • Wartung, Funktionspflege und Betrieb der Ent- • technisch-konstruktiver Überflutungsschutz wässerungsanlagen • Verbesserung der Abflussverhältnisse • Versicherungen
7.5.6 INFORMATIONS- UND VERHALTENSBEZOGENE MASSNAHMEN Die Steigerung des Risikobewusstseins und der Akti- vitäten zur Eigenvorsorge bzw. der Selbstschutz bei Starkregenereignissen sowie die Informationskommu- nikation nehmen in den Handlungskonzepten einen hohen Stellenwert ein. Dazu gehört auch die Befähi- gung der verschiedenen Akteure, die Gefahrensitua- tionen eigenständig zu interpretieren, in diesem Kon- text ihr Handeln zu optimieren und die Konsequenzen ihres Handelns abzuleiten. Zu den informations- und verhaltensbezogenen Maßnahmen gehören u.a.:
• Öffentlichkeitsarbeit und Risikokommunikation/ kommunale Informationsvorsorge • Anpassung und Optimierung von Verwaltungs- abläufen • Einrichtung von Frühwarn-/Beobachtungssyste- men • Alarm- und Einsatzpläne, Krisenmanagement
7.5.7 KANALNETZBEZOGENE MASSNAHMEN Bei den Maßnahmenkategorien können die kanal- netzbezogenen Maßnahmen als grundlegende Kate- gorie zusätzlich wahrgenommen werden, da sie nur einen begrenzten Beitrag zur Starkregenvorsorge leis- ten können. Kanalnetzbezogene Maßnahmen sind als grundsätzliche Maßnahmen, die die Funktionen des Entwässerungssystems im Normalfall sowie bei Stark- regen gemäß Bemessung gewährleisten, von Wichtig- keit. Hier wird beispielsweise auf Wartung und Betrieb im Vorfeld von Starkregenereignissen zu achten sein. Spätestens bei außergewöhnlichen und extremen Niederschlagsereignissen werden jedoch weder die Wirkung noch die Leistung von Entwässerungsanla- gen ausreichend sein, um die Wassermassen schad-
80 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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RISIKOKOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT
8 RISIKOKOMMUNIKATION UND
EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT
8.1 GRUNDLEGENDES nisse einer Starkregengefahren- und -risikoanalyse verifiziert werden (wenn die Beobachtungen der Bür- Risikokommunikation und das Einbeziehen der Öf- ger:innen plausibel zu den Ergebnissen der Gefähr- fentlichkeit sind integrale Bestandteile der Starkre- dungsanalyse sind), es zeigt auch die Ernsthaftigkeit genvorsorge. Risikokommunikation umfasst bedeu- der Einbindung der Bürger:innen und Grundeigentü- tend mehr als lediglich die Informationsweitergabe mer:innen in den Prozess der Aufstellung von Stark- über potenzielle Gefahren und Risiken. Das Bundes- regenvorsorgekonzepten und erhöht somit deren amt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Akzeptanz. Im Starkregen-Pilotprojekt und weiteren definiert Risikokommunikation als den „Austausch vergleichbaren Projekten wurden mit gemeinsamen von Informationen und Meinungen über Risiken zur Ortsbegehungen und Informationsveranstaltungen Risikovermeidung, -minimierung und -akzeptanz“31. der Verwaltung mit Bürger:innen und den bearbeiten- Dazu gehört auch, die verschiedenen Akteure zu befä- den Fachbüros gute Erfahrungen gemacht. higen, eigenständig die Gefahrenlagen zu interpretie- Durch diese erhöhte Sensibilisierung können die Ak- ren und in diesem Kontext die Folgen ihres Handelns zeptanz von Vorsorgemaßnahmen sowie die Bereit- abzuleiten. Schließlich bildet diese Risikoerkennung schaft zur Eigenvorsorge erheblich gesteigert werden die Grundlage für die Entwicklung und Umsetzung ge- und auch kommunale Maßnahmen besser verstan- eigneter Schutz- und Vorsorgemaßnahmen. In diesem den und akzeptiert werden. Oft ist das Bewusstsein, Sinne sollte Risikokommunikation offen, transparent, dass nicht nur die Stadt oder Gemeinde verantwort- glaubwürdig und dialogorientiert gestaltet werden32. lich ist, Vorsorgemaßnahmen zu treffen, sondern auch Idealerweise werden die verschiedenen Akteursgrup- alle anderen (z.B. Eigentümer:innen), nicht besonders pen und die Öffentlichkeit frühzeitig und fortlaufend in ausgeprägt. Risikokommunikation ist daher als fort- die Risikokommunikation mit einbezogen (Abbildung währender Prozess zu verstehen, der vorbeugend und 8.1) und so eine risikobezogene Denk- und Verhaltens- ereignisunabhängig stattfinden sollte. Auch nach der weise gefördert. Erstellung eines kommunalen Starkregenvorsorge- Im Rahmen der Risikokommunikation wird auch die konzeptes sollte der Prozess kontinuierlich weiterge- Ortskenntnis der Anwohner:innen, die eventuell über führt werden und die verschiedenen Bestandteile der den Verlauf und die Schäden bei bisherigen Starkre- Starkregenvorsorge auch bei der Umsetzung der Maß- genereignissen Auskunft geben können, miteinbe- nahmen und Handlungsoptionen begleiten. zogen. Auf diese Weise können nicht nur die Ergeb- Je länger ein Starkregenereignis in einer Kommune
31 Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) (o.J.): BBK-Glossar 32 Bundesministerium des Innern (BMI) (2014), S. 10
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 81 1202 ,NAU :elleuQ
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RISIKOKOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT
Abbildung 8.1: Linke Seite: Informationsveranstaltung zu den erarbeiteten Starkregengefahrenkarten Rechte Seite: Ortsbegehung mit Starkregengefahrenkarten
zurückliegt, umso weniger ist die davon ausgehende • Wer soll erreicht werden? Gefahr im kollektiven Bewusstsein verankert. In Kom- • Welche Inhalte sollen transportiert werden? munen, die über einen längeren Zeitraum hinweg oder • Welche Kommunikationsformate eignen sich eventuell noch gar nicht von nennenswerten Starkre- hierfür besonders? genereignissen betroffen waren, besitzen die Bevölke- rung, die ansässigen Unternehmen, die in Land- und Es ist sinnvoll, die Starkregenproblematik in ver- Forstwirtschaft Tätigen und weitere Akteure dement- schiedene andere, bestehende Themengebiete zu in- sprechend häufig eine geringere Motivation zur Eigen- tegrieren, wie z.B. Klimawandel, Wasserknappheit, vorsorge und dazu, Objektschutz zu betreiben oder Wetterextreme etc. und in die dafür bestehenden Be- andere Maßnahmen zu ergreifen. Darüber hinaus sind ratungsangebote beispielsweise für die in der Land- mögliche Gefahren und Risiken nicht bekannt oder wirtschaft Tätigen (z.B. über Beratungen im Umwelt- werden falsch eingeschätzt. bereich) oder für Grundeigentümer:innen (z.B. über Eine effektive, präventive Risikokommunikation trägt die Architekten- und Ingenieurkammer) miteinzubin- dazu bei, dass im Ereignisfall die Schäden vermindert den bzw. diese um die der Starkregenproblematik zu werden können. Risikokommunikation und Öffentlich- ergänzen. Auch die Verbindung mit dem Thema Hoch- keitsarbeit sind daher als ein fester Kosten- und Per- wasser eignet sich, wobei die begriffliche Abgrenzung sonalbestandteil im Projektbudget bei der Erstellung beider Themengebiete in der Risikokommunikation von Starkregenvorsorgekonzepten mit einzuplanen. erfahrungsgemäß eine Herausforderung darstellt. Es ist für die Allgemeinheit häufig nicht einfach zu ver- Neben der Information über Gefahren und Risiken ist stehen, worin sich die Gefährdungslagen unterschei- es wichtig, Möglichkeiten und Maßnahmen zur Redu- den und für die Bürger:innen hat es aus diesem Grun- zierung von Starkregenrisiken vorzustellen und dazu de keine große Relevanz, ob ihr Eigentum von einem zu motivieren, diese auch umzusetzen. Gute und kon- Starkregen- oder einem Flusshochwasserereignis krete Praxisbeispiele regen zum Nachmachen an. überflutungsbedroht ist. Die Gemeinsamkeiten und Ebenso sollte sowohl auf Unsicherheiten und Grenzen Unterschiede von Starkregen- und Hochwasserereig- in den Inhalten der erstellten Karten als auch auf die nissen sollten daher fester Bestandteil der Kommuni- Grenzen der Umsetzbarkeit und der Schutzwirkung kation sein. von baulichen und kommunalen Maßnahmen hinge- Um Vorsorge zu betreiben und gezielt planen zu kön- wiesen werden. nen, muss vorhandenes Wissen zu Starkregengefahren Um möglichst viele Bürger:innen und Akteure zu er- und zum Ist-Zustand bezüglich des Risikos der Kom- reichen, empfiehlt es sich, verschiedene Kommunika- mune gebündelt und weitergegeben werden. tionsformate zu testen, um so eine auf die örtlichen Bedürfnisse angepasste Risikokommunikationsstra- tegie zu entwickeln (Abbildung 8.2). Grundlegende Fragen, die für eine Risikokommunika- tionsstrategie zu berücksichtigen sind, sind folgende:
82 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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RISIKOKOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT
Abbildung 8.2: Überblick über Kommunikationsformate zur Information und Beteiligung der Öffentlichkeit
8.2 ZIELE UND ZIELGRUPPEN • Bevölkerung, private und öffentliche Haus- und Grundeigentümer:innen, künftige Wohnungs- Ziele der Risikokommunikation sind, in der Verwaltung eigentümer:innen und Hausbauende, nachbar- und Öffentlichkeit ein langfristiges Risikobewusstsein schaftliche Organisationen für Gefahren und Risiken durch Starkregenereignisse zu schaffen und zum Handeln, zur Verhaltensände- • Privatwirtschaft und Industrie rung und zur (Eigen-)Vorsorge anzuregen. Hierzu wer- den unter anderem sachlich fundierte und verständ- • Land- und Forstwirtschaft, Gewässerunterhal- lich aufbereitete Daten und Informationen hinsichtlich tung bzw. Unterhaltungsverbände und Natur- lokaler Gefährdungssituationen und Schadensrisiken schutzvereine veröffentlicht und erläutert. Die Gefahren und Risiken durch Starkregenereignisse betreffen die gesamte • Rettungs- und Einsatzkräfte des Katastrophen- Gesellschaft. Im Zuge der Risikokommunikation und schutzes, Feuerwehr und Polizei der Öffentlichkeitsarbeit ist es daher unabdingbar, unterschiedliche Zielgruppen einzubeziehen und die • weitere Zielgruppen, z.B. Straßenbaulastträger, Risikokommunikation auf diese abzustimmen, so dass Verkehrsbetriebe, Kanalanschlussnehmende jede Zielgruppe sich ihrer Rolle im Schutzsystem be- wusst wird33. Abbildung 8.3 gibt einen Überblick über zu beteili- gende Gruppen bei der Starkregenvorsorge im Allge- Wichtige Zielgruppen und Körperschaften sind: meinen und der Risikokommunikation im Speziellen. Die farblich hinterlegten Felder stehen für verschie- • kommunalpolitische Entscheidungs- und Funkti- dene Gruppierungen (blau: Bereiche der Stadt- und onsträger:innen, kommunale Fachplanungsstel- Gemeindeverwaltung, grün: Öffentlichkeit und weite- len und Verbände, Ämter und Betriebe, regiona- re lokale Akteure, weiß: regionale und überregionale le Planungsverbände Akteure).
33 Bundesministerium des Innern (BMI) (2014), S. 17
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 83
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RISIKOKOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT
Abbildung 8.3: Überblick über wichtige bei der Starkregenvorsorge zu beteiligende Akteure einer Stadt/Gemeinde
Die Zielgruppen unterscheiden sich hinsichtlich ihres (KommAG Starkregen) oder eines Runden Tisches Vorwissens, ihrer Risikowahrnehmung sowie ihrer Mo- (bestehend aus der KommAG Starkregen und wich- tivation zur Eigenvorsorge zum Teil erheblich: Für die tigen externen Akteuren, siehe Abschnitt 3.3) und/ kommunalen Adressaten ist beispielsweise die früh- oder die Benennung eines Starkregen-Koordinators. zeitige Berücksichtigung von Überflutungsgefahren Hierdurch kann auch die innerkommunale Koordina- und -risiken in Planungs- und Betriebsprozessen be- tion der Starkregenvorsorge erleichtert, diese stärker sonders wichtig. Hierfür sind entsprechende Karten- als Planungskriterium interdisziplinär verankert und werke als Planungsgrundlagen erforderlich. Hingegen eine enge Abstimmung beteiligter Einheiten ermög- ist für Unternehmen und die Grundeigentümer:innen licht werden. Darüber hinaus erhält die Bevölkerung primär die Notwendigkeit der Eigenvorsorge zu ver- eine zentrale Ansprechstelle zum Thema Starkregen. deutlichen und es sind konkrete Möglichkeiten der Diese Ansprechstelle kann z.B. bei der Stadtplanung, objektbezogenen Überflutungsvorsorge aufzuzeigen. dem Tiefbauamt, der für den Klimaschutz zuständi- gen Dienststelle, einem Eigenbetrieb der Kommune Es ist wichtig, die jeweilige Zielgruppe mit den bereit- oder bei anderen (kommunalen) Dienststellen ange- gestellten Informationen zu unterstützen und sie nicht siedelt sein. mit der festgestellten potenziellen Gefahr und dem Ri- siko allein zu lassen, sondern einen Dialog zu ermög- Im Folgenden werden beispielhaft einige Zielgruppen, lichen und Ansprechpartner:innen für Fragen und wei- ihre Einbeziehung und ihr Beitrag zur Starkregenvor- tergehende Beratung zu benennen. sorge näher beschrieben. Die Integration der Risikokommunikation in bereits Insbesondere die Stadtplanung als Querschnittsdis- bestehende Strukturen in den Kommunalverwaltun- ziplin kann wesentlich zu einer wirkungsvollen kom- gen ist förderlich, um ressortübergreifendes, prakti- munalen Überflutungsvorsorge beitragen, denn Flä- sches Verwaltungshandeln im Sinne der Starkregen- chenvorsorge in Bezug auf Starkregengefahren hat ein vorsorge zu etablieren. Darüber hinaus empfiehlt großes Potenzial bei der Minimierung von Risiken. Die sich die Bildung einer kommunalen Arbeitsgruppe Kommunen können hierzu über die Bauleitplanung
84 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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RISIKOKOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT
steuernd eingreifen. Auch zur planerischen Bewälti- • Abdichtung von tiefliegenden Fenstern, gung der Eingriffsregelung in der Bauleitplanung kön- Eingängen, Zufahrten und Verschlüssen nen gezielt Maßnahmen für die Starkregenvorsorge • Aufkantung an Zufahrten zu Tiefgaragen und umgesetzt werden, die beispielsweise einer Reduzie- Grundstückseinfahrten allgemein rung der Überflutung in der Fläche zugutekommen • Einbau von weißen und schwarzen Wannen (z.B. das Anlegen von erosionshemmenden und ab- bei Neubau gegen Eindringen von Grund- und flussverzögernden begrünten Randstreifen und He- Schichtwasser cken an landwirtschaftlichen Flächen). Neben den Informationen, die sich primär an Haus- Eine weitere Schlüsselrolle in der Risikokommunika- und Grundeigentümer:innen wenden, sollte auch die tion nimmt die Bevölkerung ein. Die Beteiligung be- Gesamtbevölkerung für die Starkregenrisiken sensi- ginnt bei der aktiven, frühzeitigen und verständlichen bilisiert werden. Dabei geht es v.a. um Selbstschutz Information der Bürger:innen. Im Sinne der Aufklärung und somit die Kenntnis potenziell gefährdeter Stel- über allgemeine Überflutungsgefahren und -risiken len wie z.B. abschüssiger Bereiche mit gefährlichem muss den politisch Verantwortlichen, den verschie- Strömungsdruck oder Unterführungen mit sehr hohen denen Fachplaner:innen, den kommunalen Akteu- Wassertiefen gemäß Ausweisungen in den Gefahren- ren, den lokalspezifischen Ortsverbänden und den karten, die von der kommunalen Verwaltung bekannt- Bürger:innen die potenzielle Gefahr und das poten- gemacht werden sollten. ziell bestehende Risiko des Auftretens außergewöhn- In ähnlicher Art wie die privaten Betroffenen sollten licher Starkregen, lokaler Überflutungen und mögli- auch die ansässigen Industrie- und Gewerbebetriebe cher Schäden bewusst gemacht werden. Ebenso ist es sowie die Handels- und Handwerkskammern in die wichtig, die begrenzte Wirksamkeit und Wirtschaftlich- Starkregenrisikokommunikation einbezogen werden. keit technischer Schutzmaßnahmen zu erklären und Hier ist es wichtig, die Betriebe in die Lage zu verset- über die Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen zen, ihre spezifischen Risikofaktoren einzuschätzen bezüglich des Objektschutzes und der Risikovorsorge und Handlungskompetenzen zu entwickeln. Zu be- zu informieren. Es ist wichtig, zu kommunizieren, dass rücksichtigende Faktoren können z.B. die Verwendung eine Verminderung der Gefahren und Risiken grund- wassergefährdender Stoffe sein oder die Notwendig- sätzlich möglich ist, eine vollständige Sicherheit gegen keit, Belegschaftsgruppen im Ereignisfall evakuieren urbane Sturzfluten jedoch nie garantiert werden kann. zu müssen. Insbesondere für Produktions- und Gewer- Die auf kommunaler Ebene durchgeführte Beteiligung bebetriebe ist ein zuverlässiger Überflutungsschutz der Bevölkerung ist am besten geeignet, alle interes- und eine Vorsorge sehr wichtig, da neben den direkten sierten Akteure einzubeziehen, dagegen ist es auf hö- Schäden vor allem die Kosten für Betriebsunterbre- heren behördlichen Ebenen schwieriger 34. chungen und Produktionsausfälle schnell sehr hohe Sinnvoll ist es, eine Möglichkeit zur Einzelberatung von Summen erreichen und existenzbedrohend für die Be- Bürger:innen sowie privaten und gewerblichen Haus- triebe werden können. und Grundeigentümer:innen durch die Kommune Die Zielgruppe Land- und Forstwirtschaft ist von ver- anzubieten. Grundlage dafür sind dann die grund- stärkter Oberflächenabflussbildung und Bodenero- stücks- bzw. gebäudescharfen Gefahren- und Risiko- sion bei Starkregenereignissen betroffen. Ein weite- karten. In der Erläuterung zu den Karten sollte auch rer Gefahrenpunkt bei Starkregenereignissen können darauf eingegangen werden, dass die Risikobewer- Verklausungen in Gewässern durch Geröll und mitge- tung in den Risikokarten in der Regel nicht auf einer führtes Holz aus Waldgebieten, Mähgut oder andere objektspezifischen Risikoanalyse beruht. Durch eine Objekte sein. Beim flächigen Rückhalt der Abflüsse ausführliche objektspezifische Bewertung des Einzel- bzw. dem verzögerten Abfließen von Wassermengen objektes unter Einbeziehung der baulichen Gestaltung in den Außengebieten kann die Land- und Forstwirt- könnte sich daher eine andere Einschätzung des Risi- schaft eine wichtige Rolle spielen. Maßnahmen wie kos ergeben. z.B. hangparallele Bearbeitung, das Einziehen von Darüber hinaus sollten die Bürger:innen und Grundei- Grasstreifen auf Feldern oder die Reaktivierung ver- gentümer:innen auch über ihre Pflichten zur Eigenvor- schütteter Entwässerungsgräben tragen ggf. zur Ab- sorge im Sinne von § 5 Abs. 2 WHG informiert werden, flussminderung bei. Sie können auch den Land- und diese umfassen u.a.: Forstwirtschaftsunternehmen auf Dauer Vorteile brin- gen, da eine Verringerung der Erosion zum Erhalt der • Rückstausicherungen Bodenfruchtbarkeit und eine Erhöhung der Versicke- • Rückhaltung und Versickerung (Entsiegelung) rung zur Grundwasseranreicherung beitragen kann. auf dem Grundstück, wenn möglich Es ist wichtig, die ansässige Land- und Forstwirtschaft
34 Umweltbundesamt (2019), S. 129
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 85
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RISIKOKOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT
über Folgen der häufiger und stärker auftretenden Ex- 8.3 DARSTELLUNG AUSGEWÄHLTER tremereignisse zu informieren und ihr Bewusstsein
THEMEN
für potenzielle Gefahren zu schärfen. Die Information über starkregenbedingte Überflutungen können z.B. im Rahmen von Informationen zur Klimaanpassung 8.3.1 STARKREGENINDEX ZUR und im Zusammenhang mit den Themen Bodenschutz KATEGORISIERUNG VON REGENEREIGNISSEN und Erosion weitergegeben werden. Auch die Gewässerunterhaltungsverbände und die Ausgangspunkt der Kommunikation von Überflu- Gewässereigentümer:innen sollten als eine Zielgrup- tungsgefahren und -risiken ist eine für alle relevan- pe bei der Starkregenvorsorge informiert und mitein- ten Zielgruppen verständliche Beschreibung und Ein- bezogen werden. Im Falle eines Starkregenereignisses ordnung von Starkregenereignissen. Eine oft genutzte kann es bedeutsam sein, dass der ordnungsgemäße Klassifikation von Starkregenereignissen ist die Eintei- Wasserabfluss in den Gewässern gewährleistet ist. Die lung nach Wiederkehrzeiten (= Jährlichkeiten). Kontrolle von Einlaufbauwerken, Gewässerdurchläs- Ein 100-jährlicher Regen („Jahrhundertregen“) ent- sen oder anderen Sonderbauwerken und die Beseiti- spricht einem Starkregenereignis mit einer Wieder- gung von Schnitt, Laub und Ästen vor Durchlässen und kehrzeit von einmal in 100 Jahren. Dieser Wert gibt von Gewässer- und Grabenböschungen sind wichtig aber lediglich eine statistische Wiederkehrzeit an, be- für die Freihaltung des Querschnitts und stellen damit rechnet aus der statistischen Analyse von in der Ver- den Wasserabfluss sicher. Regelmäßig durchgeführte gangenheit über einen bestimmten Zeitraum beob- Gewässerschauen ermöglichen u.a. eine rechtzeitige achteten Ereignissen. In der Realität und verstärkt Erkennung von Engstellen, mit deren Beseitigung ei- durch den Einfluss des Klimawandels kann in einem ner Verklausung und evtl. einem Rückstau vorgebeugt Jahr oder in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren werden kann. mehrmals ein 100-jährlicher Regen auftreten. Da dies für viele Menschen nur schwer nachzuvollziehen ist Um die Nutzung sich bietender Gelegenheitsfenster und Starkregenereignisse in den letzten Jahren zuge- bei aktuellen Planungs- bzw. Baumaßnahmen mit- nommen haben, wurde der sogenannte dimensions- zudenken und um Synergieeffekte zu erzielen, soll- lose Starkregenindex entwickelt36. ten weitere Zielgruppen in die Risikokommunikation Der Starkregenindex beschreibt die Intensität des ge- einbezogen werden. Wichtige weitere Zielgruppen fallenen Starkregens, er unterteilt Starkregen je nach sind beispielsweise regionale/überkommunale Pla- Intensität auf einer Skala von 1 bis 12 (Abbildung 8.4). nungs- oder Fachverbände, Wasser- und Bodenver- Während der Index 1 einen „normalen“ Starkregen be- bände, Flurbereinigungsverbände etc., die mit ihren schreibt, der häufiger, nämlich statistisch alle 1 oder Planungen das Abflussgeschehen sowohl als Oberflä- 2 Jahre zu erwarten ist, beschreibt der Index 12 einen chenabfluss wie als Gewässerabfluss beeinflussen und extremen Starkregen, der sehr selten fällt. Bedeutend in deren Planungen die Anforderungen der Starkre- für die Ermittlung des jeweiligen Index (bis zu einem genvorsorge zu berücksichtigen sind. In diesem Zu- Index von 7) sind die Faktoren Regenmenge (angege- sammenhang ist es ebenso wichtig, dass die Straßen- ben als Starkregenhöhe in mm, wobei 1 mm Regen baulastträger für die Starkregenrisiken sensibilisiert der Menge von 1 Liter Wasser pro Quadratmeter ent- werden, da sie verantwortlich für die Umsetzung der spricht) und Regendauer. Die Wertebereiche für Stark- Straßenentwässerung sind und bei Planungen zum regenindizes von 8 bis 12 leiten sich unter der Anwen- Straßenneu- und -umbau die Möglichkeit haben, die- dung von Erhöhungsfaktoren aus den statistischen se z.B. als Notwasserwege zu gestalten oder Straßen- Niederschlägen mit einer Wiederkehrzeit von 100 Jah- profile anzupassen. ren ab37. Zur Erläuterung und Veranschaulichung der Starkre- Eine erfolgreiche Risikokommunikation aktiviert die genindizes von 1 bis 12 werden als Sprachregelung dargestellten Zielgruppen und motiviert diese zum zur Risikokommunikation folgende Erläuterungen vor- Handeln im Sinne der Klimafolgenanpassung. Ein geschlagen: wichtiges Ziel der Risikokommunikation ist, neben der Stärkung der Risikowahrnehmung, auch die ge- • Entwässerungsanlagen werden üblicherweise meinsame Vorsorgeverantwortung der verschiedenen mit Bemessungsregen, die einem Starkregenin- Akteure herauszustellen35. dex von 1,2 oder 3 entsprechen, für einen
35 Born et al. (2021), S. 261 36 Vgl. Schmitt (2015), S. 774 37 Vgl. Schmitt (2015), S. 779
86 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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RISIKOKOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT
überlastungsfreien Betrieb bemessen bzw. im gestrebt. Bestand für einen überstaufreien Betrieb nach- • Für einen höheren Starkregenindex, zumeist ab gewiesen. 6 bis 12 ist ein vollständiger Schutz vor Über- • Ein Schutz vor Überflutungen wird abhängig von flutungen weder technisch noch wirtschaftlich ortsbezogenen Überflutungsgefährdungen und leistbar. Hier stehen Maßnahmen der vorsorgen- -auswirkungen für Starkregenindizes 3 bis 5 an- den Schadensbegrenzung im Vordergrund.
Abbildung 8.4: Starkregenindex, in Anlehnung an Schmitt et al. (2016) (HAMBURG WASSER, 2022)
Starkregenindex [SRI] − was passiert wann? www.abwassernetzwerk-rheinland.nrw
Das Gefahrenrisiko steigt, je intensiver es regnet, beziehungsweise je höher die Kennzahlen steigen
-
Hausanschlüsse und Kanäle können bis zum größtmöglichen Fassungsvermögen gefüllt sein
-
Wenn keine funktionierende Rückstausicherung vorhanden ist, kann Abwasser im Keller eintreten
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Abwasser kann aus dem Kanal auf die Straße austreten
-
Regenfallrohre und Kanäle können überlastet sein und so das anfallende Regenwasser nicht mehr aufnehmen
-
Auf Grundstücken und Straßen können sich großflächig Oberflächenwasser und Abwasser sammeln, wenn es nicht mehr abfließen kann
-
Flächen in Hanglagen und Senken haben ein erhöhtes Überflutungsrisiko
-
Oberflächenwasser kann in Gebäude und Tiefgaragen eindringen
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In Geländetiefpunkten steigt auf den Straßen und Grundstücken der Wasserstand weiter an
-
Auf tiefer gelegenen Flächen besteht akute Überflutungsgefahr
-
Da Gullyroste und Schachtdeckel vom Abwasser weggespült werden können, besteht Lebensgefahr
-
Alle vorgenannten Ereignisse können verstärkt auftreten
-
Straßen und Grundstücke können großflächig überflutet werden
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Wasser übt einen immensen Druck auf Türen und Fenster aus, sodass sie mit Muskelkraft nicht mehr geöffnet oder geschlossen werden können
-
Durch schnell fließendes Wasser können Personen und Gegenstände mitgerissen werden
Überflutete Räume bedeuten Lebensgefahr!
Informationen zur Starkregenvorsorge erhalten Sie bei den Spezialisten für Abwasser Ihrer Kommune und unter Mehr Infos www.abwassernetzwerk-rheinland.nrw © abwassernetzwerk-rheinland.nrw 2019
Abbildung 8.5: Starkregenindex: Was passiert wann?38
38 Abwassernetzwerk Rheinland: https://abwassernetzwerk-rheinland.nrw/starkregenvorsorge/
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RISIKOKOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT
Viele Städte und Gemeinden auch in anderen Bundes- gestellten bevorzugten Fließwegen wegen des dort ländern nutzen inzwischen den Starkregenindex, um absehbaren Risikos für Menschen und Gebäude bei Regenereignisse verständlicher einordnen und ver- erheblichen Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten gleichen zu können. Damit die Methodik des Stark- zu vermeiden. regenindex in der kommunalen Verwaltung, bei der Darüber hinaus sollten die Ergebnisse der Starkre- Bevölkerung und den verschiedenen Akteursgruppen genuntersuchungen den kommunalen Beschäftigten ankommt, muss er entsprechend oft erläutert und vi- (insbesondere Entwässerungsbetrieb, Tiefbauamt, sualisiert werden. Ist eine Starkregenindex-Tabelle für Grünflächenamt, Straßenbaulastträger und Stadt- einen Ort erstellt, kann nach dem Auftreten eines ent- planungsamt) sowie den lokalen bzw. regionalen Ein- sprechenden Regenereignisses der zugeordnete Stark- satz- und Rettungskräften (Feuerwehren, Polizei, THW, regenindex über die Medien kommuniziert werden, so DLRG, DRK, …) mit dem Ziel der präventiven Sensibili- dass die Verwaltung und die Bevölkerung sowie alle sierung und Möglichkeit zur Einsatz- und Maßnahmen- weiteren Akteure nach und nach eine Vorstellung von planung zugänglich gemacht werden. dem Begriff Starkregenindex bekommen können. Je nach Situation kann die Veröffentlichung der Karten 8.3.2 KARTEN auf verschiedene Art und Weise erfolgen. So können Die Starkregengefahrenkarten bilden die Grundlage die Starkregengefahrenkarten und erste Maßnahmen für Handlungsoptionen zur Lokalisierung von Vorsor- im Rahmen einer Ratssitzung oder Ausschusssitzung gemaßnahmen und z.B. zur Erstellung von Alarm- und öffentlich vorgestellt und zeitgleich auf den Internet- Einsatzplänen für den Starkregenfall. seiten der Kommune veröffentlicht werden. Manche Starkregengefahrenkarten sollten unter Beachtung Städte und Gemeinden kombinieren diesen Schritt der Datenschutzgesetze der Allgemeinheit zugänglich auch bereits mit einer Beschlussvorlage im Rat. Die gemacht werden und entweder online auf der Home- Beschlussvorlage kann dann unter anderem vorge- page der Stadt oder Gemeinde der Öffentlichkeit zur ben, das Thema Starkregen dauerhaft innerhalb von Verfügung gestellt werden oder zumindest deren Exis- Verwaltungsabläufen zu berücksichtigen. Dies be- tenz bekannt gegeben werden, mit dem Hinweis, dass deutet, dass die Ergebnisse der Starkregenuntersu- sie eingesehen werden können oder bei Bedarf eine chungen im Rahmen künftiger Bauleitplanverfahren persönliche Beratung stattfinden kann41. Damit kann sowie anderer Verfahren zu berücksichtigen sind. Da- den Bürger:innen und Grundeigentümer:innen leich- rüber hinaus können potenziell gefährdete Gebäude ter und verständlicher vermittelt werden, dass auch objektbezogen untersucht und entsprechende Maß- sie geeignete Maßnahmen zur Eigenvorsorge betrei- nahmen zum Schutz der Nutzer:innen und der Ge- ben müssen. bäude entwickelt werden. Des Weiteren können öf- Die Darstellung und Erläuterung der Starkregengefah- fentliche Flächen als Überflutungsbereiche geprüft renkarten sollte unter anderem im Zuge von Informa- und berücksichtigt und entsprechende Vorgaben für tionsveranstaltungen unter Einbeziehung von Fach- die Bauleitplanung erarbeitet werden. Ebenso kann leuten in verschiedenen Formaten erfolgen. Neben der Rat entsprechend Haushaltsmittel einplanen, um klassischen Papierformaten spielen interaktive Web- durch ergänzende Angebote die Risikokommunikation karten und andere digitale Formate eine immer grö- zu verbessern (z.B. Ansprechpartner:innen in der Ver- ßere Rolle. Viele Kommunen veröffentlichen die er- waltung für die Erst- oder Individualberatung, weite- stellten Karten auf ihren Internetseiten inklusive einer re, kontinuierliche Informationsveranstaltungen für detaillierten Beschreibung, wie diese Karten zu lesen Gebäude- oder Grundeigentümer:innen oder Gewäs- sind (siehe Abschnitt 8.3.3). Mit den die Veröffentli- sereigentümer:innen/-unterhaltungspflichtige o.ä.). chung der Karten begleitenden Informationsveranstal- Neben der Einladung zu Informationsveranstaltungen tungen sollen Bürger:innen, Wirtschaftsunternehmen, können Eigentümer:innen mit hohem oder sehr ho- Gewerbe sowie Träger kritischer Infrastruktureinrich- hem Risiko auch proaktiv angeschrieben werden und tungen angesprochen werden. Die Erläuterung der auf ein mögliches Beratungsangebot beispielsweise Karten wird meist auch mit Informationen über Ver- im Bauamt hingewiesen werden. Bei eventuell nicht haltensmöglichkeiten vor und im Ereignisfall kombi- ausreichender Fachexpertise kleinerer Gemeinden zur niert. Erfahrungsgemäß ist es von besonderer Wich- Erläuterung der Karten oder zur Detailberatung, kann tigkeit, Bauwillige und Architekten auf die Inhalte der ein Zusatzangebot in Form tageweiser externer Bera- Gefahrenkarten hinzuweisen. Urbane Sturzfluten und tung für Bürger:innen durch externe Dienstleister ge- die von ihnen ausgehenden Gefahren sollen bereits schaffen und dafür finanzielle Mittel in den Haushalt in der Bauplanung berücksichtigt werden, um z.B. die eingeplant werden. Bebauung von Tieflagen und von Bereichen mit fest-
41 Baier et al. (2021), S. 68
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RISIKOKOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT
KARTENFORMATE • Was zeigen die Gefahrenkarten? • Welche Daten beinhalten die Karten? Starkregengefahrenkarten • Wie werden die Wasserstände ermittelt? Die Gefahrenkarten werden üblicherweise für meh- • Wie ist/sind die Modellierung/die gezeigten rere Szenarien erstellt. Sie sollten in einem Maßstab Ergebnisse zu bewerten? erstellt werden, der eine detailscharfe Abfrage grund- stücks- bzw. gebäudegenau ermöglicht. Die Vorga- • Wie geht es weiter? be eines allgemeingültigen Maßstabes ist hier nicht • Was ist jetzt zu tun? sinnvoll, da dieser von der Größe des gesamten Un- • Welches sind jetzt die dringlichsten tersuchungsgebietes und dem Zuschnitt der Einzel- Maßnahmen? karten abhängt. Im Rahmen des Pilotprojektes wur- • Wer sind die Ansprechpartner:innen bei Fragen den alle Übersichtskarten jeweils im Maßstab 1:18.000 und Beratung? und alle Detailkarten für die einzelnen Ortsteile im Maßstab 1:5.000 erstellt. Mögliche Formate der Ver- öffentlichung sind beispielsweise in der Regel von Bei der Beschreibung der oben aufgeführten Hauptbe- allen zu nutzende PDF-Dateien, die als Plan gedruckt reiche sollte im Detail auch auf folgende Punkte ein- oder die digital in kommunale Webseiten eingebet- gegangen werden: tet werden. Auch die Erstellung von interaktiven, ani- mierten Karten, die beispielsweise darstellen, wie das • Erläuterungen zu Starkregen und zur Karten- Niederschlagswasser nach einem Starkregenereignis erstellung: Federführung bei der Durchführung, auf dem Gebiet einer Kommune abläuft, ist ebenso Aufbau Starkregengefahrenkarte, Legende möglich wie eine Veröffentlichung auf den Geopor- • Berechnungsmethode talen überregionaler Verwaltungseinheiten z.B. der • Gewählte Szenarien, Niederschlagsbelastungen, Landkreise (in Form von beispielsweise serverbasier- Wiederkehrzeiten und Starkregenindex, Regen- ten Kartenviewern). dauer • Art der Gefährdungsdarstellung Risikokarten Durch eine systematische Zusammenführung der • Art der Kartendarstellung: Format, Hintergrund Ergebnisse der Gefährdungsanalyse und der Scha- • Angaben zur Detaillierung und zum Zoom- denspotenzialbewertung in der Risikoanalyse werden Faktor Risikoklassen gebildet und in der Risikokarte in ent- • Randbedingungen und Nutzungshinweise, sprechender farblicher Abstufung für die betroffenen Quellenangaben Flächen und Objekte visualisiert. Die Darstellung soll- • Modellhinweise und -unsicherheiten te auch die Lage von kritischen Objekten umfassen. Die Risikokarte sollte den verschiedenen Ressorts der • Hinweise zum möglichen Download der Karten Kommune (z. B. Feuerwehr und Katastrophenschutz, • Hinweise auf Eigenvorsorge, Selbstschutz und Stadtplanung, Tiefbauamt, Grünflächenamt, Bau- Objektschutz ordnungsamt) zur Information, Sensibilisierung und Maßnahmenplanung zur Verfügung gestellt werden. Da die Rahmenbedingungen der Kartenerstellung und Risikokarten können eine Grundlage bei der Einzelbe- -darstellung verschieden sind, werden an dieser Stelle ratung der Bürger:innen und Grundeigentümer:innen keine Standardtexte zu den Erläuterungen aufgeführt, sowie von Gewerbe, Wirtschaftsunternehmen und Trä- es wird aber exemplarisch auf einige Internetauftritte gern kritischer Infrastruktur durch die Kommune sein, zur Veröffentlichung von Starkregengefahrenkarten um die Findung geeigneter Maßnahmen zum Objekt- verwiesen (Abrufdatum 30.03.2024): schutz zu unterstützen. Stadt Braunschweig (Nds.): https://www.braun- schweig.de (Suche: ➞ Starkregenanalyse) 8.3.3 ERLÄUTERUNGSTEXTE ZUM KARTENVERSTÄNDNIS Stadt Erkrath (NRW): https://www.erkrath.de/Wirt- Um die dargestellten Informationen zu starkregen- schaft-Bauen/Umwelt-Verkehr/Klimaschutz-und-Ener- bedingten Gefahren für die Allgemeinheit verständ- gie/Starkregenvorsorge-und-Hochwasser/Starkregen- lich zu vermitteln, sollten ausführliche Erläuterungen gefahrenkarten/ und entsprechende Interpretationshinweise mit den Karten veröffentlicht werden. Dabei sollten folgende Stadt Hannover (Nds.): https://www.hannover.de/Le- Hauptbereiche und Fragen näher erläutert werden: ben-in-der-Region-Hannover/Umwelt-Nachhaltigkeit/
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RISIKOKOMMUNIKATION UND EINBEZIEHUNG DER ÖFFENTLICHKEIT
Wasser-Abwasser/Abwasser/Stadtentw%C3%A4sse- Sowohl die Erarbeitung von neuen Materialien (z.B. rung-Hannover/Hochwasserschutz/Allgemeine-Infor- Flyer) ist sinnvoll, jedoch kann auch auf bereits ver- mationen/Die-Starkregenauskunft-Hannover öffentlichte Materialien zum Thema zurückgegrif- fen bzw. verwiesen werden (z.B. Checklisten). Die Stadt Köln (NRW): https://www.steb-koeln.de/hoch- unterschiedlichen Formate können Einzelpersonen, wasser-und-ueberflutungsschutz/akutes-hochwasser/ Haushalte, Nachbarschaften, Städte und Gemeinden ueberflutungsgefahrenkarten/ueberflutungsgefahren- oder Landkreise ansprechen. Während der Corona- karten.jsp Pandemie haben sich auch digitale Veranstaltungs- Stadtgebiet Oldenburg (Nds.): https://www.oowv. formate stärker etabliert, wodurch beispielswei- de/wissen/abwasser/starkregen/ se überkommunale (etwa einzugsgebietsbezogene) Informationsveranstaltungen durchführbar sind. Stadt Kiel (SH): https://www.kiel.de/de/gesundheit_ Nichtsdestotrotz sollten Starkregenrisiken mit lo- soziales/ordnung_sicherheit/starkregen.php kalem Bezug kommuniziert werden, so dass stadt- teil- und gemeindebezogene Formate viele Vorzüge 8.4 KOMMUNIKATIONSFORMATE besitzen. Insbesondere Orts(teil)begehungen mit dem thematischen Fokus auf Starkregenrisiken eignen sich Risikokommunikation kann über verschiedene Kom- sehr gut, um die Gefährdungshotspots erlebbar zu ma- munikationswege und -formate erfolgen und sollte chen, von lokalen Best-Practice-Beispielen zu lernen idealerweise mehrere Kommunikationswege und -for- und sich untereinander zu vernetzen. Darüber hinaus mate vereinen, um die unterschiedlichen Zielgruppen können Informationsangebote auch an bereits be- zu erreichen. stehende Aktivitäten in der Kommune angegliedert Um die Kommunikation auf die einzelnen Zielgrup- werden, beispielsweise durch Informationsstände auf pen abzustimmen, bietet es sich beispielsweise an, dem Wochenmarkt oder als Teil einer Vortragsreihe. Vertreter:innen aus diesen Zielgruppen in die Konzi- Zu erwähnen wären hier bereits vorhandene ILE- oder pierung spezifischer Kommunikationsangebote ein- Leader-Strukturen sowie die Aktivierung von Syner- zubeziehen. gien zur Klimaschutz- und Klimaanpassungsberatung. Die Reichweite dieses Wissensaustausches kann aktiv Auswahl möglicher Kommunikationswege: gefördert werden durch Multiplikator:innen. Grund- • klassische Öffentlichkeitsarbeit: Broschüre, sätzlich eignet sich jedes Mitglied der Gemeinde als Faltblatt, Flyer, Presseartikel, Plakate, Brief, Multiplikator:in z.B. in Form von Nachbarschaftsbera- Homepage, … tung oder peer-to-peer-Beratung (Partizipation und • Schaffung von Plattformen für gegenseitigen Austausch auf Augenhöhe), insbesondere jedoch ge- Austausch: soziale Medien (z.B. Facebook), schulte Gemeindemitarbeitende, Feuerwehrmitglie- Gemeindeapp, … der, Sprecher:innen lokaler Initiativen sowie die be- nannte verantwortliche Ansprechstelle in der Stadt • aufsuchende Information: Workshop, Informa- oder Gemeinde. tionsstand, Informationsveranstaltung, Bera- tung (Einzelberatung, Nachbarschaftsberatung), Neben dem fachlichen Wissen über Starkregenrisiken Ausstellung, Messe (zu Themen wie Bauen, (Eintrittswahrscheinlichkeiten, Jährlichkeiten, Scha- Sanierung, Eigenvorsorge, …), … denspotenziale), sollte die Kommunikationsstrategie • Anknüpfung an bestehende Beratungsange- immer auch den möglichen Handlungsspielraum der bote: Energie-/Versicherungsberatung, Haus-/ Anpassungs- und Vorsorgemaßnahmen aufzeigen und Grundeigentümer:innenberatung, Bürger:innen- damit die Verantwortung zur Eigenvorsorge kommuni- sprechstunde, Klimaschutzberatung, … zieren. Prinzipiell sollte nicht davor gescheut werden, • Informations- und Austauschveranstaltung: Hinweise und Informationen auch wiederholt und Runder Tisch, Ortsbegehung, Exkursion und fortwährend zu veröffentlichen. Auf diese Weise wird Spaziergang, Lehrpfad, Tag der offenen Tür, … verdeutlicht, dass Starkregenvorsorge kein einmali- • weitere Formate: Generationengespräch, ges Thema ist, sondern dauerhaft in den Kommunen Stadtteilwette, Preisausschreiben für umgesetz- verankert wird. te Maßnahmen auf Privatgrundstücken, … • Erinnerung an vergangene Ereignisse leben- dig halten: historische Fotos, Erzählungen, Videoaufnahmen, Zeitungsmeldungen, histori- sche Wassermarken, Visualisierung möglicher Wasserstände, …
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ZUSAMMENGEFASSTE EMPFEHLUNGEN
9 EMPFEHLUNGEN
Städte und Gemeinden sollten zur Vorsorge gegen die sis einer flächenbezogenen (einfachen) Schadenspo- Gefahren und Risiken von Starkregenereignissen ein tenzialermittlung empfohlen. Daneben gibt es für ein- kommunales Handlungskonzept zur Starkregenvor- zelne Objekte die Möglichkeit der objektspezifischen sorge auf der Grundlage einer Gefährdungs- und Risi- Risikoanalyse. koanalyse erarbeiten. Ziel ist es, starkregenbedingte Die Risikoanalyse bildet die Grundlage für das Hand- Schäden zu vermeiden bzw. zu vermindern. lungskonzept. Es enthält die notwendigen Maßnah- Bei der Starkregengefährdungsanalyse werden die men und Handlungsstrategien zur Starkregenvorsor- Gefahren infolge einer Überflutung ermittelt. Dies ge, die individuell für die Kommune empfohlen und kann mit unterschiedlichen Methoden erfolgen. Für mit einer Priorisierung versehen sind. Hierzu zählen den Regelfall wird eine hydraulische Modellierung (mit auch Ergebnisse und Erkenntnisse zur kommunalen oder ohne Berücksichtigung des Kanalnetzes) für ver- Informationsvorsorge und der kommunalen Gefah- schiedene Niederschlagsszenarien empfohlen, da renabwehr. Bereits bei der Konzepterstellung sollten nur mit einer Modellierung die Kenngrößen Überflu- alle relevanten Akteure und die Bevölkerung einbe- tungsfläche, -tiefe und Fließgeschwindigkeiten bzw. zogen werden, um frühzeitig zu vermitteln, dass die der Strömungsdruck ermittelt werden können. Dieses Aufgabe der Starkregenvorsorge nur gemeinsam ge- Vorgehen kann bei der Berücksichtigung des Kanal- lingen kann. netzes zusätzlich Synergien mit der hydraulischen Be- Nur ein Teil der Objekte in einer Kommune befindet messung von Entwässerungssystemen bieten. sich in öffentlicher Hand, der überwiegende Teil wird Als Niederschlagsszenarien wird die Modellierung von privat oder gewerblich genutzt. Ziel der Gefährdungs- mindestens zwei Szenarien empfohlen: ein Ereignis und Risikoanalyse ist es daher, auch allen Haus- und mit Starkregenindex 7 oder größer und ein weiteres Grundstückseigentümer:innen die notwendigen Ereignis mit z.B. Starkregenindex 3 bis 5. Informationen über ihre Gefährdung bzw. ihr Risiko Die Bewertung potenzieller Schäden als zweiter Bau- zur Verfügung zu stellen, damit auch sie Objektschutz stein der Risikoanalyse kann in unterschiedlicher und weitere Eigenvorsorge betreiben können. Beson- Detailtiefe erfolgen. In den meisten Fällen ist die flä- ders hilfreich dazu sind die Starkregengefahren- und chenbezogene (einfache) Schadenspotenzialbewer- ggf. -risikokarten. tung eine gute Grundlage für die darauf aufbauende Risikokommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sind Risikoanalyse. daher als ein fester Kosten- und Personalbestandteil Auch für die Risikoanalyse gibt es mehrere Methoden. im Projektbudget bei der Erstellung von Starkregen- In sehr überschaubaren, wenig komplexen Gebieten vorsorgekonzepten mit einzuplanen. Das kommuna- kann eine vereinfachte Risikoanalyse ein ausreichen- le Handlungskonzept Starkregenvorsorge bietet ins- der Ansatz sein, wozu keine differenzierte Schadens- gesamt die Grundlage für zukünftiges systematisches potenzialermittlung erforderlich ist. Für alle anderen Handeln der Kommune in der Starkregenvorsorge. Gebiete wird die detaillierte Risikoanalyse auf der Ba-
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Starkregen
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SCHLUSSBEMERKUNG
10 SCHLUSSBEMERKUNG
Sich durch präventives Handeln auf die Auswirkungen • eine Bevölkerung sowie Gewerbetreibende, die und Folgen von Starkregenereignissen vorzubereiten, sich ihrer Aufgabe der Eigenvorsorge bewusst wird wichtiger. Um ins Handeln zu kommen, müssen und handlungsfähig sind die Gefahren, potenziellen Schäden und Risiken, die derartige Ereignisse in besiedelten Gebieten verursa- • ein Rat, der die Zukunftsaufgabe verstanden hat chen, erkannt und verstanden werden. und je nach Möglichkeiten ein Budget bewilligt, mit dem die Stadt oder Gemeinde stetig Jahr für Was nun? Jahr in ihrer Vorsorge besser werden kann
Wie anfangen und loslegen? Die Aufgabe der Starkregenvorsorge ist kein Sprint, kein Projekt, das mit der Erstellung der Karten und des Das Flowchart aus Kapitel 3 bietet einen Ablaufplan, Handlungskonzepts abgeschlossen ist. Es ist ein Dau- was zu bedenken, zu organisieren und umzuset- erlauf, eine fortwährende Zukunftsaufgabe, die mit zen ist. Schritt für Schritt kann so Ihre kommunale der Erstellung des kommunalen Handlungskonzepts Starkregenvorsorge unter Einbindung internen und zur Starkregenvorsorge ihren Anfang genommen hat. externen Fachwissens Gestalt annehmen. Wichtig sind Stellen Sie von Beginn an die richtigen Weichen, ins- insbesondere die Willensbildung und grundsätzlich besondere auch mit Blick auf die Kommunikation und der Start in die kommunale Starkregenvorsorge. Die Strukturen zur Einbindung aller Betroffenen und Ak- einzelnen Schritte haben wir im vorliegenden Leitfa- teure. den im Detail beschrieben und Empfehlungen gege- Wir hoffen, Ihnen mit diesem Leitfaden einen Weg- ben. weiser durch die Vielfalt der Möglichkeiten bei der kommunalen Starkregenvorsorge gegeben und Die Ergebnisse dieses Prozesses sind im Idealfall: Ihnen das Verständnis vermittelt zu haben, wie Sie in Ihrer Stadt/Gemeinde am besten vorgehen und was • Starkregengefahren- und -risikokarten sowie ein es zu beachten gilt. kommunales Handlungskonzept zur Starkregen- Über unser Starkregen-Netzwerk Niedersachsen ste- vorsorge hen wir von der UAN gerne bei diesen Aufgaben an • eine kommunale Arbeitsgruppe Starkregen, die Ihrer Seite. für Starkregengefahren sensibilisiert ist und die Starkregenvorsorge in ihren Aufgabenbereichen Wir wünschen gutes Gelingen und viel Erfolg! umsetzt • ein Runder Tisch, der alle Zuständigen im Gebiet Ihr Team der UAN vereint, um gemeinsam bestmögliche Starkre- genvorsorge zu realisieren
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1L1IT ERLAITTEURARTURVERZEICHNIS
Baier, A./Krieger, K./Meinzinger, F./Döring, J. (2021): Veröffentlichungen von Starkregengefahrenkarten im deutschen Raum, in: KA Korrespondenz Abwasser, Abfall, 68. Jg., Heft 3/2021, S. 179-183
BauGB Baugesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 3. November 2017 (BGBl. I S. 3634), zuletzt geändert durch Arti- kel 3 des Gesetzes vom 20. Dezember 2023 (BGBl. 2023 I Nr. 394)
Becker, P./Becker, A./Dalelane, C./Deutschländer, T./Junghänel, T./Walter, A./DWD (Hrsg.) (2016): Die Entwicklung von Starkniederschlägen in Deutschland. Plädoyer für eine differenzierte Betrachtung, https://www.dwd.de/DE/leistungen/besondereereignisse/niederschlag/20160719_entwicklung_starkniederschlag_ deutschland.pdf?blob=publicationFile&v=3 (Abruf: 10.01.2024)
Born, M./Körner, C./Löchtefeld, S./Werg, J./Grothmann, T. (2021): Erprobung und Evaluierung von Kommunikationsformaten zur Stärkung privater Starkregenvorsorge – Das Projekt Re- gen//Sicher, Umweltbundesamt (Hrsg.), Dessau-Roßlau, https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/erprobung- evaluierung-von-kommunikationsformaten (Abruf: 10.01.2024)
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz (BBK) (o.J.): BBK-Glossar, https://www.bbk.bund.de/DE/Infothek/Glossar/glossar_node.html (Abruf: 11.01.2024)
Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) (2021): Allgemeine Informationen und Nutzungshinweise zur Hinweiskarte Starkregengefahren des BKG, https://sg.geodatenzentrum.de/web_public/gdz/dokumentation/deu/Starkregengefahrenhinweiskarte_Hinweise.pdf (Abruf: 11.01.2024)
Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) (2024): Geoportal.de, https://geoportal.de/Themen/Klima_und_Wetter/1_Hochwasser_und_Starkregen.html
Bundesministerium des Innern (BMI) (2014): Leitfaden Krisenkommunikation, 5. Auflage, Berlin, https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikatio- nen/themen/bevoelkerungsschutz/leitfaden-krisenkommunikation.html (Abruf: 31.01.2024)
DIN EN 752 (2017): Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden – Kanalmanagement; Deutsche Fassung EN 752:2017, Beuth Verlag, Berlin
DIN 4049-1 (1992): Hydrologie; Grundbegriffe, Beuth Verlag, Berlin
DIN 4049-2 (1990): Hydrologie; Begriffe der Gewässerbeschaffenheit, Beuth Verlag, Berlin
DIN 4049-3 (1994): Hydrologie – Teil 3: Begriffe zur quantitativen Hydrologie, Beuth Verlag, Berlin
DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (Hrsg.) (2013): Starkregen und urbane Sturzfluten – Praxisleitfaden zur Überflutungs-vorsorge, DWA-Themenband, DWA-Themen T 1/2013, Hennef
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1L2IT ERLAITTEURARTURVERZEICHNIS
DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (Hrsg.) (2016): DWA-M 119 „Risikomanagement in der kommunalen Überflutungsvorsorge für Entwässerungssysteme bei Starkregen“, DWA-Regelwerk, Merkblatt, Hennef
DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (Hrsg.) (2022): DWA-Positionen. Hochwasser und Sturzfluten. DWA Positionspapier, 8 Seiten, https://de.dwa.de/files/_media/ content/01_DIE_DWA/Politikinformationen/Positionspapiere/Positionspapier_Hochwasser%20Sturzfluten_2022_Netz. pdf (Abruf: 17.01.2024)
DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (Hrsg.) (2024): DWA-A 118 „Bewertung der hydraulischen Leistungsfähigkeit von Entwässerungssystemen“, DWA-Regelwerk, Arbeitsblatt, Hennef
DWD Deutscher Wetterdienst DWD Wetter- und Klimalexikon: Starkregen (o.J.): https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?nn=103346&lv2=102248&lv3=102572 (Abruf: 17.01.2024)
DWD Deutscher Wetterdienst (2018): Klimareport Niedersachsen, Deutscher Wetterdienst, Offenbach am Main, https://www.dwd.de/DE/leistungen/klimare- ports/klimareport_ns_download_2018.pdf?__blob=publicationFile&v=5 (Abruf: 17.01.2024)
DWD Deutscher Wetterdienst (2023): KOSTRA-DWD, Rasterdaten zu Niederschlagshöhen und -spenden in Abhängigkeit von der Niederschlagsdauer D und der Jährlichkeit T (Wiederkehrintervall), https://www.dwd.de/DE/leistungen/kostra_dwd_rasterwerte/kostra_dwd_ rasterwerte.html (Abruf: 17.01.2024)
EG-HWRM-RL Richtlinie 2007/60/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2007 über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken
EG-WRRL Richtlinie 2000/60/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungs- rahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik
Hamburg Wasser (o.J.): Eine Skala für Starkregen, https://www.hamburgwasser.de/umwelt/vorsorge/starkregen#c1557 (Abruf: 30.01.2024)
Hochschule Kaiserslautern (2019): Handlungsempfehlungen zur Erstellung von Starkregengefahrenkarten im Saarland, https://www.saarland.de/SharedDocs/Downloads/DE/mukmav/wasser/dl_handlungsempfehlungstarkregen_muv. pdf?__blob=publicationFile&v=1 (Abruf: 17.01.2024)
Illgen, M. (2015): In: DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (Hrsg.) (2016): DWA-M 119 „Risikomanage- ment in der kommunalen Überflutungsvorsorge für Entwässerungssysteme bei Starkregen“, DWA-Regelwerk, Merkblatt, Hennef, S. 40
Illgen, M. (2018): Ansätze und Maßnahmen zu Überflutungsvorsorge und Starkregenmanagement in Kommunen, Vortrag am 27.02.2018 beim difu-Seminar „Mit Starkregen umgehen“, Hamburg
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1L3IT ERLAITTEURARTURVERZEICHNIS
LAWA Bund-/Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) (2018): LAWA-Strategie für ein effektives Starkregenrisikomanagement, Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA), Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (Hrsg.), Erfurt, https://www.lawa.de/documents/ lawa-starkregen_2_1552299106.pdf (Abruf: 17.01.2024)
Leistner, P./Eitle, A./Krause, P./Meier, L./Röseler, H. (2023): Klimaangepasste Gebäude und Liegenschaften: Empfehlungen für Planende, Architektinnen und Architekten sowie Eigentümerinnen und Eigentümer, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (Hrsg.), 2.Aufl., Schriftenreihe Zukunft Bauen: Forschung für die Praxis, Band 30, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn, https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/zukunft-bauen-fp/2022/band-30-dl-auflage-2.pdf?__blob= publicationFile&v=2 (Abruf: 30.01.2024)
LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (Hrsg.) (2016): Leitfaden Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg, LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe, https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/47871 (Abruf: 17.01.2024)
LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (Hrsg.) (2019): Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg, Anhang 6 – Risikoanalyse, Stand: November 2019, Karlsruhe, https://pd.lubw.de/10085 (Abruf: 19.01.2024)
LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (Hrsg.) (2020): Leitfaden Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg, Anhänge 1a, b, c, Stand: Juli 2020, Karlsruhe, https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/47871 (Abruf: 19.01.2024)
Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) (2018): Arbeitshilfe kommunales Starkregenrisikomanagement, Düsseldorf, https://www.flussgebiete.nrw.de/system/files/ atoms/files/arbeitshilfe_kommunales_starkregenrisikomanagement_2018 (Abruf: 26.01.2024)
Mudersbach, C., Buchholz, O., Hoppe, H. et al. (2023): Integrale Starkregen- und Hochwassergefahrenkarten, Arbeitsbericht der DWA-Arbeitsgruppe ES-2.8, Korrespondenz Abwasser, Abfall, 70. Jg., Heft 10/2023, S. 747 - 758, DOI: 10.3242/kae2023.10.001
NVermG Niedersächsisches Gesetz über das amtliche Vermessungswesen vom 12. Dezember 2002 (Nds. GVBl. 2003 S. 5 - VORIS 21160 -), zuletzt geändert durch Artikel 9 des Gesetzes vom 16. Mai 2018 (Nds. GVBl. S. 66)
NWG Niedersächsisches Wassergesetz (NWG) vom 19. Februar 2010, verkündet als Artikel 1 des Gesetzes zur Neuregelung des Niedersächsischen Wasserrechts vom 19. Februar 2010 (Nds. GVBl. S. 64), zuletzt geändert durch Artikel 5 des Gesetzes vom 22. September 2022 (Nds. GVBl. S. 578)
Rodriguez, R./Guthörl, N. (2021): Hinweise zur Berechnung und Erstellung von Starkregengefahrenkarten in Hessen, https://www.hlnug.de/fileadmin/ dokumente/klima/klimprax/starkregen/Ausschreibungshilfe_Starkregen-Gefahrenkarten_Juni-2021.pdf
96 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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1L4IT ERLAITTEURARTURVERZEICHNIS
(Abruf: 19.01.2024)
Schmitt, T. G. (2015): Weiterentwicklung des Starkregenindex zur Verwendung in der kommunalen Überflutungsvorsorge, in gwf Wasser Abwasser, (156), Heft 7-8/2015, S. 774–781
Schmitt, T. G. (2016): Ortsbezogene Regenhöhen im Starkregenindexkonzept SRI12 zum Anwendungskontext Risikokommunikation in DWA-M 119, in: KW Korrespondenz Wasserwirtschaft, (9), Heft 11/2016, S. 689-691
Schmitt, T. G./Krüger, M./Pfister, A./Becker, M./Mudersbach, C/Fuchs, L./Hoppe, H./Lakes, I. (2018): Einheitliches Konzept zur Bewertung von Starkregenereignissen mittels Starkregenindex, in KA Korrespondenz Abwasser, Abfall, (65), Heft 2/2018, S. 113-120
Umweltbundesamt (Hrsg.) (2019): Vorsorge gegen Starkregenereignisse und Maßnahmen zur wassersensiblen Stadtentwicklung – Analyse des Standes der Starkregenvorsorge in Deutschland und Ableitung zukünftigen Handlungsbedarfs, Abschlussbericht, in Texte 55/2019, Dessau-Roßlau, https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2019-05-29_texte _55-2019_starkregen-stadtentwicklung.pdf (Abruf: 26.01.2024)
Umweltbundesamt (Hrsg.) (2021): Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland - Teilbericht 3: Risiken und Anpassung im Cluster Wasser, Des- sau-Roßlau, https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/KWRA-Teil-3-Cluster-Wasser (Abruf: 19.01.2024)
WHG Wasserhaushaltsgesetz vom 31. Juli 2009 (BGBl. I S. 2585), zuletzt geändert durch Artikel 7 des Gesetzes vom 22. Dezem- ber 2023 (BGBl. 2023 I Nr. 409)
Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (WBW) (Hrsg.) (2020): Eckpunkte der Waldstrategie 2050. Stellungnahme. Berlin. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_ Ministerium/Beiraete/waldpolitik/stellungnahme-waldstrategie-2050.pdf?__blob=publicationFile&v=1 (Abruf 22.02.2024)
Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (WBW) (Hrsg.) (2021): Die Anpassung von Wäldern und Waldwirtschaft an den Klimawandel. Berlin. ISBN 978-3-00-070408-6 https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ministerium/Beiraete/waldpolitik/gutachten-wbw-anpassung- klimawandel.pdf?__blob=publicationFile&v=2 (Abruf 22.02.2024)
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 97
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1A5B BILLIDTEURNATGUERNVERZEICHNIS
Abbildung 2.1: Starkregenindex in Anlehnung an Schmitt et al. (2016) 16 Abbildung 2.2: Oberflächliche Überflutungen in einer Muldenlage und Gewitterwolken vor drohendem Regenereignis in Bad Salzdetfurth 17 Abbildung 3.1: Kommunaler Überflutungsschutz und Starkregenvorsorge als kommunale Gemeinschaftsaufgabe 22 Abbildung 3.2: Abgrenzung der Starkregengefahrenkarten zu Hochwassergefahrenkarten 23 Abbildung 3.3: Der Kreislauf des Starkregenrisikomanagements 25 Abbildung 3.4: Flowchart zum Ablauf der Kommunalen Starkregenvorsorge 28 Abbildung 4.1: Planskizze mit Gefährdungsbereichen Stadt Bad Salzdetfurth, Ortsteil Groß Düngen 34 Abbildung 4.2: Ausschnitt vereinfachte Gefahrenkarte: Ergebnis der topographischen Analyse im Flecken Steyerberg 35 Abbildung 4.3: Ausschnitt aus der Gefahrenkarte für drei verschiedene Starkregenszenarien (SRI 3/5/7) für Stadt Bad Salzdetfurth, OT Hockeln 42 Abbildung 4.4: Fotodokumentation des Ereignisses Juni 2017 in Hockeln 42 Abbildung 4.5: Legende für die Darstellung der maximalen Wassertiefe 43 Abbildung 4.6: Legende für die Darstellung des maximalen Strömungsdrucks 43 Abbildung 4.7: Gefahrenkarte für Stadt Bad Salzdetfurth, OT Hockeln (Szenario: außergewöhnlicher Starkregen) auf Basis der hydraulischen Gefährdungsanalyse 45 Abbildung 5.1: Vorgehen zur Bewertung des Schadenspotenzials 52 Abbildung 5.2: Beispiel für eine einfache/flächenbezogene Bewertung des Schadenspotenzials mit Verortung kritischer Objekte (flurstückbezogene Darstellung) 59 Abbildung 6.1: Ermittlung des Risikos aus Gefährdung und Schadenspotenzial 61 Abbildung 6.2: Beispiel einer vereinfachten Risikokarte mit klassifizierter Kennzeichnung des Wasserstandes (Tn = 50 a) und der Betroffenheit aufgrund der Nähe zum Wasserstand 65 Abbildung 6.3: Legende für die farbliche Darstellung der verschiedenen Risikoklassen 66 Abbildung 6.4: Risikokarte für Stadt Bad Salzdetfurth – Groß Düngen 67 Abbildung 6.5: Vergrößerter Auszug der Legende zur Risikokarte in Abbildung 6.4 67 Abbildung 7.1: Räumliche Differenzierung nach Clustern im Zentrum der Pilotkommune Steyerberg 72 Abbildung 7.2: Beispiel für einen Steckbrief zur Maßnahmenplanung, wie er im Pilotprojekt genutzt wurde 74 Abbildung 7.3: Prioritätskriterien 77 Abbildung 8.1: Linke Seite: Informationsveranstaltung zu den erarbeitetenStarkregengefahrenkarten Rechte Seite: Ortsbegehung mit Starkregengefahrenkarten 82 Abbildung 8.2: Überblick über Kommunikationsformate zur Information und Beteiligung der Öffentlichkeit 83 Abbildung 8.3: Überblick über wichtige bei der Starkregenvorsorge zu beteiligende Akteure einer Stadt/Gemeinde 84 Abbildung 8.4: Starkregenindex in Anlehnung an Schmitt et al. (2016) 87 Abbildung 8.5: Starkregenindex: Was passiert wann? 87 Abbildung 8.6: Starkregenindex für Bad Salzdetfurth (erstellt gemäß Schmitt et al. 2018) 88
98 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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TABELLEN
Tabelle 2.1: Auswahl seit 2017 aufgetretener Starkregenereignisse in Niedersachsen 18 Tabelle 2.2: Informationen zur Hinweiskarte Starkregengefahren für Niedersachsen 20 Tabelle 4.1: Übersicht ausgewählter Methoden zur Gefährdungsanalyse 32 Tabelle 4.2: Abhängigkeit der Rauheitsbeiwerte von verschiedenen Landnutzungsarten 39 Tabelle 5.1: Bereiche mit Schutzbedürfnis und mögliche nachteilige, starkregeninduzierte Auswirkungen durch Überflutung 47 Tabelle 5.2: Bewertung in Schadenspotenzialklassen 48 Tabelle 5.3: Gegenüberstellung von kritischem Objekt und dem Grund des Schutzbedürfnisses 49 Tabelle 5.4: Übersicht Methoden zur Bewertung des Schadenspotenzials 54 Tabelle 5.5: Datengrundlagen der Schadenspotenzialanalyse 57 Tabelle 6.1: Beispiel für eine Bewertung der Überflutungsgefährdung als Kombinationsmatrix aus Wassertiefe und Strömungsdruck 62 Tabelle 6.2: Beispiel für die qualitative Verknüpfung von Überflutungsgefährdung und Schadenspotenzial zum Überflutungsrisiko in Anlehnung an DWA-M 119 62 Tabelle 6.3: Methoden zur Risikoanalyse 64 Tabelle 7.1: Empfohlene Maßnahmenkategorien und Handlungsfelder zur Überflutungsvorsorge 79
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 99
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1G6L OSLSITAERRATURVERZEICHNIS
Der Leitfaden und die verwendeten Begriffe und ihre Definitionen beruhen auf bereits vorliegenden Leitfäden, z.B. aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern und schließen Begriffe aus den allgemein anerkannten Regeln der Technik (z.B. DWA-M 119 und DWA-A 118) mit ein.
Abflusswirksamer Niederschlag: ➞ effektiver Niederschlagsanteil
Allgemeine Bodenabtragsgleichung (ABAG): Die Allgemeine Bodenabtragsgleichung (ABAG) berechnet den Bodenabtrag durch Flächen- und Rillenerosion bei Starkregen für Einzelflächen. Andere Formen der Bodenverla- gerung (Schneeschmelz-, Rinnen-, Bearbeitungserosion) können damit nicht berechnet werden. Der berechnete Abtrag gilt für das langjährige Mittel, von dem einzelne Jahre in der Regel stark nach unten und oben abweichen42.
Ansatz nach Manning-Strickler: Oft in Modellen für die Parametrisierung der Oberflächenrauheit bei der Ab- flussberechnung verwendeter Ansatz. Die Festlegung der Manning-Strickler-Beiwerte (k -Werte) erfolgt in Ab- St hängigkeit des vorhandenen Flächentyps, auf Basis der jeweiligen Flächennutzung.
Außengebietswasser: Wasser, das aus Außengebieten (z.B. landwirtschaftlichen Flächen, Waldflächen etc.) meist unkontrolliert auf die Siedlung zufließt.
Baugesetzbuch: Mit dem Baugesetzbuch (BauGB) werden die rechtlichen Grundlagen des Städtebaus, soweit sie zur Gesetzgebungskompetenz des Bundes gehören, in einem einheitlichen Gesetzeswerk zusammengefasst. Während das BauGB mehr die planungsrechtliche Seite des Bauens betrifft (ob, wo, wie), regeln die Bauordnun- gen der Länder mehr die technische und gestalterische Seite sowie das bauaufsichtliche Verfahren (Baugeneh- migung).
Bebauungsplan: Der Bebauungsplan (B-Plan) enthält als verbindlicher Bauleitplan die rechtsverbindlichen Fest- setzungen für die städtebauliche Ordnung. Der von der Gemeinde als Satzung zu beschließende Bebauungsplan bildet die Grundlage für weitere zum Vollzug des Baugesetzbuches erforderliche Maßnahmen und hält Regelun- gen für die Zulässigkeit der einzelnen Bauvorhaben fest.
Bemessungsregen/Bemessungsniederschlag: Statistische Kenngröße, die für verschiedenste Anwendungen in der Hydrometeorologie, Hydrologie, Wasserwirtschaft und im Wasserbau zum Einsatz kommt. Bemessungs- niederschläge sind regional unterschiedlich und werden meist aus extremwertstatistischen Analysen von zeitlich hoch aufgelösten Niederschlagszeitreihen errechnet. Sie beschreiben theoretische Niederschlagsereignisse in Abhängigkeit von deren jeweiliger Andauer und Wiederkehrzeit.
Bidirektionale Kopplung (bei der Modellierung der Starkregengefährdung): Ein Modell ist bidirektional ge- koppelt, wenn sowohl der Eintritt von Wasser von der Oberfläche in das Kanalnetz als auch der Austritt aus dem Kanalnetz auf die Oberfläche berücksichtigt wird.
Bruchkante: Eine Geländelinie, die sich durch eine deutliche Änderung der Geländeneigung ergibt. Sie wird bei der digitalen Geländemodellierung für die Strukturierung des gemessenen digitalen Geländemodells benötigt. Harte Bruchkanten werden im Allgemeinen zur Definition von Wasserläufen, Bergrücken, Uferlinien, Gebäude- umrissen, Dämmen und anderen Bereichen mit abrupten Oberflächenänderungen verwendet43.
Cluster: Hinreichend homogene Fläche(n) gleicher Gefährdungsursache(n) und/oder vergleichbarer Art des möglichen Schadens. Innerhalb einer Clusterfläche sind häufig - aber nicht immer - ähnliche Maßnahmen an unterschiedlichen Standorten zu treffen.
42https://abag.lfl.bayern.de/ 43https://www.spektrum.de/lexikon/kartographiegeomatik/bruchkante/672, https://desktop.arcgis.com/de/arcmap/10.6/extensions/3d-analyst/breaklines-in-surface-modeling.htm)
100 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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GLOSSAR
Digitales Geländemodell (DGM): Das DGM beschreibt die Geländeoberfläche durch die räumlichen Koordinaten einer repräsentativen Menge von Geländepunkten. Höheninformationen werden damit maßstabsunabhängig und datenverarbeitungsgerecht vorgehalten44.
DGM1: Das DGM1 hat eine einheitliche Gitterweite von 1,0 m und eine Höhengenauigkeit von ≤ 0,3 m 45, das heißt, pro Quadratmeter wird ein Höhen- und Lagepunkt berücksichtigt.
Direktabfluss: Erreicht mit nur geringer Zeitverzögerung nach einem Niederschlag die Vorfluter. Oberflächen- und Zwischenabfluss bilden zusammen den Direktabfluss (DIN 4049-3).
Effektiver Niederschlagsanteil: Auch abflusswirksamer Niederschlag, der Teil des Niederschlags, der als Direkt- abfluss wirksam wird (DIN 4049-1).
Einstauvolumen: Im betrachteten Zeitraum einem Überflutungsgebiet (v.a. in Tieflagen) zufließende Wasser- menge.
Einzugsgebiet: Gebiet, aus dem Wasser auf einen bestimmten Ort zufließt. Es werden unterschieden: oberirdi- sches Einzugsgebiet, unterirdisches Einzugsgebiet. Die jeweils zugeordnete Fläche wird in der Horizontalprojek- tion angegeben (DIN 4049-1). Das Einzugsgebiet wird durch Wasserscheiden begrenzt.
Erosion/Bodenerosion: Abtragung lockerer Bodenteile der Erdoberfläche durch Wasser oder Wind. Ob und in welcher Höhe es zu Erosion durch Wasserabspülung kommt, hängt von äußeren Faktoren wie Art und Menge des Niederschlages, der Geländeform, der Vegetationsart, der Vegetationsdichte und der Landnutzung sowie den Bodeneigenschaften ab.
Euler II - Modellregen: Modellregen, der auf Grundlage von gegebenen Regenspenden bestimmter Häufigkeit und Dauer aufgestellt bzw. statistisch abgeleitet wird. Der Modellregen ist charakterisiert durch eine allmählich steigende Intensität bis nach einem Drittel des Niederschlagszeitraums das Maximum erreicht ist und anschlie- ßendem starken Nachlassen bis auf eine geringe Niederschlagsintensität.
Flächennutzungsplan: Der Flächennutzungsplan (FNP oder F-Plan) ist ein vorbereitender Bauleitplan. Im F-Plan ist für das gesamte Gemeindegebiet die beabsichtigte Art der Bodennutzung nach den voraussehbaren Bedürf- nissen der Gemeinde in den Grundzügen darzustellen. Er setzt den Rahmen für die B-Pläne einer Gemeinde.
Gefährdung: Die Gesamtheit der nach Art, Ausdehnung, Eintrittswahrscheinlichkeit und Intensität bestimmten Gefahren.
Gefährdungsanalyse: Systematisches Verfahren zur Untersuchung der Ursachen einer Gefährdung z.B. durch Starkregenereignisse. Hier: Zur Lokalisierung des Auftretens und zur Bewertung des Ausmaßes starkregenbe- dingter Überflutungen. Es existieren verschiedene Methoden mit oder ohne Einbeziehung der Niederschlags- belastung.
Häufigkeit: Anzahl der Ereignisse, die im langjährigen statistischen Mittel innerhalb einer Zeitspanne einen de- finierten Wert erreichen oder überschreiten bzw. unterschreiten (Kehrwert der Wiederkehrzeit).
Hochwasser: Gemäß § 72 WHG ist Hochwasser definiert als eine zeitlich beschränkte Überschwemmung von normalerweise nicht mit Wasser bedecktem Land, insbesondere durch oberirdische Gewässer oder durch in Küs- tengebiete eindringendes Meerwasser. Davon ausgenommen sind Überschwemmungen aus Abwasseranlagen.
44https://www.lgln.niedersachsen.de/startseite/geodaten_karten/3d_geobasisdaten/dgm/digitale-gelaendemodelle-dgm-143150.html 45https://www.lgln.niedersachsen.de/startseite/geodaten_karten/3d_geobasisdaten/dgm/digitale-gelaendemodelle-dgm-143150.html
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 101
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1G7L OSLSITAERRATURVERZEICHNIS
Hochwassergefahr (Nds.): Besteht in Niedersachsen für die Gebiete im Binnenland, die bei folgenden Szenarien überflutet werden: Hochwasser mit mittlerer Wahrscheinlichkeit (HQ ), Hochwasser mit niedriger Wahrschein- 100 lichkeit oder bei Extremereignissen (HQ ), Hochwasser mit hoher Wahrscheinlichkeit (HQ ). Die Hochwas- extrem häufig sergefahrenkarten enthalten für jedes der genannten Szenarien (für die Küstenbereiche: nur das Extremereignis) die notwendigen Angaben zum Ausmaß der Überflutungen und zur Wassertiefe.
Hochwasserrisiko (Nds.): Gibt darüber hinaus für die in den Gefahrenkarten dargestellten Überflutungsflächen der Risikobereiche auch Informationen zu den potenziell hochwasserbedingten nachteiligen Auswirkungen der unterschiedlichen Hochwasserszenarien an. Das Hochwasserrisiko ergibt sich demnach aus der Kombination aus der Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses (Jährlichkeit) und den mit diesem Ereignis verbundenen möglichen Schäden (Schadenspotenzial).
Hochwasserrisikomanagement: Mit dem „Hochwasserrisikomanagement“ hat die Europäische Union einen neuen Begriff verbindlich eingeführt. Ziel ist, durch Hochwasser bedingte Risiken nachhaltig zu minimieren. Da- für sollen auf regionaler Ebene verschiedene Disziplinen wie Wasserwirtschaft, Raumplanung, Bauleitplanung, Ver- und Entsorgung, Denkmalschutz, Katastrophenschutz und Wirtschaft in einem kontinuierlichen, zyklischen Prozess enger zusammenarbeiten und gemeinsam ein Maßnahmenpaket schnüren – den sogenannten Hochwas- serrisikomanagementplan. Grundlage dieser Maßnahmen sind Hochwassergefahrenkarten, in denen die Flächen markiert werden, die bei Hochwasserereignissen an Gewässern überflutet werden können. Überflutungsrisiken infolge von Starkregen sind in Deutschland nicht in den Hochwassergefahrenkarten vermerkt.
Hochwasserschutz: Beinhaltet Maßnahmen zur Vermeidung von Überschwemmungen und Schäden durch Hochwasser. Für den Hochwasserschutz werden technische Maßnahmen, wie Deiche, Rückhaltebecken oder Retentionszonen, sowie Maßnahmen zum natürlichen Rückhalt und auch nichttechnische Maßnahmen, z.B. zur Vorsorge und Warnung, umgesetzt.
Jährlichkeit: Erwartete Häufigkeit eines Ereignisses, ausgedrückt als mittlere Wiederkehrzeit zwischen den Ereignissen, die einer festgelegten Größenordnung für solche Ereignisse entspricht oder sie überschreitet. Ein 100-jährliches Ereignis tritt im statistischen Mittel alle 100 Jahre wieder auf, was, wie bei allen statistischen Wer- ten, nicht ausschließt, dass es sich z.B. auch in zwei aufeinanderfolgenden Jahren ereignen kann.
Konvektiver Niederschlag: Niederschlagstyp, der an vertikale (aufsteigende) Luftbewegungen gebunden ist und sich häufig in Form von Schauerregen darstellt.
KOSTRA-DWD-2020: Steht für: Koordinierte Starkniederschlagsregionalisierung und -auswertung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die derzeit (seit 01.01.2023) aktuellen KOSTRA-DWD-2020 - Daten enthalten die stand- ortbezogenen Starkniederschlagshöhen und -spenden nach den Vorgaben des Deutschen Wetterdienstes. In Abhängigkeit von verschiedenen Niederschlagsdauern (5 min bis 7 Tage) und verschiedenen Wiederkehrzeiten (1 a bis 100 a) werden maximale Niederschlagshöhen (in mm) und -spenden (in l/(s . ha)) berechnet und auf ein deutschlandweites Raster mit einer räumlichen Auflösung von 5 km x 5 km übertragen.
Kritische Infrastruktur: Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemein- wesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden.
Niederschlagsdauer: Zeitspanne zwischen Niederschlagsbeginn und -ende; auch unter Einschluss von Nieder- schlagsunterbrechungen.
Niederschlagshöhe: Auch Niederschlagssumme, Niederschlag an einem bestimmten Ort, ausgedrückt als Was- serhöhe über einer horizontalen Fläche in einer Betrachtungszeitspanne (in mm oder l/m²).
102 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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GLOSSAR
Niederschlagsintensität: Quotient aus Niederschlagshöhe und Niederschlagsdauer.
Notwasserwege: Strömungsleitende Fließstrukturen, wie z.B. Gräben oder Straßen mit Bordstein- oder ande- ren Begrenzungen, die bei einer Überlastung der urbanen Entwässerung oder bei unkontrolliert zufließendem Außengebietswasser beaufschlagt werden, um dieses konzentriert und kontrolliert abzuleiten.
Oberflächenabfluss: Der Teil der abfließenden Wassermenge, der ohne eine Bodenpassage oberirdisch einem Vorfluter zuströmt (DIN 4049-3).
Open (Geo) Data: Für alle frei zugängliche Daten, die frei weiterverwendet werden können.
Peer-to-Peer-Beratung/-Learning: Hier sind die Teilnehmenden gleichberechtigt und begegnen sich auf Au- genhöhe. In direkter Kommunikation tauschen sich die Teilnehmenden untereinander über Wissen, Ideen und Erfahrungen aus und lernen voneinander.
Regendauer: ➞ Niederschlagsdauer
Regenhöhe: ➞ Niederschlagshöhe
Regenwasserversickerung: Im Gegensatz zur Ableitung in einen Kanal versickert Regenwasser hier im Boden und kann zur Grundwasserneubildung beitragen.
Retention: Stoff- oder Wasserrückhalt durch natürliche Gegebenheiten oder künstliche Maßnahmen.
Retentionsräume: Flächen, die bei Hochwasser oder Starkregen ohne Gefährdung der Bevölkerung oder erheb- liche Sachschäden überflutet werden können.
Risiko: Kombination der Wahrscheinlichkeit des Eintreffens einer Gefährdung und des Ausmaßes der potenziel- len nachteiligen Auswirkungen. Wird in der Starkregenvorsorge als Kombination von Überflutungsgefährdung und Schadenspotenzial verstanden.
Risikoanalyse: Systematisches Verfahren, um ein Risiko hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit des Eintreffens und des Ausmaßes der Folgen zu charakterisieren und wenn möglich zu quantifizieren. Dazu ist die Gefährdung und ihre Eintrittswahrscheinlichkeit zu identifizieren und das Ausmaß der damit zusammenhängenden möglichen Schäden abzuschätzen.
Risikobewertung: Verfahren, um die aus der Risikoanalyse gewonnenen Erkenntnisse mit Hilfe persönlicher oder kollektiver Kriterien auf ihre Akzeptabilität hin zu beurteilen. Die Bewertung kann qualitativ z.B. in Risiko- klassen oder quantitativ monetär erfolgen.
Risikogewässer: Gewässer, an denen Risikogebiete gemäß Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (EG-HWRM-RL) ermittelt wurden.
Risikokommunikation: Interaktiver Prozess des Austauschens von Wissen, Informationen und Meinungen über Gefahren und Risiken zwischen Betroffenen, Behörden und Fachleuten, mit dem Ziel, Bewusstsein und Verständ- nis zu schaffen und Maßnahmen zu entwickeln.
Rückstausicherung (Rückstausperre, Rückstauklappe): Verschluss, der verhindert, dass Wasser in ein Rohr, z.B. das ableitende Abwasserrohr eines Gebäudes, eindringt. Der Verschluss schließt sich selbsttätig bei einem Rückstau.
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 103
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1G8L OSLSITAERRATURVERZEICHNIS
Schaden: Negativ bewertete Konsequenz eines Ereignisses oder einer Handlung, z.B. der durch ein Starkregen- ereignis auftretende Wertverlust an Gebäuden, Infrastruktureinrichtungen und Flächen (abhängig von Siedlungs- dichte, Nutzung, Einstautiefe und Fließgeschwindigkeit).
Schadenspotenzial: Summe der möglichen materiellen (und gegebenenfalls immateriellen) geschädigten Wer- te und negativen Auswirkungen infolge einer Gefährdung, als Abschätzung des maximalen Ausmaßes, in dem Schutzgüter von Schaden betroffen sein können. Dabei sind Wert, Empfindlichkeit und Exposition der Schutz- güter zu betrachten. Die Abschätzung kann qualitativ z.B. in Schadenspotenzialklassen oder quantitativ monetär erfolgen. Das Ergebnis ist nicht gleichzusetzen mit dem tatsächlichen Schadensumfang infolge eines Ereignisses.
Starkregen: Regenereignisse, die in einzelnen Dauerstufen Regenhöhen mit Wiederkehrzeiten Tn ≥ 1 a aufweisen (DWA-M 119, 2016). Der DWD warnt vor Starkregen in drei Stufen, wenn voraussichtlich bestimmte Schwellen- werte überschritten werden: Regenmengen 15 bis 25 l/m² in 1 Stunde oder 20 bis 35 l/m² in 6 Stunden (markan- te Wetterwarnung) − Regenmengen > 25 bis 40 l/m² in 1 Stunde oder > 35 bis 60 l/m² in 6 Stunden (Unwetter- warnung) − Regenmengen > 40 l/m² in 1 Stunde oder > 60 l/m² in 6 Stunden (Warnung vor extremem Unwetter)
Starkregengefahrenanalyse: ➞ Gefährdungsanalyse
Starkregenindex (SRI): Der Starkregenindex stellt die Bewertung von verschiedenen Starkregenereignis- sen über die Intensität des Niederschlages vereinfacht und verständlich dar. Dafür werden Regenereignisse in 12 Stufen, den sogenannten Starkregenindizes zwischen 1 und 12 eingeteilt. Je intensiver der Starkregen, desto höher ist die Kennzahl des Starkregenindex. Durch den Starkregenindex lassen sichStarkregenereignisse besser miteinander vergleichen.
Starkregenrisiko: Kombination aus Eintrittswahrscheinlichkeit einer oberflächlichen Überflutung nach einem Starkregenereignis und den nachteiligen überflutungsbedingten potenziellen Folgen bzw. Schäden für Objekte oder Flächen (z.B. hinsichtlich menschlicher Gesundheit und Leben, Umwelt, Kulturgüter, Infrastruktur, Wohnen, Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe, …). ➞ Risiko
Strömungsdruck (Einheit m2/s): Produkt aus Fließgeschwindigkeit und Wasserstand. Hohe Strömungsdrücke können auch bei geringer Wassertiefe zum Ertrinken führen und können zu großen Schäden an Objekten führen.
Sturzflut: Plötzlich auftretende Überschwemmung von relativ zur Umgebung tiefer gelegenen Gebieten, bei- spielsweise Flusstälern oder Muldenlagen, als Folge eines Starkregenereignisses. Die hohe Fließgeschwindigkeit des Wassers entwickelt hierbei eine sehr große Kraft. Von einer Sturzflut wird gemäß DWD (2018) gesprochen, wenn zwischen ursächlichem Niederschlagsereignis und hereinbrechender Flut weniger als sechs Stunden ver- gehen.46
Topographische Analyse: Analyse eines Betrachtungsgebietes auf Basis seiner topographischen Gebietseigen- schaften. Damit werden die Auswirkungen von Starkregenereignissen ausschließlich anhand der Oberflächen- beschaffenheit ermittelt. Das Ergebnis zeigt Geländesenken und oberflächige Fließwege und ermittelt hydro- logische Teileinzugsgebiete, die auf Karten dargestellt werden können, um potenziell gefährdete Gebiete zu visualisieren oder die zur Planung weiterer Detailuntersuchungen dienen können.
Treibgut: Schwimmfähiges Material, das besonders bei Hochwasser, Überflutungen und Sturzfluten mittrans- portiert wird. Eine Gefährdung ergibt sich nicht nur durch Totholz, sondern auch durch Frischholz oder andere gelagerte Materialien (Müll, Schlagholz, Grünschnitt etc.). An Brücken und Durchlässen kann das Treibgut bei Überflutungen oder Hochwasser Verklausungen verursachen oder Einläufe blockieren.
46 https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/6/9.html
104 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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GLOSSAR
Überflutungsgefahr: Auftreten und Ausmaß möglicher Überflutungen aufgrund eines Starkregenereignisses, zum Beispiel in einer Gefahrenkarte als Wasserstand und/oder Fließgeschwindigkeit/Strömungsdruck darge- stellt.
Überschwemmungsgebiete: Gemäß § 76 Abs. 1 WHG definiert als „…Gebiete zwischen oberirdischen Gewäs- sern und Deichen oder Hochufern und sonstige Gebiete, die bei Hochwasser eines oberirdischen Gewässers überschwemmt oder durchflossen oder die für Hochwasserentlastung oder Rückhaltung beansprucht werden. Dies gilt nicht für Gebiete, die überwiegend von den Gezeiten beeinflusst sind, soweit durch Landesrecht nichts anderes bestimmt ist.“
Überschwemmungsgebiete (festgesetzt): Festgesetzte Überschwemmungsgebiete sind durch Rechtsverord- nung festgelegte und abgegrenzte Gebiete, in denen besondere Schutzvorschriften gelten (§ 78, § 78a, § 78c WHG). Es sind insbesondere Gebiete, in denen ein Hochwasserereignis statistisch einmal in 100 Jahren zu er- warten ist. Die Festsetzungen sind an neue Erkenntnisse anzupassen.
Überstau: Zustand, bei dem der Wasserstand die Geländeoberkante erreicht oder Wasser aus dem Kanalnetz auszutreten beginnt bzw. zufließendes Wasser nicht vom Kanalnetz aufgenommen werden kann.
Überstauhäufigkeit: Statistische Häufigkeit des Auftretens von Überstau.
Verklausung: Ansammlung von durch Wasser mobilisiertem Treibgut in/an Gewässern oder an Fließwegen außerhalb von Gewässern. Eine Verklausung kann eine teilweise oder vollständige Reduzierung der Abflusska- pazität zur Folge haben. Hierdurch kann es zu erheblichem Aufstau, Rückstau oder zu Umleitungen kommen.
Versiegelungsgrad: Anteil der bebauten Flächen innerhalb eines Gebietes, auf denen durch Gebäude, Verkehrs- flächen etc. keine natürliche Versickerung von Regenwasser stattfinden kann.
Vorflut: Möglichkeit des Wassers und Abwassers, mit natürlichem Gefälle oder durch künstliche Hebung abzu- fließen (natürliche und künstliche Vorflut).
Vorfluter: Der Vorflut dienendes Gewässer.
Vulnerabilität: Im Bereich der Naturrisiken beschreibt die Vulnerabilität die Verletzbarkeit und die möglichen Schäden im Ereignisfall. Damit bezieht sich die Vulnerabilität vorrangig auf den Menschen und seine Errungen- schaften (Mensch-Natur-Verhältnis) und nicht auf die Störung von Naturzusammenhängen.
Wiederkehrzeit/Jährlichkeit: Erwartete Häufigkeit eines Ereignisses, ausgedrückt als mittlere Wiederkehrzeit zwischen den Ereignissen, die einer festgelegten Größenordnung entspricht oder sie überschreitet.
Zwischenabfluss: Teil des Abflusses, der dem Vorfluter als Reaktion auf ein auslösendes Ereignis (Niederschlag oder Schneeschmelze) aus den oberflächennahen Bodenschichten zugeflossen ist (DIN 4049-3).
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 105
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1B9I LDLQITUEERLALTEUNRVERZEICHNIS
Titelbild: D. Wolff S. 10: Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz S. 11: Nds. Städte- und Gemeindebund NSGB S. 12: Fotolia/TJpix S. 16 und S. 87 oben: Hamburg Wasser S. 17 beide: Stadt Bad Salzdetfurth S. 21: Pixabay/422737 S. 22: UAN, 2024, verändert nach Arbeitshilfe kommunales Starkregenrisikomanagement NRW, 2018, auf Grundlage von LUBW, 2016, und DWA-M 119, 2016, sowie Schmitt et al., 2018 S. 23: verändert nach LUBW, 2016 © Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de S. 25: Illgen, 2018 S. 30: Stadt Osnabrück/Fachdienst Geodaten, Osnabrueck.de/starkregen S. 34, S. 35, S. 42 oben, S. 43 beide, S. 45, S. 59, S. 67 beide, S. 72, S. 74: erstellt im Rahmen des Pilotprojektes durch die Arbeitsgemeinschaft der Ingenieurbüros itwh, PFI, Emscher Wassertechnik S. 42 Bildcollage: Stadt Bad Salzdetfurth S. 46: Torben Kipp/Wasserschaden an einem Haus in Georgsmarienhütte, 22.05.2023 S. 60: picture alliance/247111181 S. 65: Illgen, 2015 S. 70: MUST Städtebau S. 84: UAN, 2023, Hintergrundgrafik: https://openclipart.org/download/297013/flooded_city.svg S. 87 unten: Abwassernetzwerk Rheinland S. 92: Fotolia
Alle sonstigen Fotos und Abbildungen, soweit nicht anders notiert: UAN
106 LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN
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DIGITALE ANLAGEN
• LF-DA_01: Muster-Leistungsbeschreibung • LF-DA_02: Muster-Steckbrief • LF-DA_03: Symbolkatalog kritische Objekte • LF-DA_04: Exkurs Niederschlags-Radardaten • LF-DA_05: Abgrenzung der Starkregenvorsorge zu den Aufgaben der Siedlungsentwässerung und der Hochwasservorsorge • LF-DA_06: Starkregenrisikomanagement - Flowchart und Erläuterung • LF-DA_07: Exkurs Schäden durch Erosion und Gerölltransport • LF-DA_08: Hinweise zu Regelungsmechanismen in der Bauleitplanung • LF-DA_09: Maßnahmen zur Starkregenvorsorge
LEITFADEN FÜR DIE KOMMUNALE STARKREGENVORSORGE IN NIEDERSACHSEN 107