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K
AMPFMITTELVORERKUNDUNG
Das Auswertungsgebiet im Luftbild vom 06.08.1945 (Flugnummer: 422-BS-4167-21, #3, Ausgangsmaßstab ca. 1:43.000)
„WERLAU-ST. GOAR, STRECKE 2630 (KM 122,4-124,2)“
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A
USWERTUNGSPROTOKOLL
Beweissicherung durch kombinierte Luftbild- und Aktenauswertung
Stufe 1: Kampfmittelvorerkundung & Stufe 2: Qualifizierte Verdachtsdokumentation
Auftraggeber: DB Netz AG Projekt: Werlau-St. Goar, Strecke 2630 (km 122,4- 124,2) Datum des Auftrages: 23.03.2017 Abgabedatum: 11.05.2017
- Gutachter: B.Sc.-Geogr. Toni Griep
- Gutachter: Dipl.-Geogr. Wolfgang Müller Unser Zeichen: 170130504 Bestellung: 0016 / FQ3 / 26876507 Rahmenvertragsnummer: 1000 / F80 / 92246764
Dieses Gutachten bleibt unbeschadet des Nutzungsrechtes des Auftraggebers geistiges Eigentum der LUFTBILDDATENBANK DR. CARLS GMBH. Die Weitergabe darf ausschließlich als Gesamtwerk in unveränderter Form erfolgen.
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Inhaltsverzeichnis
-
ZUSAMMENFASSUNG .......................................................................................... 3
-
AUFGABENSTELLUNG .......................................................................................... 3
-
AUSWERTUNGSGRUNDLAGEN ............................................................................. 4
3.1 Historische Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen .......................................... 4
3.2 Historische Luftaufnahmen ................................................................................ 4
3.3 Digitales Geländemodell .................................................................................. 5
3.4 Bewertung der Auswertungsgrundlagen .............................................................. 5
- ERGEBNISSE DER AUSWERTUNG ........................................................................... 6
4.1 Dokumentierte Kriegsereignisse ......................................................................... 6
4.2 Befunde der DGM- und Luftbildauswertung ........................................................ 6
-
FAZIT .................................................................................................................. 9
-
LITERATUR UND ARCHIVQUELLEN ........................................................................ 11
6.1 Standardliteratur zum Luft- und Bodenkrieg ....................................................... 11
6.2 Archive der ehemaligen Alliierten ..................................................................... 11
6.3 Internetquellen .............................................................................................. 12
6.4 Ergänzende Literatur mit spezieller Relevanz für das Auswertungsgebiet ................ 12
ANHANG I: DOKUMENTIERTE LUFTANGRIFFE ZU ST. GOAR .............................................. 13
ANHANG II: METHODIK DER LUFTBILDAUSWERTUNG ....................................................... 16
Ziel der Luftbildauswertung ...................................................................................... 16
Ursachen der potentiellen Kampfmittelbelastung ........................................................ 16
Arbeitsgrundlagen und deren Beschaffung ................................................................ 16
Vorgehensweise ..................................................................................................... 17
ANLAGE: ERGEBNISKARTE
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- ZUSAMMENFASSUNG
Das vorliegende Gutachten zu „Werlau-St. Goar, Strecke 2630 (km 122,4-124,2)“ wurde im Rahmen der historischen Kampfmittelvorerkundung erstellt. Es liefert Erkenntnisse über eine mögliche Belastung mit Kampfmitteln. Die Auswertung stützt sich auf 60 Luftaufnahmen vom 07.04.1940 bis 21.09.1945, ein digitales Geländemodell sowie schriftliche Quellen und führt zu folgenden Ergebnissen:
Im Projektgebiet „Werlau-St. Goar, Strecke 2630 (km 122,4-124,2)“ konnte eine potentielle Kampfmittelbelastung ermittelt werden. Auf insgesamt 300 m des 1,8 km langen Streckenabschnitts muss mit Bombenblindgänger gerechnet werden. Im gesamten Auswertungsgebiet besteht das Risiko auf blindgegangene Geschützgranaten und Munition zu stoßen. Im Umfeld der Brücke (km 124,2) besteht die Gefahr auf verstreute, nicht detonierte Sprengmittel zu stoßen.
Gemäß Arbeitshilfen Kampfmittelräumung besteht für die ausgewiesenen Bereiche weiterer Erkundungsbedarf (BMUB & BMVG 2014, AH KMR, S. 46). Zur Klärung der weiteren Vorgehensweise empfehlen wir die Konsultation des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Rheinland-Pfalz oder einer Fachfirma für die Kampfmittelbeseitigung. Diese muss über die Zulassung nach § 7 SprengG und entsprechendes Personal mit Befähigungsschein nach § 20 SprengG verfügen.
- AUFGABENSTELLUNG
Gegenstand der Luftbild- und Aktenauswertung ist ein Abschnitt der Bahnstrecke 2630 zwischen Kilometer 122,4 und 124,2 bei St. Goar in Rheinland-Pfalz vgl. Abb. 1:
Abb. 1: Lage des Streckenabschnitts (hellblau markiert) mit hinterlegtem aktuellen Luftbild (©2017 Microsoft Corporation) und im Luftbildmosaik vom 10.09.1944 (Flug-Nr. 106G-2736, #3255-3256, Ausgangsmaßstab ca. 1:8.500).
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Zur Ermittlung der potentiellen Kampfmittelbelastung sollen Unterlagen zum Zweiten Weltkrieg systematisch auf folgende Verursachungsszenarien untersucht werden: Luftangriffe, Bodenkämpfe, Munitionsvernichtung, militärischer Regelbetrieb, Munitionsproduktion und -lagerung (vgl. BMUB & BMVG 2014, AH KMR). Dazu zählen unter anderem Blindgängerverdachtspunkte, Bombentrichter, bombardierte Flächen, Gebäudeschäden, Spuren von Bodenkämpfen, militärisch genutzte Areale oder potentielle Entsorgungsbereiche.
- AUSWERTUNGSGRUNDLAGEN
3.1 Historische Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen
Ergänzend zu den historischen Luftbildern (vgl. Kap. 3.2) wurden firmeneigene historische Aktenkopien aus den Beständen der U.S. National Archives and Records Administration (NARA, College Park MD, amerikanisches Nationalarchiv), der U.S. Air Force Historical Research Agency (AFHRA, Maxwell AL, Archiv der amerikanischen Luftstreitkräfte), der Combined Arms Research Library (CARL, Fort Leavenworth, Kansas, Bibliothek der amerikanischen Armee), des The National Archive (TNA, Kew, britisches Nationalarchiv), des Bundesarchiv-Militärarchivs (BArch-MA, Freiburg, Archiv der Bundeswehr) sowie die firmeninterne Fachbibliothek (mehr als 550 Werke) und Internetquellen auf kriegsrelevante Informationen zu den Ortschaften „St. Goar“ und „Zu Fellen“ durchsucht (vgl. Kap. 4.1).
3.2 Historische Luftaufnahmen
Die Recherche der historischen Luftaufnahmen erfolgte in den britischen Archivbeständen des Joint Air Reconnaissance Intelligence Centre (JARIC) und der Allied Central Interpretation Unit (ACIU), der amerikanischen NARA, dem deutschen Bundesarchiv Koblenz (BAKO), der kanadischen National Air Photo Library Ottawa (NAPL), den niederländischen Luftbildsammlungen „Kadaster“ und „Wageningen“ sowie dem firmeneigenen Bestand der Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH.
Für das Projekt „Werlau-St. Goar, Strecke 2630 (km 122,4-124,2)“ wurden die in Tab. 1 aufgelisteten Luftbildserien ausgewertet. Die Aufnahmen liegen als digitale Scans in einer Auflösung von 1.200 dpi vor, um alle Bilddetails erfassen zu können (vgl. BMUB & BMVG 2014, AH KMR, S. 198). Die Bildpaare können zu stereoskopischen Auswertungszwecken verwendet werden:
Tab. 1: Liste der verwendeten Luftbilder
| Lfd. Nr. | Flug-Nr. | Flugdatum | Maßstab | Bild-Nr. | Menge | Bildpaare | Qualität/ | ||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| [ca. 1:X] | Bemerkung | ||||||||||||||||||||||
| 01 | HAA-013 | 07.04.1940 | 48.000 | 44 | 1 | - | gut | ||||||||||||||||
| 02 | A-601 | 17.04.1942 | 22.000 | 1001 | 1 | - | gut | ||||||||||||||||
| 03 | 7-2611 | 02.08.1944 | 60.000 | 8034 | 1 | - | gut | ||||||||||||||||
| 04 | 7-3103 | 26.08.1944 | 15.000 | 3010-3012 | 3 | 2 | gut | ||||||||||||||||
| 05 | 106G-2736 | 10.09.1944 | 8.500 | 3255-3256 | 2 | 1 | sehr gut | ||||||||||||||||
| 06 | 106G-2818 | 12.09.1944 | 9.500 | 3075-3078 | 4 | 3 | gut | ||||||||||||||||
| 07 | 7-3278 | 12.09.1944 | 10.000 | 2117-2118 | 2 | 1 | sehr gut | ||||||||||||||||
| 08 | 34-2948 | 29.09.1944 | 10.000 | 1119-1120 | 2 | 1 | sehr gut | ||||||||||||||||
| 09 | 106G-3277 | 07.10.1944 | 25.000 9.500 | 1024 3054-3056 3059 | 1 3 1 | - 2 - | gut | ||||||||||||||||
| 10 | 7-3727 | 26.12.1944 | 8.000 | 2075-2077 | 3 | 2 | gut |
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| Lfd. Nr. | Flug-Nr. | Flugdatum | Maßstab | Bild-Nr. | Menge | Bildpaare | Qualität/ | ||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| [ca. 1:X] | Bemerkung | ||||||||||||||||||||||
| 11 | 34-3231 | 27.12.1944 | 10.000 | 3069 4070-4071 | 1 2 | - 1 | gut | ||||||||||||||||
| 12 | 7-3759 | 02.01.1945 | 12.000 | 4009 | 1 | - | gut | ||||||||||||||||
| 13 | 106G-4468 | 23.02.1945 | 7.000 | 4082 4086-4087 | 1 2 | - 1 | sehr gut | ||||||||||||||||
| 14 | 31-4353 | 13.03.1945 | 9.500 | 1140-1141 | 2 | 1 | sehr gut | ||||||||||||||||
| 1146 | 1 | - | |||||||||||||||||||||
| 2073-2074 | 2 | 1 | |||||||||||||||||||||
| 15 | 31-4380 | 14.03.1945 | 10.000 | 1213-1214 | 2 | 1 | gut | ||||||||||||||||
| 16 | 31-4406 | 15.03.1945 | 10.000 | 1010-1012 | 3 | 2 | gut | ||||||||||||||||
| 17 | 7-177A | 15.03.1945 | 8.000 | 4083-4084 | 2 | 1 | sehr gut | ||||||||||||||||
| 18 | 31-4539 | 20.03.1945 | 10.000 | 1014-1015 | 2 | 1 | gut | ||||||||||||||||
| 1017 | 1 | - | |||||||||||||||||||||
| 19 | 31-4528 | 21.03.1945 | 10.000 | 2016-2020 | 5 | 4 | gut | ||||||||||||||||
| 20 | 7-082D | 24.03.1945 | 52.000 | 7092-7093 | 2 | 1 | mäßig | ||||||||||||||||
| 21 | 364-BS-1098-21 | 09.07.1945 | 40.000 | 163 | 1 | - | gut | ||||||||||||||||
| 22 | 422-BS-4167-21 | 06.08.1945 | 43.000 | 2-3 | 2 | 1 | gut | ||||||||||||||||
| 23 | 106G-LIB-327 | 21.09.1945 | 15.000 | 3184-3187 | 4 | 3 | sehr gut | ||||||||||||||||
| Summe: | 60 | 30 |
3.3 Digitales Geländemodell
Als Ergänzung zu den verfügbaren historischen Luftaufnahmen wurde ein Digitales Geländemodell (Abk. DGM; räumliche Auflösung 1 m; Höhenauflösung ca. 0,2 m; Quelle: LVERMGEO-RLP) beschafft, das aus aktuellen Laserscanning-Daten gewonnen wurde. Dieses ermöglicht im bewaldeten Bereich des Auswertungsgebietes.
Erfahrungsgemäß bleibt die Geländebeschaffenheit eines Waldes bei geringem Einfluss durch den Menschen über Jahrzehnte hinweg nahezu unverändert. Unter der Voraussetzung, dass der zu untersuchende Waldbereich seit dem Zweiten Weltkrieg besteht, können anhand eines DGM Hohlformen (z.B. Trichter) bzw. Vollformen (z.B. Bunkeranlagen aus der Kriegszeit) noch heute nachgewiesen werden. Eine Absicherung luftsichtiger Befunde bzw. eine genauere Abgrenzung von bombardierten Flächen im Wald wird hierdurch ermöglicht.
3.4 Bewertung der Auswertungsgrundlagen
Die Grundlage der ausgewerteten Luftbilder, Akten, Literatur und des DGMs ist sehr gut. Eine belastbare Aussage zur potentiellen Kampfmittelbelastung kann somit getroffen werden.
An schriftlichen Quellen stehen für das Auswertungsgebiet alliierte Akten aus der NARA und der AFHRA sowie regionale und überregionale Fachliteratur zur Verfügung. Diese Grundlagen liefern detaillierte Informationen zum Luft- und Bodenkrieg in der Gegend (vgl. Kap. 4.1).
Es liegen zahlreiche Luftbildserien von guter und sehr guter Qualität ab April 1940 vor. Die dokumentierten Luftangriffe (vgl. Kap. 4.1) können mit den ausgewählten Bildflügen nachvollzogen werden. Der Zeitraum nach Beendigung der Bodenkampfhandlungen wird durch drei Befliegungen ab dem 09.07.1945 dokumentiert.
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Das DGM ermöglicht im bewaldeten Teil des Auswertungsgebietes die Bewertung der heutigen Bodenoberfläche. Eine Absicherung luftsichtiger Befunde bzw. eine genauere Abgrenzung von bombardierten Flächen im Wald wird hierdurch erreicht.
- ERGEBNISSE DER AUSWERTUNG
4.1 Dokumentierte Kriegsereignisse
Die Auswertung der Archivalien und der Fachliteratur führte zu dem Ergebnis, dass St. Goar von strategischen und gegen Kriegsende auch von taktischen alliierten Luftangriffen betroffen war. Zwischen dem 17.06.1940 und dem 16.03.1945 sind mindestens 19 Angriffen dokumenitert. Ziele dabei waren der Schiffsverkehr sowie die Bahnstrecken an den Ufern des Rheins. Beispielsweise sind für den 14.03.1945 drei Angriffe der 9th USAAF dokumentiert, bei denen unter Verwendung von Sprengbomben und Luft-Boden-Raketen Schiffe und Züge bei St. Goar angegriffen wurden (AFHRA MF B5928). Eine ausführliche Angriffsliste ist dem ANHANG I zu entnehmen. Auch das Auswertungsgebiet war von Bombenabwürfen betroffen (vgl. Kap. 4.2).
St. Goar und dessen Stadtteile wurde am 16.03.1945 von Einheiten der 4th Armored und 90th Infantry Division der US-Army eingenommen (WILLIAMS 1994, S. 440; MICHELS 1985, S. 107). Bis zum 26.03.1945 lag das linksrheinische Ufer unter Artilleriebeschuss deutscher Einheiten, welche rechts des Rheins stationiert waren. Der Beschuss verursachte zahlreiche Gebäudeschäden im Ortsbereich St. Goars. In der Nacht auf den 27.03.1945 setzen amerikanische Truppen unter starkem Beschuss von Zu Fellen und St. Goar aus auf die gegenüberliegende Rheinseite über (HAUPT 1972, S. 83; MACK 2001, S. 227 f.; MICHELS 1985, S. 107; WILLIAMS 1994, S. 441; NARA, RG407, E427, BOX3394-95). Aufgrund des intensiven und dauerhaften gegenseiteigen Beschusses besteht im gesamten Projektgebiet das Risiko auf blindgegangene Geschützgranaten zu stoßen (vgl. ERGEBNISKARTE).
4.2 Befunde der DGM- und Luftbildauswertung
Zur Dokumentation der Auswertung wurden aus der Liste der verwendeten Bildserien (vgl. Tab. 1) die in Tabelle 2 aufgeführten Luftbilder digital aufbereitet und anhand eines digitalen Orthophotos georeferenziert. Die Lage des Bauprojektes (vgl. Abb. 1-4, hellblaue Markierung) wurde auf die historischen Luftbilder übertragen und mit einem Sicherheitspuffer von 50 Metern versehen (vgl. Abb. 1-4, dunkelblaue Markierung).
Tab. 2: Liste der georeferenzierten Luftbilder
| Lfd. Nr. | Flugdatum | Flug-Nr. | Bild-Nr. | Menge | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 27.12.1944 | 34-3231 | 3069 | 1 | ||||||||||
| 2 | 23.02.1945 | 106G-4468 | 4082 | 1 | ||||||||||
| 3 | 15.03.1945 | 31-4406 | 1010 | 1 | ||||||||||
| 4 | 21.09.1945 | 106G-LIB-327 | 3187 | 1 | ||||||||||
| Summe: | 4 |
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Abb. 2: Bombentrichter im nördlichen Streckenabschnitt bei km 122,4 und 122,8 im Kriegsluftbild vom 15.03.1945 (Flug- Nr. 31-4406, #1010), Ausgangsmaßstab ca. 1: 10.000.
Aus der visuellen Interpretation der in Tabelle 1 aufgeführten Luftaufnahmen sowie des DGMs lassen sich folgende Aussagen ableiten (vgl. Abb. 2-4):
-
Die Bahnstrecke 2630 besteht seit der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Der Gebäudebestand in St. Goar und Zu Fellen wurde zwischenzeitlich erweitert (vgl. Abb. 1 & 2).
-
Die Bodensicht ist durch Bebauung, Vegetation, die Topographie sowie deren Schattenfall teilweise eingeschränkt (vgl. Abb. 2 -4). Aufgrund der unterschiedlichen Aufnahmezeitpunkte der zahlreichen Luftbildserien (vgl. Tab. 1) können durch Schattenfall bedingte Erkenntnislücken minimiert werden. Für die bewaldeten Bereiche des Auswertungsgebietes wurde ein DGM (vgl. Kap. 3.3) hinzugezogen.
-
Mit Flug-Nr. 7-3727 vom 26.12.1944 (vgl. Tab. 1) lassen sich im Norden des Auswertungsgebietes (km 122,4) zwei Bombentrichter identifizieren, welche auf den Luftangriff vom 24.12.1944 (vgl. ANHANG I) zurückzuführen sind. Trichtergrößen zwischen 4 und 5 m lassen auf die Verwendung von 250 lb Sprengbomben schließen.
-
Ab dem 23.02.1945 (Flug-Nr. 106G-4468) sind im Süden ein beschädigtes Gebäude sowie ein Bombentrichter festzustellen (km 124,2), die aus den Angriffen im Februar 1945 (vgl. ANHANG I) resultieren.
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Abb.3: Bombentrichter und ein beschädigtes Gebäude im Auswertungsgebiet (blau markiert) im Kriegsluftbild vom 23.021945 (Flug-Nr. 106G-4468, #4082, Ausgangsmaßstab ca. 1:7.000).
-
Der Aufklärungsflug 31-4406 vom 15.03.1945 zeigt bei Kilometer 122,8 einen weiteren Bombentrichter, welcher von den Luftangriffen vom Vortag stammt. Der Trichterdurchmesser von etwa 8 m bestätigt den Abwurf von 500 lb Sprengbomben (vgl. ANHANG I).
-
Innerhalb der ausgewiesenen Sicherheitszone (vgl. ERGEBNISKARTE) mit einem Radius von 50 m um ermittelte Bombardierungen muss mit Bombenblindgängern gerechnet werden.
-
Die Luftbilder nach der Einnahme zeigen im Stadtteil „Zu Fellen“ ein zerstörtes Gebäude. Dieser Schaden ist auf die dokumentierten schweren Kämpfe im Zuge der Überquerung des Rheins zurückzuführen (vgl. Kap. 4.1 & Abb. 4). Flächenhafte Auswirkungen des Beschusses sind aufgrund des Übersichtsmaßstabes nach Nachkriegsbefliegungen sowie des zeitlichen Abstandes des Detailfluges 106G-LIB-327 nicht nachweißbar.
-
Bei km 124,2 ist mit Flug 106G-LIB-327 vom 21.09.1945 eine gesprengte Eisenbahnbrü- cke festzustellen. Im Umfeld dieser besteht die Gefahr auf versprengte, nicht detonierte Sprengmittel zu stoßen.
-
Dem DGM konnten keine zusätzlichen Hinweise auf eine potentielle Belastung des Auswer- tungsgebietes durch Kampfmittel entnommen werden.
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Abb.4: Ein durch Beschuss zerstörtes Gebäude im Auswertungsgebiet im Luftbild vom 21.09.1945 (Flug-Nr. 106G-LIB- 327, #3187, Ausgangsmaßstab ca. 1:15.000).
Tab. 3: Koordinatenliste der ermittelten Befunde (UTM Zone 32N)
| Lfd. Nr. | Befund | Rechtswert | Hochwert | A [m²] |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Bombentrichter | 406342 | 5558083 | 23 |
| 2 | Bombentrichter | 406339 | 5558064 | 22 |
| 3 | Bombentrichter | 406662 | 5557921 | 71 |
| 4 | Bombentrichter | 407558 | 5556834 | 22 |
| 5 | beschädigte Bausubstanz | 406243 | 5558189 | 975 |
| 6 | beschädigte Bausubstanz | 407466 | 5556866 | 432 |
| 7 | gesprengte Brücke | 407496 | 5556828 | 378 |
| Sicherheitszone im Gleisbereich 11.885 |
- FAZIT
Für das Projektgebiet „Werlau-St. Goar, Strecke 2630 (km 122,4-124,2)“ konnte nach Auswertung der verwendeten Luftbildserien und Unterlagen eine potentielle Kampfmittelbelastung ermittelt werden.
Es muss innerhalb der ausgewiesenen Sicherheitszone mit Bombenblindgängern gerechnet werden (Verursachungsszenario „Luftangriffe“). Dies betrifft den Bereich der in Tabelle 4 aufgeführten Streckenkilometer.
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Im gesamten Auswertungsgebiet besteht das Risiko auf blindgegangene Geschützgranaten und Munition zu stoßen (Verursachungsszenario „Bodenkämpfe“).
Im Umfeld der gesprengten Brücke besteht das Risiko auf verstreute, nicht detonierte Sprengmittel zu stoßen.
Alle ermittelten Befunde können der Ergebniskarte (vgl. ANLAGE) sowie entsprechend nummeriert der Koordinatenliste in Tabelle 3 entnommen werden.
Gemäß Arbeitshilfen Kampfmittelräumung besteht für die ausgewiesenen Bereiche weiterer Erkundungsbedarf (BMUB & BMVG 2014, AH KMR, S. 46). Zur Klärung der weiteren Vorgehensweise empfehlen wir die Konsultation des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Rheinland-Pfalz oder einer Fachfirma für die Kampfmittelbeseitigung. Diese muss über die Zulassung nach § 7 SprengG und entsprechendes Personal mit Befähigungsschein nach § 20 SprengG verfügen.
Tab. 4: Potentiell belastete Streckenkilometer
Sicherheitszone Bombardierung km 122,41 – 122,52 km 122,76 – 122,88 km 124,17 – 124,29 Sicherheitszone Artilleriebeschuss km 122,4 – 124,2
Diese Aussagen können nur auf die verwendeten Quellen bzw. Luftaufnahmen bezogen werden und lassen keine darüber hinausgehenden Schlussfolgerungen zu. Für die Ermittlung der tatsächlichen Kampfmittelbelastung kommen ausschließlich technische Methoden der Kampfmittelerkundung in Betracht.
(T. Griep) (W. Müller) B.Sc.-Geogr. Dipl.-Geogr.
- Gutachter 2. Gutachter
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- LITERATUR UND ARCHIVQUELLEN
6.1 Standardliteratur zum Luft- und Bodenkrieg BLÄSI, H. (1997): Einsätze des 42nd Bombardment Wing der 1st Tactical Air Force (P) gegen Ziele im Reich – 1. Dezember 1944 bis Mai 1945 (unveröffentlichte Zusammenstellung zur 12. U.S. Air Force). – ohne Ortsangabe.
- Auflistung der taktischen Angriffe der United States 12th Air Force.
CARTER, K.C. & MUELLER, R. (Hrsg., 1991): Combat Chronology 1941-1945 – U.S. Army Air Forces in World War II, 2. Aufl. – Washington D.C.
- Beschreibung der Operationen der US Army Air Forces.
DAVIS, R.G. (2006): Bombing the European Axis Powers: A Historical Digest of the Combined Bomber Offensive, 1939-1945. – Maxwell AL.
- Chronologische Zusammenfassung der alliierten Bomberoffensive.
FREEMAN, R.A. (1986): Mighty Eighth War Diary, 3. Aufl. – London.
- Beschreibung der Einsätze der United States 8th Air Force.
MEHNER, K. (Hrsg., 1984-1995): Die geheimen Tagesberichte der Deutschen Wehrmachtführung im Zweiten Weltkrieg 1939-1945, 12 Bände. – Osnabrück.
- Gegenseitige Lageberichterstattung von Wehrmachts-, Heeres- und Luftwaffenführung.
MIDDLEBROOK, M. & EVERITT, C. (1990): The Bomber Command War Diaries – An Operational Reference Book: 1939-1945, 2. Aufl. – London.
- Beschreibung der Angriffe der britischen Royal Air Force.
SCHNATZ, H. (1998): Einsätze der 9. BD, 9. AF über dem Reichsgebiet 12.09.1944-03.05.1945 (unveröffentlichtes Manuskript zur 9. US Air Force). – Koblenz.
- Auflistung der taktischen Angriffe der 9th Bomb Division, 9th United States Air Force.
WILLIAMS, M.H. (Hrsg., 1994): United States Army in World War II – Special Studies: Chronology 1941-1945. – Washington D.C.
- Chronologie zu weltweiten Vorgängen bei den US-Bodentruppen im Zweiten Weltkrieg.
6.2 Archive der ehemaligen Alliierten
AIR FORCE HISTORICAL RESEARCH AGENCY (AFHRA), Maxwell AL.
1ST TACAF COSUMS; Mikrofilm C5032
8TH AIR FORCE S.A. & K. REPORTS; Mikrofilme A5225 – A5240
8TH AIR FORCE MISSION REPORTS; Mikrofilme A5925 – A5999, B5000 – B5032
IX BOMBER COMMAND MISSIONS; Mikrofilme B5795 – B5810
IX TAC OPERATIONS SUMMARIES; Mikrofilme B5860 – B5861
XII TAC DAILY SUMMARIES OF OPERATIONS; Mikrofilme A6353 – A6355
15TH AIR FORCE WEEKLY OPERATION SUMMARIES; Mikrofilme A6379 – A6390
15TH AIR FORCE TARGET & DUTY SHEETS; Mikrofilme A6432 – A6434
15TH AIR FORCE MISSION REPORTS; Mikrofilme A6440 – A6515
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XIX TAC MISSION REPORTS; Mikrofilme B5909 – B5933
XXIX TAC MISSION REPORTS; Mikrofilme B5945 – B5962
NATIONAL ARCHIVES RECORDS ADMINISTRATION (NARA), College Park MD.
USSBS SEC 4/2N/4I, DAILY OPERATIONS OF RAF BOMBER COMMAND; RG 243/Entry 26/ Box15
USSBS SEC 4/3A, DAMAGE ASSESSMENT PHOTO INTELLIGENCE REPORTS OF EUROPEAN TARGETS; RG 243/Entry 27
WORLD WAR II OPERATIONS REPORTS, 1940 – 1948; RG 407/Entry 427
THE NATIONAL ARCHIVE (TNA), Kew GB.
SECOND TACTICAL AIR FORCE DAILY LOG; AIR 37/714 – 37/718
6.3 Internetquellen
BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ, BAU UND REAKTORSICHERHEIT (BMUB) & BUNDESMINISTERIUM DER VERTEIDIGUNG (BMVG) (Hrsg., 2014): Arbeitshilfen Kampfmittelräumung – Baufachliche Richtlinien zur wirtschaftlichen Erkundung, Planung und Räumung von Kampfmitteln auf Liegenschaften des Bundes (AH KMR). – Berlin & Bonn.
URL: http://www.arbeitshilfen-kampfmittelraeumung.de/downloads.html
6.4 Ergänzende Literatur mit spezieller Relevanz für das Auswertungsgebiet
HAUPT, W. (1972): Das Ende im Westen 1945 – Bildchronik vom Kampf in Westdeutschland. – Dorheim.
MACK, H.-J. (2001): Das Kriegsende in Rheinland-Pfalz. Kämpfe und Besetzung 1945. – Mainz.
MICHELS, W.K. (1985): Die Heimat in Scherben – Kriegsende an Rhein und Mosel 1945. – Koblenz.
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ANHANG I: DOKUMENTIERTE LUFTANGRIFFE ZU ST. GOAR
| Lfd. Nr. | Datum | Einheit | Bewaffnung | Ziel | Bemerkung | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 17/18.06.1940 | RAF | Sankt Goar | „St. Goar: 1 Fischdampfer versenkt.“ (Mehner, S. 74) | MEHNER BAND 2 | |
| „St. Goarshausen: 1 Sprengbomben | ||||||
| Sankt | auf rechtsrheinische Bahnstrecke, | |||||
| 2 | 29/30.07.1940 | RAF | MEHNER BAND 2 | |||
| Goarshausen | kurze Zugverkehrunterbrechung.“ | |||||
| (Mehner, S. 152) | ||||||
| 3 | 09.09.1944 | Werlau | „In Werlau griffen am 9. September 11 Jagdbomber bei der Blockstelle ein Wehrmachtstransportzug an, wobei die Lokomotive betriebsunfähig geschossen wurde und der Heizer den Tod fand.“ (Wagner, S. 247) | WAGNER | ||
| Koblenz - | ||||||
| Lokomotiven und Schiffe zerstört. P38 | ||||||
| US 9 AF, | 4 x 500 lb GP | Sankt Goar, | AFHRA MF | |||
| 4 | 14.09.1944 | Flugzeuge beteiligt (20 mm | ||||
| IX TAC | (8-11 sec) | Schiffs und | B5861 | |||
| Bordwaffen). | ||||||
| Bahnverkehr | ||||||
| 5 | 19.11.1944 | US 9 AF, XIX TAC | 16 x 500 lb GP | Sankt Goar Bahnhof | 10 Güterwagon und ein Lagerhaus im Bahnhof Sankt Goar zerstört. | AFHRA MF B5916 |
| 12 x 500 lb GP | Sankt | AFHRA MF | ||||
| 6 | 12.12.1944 | US 8 AF | ||||
| (1/10 x 1/100) | Goarshausen | B5008 | ||||
| 7 | 24.12.1944 | Sankt Goar | „16.30 Uhr. Tiefflieger im Rheintal. Bordwaffenbeschuß, Bomben in nordwestlicher Richtung, wie später bekannt wird, sind einige Bomben in Sankt Goar gefallen. Ziemliche Häuserschäden, keine Personenverluste.“ (Geschichtsverein Bacharach, S. 12) | GESCHICHTSVEREIN BACHARACH | ||
| 38 x 100 lb GP | „Bombs dropped by one A/C on St | AFHRA MF | ||||
| 8 | 10.01.1945 | US 8 AF | Sankt Goar | |||
| (NN x 1/40) | Gour.“ | B5014 | ||||
| 9 | 02.02.1945 | US 9 AF, XIX TAC | 24 x 500 lb GP | Sankt Goar Umgebung Bahnanlagen | Bombardierung zweier Eisenbahnzüge in der Nähe von Sankt Goar. Zwei Streckenunterbrechungen. | AFHRA MF B5923 |
| Bombardierung von Sankt Goar und | ||||||
| Abwurf einer Bombe auf zahlreiche | ||||||
| Sankt Goar, | Flussschiffe Flussabwärts bei der | |||||
| US 9 AF, | 7 x 1.000 lb GP, | AFHRA MF | ||||
| 10 | 02.02.1945 | Wellmich | Koordinate wL9673, etwa auf Höhe | |||
| XIX TAC | 1 x 500 lb GP | B5923 | ||||
| Flussverkehr | von Wellmich. | |||||
| P38 Flugzeuge beteiligt (20 mm | ||||||
| Bordwaffen). | ||||||
| 11 | 10.02.1945 | US 9 AF | 84 x 100 lb GP | Sankt Goar | AFHRA MF B5008, SCHNATZ | |
| Erhebliche technische Probleme mit | ||||||
| 30 x 2.000 lb | der Navigationsausrüstung. | |||||
| AFHRA MF | ||||||
| GP | Bombenabwurf ohne Sicht. | |||||
| 12 | 19.02.1945 | US 9 AF | Wellmich | B5795, | ||
| (1/10 x ND), | Grob geschätzt bei der Koordinate | |||||
| SCHNATZ | ||||||
| 4 x 500 lb GP | wL975745, etwa auf Höhe von | |||||
| Wellmich. |
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| Lfd. Nr. | Datum | Einheit | Bewaffnung | Ziel | Bemerkung | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 13 | 22.02.1945 | US 9 AF, XIX TAC | 8 x 500 lb GP, 8 x 500 lb IB M76 | Sankt Goar | Bombardierung von Lagerhäusern und Flussschiffen in Sankt Goar. | AFHRA MF B5926 |
| 7 x 500 lb GP | ||||||
| (1/10 x 1/100), | Beim erstgenannten Angriff wird | |||||
| Sankt | ||||||
| 7 x 500 lb IB | "Goarsheim" als Gelegenheitsziel | |||||
| Goarshausen | ||||||
| M17 | angegeben. Vermutlich Sankt | |||||
| Goarshausen gemeint. | AFHRA MF | |||||
| 14 | 28.02.1945 | US 8 AF | ||||
| 14 x 500 lb GP | Beim zweiten aufgeführten Angriff ist | B5020 | ||||
| Sankt | ||||||
| MK12 | als Ziel die Koordinate 50° 10' N 7° | |||||
| Goarshausen, | ||||||
| (1/00 x 1/100) | 43' O angegeben, etwa zwischen | |||||
| Nochern | ||||||
| oder 500 lb GP | Nochern und Sankt Goarshausen. | |||||
| (1/10 x 1/100) | ||||||
| 15 | 09.03.1945 | US 9 AF | 136 x 500 lb GP (1/10 x 1/100) | AFHRA MF B5806, SCHNATZ | ||
| Bombardierung von Flusschiffen bei | ||||||
| US 9 AF, | 4 x 500 lb IB | Sankt Goar | AFHRA MF | |||
| 16 | 14.03.1945 | der Koordinate wL9972 bei Sankt | ||||
| XIX TAC | M76 | Schiffsverkehr | B5928 | |||
| Goar. Beschädigung der Stadt. | ||||||
| 17 | 14.03.1945 | US 9 AF, XIX TAC | 3 x 500 lb GP | Sankt Goar, Sankt Goarshausen Bahnverkehr | Bombardierung von Bahnverkehr bei der Koordinate wL9872 in der Nähe von Sankt Goar, bzw. Sankt Goarshausen. | AFHRA MF B5928 |
| „4x500 GP, 8xM27, 16 rockets, all | ||||||
| 4 x 500 lb GP, | ||||||
| Bombardierung von Bahnverkehr bei | ||||||
| US 9 AF, | 9 x 500 lb Frag | Wellmich | AFHRA MF | |||
| 18 | 14.03.1945 | der Koordinate wL9674 in der Nähe | ||||
| XIX TAC | M27, | Bahnverkehr | B5928 | |||
| von Wellmich. Eine | ||||||
| 16 x Rockets | ||||||
| Streckenunterbrechung. | ||||||
| 19 | 16.03.1945 | Sankt Goarshausen, An der Lorelay | „Mit Brand- und Sprengbomben deckt man am 16. März St. Goarshausen ein. Im Hafen an der Loreley lagen 73 Fahrzeuge, die meisten wurden durch Sprengung versenkt.“ (Geschichtsverein Bacharach, S. 42) | GESCHICHTSVEREIN BACHARACH |
Abkürzungen:
Bewaffnung: FRAG Splitterbomben GP General Purpose, Sprengbomben IB Incendiary Bombs, Brandbomben Rockets Luft-Boden Raketen
M1A1 Clustersplitterbombe, bestehend aus 6 x 20 lb M41 Splitterbomben M17 Clusterbrandbombe, bestehend aus 110 x 4 lb Stabbrandbomben M27 Clustersplitterbombe, bestehend aus 6 x 90 lb M82 Splitterbomben M76 500 lb Brandbombe M82 90 lb Splitterbombe
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Einheiten: RAF britische Royal Air Force, vorwiegend strategische Bomber US 8 AF 8th Air Force der United States Army Air Force USAAF US 9 AF 9th Air Force der United States Army Air Force USAAF IX TAC IX Tactical Air Command der US 9 AF XIX TAC XIX Tactical Air Command der US 9 AF
Zusätzliche Quellen: GESCHICHTSVEREIN VEREIN FÜR DIE GESCHICHTE DER STADT BACHARACH UND DER VIERTÄLER E.V. (1995): … vor 50 Jahren – BACHARACH Kriegsereignisse im Amt Bacharach 1939 – 1945. – Bacharach. WAGNER WAGNER, W. (1995): Krieg in der Heimat – Die Endphase des 2. Weltkrieges im Mosel-Rhein- Hunsrück-Raum. – Simmern.
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ANHANG II: METHODIK DER LUFTBILDAUSWERTUNG
Ziel der Luftbildauswertung
Die vorliegende Luftbildinterpretation im Zuge der Kampfmittelvorerkundung hat die Erfassung und Lokalisierung von luftsichtigen Kriegsschäden und Belastungen des Untergrundes infolge von Kriegsereignissen des Zweiten Weltkriegs zum Ziel.
Ursachen der potentiellen Kampfmittelbelastung
Die Ursachen für mögliche Belastungen des Untergrundes mit Kampfmitteln lassen sich in erster Linie auf Angriffe der alliierten strategischen und taktischen Bomberverbände zurückführen.
Aufgrund des hohen Gefahrenpotentials, das auch heute noch besonders von Sprengbomben- blindgängern ausgeht, ist in den von diesem Bombentyp betroffenen Bereichen von einer hohen potentiellen Kampfmittelbelastung auszugehen. Im Gegensatz dazu ist die Gefährdung, die durch Blindgänger von Brandbomben verursacht wird, als wesentlich geringer einzuschätzen.
Aus der Fachliteratur geht hervor, dass ca. 10-15 % aller im Zweiten Weltkrieg abgeworfenen Sprengbomben nicht zur Detonation gelangten. In einem nachweislich bombardierten Gebiet muss deshalb immer mit Blindgängern gerechnet werden, auch wenn sie luftsichtig nicht (mehr) zu erkennen sind. In der Praxis hat sich eine Sicherheitszone von etwa 50 m um einen ermittelten Befund bewährt. In diesem sogenannten Nahbereich muss verstärkt mit Blindgängern gerechnet werden, die in das Erdreich eingedrungen sein können. Die bei der Luftbildauswertung ermittelten Sprengbombeneinwirkungen (Blindgängerverdachtspunkte, Bombentrichter, zerstörte Bausubstanz, bombardierte Flächen) werden um 50 m gepuffert, um eine erhöhte Sicherheit der Befunde gewähren zu können.
Neben den Auswirkungen der Luftangriffe müssen im Rahmen einer räumlich differenzierten Beurteilung der möglichen Kampfmittelbelastung auch kampfmittelrelevante Flächennutzungen berücksichtigt werden. Dabei handelt es sich insbesondere um Teilflächen, auf denen mit Munition bzw. konventionellen Sprengstoffen jedweder Art umgegangen wurde oder umgegangen worden sein könnte. Aus diesem Grund werden bei der Erfassung der potentiellen Kampfmittelbelastung auch militärisch genutzte Areale (Flakstellungen, Kasernen, Übungsgelände, etc.) und potentielle Entsorgungsbereiche (z.B. Hohlformen, geschobene Flächen) sowie Bodenkämpfe berücksichtigt. Generell ist zu berücksichtigen, dass Brücken im Vorfeld der Einnahme häufig zur Sprengung vorbereitet und an den Widerlagern Sprengmittel angebracht, jedoch nicht gezündet wurden.
Arbeitsgrundlagen und deren Beschaffung
Luftbilder
Für die multitemporale Luftbildauswertung werden, soweit verfügbar, mehrere Luftbildserien aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges als hochaufgelöste Scans (1.200 dpi) beschafft.
Dem Erwerb der Luftbilder geht eine EDV-gestützte Luftbildrecherche voraus. Die zugrunde liegenden Daten stammen aus dem Bestand der nationalen und internationalen Luftbildarchive (englische Archive JARIC, ACIU, MAPRW, amerikanisches Archiv NARA, Archiv Kanada, Archiv Holland, Bundesarchiv Koblenz und firmeneigener Bestand der Luftbilddatenbank).
Auf Basis der Recherche wird eine Bildauswahl getroffen, die eine möglichst gute zeitliche Abdeckung (multitemporal) des gesamten Kriegszeitraums gewährleisten soll. Hierdurch können
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Schäden an Gebäuden sowie Veränderungen der Bodenoberfläche dokumentiert werden, welche einen Hinweis auf Bombardierungen liefern. Bombardierungsschäden wurden nach einem Luftangriff teilweise sehr rasch behoben. Je länger die Zeitspanne zwischen einem Angriff und verfügbaren Luftaufnahmen ist, umso schwieriger sind Bombardierungsschäden nachzuweisen. In manchen Fällen wurden Schäden annähernd spurenlos beseitigt. Neben einer möglichst zeitlich differenzierten Abdeckung wird die Beschaffung von Bildflügen kurz nach dokumentierten Bombardierungen angestrebt. Erkenntnislücken können aus nicht verfügbaren Luftbildserien bzw. nicht beflogenen Zeiträumen resultieren.
Um die letzten Kriegseinwirkungen durch Bodenkämpfe innerhalb eines Untersuchungsgebietes erfassen und den Endbombardierungszustand feststellen zu können, werden – soweit verfügbar – frühestmögliche Bildflüge aus der Nachkriegszeit beschafft.
Akten und Literatur
Zusätzlich zur Luftbildauswertung werden schriftliche Dokumentationen zu verschiedenen Kriegsereignissen hinzugezogen sowie eine Internet- und Gemeinderecherche durchgeführt. Die Ergebnisse liefern hilfreiche Ergänzungen zur multitemporalen Luftbildauswertung. Sie verhelfen zu einem schlüssigen Gesamtbild der Kriegsgeschehnisse innerhalb einer Region bzw. einer Ortschaft.
Die historischen Akten des US-Nationalarchives (NARA), des britischen Nationalarchives (TNA) und der Air Force Historical Research Agency (AFHRA) geben Informationen zu im Zweiten Weltkrieg durchgeführten Aufklärungsflügen sowie zu strategischen und taktischen Luftangriffen. Zum Teil wurden die Akten der taktischen Lufteinheiten verortet und können über ein Geographisches Informationssystem (GIS) abgefragt werden. In Kombination mit den gewonnenen Luftbildbefunden dienen sie als wichtige Interpretationshilfe.
Vorgehensweise
Die visuelle Interpretation der Kriegsluftbilder erfolgt unter Verwendung des Geographischen In- formationssystems ArcGIS 10.4 (ESRI, digital). Mit Hilfe von Bildpaaren kann eine stereoskopische Auswertung durchgeführt werden, wodurch Bildfehler aufgedeckt und Bombardierungsschäden infolge des räumlichen Eindrucks gut identifiziert werden können. Im Vorfeld wird eine digitale Aufbereitung der Luftbilder mittels Adobe Photoshop durchgeführt.
Im Fokus der Luftbildauswertung stehen neben Blindgängerverdachtspunkten unter anderem Bombentrichter, beschädigte Gebäude, Flakstellungen, Flächen mit Hinweisen auf Artilleriebeschuss und Laufgräben. Das hierbei abgeleitete Schadenspotential soll Hinweise auf räumliche Schwerpunkte möglicher Belastungen mit Kampfmitteln geben. In manchen Fällen können bzgl. der potentiellen Kampfmittelbelastung lediglich Verdachtsflächen festgehalten werden.
Anschließend werden die Befunde der Luftbildauswertung mit Hilfe des GIS digital in die Karten- grundlage übertragen.
Die Ergebnisse der Luftbildauswertung werden mit den Ergebnissen der Akten- und Literaturaus- wertung abgeglichen. Daraus erfolgt eine Bewertung der potentiellen Kampfmittelbelastung für das Projektgebiet sowie eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen.
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