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Security-Guide für digitale Services
Richtlinie Security für digitale Services
Version 02.95.00
- M(cid:228)rz 2026
(cid:17)Zufall ist ein Wort ohne Sinn;
nichts kann ohne Ursache existieren.(cid:17)
Philosophisches Taschenw(cid:246)rterbuch Band 6, Artikel Philosophie, Sektion IV (deutsche (cid:220)bersetzung), 1764, Voltaire (1694-1778), eigtl. Fran(cid:231)ois-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller
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Security-Guide KAPITEL 16. SIGNATUREN
Kapitel 16
Signaturen
16.1 Grundlagen
[SOLL] F(cid:252)rdigitaleDokumentegibtesverschiedeneArtenvonSignaturen,diesichnachrechtlicher Verbindlichkeit, Sicherheitsniveau und technischer Umsetzung unterscheiden.
16.2 Signaturtypen f(cid:252)r Dokumente
16.2.1 Einfache elektronische Signatur (EES)
Die EES ist jede Form elektronischer Daten, die zur Unterzeichnung genutzt wird. Zum Beispiel eingescannte Unterschriften, Checkboxen ((cid:17)Ich stimme zu(cid:17)) oder einfache Namen unter E-Mails.
Ziel NiederschwelligeFormzurKenntlichmachungeinerZustimmungoderWillenserkl(cid:228)rung ohne hohen Sicherheitsanspruch.
16.2.2 Fortgeschrittene elektronische Signatur (FES)
Die FES ist eindeutig einer Person zugeordnet, erm(cid:246)glicht ihre Identi(cid:28)zierung und erkennt ˜nderungen am Dokument nach der Signatur. Sie basiert meist auf kryptogra(cid:28)schen Ver- fahren mit pers(cid:246)nlichem Schl(cid:252)ssel.
Ziel H(cid:246)here Beweiskraft und Sicherheit als EES, geeignet f(cid:252)r vertrauliche oder rechtlich relevante Dokumente, z.B. Gesch(cid:228)ftsvertr(cid:228)ge.
16.2.3 Quali(cid:28)zierte elektronische Signatur (QES)
Die QES erf(cid:252)llt alle Anforderungen der FES und basiert zus(cid:228)tzlich auf einem quali(cid:28)zierten Zerti(cid:28)kat einer anerkannten Vertrauensstelle. Sie erfordert eine (cid:252)berpr(cid:252)fte Identi(cid:28)zierung (z.B. eID, VideoIdent).
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Security-Guide KAPITEL 16. SIGNATUREN
Ziel Rechtsverbindliche digitale Unterschrift mit gleichem Stellenwert wie eine handschrift- liche Unterschrift (cid:21) z.B. f(cid:252)r Beh(cid:246)rden, Gerichte, notarielle Vorg(cid:228)nge.
16.2.4 Digitale Signatur (im engeren technischen Sinn)
Dies ist ein kryptogra(cid:28)sches Verfahren, bei dem mit einem privaten Schl(cid:252)ssel ein Hashwert des Dokuments signiert wird. Es dient prim(cid:228)r der Integrit(cid:228)tspr(cid:252)fung und Authentizit(cid:228)t.
Ziel Nachweis, dass ein Dokument unver(cid:228)ndert ist und vom angegebenen Absender stammt unabh(cid:228)ngig von rechtlicher Verbindlichkeit. Grundlage aller oben genannten Signatu- rarten.
16.2.5 (cid:220)bersicht
16.2.5.1 Dokumente (z.B. PDFs, Vertr(cid:228)ge, Bescheide)
| Signaturart | geeignet f(cid:252)r | Rechtswirkung | Tools/Formate |
|---|---|---|---|
| Einfache elektro- nische Signatur (EES) | Interne Freigaben, informelle Schreiben | Gering (cid:21) anfechtbar | PDF-Tools (Adobe, Foxit), Word |
| Fortgeschrittene elektronische Si- gnatur (FES) | Gesch(cid:228)ftliche Do- kumente, sensible Unterlagen | Beweiskr(cid:228)ftig, mittle- res Sicherheitsniveau | DocuSign, FP Sign, Adobe Sign |
| Quali(cid:28)zierte elek- tronische Signatur (QES) | Vertr(cid:228)ge mit hoher Rechtsverbindlich- keit, beh(cid:246)rdliche Ak- te | Gleichwertig zur handschriftlichen Unterschrift | D-Trust, A-Trust, SwissSign, EU- zerti(cid:28)zierte Anbieter |
| Digitale Signatur (technisch) | Integrit(cid:228)tssicherung (z.B. bei Formula- ren, Gutachten) | Technisch sicher, rechtlich je nach Zer- ti(cid:28)kat | Signieren per OpenSSL, PGP, S/MIME |
Tabelle 16.1: (cid:220)bersicht Signaturen f(cid:252)r Dokumente
16.2.5.2 E-Mails
| Methode | Zweck | geeignet f(cid:252)r | Tools/Technologien |
|---|---|---|---|
| S/MIME | Digitale Signatur + Verschl(cid:252)sselung | Gesch(cid:228)fts- kommunikation, Be- h(cid:246)rden, Justiz | Outlook, Thunder- bird, Apple Mail |
| PGP/GPG (OpenPGP) | Signatur + Ver- schl(cid:252)sselung | Entwickler, Aktivis- ten, IT-Security | Thunderbird mit Enigmail, Gpg4win |
| Signatur- Bild/Disclaimer | Keine echte Signatur, nur visuell | Marketing, nicht rechtlich bindend | Outlook, Mail- Templates |
Tabelle 16.2: (cid:220)bersicht Signaturen f(cid:252)r E-Mails
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Security-Guide KAPITEL 16. SIGNATUREN
16.3 spezielle Signaturtypen
16.3.1 Sichtbare vs. unsichtbare Signatur
• Sichtbare Signatur: Unterschriftenfeld mit Name, Datum etc. im PDF.
• Unsichtbare Signatur: In den Metadaten des Dokuments eingebettet und dient der Integrit(cid:228)tspr(cid:252)fung.
16.3.2 Zeitstempel (Timestamp)
• Erg(cid:228)nzung zur Signatur zur Best(cid:228)tigung des genauen Signaturzeitpunkts.
• Besonders wichtig f(cid:252)r Langzeitarchivierung oder gerichtliche Nachweise.
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Security-Guide KAPITEL 23. WEB-INFRASTRUKTUR
Kapitel 23
Web-Infrastruktur
23.1 Grundlagen
[MUSS] Diese Richtlinie de(cid:28)niert die verbindlichen technischen und organisatorischen Anforderun- gen an die Informationssicherheit und die forensische Handlungsf(cid:228)higkeit f(cid:252)r den Betrieb der Web-Infrastruktur sowie der zugeh(cid:246)rigen Autorensysteme.
AufgrundderEinstufungdesZielsystemsalswesentlicheEinrichtunggem(cid:228)(cid:255)NIS-2-Richtlinie [25] [26] bzw. als Kritische Infrastruktur (KRITIS) [6] ist die Umsetzung des Stands der Technik zwingend. Die Richtlinie adressiert zudem die Anforderungen zur Verarbeitung von Sozialdaten gem(cid:228)(cid:255) (cid:159) 393 SGB V [2] sowie den Schutz besonderer Kategorien perso- nenbezogener Daten gem(cid:228)(cid:255) Art. 9 DSGVO [27].
23.2 Infrastruktur und Digitale Souver(cid:228)nit(cid:228)t
23.2.1 Hosting und Datenresidenz
[SOLL] S(cid:228)mtliche Instanzen der Applikations- und Datenbankebene sowie alle Backup-Systeme m(cid:252)ssen innerhalb der Europ(cid:228)ischen Union (EU) betrieben werden. Der Einsatz von US- amerikanischen Hyperscalern (z.B. AWS, Azure, Google Cloud Platform) ist, ungeachtet desRechenzentrumsstandorts,aufgrunddesKon(cid:29)iktpotenzialsmitdemUSCloudActund der angestrebten digitalen Souver(cid:228)nit(cid:228)t zu vermeiden.
23.2.2 Cloud-Compliance (BSI C5)
[MUSS] Sofern Cloud-Dienste (IaaS, PaaS oder SaaS f(cid:252)r Autorensysteme) zum Einsatz kommen, muss der Anbieter ein g(cid:252)ltiges Testat gem(cid:228)(cid:255) dem BSI Cloud Computing Compliance Cri- teria Catalogue (C5) vorlegen. Dies ist Voraussetzung f(cid:252)r die optionale Verarbeitung von Sozialdaten.
23.2.3 Netzsegmentierung
[MUSS] Die Infrastruktur ist in logisch getrennte Zonen (DMZ, Applikation, Datenhaltung) zu un- terteilen. Der Datenaustausch zwischen den Zonen erfolgt nach dem Prinzip des geringsten Privilegs (Least Privilege) (cid:252)ber zustandsorientierte Firewalls mit einem (cid:17)Default Deny(cid:17)- Regelwerk.
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Security-Guide KAPITEL 23. WEB-INFRASTRUKTUR
23.3 Applikations- und Schnittstellensicherheit
23.3.1 Web Application Firewall (WAF)
[SOLL] Der Web-Infrastruktur ist eine WAF vorzuschalten. Diese soll das OWASP ModSecurity Core Rule Set (CRS) im Paranoia-Level 2 oder h(cid:246)her anwenden. Ein prozessual de(cid:28)niertes False-Positive-Handling sowie ein kontinuierliches Tuning der Regeln sind sicherzustellen.
23.3.2 Container- und DevOps-Security
[MUSS] Bei Nutzung von Container-Technologien m(cid:252)ssen Images automatisiert auf Schwachstellen (CVE) gepr(cid:252)ft werden. Die Kon(cid:28)guration der Infrastruktur (IaC) ist vor dem Deployment gegen Sicherheits-Best-Practices zu pr(cid:252)fen.
23.3.3 API-Sicherheit
[MUSS] Schnittstellen m(cid:252)ssen eine strikte Validierung von Eingangs- und Ausgangsdaten (In- put/Output Validation) vollziehen. Die Authenti(cid:28)zierung erfolgt (cid:252)ber gesicherte Protokolle (OAuth 2.0, mTLS oder JWT).
23.4 Kryptographie und Identit(cid:228)tsmanagement
23.4.1 Schl(cid:252)sselmanagement (KMS/HSM)
[MUSS] Kryptogra(cid:28)scheSchl(cid:252)sselsindineinemnachFIPS140-2Level3[28]zerti(cid:28)ziertenHardware- Sicherheitsmodul (HSM) oder einem (cid:228)quivalenten Key Management System KMS) zu ver- walten. Eine logische Trennung zwischen Schl(cid:252)ssel- und Datenebene ist zwingend. Master- Keys unterliegen einem j(cid:228)hrlichen Rotationszyklus gem(cid:228)(cid:255) BSI TR-02102-1 [29].
23.4.2 Secrets Management
[MUSS] Die Speicherung von Identit(cid:228)tsmerkmalen, API-Schl(cid:252)sseln oder Datenbank-Credentials im Quellcode ist untersagt. Der Zugri(cid:27) erfolgt (cid:252)ber einen zentralen Secrets-Management- Dienst mit automatisierter Rotation.
23.4.3 Identit(cid:228)tsmanagement und MFA
[MUSS] AdministrativeZugri(cid:27)em(cid:252)ssen(cid:252)bereinenzentralenIdentityProvider(IdP)mittelsphishing- resistenter Multi-Faktor-Authenti(cid:28)zierung (MFA), bevorzugt FIDO2 oder hardwarebasier- te Token, abgesichert werden. F(cid:252)r cloud-basierte Autorensysteme sind ausschlie(cid:255)lich (cid:17)Fe- derated IDs(cid:17) (z.B. EntraID) zu verwenden.
23.5 Datenerfassung und Transfer
23.5.1 Zero-Knowledge-Verschl(cid:252)sselung
[SOLL] Sensible Nutzerdaten aus Formularen sind unmittelbar nach der Erfassung auf Applikati- onsebene asymmetrisch zu verschl(cid:252)sseln (z.B. RSA-4096). Der private Schl(cid:252)ssel verbleibt ausschlie(cid:255)lich in der Sph(cid:228)re des Auftraggebers.
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Security-Guide KAPITEL 23. WEB-INFRASTRUKTUR
23.5.2 Datentransfer (E-Mail und VPN)
[MUSS] Der Transfer verschl(cid:252)sselter Datenpakete an den Auftraggeber erfolgt via E-Mail. Die be- teiligten Mail-Gateways m(cid:252)ssen eine Transportverschl(cid:252)sselung mittels mTLS oder Forced TLS erzwingen. Optional ist eine Site-to-Site VPN-Verbindung bereitzustellen.
23.6 Detektion, Forensik und Incident Response
23.6.1 SOC-Anbindung und SzA
[MUSS] Der Auftragnehmer implementiert ein System zur Angri(cid:27)serkennung (SzA). Detektierte Sicherheitsereignisse sind in Echtzeit an die de(cid:28)nierte Meldestelle des Auftraggeber-SOC (SecurityOperationsCenter) zu(cid:252)bermitteln.DieWeiterleitungvonRoh-LogsandasSIEM des Auftraggebers ist als Option vorzusehen.
23.6.2 Digitale Forensik
[SOLL] Die Beweissicherung soll den Standards ISO/IEC 27037 [30] und dem BSI Leitfaden Di- gitale Forensik [31] entsprechen. Im Falle eines Sicherheitsvorfalls sind vor invasiven Ma(cid:255)- nahmen (cid:29)(cid:252)chtige Daten (RAM-Dumps) und sektorengenaue Abbilder der Datentr(cid:228)ger (Images) anzufertigen. Die Integrit(cid:228)t ist durch kryptogra(cid:28)sche Hashes und eine l(cid:252)cken- lose Chain-of-Custody-Dokumentation zu wahren.
23.6.3 Logging-Spezi(cid:28)kation
[MUSS] Ereignisprotokollesindmanipulationssicherf(cid:252)rmindestenssechsMonatevorzuhalten.Per- sonenbezogene Daten in Payloads sind vor der Protokollierung zu anonymisieren oder zu entfernen.
23.7 Business Continuity und Schwachstellenmanagement
23.7.1 Verf(cid:252)gbarkeit (SLA)
23.7.1.1 Recovery Time Objective (RTO) [MUSS] Die Wiederherstellung des Gesamtsystems muss innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen sein.
23.7.1.2 Recovery Point Objective (RPO) [MUSS] Der maximal zul(cid:228)ssige Datenverlust betr(cid:228)gt 12 Stunden.
23.7.2 Backup-Strategie
[SOLL] Es ist eine 3-2-1-1-Backup-Strategie anzuwenden. Mindestens eine Kopie muss unver(cid:228)n- derbar (Immutable) und o(cid:31)ine (Air-Gapped) vorgehalten werden. J(cid:228)hrliche Wiederher- stellungstests sind zu dokumentieren.
23.7.3 Vulnerability Management und Pentests
[SOLL]
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Security-Guide KAPITEL 23. WEB-INFRASTRUKTUR
S(cid:228)mtliche Komponenten sind kontinuierlichen Schwachstellenscans zu unterziehen. Kri- tische Schwachstellen m(cid:252)ssen innerhalb von 48 Stunden behoben werden. Ein j(cid:228)hrlicher Penetrationstest durch einen unabh(cid:228)ngigen Dritten ist obligatorisch.
23.8 Meldep(cid:29)ichten gem(cid:228)(cid:255) NIS-2 und KRITIS
DerAuftragnehmeristverp(cid:29)ichtet,erheblicheSicherheitsvorf(cid:228)lleinnerhalbvon24Stunden nach Kenntniserlangung dem Auftraggeber zu melden, um die gesetzliche Fr(cid:252)hwarnp(cid:29)icht gegen(cid:252)ber den Aufsichtsbeh(cid:246)rden zu gew(cid:228)hrleisten.
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Security-Guide KAPITEL 24. CAPTCHA
Kapitel 24
CAPTCHA
24.1 Grundlagen
CAPTCHA (Abk(cid:252)rzung f(cid:252)r (cid:17)Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart(cid:17)) ist ein Sicherheitstest im Internet. Auf Deutsch bedeutet der Name: (cid:17)Vollautomatischer (cid:246)(cid:27)entlicher Turing-Test, um Computer und Menschen auseinanderzu- halten.(cid:17)
De(cid:28)nition CAPTCHA ist ein kleiner Test, den nur ein Mensch leicht bestehen soll, w(cid:228)hrend ein Computerprogramm (ein (cid:17)Bot(cid:17)) daran scheitert.
Ziel DaswesentlicheZieleinesCAPTCHAsistdieSicherheiteinerWebsite,indemessicher- stellt, dass eine Aktion von einem Menschen und nicht von einem Computerprogramm (Bot) durchgef(cid:252)hrt wird.
Hinweis Ein CAPTCHA ist im Wesentlichen der (cid:17)T(cid:252)rsteher(cid:17) f(cid:252)r Formulare im Internet.
24.2 Anforderungen
[MUSS] Die Konzeption und Implementierung von CAPTCHA-Verfahren basiert auf einem Kata- log spezi(cid:28)scher Anforderungen. Diese Kriterien zielen darauf ab, eine funktionale Balance zwischendernotwendigenSicherheitsfunktionundderGebrauchstauglichkeitf(cid:252)rdenMen- schen zu etablieren.
• Robustheit gegen(cid:252)ber automatisierten Systemen Ein prim(cid:228)res Ziel eines CAPTCHA ist die zuverl(cid:228)ssige Di(cid:27)erenzierung zwischen menschlichen Nutzern und automatisierten Agenten, sogenannten Bots. Das Ver- fahren muss daher eine signi(cid:28)kante Robustheit gegen(cid:252)ber L(cid:246)sungsversuchen durch Software, insbesondere durch Systeme k(cid:252)nstlicher Intelligenz, aufweisen. Die gestell- te Aufgabe sollte so konzipiert sein, dass sie f(cid:252)r Computerprogramme kognitiv oder technischschwerzuinterpretierenundzul(cid:246)senist,w(cid:228)hrendsief(cid:252)rdenMenschenl(cid:246)s-
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Security-Guide KAPITEL 24. CAPTCHA
barbleibt.DieE(cid:27)ektivit(cid:228)tderBotAbwehristeinzentralerIndikatorf(cid:252)rdieQualit(cid:228)t des Verfahrens.
• Hohe Benutzerfreundlichkeit (Usability) Parallel zur Sicherheitsfunktion ist die Gebrauchstauglichkeit f(cid:252)r den menschlichen Anwender von erheblicher Bedeutung. Die Interaktion mit dem CAPTCHA sollte den Nutzer(cid:29)uss nur minimal beeintr(cid:228)chtigen. Dies bedingt, dass die Aufgabe f(cid:252)r den Menschen kognitiv einfach und zeitnah zu bew(cid:228)ltigen ist. Verfahren, die eine hohe kognitive Last erzeugen oder viel Zeit beanspruchen, k(cid:246)nnen die Nutzerakzeptanz reduzieren und die Konversionsrate einer Webseite negativ beein(cid:29)ussen.
• Gew(cid:228)hrleistung der Barrierefreiheit Eine wichtige Anforderung ist die Zug(cid:228)nglichkeit des Verfahrens f(cid:252)r Menschen mit unterschiedlichen physischen oder kognitiven Einschr(cid:228)nkungen. Ein CAPTCHA, das ausschlie(cid:255)lich auf visueller Erkennung basiert, schlie(cid:255)t beispielsweise Personen mit Sehbehinderungen aus. Moderne Verfahren sollten daher alternative Modalit(cid:228)ten anbieten, wie etwa auditive Ausgaben (vorgelesene Zi(cid:27)ern oder W(cid:246)rter) oder auf Verhaltensanalysen basierende, unsichtbare Pr(cid:252)fungen, um eine breite Nutzergruppe nicht von der Interaktion auszuschlie(cid:255)en.
• Vollst(cid:228)ndige Automatisierung Die De(cid:28)nition eines CAPTCHA impliziert bereits die vollst(cid:228)ndige Automatisierung des Prozesses. Sowohl die Generierung der Pr(cid:252)fungsaufgabe als auch die Validie- rung der vom Nutzer eingegebenen L(cid:246)sung m(cid:252)ssen serverseitig und ohne menschli- che Intervention erfolgen. Dieser Aspekt stellt die Skalierbarkeit des Verfahrens f(cid:252)r Webanwendungen sicher.
• Performanz und Datenschutz In der praktischen Anwendung werden zus(cid:228)tzlich Anforderungen an die technische Performanz gestellt. Die Integration des CAPTCHA darf die Ladezeiten der Web- seite nicht signi(cid:28)kant verz(cid:246)gern. Des Weiteren ist der Datenschutz von Relevanz. Insbesondere bei verhaltensbasierten Analysen, die Mausbewegungen oder Eingabe- muster protokollieren, m(cid:252)ssen datenschutzrechtliche Bestimmungen, wie die der Da- tenschutz Grundverordnung (DSGVO) in Europa, beachtet werden. Die Erhebung und Verarbeitung von Daten sollte auf das f(cid:252)r die Sicherheitspr(cid:252)fung notwendige Ma(cid:255) beschr(cid:228)nkt sein.
24.3 Moderne CAPTCHA-Verfahren
[SOLL] Die Entwicklung im Bereich der Boterkennung hat zu einer signi(cid:28)kanten Diversi(cid:28)zierung der eingesetzten Pr(cid:252)fverfahren gef(cid:252)hrt. W(cid:228)hrend klassische Interaktionstests an E(cid:27)ektivi- t(cid:228)t verlieren, gewinnen passive Analysemethoden und risikobasierte Modelle zunehmend an Bedeutung. Die E(cid:27)ektivit(cid:228)t moderner Systeme beruht oft auf der intelligenten Kombi- nation verschiedener, im Hintergrund agierender Komponenten. Die folgende Aufstellung gliedert die wesentlichen technischen Ans(cid:228)tze, die aktuell zur Di(cid:27)erenzierung von mensch- lichen Nutzern und automatisierten Systemen dienen.
• Verhaltensbasierte Erkennung Analyse von Mausbewegungen, Tippmustern, Scrollverhalten, Interaktionsgeschwin- digkeit. Bots erzeugen unnat(cid:252)rliche Muster. Bewertung erfolgt unsichtbar im Hinter- grund.
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Security-Guide KAPITEL 24. CAPTCHA
• Risikobasierte Modelle Ger(cid:228)te-Fingerprinting, IP-Reputation, Browser-Telemetrie, Historie der Sitzung. Bei niedrigem Risiko wird gar kein sichtbares CAPTCHA mehr angezeigt.
• Unsichtbare CAPTCHAs Beispiel: invisible reCAPTCHA v3. Liefert eine numerische Risikobewertung anhand von Nutzerinteraktionen. Nur bei hohem Risiko erfolgt ein Zusatztest.
• Proof-of-Work-Mechanismen Der Client muss eine kleine Rechenaufgabe l(cid:246)sen. Vorteil: hohe H(cid:252)rde f(cid:252)r Massenzu- gri(cid:27)e. Kommt in einigen Privacy-orientierten L(cid:246)sungen vor.
• Herausforderungen mit Kontext Klassisches Bilder- oder Audiocaptcha wird nur noch als Fallback genutzt. Fokus auf Tasks, die schwer zu automatisieren sind (z.B. tempor(cid:228)re visuelle Puzzle).
• Hardware-gebundene Nachweise Nutzung sicherer Umgebungen (Passkeys/WebAuthn) als Nachweis, dass ein echter Benutzer am Ger(cid:228)t sitzt. Entlastet CAPTCHA-Systeme in sensiblen Anwendungen.
• Serverseitige Anomalieerkennung Machine-Learning-Modelle, die Tra(cid:30)c-Muster in Echtzeit auswerten und Botnetz- typische Merkmale erkennen.
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Security-Guide KAPITEL 25. WEBFORMULARE ALS SERVICE
Kapitel 25
WebFormulare als Service
25.1 Grundlagen
Im Rahmen moderner Webarchitekturen kann die Notwendigkeit bestehen, Formularfunk- tionalit(cid:228)ten an externe Dienstleister auszulagern, anstatt diese auf der eigenen Infrastruk- tur zu betreiben. Ein solches Szenario impliziert die (cid:220)bermittlung und Verarbeitung per- sonenbezogener Daten im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie den potenziellen Transfer sensibler Dateianh(cid:228)nge (cid:252)ber Drittsysteme.
Aus dieser Konstellation ergeben sich spezi(cid:28)sche Anforderungen an die IT-Sicherheit, um die Vertraulichkeit und Integrit(cid:228)t der (cid:252)bertragenen Informationen zu gew(cid:228)hrleisten. Insbe- sondere die Exponierung von Eingabeschnittstellen im (cid:246)(cid:27)entlichen Netz erfordert e(cid:27)ektive Abwehrmechanismen gegen automatisierte Zugri(cid:27)e und Missbrauch (z.B. durch Bots oder Spam-Skripte).
Folglich ist die Implementierung einer CAPTCHA-L(cid:246)sung (Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart) unabdingbar, die dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Veraltete Verfahren bieten oft keinen hinreichenden Schutz gegen moderne maschinelle Lernverfahren.
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Security-Guide KAPITEL 25. WEBFORMULARE ALS SERVICE
25.2 Exemplarisches Szenario
Zur Scha(cid:27)ung einer fundierten Grundlage wird im folgenden ein exemplarisches Szenario konzipiert,dasalsReferenzmodelldient.DerFokusliegtaufeinemWeb-Formular-Prozess, der zwar in seinem Aufbau als grundlegend betrachtet wird, jedoch die wesentlichen Kern- komponenten und Interaktionen einer typischen Datenerfassung im Webumfeld abbildet und den Datenaustausch beschreibt.
Abbildung 25.1: Exemplarisches Szenario Webformular Servicedienstleister
25.2.1 Web-Formular
[MUSS] Ein Webformular muss klare und eindeutig beschriftete Eingabefelder bereitstellen, Ein- gaben validieren und Fehler nachvollziehbar anzeigen, Daten(cid:252)bertragung ausschlie(cid:255)lich verschl(cid:252)sselt durchf(cid:252)hren, nur notwendige Daten abfragen, manipulationssichere Server- Validierung nutzen, barrierefreie Bedienbarkeit gew(cid:228)hrleisten, missbrauchsrelevante Funk- tionen durch Schutzmechnismen, Rate-Limiting und Captcha absichern und eine zuverl(cid:228)s- sige Verarbeitung sowie sichere Speicherung der (cid:252)bermittelten Informationen garantieren. Dabei sind die Angri(cid:27)svektoren (z.B. Cross Site Scriopting) zu beschreiben und entspre- chende Ma(cid:255)nahmen abzuleiten.
25.2.1.1 Daten [MUSS] Die Verarbeitung von Daten, insbesondere wenn sie personenbezogene Daten im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) umfassen, unterliegt einem fundamentalen rechtlichen und operativen Paradigma: Die erforderlichen Schutzma(cid:255)nahmen sind nicht uniform,sondernm(cid:252)ssensichanderSensibilit(cid:228)tunddemRisikoderjeweiligenInformation orientieren.
25.2.1.2 Datei-Updload [MUSS] Die Funktionalit(cid:228)t des Datei-Uploads (Dateianhang) stellt eine signi(cid:28)kante Erweiterung der reinen Formular-Datenerfassung dar. Sie erm(cid:246)glicht es Anwendern, die strukturiert eingegebenen Daten (Formularfelder) durch unstrukturierte Informationen in Form von Dateien (z.B. Dokumente, Bilder, Nachweise) zu erg(cid:228)nzen.
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Security-Guide KAPITEL 25. WEBFORMULARE ALS SERVICE
Dieseangeh(cid:228)ngtenDateiensinddatenschutzrechtlichdenFormulardaten(siehe Abschnnitt 25.2.1.2) gleichzusetzen. Sofern sie personenbezogene Daten enthalten, was bei Dokumen- ten wie Lebensl(cid:228)ufen, (cid:228)rztlichen Bescheinigungen oder Antragsunterlagen die Regel ist, unterliegen sie vollumf(cid:228)nglich den Verarbeitungsprinzipien und Schutzanforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Neben dieser datenschutzrechtlichen Dimension (Schutz der Inhalte) muss die kritische Dimension der Informations- und IT-Sicherheit (Schutz der verarbeitenden Systeme) be- trachtet werden.
Dateiupload-Schnittstellen gelten als exponierte Angri(cid:27)svektoren. Sie k(cid:246)nnen missbraucht werden, um schadhafte Dateien (Malware) in die Systemumgebung einzuschleusen. Be- stimmte Dateiformate bergen ein inh(cid:228)rentes Risiko, da sie die Ausf(cid:252)hrung von Skripten, Makros oder eingebettetem Code (z.B. JavaScript in HTML-Dateien, Makros in O(cid:30)ce- Dokumenten) erm(cid:246)glichen. Solche Dateien k(cid:246)nnen zur Kompromittierung des Servers, zur Infektion nachgelagerter Systeme (wie dem Virenscanner selbst oder internen Laufwerken) oder zur Vorbereitung von Cross-Site-Scripting (XSS)-Angri(cid:27)en genutzt werden.
Um dieser Gef(cid:228)hrdungslage ad(cid:228)quat zu begegnen und der Sorgfaltsp(cid:29)icht zur Sicherung der IT-Systeme nachzukommen (vgl. Art. 32 DSGVO, (cid:17)Sicherheit der Verarbeitung(cid:17)), ist eine restriktive Steuerung der zul(cid:228)ssigen Dateitypen unumg(cid:228)nglich.
Zugelassene Dokumentenformate (Stand: 16.11.2025)
• PDF (statisch, kein eingebettetes JavaScript)
• PNG
• JPG/JPEG
• TXT
25.2.1.3 CAPTCHA [MUSS] Die Bereitstellung (cid:246)(cid:27)entlich zug(cid:228)nglicher Webformulare birgt das inh(cid:228)rente Risiko des Missbrauchs durch automatisierte Skripte, sogenannte (cid:17)Bots(cid:17). Diese autonomen Software- Agenten k(cid:246)nnen Schnittstellen f(cid:252)r diverse illegitime Zwecke nutzen, wie beispielsweise das massenhafte Versenden von Spam-Nachrichten, die Durchf(cid:252)hrung von Credential-Stu(cid:30)ng- Angri(cid:27)en oder die k(cid:252)nstliche (cid:220)berlastung von Back-End-Ressourcen (Denial of Service). Diese Bedrohungslage erfordert die Implementierung spezi(cid:28)scher technischer Abwehrma(cid:255)- nahmen (u.a. CAPTCHA in Abschnitt 24), um die Systemintegrit(cid:228)t zu wahren und die Datenqualit(cid:228)t sicherzustellen.
25.2.2 Start
[SOLL] Nach erfolgreicher Durchf(cid:252)hrung der CAPTCHA-Pr(cid:252)fung beginnt der technische Ablauf zur weiteren Verarbeitung des (cid:252)bermittelten Formulars.
25.2.3 Virenscan
[MUSS] Nach dem Hochladen der Dateien ist eine (cid:220)berpr(cid:252)fung mit einem aktuellen und fachlich freigegebenen Virenscanner erforderlich. Die Pr(cid:252)fung dient der Feststellung, ob sch(cid:228)dliche Inhalte vorliegen, die den weiteren Verarbeitungsprozess oder die nachgelagerten Systeme beeintr(cid:228)chtigen k(cid:246)nnten.
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Security-Guide KAPITEL 25. WEBFORMULARE ALS SERVICE
25.2.4 Ablehnung
[MUSS] F(cid:228)llt die Virenpr(cid:252)fung negativ aus, ist das gesamte Formular als nicht verarbeitbar einzu- stufen. Der Vorgang ist vollst(cid:228)ndig in den zust(cid:228)ndigen Log-Dateien zu protokollieren. Die weitere Behandlung des Vorfalls liegt im Verantwortungsbereich des fachlich zust(cid:228)ndigen Teams, das geeignete Ma(cid:255)nahmen zur Analyse und Bewertung einzuleiten hat.
25.2.5 Verschl(cid:252)sselung
[MUSS] Die verschl(cid:252)sselte Speicherung der (cid:252)bermittelten Dateien stellt einen grundlegenden Be- standteil der Schutzma(cid:255)nahmen dar. F(cid:252)r die Umsetzung kommen zwei Verfahren in Be- tracht. [KANN] ErstenskanneinesymmetrischeVerschl(cid:252)sselungeingesetztwerden.DiesesVerfahrenerfor- dert jedoch einen sensibel zu verwaltenden Schl(cid:252)ssel, der auf der Internetseite theoretisch unbemerkt kompromittiert werden k(cid:246)nnte. Als Mindestanforderung ist die Verwendung eines AES-256-Verfahrens festgelegt. [SOLL] Zweitens kann eine asymmetrische Verschl(cid:252)sselung genutzt werden. Dieses Verfahren re- duziert die Risiken eines Schl(cid:252)sselab(cid:29)usses, erfordert aber mehr Rechenressourcen sowie ein abgestimmtes und dokumentiertes Schl(cid:252)sselmanagement zwischen Dienstleister und Auftraggeber. Vorgabe ist die Nutzung eines RSA-4096-Schl(cid:252)ssels.
25.2.6 (cid:220)bertragung
[MUSS] Die (cid:220)bertragung der Daten an interne Systeme soll (cid:252)ber ein nachvollziehbares und re- visionssicheres Verfahren erfolgen. Eine weniger geeignete, aber in Einzelf(cid:228)llen genutzte M(cid:246)glichkeit stellt die (cid:220)bermittlung per E-Mail dar, die aufgrund des Protokollstandards keine zuverl(cid:228)ssige Best(cid:228)tigung (cid:252)ber erfolgreiche Zustellung bietet und daher zus(cid:228)tzliche technische Implementierungen (u.a. TLS) erfordert. Zu bevorzugen ist ein automatisierter elektronischer Datenaustausch (cid:252)ber SFTP mit de(cid:28)niertem Quittungsmechanismus.
25.2.7 Entschl(cid:252)sselung
[MUSS] DieEntschl(cid:252)sselungderDatenerfolgtnachdemjeweilsangewendetenVerschl(cid:252)sselungsver- fahren. Der eingesetzte Algorithmus bestimmt die konkreten Schritte des kryptogra(cid:28)schen R(cid:252)ckprozesses.
25.2.8 Virenscan
[MUSS] NachdemEingangderDateniminternenSystemisteineerneuteVirenpr(cid:252)fungvorzusehen. Diese zweite Pr(cid:252)fung dient der Absicherung der internen Infrastruktur und erg(cid:228)nzt die Ma(cid:255)nahmen, die bereits auf der Upload-Strecke durchgef(cid:252)hrt wurden.
25.2.9 Verarbeitung
[SOLL] Die weitere Verarbeitung der Daten richtet sich nach den fachlichen, organisatorischen und regulatorischen Vorgaben des Unternehmens. Die konkrete Ausgestaltung dieses Verarbei- tungsschritts wird im Rahmen dieses Kapitels nicht behandelt.
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