[Seite 1]
GEOTECHNISCHES
PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN
BÜRO
GMBH Erd-/Grundbau Fels-/Spezialtiefbau Ing.-/Hydrogeolo- Agiletl asten/Depo- n ien info@gbduellmann.de www.gbduellmann.de
Kläranlage Buchenhofen
Neubau Medienübergabestation und WSW-Überga-
bestation
Baugrunderkundung und Gründungsberatung
Aachen, September 2024
53332 Bornheim Geschäftsführer Amtsgericht Aachen Ballenpfad 18 Dr.-Ing. M. Nendza HRB 13065 Tel. (022 27) 92 92 33 - 0 Prof. Dr. I. Obernosterer Steuer-Nr. 201/5961/3379 Fax (022 27) 92 92 33 - 10 USt.-IdNr. DE242696552
[Seite 3]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Inhaltsverzeichnis
1 Vorgang, Bauvorhaben ............................................................................................... 6 1.1 Veranlassung ....................................................................................................... 6 1.2 Aufgabenstellung .................................................................................................. 6 1.3 Lage des Projektgebiets ....................................................................................... 7 1.4 Morphologie des Projektgebiets ............................................................................ 8 1.5 Planungsstand der Bauwerke ............................................................................... 9
2 Durchgeführte Untersuchungen .............................................................................. 14 2.1 Außenarbeiten .................................................................................................... 14 2.2 Geotechnische Laboruntersuchungen ................................................................ 14 2.3 Chemische Analytik ............................................................................................ 14
3 Ergebnisse ................................................................................................................. 15 3.1 Standorthistorie .................................................................................................. 15 3.2 Geologischer Rahmen ........................................................................................ 16 3.3 Erdbeben ............................................................................................................ 17 3.4 Lokaler Schichtenaufbau .................................................................................... 17 3.5 Bodenfestigkeit, Tragfähigkeit............................................................................. 26 3.6 Bodenklassifizierung, Wasser- und Frostempfindlichkeit .................................... 27 3.7 Bodenkennwerte................................................................................................. 28 3.8 Einstufung in Homogenbereiche ......................................................................... 30 3.9 Bohr- und Rammbarkeit ...................................................................................... 30
4 Grundwasser ............................................................................................................. 31 4.1 Geohydraulische Kennwerte ............................................................................... 31 4.2 Beschreibung des Aquifersystems ...................................................................... 34 4.4 Grundwasserstände ........................................................................................... 36
5 Betonaggressivität .................................................................................................... 39
6 Rückbau des Heizöllagers ........................................................................................ 42
7 Gründungsempfehlungen......................................................................................... 43 7.1 Gründungstiefe ................................................................................................... 43 7.1.1 Medienübergabestation ........................................................................ 43 7.1.2 WSW-Übergabestation ........................................................................ 44 7.2 Gründungsboden ................................................................................................ 45 7.2.1 Medienübergabestation ........................................................................ 45 7.2.2 WSW-Übergabestation ........................................................................ 46 7.3 Gründungsart, zulässige Bodenpressung ........................................................... 47 7.3.1 Medienübergabestation ........................................................................ 47 7.3.2 WSW-Übergabestation ........................................................................ 48 7.3.3 Anforderungen an den Einbau von Ausgleichs- / Polsterschichten ....... 48
8 Verdichtbarkeit und Wiederverwendbarkeit des Aushubmaterials ....................... 49
9 Empfehlungen für die Bauausführung .................................................................... 50 9.1 Baugrubenböschungen....................................................................................... 50 9.1.1 Medienübergabestation ........................................................................ 50 9.1.1.1 Empfehlungen zum Baugrubenverbau / Wasserhaltung ......... 50 9.1.1.2 Bohrpfähle nach DIN EN 1536, Baugrubensicherung ............. 53
Seite 3/60
[Seite 4]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
9.1.2 WSW-Übergabestation ........................................................................ 55 9.2 Baugrubensohle ................................................................................................. 55 9.3 Abdichtung / Dränung ......................................................................................... 56 9.4 Baugrubenabnahme ........................................................................................... 56
10 Leitungstrassen ........................................................................................................ 56
11 Allgemeine Hinweise................................................................................................. 59
12 Verwendete Unterlagen ............................................................................................ 60
Seite 4/60
[Seite 5]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Anlagenverzeichnis
Anlage 1: Lagepläne, i.M. 1:500
Anlage 2: Schnitte durch den Baugrund Anlage 2.1 Schnitte A-A und B-B, Maßstab der Höhe 1:100, Maßstab der Länge 1:100 Anlage 2.2 Schnitte C-C und D-D, Maßstab der Höhe 1:100, Maßstab der Länge 1:100 Anlage 2.3 Schnitt E-E, Maßstab der Höhe 1:100, Maßstab der Länge 1:100 Anlage 2.4 Schnitt R1-R1, Maßstab der Höhe 1:100, Maßstab der Länge 1:500
Anlage 3: Baugrundaufschlüsse Anlage 3.1 Bohrprofile Anlage 3.2 Schichtenverzeichnisse
Anlage 4: Bodenphysikalische Laboruntersuchungen Anlage 4.1 Bestimmung der Kornverteilungen - Prüfberichte Anlage 4.2 Bestimmung nat. Wassergehalt – Prüfberichte Anlage 4.3 Bestimmung Zustandsgrenzen - Prüfberichte Anlage 4.4 Bestimmung Glühverlust – Prüfberichte
Anlage 5: Homogenbereiche
Anlage 6: Grundwasser
Anlage 7: Einteilung in Expositionsklassen
Seite 5/60
[Seite 6]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
1 Vorgang, Bauvorhaben
1.1 Veranlassung
Als Betreiber der Kläranlage Buchenhofen in Wuppertal plant der Wupperverband den Neubau
einer Klärschlammverbrennungsanlage (KVA). Der Neubau der Anlage soll auf dem Grundstück
der Kläranlage Buchenhofen in Wuppertal unmittelbar angrenzend zu der bestehenden Ver-
brennungsanlage erfolgen. Für die Anbindung der KVA an die vorhandene Ver- und Entsor-
gungsinfrastruktur der Kläranlage wird eine Medienübergabestation errichtet. Die Maßnahme
beinhaltet den Neubau einer Medienübergabestation, einer Übergabestation der Wuppertaler
Stadtwerke (WSW-Übergabestation) sowie von Kabel- und Rohrleitungstrassen zum Zulauf der
Kläranlage. Die Errichtung der Übergabestationen ist nordöstlich des Baufelds der neuen KVA
geplant. Die zu den Übergabestationen führenden Kabel- und Rohrleitungstrassen sollen im
Bereich der nördlichen Grenze des Betriebsgeländes angeordnet werden.
Angrenzend an den o.g. Projektbereich wurden im Zuge der Planung der neuen KVA durch das
Geotechnische Büro bereits Baugrunderkundungen durchgeführt und die Ergebnisse in geo-
technischen Gutachten vorgelegt [7], [9].
Gegenstand des vorliegenden Gutachtens ist die geotechnische Bewertung der durch den Auf-
traggeber vorgelegten Planung der o.g. Bauwerke [11] auf Grundlage einer Baugrunderkun-
dung.
1.2 Aufgabenstellung
Das Geotechnische Büro wurde beauftragt, ein Gutachten über die Baugrundverhältnisse im
Bereich der geplanten Bauwerke zu erstellen sowie Hinweise zum Gründungskonzept zu be-
nennen. Folgende Punkte wurden im Rahmen des vorliegenden Gutachtens bearbeitet:
• Baugrundbeurteilung (Gruppierung nach DIN 18196, Einteilung in Homogenbereiche
nach DIN 18300),
• Angabe der bodenmechanischen Kennwerte (Rechenwerte),
• Angaben zur Erdbebenzone,
• Abschätzung der Grundwasserstände und des Schwankungsbereiches,
• Allgemeine Empfehlung zu möglichen Gründungskonzepten,
Seite 6/60
[Seite 7]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
• Hinweise zur Herstellung Baugruben / Verbau,
• Orientierende Untersuchung von PFAS / PFOS Belastung,
• Orientierende chemische Analytik nach den Parameterpaketen der Ersatzbaustoffver-
ordnung und der Deponieverordnung,
• Hinweise für die Bauausführung.
1.3 Lage des Projektgebiets
Das Projektgebiet befindet sich innerhalb des Betriebsgeländes der Kläranlage Buchenhofen in
Wuppertal. Die Medienübergabestationen sollen nordöstlich der neuen Klärschlammverbren-
nungsanlage am Fuß der Talflanke des Wuppertals angeordnet werden. (Abb. 1, Abb. 2).
Abb. 1: Projektgebiet: Neubau Übergabestationen und Leitungstrassen, Google Earth [12]
Abb. 2: Projektgebiet: Neubau Übergabestationen und Leitungstrassen, ALKIS [13]
Seite 7/60
[Seite 8]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
1.4 Morphologie des Projektgebiets
Das Projektgebiet befindet sich innerhalb einer ehemaligen Wupperschlinge. Infolge des
Kläranlagenbetriebs wurde die Geländemorphologie innerhalb des letzten Jahrhunderts stark
anthropogen überprägt (Kapitel 3.1). Durch den Durchstich eines Bergrückens der Evertsaue
wurde die Wupper begradigt und die trockengelegte Wupperschlinge u.a. zur Ablagerung von
Klärschlämmen und Klärschlammverbrennungsaschen genutzt [10].
Das Projektgebiet befindet sich im nördlichen Randbereich der ehemaligen Wupperschlinge und
grenzt unmittelbar an den Fuß des Hanges des Wuppertals an. Die Höhendifferenz zwischen
Talsohle und Hangoberkante beträgt in etwa 70 m [13]. Die mittleren Geländeneigungen
schwanken zwischen etwa 20 und 40°. In Abb. 3 wird die Morphologie des Projektgebiets durch
Geländestufen abgebildet.
Die Geländeoberkante liegt im Bereich der geplanten Übergabebauwerke bei etwa 127 m NHN.
Die Höhenlage der Geländeoberkante im Bereich der geplanten Leitungstrassen variiert
zwischen etwa 127 m NHN bei den geplanten Übergabestationen und bis zu etwa 136 m NHN
im Nordosten.
Abb. 3: Projektgebiet: Morphologie [13]
Seite 8/60
[Seite 9]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
1.5 Planungsstand der Bauwerke
Die erstellt im Auftrag des Wupperverbands die Vorplanung des
Neubaus der Übergabestationen und der zugehörigen Leitungstrassen. [11].
Die Anordnung der geplanten Übergabestationen ist Abb. 4 zu entnehmen. Sie sollen am
Standort des heutigen Heizöllagers errichtet werden.
Abb. 4: Lage der geplanten Übergabestationen
Der Bau der Medienübergabestation ist nach Abriss des Heizöllagers unmittelbar westlich
des Heizöllagers und nördlich der Verkehrsflächen der neuen KVA vorgesehen. Die WSW-
Übergabestation soll unmittelbar nördlich des bestehenden Heizöllagers angeordnet werden.
Beide Bauwerke werden teilweise im Bereich der Aufstandsfläche des Heizöllagers gegründet.
Seite 9/60
[Seite 10]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Das noch abzubrechende Bauwerk des Heizöllagers ist etwa 5,0 m unterhalb der
Geländeoberkante (GOK etwa 127 m NHN) gegründet [11]. Es soll gemäß des aktuellen
Planungsstands vollständig rückgebaut werden. Die dabei entstehende Baugrube soll wieder
verfüllt werden.
Die im Rahmen der Vorplanung angesetzten Höhenlagen der Grundrissebenen der
Medienübergabestation bei -3,3 und -7,0 m unterhalb des Bezugsniveaus von 127 m NHN
sind in Abb. 5 dargestellt.
Abb. 5: Medienübergabestation: Grundriss [11]
Seite 10/60
[Seite 11]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
In Abb. 6 sind die Bauwerksschnitte der Medienübergabestation dargestellt. An den
planungsseits festgelegten Schnittspuren orientieren sich die Schnitte der Baugrunderkundung
(Anlage 2).
Abb. 6: Medienübergabestation: Bauwerksschnitte [11]
Seite 11/60
[Seite 12]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Die WSW-Übergabestation soll in etwa 1,0 m unterhalb des Bezugsniveaus (127 m NHN)
gegründet werden. Der Bauwerksgrundriss und die maßgebende Schnittführung sind in Abb. 7
abgebildet.
Abb. 7: WSW-Übergabestation – Grundriss und Querschnitt [11]
Seite 12/60
[Seite 13]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Gemäß der vorliegenden Planungsunterlagen [6] sollen auf einer Länge von etwa 380 m eine
Rohrleitungstrasse sowie ein MS-Kabel verlegt werden. Die Rohrleitungstrasse soll in einer
Tiefe von 2,5 m unterhalb der GOK angeordnet werden. Die Verlegung des MS-Kabels ist auf
einem Niveau von 1,0 m unterhalb der GOK vorgesehen. Für die Rohrleitungstrasse ist eine
Breite von 2,6 m vorgesehen. Für das MS-Kabel eine Breite von 0,6 m.
Beide Leitungstrassen beginnen an der Medienübergabestation im Westen (Anlage 1). Von dort
aus sollen sie entlang der nördlichen Grenze des Betriebsgeländes in Richtung Osten verlegt
werden. Die Rohrleitungstrasse besitzt eine Länge von etwa 380 m, das MS-Kabel eine Länge
von etwa 400 m. Beide Trassen verlaufen auf einer Länge von etwa 320 m parallel (Abstand
1,0 m).
Im Westen sollen beide Trassen auf einer Länge von etwa 100 m im Bereich der
Verkehrsflächen des Betriebsgeländes angeordnet werden. Für die Rohrleitungstrasse ist in
den östlich anschließenden Bereichen der Einbau im Bereich einer Böschung vorgesehen. Das
MS-Kabel verläuft im Westen erneut auf einer Verkehrsfläche.
Abb. 8: Lage der Leitungstrassen (türkis) [11]
Seite 13/60
[Seite 14]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
2 Durchgeführte Untersuchungen
2.1 Außenarbeiten
Die Baugrunderkundung wurde am 27.06. und 28.06.2024 durch die „GTS Geotechnischer Ser-
vice GmbH“ durchgeführt. Es wurde folgende Untersuchungen durchgeführt:
• 10 Kleinrammbohrungen (KRB, ø 35 - 50 mm) mit Aufschlusstiefen zwischen 1,1 m und
9 m (Σ 47,6 m),
• 10 Schwere Rammsondierungen (DPH, Fallmasse 50 kg, Spitzenquerschnitt 15 cm²,
Fallhöhe 0,5 m) mit Eindringtiefen zwischen 1,2 m und 7,6 m ( 51,0 m),
• Einmessen der Sondieransatzpunkte mittels GPS in UTM-Koordinaten.
Die Lage der Aufschlusspunkte ist in Anlage 1 dokumentiert. Die Ergebnisse der Kleinrammboh-
rungen sind als Schnitte durch den Baugrund in Anlage 2 und die Schichtenverzeichnisse als
Anlage 3 wiedergegeben.
2.2 Geotechnische Laboruntersuchungen
An den im Rahmen der Feldarbeiten gewonnenen Bodenproben wurden im Labor der Geotech-
nischen Prüfstelle folgende Laboruntersuchungen durchgeführt:
- 1 Stück Bestimmung der Korngrößenverteilung mittels Siebanalyse nach DIN EN ISO
17892-4,
- 9 Stück Bestimmung der Korngrößenverteilung mittels kombinierter Sieb- / Schlämm-
analyse nach DIN EN ISO 17892-4,
-
6 Stück Bestimmung der Zustandsgrenzen nach DIN EN ISO 17892-12,
-
2 Stück Bestimmung des Glühverlusts nach DIN EN ISO 17685-1,
-
6 Stück Bestimmung des Wassergehalts nach DIN EN ISO 17892-1.
2.3 Chemische Analytik
Die Ergebnisse der orientierenden Untersuchungen nach PFAS und der Ersatzbaustoff-
verordnung bzw. der Deponieverordnung sind im vorliegenden Gutachten noch nicht enthalten.
Seite 14/60
[Seite 15]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
3 Ergebnisse
3.1 Standorthistorie
In Abb. 9 ist die Standorthistorie in Form von Orthofotos abgebildet.
Abb. 9: Luftbildaufnahmen: Projektgebiet (1956 bis 2021) [13]
Im Jahr 1956 verlief die Wupper in ihrem natürlichen Bett. Im nördlich des ehemaligen
Wupperbetts liegenden Bereich wurden zu diesem Zeitpunkt bereits Klärschlämme eingelagert.
Die geplanten Standorte der Übergabebauwerke liegen im nördlichen Randbereich dieser
Gebiete.
Im Jahr 1975 wurden die Bauarbeiten der bestehenden Klärschlammverbrennungsanlage
ausgeführt. Entlang des Fußes der Wuppertalflanke wurde beim Bau anfallendes
Aushubmaterial (u.a. Wupperschotter, Auensande / -lehme und Felsbruch) als bauzeitlicher
Betriebsweg abgelagert. Die WSW-Übergabestation befindet sich teilweise auf einem Abschnitt
dieses Weges.
Nach 1973 wurde das Heizöllager errichtet. Bis zum Jahr 2024 blieb die Morphologie des
Projektgebiets nahezu unverändert. Im Frühjahr 2024 wurde die Aschehalde im westlichen
Projektbereich abgetragen. Die Medienübergabestation liegt an der westlichen Gebäudeecke
im Bereich der ehemaligen Böschung der abgetragenen Aschehalde.
Seite 15/60
[Seite 16]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Im östlichen Projektgebiet änderte sich die Geländemorphologie in den letzten Jahrzehnten
nicht. Dort liegt die Rohrleitungstrasse zu einem großen Teil in anthropogen unvorbelastetem
Gelände.
Eine detaillierte Darstellung der Standorthistorie ist in zu finden.
3.2 Geologischer Rahmen
Geologisch ist der Standort dem Niederrheinischen Bergland zuzuordnen. Das Grundgebirge
besteht aus den mitteldevonischen Brandenberg-Schichten (Lenneschiefer) sowie einer Wech-
selfolge aus Tonschiefern, Sandsteinen und Grauwacken (Abb. 10). Die mehrere hundert Meter
mächtigen Schichten streichen WSW-ENE und fallen generell nach NW ein. Das Grundgebirge
wird von mehreren Quer- und Längsstörungen durchzogen. Es ist oberflächennah verwittert.
Darüber folgen in der Talaue fluviatile Sedimente in Form von Wupperschotter. Der Wupper-
schotter wird im anthropogen nicht-vorgeprägtem Zustand von ca. 1 m mächtigen Auensedi-
menten aus tonigen und feinsandigen Schluffen überlagert.
Abb. 10: Hydrogeologische Karte Wuppertal-Elberfeld [7]
Seite 16/60
[Seite 17]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
3.3 Erdbeben
Nach DIN EN 1998-1 (12/2012) befindet sich das Projektgebiet außerhalb einer Erdbebenzone.
In statischen Berechnungen ist der Lastfall „Erdbeben“ nicht zu berücksichtigen.
3.4 Lokaler Schichtenaufbau
Der lokale Schichtenaufbau wurde aus den Ergebnissen der im Juni 2024 ausgeführten Son-
dierungen und Bohrungen abgeleitet. Die Ergebnisse der Erkundungen aus [9] wurden weiterhin
herangezogen. Das gesamte Gebiet ist anthropogen überprägt. Aufgrund des inhomogenen
Baugrundaufbaus stehen die nachfolgend beschriebenen Schichten nicht im gesamten Unter-
suchungsgebiet an.
Nach der Materialansprache in den Kleinrammbohrungen und Maschinenbohrungen (Erkun-
dung aus [9]), der Auswertung der Ergebnisse der Rammsondierungen und den bodenmecha-
nischen Laboruntersuchungen setzt sich der Baugrundaufbau von oben nach unten wie folgt
zusammen:
Schicht 1: Oberboden
Schicht 2: Auffüllungen: umgelagerter Boden
Schicht 3: Auffüllungen: Klärschlammverbrennungsaschen
Schicht 4: Auffüllungen: Klärschlamm
Schicht 5: Auensande / -lehme
Schicht 6: Wupperschotter
Schicht 7: Verwitterungslehm, Fels (Brandenberg Schichten)
Schicht 1: Oberboden
An der Geländeoberkante steht an allen Punkten außer bei KRB Ü4 und Ü5 eine etwa 0,1 bis
0,4 m mächtige Oberbodenschicht an. Sie besteht aus humosen, schwach feinsandigen Schluf-
fen (OU, OH, SU*, SU GU, SU* gem. DIN 18196).
Schicht 2: Auffüllungen: umgelagerter Boden
Im westlichen Projektgebiet wurden bei den Sondierungen KRB Ü1 bis KRB Ü7 umgelagerte
Böden angetroffen. Die Mächtigkeiten der Auffüllungen variieren zwischen 0,7 m (KRB Ü7) und
5,8 m (KRB Ü3). Bedingt durch die Standorthistorie (Kapitel 3.1) erfolgte die Ablagerung der
Auffüllungen zu verschiedenen Zeitpunkten, sodass ihre granulometrischen Eigenschaften sehr
Seite 17/60
[Seite 18]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
breit gefächert sind und sowohl bindige als auch nicht bindige Schichtenglieder anstehen. Da
die Ablagerung der Auffüllungen u.a. während des Baus der bestehenden Klärschlammverbren-
nungslage in den 1970er Jahren erfolgte, ist der umgelagerte Boden bereichsweise mit Bau-
schutt (Ziegelreste, etc., KRB F1A) durchsetzt. Während des Baus fielen als Aushubmaterial
Wupperschotter und abgetragener Fels der Brandenbergschichten an. Diese Aushubmateria-
lien wurden bereichsweise im Projektgebiet eingelagert. Bei den Sondierungen KRB Ü3, Ü4 und
Ü6 wurde umgelagerter Wupperschotter erkundet, bei den Sondierungen KRB Ü1, Ü2, Ü3, Ü4,
Ü5, Ü6, Ü7 Sandsteinreste. Überwiegend bindige Schichtenglieder umgelagerten Bodens ste-
hen bei den Sondierungen U2 mit 2,8 m Mächtigkeit und U5 mit 1,8 m Mächtigkeit an. Hierbei
kann es sich um umgelagerte Auensande / -lehme handeln. Bei lokal mit Sandsteinbruchstü-
cken durchsetzten bindigen Schichtengliedern handelt es sich um umgelagerten Verwitterungs-
lehm.
Gemäß DIN 18196 sind die nichtbindigen Böden den Bodengruppen GW, GU, SW und SU zu-
zuordnen, die bindigen Böden den Gruppen SU*, UL, TM.
Die Gewichtsanteile der Kornfraktionen und die Kennzahlen der untersuchten Proben sind in
der folgenden Tab. 1 zusammengefasst.
Tab. 1: Kenngrößen und Gewichtsanteile der enthaltenen Kornfraktionen, Schicht 2 (umgel. Boden)
| Misch- probe | Tiefe | Boden- gruppe | Bodenart | d 10 | d 60 | U | C | Ton | Schluff | Sand | Kies |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| [m] | [-] | [-] | [mm] | [mm] | [-] | [-] | [%] | [%] | [%] | [%] | |
| P4 | 0,8 - 1,8 | TM | S, t, u, fg', mg' | - | 0,2843 | - | - | 21,6 | 24,8 | 26,9 | 26,7 |
| P6 | 0,2 - 2,3 | GU* | G, u, t', fs' | 0,0103 | 10,8981 | 1058,2 | 0,1 | 5,9 | 18,6 | 18,2 | 57,3 |
| P7 | 0,8 - 3,5 | GU* | G, u, fs' | 0,0102 | 12,3059 | 1207,8 | 0,0 | 4,3 | 25,9 | 13,9 | 55,9 |
| Min-Wert (Auffüllungen) | 0,0102 | 0,2843 | 1058,2 | 0,0 | 4,3 | 18,6 | 13,9 | 26,7 | |||
| Max-Wert (Auffüllungen) | 0,0103 | 12,3059 | 1207,8 | 0,1 | 21,6 | 25,9 | 26,9 | 57,3 | |||
| Mittelwert (Auffüllungen) | 0,01025 | 7,82943 | 1133 | 0,05 | 10,6 | 23,1 | 19,7 | 46,6 |
In Abb. 11 sind die Kornverteilungslinien des umgelagerten Bodens sowie das zugehörige
Körnungsband dargestellt. Die Körnungslinien je Probe sind in Anl. 4 beigefügt.
Seite 18/60
[Seite 19]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Abb. 11: Körnungslinien Schicht 2 (umgel. Boden)
Schicht 3: Auffüllungen: Klärschlammverbrennungsaschen
Die Aschen aus der Klärschlammverbrennung wurden oberflächennah im westlichen
Projektbereich bei den Ansatzpunkten Ü1, Ü2 und Ü3 angetroffen. Es handelt sich um den
Fußbereich der im Frühjahr 2024 abgetragenen Aschehalde. Sie stehen mit geringen
Mächtigkeiten von 0,2 bis 0,5 m an. Sie setzen sich granulometrisch hauptsächlich aus Schluff
und Feinsand zusammen (SU*, UL gem. DIN 18196). Die Erkundungen in [9] zeigten, dass sie
über das Projektgebiet verteilt recht homogen aufgebaut sind. Sieb-/ Schlämmanalysen in [9]
ergaben ein enggestuftes Körnungsband.
Schicht 4: Auffüllungen: Klärschlamm
Klärschlamm wurde im westlichen Projektbereich bei den Ansatzpunkten Ü1 und Ü5 erkundet.
Die Schlämme stehen in einer Tiefenlage zwischen 2,5 und 3,8 m an und besitzen mit
0,5 m – 0,6 m eine geringe Mächtigkeit. Bedingt durch die Standorthistorie (Kapitel 3.1) ist es
nicht auszuschließen, dass insbesondere an den Standorten der geplanten Übergabestationen
lokal mächtigere Klärschlammablagerungen anstehen.
Die Gewichtsanteile der Kornfraktionen und die Kennzahlen der untersuchten Proben sind in
der folgenden Tab. 2 zusammengefasst.
Seite 19/60
[Seite 20]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Tab. 2: Kenngrößen und Gewichtsanteile der enthaltenen Kornfraktionen, Schicht 4 (Klärschlamm)
| Misch- probe | Tiefe | Bo- | Bodenart | d 10 | d 60 | U | C | Ton | Schluff | Sand | Kies | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| den- | |||||||||||||
| gruppe | |||||||||||||
| [m] | [-] | [-] | [mm] | [mm] | [-] | [-] | [%] | [%] | [%] | [%] | |||
| P2 | 2,5 -3,1 | TA | U, t', fs', ms' | 0,0018 | 0,0302 | 16,5 | 0,7 | 11,5 | 67,4 | 18,9 | 2,2 | ||
| P9 | 2,8 - 3,3 | UA | U, fs, gs, t', ms', fg' | 0,003 | 0,1196 | 39,2 | 4,3 | 7,1 | 42,8 | 43,8 | 6,4 | ||
| Min-Wert (Auffüllungen) | 0,0018 | 0,0302 | 16,5 | 0,7 | 7,1 | 42,8 | 18,9 | 2,2 | |||||
| Max-Wert (Auffüllungen) | 0,003 | 0,1196 | 39,2 | 4,3 | 11,5 | 67,4 | 43,8 | 6,4 | |||||
| Mittelwert (Auffüllungen) | 0,0024 | 0,0749 | 27,9 | 2,5 | 9,3 | 55,1 | 31,4 | 4,3 |
Die Körnungslinien je Probe sind in Anl. 4 beigefügt. In Abb. 12 werden die Körnungslinien und
das Körnungsband des Klärschlamms dargestellt.
Abb. 12: Körnungslinien Schicht 4 (Klärschlamm)
In Tab. 3 sind der natürliche Wassergehalt, die Fließ- und Ausrollgrenze sowie die Plastizitäts-
und die Konsistenzzahl für die untersuchten Proben des Klärschlamms dargestellt. Um den or-
ganischen Anteil des Klärschlamms zu untersuchen, wurde außerdem an 2 Proben des Klär-
schlamms der Glühverlust V (Ofenglühen) gemäß DIN 18128 bestimmt. Die Versuchsauswer- gl
tungen können Anl. 4 entnommen werden.
Seite 20/60
[Seite 21]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Tab. 3: Zusammenstellung der Konsistenzgrenzen; Schicht 4 (Klärschlamm)
| Misch- probe | Tiefe | Boden- gruppe | Boden- art | nat. Was- sergehalt | Glühver- lust | Fließ- grenze | Aus- roll- grenze | Plastizitäts- zahl | Konsistenz- zahl |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| w n | V Gl | w L | w P | Ip | I C | ||||
| [m] | [-] | [-] | [%] | [%] | [%] | [%] | [%] | [-] | |
| P2 | 2,5 – 3,1 | TA | U, t', fs', ms' | 115,10 | 41,53 | 204,50 | 64,80 | 139,70 | 0,64 |
| P9 | 2,8 – 3,3 | UA | U, fs, gs, t', ms', fg' | 84,70 | 38,49 | 166,60 | 65,50 | 101,10 | 0,81 |
| Min-Wert (Klärschlamm) | 84,70 | 38,49 | 166,60 | 64,80 | 101,10 | 0,64 | |||
| Max-Wert (Klärschlamm) | 115,10 | 41,53 | 204,50 | 65,50 | 139,70 | 0,81 | |||
| Mittelwert (Klärschlamm) | 99,90 | 40,01 | 185,55 | 65,15 | 120,40 | 0,73 |
Eine detaillierte Analyse der Klärschlammeigenschaften ist in [9] zu finden.
Schicht 5: Auensande / -lehme
Die Auensande / -lehme stehen im Talboden an. Entsprechend wurden sie bei den Sondierun-
gen KRB Ü7, Ü8, Ü8A und Ü9 nicht erkundet, da diese Orte auf einem höheren Niveau im
Bereich der Talflanke des Wuppertals liegen. Am Punkt Ü3 wurde Schicht 5 ebenfalls nicht
angetroffen. Der Ansatzpunkt liegt im ehemaligen Arbeitsraum des bestehenden Heizöllagers,
sodass die Hochflutlehmschicht durch umgelagerte Böden ersetzt wurde. Die erkundeten Au-
ensande/ -lehme setzen sich aus Schluffen mit tonigen und schwach feinsandigen Nebenbe-
standteilen zusammen (SU*, UL, TM, gem. DIN 18196). Die Kennzahlen und die Gewichtsan-
teile der Kornfraktionen der untersuchten Proben sind in Tab. 4 dargestellt.
Tab. 4: Kenngrößen und Gewichtsanteile der enthaltenen Kornfraktionen, Schicht 5 (Auensande/ -lehme)
| Misch- probe | Tiefe | Boden- gruppe | Bodenart | d 10 | d 60 | U | C | Ton | Schluff | Sand | Kies |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| [m] | [-] | [-] | [mm] | [mm] | [-] | [-] | [%] | [%] | [%] | [%] | |
| P3 | 4,0 - 5,0 | TL | U, fs, t' | - | 0,0312 | - | - | 14,7 | 65,6 | 19,6 | - |
| P5 | 3,6 - 4,8 | TL | U, fs, t' | - | 0,0389 | - | - | 11,9 | 64,1 | 24 | - |
| P11 | 3,5 - 5,3 | TL | U, fs, t', g' | - | 0,0439 | - | - | 11,4 | 56,8 | 21,7 | 10,1 |
| Min-Wert (Auffüllungen) | 0 | 0,0312 | 0 | 0 | 11,4 | 56,8 | 19,6 | 10,1 | |||
| Max-Wert (Auffüllungen) | 0 | 0,0439 | 0 | 0 | 14,7 | 65,6 | 24,0 | 10,1 | |||
| Mittelwert (Auffüllungen) | 0 | 0,038 | 0 | 0 | 12,7 | 62,17 | 21,8 | 10,1 |
Seite 21/60
[Seite 22]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Die Körnungslinien je Probe sind in Anl. 4 beigefügt. In Abb. 13 werden die Körnungslinien und
das Körnungsband dargestellt.
Abb. 13: Körnungslinien Schicht 5 (Auensande / -lehme)
In Tab. 5 sind der natürliche Wassergehalt, die Fließ- und Ausrollgrenze sowie die Plastizitäts-
und die Konsistenzzahl für die untersuchten Proben dargestellt. Die Versuchsauswertungen
können der Anl. 3 entnommen werden.
Tab. 5: Zusammenstellung der Konsistenzgrenzen; Auensande/ -lehme
| nat. Wasser- | Ausroll- | Plastizitäts- | Konsistenz- | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Fließgrenze | ||||||||
| Boden- | gehalt | grenze | zahl | zahl | ||||
| Tiefe | Bodenart | |||||||
| gruppe | ||||||||
| Mischprobe | w n | w L | w P | Ip | I C | |||
| [m] | [-] | [-] | [%] | [%] | [%] | [%] | [-] | |
| P3 | 4,0 – 5,0 | U, fs, t‘ | 27,8 | 34,0 | 17,3 | 16,7 | 0,37 | |
| P5 | 3,6 – 4,8 | U, fs, t‘ | 23,1 | 23,3 | 13,6 | 9,7 | 0,02 | |
| P11 | 3,5 – 5,3 | U, fs, t‘, g‘ | 23,4 | 28,5 | 15,1 | 13,4 | 0,38 | |
| Min-Wert (Tallehm) | 23,10 | 23,30 | 13,60 | 9,70 | 0,02 | |||
| Max-Wert (Tallehm) | 27,80 | 34,00 | 17,30 | 16,70 | 0,38 | |||
| Mittelwert (Tallehm) | 24,77 | 28,60 | 15,33 | 13,27 | 0,26 |
Schicht 6: Wupperschotter
Im Bereich des Talbodens steht unterhalb des Auensands / -lehms der Wupperschotter an. Bei
den im Bereich der unteren Böschung der Talflanke des Wuppertals befindlichen Ansatzpunkten
Seite 22/60
[Seite 23]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
der KRB Ü7, Ü8, Ü8A und Ü9 wurde kein Wupperschotter erkundet, da dort bereits
oberflächennah verwitterter Fels ansteht (Schicht 7).
Im westlichen Projektbereich (Standort der geplanten Übergabestationen) nimmt die
Mächtigkeit des Wupperschotters mit zunehmendem Abstand zum Fuß der Böschung der
Talflanke des Wuppertals zu (Schnitt B-B, Anlage 2). Während bei den Sondierungen KRB F1A
und Ü2 unterhalb der Auensande / -lehme bereits verwitterter Fels und kein Wupperschotter
ansteht, wurde bei der KRB Ü3 eine 2,8 m mächtige Wupperschotterschicht erkundet.
Entsprechend läuft die Schicht des Wupperschotters orthogonal zu den Höhenlinien des
Böschungsfußes keilförmig aus.
Beim erkundeten Wupperschotter handelt es sich überwiegend um schluffige Kiese (GU, SU
gem. DIN 18196).
Die Gewichtsanteile der Kornfraktionen und die Kennzahlen der untersuchten Probe P8 sind in
der folgenden Tab. 6 zusammengefasst. Die einzelnen Kornverteilungslinien können der Anl. 3
entnommen werden.
Tab. 6: Kenngrößen und Gewichtsanteile der enthaltenen Kornfraktionen, Wupperschotter
| Boden- | Boden- | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Tiefe | d 10 | d 60 | U | C | Ton | Schluff | Sand | Kies | |||
| Mischprobe | gruppe | art | |||||||||
| [m] | [-] | [-] | [mm] | [mm] | [-] | [-] | [%] | [%] | [%] | [%] | |
| P8 | 6,3-8,0 | GU | G, u', ms', gs' | 0,0909 | 12,7409 | 140,2 | 4,2 | - | 8,6 | 20,3 | 67,7 |
In Abb. 14 ist die Körnungslinie der Probe P8 abgebildet. Weiterhin wird das Körnungsband des
Wupperschotters aus [9] dargestellt. Es basiert auf 11 Siebanalysen. Die dort untersuchten
Proben wurden aus dem Wupperschotter im Gebiet der geplanten KVA entnommen.
Seite 23/60
[Seite 24]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Abb. 14: Kornverteilungen Wupperschotter (Schicht 6)
Schicht 7: Verwitterungslehm, Fels (Brandenberg Schichten)
Wie die Erkundung mit Maschinenbohrungen in [9] zeigen, ist die OK des Felses der Branden-
bergschichten (tonige Schluffsteine, schluffige Sandsteine, Tonsteine) südlich des Projektge-
biets (am Standort der geplanten KVA) stark reliefiert ausgebildet. An der Oberfläche des Fest-
gesteins ist örtlich ein steiniger Verwitterungslehm ausgebildet. Bei den Erkundungen in [9]
wurde er mit Mächtigkeiten von wenigen Dezimetern bis zu ca. 1 m angetroffen. Insbesondere
am Übergang des Verwitterungslehms zum Festgestein steht das Festgestein bereichsweise
aufgelockert an, erkennbar an Gesteinsbruchstücken im Bohrgut bzw. kleinen Kernstücklängen.
Die Ergebnisse aus [9] lassen sich aufgrund der unmittelbaren Nähe auf das Projektgebiet über-
tragen. Am geplanten Standort der Übergabestationen kann die OK der Brandenberg Schich-
ten durch punktuelle Sondierungen nicht exakt erfasst werden. Es kann davon ausgegangen
werden, dass die OK der Brandenbergschichten in etwa in NNW-SSO-Richtung einfällt (Anl. 2,
Schnitt B-B). Aufgrund der Sondierungen mit Kleinrammbohrungen (KRB) wurden nur die obe-
ren Dezimeter des Verwitterungslehms bzw. des Felses erkundet. Schlussfolgerungen über die
Schichtenmächtigkeiten von potentiell anstehenden Verwitterungslehmen lassen sich somit
nicht ziehen. Verwitterungslehm wurde bei KRB Ü3 angetroffen. Er setzt sich im Projektgebiet
allgemein aus Kiesen mit schluffigen, schwach tonigen, schwach feinsandigen und schwach
kiesigen Nebenbestandteilen zusammen. Gemäß DIN 18196 sind diese Böden den Bodengrup-
pen GU, GU* zuzuordnen. Im Verwitterungslehm sind örtliche Felsrippen nicht auszuschließen.
Seite 24/60
[Seite 25]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Das östliche Projektgebiet (Sondierungen KRB Ü7, Ü8, Ü8A, Ü9) liegt im Bereich der Tal-
flanke des Wuppertals, wodurch der Fels der Brandenbergschichten und lokal der Verwitte-
rungslehm bereits unterhalb des Oberbodens (Schicht 1) anstehen. Die Sondierungen mittels
Kleinrammbohrung konnten mehrere Meter tief in den verwitterten Fels eindringen (KRB Ü9:
etwa 3,5 m). Es kann davon ausgegangen werden, dass der Fels in etwa in den ersten 1 bis 4
m unterhalb der GOK in stark verwitterter und in aufgelockerter Form ansteht. Verwitterungs-
lehm wurde bei KRB Ü8A in Tiefen zwischen 0,4 und 0,9 m u. GOK angetroffen, bei KRB Ü9 in
Tiefen zwischen 0,8 m und 1,7 m u. GOK.
Die Gewichtsanteile der Kornfraktionen und die Kennzahlen der untersuchten Probe sind in Tab.
7 zusammengefasst.
Tab. 7: Kenngrößen und Gewichtsanteile der enthaltenen Kornfraktionen, Verwitterungslehm
| Boden- | Boden- | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Tiefe | d 10 | d 60 | U | C | Ton | Schluff | Sand | Kies | |||
| Mischprobe | gruppe | art | |||||||||
| [m] | [-] | [-] | [mm] | [mm] | [-] | [-] | [%] | [%] | [%] | [%] | |
| P13 | 0,4 – 1,7 | - | G,u, t', fs' | 0,0066 | 5,9055 | 888,3 | 0,0 | 5,2 | 35,3 | 13,7 | 44,9 |
In Abb. 15 ist die Körnungslinie der Probe P13 abgebildet.
Abb. 15: Körnungslinien Verwitterungslehm (Schicht 7)
Seite 25/60
[Seite 26]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
3.5 Bodenfestigkeit, Tragfähigkeit
Nach den Ergebnissen der durchgeführten Schweren Rammsondierungen, der Bodenanspra-
che und Erfahrungswerten wird die aufgeschlossene Schichtenfolge wie folgt beurteilt:
Schicht 1: Oberboden
Im Bereich des Oberbodens belegen die Schlagzahlen der Schweren Rammsonde (DPH) mit
im Mittel N < 1 - 2 Schlägen je 10 cm Eindringung der Sondenspitze nur eine geringe Tragfä- 10
higkeit. Dementsprechend wurde die Oberbodenschicht in lockerer Lagerung, bei überwiegend
bindigen Komponenten in weicher Konsistenz angesprochen.
Schicht 2: Auffüllungen: umgelagerter Boden
Die Schlagzahlen der Auffüllungen des umgelagerten Bodens (DPH Ü1, Ü2, Ü3, Ü4, Ü5)
bewegen sich zwischen 0 und 11 Schlägen je 10 cm Eindringtiefe der schweren Rammsonde.
Im Mittel liegt das Schlagzahlniveau etwa bei 3 bis 5 Schlägen je Dezimeter Eindringung. Aus-
nahme bilden die oberen 0,5 bis 1,0 m der DPH Ü4 und Ü5. Die dort anstehenden Tragschichten
weisen im Mittel ein Schlagzahlniveau von 14 Schlägen je 10 cm Eindringtiefe auf.
Die nicht bindigen Auffüllungen sind entsprechend locker bis mitteldicht gelagert. Die bindigen
Auffüllungen sind gemäß den erkundeten Schlagzahlniveaus als steif bis halbfest zu bewerten.
Die Tragfähigkeit der Auffüllungen ist somit als gering, örtlich als sehr gering, einzustufen.
Schicht 3: Auffüllungen: Klärschlammverbrennungsaschen
Die Verbrennungsaschen sind mit durchgehend niedrigen Schlagzahlen N < 5 meistens locker 10
gelagert und weisen eine geringe Tragfähigkeit auf.
Schicht 4: Auffüllungen: Klärschlamm
Das Schlagzahlniveau des bei den Sondierungen DPH Ü1 und DPH Ü5 anstehenden Klär-
schlamms (Mächtigkeiten 0,5 -0,6 m) liegt deutlich unterhalb von 5 Schlägen je 10 cm Eindring-
tiefe.
Klärschlamm kann aufgrund seiner Zusammensetzung und insbesondere wegen seines hohen
Anteils organischer Bestandteile nicht vollständig mit den üblichen bodenmechanischen Krite-
rien bewertet werden. Es kann aber sicher festgestellt werden, dass der Klärschlamm sehr kom-
pressibel und zur systemverträglichen Abtragung von Bauwerkslasten als ungeeignet zu bewer-
ten ist.
Seite 26/60
[Seite 27]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Schicht 5: Auensande / -lehme
Die Auensande/-lehme (DPH Ü1, Ü2, Ü4, Ü5) besitzen ein geringes Schlagzahlniveau
(1 ≤ N ≤ 4 Schläge je Dezimeter Eindringtiefe). Die Auensande stehen somit in einer lockeren 10
Lagerung an. Überwiegt der Lehmanteil, liegt eine weiche Konsistenz vor. Die Tragfähigkeit
dieses Schichtglieds wird für eine Bauwerksgründung als gering bewertet.
Schicht 6: Wupperschotter
Im Bereich des Wupperschotters steigen die Schlagzahlen innerhalb weniger Dezimeter ein-
heitlich auf N >> 10 und bestätigen damit die dichte Lagerung (DPH Ü2, Ü3, Ü4, Ü5). Das 10
Schlagzahlniveau liegt im Mittel bei 10 bis 18 Schlägen je 10 cm Eindringtiefe. Sowohl bei DPH
Ü4 als auch bei DPH Ü5 erhöht sich das Schlagzahlniveau im letzten Sondierungsmeter auf
Werte >>50. Der Wupperschotter verfügt somit über eine hohe Tragfähigkeit und ist für den
Abtrag von Bauwerkslasten als geeignet einzustufen.
Schicht 7: Verwitterungslehm, Fels (Brandenberg Schichten)
Bedingt durch die den Verwitterungslehm bzw. die den Fels der Brandenberg Schichten über-
lagernden dicht gelagerten Wupperschotter, konnten die Verwitterungslehme und der Fels im
westlichen Projektbereich am Standort der geplanten Übergabebauwerke nicht über schwere
Rammsondierungen aufgeschlossen werden.
Im östlichen Bereich der geplanten Leitungstrasse beträgt das Schlagzahlniveau innerhalb des
Verwitterungslehms an den Sondierungen DPH Ü8A und Ü9 zwischen 1 und 5 Schlägen je
10 cm Eindringtiefe. Im Mittel liegt es bei Werten von 1 bis 2. Hieraus lässt sich eine geringe bis
sehr geringe Tragfähigkeit des Verwitterungslehms ableiten.
Der Fels der Brandenberg Schichten ist im Bereich der Sondierungen DPH Ü8, Ü8A, Ü9 in den
ersten 2 bis 3,5 m unterhalb der GOK bei Schlagzahlen zwischen 1 bis 20 (im Mittel etwa 5 – 8)
als locker bis mitteldicht gelagert und gering bis mittel tragfähig einzuordnen. Erst in Tiefen
größer 2 bis 3,5 m u. GOK steigt das Schlagzahlniveau auf Werte > 100 an. Dort besitzt der
Baugrund eine sehr hohe Tragfähigkeit.
3.6 Bodenklassifizierung, Wasser- und Frostempfindlichkeit
Im Untersuchungsbereich ist mit den in der Tab. 8 angegebenen Bodengruppen nach
DIN 18196 zu rechnen. Ferner werden die Bodenschichten nach ihrer Frostempfindlichkeit
(ZTVE-StB 17) beurteilt.
Seite 27/60
[Seite 28]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Tab. 8: Bodengruppen, Bodenklassen und Frostempfindlichkeit
| Schicht | Bodengruppen nach DIN 18196 | Frostempfindlichkeit nach ZTVE-StB | ||
|---|---|---|---|---|
| 17 | ||||
| 1. Oberboden | Mu [OU, OH, SU*, SU, GU] | sehr frostempfindlich (F3) | ||
| 2. A: umgelagerter Boden | A[GW, GU, SW, SU, SU*, UL, TM] | Nicht (F1) bis sehr frostempfindlich (F3) | ||
| 3. A: Aschen | A[SU*, UL] | sehr frostempfindlich (F3) | ||
| 4. A: Klärschlamm | k.A. | k.A | ||
| 5. Auensande/-lehme | SU*, UL, TM | sehr frostempfindlich (F3) | ||
| 6. Wupperschotter | GU, SU | Gering bis mittel frostempfindlich (F2) | ||
| 7. Verwitterungslehm; Fels | k.A | k.A |
3.7 Bodenkennwerte
Die Bodenkennwerte werden nach den Ergebnissen der Material- und Konsistenzansprache in
den Kleinrammbohrungen, dem Bohrwiderstand, den Ergebnissen der Rammsondierungen,
den bodenmechanischen Laboruntersuchungen und nach Erfahrungswerten abgeschätzt. Den
Bodenschichten können folgende charakteristische Kennwerte zugeordnet werden:
Schicht 1 (Oberboden):
Keine Angabe, da für die geplante Maßnahme nicht relevant.
Schicht 2: Auffüllungen (umgelagerter Boden) Wichte des feuchten Bodens = 17 – 20 kN/m3, i.M. 18 kN/m3
Auftriebswichte ‘ = i.M. 10 kN/m³
Reibungswinkel ' = 27,5° – 35°, i.M. 30°
Kohäsion c' = 0 – 5 kN/m², i.M. 1 kN/m²
Steifemodul E = 4 – 25 MN/m², i.M. 12 MN/m² s
Schicht 3: Auffüllungen: Asche Wichte des feuchten Bodens = 16 – 19 kN/m3, i.M. 17 kN/m3
Auftriebswichte ‘ = i.M. 7 kN/m³
Reibungswinkel ' = 25° – 32,5°, i.M. 27,5°
Kohäsion c' = 2 – 6 kN/m², i.M. 3 kN/m²
Steifemodul E = 3 – 10 MN/m², i.M. 7 MN/m² s
Seite 28/60
[Seite 29]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Schicht 4: Auffüllungen: Klärschlamm Wichte des feuchten Bodens = 16 – 18 kN/m3, i.M. 17 kN/m3
Auftriebswichte ‘ = i.M. 7 kN/m³
Reibungswinkel ' = 20° – 27,5°, i.M. 22,5°
Kohäsion c' = 2 – 8 kN/m², i.M. 5 kN/m²
Steifemodul E = 2 – 5 MN/m², i.M. 3 MN/m² s
Schicht 5: Auensande/ -lehme Wichte des feuchten Bodens = 17 – 20 kN/m3, i.M. 18,5 kN/m3
Auftriebswichte ‘ = i.M. 8,5 kN/m³
Reibungswinkel ' = 27,5° – 35°, i.M. 30°
Kohäsion c' = 0 – 5 kN/m², i.M. 3 kN/m²
Steifemodul E = 2 – 10 MN/m², i.M. 7 MN/m² s
Schicht 6: Wupperschotter Wichte des feuchten Bodens = 18 – 20 kN/m3, i.M. 19 kN/m3
Auftriebswichte ‘ = i.M. 11 kN/m³
Reibungswinkel ' = 32,5° – 37,5°, i.M. 35°
Kohäsion c' = 0 – 2 kN/m², i.M. 0 kN/m²
Steifemodul E = 40 – 100 MN/m², i.M. 80 MN/m² s
Schicht 7:
Verwitterungslehm der Brandenberg-Schichten Wichte des feuchten Bodens = 19,5 – 20,5 kN/m3, i.M. 20 kN/m3
Auftriebswichte ‘ = i.M. 10 kN/m³
Reibungswinkel ' = i.M. 25°
Kohäsion c' = 0 – 10 kN/m², i.M. 5 kN/m²
Steifemodul E = 5 – 25 MN/m², i.M. 15 MN/m² s
Seite 29/60
[Seite 30]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Fels (Brandenberg-Schichten, Devon) Wichte des feuchten Bodens = i.M. 25 kN/m3
Auftriebswichte ‘ = i.M. 15 kN/m³ Reibungswinkel ' = i.M. 45°1 bzw. 35°2 bzw. 25°3
Steifemodul E = 150 (Tonstein); Es > 300 (Schluffstein, Sand- s
stein)
1Ersatzreibungswinkel des Gebirges 2Ersatzreibungswinkel auf Trennflächen 3Ersatzreibungswinkel auf verlehmten Trennflächen
Die Kennwerte der Schicht 8 beruhen auf den Ergebnissen der Baugrunderkundung in [9].
3.8 Einstufung in Homogenbereiche
Für den Bau der Übergabestationen (Geotechnische Kategorie GK 2) gelten die in Tab. 9
aufgeführten Homogenbereiche. Die Einstufung des anstehenden Baugrundes in
Homogenbereiche erfolgt nach VOB/C für die auszuführenden Erdarbeiten (Lösen und Einbau)
nach DIN 18300, für Bohrarbeiten (Bohrpfähle) nach DIN 18301 und für Rammarbeiten im
Rahmen der Spundwandherstellung des Grabenverbaus nach DIN 18304.
3.9 Bohr- und Rammbarkeit
Die Bohrbarkeit ist in den erkundeten Bodenschichten gegeben. Die Bohrbarkeit der
Festgesteinshorizonte ist mit erhöhten Aufwendungen möglich. Die Rammbarkeit ist in den
Schichten 1 bis 7a grundsätzlich gegeben. Im Wupperschotter (Schicht 6) können die
Rammwiderstände aufgrund seiner dichten Lagerung stark ansteigen. Hier sind ggf.
Lockerungs- oder Austauschbohrungen erforderlich. Es ist zu beachten, dass in den
Verwitterungslehmen (Schicht 7a) örtliche Felsrippen nicht auszuschließen sind. Das
Festgestein (Schicht 7b) ist nicht rammbar.
Seite 30/60
[Seite 31]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Tab. 9: Einteilung in Homogenbereiche nach VOB/C
| Schichten | Homogenbereiche nach Gewerken (Voreinstufung) | |||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| DIN 18300 | DIN 18301 | DIN 18304 | ||||||||||
| Nr. | Baugrundschicht | Lösen | Einbau | Bohrarbeiten | Rammarbeiten | |||||||
| 1 | Oberboden | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | |||||||
| 2 | A: umgelagerter Boden | LÖS - A | EIN – A | BOHR-A | RRP-A | |||||||
| 3 | A: Aschen | EIN - B | RRP-B | |||||||||
| 4 | A: Klärschlamm | LÖS - B | EIN - C | |||||||||
| 5 | Auensande / -lehme | LÖS - A | EIN – D | |||||||||
| 6 | Wupperschotter | EIN – E | RRP-A | |||||||||
| 7a | Verwitterungslehm | EIN – F | RRP-C | |||||||||
| 7b | Fels | LÖS-C | EIN – G | BOHR-B | RRP-D |
Es wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Einteilung der Homogenbereiche mit fort-
schreitender Planung, insbesondere unter Berücksichtigung des vorgesehenen
Geräteeinsatzes sowie von Bauzuständen und Bauphasen, zu überprüfen und ggf.
fortzuschreiben ist.
Die Kennwerte und Eigenschaften sowie deren mittlere Bandbreite für die o.g.
Homogenbereiche unter Berücksichtigung der einzelnen Gewerke (Erdbauarbeiten gemäß DIN
- sind der Anlage 5 zu entnehmen.
Die Angaben zu möglichen umweltrelevanten Stoffen in den genannten Baugrundschichten
bzw. in den Erdstoffen bzw. zur abfalltechnischen Voreinstufung der Erdstoffe wurden bei der
Festlegung der Homogenbereiche gemäß der VOB/C nicht berücksichtigt.
4 Grundwasser
4.1 Geohydraulische Kennwerte
Gebirgsdurchlässigkeiten
Die Gebirgsdurchlässigkeiten der Wupperschotter (Niederterrasse; Quartär) wurden auf der
Grundlage von Auswertungen von in 2013 und im Rahmen der Grundwasserbeprobung 2022
in den drei Grundwassermessstellen GWM B4, GWM D4 und GWM G3 ausgeführten Kurz-
pumpversuchen sowie von Auffüllversuchen bestimmt. Eine Berechnung anhand von
Seite 31/60
[Seite 32]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Kenngrößen der Körnungslinien ist aufgrund des Überschreitens der jeweiligen Gültigkeitsbe-
reiche weder nach BEYER noch nach SEILER möglich.
Von den bindigen Schichtgliedern und vom Festgestein wurden die Durchlässigkeiten anhand
der Bodenansprache bzw. nach Erfahrungswerten abgeschätzt.
Den Durchlässigkeiten der bindigen Schichtglieder der Talablagerungen sind nach der Boden- ansprache Werte von K = 1 * 10-8 bis K ≤ 1 * 10-6 m/s zuzuordnen.
Tab. 10: Ergebnisse der Durchlässigkeitsbestimmungen aus Pump- und Auffüllversuchen [9]
Seite 32/60
[Seite 33]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Für die Wupperschotter (Niederterrasse der Wupper) wurden in den insgesamt 21 Kurzpump-
versuchen (in 7 GWM wurde die instationäre Phase nach COOPER & JACOB, in 14 GWM
behelfsweise die stationäre Phase nach LOGAN ausgewertet) stark streuende Gebirgsdurch- lässigkeiten zwischen K =1,3 * 10-5 m/s und 2,1 * 10-3 m/s, i.M. K = 2,2 * 10-4 m/s, ermittelt (Tab.
10). In den drei Auffüllversuchen in den im Bereich des BV abgeteuften GWM liegen die K- Werte mit Werten zwischen K = 1,6 * 10-6 m/s und 6,0 * 10-5 m/s niedriger. Das geometrische Mittel aus allen Versuchen beträgt K = 1,5 * 10-4 m/s, das arithmetische Mittel K = 4,0 * 10-4 m/s, ohne die Werte der Auffüllversuche K = 4,4 * 10-4 m/s. Für hydraulische Betrachtungen kann ein Wert von K = 2 * 10-4 m/s, für Berechnungen von Grundwasserhaltungen vorsorglich ein Wert von K = 5 * 10-4 m/s angesetzt werden.
Für die Gebirgsdurchlässigkeit der Sand- und Tonsteine (Brandenberg-Schichten, Devon) wurde in einem Kurzpumpversuch in GWM 16u ein Wert von K = 1,7 * 10-4 m/s ermittelt (Tab. 10) Vom Erdbaulabor Borchert & Lange (1998) werden Werte zwischen K = 6 * 10-8 und 2* 10- 6 m/s zitiert (WD-Tests in GWM 11 und Pumpversuch in GWM 5). Nach Literaturangaben und
eigenen Erfahrungswerten können die Gebirgsdurchlässigkeiten in der oberflächennahen auf- gelockerten Zone bei K = 1 * 10-6 bis 1 * 10-4 m/s liegen. Gemäß der HyK 25 liegen die Durch- lässigkeiten in der Auflockerungszone der Brandenberg-Schichten im Bereich K = 1 * 106 – 1 * 10-5 m/s. Zur Tiefe hin, i.d.R. unterhalb von 30 m bis 50 m, werden die klastischen Festgesteine
bei rasch abnehmender Klüftigkeit allgemein als gering durchlässig eingestuft.
Dem an der Devonoberfläche nur örtlich vorhandenen Verwitterungslehm können Durchläs- sigkeiten von K 1 * 10-8 - 1 * 10-6 m/s zugeordnet werden.
Mächtigkeiten Grundwasserleiter
Die Mächtigkeiten der Wupperschotter betragen im Flussbett der ehemaligen Wupperschleife
bis zu etwa 8 m, zu den Rinnenrändern gehen sie auf Null zurück. In den mehrere 100 m
mächtigen Ton- und Sandsteinen der Brandenberg-Schichten beträgt die vergleichsweise
durchlässige Auflockerungszone nach Literatur- und Erfahrungswerten etwa 30 m bis 50 m.
Speichernutzbares Poren- bzw. Kluftvolumen
Für das speichernutzbare Porenvolumen n in den Wupperschottern kann nach den Kornvertei- o
lungskurven ein Wert von etwa n = 15 - 20 % angesetzt werden. 0
In den devonischen Sand- und Tonsteinen liegt das speichernutzbare Kluftvolumen in der aufge-
lockerten Zone nach Erfahrungswerten bei 0,5 % bis 2 %.
Seite 33/60
[Seite 34]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Abstandsgeschwindigkeit
Die natürliche Abstandsgeschwindigkeit in den Wupperschottern beträgt ca. 160 m/a (mit K =
2,0 * 10-4 m/s, hydraulischer Gradient i = 0,005, n = 20 %). 0
4.2 Beschreibung des Aquifersystems
Die Wupperschotter (Niederterrasse der Wupper; Quartär) bilden einen Porengrundwasserlei-
ter aus. Die Verbreitung der Wupperschotter ist als Rinnenfüllung auf den Nahbereich der ehem.
Wupperschleife bzw. der Wupperaue begrenzt. Die Wupperschleife wurde im Zuge der Umver-
legung der Wupper nach Herstellung des östlich gelegenen Wupperdurchstiches in ca. 1965
trockengelegt. Die anschließende Verfüllung erfolgte mit Aushubmassen des Wupperdurchsti-
ches, Bauschutt, Klärschlamm und Asche.
Die Mächtigkeiten der Wupperschotter betragen im Bereich des ehemaligen Wupperbetts bis
zu etwa 8 m. Zu den Rinnenrändern hin keilen sie naturgemäß aus.
Der Wupperschotter wird im natürlichen Zustand i.d.R. von Auenablagerungen (sandige Lehme
und lehmige Sande, örtlich mit Kiesanteilen) überdeckt. Örtlich ist das Grundwasser bei ent-
sprechender Tiefenlage der Schichtgrenze gespannt bzw. halbgespannt.
Im Festgestein (Sandsteine und Tonsteine der Brandenberg-Schichten des Devon) erfolgt die
Wasserbewegung i.w. über Klüfte und die aufgelockerten oberflächennahen Zonen. Die Ge-
steinsdurchlässigkeit selbst ist vernachlässigbar gering. Die Durchlässigkeit in einem solchen
Kluftgrundwasserleiter ist richtungsabhängig. Das im Fels hydraulisch dominierende Trennflä-
chenelement ist die Klüftung, i.d.R. insbesondere die Querklüftung (NW-SE-Verlauf).
Die ehem. Wupper hat sich in das Festgestein eingeschnitten und in diesen Rinnen Flußsedi-
mente abgelagert. Somit werden die mit Wupperschotter gefüllten Rinnen vom Festgestein um-
rahmt.
Der Verwitterungslehm an der Oberfläche des Festgesteines wurde nicht in allen Bohrungen
angetroffen, sodass eine lückenhafte Verbreitung vorliegt. Die beiden Grundwasserleiter stehen
somit örtlich in hydraulischem Kontakt miteinander. Sie sind nur lokal voneinander hydraulisch
getrennt. Dort wo der Verwitterungslehm auf größeren Flächen verbreitet ist, ist das Grundwas-
ser im Festgestein gespannt.
Im Bereich des Bauvorhabens ist in ausgeprägten länger andauernden nassen Wetterphasen
mit höheren Schichtenwasserständen zu rechnen.
Seite 34/60
[Seite 35]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
4.3 Grundwasserströmung
In Anl. 6 ist ein Grundwassergleichenplan (Stichtag 25.5.2022) mit Messung aller im Umfeld des
Bauvorhabens vorhandenen Grundwassermessstellen mit Verfilterung in den Wupperschottern
sowie der Pegel der Wupper dargestellt. Zum Messzeitpunkt lagen bezüglich der Grundwasser-
ganglinien 2010 bis 2013 (Abb. 17) im Baubereich rel. hohe, nahe der Wupper mittlere Grund-
wasserstände vor.
Die Grundwasserströmung im oberen Grundwasserleiter erfolgt in südöstliche und südliche Rich-
tung zum Vorfluter, der Wupper, hin.
Im Bereich des Bauvorhabens fallen die Grundwasserstände im Westen (Medienübergabestatio-
nen) von etwa 124,3 m ü. NHN am Talrand auf etwa 123,5 m ü. NHN im Bereich der südlich
angrenzenden Verkehrsflächen ab (Abb. 16, Anl. 6). Im Bereich der östlich der Medienübergabe-
stationen angeordneten geplanten Rohrleitungstrasse ist am Stichtag (25.05.2022) von Wasser-
ständen zwischen 124 und 124,5 m NHN auszugehen (Anl. 6).
Abb. 16: Grundwassergleichenplan Quartär, Stichtag 25.05.2022 [9]
Das von Norden und Westen aus dem Festgestein des Devon anströmende Grundwasser tritt
zum Teil in die höher durchlässigen Wupperschotter über. Ein kleinerer Teil tritt über kleinere
Seite 35/60
[Seite 36]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Quellaustritte am Übergang Hangbereich / Talaue aus. Am 25.5.2022 betrug die Schüttung der
Quelle nahe P 2 rund 0,4 l/min.
Der Grundwasserspiegel korrespondiert mit dem Wasserspiegel der Wupper, der, bedingt durch
das Stauwehr am Wupperdurchstich, bei Niedrigwasser zwischen ca. 117,6 m ü. NHN am Pegel
Buchenhofen und bei ca. 125,3 m ü. NHN am Pegel Rutenbeck liegt. Unmittelbar oberstromig des
Wehres kommt es zu einer Exfiltration von Wupperwasser in den Grundwasserleiter. Da die GW-
Messstellendichte im östlichen Bereich der Kläranlage relativ gering ist, wurde auf eine diesbe-
zügliche, für das Bauvorhaben ohnehin nicht relevante Konstruktion der GW-Gleichen verzichtet.
Im Festgestein liegen die Grundwasserstände der meistens am Talrand abgeteuften GWM rel.
hoch bis ca. 130,85 m ü. NHN (GWM 12). In der einzigen im Talbereich gelegenen GWM 16u
beträgt der Grundwasserstand 123,07 m ü. NHN, nahe des Talrandes, in GWM 15u
124,02 m ü. NHN. Darin zeigt sich, dass im Talbereich ein rascher Druckabbau im Devon stattfin-
det und die Grundwasserstände sich denen in den Wupperschottern annähern. Die Grundwas-
seroberfläche im Devon ist nur örtlich unterhalb des Verwitterungslehms gespannt. Bei lückenhaf-
ter Ausbildung des Verwitterungslehms stehen beide Grundwasservorkommen in hydraulischem
Kontakt. Aufgrund zu geringer Messstellendichte wurde auf die Darstellung der Grundwasserglei-
chen im Festgestein verzichtet.
4.4 Grundwasserstände
Die Grundwasserstände in zehn auf dem Gelände der Kläranlage vorhandenen GWM wurden
von Anfang 2010 bis Mitte 2013 ca. zwei- bis dreimal monatlich gemessen.
Die Grundwasserstände in den Wupperschottern unterliegen einem ausgeprägtem Jahresgang
mit i.d.R. hohen Grundwasserständen im hydrologischen Winterhalbjahr und niedrigen Werten
im hydrologischen Sommerhalbjahr (Abb. 17). Die jahreszeitlichen Grundwasserspiegel-
schwankungen liegen in den bauwerksnahen GWM bei gut 1 m bis 1,5 m, in den wuppernahen
GWM 1,5 m bis über 2 m. Die jahreszeitlichen Schwankungen werden i.d.R. von längerfristigen
Vorratsänderungen im Grundwasser, bedingt durch mehrjährige gleichsinnige überdurchschnitt-
liche Witterungsbedingungen, überlagert. In dem nur rel. kurzen Messzeitraum von ca. 3,5 Jah-
ren sind solche Trends nicht erkennbar, jedoch aufgrund der Vorflutnähe auch nicht zu erwarten.
Die Jahresniederschläge betrugen 2010 bis 2013 82 % bis 97 %, i.M. 92 % vom mittleren Jah-
resniederschlag.
Seite 36/60
[Seite 37]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Die wuppernahen GWM 4, 13 und 14 reagieren kurzfristig auf Hochwasserereignisse der Wup-
per. Die höchsten Wasserstände der Wupper lagen im o.g. Beobachtungszeitraum am Pegel
Buchenhofen bei max. 119,46 m ü. NHN und damit auf Höhe des MHW (119,51 m ü. NHN).
Das HHW der Wupper ist auf der Internetseite des LANUV nicht angegeben; das extreme HW
im Juli 2021 lag bei 120,81 m ü. NHN.
Abb. 17: Grundwasserspiegelganglinien aus den Wupperschottern und Ganglinie Wasserspiegel der
Wupper (Tagesmittelwerte Pegel Buchenhofen)
Seite 37/60
[Seite 38]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Abb. 18: Grundwasserspiegelganglinien aus dem Devon
Im Festgestein des Devon sind die jahreszeitlichen Grundwasserspiegelschwankungen mit
Werten von i.M. ca. 6 m, im Extremfall bis 9 m deutlich höher ausgeprägt als in den Wupper-
schottern (Abb. 18). Ursächlich ist das gegenüber dem speichernutzbaren Porenvolumen in den
Wupperschottern geringere Kluftvolumen im Festgestein.
GWM mit längeren Zeitreihen liegen aus dem näheren und weiteren Untersuchungsraum nicht
vor. Somit lässt sich der höchste Grundwasserstand bzw. Bemessungswasserstand nur
durch Beaufschlagung der vorliegenden Messwerte mit einem Sicherheitszuschlag festlegen.
Bzgl. der hohen Grundwasserstände wird aufgrund des unzureichend langen Beobachtungs-
zeitraumes, der zudem im Jahresmittel auch nur vergleichsweise trockene oder knapp durch-
schnittlich nasse Jahre umfasste, ein rel. hoher Zuschlag von 1,5 m gewählt. Ausgehend von
einem Wert im Baufeld von 124,5 m ü. NHN im Mai 2022 (Abb. 16) beträgt der Bemessungs-
grundwasserstand in den Wupperschottern für das BW 126,0 m ü. NHN.
Seite 38/60
[Seite 39]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Für die Bauphase kann ausgehend von o.g. Ausgangswert und einem Zuschlag von 0,5 m ein
bauzeitlicher Grundwasserstand von 125,0 m ü. NHN angesetzt werden.
Die eingemessenen Grundwasserstände der am 08.04.2022 [9] und am 27. / 28.04.20224
durchgeführten Sondierungen decken sich mit den im Grundwassergleichenplan der Abb. 16
abgebildeten Messwerten (Tab. 11).
Tab. 11: Kleinrammbohrungen - Grundwasserstände in m NHN
| GW-Höhe [m NHN] | Messung | |
|---|---|---|
| KRB F1A | 124,59 | 08.04.2022 |
| KRB Ü1 | 124,08 | 27.+28.06.2024 |
| KRB Ü2 | 124,21 | |
| KRB Ü3 | 123,94 | |
| KRB Ü4 | 124,03 | |
| KRB Ü5 | 123,37 | |
| KRB Ü6 | 123,90 | |
| Durchschnitt | 123,92 | ohne 08.04.2022 |
| Durchschnitt | 124,02 | mit 08.04.2022 |
5 Betonaggressivität
Um die Dauerhaftigkeit des Betons zu gewährleisten, werden an die Betonrezeptur Anforderun-
gen gestellt, die sich aus Expositionsklassen ergeben. Die Einteilung in Expositionsklassen wird
durch DIN EN 1992-1/NA, DIN EN 206-1 und DIN 1045-2 (Anwendungsregeln zu DIN EN 206-
- geregelt.
Für die Beurteilung des Betonangriffs durch chemischen Angriff der Umgebung aus Kontakt des
Betons mit natürlichen Böden und Grundwasser werden drei Expositionsklassen definiert:
XA1: Chemisch schwach angreifende Umgebung,
XA2: Chemisch mäßig angreifende Umgebung und Meeresbauwerke,
XA3: Industrieabwasseranlagen mit chemisch sehr stark angreifenden Abwässern.
Zur Beurteilung des betonangreifenden Charakters eines Bodens genügt gemäß DIN 4030-1,
5.1 im Allgemeinen die Entnahme von Wasserproben. Ist dies aufgrund fehlenden Wasserdar-
gebots nicht möglich, sind Bodenproben zu entnehmen (DIN 4030-2, 4.3, Absatz (1)).
Seite 39/60
[Seite 40]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Eine Entnahme von Wasser- und Bodenproben ist bei wechselnden Grundwasserständen
durchzuführen, da es durch die Wasserstandsschwankungen zur häufigen Durchfeuchtung
bzw. Durchlüftung des Korngerüsts kommt. Hieraus kann ein erhöhter Sulfidgehalt resultieren
(DIN 4030-2, 4.3, Absatz (1)).
Aufschüttungen industrieller Abfallprodukte, Schutt, Müll, Schlacken sowie Asche- und Berghal-
den können genauso wie ihre Sickerwässer betonangreifend sein (DIN 4030-1, 4.2.4). Gleiches
gilt für Klärschlämme, die erhöhte Anteile an Huminsäuren besitzen können. Bei diesen anthro-
pogenen Böden sollten ebenfalls Grundwasser- und Bodenanalysen durchgeführt werden.
DIN 4030-1 gibt in Verbindung mit DIN EN 206-1 die bei Grundwasser- bzw. Bodenproben zu
untersuchenden chemischen Merkmale sowie die zugehörigen Grenzwerte zur Beurteilung des
chemischen Angriffs an (Tab. 12).
Tab. 12: Grenzwerte zur Einstufung in Expositionsklassen XA
| Chemisches Merkmal | Referenzprüfverfahren nach | XA1 | XA2 | XA3 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Grundwasser | |||||
| 1 | SO4 2- [mg/l] | DIN EN 196-2 | ≥ 200 ≤ 600 | > 600 ≤ 3000 | > 3000 ≤ 6000 |
| 2 | pH-Wert | ISO 4316 | ≥ 5,5 ≤ 6,5 | ≥ 4,5 < 5,5 | < 4,5 ≤ 4,0 |
| 3 | CO2 [mg/l] | DIN EN 13577:2007 | ≥ 15 ≤ 40 | > 40 ≤ 100 | > 100 |
| 4 | NH4 + [mg/l] | ISO 7150-1:1984 | ≥ 15 ≤ 30 | > 30 ≤ 60 | > 60 ≤ 100 |
| 5 | Mg2 + [mg/l] | DIN EN ISO 7980 | ≥ 300 ≤ 1000 | > 1000 ≤ 3000 | > 3000 |
| Boden | |||||
| 6 | SO4 2- [mg/kg]a | DIN EN 196-2b | ≥ 2000 ≤ 3000c | > 3000c ≤ 12.000 | > 12.000 ≤ 24000 |
| 7 | Säuregrad | DIN 4030-2 | > 200 Baumann-Gully | in der Praxis nicht anzutreffen |
In [9] wurden bereits Untersuchungen zur Einteilung des Baugrunds in Expositionsklassen
durchgeführt. Aufgrund der unmittelbaren Nähe beider Projektgebiete können die Untersu-
chungsergebnisse für die weitere Planung herangezogen werden (Anl. 7).
Im vorliegenden Fall befinden sich Bauteile des geplanten Bauwerks im Schwankungsbereich
des Grundwassers. Außerdem stehen anthropogene Materialien (Aschen, Klärschlämme) an.
Gemäß DIN 4030-1 wurden deswegen sowohl Grundwasser- als auch Bodenproben unter-
sucht. Die vollständige Dokumentation der Grundwasser- und Bodenanalytik ist in Anl. 7 beige-
fügt.
Seite 40/60
[Seite 41]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Im Rahmen der Grundwasseranalytik wurde beim im Wupperschotter anstehenden Grundwas-
serleiter eine Ammoniumbelastung von maximal 25 mg/l festgestellt. Daraus ergibt sich eine
Einstufung in die Expositionsklasse XA1 (Tab. 13).
Die Analytik der Bodenproben wurde für die gewachsenen Bodenschichten des Wupperschot-
ters und Verwitterungslehms sowie für die anthropogenen Asche- und Klärschlammschichten
durchgeführt. Während bei den gewachsenen Bodenschichten eine Einstufung in eine Exposi-
tionsklasse XA nicht gegeben ist, wurden bei den anthropogenen Schichten hohe Sulfatbelas-
tungen (max. 29.300 mg/kg im Klärschlamm) ermittelt. Dem Grenzwertschema nach DIN 4030-
1 entsprechend ist diesen Schichten die Expositionsklasse XA3 zuzuordnen.
Unter Berücksichtigung der Grundwasser- und Bodenanalytik ist für den Beton somit die Expo-
sitionsklasse XA3 als maßgebend anzusetzen.
Seite 41/60
[Seite 42]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Tab. 13: Untersuchungsumfang zur Einstufung in Expositionsklassen XA
6 Rückbau des Heizöllagers
Das bestehende Heizöllager wurde auf einer Höhe von 122 m NHN gegründet (UK Fundament,
Kapitel 1.5). Bei einem geplanten vollständigen Rückbau ist somit bei einer Geländehöhe von
126,3 m NHN mindestens eine Aushubtiefe von 4,3 m vorzusehen. Der bauzeitliche
Bemessungswasserstand ist gemäß Kapitel 4.4 bei 125 m NHN anzusetzen.
Eine geböschte Baugrube wird insbesondere wegen des lokal anstehenden Klärschlamms nicht
empfohlen. Es wird die Herstellung der Baugrube mit Verbauelementen bevorzugt. Eine
Sicherung der Baugrube mittels Spundwandverbau kann wasserdicht ausgeführt werden.
Seite 42/60 kitylananedoB
-ressawdnurG kitylana B
C
F
B
C
C
C
D
F
B
C
B
C
C
D
G o
4
4
o
3
4
D
3
4
o
4
o
4
5
3
r P r o b e n -N r .
d e n : A s c h e
P 1 C h e m A
P 1 C h e m A
d e n : W u p p e r s c h o
P 2 C h e m A
P 2 C h e m A
4 5 P 2 C h e m A
P 2 C h e m A
P 2 C h e m A
d e n : V e r w itte r u n g
P 3 C h e m A
d e n : K lä r s c h la m m
P C h e m A ,K 1
P C h e m A ,K 2
P C h e m A ,K 3
u n d w a s s e r le ite r : W
G W M B 3
G W M D 4
G W M G 3 E n tn a h m e tie fe
[m ]
0 – 7 ,0
0 – 8 ,0
tte r
1 3 ,0 – 2 0 ,0
1 3 ,0 – 1 9 ,1
1 2 ,0 – 2 1 ,9
1 4 ,5 – 1 9 ,8
1 2 ,2 – 1 8 ,0
s le h m
1 9 ,1 – 2 0 ,1
1 0 ,0 – 1 1 ,0
4 ,0 – 6 ,0
1 1 ,0 – 1 2 ,0
u p p e r s c h o tte r
M a ß g e b e n d e M
E a
P
x ß
a
p X g e b e n d
r a m e te
2 - S O 4
2 - S O 4
2 - S O 4
2 - S O 4
2 - S O 4
N H 4
N H 4
o s itio n A 3 e r
r
s k la s s E
e E in s tu fu n
x p o s itio n s
X A
X A 3
X A 2
X A 3
X A 2
X A 3
X A 1
X A 1
g e s : g
k in
la s s e E x
je M
p
S a ß g e b e n
o s itio n s k
c h ic h t / L
X A 3
X A 3
X A 1 d
la
e e
s s
ite e
r
[Seite 43]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Allerdings ist die Rammbarkeit in den Brandenbergschichten, welche an der nördlichen
Bauwerksseite unterhalb von etwa 118 bis 122 m NHN anstehen können, nicht gegeben. Ein
Baugrubenverbau mit Bohrpfählen besitzt ebenfalls den Vorteil einer wasserdichten
Ausführbarkeit. Die Bohrpfähle verbleiben jedoch im Boden, was insbesondere für die
nachfolgenden Bauarbeiten im Bereich der geplanten Medienübergabestation und der
Leitungstrassen als nachteilig angesehen wird. Eine Trägerbohlwand kann nur mit
vorauseilender Grundwasserabsenkung eingesetzt werden, da es sich um keinen wasserdicht
ausführbaren Verbau handelt. Sie ist allerdings rückbaubar.
Im Rahmen einer qualifizierten Wiederverfüllung der Baugrube sind verdichtungswillige Böden
einzubauen. Dies gilt insbesondere für die Bereiche, wo nachfolgend die Übergabestationen
gegründet werden sollen (Anlage 1). Auch eine Nutzung des wiederverfüllten Bereichs als
Baustelleneinrichtungsfläche oder Verkehrsfläche setzt eine derart qualifiziert ausgeführte Ver-
füllung voraus, um ungleichmäßige Setzungen zu verhindern. Die Anforderungen an den Einbau
der Baugrubenwiederverfüllung werden in Kapitel 7.3.3 definiert.
7 Gründungsempfehlungen
7.1 Gründungstiefe
7.1.1 Medienübergabestation
Gemäß der vorliegenden Planungsunterlagen [11] weist die geplante Medienübergabestation
zwei Gründungsniveaus auf. Im Westen soll sie auf einem Niveau von 120,7 m NHN (6,3 m
unterhalb des Bezugsniveaus OKFFB EG = 127 m NHN) gegründet werden. Im östlichen
Gebäudebereich soll ein 3,6 m breiter und 10,9 m langer Bereich auf einem höher liegenden
Niveau von 123,4 m NHN (3,6 m unterhalb des Bezugsniveaus OKFFB EG = 127 m NHN)
gegründet werden (Abb. 19).
Die Gründungsebenen der Medienübergabestation liegen somit 1,6 m bzw. 4,3 m unter dem
bauzeitlichen Bemessungswasserstand.
Seite 43/60
[Seite 44]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Abb. 19: Medienübergabestation: Darstellung der zwei Gründungsniveaus (grün) [11]
7.1.2 WSW-Übergabestation
Gemäß der vorliegenden Planungsunterlagen [11] soll die Gründung der 10,32 m x 7,32 m
umfassenden Grundfläche der WSW-Übergabestation auf einem Niveau von 126,05 m NHN
(0,95 m unterhalb des Bezugsniveaus OKFFB EG = 127 m NHN) erfolgen. Der bauzeitliche
Bemessungswasserstand liegt somit unterhalb der Gründungssohle (Abb. 20).
Seite 44/60
[Seite 45]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Abb. 20: Schematische Darstellung des Gründungsniveaus der WSW-Übergabestation
7.2 Gründungsboden
7.2.1 Medienübergabestation
Gemäß dem aktuellen Planungsstand [6] soll die Medienübergabestation auf einer Brachfläche
westlich des derzeit bestehenden Heizöllagers errichtet werden. Der östliche Bauwerksbereich
reicht bis in die Aufstandsfläche des im Vorfeld der Baumaßnahme zurückzubauenden
Heizöllagers.
Das tiefer angeordnete Gründungsniveau von 120,7 m NHN liegt unterhalb des
Gründungsniveaus des Heizöllagers (etwa 122,0 m NHN). Die Gründungssohle schneidet in die
NNW-SSW einfallende Oberkante der Brandenberg-Schichten ein (Anlage 2.1, Schnitt B-B),
welche oberflächennah verwittert bis stark verwittert anstehen. Gemäß KRB/DPH Ü1 und Ü3
befindet sich der südliche Bereich der Gründungsebene im Übergangsbereich zwischen
Auffüllungen und Wupperschotter. Im Liegenden des an der südlichen Bauwerksgrenze bis zu
etwa 2 bis 3 m mächtigen Wupperschotters steht die Oberkante der Brandenberg-Schichten an
(Anlage 2.2, Schnitt C-C). Es ist davon auszugehen, dass die Schichtgrenze zwischen Locker-
und Festgestein stark reliefiert ausgebildet ist. Lokal in den Wupperschotter hineinragende
Felsrippen sind nicht auszuschließen.
Der auf dem Gründungsniveau anstehende gewachsene Boden ist als tragfähig einzustufen.
Eventuell in geringem Umfang anstehenden Auffüllungen sind geringe bis mittlere
Tragfähigkeiten zuzuordnen.
Ein großer Teil des auf einer Höhe von 123,4 m NHN liegenden Gründungsniveaus befindet
sich im Bereich des Untergeschosses des bis auf ein Niveau von etwa 122 m NHN einbindenden
Seite 45/60
[Seite 46]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Heizöllagers. Die restlichen Bereiche der geplanten Gründunsgebene liegen im ehemaligen
Arbeitsraum des Heizöllagers, der in Sondierung KRB/DPH Ü3 erkundet wurde. Die
eingebauten Böden setzen sich aus einer Wechsellagerung von – örtlich schluffigen – Kiesen,
die mit Sandsteinbruchstücken durchsetzt sein können, und tonigen Schluffen zusammen.
Letztere stehen vorwiegend in weicher Konsistenz an. Es ist nicht auszuschließen, dass das
geplante Gründungsniveau im Norden außerhalb des Arbeitsraums in die gewachsenen Böden
einschneidet, wo ggf. auf einem Niveau von 123,4 m NHN bereits die Brandenberg-Schichten
anstehen können.
Die im Bereich des Gründungsniveaus anstehenden Auffüllungen des Arbeitsraums sind als
sehr gering bis mäßig tragfähig einzustufen. Im Bereich des Heizöllagers ist der
Gründungsboden unterhalb des Gründungsniveaus nach dem Rückbau des Heizöllagers
aufzubauen. Hierauf wird in Kapitel 7.3.1 eingegangen.
7.2.2 WSW-Übergabestation
Gemäß dem aktuellen Planungsstand [6] soll der südliche Teil der Grundfläche im Bereich
des vor Baubeginn abzubrechenden Heizöllagers angeordnet werden. Die nördliche
Grundfläche der WSW-Übergabestation soll auf einer Brachfläche zwischen dem bestehenden
Heizöllager und dem Fuß der Talflanke des Wuppertals gegründet werden (Anlage 1).
Im südlichen Bereich der Grundfläche befindet sich das noch abzutragende Heizöllager. Es
bindet bis zu einer Höhe von etwa 122,0 m NHN in den Untergrund ein (Kapitel 1.5). Nach
Rückbau des Bauwerkes ist gemäß Kapitel 6 ein qualifizierter Einbau einer Ausgleichsschicht
vorzusehen.
Im Bereich der nördlichen Grundfläche stehen unterhalb der Gründungsebene bei
126,05 m NHN Auffüllungen von etwa 2,5 bis 3 m Mächtigkeit an. Sie werden von Auenlehmen
/-sanden (Schicht 5) unterlagert. In der Sondierung KRB/DPH Ü4 wurden sie als locker bis
mitteldicht umgelagerter Wupperschotter angesprochen (Schicht 2). Klärschlammvorkommen
(Schicht 4) sind nicht auszuschließen.
Die auf dem Gründungsniveau anstehenden Auffüllungen im Bereich der nördlichen
Grundfläche sind sehr heterogen aufgebaut und als gering tragfähig einzustufen.
Seite 46/60
[Seite 47]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
7.3 Gründungsart, zulässige Bodenpressung
7.3.1 Medienübergabestation
Als Gründungsart wird eine Plattengründung empfohlen.
Auf der Grundlage der Kleinrammbohrungen, der Schlagzahlen der schweren Rammsonde und
der bodenmechanischen Laborversuche reicht die Tragfähigkeit der lokal auf dem
Gründungsniveau von 120,7 m NHN anstehenden gewachsenen Böden aus, um die
Bauwerkslasten setzungsarm abzutragen. Da das Gründungsniveau an der Schichtgrenze
zwischen den Brandenberg-Schichten und dem Wupperschotter (bzw. lokal evtl. Auffüllungen)
liegt, wird eine 0,5 m mächtige Ausgleichsschicht zur Vereinheitlichung des Lastabtrags
unterhalb der Gründungsebene / Sauberkeitsschicht empfohlen. Evtl. auf diesem Niveau
anstehende geringmächtige Auffüllungen sollten abgetragen werden, sodass die
Ausgleichsschicht auf dem Wupperschotter aufgebaut wird.
Ein Lastenplan liegt im aktuellen Planungsstadium nicht vor. Im Rahmen der Vorbemessung
kann auf der sicher liegenden Seite für die Vorbemessung ein Bettungsmodul von
ks = 4,5 MN/m³ auf der Oberfläche der Ausgleichsschicht zu Grunde gelegt werden. Dieser
Ansatz ist im Zuge der voranschreitenden Planung zu überprüfen.
Der Rückbau des Heizöllagers erfordert die Herstellung einer Baugrube bis zu einer Tiefenlage
von mindestens 122 m NHN (Gründungsniveau Heizöllager, Kapitel 1.5). Zur Herstellung des
an der Örtlichkeit des Heizöllagers auf einer Höhenlage von 123,4 NHN anzuordnenden
Gründungsniveaus der Medienübergabestation ist folglich der Einbau einer Ausgleichsschicht
erforderlich. Diese muss mindestens mit einer Höhe von 1,4 m (Differenz des östlichen
Gründungsniveaus der Medienübergabestation zur erforderlichen Aushubtiefe beim Abriss des
Heizöllagers) auf der gesamten Fläche des vorgesehenen Gründungsniveaus (123,4 m NHN)
ausgebildet werden. Die Mächtigkeit der Ausgleichsschicht wird maßgebend durch das
gewählte Bauverfahren zur Herstellung der Baugrube bestimmt. Hierauf wird in Kapitel 9.1
eingegangen.
Im Rahmen der Vorbemessung ist ein im späteren Projektstadium zu prüfender
Bettungsmodul von ks = 4,5 MN/m³ auf der Oberfläche der östlichen Ausgleichsschicht (OK
123,4 m NHN) zu Grunde zu legen.
Seite 47/60
[Seite 48]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
7.3.2 WSW-Übergabestation
Als Gründungsart wird eine Plattengründung empfohlen.
Die nach dem Rückbau des Heizöllagers vorzusehende Ausgleichsschicht ist im Bereich des
südlichen Teils der Grundfläche der WSW-Übergabestation lageweise verdichtet von einem
Höhenniveau von 122 m NHN (Aushubtiefe nach Bauwerksabriss) bis auf ein Niveau von
125,5 m NHN aufzubauen. Hiermit erfolgt eine temporäre Wiederverfüllung über den
bauzeitlichen Bemessungswasserstand von 125 m NHN hinaus.
Aus den Kleinrammbohrungen, den Schlagzahlen der schweren Rammsonde und den
bodenmechanischen Laborversuchen lässt sich ableiten, dass die Tragfähigkeit der im
nördlichen Teil der WSW-Übergabestation auf dem vorgesehenen Gründungsniveau von
126,05 m NHN anstehenden Auffüllungen (Schichten 2 und 4) nicht ausreicht, um die
Bauwerkslasten setzungsarm abzutragen. Infolgedessen wird ein Bodenaustausch
(Polsterschicht) der anstehenden Auffüllungen von mindestens 1,0 m (125 m NHN) unterhalb
der Gründungsebene / Sauberkeitsschicht empfohlen.
Um eine Vergleichmäßigung des Lastabtrags zu erzielen, wird empfohlen, den südlichen, bis
auf 125,5 m NHN profilierten Bereich, auf ein Niveau von 125 m NHN abzutragen, um
anschließend auf der gesamten Fläche der WSW-Übergabestation eine 1 m mächtige
Polsterschicht aufbringen zu können.
Ein Lastenplan liegt im aktuellen Planungsstadium noch nicht vor. Im Rahmen der
Vorbemessung kann auf der sicher liegenden Seite für die Vorbemessung ein Bettungsmodul
von ks = 4,5 MN/m³ auf der Oberfläche der Polsterschicht zu Grunde gelegt werden. Dieser
Ansatz ist im Zuge der voranschreitenden Planung zu überprüfen.
7.3.3 Anforderungen an den Einbau von Ausgleichs- / Polsterschichten
Für den Aufbau der Ausgleichs- und Polsterschichten kommen weitgestufte Sand-Kies-
Gemische, z.B. Kiessande mit einer Körnung 0/32 (U > 7) oder Schotter-Splitt-Sand-Gemische
mit einer Körnung 0/45 (U > 7) bzw. RCL-Material mit entsprechendem Eignungszeugnis und
chemischer Unbedenklichkeit in Betracht. Stahlwerksschlacken und MV-Aschen scheiden
grundsätzlich aus.
Seite 48/60
[Seite 49]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Die Schichten müssen auf mindestens 98 % der einfachen Proctordichte verdichtet werden.
Bei Polsterschichten ist ein seitlicher Überstand des Polsters von b > 15 cm über die
Fundamentkante sowie ein Lastausbreitungswinkel von 45° zu berücksichtigen.
8 Verdichtbarkeit und Wiederverwendbarkeit des Aushubmaterials
Beim Aushub anfallende Wupperschotter sind aus bodenmechanischer Sicht beispielsweise für
die Errichtung von (bauzeitlichen) Verkehrsflächen als Unterbau geeignet. Es ist davon
auszugehen, dass ein ausreichender Verdichtungsgrad von 95 bis 97 % der Proctordichte
erreichbar ist.
Die beim Aushub anfallenden Auffüllungen sind aufgrund ihrer Heterogenität nicht zur
sackungsfreien Verfüllung von Arbeitsräumen geeignet. Insbesondere bei den bindigen
Einschaltungen kann davon ausgegangen werden, dass ein ausreichender Verdichtungsgrad
von 95 bis 97% der Proctordichte nicht erreichbar ist. In begrenztem Umfang kann der
Bodenaushub zur Geländemodellierung oder zur Übererdung des Bauwerkes genutzt werden.
Die bindigen Auffüllungen sowie die Klärschlammeinschaltungen sind stark witterungs- und
bewegungsempfindlich. Erdarbeiten bei Niederschlägen führen entsprechend zu einer
schnellen Verschlechterung der Konsistenz der Böden (breiig-weich), die eine bautechnische
Wiederverwendung ausschließen. Es wird daher empfohlen, Erdarbeiten bevorzugt bei
trockener Witterung durchzuführen und Aushubflächen staunässefrei zu halten.
Im Rahmen der Bodenansprachen waren im Bereich der Medienübergabestation vier
Bodenproben organoleptisch auffällig. Bei der Sondierung KRB Ü3 wurde zwischen 4,2 und 8,6
m u. GOK (Proben G7 - G10) MKW-Geruch festgestellt. Außerdem setzen sich die Auffüllungen
lokal aus anthropogenen Materialien (Klärschlamm, Klärschlammverbrennungsaschen)
zusammen. Klärschlamm wurde bei KRB U1 zwischen 2,5 und 3,1 m unterhalb der GOK
erkundet. Die Verbrennungsaschen stehen oberflächennah bei den Sondierungen KRB Ü1, Ü2
und Ü3 mit geringen Mächtigkeiten (etwa 0,5 m) an.
Im Bereich der WSW-Übergabe wurde eine Bodenprobe als organoleptisch auffällig identifiziert
(KRB/DPH Ü4, G6, 3,5 – 4,8 m). Es wurde MKW-Geruch festgestellt. Bei der in etwa 10 m vom
Bauwerk entfernt liegenden Sondierung KRB/DPH Ü5 wurde ebenfalls in den drei Proben G3
und G4 bzw. G6 (1,0 – 2,8 m, bzw. 3,3 – 4,4 m) MKW-Geruch erfasst.
Seite 49/60
[Seite 50]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
9 Empfehlungen für die Bauausführung
9.1 Baugrubenböschungen
9.1.1 Medienübergabestation
9.1.1.1 Empfehlungen zum Baugrubenverbau / Wasserhaltung
Bezüglich des Verfahrens zur Sicherung der Baugrube liegen derzeit planungsseitig keine
Informationen vor. Vor dem Bau der Medienübergabestation ist es geplant, das Heizöllager
vollständig zurückzubauen (Kapitel 6).
Bei einem Gründungsniveau der Medienübergabestation von mindestens 120,7 m NHN und
einer etwa bei 127,0 m NHN liegenden Geländeoberkante, ergibt sich unter Ansatz einer 0,5 m
mächtigen Ausgleichsschicht (Kapitel 7.3.1) eine Baugrubentiefe von mindestens 6,8 m.
Die Herstellung einer geböschten Baugrube wird nicht nur wegen der Baugrubentiefe von
mindestens 6,4 m als nicht zielführend angesehen. Zum einen würden Böschungen einen nicht
unerheblichen Mehraushub darstellen, zum anderen sind die nachfolgend aufgeführten
geotechnischen Randbedingungen für eine Böschungsherstellung als ungünstig zu bewerten,
weswegen eine Herstellung der Baugrube mit Böschungen nicht empfohlen wird:
• Grundwasser und Schichtenwasser im Bereich der Böschung (bauzeitlicher
Bemessungswasserstand: 125 m NHN, Kapitel 4.4),
• niedrige Scherparameter der sich inhomogen aus bindigen und nicht bindigen Böden
sowie Klärschlamm zusammensetzenden Auffüllungen,
• Anordnung der Baugrube im Bereich des Fußes der Flanke des Wuppertals und
daraus resultierende ungünstigere Geometrie.
Bei der Wahl eines für die Herstellung der Baugrube geeigneten Bauverfahrens ist insbesondere
die Lage des Grundwasserstands zu berücksichtigen. Bei den gegebenen Randbedingungen
steht der bauzeitliche Bemessungswasserstand in etwa 4,3 m oberhalb der Gründungssohle
an. Das Bauverfahren ist derart zu wählen, dass die Auftriebssicherheit der Gründungsplatte
während der Bauzeit gewährleistet werden kann. Bei der Dimensionierung des Bauwerkes ist
die Auftriebssicherheit für den Endzustand ebenfalls zu gewährleisten. Aufgrund aktuell nicht
Seite 50/60
[Seite 51]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
vorliegender Lastenpläne, ist die Überprüfung der Auftriebssicherheit des Endzustands aktuell
nicht möglich und im weiteren Projektverlauf zu überprüfen.
Als ein mögliches Herstellungsverfahren der Baugrube wird die Errichtung einer
überschnittenen Bohrpfahlwand in Kombination mit einer geschlossenen Wasserhaltung
empfohlen. Bei der Auslegung der Bohrpfahlwand sind die hydrogeologischen
Randbedingungen zu berücksichtigen. Nachfolgend wird ein möglicher Bauablauf beschrieben,
bei dem die Brunnen der eingesetzten offenen Wasserhaltung innerhalb der Baugrube
angeordnet werden. Hierdurch kann die zu fördernde Wassermenge reduziert werden, da das
Abpumpen im Schutz des wasserdichten Verbaus erfolgt und laterale Grundwassereintritte
reduziert werden. Ein Absetzen der Bohrpfähle innerhalb der Brandenberg-Schichten
unterbricht die lateralen Fließwege innerhalb des Wupperschotters, was zu einer weiteren
Minderung des zu fördernden Wassers führt:
- Nach Rückbau des Heizöllagers:
Das Gelände wird nach dem Rückbau des Heizöllagers auf ein Niveau von etwa
127 m NHN profiliert. Hierbei wird die Baugrube nach dem Rückbau des Heizöllagers
gemäß Kapitel 7.3.1 qualifiziert mit Bodenmaterial verfüllt.
- Beginn der Baugrubenherstellung der Medienübergabestation:
Herstellung der Gründungsebenen (120,7 m NHN bzw. 123,4 m NHN) im Schutz einer
umlaufenden überschnittenen Bohrpfahlwand.
Abb. 21: Anordnung Bohrpfahlwand
Seite 51/60
[Seite 52]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
- Installation einer geschlossene Wasserhaltung:
Anordnung von Brunnen innerhalb des durch die Bohrpfahlwand eingeschlossenen
Bereichs. Verfilterung der Brunnen über die gesamte Länge (sowohl im Locker- als auch
Festgestein).
- Absenkung des Grundwasserspiegels:
Bauzeitliche Absenkung des Grundwasserspiegels bis auf das Niveau der
Baugrubensohle, zuzüglich eines Sicherheitsabstands von ca. 1 bis 1,5 m (in
Abhängigkeit des gewählten Konzepts der Grundwasserhaltung festzulegen).
- Aushub der Baugrube:
Aushub des gesamten durch die Bohrpfahlwand eingeschlossenen Bereichs auf ein
Niveau von 120,2 m NHN (UK Ausgleichsschicht).
- Einbau Polsterschicht:
Einbau einer Polsterschicht gemäß Kapitel 7.3.1.
- Einbau der Bodenplatte:
Errichtung der Bodenplatte zur Gründung der Bauwerkskonstruktion. Es ist der
Nachweis der Auftriebssicherheit des Gebäudes im fertiggestellten Zustand für den
Bemessungswasserstand von 126 m NHN zu führen. Falls die Gewichtskraft des
aufliegenden Gebäudes nicht ausreicht um die Auftriebssicherheit zu gewährleisten,
sind ggf. weitere Maßnahmen, wie z.B. eine Rückverankerung der Bodenplatte,
durchzuführen.
- Herstellung der Konstruktion der Medienübergabestation
Nach dem Einbau der Bodenplatte wird der westliche Bauwerksteil aufgebaut.
Nachfolgend ist der Aufbau der Ausgleichsschicht unterhalb des östlichen
Gründungsniveaus bis auf 123,4 m NHN durchzuführen. Auf dieses Niveau wird im
nächsten Bauschritt der östliche Bauwerkteil errichtet (Abb. 22).
- Beendigung der Wasserhaltungsmaßnahme / Bau der Medienübergabestation
Nach Fertigstellung der auftriebssicheren Konstruktion kann die Wasserhaltungs-
maßnahme beendet werden. Die Brunnenköpfe sind anschließend druckwasserdicht zu
verschließen.
Seite 52/60
[Seite 53]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Abb. 22: Schematische Darstellung der Herstellung der Medienübergabestation
9.1.1.2 Bohrpfähle nach DIN EN 1536, Baugrubensicherung
Für die Ausführung und Bemessung der Bohrpfähle gilt im Allgemeinen die DIN EN 1536. Für die
Ermittlung des Tragverhaltens von Bohrpfählen können auf der Grundlage der durchgeführten
Baugrunderkundung und der Tabellenwerte der EA Pfähle (2. Auflage, 2012) die folgenden cha-
rakteristischen Werten für die Mantelreibung q in den Lockergesteinen in Ansatz gebracht wer- s,k
den:
- Auffüllungen (umgel. Boden, Aschen, Klärschlamm) q = 0 MN/m2 s,k
- Auenlehm, Auensande q = 0,04 MN/m2 s,k
- Wupperschotter q = 0,12 MN/m2 s,k
- Verwitterungslehm q = 0,04 MN/m2 s,k
Für den Fall, dass Pfähle im Wupperschotter abgesetzt werden sollen, werden im Folgenden gem.
EA Pfähle charakteristische Pfahlspitzenwiderstände q für den Wupperschotter angegeben. Sie b,k
sind über die mittleren Schlagzahlen der DPH abgeschätzt worden und können als Richtwerte für
die Vorbemessung (charakteristische Werte ohne Berücksichtigung von Teilsicherheitsbeiwerten)
der Pfahlgründung angesetzt werden.
| bezogene Pfahlkopfsetzung s/D bzw. s/D s b | Pfahlspitzenwiderstand q [MN/m²] bk Wupperschotter |
|---|---|
| 0,02 | 1,2 |
| 0,03 | 1,6 |
| 0,1 = s g | 3,5 |
Seite 53/60
[Seite 54]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Die Einbindetiefe in den tragfähigen Lockergesteinsschichten muss mind. 2,5 m betragen.
Die Vorgaben der EA Pfähle sind einzuhalten
Für den charakteristischen Bruchwert der Pfahlmantelreibung im Fels (schwach verwitterte
Schluff-/Sandsteine oder Kalksteine) kann bei mittleren einaxialen Druckfestigkeiten
q 20 MN/m² nach EA Pfähle folgender Wert angesetzt werden: u,k
- Bruchwert der Pfahlmantelreibung q s,k 0,5 MN/m².
Für den charakteristischen Bruchwert des Spitzendruckes im Fels (s.o.) kann nach EA Pfähle
folgender Wert angesetzt werden:
- Bruchwert des Spitzendruckes q b,k 10,0 MN/m².
Bei einer Einbindung der Bohrpfähle in den Fels sollte die Mantelreibung der überlagernden Lo-
ckergesteinsschichten nicht oder nur abgemindert in Ansatz gebracht werden. Auf Grund der sehr
geringen Pfahlfußverschiebung im Fels reicht die Vertikalverschiebung des Pfahlschaftes nicht
aus, um die Mantelreibung im Lockergestein zu aktivieren.
Pfähle, die am Kopf durch Querkräfte und / oder Biegemomente beansprucht werden, tragen sol-
che Belastungen über die seitliche Bettung ab. Die Bettungsmodule der beteiligten Baugrund-
schichten dürfen nach der Formel
k = E / D s,k s,k s
angesetzt werden.
Hierbei bedeuten:
k = charakteristischer Wert des Bettungsmoduls [kN/m²] s,k
E = charakteristischer Wert des Steifemoduls (Mittelwert nach Kapitel 3.7) s,k
D = Pfahlschaftdurchmesser [m] für D ≤ 1,0 m; bei D ≥ 1,0 m darf mit D = 1,0 m ge- s s s s
rechnet werden.
Seite 54/60
[Seite 55]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Der Anwendungsbereich der o.g. Gleichung ist durch eine rechnerisch maximale charakteristi-
sche Horizontalverschiebung von entweder 2,0 cm oder 0,03 * D begrenzt; der kleinere Wert ist s
maßgebend.
9.1.2 WSW-Übergabestation
Der Einbau einer Polsterschicht gemäß Kapitel 7.3.2 erfordert einen Bodenaushub bis auf etwa
125 m NHN. Bei einer Geländehöhe von etwa 127 m NHN ergibt sich eine Baugrubentiefe von
ca. 2 m. Bei ausreichenden Platzverhältnissen und abseits von Gebäudeeinflüssen können die
Böschungen geböscht hergestellt werden. Da die Böschungen innerhalb von Auffüllungen
hergestellt werden, sollten die Böschungen Neigungen von 1:1,5 nicht überschreiten. Die Bö-
schungsflanken des Baugrubenaushubs sind gegen Niederschläge, Austrocknung und kon-
zentrierte Wasserabläufe zu schützen, z.B. durch Abdecken mit Baufolien und / oder einer klei-
nen Umwallung / Kontergefälle am Böschungskopf.
Baubegleitend wird die Betreuung durch einen geotechnischen Sachverständigen empfohlen.
Der bauzeitliche Wasserstand liegt unterhalb der Gründungssohle. Es wird die Vorhaltung einer
offenen Wasserhaltung (Pumpensumpf) für die Fassung und Ableitung von Tagwasser
empfohlen.
9.2 Baugrubensohle
Der Aushub der Baugruben der Übergabestationen ist rückschreitend so vorzunehmen, dass
das Baugrubenplanum nicht mehr befahren und in seiner Struktur nicht beeinträchtigt wird.
Oberhalb der Endaushubsohle ist zunächst eine Schutzschicht von ca. 0,3 m zu belassen und
erst unmittelbar vor Herstellung des Bodenaustauschs rückschreitend freizulegen. Freigelegte
Flächen sind nach zu verdichten und möglichst umgehend durch das Aufbringen des Boden-
polsters vor Auflockerungen zu schützen.
Die Baugruben sollten erst unmittelbar vor Baubeginn, möglichst bei trockener Witterung, geöff-
net werden.
Seite 55/60
[Seite 56]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
9.3 Abdichtung / Dränung
Das Bauwerk der Medienübergabestation befindet sich unterhalb des Grundwassers und ist
gemäß DIN 18195-6 gegen von außen drückendes Wasser zu schützen.
Bei der Bodenplatte der WSW-Übergabestation genügt ein Schutz gegen Bodenfeuchtigkeit
und nicht drückendes Wasser nach DIN 18195.
9.4 Baugrubenabnahme
Die Beschreibung der Baugrubenverhältnisse beruht auf punktuellen Aufschlüssen, zwischen
denen linear interpoliert wurde. Abweichungen zwischen Aufschlüssen sind möglich. Die
Abnahme der Baugrubensohle sowie die Verdichtungskontrollen auf den Polsterschichten / den
Ausgleichsschichten werden empfohlen. Die Stärke der Einbaulagen ist an das Gewicht und
Leistungsvermögen der eingesetzten Verdichtungsgeräte anzupassen. Als eine plausible
Mindeststärke kann ca. 0,3 m angenommen werden. Dabei darf das Größtkorn des
einzubauenden Baustoffs nicht größer als 2/3 der zulässigen Schütthöhe sein. Auf den
einzelnen Einbaulagen sind die folgenden Verdichtungsanforderungen einzuhalten:
E ≥ 70 [MN/m²] V2
E /E ≤ 2,5 [-] V2 v1
Nach dem Freilegen des Planums und vor dem Überbauen mit der Bodenplatte / dem Grün-
dungspolster ist die Übereinstimmung der flächigen Baugrundverhältnisse mit den aus der Bau-
grunderkundung vorausgesetzten Eigenschaften zu überprüfen („Sohlabnahme“ s. DIN EN
1997-1/4.3, DIN EN 1997-2/2.5(2)). Der Verdichtungserfolg ist mit Feldversuchen (z.B. Platten-
druckversuchen) zu überprüfen. Es wird die Durchführung einer Eigen- und Fremdüberwachung
empfohlen.
10 Leitungstrassen
Die Leitungen sollen in einer Tiefe von 2,5 m unterhalb der Geländeoberkante verlegt werden
(Kapitel1.5).
Seite 56/60
[Seite 57]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Hinsichtlich der Höhenlage [in m NHN] sind folgende Bereiche zu unterscheiden:
• Bereich A: Paralleler Leitungsverlauf zwischen Medienübergabestation /
Verkehrsflächen und Beginn der Böschungen an der Grenze des Betriebsgeländes,
• Bereich B: Paralleler Leitungsverlauf im Bereich des Hanges.
Das Sohlniveau der Leitungstrassen beträgt bei Einbautiefen von 2,5 bzw. 1,0 m je Bereich in
etwa (Rohrleitungstrasse / MS-Kabel):
• Bereich A: 124,5 m NHN / 126 m NHN,
• Bereich B: zwischen ca. 124,5 m NHN / 126 m NHN und 133,5 m NHN / 135 m NHN.
Im Westen (Bereich A) queren die Leitungstrassen (Gründungstiefen 2,5 bzw. 1,0 m u. GOK)
die Grundfläche des rückzubauenden Heizöllagers. Dort stehen beim Bau der Trasse auf dem
Sohlniveau entsprechend die Materialien der Ausgleichsschicht an (Kapitel 6). Westlich
angrenzend befindet sich die Gründungssohle innerhalb von Auffüllungen (Schichten 2 und 4).
Diese sind, wie in Kapitel 3.4 beschrieben, sehr heterogen aufgebaut. Weicher umgelagerter
Auenlehm, locker umgelagerter Wupperschotter und Klärschlamm stehen in Wechsellage an
(KRB / DPH Ü5 und Ü6).
Bei den im Bereich des Hanges angeordneten Leitungen (Bereich B) stehen die Brandenberg-
Schichten bereits oberflächennah an. Somit liegt die Gründungssohle der Leitungen dort im
Bereich von mit Gesteinsbruchstücken durchsetzten Verwitterungslehmen sowie teils stark
verwittertem Fels.
Die in der Örtlichkeit des rückzubauenden Heizöllagers anzuordnende Leitungstrasse bindet in
die gemäß Kapitel 6 qualifiziert einzubauende Ausgleichsschicht zur Wiederverfüllung der
Baugrube ein. Es sind entsprechend große Tragfähigkeiten zu unterstellen. Westlich
angrenzend quert die Leitungstrasse im Bereich der Verkehrsflächen gering bis sehr gering
tragfähige Auffüllungen. Im Bereich des Hanges ist von mittleren bis großen Tragfähigkeiten der
Brandenbergschichten auszugehen. Diese können aufgrund der Heterogenität (Wechsel von
verwitterten Fels und mit Sandsteinbruchstücken durchsetzten Verwitterungslehmen)
uneinheitlich ausgebildet sein.
Insbesondere bei den im westlichen Bereich anstehenden Auffüllungen (Bereich A) ist aufgrund
der gering tragfähigen Auffüllungen eine mindestens 0,3 m mächtige Polsterschicht zur
Seite 57/60
[Seite 58]
Projekt-Nr.: 24.061 GEOTECHNISCHES BÜRO 13.09.2024 PROF. DR.-ING. H. DÜLLMANN GMBH
Vereinheitlichung des Lastabtrags vorzusehen. Darauf aufbauend sind obere und untere
Auflagerschichten gemäß DIN EN 1610 bzw. ATVDVWK A13 aufzubauen.
Aufgrund der schwer entwässerbaren Böden im Bereich der Grabensohle kann eine Stabilisie-
rung der unteren Bettungsschicht erforderlich werden. Die Sohlstabilisierung (Bodenpolster / Er-
satztragschicht) muss filterstabil zum Untergrund und zur Bettung ausgebildet sein. Diese
Schicht ist daher ringsum mit einem Geotextil zu umgeben. Es wird ein Geotextil der Geotex-
tilrobustheitsklasse GRK 3 empfohlen. Die Überlappungslängen sind den Angaben des Herstel-
lers zu entnehmen.
Als Gründungsschicht aus mineralischem Material ist ein Boden der Gruppe G 1 oder G 2 ent-
sprechend der Tabelle 1 der DWA-A 139 einzubauen [16].
Alternativ hierzu ist der Einbau einer Magerbetonschicht möglich. Gemäß der Richtlinie DWA-A
139 soll der Beton für die Rohrbettung mind. die Qualität B 15 aufweisen.
Die Rohrauflager sind gemäß den Anforderungen der DIN EN 1610 herzustellen.
Im Rohrauflagerbereich sollten die Baustoffe für die Bettung nach Abs. 5.3.1 der DIN 1610 keine
Bestandteile (z.B. Überkorn) enthalten, die größer sind als
- 22 mm bei DN ≤ 200 mm / 40 mm bei DN > 200 bis DN ≤ 600 mm.
Bei der Verwendung von gebrochenen Baustoffen im Rohrauflagerbereich dürfen diese nach An-
hang B 3.5 der DIN EN 1610 für die Bettung keine Bestandteile enthalten, die größer sind als
- 11 mm bei DN < 900 mm / 20 mm bei DN ≤ 1000 mm.
Für die Herstellung der Leitungstrassen wird der Einsatz von Grabenverbaugeräten nach
DIN 4124 empfohlen. Diese sind in Abhängigkeit der anstehenden Baugrundverhältnisse im
Einstell- oder Absenkverfahren einzubringen.
Der Ein- und Rückbau des Verbaus muss so erfolgen, dass nachteilige Auswirkungen auf be-
stehende Bauwerke ausgeschlossen sind. Es sind die Vorgaben der DWA-A 139 einzuhalten.
Des Weiteren ist darauf zu achten, dass es hierbei nicht zu Lageveränderungen der eingebau-
ten Leitungstrasse kommt.
Seite 58/60