Bundesweite Untersuchung der Klimaschutzwirkung von Auen und Auenrenaturierungen
Bundesamt für Naturschutz · Bonn, Deutschland · DOEV
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Zusammenfassung
Das Bundesamt für Naturschutz mit Sitz in Bonn beauftragt eine bundesweite Untersuchung zur Klimaschutzwirkung naturnaher und renaturierter Auen. Entwickelt werden soll eine Methode zur Bilanzierung von Kohlenstoffvorräten in Böden und Vegetation sowie der Bindung und Freisetzung von Treibhausgasen, um bestehende Beiträge und künftige Potenziale großflächiger Auenrenaturierungen zu bewerten. Als Frist ist der 1. Oktober 2026 um 10:00 Uhr angegeben.
Vergabeunterlagen
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Beschreibung
Intakte Gewässer und Auen haben einen bedeutenden gesellschaftlichen Nutzen, denn neben dem Erhalt der Artenvielfalt, der Verbesserung der Wasserqualität und der Erholungsnutzung leisten sie zentrale Beiträge zur Klimaanpassung und zum Klimaschutz. Mit Blick auf den Klimaschutz belegen verschiedene Studien, dass fluss- bzw. auenbezogene Ökosysteme große Mengen Kohlenstoff speichern, und ihre Renaturierung zur Verringerung von Treibhausgas-Emissionen (THG) beiträgt . Regelmäßige Überflutungen, ein strukturreiches Auenrelief und höhere Grundwasserspiegel in Auen begünstigen die Ablagerung von organischen und nährstoffreichen Feinsedimenten, was zu einer erhöhten Primärproduktion (Aufnahme von Kohlendioxid in Biomasse) und zugleich einem verlangsamten Abbau von organischem Material (Freisetzung von Kohlendioxid aus Biomasse) führt. Die Abschätzung der Klimaschutzwirkung von Auen basiert derzeit größtenteils auf Daten von organischen Böden (Moore). Vor allem im Nordosten Deutschlands und im Alpenvorland gibt es eine große Schnittmenge zwischen Auen bzw. Niederungen und Mooren . Durch Entwässerung und u. a. landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden werden klimaschädliche Treibhausgase freigesetzt. Der Kenntnisstand der Kohlenstofffestlegung von „mineralischen“ Auenböden, die insgesamt mehr als 90 % der deutschen Flussauen aus der Betrachtungskulisse des Auenzustandsberichtes 2021 (79 Fließgewässer) ausmachen, weist im Vergleich zu Moorböden noch größere Defizite und noch umfangreichere anthropogene Beeinflussungen auf. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass auch in mineralischen Überschwemmungsauen die Kohlenstoffvorräte sowohl im Boden als auch in der Vegetation höher sind als in terrestrischen Ökosystemen. Acker- und Grünlandstandorte in der rezenten Aue (d. h. bis zu einem HQ 100 überflutbare Aue) besitzen einen im Mittel um 60 t Kohlenstoff pro Hektar höheren Vorratswert im Boden (über alle Böden gemittelt) als in der Altaue (vom Fluss durch Dämme und Deiche abgetrennte und dadurch von der Überflutungsdynamik abgeschnittene Aue)1. Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass auch die in alten Hartholz-Auenwäldern gespeicherte Kohlenstoffmenge um 60 t Kohlenstoff pro Hektar höher als die Kohlenstoffmenge im durchschnittlichen Wald in Deutschland ist . Es besteht jedoch eine erhebliche räumliche Variabilität für den organischen Kohlenstoffbestand im Boden und in der Vegetation in Auen. Bundesweite Abschätzungen zur konkreten Quantifizierung des Beitrags von naturnahen Auen bzw. der Effekte von Auenrenaturierungen auf die Treibhausgasspeicherung weisen daher noch erhebliche Unsicherheiten auf. Gleichzeitig ist der Bedarf an Kenntnissen des potenziellen Beitrags von Gewässern und v. a. ihrer Auen zum natürlichen Klimaschutz vor dem Hintergrund der LULUCF-Ziellücke und im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK 2.0) sehr groß. Die bundesweiten Potenziale der Auen werden mit diesem Vorhaben bearbeitet. Ziel dieses Vorhabens ist es, eine bundesweite Übersicht über die Klimaschutzwirkung von Auen auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu erhalten, und den Beitrag von bundesweit bereits renaturierten und naturnahen Auen sowie das bundesweite Potenzial von zukünftigen großflächigen Auenrenaturierungen zur Kohlenstoffspeicherung und Reduktion von Treibhausgasemissionen besser abzuschätzen. Dabei sind der „Kohlenstoffvorrat“ in Boden und Vegetation und die Netto-Fixierung von Treibhausgasen (als Bilanz aus Treibhausgasbindung und Freisetzung) zu betrachten. Dafür ist eine geeignete Methodik zur bundesweiten Treibhausgasbilanzierung der Auen (rezente und Altauen) zu entwickeln, die so weit wie möglich die für die Klimaschutzwirkung treibenden, auenspezifischen Charakteristika berücksichtigt und über bestehende, grob abschätzende Methoden hinausgeht. Mit dieser Methode soll die Klimaschutzwirkung naturnaher Auen und der Nutzen von Auenrenaturierungsprojekten für den natürlichen Klimaschutz quantifiziert werden. Einzelheiten ergeben sich aus der Leistungsbeschreibung, die Bestandteil der Vergabeunterlagen ist.
Lose
1 LosIntakte Gewässer und Auen haben einen bedeutenden gesellschaftlichen Nutzen, denn neben dem Erhalt der Artenvielfalt, der Verbesserung der Wasserqualität und der Erholungsnutzung leisten sie zentrale Beiträge zur Klimaanpassung und zum Klimaschutz. Mit Blick auf den Klimaschutz belegen verschiedene Studien, dass fluss- bzw. auenbezogene Ökosysteme große Mengen Kohlenstoff speichern, und ihre Renaturierung zur Verringerung von Treibhausgas-Emissionen (THG) beiträgt . Regelmäßige Überflutungen, ein strukturreiches Auenrelief und höhere Grundwasserspiegel in Auen begünstigen die Ablagerung von organischen und nährstoffreichen Feinsedimenten, was zu einer erhöhten Primärproduktion (Aufnahme von Kohlendioxid in Biomasse) und zugleich einem verlangsamten Abbau von organischem Material (Freisetzung von Kohlendioxid aus Biomasse) führt. Die Abschätzung der Klimaschutzwirkung von Auen basiert derzeit größtenteils auf Daten von organischen Böden (Moore). Vor allem im Nordosten Deutschlands und im Alpenvorland gibt es eine große Schnittmenge zwischen Auen bzw. Niederungen und Mooren . Durch Entwässerung und u. a. landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden werden klimaschädliche Treibhausgase freigesetzt. Der Kenntnisstand der Kohlenstofffestlegung von „mineralischen“ Auenböden, die insgesamt mehr als 90 % der deutschen Flussauen aus der Betrachtungskulisse des Auenzustandsberichtes 2021 (79 Fließgewässer) ausmachen, weist im Vergleich zu Moorböden noch größere Defizite und noch umfangreichere anthropogene Beeinflussungen auf. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass auch in mineralischen Überschwemmungsauen die Kohlenstoffvorräte sowohl im Boden als auch in der Vegetation höher sind als in terrestrischen Ökosystemen. Acker- und Grünlandstandorte in der rezenten Aue (d. h. bis zu einem HQ 100 überflutbare Aue) besitzen einen im Mittel um 60 t Kohlenstoff pro Hektar höheren Vorratswert im Boden (über alle Böden gemittelt) als in der Altaue (vom Fluss durch Dämme und Deiche abgetrennte und dadurch von der Überflutungsdynamik abgeschnittene Aue)1. Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass auch die in alten Hartholz-Auenwäldern gespeicherte Kohlenstoffmenge um 60 t Kohlenstoff pro Hektar höher als die Kohlenstoffmenge im durchschnittlichen Wald in Deutschland ist . Es besteht jedoch eine erhebliche räumliche Variabilität für den organischen Kohlenstoffbestand im Boden und in der Vegetation in Auen. Bundesweite Abschätzungen zur konkreten Quantifizierung des Beitrags von naturnahen Auen bzw. der Effekte von Auenrenaturierungen auf die Treibhausgasspeicherung weisen daher noch erhebliche Unsicherheiten auf. Gleichzeitig ist der Bedarf an Kenntnissen des potenziellen Beitrags von Gewässern und v. a. ihrer Auen zum natürlichen Klimaschutz vor dem Hintergrund der LULUCF-Ziellücke und im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK 2.0) sehr groß. Die bundesweiten Potenziale der Auen werden mit diesem Vorhaben bearbeitet. Ziel dieses Vorhabens ist es, eine bundesweite Übersicht über die Klimaschutzwirkung von Auen auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu erhalten, und den Beitrag von bundesweit bereits renaturierten und naturnahen Auen sowie das bundesweite Potenzial von zukünftigen großflächigen Auenrenaturierungen zur Kohlenstoffspeicherung und Reduktion von Treibhausgasemissionen besser abzuschätzen. Dabei sind der „Kohlenstoffvorrat“ in Boden und Vegetation und die Netto-Fixierung von Treibhausgasen (als Bilanz aus Treibhausgasbindung und Freisetzung) zu betrachten. Dafür ist eine geeignete Methodik zur bundesweiten Treibhausgasbilanzierung der Auen (rezente und Altauen) zu entwickeln, die so weit wie möglich die für die Klimaschutzwirkung treibenden, auenspezifischen Charakteristika berücksichtigt und über bestehende, grob abschätzende Methoden hinausgeht. Mit dieser Methode soll die Klimaschutzwirkung naturnaher Auen und der Nutzen von Auenrenaturierungsprojekten für den natürlichen Klimaschutz quantifiziert werden. Einzelheiten ergeben sich aus der Leistungsbeschreibung, die Bestandteil der Vergabeunterlagen ist.